Tag-Archiv für 'wittig'

Antworten auf Kritik

Der indymedia-​​Bericht über unsere Transpi-​​ und Flugi-Aktion beim Ber­li­ner Stut­walk löste – neben kru­der Pöbe­lei (siehe dazu dort) – einige ernst­hafte Ein­wände und Beden­ken gegen unsere Parole von der ‚Abschaf­fung der Män­ner‘ aus. Der bes­se­ren Les­bar­keit und Über­sicht­lich­keit wegen wer­den hier im fol­gen­den die sich direkt auf ein­an­der bezie­hen­de­nen indymedia-“Ergänzungen“ (Kom­men­tare) direkt gegen­über­ge­stellt und zwar zu fol­gen­den The­men:

Nur Män­ner abschaf­fen? – Oder: Alle Geschlech­ter abschaf­fen?
Zum Ver­hält­nis von ‚Männ­lich­keit’ und ‚Mann­sein’
Ver­ständ­nis­schwie­rig­kei­ten und Erklä­rungs­ver­su­che (evtl. bie­tet es sich an, die Lek­türe mit die­ser Dis­kus­sion zu begin­nen, statt der Chro­no­lo­gie der Kri­ti­ken zu fol­gen)
Wes­sen „dog­ma­ti­sche Eng­stir­nig­keit“?
Har­tes Fak­tum „Mut­ter­milch“?

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Geschlechter abschaffen!

Sa., 13.8., 14:45 h – vor dem DGB-​​Haus

„Einst­wei­len hat die Dekon­struk­tion der Geschlech­ter­ka­te­go­rie die Dis­kus­sio­nen auf die unsin­nige Frage gebracht: Gibt es die Frauen oder gibt es sie nicht?, wäh­rend die sexis­ti­schen Gewalt­ver­hält­nisse weit­ge­hend aus dem Blick­feld gera­ten sind. Als könnte das Zau­ber­wort soziale Kon­struk­tion die Herr­schafts­ver­hält­nisse auf­lö­sen und die Kate­go­rie Frau über­win­den, bevor die Frauen den all­täg­li­chen Sexis­mus zurück­ge­drängt haben.“
(Cor­ne­lia Eich­horn /​ Sabine Grimm;
http://​www​.nadir​.org/​n​a​d​i​r​/​a​r​c​h​i​v​/​F​e​m​i​n​i​s​m​u​s​/​G​e​n​d​e​r​K​i​l​l​e​r​/​g​e​n​d​e​r​_​1​.html)

„[…] the cate­gory ‚woman‘ as well as the cate­gory ‚man‘ are poli­ti­cal and eco­no­mic cate­go­ries not eter­nal ones. Our fight aims to sup­p­ress men as a class, not through geno­ci­dal, but a poli­ti­cal struggle. Once the class ‚men‘ disap­pears, ‚women‘ as a class will disap­pear as well, for there are no sla­ves wit­hout mas­ters.“ (Moni­que Wit­tig; http://​www​.geo​ci​ties​.com/​s​a​i​d​y​o​u​n​g​m​a​n​/​w​i​t​t​i​g​0​1.htm)

Wei­ter­le­sen – zur Kri­tik des refor­mis­ti­schen, neoliberalismus-​​kompatibel quee­ren Geschlech­ter­plu­ra­lis­mus und ande­rer Irr­tü­mer der letz­ten 15 Jahre:

Kuschel­sex oder Kuschel­po­li­tik? Lesbisch-​​kommunistische De-​​Konstruktion oder ex-​​autonom-​​postmoderner Libe­ra­lis­mus?
erschien in: inte­rim Nr. 440, 18.12.1997, 10 – 20 und Nr. 441, 08.01.1998, 18 – 26

Selek­tive Wahr­hei­ten?
Selek­tive Wahr­hei­ten?

Gegen den Strom
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​1​/​0​5​/​0​3​/​g​e​g​e​n​-​d​e​n​-​s​trom/

Seven sim­ple, basic and poli­ti­cal ques­ti­ons, which all queer com­ra­des should ans­wer
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​1​/​0​6​/​2​9​/​s​e​v​e​n​-​s​i​m​p​l​e​-​b​a​s​i​c​-​a​n​d​-​p​o​l​i​t​i​c​a​l​-​q​u​e​s​t​i​o​n​s​-​w​h​i​c​h​-​a​l​l​-​q​u​e​e​r​-​c​o​m​r​a​d​e​s​-​s​h​o​u​l​d​-​a​n​swer/

und von ande­ren:

► Beate Sel­ders und Chris­tian Qua­d­flieg
Beate Sel­ders, Und immer: „Was bin ich?“ Über But­ches und Femmes, Rol­len­spiele und Roll-​​Backs und Chris­tiane Qua­d­flieg, Butch und Femme. „Männ­li­chen Machen“ auf Les­ben­art?, in: Blau, Winter/​Frühjahr 1997/​98, 4 – 6 und 7 – 12
als .pdf-​​Bild-​​Datei.

► Andrea Baier /​ Ste­fa­nie Soine
Sex ohne Gren­zen: Die les­bi­sche Vari­ante des Neo­li­be­ra­lis­mus
in: bei­träge zur femi­nis­ti­schen theo­rie und pra­xis H. 45, 1997, 71 – 79.
als .pdf-​​Datei.

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Männliches doing gender kritisieren; De-Konstruktion POLITISIEREN – Vorschlag für 2 Slutwalk-Transpis

Am 13.8. fin­det in Ber­lin – wie auch in ande­ren Städ­ten in der BRD – ein Slut­walk gegen Ver­ge­wal­ti­gun­gen und schuld­um­keh­rende Ver­ge­wal­ti­gungs­my­then, die den Ver­ge­wal­tig­ten Schuld an den Ver­ge­wal­ti­gun­gen geben, statt (Über­sicht über die web-​​Präsensen sowie die Start­orte und -zeit­punkte: http://​arsch​hoch​.blog​sport​.de/​2​0​1​1​/​0​7​/​3​1​/​t​e​r​m​i​n​e​-​u​n​d​-​a​n​d​e​r​e​-​h​i​n​w​e​i​se-3/).

Gibt es viel­leicht wel­che, die Inter­esse hät­ten, bei dem Ber­li­ner Slut­walk einen Mini­block mit zwei Trans­pis zu bil­den?
Tran­spi 1: „Ver­ge­wal­ti­gen ist männ­li­ches doing gen­der
Tran­spi 2: „Geschlech­ter abschaf­fen – Män­ner zuerst abschaf­fen.“

Falls es einer politisch-​​theoretischen Begrün­dung /​ Erläu­te­rung bedarf: siehe unten.

Ich habe einen doodle-​​Termin ein­ge­rich­tet: http://​doodle​.com/​5​5​r​s​3​6​r​x​u​u​5​bzhwb . Ich würde vor­schla­gen, etwaig Inter­es­sierte ver­stän­di­gen sich erst ein­mal auf einen pas­sen­den Ter­min und klä­ren dann, ob wir uns gleich zum Transpi-​​Malen tref­fen wol­len oder erst noch mal über den genauen Text reden – und legen dann den jeweils pas­sen­den Ort fest. Für das Malen kämen viel­leicht die ent­spre­chen­den LaD.I.Y.fest-Workshops in Betracht: Mo., 8. Aug., 17-​​20 Uhr und Di., 9. Aug., 14-​​17 Uhr Trans­pis & Pla­kate für den Slut­walk im Café Cralle (http://​www​.lady​fest​.net/​?​p​=3251).

Theoretisch-​​politische Erläuterung/​Begründung

Mir scheint die bei­den vor­ge­schla­ge­nen Paro­len wür­den queer-​​feministische Poli­tik end­lich, nach rund 20 Jah­ren Ver­zö­ge­rung, auf das Radi­ka­li­täts­ni­veau von de-​​konstruktivistischem Femi­nis­mus als Theo­rie brin­gen:

[Die­ser Text als .pdf-​​Datei]

1. doing gen­der (mehr…)

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Erneut: Diesseits der Geschlechtergrenzen – Die Kulturalisierung des Feminismus als Naturalisierung der Geschlechterdifferenz

nebst einem Vor­schlag, wie revo­lu­tio­när Abhilfe zu schaf­fen ist.

Aus aktu­el­lem Anlaß weise ich hier noch mal auf mei­nen Vor­trag hin, den ich am 14.11.2007 an der Uni­ver­si­tät Ham­burg im Rah­men der Reihe „Jen­seits der Geschlech­ter­gren­zen“ gehal­ten hatte. Unten folgt die schrift­li­che Ankün­di­gung des Vor­tra­ges.
Der münd­li­che Vor­trag selbst wurde am 17.12.2007 und/​oder am 21.01.20081 von 14:00 bis 15:30 vom Ham­bur­ger Sen­der „FSK. Freies Sen­der Kom­bi­nat“ aus­ge­strahlt.
Die Audio-​​Dateien ste­hen bei der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek der FU Ber­lin zum down­load zur Ver­fü­gung: V-GGrenzen-T1_fsk-send-21-01-08_14-15h.ogg und V-GGrenzen-T2_fsk-send-21-01-08_15-16h.ogg (jew. ca. 50 MB; Vortrags-​​Dauer: ca. 1 Std. [Teil 1 + die ers­ten 10 Min. von Teil 2]). Der Katalog-​​Eintrag der Biblio­thek fin­det sich unter die­ser sta­ti­schen URL: http://​edocs​.fu​-ber​lin​.de/​d​o​c​s​/​r​e​c​e​i​v​e​/​F​U​D​O​C​S​_​d​o​c​u​m​e​n​t​_​0​0​0​0​0​0​0​04728. [Die direk­ten links zu den Dateien schei­nen zum unmit­tel­ba­ren Anhö­ren nicht ord­nungs­ge­mäß zu funk­tio­nie­ren, also bitte den Umweg über den Kata­log­ein­trag neh­men und dann in dem Abschnitt „Doku­mente“ auf die Dateien kli­cken.]
Es bie­tet sich an, zum Anhö­ren bspw. den player VLC zu ver­wen­den.

abstract:

Die These von der sozia­len Kon­stru­iert­heit der Geschlech­ter­dif­fe­renz bleibt solange für Re-​​Biologisierungen ver­ein­nahm­bar, wie die Exis­tenz von Geschlech­tern – und seien es mehr als zwei – nicht in Frage gestellt wird. Anhand sozi­al­wis­sen­schaft­li­cher Inter­views mit trans­gen­der people wird gezeigt: Wäh­rend die Pra­xen der befrag­ten Per­so­nen von Sozial-​​ und Kul­tur­wis­sen­schaft­le­rIn­nen als Beleg für die Insta­bi­li­tät der Geschlech­ter­gren­zen und die Mach­bar­keit von Geschlecht inter­pre­tiert wer­den, prä­sen­tier­ten die Befrag­ten durch­weg essen­tia­lis­ti­sche und viel­fach bio­lo­gis­ti­sche Erklä­run­gen für ihre geschlechternormen-​​inkonformen Pra­xen. Wird den­noch an dem Ziel der Dena­tu­ra­li­sie­rung der Geschlech­ter­dif­fe­renz als wich­ti­ger Vor­aus­set­zung der gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen De-​​Konstruktion von Geschlech­ter­herr­schaft fest­ge­hal­ten, so stellt sich ver­schärft die Frage nach der geeig­ne­ten poli­ti­schen und theo­re­ti­schen Stra­te­gie zur Dena­tu­ra­li­sie­rung der Geschlech­ter. Judith But­ler hatte zwar schon in „Kör­per von Gewicht“ gewarnt: „Die Auf­gabe besteht […] nicht darin, Sub­jekt­po­si­tio­nen im exis­tie­ren­den Sym­bo­li­schen, im der­zei­ti­gen Bereich der Kul­tur­fä­hig­keit, zah­len­mä­ßig zu ver­viel­fa­chen“. Und Cor­ne­lia Klin­ger unter­schied zwi­schen Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus und Dekon­struk­ti­vis­mus. Mit ers­te­rem ver­binde sich die Ten­denz zur Tole­ranz, ja Indul­genz gegen­über allen mög­li­chen, undis­kri­mi­niert und undis­kri­mi­nier­bar hin­zu­neh­men­den kul­tu­rel­len und his­to­ri­schen Par­ti­ku­la­ri­tä­ten und zu einer wei­te­ren Fest­schrei­bung vor­ge­ge­be­ner Iden­ti­tä­ten. Aus einer femi­nis­ti­schen Per­spek­tive müsse, so Klin­ger, nicht nur bearg­wöhnt wer­den, daß Iden­ti­tä­ten fest­ge­schrie­ben wer­den, son­dern dar­über hin­aus, wel­che Iden­ti­tä­ten damit zu Ehren kom­men. Denn aus einer femi­nis­ti­schen Per­spek­tive seien kei­nes­wegs alle Kul­tu­ren gleich­wer­tig und ihre Gleich­ran­gig­keit gleicha­n­er­ken­nens­wert.
Prak­tisch domi­nierte aller­dings in der femi­nis­ti­schen Dis­kus­sion der letz­ten Jahre – auch bei denen die sich auf dekon­struk­ti­vis­ti­sche Theo­rie­an­sätze bezo­gen – die Kri­tik am tat­säch­li­chen und viel­fach auch nur ver­meint­li­chen Essen­tia­lis­mus von Radi­kalfe­mi­nis­tin­nen. In der Kri­tik am Sepa­ra­tis­mus der Radi­kalfe­mi­nis­tin­nen gin­gen die aller­meis­ten Dekon­struk­ti­vis­tIn­nen ein Bünd­nis mit jener Hal­tung der Tole­ranz, ja Indul­genz gegen­über allen mög­li­chen, undis­kri­mi­niert und undis­kri­mi­nier­bar hin­zu­neh­men­den kul­tu­rel­len und his­to­ri­schen Par­ti­ku­la­ri­tä­ten – eben nur nicht gegen­über der der sepa­ra­tis­ti­schen Radi­kalfe­mi­nis­tin­nen – ein. Bio­lo­gis­mus, Essen­tia­lis­mus und Into­le­ranz gegen­über ande­ren (ins­be­son­dere männ­li­chen und trans­gen­der) Iden­ti­tä­ten wurde zum undif­fe­ren­zier­ten Standard-​​Vorwurf gegen Radi­kalfe­mi­nis­tin­nen. In dem Maße, in dem der Sepa­ra­tis­mus als into­le­rant kri­ti­siert wurde, wur­den andere Iden­ti­tä­ten für unhin­ter­geh­bar erklärt und damit sta­bi­li­siert. Das Ergeb­nis war genau das, wovor But­ler gewarnt hatte: Eine Plu­ra­li­sie­rung von Iden­ti­tä­ten im exis­tie­ren­den Sym­bo­li­schen, d.h. unter fort­ge­setz­ter Domi­nanz des Männ­li­chen.
Was ver­säumt wurde, war eine Refor­mu­lie­rung des in der Tat viel­fach bio­lo­gis­ti­schen Sepa­ra­tis­mus des 70er-​​ und 80er Jahre Femi­nis­mus als stra­te­gi­sche Waffe für eine nicht nur theo­re­ti­sche, son­dern auch poli­ti­sche De-​​Konstruktion der Geschlech­ter, d.h. als femi­nis­ti­schen Stütz­punkt gegen fort­be­ste­hende Män­ner­herr­schaft. In dem Maße, in dem sich para­do­xer Weise aus­ge­rech­net der dekon­struk­ti­vis­ti­sche Femi­nis­mus von der von Moni­que Wit­tig for­mu­lier­ten Per­spek­tive der disap­pearance der Geschlech­ter ver­ab­schie­dete, wurde die Exis­tenz von Geschlech­tern zur unhin­ter­geh­ba­ren Tat­sa­che. Die Umstel­lung der Begrün­dung der Exis­tenz von Geschlech­tern von einer bio­lo­gis­ti­schen auf eine sozial-​​konstruktivistische oder kul­tu­ra­lis­ti­sche Grund­lage und das Zuge­ständ­nis der his­to­ri­schen Wan­del­bar­keit ist danach nur eine Vari­ante des Inva­ri­an­ten.
Als Abhilfe wird eine Wie­der­ein­füh­rung der Kate­go­rie „Herr­schaft“ in femi­nis­ti­sche Ana­ly­sen vor­ge­schla­gen. Nur in dem Maße, in dem Pro­zesse der Kon­struk­tion von Geschlecht als Herr­schafts­pra­xen erkannt wer­den, wird es mög­lich sein, anstelle der Indul­genz gegen­über Geschlech­tern eine Wie­der­auf­nahme des Kamp­fes für das Ver­schwin­den der Geschlech­ter zu set­zen. (mehr…)

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Transgenialer CSD 2011 in Berlin ohne offiziellen Aufruf?

-- Die­ser Text jetzt als .pdf-Datei und mit einer Kor­rek­tur der Fuß­note 7 --

Für den heu­ti­gen trans­ge­nia­len CSD (tCSD) [0] scheint [1] es kei­nen gemein­sam getra­ge­nen Auf­ruf zu geben. Ges­tern wurde im blog des tCSD in der Rubrik „Presse“ ein „Bei­trag zum Motto des Trans­ge­nia­len CSD 2011“ über­schrie­be­ner Text ver­öf­fent­licht (siehe dort oder auch dort – meine Hv.). Die­ser Text weicht an eini­gen Stel­len in inhalt­li­cher und sti­lis­ti­scher Hin­sicht erheb­lich von dem zuletzt als Aufruf-​​Entwurf dis­ku­tier­ten Text ab.

Soweit ich direkt an der For­mu­lie­rung der nun weg­ge­las­se­nen oder umfor­mu­lier­ten Stel­len betei­ligt war, so seien diese hier ver­merkt:

► Im Abschnitt „Daten hel­fen da auch nicht wei­ter!“ heißt es jetzt – in Bezug auf den Zen­sus 2011 – „Auf Grund­lage der Kate­go­rien wird wei­ter­hin dis­kri­mi­nie­rende Poli­tik gemacht.“ Zuvor waren an die­ser Stelle – statt der vage Rede von „diskriminierende[r] Poli­tik“ [2] – bei­spiel­haft einige gesell­schaft­li­che Grup­pen genannt, gegen die in der BRD Poli­tik gemacht wird. In der Aufruf-​​Diskussion hatte ich in Bezug auf andere Text­stel­len vor­ge­schla­gen gehabt, den indi­vi­dua­li­sie­ren­den Begriff „Dis­kri­mi­nie­rung“ durch die struk­tu­rel­le­ren Begriffe „Herr­schaft und Aus­beu­tung“ zu erset­zen.

► Im Abschnitt der jetzt die Über­schrift „Zwei-​​Geschlechter-​​Ordnung abschaf­fen!“ trägt, steht nun: „Wir stel­len uns gegen eine Ord­nung, die nur zwei Geschlech­ter kennt und alle Men­schen, die sich nicht einem Geschlecht zuord­nen wol­len und_​oder kön­nen, stig­ma­ti­siert!“ (meine Hv.) Zuvor stand an die­ser Stelle: „Wir stel­len uns gegen die Zwei-​​Geschlechter-​​Ordnung, wel­che alle Men­schen, die sich nicht einem Geschlecht zuord­nen wol­len und_​oder kön­nen, stig­ma­ti­siert!“

Die neue For­mu­lie­rung („die nur zwei Geschlech­ter kennt“) impli­ziert im Gegen­satz zur alten eine Stra­te­gie der Ver­viel­fa­chung der Geschlech­ter. Ich plä­diere dage­gen in Anschluß an Über­le­gun­gen von Judith But­ler und Moni­que Wit­tig für die Anstre­bung einer Auf­he­bung aller Geschlech­ter.

(mehr…)

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Worum geht es eigentlich dem transgenialen CSD?

Eine feministisch-​​kommunistische Kri­tik

Als .pdf-​​Datei zusam­men­ge­sam­pelt aus:

http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​7​/​0​3​/​i​n​t​e​r​s​e​k​t​i​o​n​a​l​i​t​a​e​t​-​u​n​d​-​g​e​s​e​l​l​s​c​h​a​f​t​s​t​h​e​orie/
und
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​0​/​e​i​n​e​-​r​a​d​i​k​a​l​e​-​g​e​s​t​e​-​m​i​t​-​s​c​h​a​l​e​m​-​n​e​b​e​n​g​e​s​c​h​mack/.

Vgl. zur Kri­tik des Menschenrechts-​​Pathos die ein­schlä­gi­gen Bei­träge in der hie­si­gen Kate­go­rie „Rechts­theo­rie /​ Juris­ti­sches /​ Anti­rep“.

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Eine radikale Geste mit schalem Nebengeschmack

Wie ver­schie­dene Medien berich­ten, hat Judith But­ler den ihr ange­tra­ge­nen „Zivilcourage-​​Preis“ auf der Ber­li­ner Chris­to­pher Street Day-​​Veranstaltung aus­ge­schla­gen. „Die Ver­an­stal­tung sei ihr zu kom­mer­zi­ell und ober­fläch­lich.“, so heißt es in der Frank­fur­ter Rund­schau. Diese Kri­tik ist alle mal rich­tig, hat aber einen etwas scha­len Neben­ge­schmack, da sich But­lers Rede bei einer ande­ren Ver­an­stal­tung am Vor­abend in der Ber­li­ner Volks­bühne auch nicht gerade vor Radi­ka­li­tät über­schlug: Eine Anhäu­fung ‚ewi­ger Wahr­hei­ten’ über Frei­heit, Demo­kra­tie und Men­schen­rechte. „Das ist ja wie im Gemein­schafts­kun­de­un­ter­richt“, meinte eine mei­ner Beglei­te­rIn­nen. De-​​Konstruktion wäre in der Tat etwas ande­res gewe­sen.

Wei­ter heißt es in dem FR-​​Bericht: „Die Ver­an­stal­tung […] richte sich nicht genü­gend gegen Pro­bleme wie Ras­sis­mus und dop­pelte Dis­kri­mi­nie­rung von bei­spiels­weise Migran­ten, die homo­se­xu­ell oder trans­se­xu­ell emp­fin­den.“

Nun ja, als ob sich poli­ti­sche Radi­ka­li­tät, das an die Wur­zeln der herr­schen­den gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nisse Gehen, an der Länge des poli­ti­schen Wunsch­zet­tel mißt, also es damit getan wäre, ein­fach auch noch etwas zu Ras­sis­mus zu sagen – und nicht daran, ob gesell­schaft­li­che Ant­ago­nis­men als sol­che erkannt und benannt wer­den und Stra­te­gien, die dem ant­ago­nis­ti­schen Cha­rak­ter der gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nisse ange­mes­sen sind, ent­wi­ckelt wer­den. Zu kri­ti­sie­ren wäre also nicht (nur) die Rassismus-​​Blindheit der offi­zi­el­len CSD-​​Veranstaltung, son­dern auch schon die inte­gra­tio­nis­ti­sche und rechts-​​zentrierte (Homo-​​Ehe usw.) Art und Weise, in der das den offi­zi­el­len CSD tra­gende Spek­trum queere Poli­tik betreibt. Nur – in die­ser Hin­sicht unter­schied sich das, was Judith But­ler am Frei­tag­abend vor­trug, allen­falls mini­mal vom schwulles­bi­schen main­stream – obwohl gerade aus de-​​konstruktivistischer Per­spek­tive eini­ges Kri­ti­sches zu dem Rechts­idea­lis­mus und Rechts­vol­un­ta­ris­mus zu sagen wäre, der nicht nur queere Poli­tik prägt, son­dern ansons­ten durch­aus scharf ent­ge­gen­ge­setzte linke Strö­mun­gen ver­bin­det (vgl. annä­he­rungs­weise die dort und dort genann­ten Texte).

Etwas genauer berich­tet der blog im gar­ten mit satie über But­lers Aus­füh­run­gen zu dem Rassismus-​​Punkt: „Sie [But­ler] habe […] lei­der […] fest­stel­len müs­sen, dass sich die Veranstalter_​innen des kom­mer­zi­el­len CSDs von ras­sis­ti­schen und isla­mo­pho­ben Äuße­run­gen nicht dis­tan­zier­ten.“ Auch hier bleibt unklar, was genau gemeint ist. Aber das mag weni­ger der Red­ne­rin als viel­leicht viel­mehr der Bericht­er­stat­tung geschul­det sein.1 Gesagt wer­den könnte und sollte bspw. etwas zu der Ten­denz, trans-​​ und homo­phobe Gewalt zu eth­ni­sie­ren. Sus­pect weist in einer Pres­se­er­klä­rung zum hier bespro­che­nen Anlaß dar­auf hin: „Homo­pho­bie und Trans­pho­bie wer­den hier als Pro­bleme von Jugend­li­chen of Colour umde­fi­niert, die anschei­nend nicht rich­tig Deutsch kön­nen, deren Deutsch­sein immer hin­ter­fragt bleibt, und die schlicht nicht dazu­ge­hö­ren.“

Und was die Ver­nach­läs­si­gung der The­ma­ti­sie­rung der „doppelte[n] Dis­kri­mi­nie­rung von bei­spiels­weise Migran­ten, die homo­se­xu­ell oder trans­se­xu­ell emp­fin­den“ (FR – meine Hv.), bzw. von Men­schen, „die in dop­pel­ter oder drei­fa­cher Weise dis­kri­mi­niert wür­den bspw. wegen ihrer Her­kunft, ihrer sexu­el­len Ori­en­tie­rung, ihrer Behin­de­rung, ihrer Reli­gion oder ihres Geschlech­tes“ (im gar­ten mit satie – meine Hv.) anbe­langt – auch dies bleibt zum einen in der Logik des Quan­ti­ta­ti­ven („dop­pelt“, „drei­fach“), hat aber kei­nen begriff­li­chen Zugriff auf gesell­schaft­li­che Struk­tu­ren. Und zum ande­ren: An die­ser Stelle scheint es nicht schwer­punkt­mä­ßig noch ein­mal um Ras­sis­mus zu gehen, son­dern „Migran­ten“ und „Her­kunft“ sind nur bei­spiel­haft genannt. –

Aber: Was ist denn nun mit trans-​​ und homo­se­xu­ell? Und was ist mit Geschlecht? Daß der queere main­stream über ers­te­res zu wenig spricht, läßt sich wohl kaum sagen. Und was ist mit Geschlecht? But­ler selbst redete am Frei­tag­abend 1 ½ Stun­den über trans-​​ und homo­phobe Gewalt und ein biß­chen über Krieg, aber mit kei­nem Wort über Män­ner­ge­walt gegen Frauen. Das ein­zige, was Judith But­ler am Frei­tag­abend zum Thema „Geschlecht“ sagte, war eine Anne­kote über eine Kon­fe­renz, zu der sie ein­ge­la­den war. Nach der Kon­fe­renz woll­ten die Ver­an­stal­te­rin­nen mit ihr in eine Frau­en­bar gehen, wo als „Frau“ jede gel­ten sollte, die die Erfah­rung hatte, auf der Straße als Frau behan­delt zu wer­den. Auch diese durch und durch soziale und poli­ti­sche und kei­nes­falls bio­lo­gis­ti­sche Defi­ni­tion von „Frau“ war But­ler nicht queer genug, nicht trans­freund­lich (?), nicht män­ner­freund­lich (?) genug.

Auch der Auf­ruf zum trans­ge­nia­len CSD, der am kom­men­den Sams­tag (26.6.) statt­fin­det (Route: vom Rat­haus Neu­kölln zum Hein­rich­platz in Kreuz­berg 36) und auf des­sen Seite es wei­tere links zum Thema gibt, kommt ohne die Wör­ter „femi­nis­tisch“ und „Femi­nis­mus“ aus, und „geschlecht“ kommt aus­schließ­lich in die­sem Satz vor: „Noch immer sind Men­schen, die sich nicht in die zwei­ge­schlecht­li­che hete­ro­nor­ma­tive Welt pres­sen las­sen, von homo­pho­ber und trans­pho­ber Gewalt betrof­fen“.

Der A-​​, wenn nicht sogar Anti-​​Feminismus scheint der heim­li­che Kon­sens von kom­mer­zi­el­lem und trans­ge­nia­lem CSD zu sein. Der­ar­ti­gen Ent­wick­lun­gen zuzu­ar­bei­ten war kei­nes­falls das Anlie­gen von Judith But­ler, als sie vor rund 20 Jah­ren gen­der trou­ble schrieb:

„Die Viel­schich­tig­keit der Geschlechts­iden­ti­tät erfor­dert eine inter-​​ und post­dis­zi­pli­näre Serie von Dis­kur­sen, um der Domes­ti­zie­rung der Geschlechter-​​ oder Frau­en­stu­dien an der Uni­ver­si­tät zu wider­ste­hen und den Begriff der femi­nis­ti­schen Kri­tik zu radi­ka­li­sie­ren.“ (S. 13).

Den Femi­nis­mus zu radi­ka­li­sie­ren – die­ses Anlie­gen ist heute noch drin­gen­der als vor 20 Jah­ren. Nach der theo­re­ti­schen De-​​Konstruktion der Kate­go­rie Geschlecht geht es darum, zur poli­ti­schen De-​​Konstruktion der (hetero/a)sexistischen gesell­schaft­li­chen Struk­tu­ren zu schrei­ten. Dafür bedarf es mehr als der libe­ra­len Rede über „Dis­kri­mi­nie­run­gen“, „Men­schen­rechte“ und der all­um­fas­sen­den Dis­tan­zie­rung von Gewalt (tCSD: „Wir wen­den uns gegen jede Form von sexu­el­ler, psy­chi­scher und kör­per­li­cher Gewalt!“). Dafür bedarf es der Rede über Herr­schaft und Aus­beu­tung und dar­über, wie sie besei­tigt wer­den kön­nen.

„patri­ar­chy is a dif­fe­ren­tia­ted, con­tra­dic­tory struc­ture that his­to­ri­cally pro­du­ces iden­ti­cal effects dif­fer­ently. […]. All these various patri­ar­chal arran­ge­ments, in short, pro­duce the same effects: the opp­res­sion and exclu­sion of woman as other, the divi­sion of labor accor­ding to gen­der – spe­ci­fi­cally, the exploi­ta­tion of women’s labor (whe­ther in the public or pri­vate sphere) – and the denial of women’s full access to social resour­ces. Woman thus occupy the ‚same‘ posi­tion wit­hin patri­ar­chy dif­fer­ently, divi­ded by the con­junc­tions of race, class, natio­na­lity, (post)colo­nialism, and so on“ (Teresa L. Ebert, Ludic Femi­nism, the Body, Per­for­mance, and Labor: Brin­ging Mate­ria­lism Back into Femi­nist Cul­tu­ral Stu­dies, in: Cul­tu­ral Cri­ti­que No. 23, Win­ter 1992/​93, 5-​​50 [21, 22] – Hv. i. O.)

„daß in zei­ten all­ge­mei­ner ver-​​gewalt-​​ung aller lebens­be­rei­che es keine revo­lutionäre gewalt geben könne, das ist die ebene der soge­nann­ten ‚sozi­al­part­ner­schaft’. […]. wer so argu­men­tiert, ent­waff­net den auf­stand von unten: direkt und ge­schichtlich, psy­cho­lo­gisch, emo­tio­nal, poli­tisch. […]. ‚gewalt’ wird durch die dau­ernde beru­fung zur schlange, vor der die kanin­chen erstar­ren. jede gesell­schaft­li­che aus­ein­an­der­set­zung soll so auf die soge­nannte ‚demokratisch-​​rechtsstaatli­che’ ebene fixiert wer­den. […]. es ist not­wendig, öffent­lich zu unter­schei­den zwi­schen faschisti­scher gewalt, gewalt­mo­no­pol des staa­tes und rebel­lion von unten; es ist not­wen­dig, posi­tion zu bezie­hen. […]. feminis­mus ist nicht nur selbst­ver­tei­di­gung mit dem rücken zur wand und dem grauen im her­zen. femi­nis­mus ist nicht allein der gesell­schaft­li­che rück­zug in frauengemein­schaften. das empö­ren gegen unge­rech­tig­keit, die wut im bauch, die theo­rie von unter­drü­ckung und ver­än­de­rung. femi­nis­mus ist mehr als die reak­tion auf poli­ti­sche umstände oder mate­ri­elle bedin­gun­gen. femi­nis­mus ist das bewußt­sein, nicht nur von ursa­chen der unter­drü­ckung, son­dern auch von bedin­gun­gen, not­wen­dig­kei­ten, mög­lich­kei­ten der ver­än­de­rung.“
(Eine femi­nis­ti­sche Kri­tik, in: inte­rim, Nr. 229, 25.02.1993, S. 23 – 27).

Vgl. auch noch http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​7​/​0​8​/​1​0​/​d​e​-​k​o​n​s​t​r​u​k​t​i​v​-​o​d​e​r​-​d​e​s​t​r​u​k​t​i​v​-​q​u​e​e​r​-​l​e​s​b​i​a​n​i​smus/.

Nach­trag vom 25.06.2010:
► Offi­zi­elle CSD-​​Stellungnahme zu But­lers Preisannahme-​​Verweigerung [nebst Über­sicht über die bis­he­rige Dis­kus­sion]
http://​maed​chen​blog​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​5​/​o​f​f​i​z​i​e​l​l​e​-​c​s​d​-​s​t​e​l​l​u​n​g​n​a​h​m​e​-​z​u​-​b​u​t​l​e​r​s​-​p​r​e​i​s​a​n​n​a​h​m​e​-​v​e​r​w​e​i​g​e​rung/

  1. Nach­trag:
    Der mitt­ler­weile ver­öf­fent­lichte Rede­mit­schnitt ist aller­dings auch nicht auf­schluß­rei­cher: http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​0​/​a​b​s​c​h​r​i​f​t​-​d​e​r​-​p​r​e​i​s​-​a​n​n​a​h​m​e​-​v​e​r​w​e​i​g​e​r​u​n​g​s​r​e​d​e​-​v​o​n​-​j​u​d​i​t​h​-​b​u​t​l​e​r​-​b​e​i​m​-​c​s​d​-​i​n​-​b​e​rlin/ (mit wei­te­ren Anmer­kun­gen von mir). [zurück]
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Kann es eine Gleichheit verschiedener Geschlechter geben?

[Die­ser Text wurde ursprüng­lich am 13.10.2009 – zusam­men mit Aus­üh­run­gen zu ande­ren The­men – als Kom­men­tar beim Mäd­chen­blog ver­öf­fent­licht und für die hie­sige Wie­der­ver­öf­fent­li­chung leicht über­ar­bei­tet.
Für Repli­ken und meine Erwi­de­run­gen dar­auf siehe am Erst­ver­öf­fent­li­chungs­ort.]

I. Ist der unter­schied­li­che Habi­tus von Män­nern und Frauen völ­lig okay?
II. Gleichheits-​​Illusion oder Über­win­dung der Geschlech­ter?
III. Der Kom­mu­nis­mus sind nicht 5 Mil­li­ar­den Robin­so­na­den
IV. Femi­nis­mus = umge­dreh­ter Sexis­mus?

(mehr…)

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Heute gesehen (23.8.)

1.a) daß eif­rig über Tests zur Geschlechts­be­stim­mung von Sport­le­rIn­nen dis­ku­tiert wird – bei

-- Eman­zi­pa­tion oder Bar­ba­rei

-- Das Ende des Sex: Bio­lo­gi­sches Geschlecht ist gemacht

-- Kopf und Herz

-- der Mäd­chen­mann­schaft. Dort sei ins­be­son­dere auf den Kom­men­tar von Kopf und Herz hin­ge­wie­sen:

„es ist doch schlicht so, dass es keine zwei geschlech­ter gibt, da es unklar ist, an was man/​frau geschlecht fest machen soll. d.h. selbst biologisch/​medizinisch ist das nicht klar, ganz zu schwie­gen von sozia­len prak­ti­ken (drag, plas­ti­sche chir­ur­gie etc.)… geschlecht ist gemacht und es müsste eigent­lich das recht auf selbst­be­stim­mung gel­ten. […] das geni­tal macht aktu­ell wohl auch nicht das geschlecht aus, was der fall der leicht­ath­le­tin zeigt. […]. also sollte man geschlecht end­lich als kon­ti­nuum begrei­fen, dann bräuchte man auch sol­che tests nicht … in denen letzt­lich auf grund einer viel­zahl von fak­to­ren (die medi­zin ist hier wei­ter als der all­ge­meine men­schen­ver­stand), […].“

Daraf ant­wor­tet Quatsch mit Soße:

„zwei geschlech­ter gibt es laut aktu­el­lem erkennt­nis­stand schon seit 565 mio. jah­ren. sie sind ein uni­ver­sel­les und bewähr­tes prin­zip der bio­lo­gie. in den meis­ten fäl­len haben men­schen keine pro­bleme, män­ner und frauen zu unter­schei­den. das funk­tio­niert auch, wenn man nur ein gesicht sieht, ohne make up und mit neu­tra­ler fri­sur. kleine kin­der und sogar tiere kön­nen treff­si­cher zwi­schen geschlech­tern unter­schei­den. eine mensch­li­che ent­schei­dung kann, soll und muss es geben über die rol­len, die män­ner und frauen ein­neh­men möch­ten. aber davor haben sie einen bio­lo­gi­schen kör­per, der in den aller­meis­ten fäl­len ein­deu­tig einem geschlecht ange­hört.“

Das state­ment von Quatsch mit Soße ent­hält nun aller­dings einen klei­nen, aber ent­schei­den­den Wider­spruch:

„zwei geschlech­ter gibt es laut aktu­el­lem erkennt­nis­stand schon seit 565 mio. jah­ren. sie sind ein uni­ver­sel­les und bewähr­tes prin­zip der bio­lo­gie.“
vs.
Men­schen haben „einen bio­lo­gi­schen kör­per, der in den aller­meis­ten fäl­len ein­deu­tig einem geschlecht ange­hört.“

„in den aller­meis­ten fäl­len“ ist eben nicht „uni­ver­sell“ (auch im Tier­reich ist Zwei­ge­schlecht­lich­keit keine uni­ver­selle Rea­li­tät).

Also: Es gibt zwar (bio­lo­gisch ein­deu­tige) Män­ner und Frauen, aber es gibt nicht aus­schließ­lich zwei Geschlech­ter, was die von Quatsch mit Soße zuge­stan­de­nen – wenn auch zahl­mä­ßig gerin­gen – unein­deu­ti­gen Fälle zei­gen.

„Es gibt keine zufrie­den­stel­lende human­bio­lo­gi­sche Defi­ni­tion der Geschlechts­zu­ge­hö­rig­keit, die die Pos­tu­late der All­tags­theo­rien ein­lö­sen würde.“1 „Klas­si­fi­ka­ti­ons­kri­te­rien kön­nen [… näm­lich] die Geni­ta­lien zum Zeit­punkt der Geburt oder die Chro­mo­so­men sein, die im Zuge vor­ge­burt­li­cher Ana­ly­se­ver­fah­ren fest­ge­stellt wer­den; beide müs­sen nicht not­wen­di­ger­weise überein­stim­men.“2

Die­ser Rea­li­tät ist eine Zuord­nungs­pra­xis, die nur die Alter­na­tive „Mann oder Frau“ zuläßt, auf jeden Fall unan­ge­mes­sen – egal wie wenig unein­deu­tige Fälle es gibt. Auch ein Fall stellt bereits den strik­ten Bina­ris­mus in Frage. Jeder unein­deu­tige ‚Fall‘, der den­noch zu Mann oder Frau erklärt oder per Zwangs-​​OP (eindeutig[er]) gemacht wird, ist kein Fall von bio­lo­gi­scher Erkennt­nis, son­dern von sozia­ler Herr­schafts­pra­xis.

Dage­gen greift auch nicht der Ein­wand3 durch, daß es für sport­li­che Leis­tun­gen (anders als bspw. für die Benut­zung von Toi­let­ten und Umklei­de­ka­bi­nen oder – ein­ver­nehm­li­che oder gewalt­same – sexu­elle Hand­lun­gen) ohne­hin nicht auf die Geni­ta­lien, son­dern allein auf die Chro­mo­so­men ankomme. Denn wie meh­rere Kom­men­ta­to­rIn­nen bei der Mäd­chen­mann­schaft dar­ge­legt haben, garan­tie­ren auch XY-​​Chromosomen keine höhere sport­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit:

Helga schreibt:

„Wenn Semenya eine kom­plette Andro­gen­re­sis­tenz hat, dürfte sie z.B. bei den Olym­pi­schen Spie­len star­ten. Eben weil ihr Kör­per keine männ­li­chen Hor­mone ver­ar­bei­ten kann. Sie wäre kein Mann. Und auch keine nor­male Frau. Das Y-​​Chromosom nützt bei der Andro­gen­re­sis­tenz nichts. die männ­li­chen Sexu­al­hor­mone wer­den ja nicht ver­ar­bei­tet […]. Oder wenn das Y-​​Chromsosom abge­schal­tet ist, dann wür­den nicht mal Hor­mone pro­du­ziert.“

Kasu zitiert einen Spie­gel Online-​​Artikel:

“Nor­ma­ler­weise wei­sen Frauen zwei X-​​Chromosomen in ihren Zel­len auf, Män­ner ein X-​​ und ein Y-​​Chromosom. Man­che mit einem Y-​​Chromosom gebo­re­nen Men­schen ent­wi­ckeln alle kör­per­lich cha­rak­te­ris­ti­schen Merk­male einer Frau – aus­ge­nom­men der inne­ren Sexual-​​Organe. Sie lei­den unter dem Androgen-​​Insuffizienz-​​Syndrom (AIS). Diese Frauen sind XY, aller­dings kein Mann, weil ihr Kör­per nicht auf das pro­du­zierte Tes­to­ste­ron rea­giert. Des­halb dür­fen sie auch bei den Frauen star­ten. Sie­ben der acht Frauen, die 1996 bei Olym­pia in Atlanta posi­tiv auf Y-​​Chromosomen getes­tet wur­den, hat­ten AIS und durf­ten teil­neh­men. ”

und fügt dann hinzu:

„Daher könnte es gut sein, dass Cas­ter Semenya über­haupt kein wett­kampf­recht­li­chen Kon­se­quen­zen hat, auch wenn sich her­aus­stellt, dass sie eine XY-​​Frau ist.“

Für den Bereich des Sports wäre also – im Inter­esse einer Ver­gleich­bar­keit der Leis­tun­gen (wenn denn nicht über­haupt das Kon­zept der „Leis­tung“ und der „Leis­tungs­sport“ in Frage gestellt wer­den sol­len – zwei Fra­gen die an die­ser Stelle nicht dis­ku­tiert wer­den sol­len) – statt einer Kate­go­ri­sie­rung nach „Mann oder Frau“ eine Bil­dung von Leis­tungs­fä­hig­keits­klas­sen nach Kri­te­rien, wie sie Herz und Kopf vor­ge­schla­gen hat, vor­zu­zie­hen:

für den sport gilt es also anstatt der schwam­mi­gen zuord­nung per geschlecht, genaue kri­te­rien fest­zu­le­gen, dies könn­ten sein:
- kör­per­größe
- alter
- gewicht
- lun­gen­vo­lu­men
- bmi
oder was es sonst noch für leis­tun­ges­re­le­vante kri­te­rien gibt.“

In einem Punkt hat aller­dings Quatsch mit Soße recht:

„In fra­gen der bio­lo­gi­schen und kör­per­li­chen tat­sa­chen zäh­len bio­lo­gie und kör­per.“

Dage­gen greift auch der Ein­wand von Sven nicht durch:

„Ich würde behaup­ten, dass jeg­li­che Anbin­dung an vor­dis­kur­sive ‘Tat­sa­chen’ schlicht­weg sinn­los ist; aus unse­rer Spra­che und Kul­tur kom­men wir nicht her­aus.“

aa) ent­wer­tet die­ser Eiwand nicht nur – wie beab­sich­tigt – die hege­mo­niale Behaup­tung eines Tatsachen-​​Charakters der aus­schließ­li­chen Zwei­ge­schlecht­lich­keit, son­dern genauso auch die auf die Tat­sa­che der Inter­se­xua­li­tät gestützte Kri­tik an der hege­mo­nia­len Sicht­weise,

womit sich bb) zeigt, daß ein ‚lin­gus­ti­zis­ti­schen Monis­mus‘ – gegen den sich im übri­gen auch Judith But­ler wen­det4 – nur in Sub­jek­ti­vis­mus = Will­kür enden kann.
Daß wir unsere Erkennt­nisse nur mit­tels Spra­che pro­du­zie­ren und for­mu­lie­ren kön­nen, heißt nicht, daß es die Gegen­stände unse­rer Erkennt­nisse nicht gibt.5

b) Ergän­zend sei – gegen Quatsch mit Soße:

„ich denke, du erfin­dest hier kri­te­rien für eine unhalt­bare these. dass men­schen bio­lo­gisch frauen und män­ner sind und sich als frauen und män­ner fort­pflan­zen, ist eine tat­sa­che, […]“ –

noch dar­auf hin­ge­wie­sen, daß auch das – für den Sport aller­dings nicht beson­ders rele­vante Kri­te­rium der Gebär­fä­hig­keit keine ein­deu­tige Zuord­nung aller Men­schen zu einem von aus­schließ­lich zwei Geschlech­tern erlaubt:

Auch unter dem Gesichts­punkt der Gene­ra­ti­vi­tät, läge es durch­aus nahe, mehr als zwei Haupt­grup­pen – Män­ner (angeb­lich = Nicht-​​Gebärfähige) und Frauen (angeb­lich = Gebär­fä­hige) – zu bil­den. Es läge unter dem Gesichts­punkt der Gene­ra­ti­vi­tät viel­mehr nahe, min­des­tens drei – viel­leicht auch vier, fünf, oder sechs – Haupt­grup­pen zu bil­den:
• Nie-​​Gebärfähige (dar­un­ter sol­che, die trotz­dem gebä­ren wol­len, und sol­che die ohne­hin nicht gebä­ren wol­len);
• Noch-​​Nicht-​​ und Nicht-​​Mehr-​​Gebärfähige;
• (gebär­wil­lige und gebär­un­wil­lige) Gebär­fä­hige.
Und vor allem sind wohl Kul­tu­ren denk­bar, die den Umgang mit den Fol­gen des Gebä­rens so regeln, daß die Tat­sa­che des Gebä­rens nicht mehr aus­schlag­ge­bend für die Posi­tio­nie­rung von Indi­vi­duen in der gesell­schaft­li­chen Struk­tur ist. (Das letzte Argu­ment führt durch­aus nicht zur Restau­ra­tion der Unter­schei­dung zwi­schen sex und gen­der. Denn jeden­falls das Gebä­ren ist [anders als die Gefähr­fä­hig­keit, die aber wie­derum – wie gezeigt – nicht allen Frauen gemein­sam ist!] keine Eigen­schaft (des sex Frau), son­dern eine Tätig­keit. Es bleibt also bei But­ler: Würde von der Tätig­keit des Gebä­rens bzw. Nicht-​​Gebärens – also vom doing gen­der – auf die Exis­tenz zweier sex mit unter­schied­li­chen bio­lo­gi­schen Eigen­schaf­ten geschlos­sen, so wäre dies nur ein neues Argu­ment dafür, daß sex nicht ursprüng­lich, son­dern viel­mehr ein Effekt von gen­der ist.)6

2. Pinky nimmt in FN ** zu den hie­si­gen Kom­men­ta­ren von Anti­fatzke und ♥Tek­knoatze Stel­lung; auch hier gibt es inzwi­schen wei­tere Kom­men­tare zu dem Aus­gangs­bei­trag. Ich werde bei Gele­gen­heit auch noch etwas zur Min­dest­lohn­for­de­rung schrei­ben.
3. Dage­gen ist die Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion in Schwei­gen ver­fal­len. Ein Zei­chen von Ein­sicht? Oder viel­mehr von argu­ment­lo­ser Bei­be­hal­tung der kri­ti­sier­ten Posi­tion?

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Diesseits der Geschlechtergrenzen: Die Kulturalisierung des Feminismus als Naturalisierung der Geschlechterdifferenz –

nebst einem Vor­schlag, wie revo­lu­tio­när Abhilfe zu schaf­fen ist.

Vor­trag am 14.11.2007 an der Uni­ver­si­tät Ham­burg im Rah­men der Reihe „Jen­seits der Geschlech­ter­gren­zen“; am 17.12.2007 und/​oder vom 21.01.20081 von 14:00 bis 15:30 aus­ge­strahlt vom Ham­bur­ger Sen­der „FSK. Freies Sen­der Kom­bi­nat“; .ogg-​​Dateien zum down­load2: V-GGrenzen-T1_fsk-send-21-01-08_14-15h.ogg und V-GGrenzen-T2_fsk-send-21-01-08_15-16h.ogg (jew. ca. 50 MB; Vortrags-​​Dauer: ca. 1 Std. [Teil 1 + die ers­ten 10 Min. von Teil 2]); player bspw.: VLC; Katalog-​​Eintrag der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek der FU Ber­lin mit sta­ti­scher URL: http://​edocs​.fu​-ber​lin​.de/​d​o​c​s​/​r​e​c​e​i​v​e​/​F​U​D​O​C​S​_​d​o​c​u​m​e​n​t​_​0​0​0​0​0​0​0​04728.

abstract:

Die These von der sozia­len Kon­stru­iert­heit der Geschlech­ter­dif­fe­renz bleibt solange für Re-​​Biologisierungen ver­ein­nahm­bar, wie die Exis­tenz von Geschlech­tern – und seien es mehr als zwei – nicht in Frage gestellt wird. Anhand sozi­al­wis­sen­schaft­li­cher Inter­views mit trans­gen­der people wird gezeigt: Wäh­rend die Pra­xen der befrag­ten Per­so­nen von Sozial-​​ und Kul­tur­wis­sen­schaft­le­rIn­nen als Beleg für die Insta­bi­li­tät der Geschlech­ter­gren­zen und die Mach­bar­keit von Geschlecht inter­pre­tiert wer­den, prä­sen­tier­ten die Befrag­ten durch­weg essen­tia­lis­ti­sche und viel­fach bio­lo­gis­ti­sche Erklä­run­gen für ihre geschlechternormen-​​inkonformen Pra­xen. Wird den­noch an dem Ziel der Dena­tu­ra­li­sie­rung der Geschlech­ter­dif­fe­renz als wich­ti­ger Vor­aus­set­zung der gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen De-​​Konstruktion von Geschlech­ter­herr­schaft fest­ge­hal­ten, so stellt sich ver­schärft die Frage nach der geeig­ne­ten poli­ti­schen und theo­re­ti­schen Stra­te­gie zur Dena­tu­ra­li­sie­rung der Geschlech­ter. Judith But­ler hatte zwar schon in „Kör­per von Gewicht“ gewarnt: „Die Auf­gabe besteht […] nicht darin, Sub­jekt­po­si­tio­nen im exis­tie­ren­den Sym­bo­li­schen, im der­zei­ti­gen Bereich der Kul­tur­fä­hig­keit, zah­len­mä­ßig zu ver­viel­fa­chen“. Und Cor­ne­lia Klin­ger unter­schied zwi­schen Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus und Dekon­struk­ti­vis­mus. Mit ers­te­rem ver­binde sich die Ten­denz zur Tole­ranz, ja Indul­genz gegen­über allen mög­li­chen, undis­kri­mi­niert und undis­kri­mi­nier­bar hin­zu­neh­men­den kul­tu­rel­len und his­to­ri­schen Par­ti­ku­la­ri­tä­ten und zu einer wei­te­ren Fest­schrei­bung vor­ge­ge­be­ner Iden­ti­tä­ten. Aus einer femi­nis­ti­schen Per­spek­tive müsse, so Klin­ger, nicht nur bearg­wöhnt wer­den, daß Iden­ti­tä­ten fest­ge­schrie­ben wer­den, son­dern dar­über hin­aus, wel­che Iden­ti­tä­ten damit zu Ehren kom­men. Denn aus einer femi­nis­ti­schen Per­spek­tive seien kei­nes­wegs alle Kul­tu­ren gleich­wer­tig und ihre Gleich­ran­gig­keit gleicha­n­er­ken­nens­wert.
Prak­tisch domi­nierte aller­dings in der femi­nis­ti­schen Dis­kus­sion der letz­ten Jahre – auch bei denen die sich auf dekon­struk­ti­vis­ti­sche Theo­rie­an­sätze bezo­gen – die Kri­tik am tat­säch­li­chen und viel­fach auch nur ver­meint­li­chen Essen­tia­lis­mus von Radi­kalfe­mi­nis­tin­nen. In der Kri­tik am Sepa­ra­tis­mus der Radi­kalfe­mi­nis­tin­nen gin­gen die aller­meis­ten Dekon­struk­ti­vis­tIn­nen ein Bünd­nis mit jener Hal­tung der Tole­ranz, ja Indul­genz gegen­über allen mög­li­chen, undis­kri­mi­niert und undis­kri­mi­nier­bar hin­zu­neh­men­den kul­tu­rel­len und his­to­ri­schen Par­ti­ku­la­ri­tä­ten – eben nur nicht gegen­über der der sepa­ra­tis­ti­schen Radi­kalfe­mi­nis­tin­nen – ein. Bio­lo­gis­mus, Essen­tia­lis­mus und Into­le­ranz gegen­über ande­ren (ins­be­son­dere männ­li­chen und trans­gen­der) Iden­ti­tä­ten wurde zum undif­fe­ren­zier­ten Standard-​​Vorwurf gegen Radi­kalfe­mi­nis­tin­nen. In dem Maße, in dem der Sepa­ra­tis­mus als into­le­rant kri­ti­siert wurde, wur­den andere Iden­ti­tä­ten für unhin­ter­geh­bar erklärt und damit sta­bi­li­siert. Das Ergeb­nis war genau das, wovor But­ler gewarnt hatte: Eine Plu­ra­li­sie­rung von Iden­ti­tä­ten im exis­tie­ren­den Sym­bo­li­schen, d.h. unter fort­ge­setz­ter Domi­nanz des Männ­li­chen.
Was ver­säumt wurde, war eine Refor­mu­lie­rung des in der Tat viel­fach bio­lo­gis­ti­schen Sepa­ra­tis­mus des 70er-​​ und 80er Jahre Femi­nis­mus als stra­te­gi­sche Waffe für eine nicht nur theo­re­ti­sche, son­dern auch poli­ti­sche De-​​Konstruktion der Geschlech­ter, d.h. als femi­nis­ti­schen Stütz­punkt gegen fort­be­ste­hende Män­ner­herr­schaft. In dem Maße, in dem sich para­do­xer Weise aus­ge­rech­net der dekon­struk­ti­vis­ti­sche Femi­nis­mus von der von Moni­que Wit­tig for­mu­lier­ten Per­spek­tive der disap­pearance der Geschlech­ter ver­ab­schie­dete, wurde die Exis­tenz von Geschlech­tern zur unhin­ter­geh­ba­ren Tat­sa­che. Die Umstel­lung der Begrün­dung der Exis­tenz von Geschlech­tern von einer bio­lo­gis­ti­schen auf eine sozial-​​konstruktivistische oder kul­tu­ra­lis­ti­sche Grund­lage und das Zuge­ständ­nis der his­to­ri­schen Wan­del­bar­keit ist danach nur eine Vari­ante des Inva­ri­an­ten.
Als Abhilfe wird eine Wie­der­ein­füh­rung der Kate­go­rie „Herr­schaft“ in femi­nis­ti­sche Ana­ly­sen vor­ge­schla­gen. Nur in dem Maße, in dem Pro­zesse der Kon­struk­tion von Geschlecht als Herr­schafts­pra­xen erkannt wer­den, wird es mög­lich sein, anstelle der Indul­genz gegen­über Geschlech­tern eine Wie­der­auf­nahme des Kamp­fes für das Ver­schwin­den der Geschlech­ter zu set­zen.

  1. Vgl. http://​www​.fsk​-hh​.org/​t​r​a​n​s​m​i​t​t​e​r​/​j​e​n​s​e​i​t​s​_​d​e​r​_​g​e​s​c​h​l​e​c​h​t​e​r​g​r​e​n​z​e​n​/​2​0​0​7​/​12/17, aber auch die Datei­na­men sowie die Anmo­de­ra­tion und Ter­min­nen­nun­gen nach dem Vor­trag. [zurück]
  2. Die direk­ten links zu den Dateien schei­nen zum unmit­tel­ba­ren Anhö­ren nicht ord­nungs­ge­mäß zu funk­tio­nie­ren, also bitte den Umweg über den Kata­log­ein­trag neh­men und dann in dem Abschnitt „Doku­mente“ auf die Dateien kli­cken. [zurück]
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