Tag-Archiv für 'trotz-alledem'

Minimalkonsenspolitik oder Freiheit der Agitation und Propaganda?

Zu der Demo gegen den Nazi-Aufmarsch in Dresden im Feb. des vergangenen Jahres kamen die GenossInnen von Trotz alledem mit einem Transpi „Bombardement Nazi-Dresdens war gerecht“. Dies wurde von anderen TeilnehmerInnen, die beanspruchten im Namen der MLPD zu sprechen, laut Trotz alledem als Zerstörung eines breiten linken Bündnisses kritisiert. Trotz alledem hielt dieser Kritik in Nr. 54/2010 (S. 17, 19) folgendes entgegen:

„Ein breites, auch linksliberales Bündnis [gemeint wohl: Bündnis auch unter linksliberaler Beteiligung, TaP] in dieser Aktion gegen den Nazi-Aufmarsch ist richtig. Aber jede Gruppe, jede Organisation muss die Freiheit innerhalb des Bündnisses haben, die eigene Meinung darzustellen und zu vertreten. Einheit der Aktion – Freiheit der Agitation. Das ist unser Verständnis!“

Sehe ich auch so. -

Zum Inhalt des umstrittenen Transpis siehe auch noch einen Leserbrief und eine redaktionelle Antwort in der folgenden Ausgabe von Trotz alledem.

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Zehn Punkte, über die wir diskutieren sollten

Noch einmal zum Thema Neue Antikapitalistische / Revolutionäre Organisation

Mein so betiteltes Diskussionspapier erschien gestern in „trend. onlinezeitung“ 6/2011:

http://www.trend.infopartisan.net/trd0611/t030611.html.

Inhaltsverzeichnis:

1. Warum „Organisation“?

2. Nur antikapitalistisch? Oder allgemein revolutionär? (Zum Verhältnis von Kapitalismus, Patriarchat und Rassismus)

3. Verhältnis zu bestehenden linken Organisationen

    a) Linkspartei
    b) DKP, MLPD u.a.
    c) SPD, Grüne
    d) Aktionseinheit – Einheitsfront

4. Wer/welche soll/en mitmachen?

    a) Aus dem feministischen Spektrum
    b) Aus dem Bereich antirassistischer sowie migrantischer und Flüchtlings-Organisierung
    c) Aus dem trotzkistischen Bereich
    d) Aus dem Bereich der (post-)autonomen, (post-)antiimperialistischen Szene
    e) Gruppen, die in Tradition der sog. „rechten“ Opposition gegen die „Sozialfaschismus“-These der KomIntern stehen
    f) Linkspartei-KritikerInnen, insb. aus dem ehemaligen WSAG-Spektrum
    g) Reste der maoistischen ML-Bewegung

5. Für eine Organisation von RevolutionärInnen? Oder für eine gemeinsame Organisation von RadikalreformerInnen/GradualistInnen und RevolutionärInnen? (Verhältnis zu IL und isl)

6. Revolutionär oder speziell marxistisch? / Verhältnis zum Anarchismus

7. Zu Lageanalyse und Strategie

    a) Wessen Krise?
    b) Kein zurück zum Fordismus! – Vorwärts zum Sozialismus jetzt?!
    c) Die Volksbewegungen im Mittelmeerraum
    d) Zum Problem der ökonomischen und politischen Spaltung der Lohnabhängigen

8. Reizwörter und Reizthemen

    a) „Antideutsche“ – „Antiimperialisten“
    b) Stalin
    c) Diktatur des Proletariats
    d) Avantgarde
    e) Demokratischer Zentralismus
    f) Gewaltfrage
    g) Kopftuch

9. Aktive Mitarbeit / Organisationsstrukturen / Arbeitsweise

    a) AktivistInnen- oder Karteileichen-Organisation?
    b) Das Private ist politisch: Organisation – Szene/Milieu – Bewegung
    c) Nicht-klandestin oder halb-klandestin
    d) Inner-organisatorische Demokratie

10. Zum weiteren Vorgehen

Zitat aus dem Text:

„Im Gegensatz zu gewissen ‚stil-diktierenden’ Tendenzen (der berühmte ‚proletarische’ Kurzhaarschnitt im Ggs. zu den langen Hippie-Haaren, teilweise wohl auch Verbot von partei-externen Liebesbeziehungen usw.) bei den K-Gruppen der 70er Jahren sollten zwar Freizeit, Wohnen usw. von organisierter Praxis unterschieden werden. Auch hinsichtlich des politischen Verhaltens am Arbeitsplatz, von dem die Existenzsicherung abhängt, sollte nichts Unmögliches verlangt werden. Die politische Linie einer Organisation muß immer auch die persönlichen Kräfte und Möglichkeiten der einzelnen Mitglieder in Rechnung stellen.
Aber: Das heißt nicht, daß Leben, Arbeit und Politik von einander getrennt sind; auch Leben und Arbeiten, ‚das Private’ – wie die Frauenbewegung und viele andere 68er sagten –, sind politisch. M.E. gibt es keine revolutionäre Praxis, die hinter diese Einsicht zurückfällt.“

Vgl. dazu ergänzend:
http://entdinglichung.wordpress.com/2010/10/12/kommunistische-partei-deutschlandsmarxisten-leninisten-kpdml-sind-lange-haare-fortschrittlich-1974/.

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Zusammen kämpfen – oder Frauenorganisierung gegen Männerherrschaft?

PS.
zu „Gegen den Strom. Versuch einer Aktualisierung der ‚Feministische[n] Kritik‘ von 1993″, Fußnote 5:

„Physische und sexuelle Gewalt ist das brutalste und grausamste Machtinstrument von Männerherrschaft. Frauen werden weltweit vergewaltigt, geschlagen, ermordet. Sie sind der Männergewalt überall ausgesetzt: In der Familie/Partnerschaft, auf der Strasse, am Arbeitsplatz, im Stadtteil, in der Dorfgemeinschaft, in gesellschaftlichen Institutionen (vom Sportverein bis hin zu Religionsgemeinschaften); […]. Schaffen wir eine kommunistische Frauenorganisierung!“

aus:
TROTZ ALLEDEM!, [Flugblatt] 25. November 2009: Internationaler Kampftag gegen Gewalt an Frauen!.

Vgl. auch:
http://maedchenblog.blogsport.de/2010/05/21/berlin-do-27-5-was-erwarten-wir-uns-von-frauenlesbentrans-raeumen/
und
meinen Kommentar vom 01. Juli 2010 um 9:30 Uhr zu: „FrauenLesben“ – noch ein zeitgemäßer Ausdruck oder total unqueer?.

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Realismus statt „Revolutions“-Euphorie

„Wie ein Lauffeuer erfasste der Aufruhr der arbeits- und zukunftslosen Jugendlichen gegen die Vetternwirtschaft Bin Ali-Regime die Völker Tunesiens. Eine sich zu Beginn gegen Hunger, Arbeitslosigkeit und Elend richtende Rebellion, entwickelte sich sehr rasch zu einem Volksaufstand für Freiheit und Demokratie, zu einer revolutionären Erhebung zum Sturz des verhassten Unterdrücker-Regimes. […]. Als klar wurde, dass Bin Ali nicht zu halten war, sprangen Teile des bestehenden Systems, die Armee und die Bürokratie ab. Auch seine ‚Hauptsponsoren‘ Frankreich, Deutschland, Italien und USA ließen ihren, bis vor kurzem ‚vertrauenswürdigen‘, treuen ‚Verbündeten‘ und ‚Freund‘ wie eine heiße Kartoffel fallen. Sie schwenkten um. Ihre Geschäfte wollten sie nun mit den ‚neuen‘ Machthabern weiterführen. Plötzlich entdeckten sie, dass Tunesien seit vierzig Jahren von einem ‚fürchterlichen‘ und ‚autoritären‘ Diktator beherrscht wurde. Zudem war, so empörten sie sich, der Staat durch und durch korrupt! Diese imperialistischen Heuchler! […]
der bisherige Verlauf [ist] so, dass einige verhasste Vertreter des Regimes durch andere ersetzt werden. Aber das System der Ausbeutung und die Abhängigkeit vom Imperialismus bleiben bestehen. Es werden neue Koalitionen von Gruppen der alten Elite, und vor allem der ‚moderat islamischen‘ Opposition, die bisher von der Macht ausgeschlossen war geschmiedet. Das wird als Demokratisierung verkauft. Zwar werden einige formal bürgerlich demokratische Schritte unternommen, bzw. dahingehende Versprechungen gemacht, aber wirkliche Freiheit und Demokratie für das werktätige Volk gibt nicht. So sind die Revolutionen in Maghreb und in Arabien momentan abgebrochene, halbe Revolutionen.
[…]. Alle imperialistischen Mächte USA, EU, Kanada, China und Russland usw. machen sich diese Rebellionen der Völker zunutze. […]. Der bisherige Verlauf der Volksaufstände zeigt als wichtigsten Mangel der Bewegung das Fehlen einer kommunistischen Organisation und Führung. Die enorme Schwäche der kommunistischen Bewegung lässt den Imperialisten und ihren Helfershelfern Raum für ihre Manöver. […].
Wir Kommunisten sind Feinde des faschistischen Ghaddafi Regimes. Wir sind für die Zerschlagung dieses Regimes durch die volksdemokratische Revolution der Völker Libyens. Wir unterstützen mit all unseren Möglichkeiten ihren Kampf gegen das Ghaddafi Regime. Wir sind zugleich gegen jede Intervention der Imperialisten! Denn wir wissen, dass all die schön formulierten Ziele ‚Unterstützung der Demokratie und Freiheit‘, ‚Schutz der Zivilbevölkerung vor Massakern‘, ‚Menschenrechten‘ nichts als Lügen sind. Auch wenn viele Menschen im Osten Libyens heute in ihrer Verzweiflung in den Imperialisten ihre Retter und Schutzmacht sehen, ändert das nichts an dieser Tatsache. […]. In diesem Sinne rufen wir alle auf: Kämpft gegen die imperialistische Intervention und gegen den Krieg der Imperialisten in Libyen. Dies ist auch die beste Unterstützung des Kampfes der Völker Libyens gegen das faschistische Ghaddafi Regime. Wirkliche Befreiung wird nur durch die Revolution der Völker Libyens erreicht werden.“

(Flugblatt von Bolşevik Partizan [Nordkurdistan/Türkei] und TROTZ ALLEDEM! [Deutschland])

Ich würde meinerseits vorschlagen, noch deutlicher zwischen politischen Revolutionen und solchen, die auch die Produktionsverhältnisse erfassen, zu unterscheiden sowie dem – in dem Flugblatt verwendeten – abschätzigen Begriff von „formal“ widersprechen; auch der dort verwendete „Faschismus“-Begriff scheint mir diskussionsbedürftig.

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Aus gegebenen Anlaß: Alternativer Imperialismus oder Antiimperialismus?

„Wir Internationalisten, Antiimperialisten, RevolutionärInnen, KommunistInnen, stellen uns gegen die Einmischung der Imperialisten, die für ihre Interessen andere Völker ausbeuten, knechten und mit Kriegen überziehen. Gleichzeitig aber stellen wir uns auf die Seite der Proletarierer und unterdrückten Völker aller Länder. Unsere Haltung ist nicht, die Völker [….] müssen selber sehen, wie sie mit ihren Schlächtern fertig werden. Wir müssen ihren Kampf […] mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen. Unser schlagkräftigster Beitrag ist in unseren jeweiligen Ländern den Imperialismus anzugreifen und zu schlagen. Für uns das der deutsche Imperialismus, ‚unser‘ Hauptfeind und eine der wichtigste Großmächte, […].“

aus: Trotz Alledem, Nr. 54, April 2010, 3 – 11 (11).

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