Tag-Archiv für 'tcsd'

Aus gegebenen Anlaß: Gegen queere politische und gesellschaftsanalytische Indifferenz

– Mit einem PS. vom 07.08.2011 –

„Wäh­rend des Trans­ge­nia­len CSD 2011 wurde eine queere Per­son auf den Toi­let­ten der Bar ‚Roses‘ in der Ora­ni­en­strasse ver­ge­wal­tigt. […]. Allen Tätern_​innen sagen wir: wir wer­den nicht schwei­gen, wir hal­ten zusam­men!!!“
(http://​trans​ge​nia​lercsd​.blog​sport​.de/​2​0​1​1​/​0​7​/​2​5​/​s​t​e​l​l​u​n​g​n​a​h​m​e​-​z​u​m​-​v​e​r​g​e​w​a​l​t​i​g​u​n​g​s​v​o​r​f​a​l​l​-​w​a​e​h​r​e​n​d​-​d​e​s​-​t​r​a​n​s​g​e​n​i​a​l​e​n​-​c​s​d​-​2011/)

Schön zu hören, wo es doch vor­her in Bezug auf den Umgang mit sexu­el­len Beläs­ti­gun­gen und andere „diskriminierende[n] Situa­tion“ noch hieß:

Laut der ein­gangs zitier­ten Stel­lung­nahme wurde eine „queere Per­son“ ver­ge­wal­tigt, außer­dem wird ganz all­ge­mein von „Tätern_​innen“ gespro­chen. Zum Geschlecht des/​der „Täter_​in“ im vor­lie­gen­den Fall erfah­ren wir nichts, allein: die Tat wird als „homo­pho­ber Angriff “ cha­rak­te­ri­siert.
Diese ent-​​geschlechtlichende Rede über die Ver­ge­wal­ti­gung ist in vie­ler­lei Hin­sicht pro­ble­ma­tisch:
► Falls es sich um die Ver­ge­wal­ti­gung einer Frau­Lesbe durch einen Mann han­delt, ist diese ent-​​geschlechtlichende Rede eine Ent­nen­nung des gesell­schaft­li­chen Herrschafts-​​ und Aus­beu­tungs­ver­hält­nis­ses zwi­schen Män­nern und Frauen, in dem Ver­ge­wal­ti­gun­gen an der Tages­ord­nung sind.1
► Sollte es sich um die Ver­ge­wal­ti­gung eines (schwu­len, bi-​​, pan­se­xu­el­len, …) Man­nes durch einen (hete­ro­se­xu­el­len) Mann han­deln, so würde auch in die­sem Fall die ent-​​geschlechtlichende Rede einen rele­van­ten Teil der patri­ar­cha­len Rea­li­tät ent­nen­nen.
► Sollte es sich schließ­lich um eine ‚innere-​​queere‘ Tat han­deln (was aller­dings die Frage auf­wer­fen würde, was mit der Cha­rak­te­ri­sie­rung der Tat als „homo­phob“ genau gemeint ist – „homo­phobe“ queers, gibt es das?!), so wäre nach der Repro­duk­tion der herr­schen­den gesell­schaft­li­chen Struk­tu­ren inner­halb der queer-​​Szene bzw. die dor­tige Ent­ste­hung neuer Herr­schafts­struk­tu­ren zu fra­gen.

Dem­ge­gen­über legt die ent-​​geschlechtlichende Rede­weise der zitier­ten „Stel­lung­nahme“ den Schleier der ent-​​politisierenden Sprach-​​Diplomatie über die Tat und ver­hin­dert not­wen­dige poli­ti­sche Posi­tio­nie­run­gen. –

Aus die­sem Anlaß (und im Nach­gang dazu) ein Zitat aus:

Monika Schröttle
Gewalt gegen Frauen in Paar­be­zie­hun­gen
in: Streit. Femi­nis­ti­sche Rechts­zeit­schrift 2009, 147-​​158 (152 f. = Abschnitt V.; im Ori­gi­nal han­delt es sich bei den hie­si­gen FN 2 und 3 um die FN 8 und 9):

Die These der Gen­der­sym­me­trie bei Gewalt in Paar­be­zie­hun­gen

(mehr…)

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Neues (von mir) bei Radio FSK

► Die Juli-​​Ausgabe von trans­mit­ter, der Pro­gramm­zeit­schrift des Freien Sen­der Kom­bi­nats (FSK) Ham­burg steht jetzt online zur Ver­fü­gung. Dort ist eine von mir geschrie­bene Rezen­sion

Neue Bro­schü­ren: Stra­te­gien der Antirep-​​Arbeit
http://​www​.fsk​-hh​.org/​f​i​l​e​s​/​t​m​0​7​1​1.pdf, S. 9 – 12

ver­öf­fent­licht. Die Rezen­sion ent­stand im zeit­li­chen und viel­leicht auch gedank­li­chen Zusam­men­hang mit mei­nem Vor­trag bei der Ver­an­stal­tung des Ein­stel­lungs­bünd­nis­ses am 18.05.2011 in Ber­lin.

► Außer­dem gab ich FSK am Frei­tag, den 24.06.2011, also am Tag vor dem Ber­li­ner (t)CSD-Wochenende, ein Inter­view zum Thema

trans­gen­der und femi­nis­ti­sche Orga­ni­sie­rung.
http://​www​.freie​-radios​.net/​41775

Der Mit­schnitt des – recht spon­tan zustande gekom­me­nen und teil­weise mei­ner­seits etwas chao­tisch abge­lau­fe­nen – Inter­views steht mitt­ler­weile online zur Ver­fü­gung. Vgl. zum Kon­text des Interview-​​Themas und -Anlas­ses auch noch:

--- Erneut: Dies­seits der Geschlech­ter­gren­zen – Die Kul­tu­ra­li­sie­rung des Femi­nis­mus als Natu­ra­li­sie­rung der Geschlech­ter­dif­fe­renz

--- De-​​konstruktiv oder destruk­tiv? – queer Les­bia­nis­mus

--- The­men­über­sicht – Kri­tik an der linksliberal-​​antifeministischen poli­ti­schen Linie des trans­ge­nia­len CSD (tCSD) in Ber­lin und des quee­ren main­streams in der BRD über­haupt

und

--- Ter­mine und andere Hin­weise (2).

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Themenübersicht – Kritik an der linksliberal-antifeministischen politischen Linie des transgenialen CSD (tCSD) in Berlin und des queeren mainstreams in der BRD überhaupt

I. Zur Pro­gram­ma­tik des trans­ge­nia­len CSD

Eine radi­kale Geste mit scha­lem Neben­ge­schmack:

„Auch der Auf­ruf zum trans­ge­nia­len CSD, der am kom­men­den Sams­tag (26.6.[2010]) statt­fin­det […], kommt ohne die Wör­ter ‚femi­nis­tisch‘ und ‚Femi­nis­mus‘ aus, […]. Der A-​​, wenn nicht sogar Anti-​​Feminismus scheint der heim­li­che Kon­sens von kom­mer­zi­el­lem und trans­ge­nia­lem CSD zu sein. Der­ar­ti­gen Ent­wick­lun­gen zuzu­ar­bei­ten war kei­nes­falls das Anlie­gen von Judith But­ler, als sie vor rund 20 Jah­ren gen­der trou­ble schrieb“.

Worum geht es eigent­lich dem trans­ge­nia­len CSD?

queere Glo­ba­li­sie­rung & impe­ria­len Begeh­rens

„Ich hätte ja nun wirk­lich gedacht, daß die linke Dis­kus­sion – zumal bei Leu­ten, die im ver­gan­ge­nen Jahr den main­stream-CSD noch als ‚ras­sis­tisch‘ kri­ti­sier­ten – über ras­sis­ti­sche Struk­tu­ren und deren Repro­duk­tion auch in der Lin­ken längst über den psy­cho­lo­gi­sie­ren­den und indi­vi­dua­li­sie­ren­den Begriff der ‚Vor­ur­teile‘ hin­aus ist; und daß in Zusam­men­hän­gen, die irgend­eine Affi­ni­tät (und sei es bloß als Bünd­nis­part­ne­rIn­nen) zur auto­no­men Szene haben, nicht nur die Frage gestellt wird ‚Wie las­sen sich Kon­flikte fried­lich lösen?‘, son­dern auch die Fra­gen: ‚Ist es immer mög­lich und wün­schens­wert Kon­flikte ‚fried­lich’ zu lösen?‘ und: ‚Sind ‚Gewalt­si­tua­tio­nen’ immer etwas, in das wir anschei­nend irgend­wie pas­siv hin­ein­ge­ra­ten und wo wir dann Ori­en­tie­rungs­schwie­rig­kei­ten haben und dann erst fra­gen müs­sen was wir ‚in’ ihnen tun kön­nen?‘, ‚Kann sich Wider­stand auf das Dogma der ‚gewalt­freien Kom­mu­ni­ka­tion’ fest­le­gen las­sen?‘
Zu die­ser gan­zen Fehlo­ri­en­tie­rung, die den Radi­ka­li­täts­an­spruch des tCSD weder ana­ly­tisch noch stra­te­gisch aus­wei­sen kann, son­dern unter­gräbt und prak­tisch auf eine Dif­fe­renz des kul­tu­rel­len Aus­drucks (Schmuddel-​​look statt Schi­cki­mi­cki) und des bes­se­ren Wol­lens redu­ziert, paßt auch noch, daß bei besag­tem tCSD-​​Treffen als Auf­gabe der – nach den sexu­el­len Beläs­ti­gun­gen des Vor­jah­res – für die­ses Mal zu schaf­fen­den awa­ren­ess-Struk­tur ‚Dees­ka­la­tion‘ (!) genannt wurde. Dees­ka­la­tion statt Par­tei­lich­keit! – aber: ach wie radi­kal sind wir und was für eine Spießer-​​Organisation ist der LSVD, der nur in der Mitte der Gesell­schaft ankom­men will.“
Kom­men­tar vom 06. Mai 2011; 17:54 Uhr

Trans­ge­nia­ler CSD 2011 in Ber­lin ohne offi­zi­el­len Auf­ruf?

„Der struk­tu­relle Begriff ‚Patri­ar­chat‘ ist also weg­ge­fal­len, und allein der auf ein­zelne Äuße­run­gen und Hand­lun­gen fokus­sie­rende Aus­druck ‚Sexis­mus‘ ste­hen­ge­blie­ben. [5] ‚Kapi­ta­lis­mus‘ wurde durch den aus glei­chem Grund zwei­deu­ti­gen Aus­druck ‚Klas­sis­mus‘ ersetzt. [6] Der immer­hin kon­krete, mate­ri­elle Hand­lun­gen benen­nende Begriff ‚Hete­ro­se­xis­mus‘ wurde weg­ge­las­sen; statt des­sen wird jetzt mit dem Begriff ‚Hete­ro­nor­ma­ti­vi­tät‘ allein auf ‚Nor­men‘ foku­siert.“

Selek­tive Wahr­hei­ten?

Als queer noch revo­lu­tio­när, aggres­siv und män­ner­feind­lich war – und sein durfte (bis­her 27 Kom­men­tare)

Eine „Revo­lu­tion“, bei der ich nicht den­ken darf, ist nicht meine – Einige Worte zum Ber­li­ner CSD-​​Wochenende 2011

Für einen femi­nis­ti­schen Anti-​​Humanismus!

II. Zur Pra­xis des tCSD

Sexu­elle Beläs­ti­gun­gen beim trans­ge­nia­len CSD in Ber­lin (erschie­nen beim mäd­chen­blog am 28.06.2010)

Umgang bei sexu­el­len Beläs­ti­gun­gen auf trans­ge­nia­len CSD (erschie­nen bei scharf-​​links am 24.06.2011 [!])

► Kom­men­tar bei indy­me­dia (Wo blei­ben die Argu­mente? – TaP 26.06.2011; 00:00 h)

„Wer/​welche bean­sprucht denn auch nur femi­nis­tisch zu sein?! In den Auf­ru­fen für den trans­ge­nia­len CSD ist das doch das große Tabu-​​Wort. Und des­halb kommt es dann näm­lich zu sol­chen Din­gen, wie dem laxen Umgang mit sexu­el­len Beläs­ti­gun­gen. Da zei­gen sich die ganz prak­ti­schen Kon­se­quen­zen der poli­ti­schen Linie des quee­ren main­streams.
Und dar­über soll­ten auch die­je­ni­gen – weni­gen – ins Erschre­cken gera­ten, die nicht femi­nis­tisch durch queer erset­zen, son­dern von ‚queer-​​feministisch‘ spre­chen: Wie femi­nis­tisch bzw. anti-​​feministisch die gän­gige queere Pra­xis in der BRD ist, ist eine Debatte, die über­fäl­lig ist.“

III. Vor­schlag für eine feministisch-​​revolutinäre Aus­rich­tung

Back to the future: Für einen femo-​​genialen tCSD 2012!

IV. Zum theo­re­ti­schen und poli­ti­chen Kon­text der Debatte (mehr…)

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Back to the future: Für einen femo-genialen tCSD 2012!


http://media.de.indymedia.org/media/2011/06//310551.pdf

vgl. http://​de​.indy​me​dia​.org/​2​0​1​1​/​0​6​/​3​1​0​5​4​9​.​shtml.

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Transgenialer CSD 2011 in Berlin ohne offiziellen Aufruf?

-- Die­ser Text jetzt als .pdf-Datei und mit einer Kor­rek­tur der Fuß­note 7 --

Für den heu­ti­gen trans­ge­nia­len CSD (tCSD) [0] scheint [1] es kei­nen gemein­sam getra­ge­nen Auf­ruf zu geben. Ges­tern wurde im blog des tCSD in der Rubrik „Presse“ ein „Bei­trag zum Motto des Trans­ge­nia­len CSD 2011“ über­schrie­be­ner Text ver­öf­fent­licht (siehe dort oder auch dort – meine Hv.). Die­ser Text weicht an eini­gen Stel­len in inhalt­li­cher und sti­lis­ti­scher Hin­sicht erheb­lich von dem zuletzt als Aufruf-​​Entwurf dis­ku­tier­ten Text ab.

Soweit ich direkt an der For­mu­lie­rung der nun weg­ge­las­se­nen oder umfor­mu­lier­ten Stel­len betei­ligt war, so seien diese hier ver­merkt:

► Im Abschnitt „Daten hel­fen da auch nicht wei­ter!“ heißt es jetzt – in Bezug auf den Zen­sus 2011 – „Auf Grund­lage der Kate­go­rien wird wei­ter­hin dis­kri­mi­nie­rende Poli­tik gemacht.“ Zuvor waren an die­ser Stelle – statt der vage Rede von „diskriminierende[r] Poli­tik“ [2] – bei­spiel­haft einige gesell­schaft­li­che Grup­pen genannt, gegen die in der BRD Poli­tik gemacht wird. In der Aufruf-​​Diskussion hatte ich in Bezug auf andere Text­stel­len vor­ge­schla­gen gehabt, den indi­vi­dua­li­sie­ren­den Begriff „Dis­kri­mi­nie­rung“ durch die struk­tu­rel­le­ren Begriffe „Herr­schaft und Aus­beu­tung“ zu erset­zen.

► Im Abschnitt der jetzt die Über­schrift „Zwei-​​Geschlechter-​​Ordnung abschaf­fen!“ trägt, steht nun: „Wir stel­len uns gegen eine Ord­nung, die nur zwei Geschlech­ter kennt und alle Men­schen, die sich nicht einem Geschlecht zuord­nen wol­len und_​oder kön­nen, stig­ma­ti­siert!“ (meine Hv.) Zuvor stand an die­ser Stelle: „Wir stel­len uns gegen die Zwei-​​Geschlechter-​​Ordnung, wel­che alle Men­schen, die sich nicht einem Geschlecht zuord­nen wol­len und_​oder kön­nen, stig­ma­ti­siert!“

Die neue For­mu­lie­rung („die nur zwei Geschlech­ter kennt“) impli­ziert im Gegen­satz zur alten eine Stra­te­gie der Ver­viel­fa­chung der Geschlech­ter. Ich plä­diere dage­gen in Anschluß an Über­le­gun­gen von Judith But­ler und Moni­que Wit­tig für die Anstre­bung einer Auf­he­bung aller Geschlech­ter.

(mehr…)

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Eine „Revolution“, bei der ich nicht denken darf, ist nicht meine – Einige Worte zum Berliner CSD-Wochenende 2011

.

Als queer noch revo­lu­tio­när, aggres­siv und män­ner­feind­lich war – und sein durfte

.

(Quelle: http://​ein​blog​.blog​sport​.de/)

und

Zwei Orte, zwei Län­der, zwei The­men, eine Zeit, eine These: Für einen femi­nis­ti­schen Anti-​​Humanismus in der Theo­rie!

sowie

Gegen den Kult ver­meint­lich authen­ti­scher „Erfah­run­gen“ und ver­meint­lich rei­ner, theo­rie­lo­ser „Fak­ten“

Die Ein­zel­nen sind Geschöpfe der gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nisse (NICHT authen­ti­sche SUB­JEKTE), und die gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nisse sind wider­sprüch­lich

Wider­stand und Ler­nen aus „Erfah­run­gen“ kommt NICHT aus dem Inne­ren von SUB­JEK­TEN, son­dern aus der Kon­fron­ta­tion von wider­sprüch­li­chen Erfah­run­gen von sub-​​jekten mit gesell­schaft­lich pro­du­zier­ten Begrif­fen und Dis­kur­sen

Kri­tik essen­tia­lis­ti­scher Iden­ti­täts­po­li­tik

PS.:

Wahr gespro­chen:

http://​www​.mys​pace​.com/​r​a​v​e​p​i​e​t​/​b​l​o​g​/​4​8​9​2​58676

Wenn ich nicht Tan­zen kann ist es nicht meine Revo­lu­tion

Und die Band spielt wei­ter

Sind Par­tys bes­sere Demos oder tan­zen wir uns ins Ecstasy-​​Exil? Von Ivo Bozic

„Wenn ich nicht tan­zen kann, ist es nicht meine Revo­lu­tion“, sagte die Anar­chis­tin Emma Gold­man einst; ein Sprüch­lein, das spe­zi­ell von Auto­no­men gerne zitiert wird, um dem Klas­sen­kampf­ma­chismo der MLer etwas ent­ge­gen­zu­set­zen. Aber ist jeder Tanz gleich eine Revo­lu­tion? Oder anders gefragt: Kann sich die Linke zum Sieg fei­ern? Was ist über­haupt poli­tisch an einer Party? Und muß oder kann Poli­tik eigent­lich amü­sant sein? (mehr…)

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Heute (5.5.11; 17 h): queere Globalisierung & imperialen Begehrens

Offi­zi­elle Ver­an­stal­tungs­an­kün­di­gung mit nach­fol­gen­den Anmer­kun­gen von mir sowie einem Ver­an­stal­tungs­be­richt als Kom­men­tar:

Don­ners­tag 5. Mai 2011 im Audi­max der ASH Ber­lin; “Queer-​​Globalization”

Queer-​​Globalization

Zum Thema spre­chen und dis­ku­tie­ren María do Mar Cas­tro Varela und Jen­ni­fer Pet­zen.

Mode­ra­tion: Koray Yilmaz-​​Günay (mehr…)

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Worum geht es eigentlich dem transgenialen CSD?

Eine feministisch-​​kommunistische Kri­tik

Als .pdf-​​Datei zusam­men­ge­sam­pelt aus:

http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​7​/​0​3​/​i​n​t​e​r​s​e​k​t​i​o​n​a​l​i​t​a​e​t​-​u​n​d​-​g​e​s​e​l​l​s​c​h​a​f​t​s​t​h​e​orie/
und
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​0​/​e​i​n​e​-​r​a​d​i​k​a​l​e​-​g​e​s​t​e​-​m​i​t​-​s​c​h​a​l​e​m​-​n​e​b​e​n​g​e​s​c​h​mack/.

Vgl. zur Kri­tik des Menschenrechts-​​Pathos die ein­schlä­gi­gen Bei­träge in der hie­si­gen Kate­go­rie „Rechts­theo­rie /​ Juris­ti­sches /​ Anti­rep“.

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Intersektionalität und Gesellschaftstheorie

Theo­re­ti­sche Nach­be­mer­kun­gen zur CSD/​Rassismus-​​Debatte und zugleich not­wen­dige poli­ti­sche Anmer­kun­gen zum dies­jäh­ri­gen trans­ge­nia­len CSD

Zara wies in einem Kom­men­tar zu mei­nem Bei­trag „Noch ein­mal zu den Rassismus-​​Vorwürfen gegen den Ber­li­ner CSD“ auf den Text von Tove Soi­land „Die Ver­hält­nisse gin­gen und die Kate­go­rien kamen. Inter­sec­tio­na­lity oder Vom Unbe­ha­gen an der ame­ri­ka­ni­schen Theo­rie“ in der femi­nis­ti­schen internet-​​Zeitschrift querelles-​​net Nr. 26 aus dem Jahr 2008 hin.

Ich finde den Text auch sehr gut:

1. Ich teile den Ein­druck, daß auch der Inter­sek­tio­na­li­täts­an­satz letzt­lich zu einer bloß addi­ti­ven Sicht­weise ten­diert:

„Die Kate­go­rien kri­ti­scher Gesell­schafts­theo­rie zeich­nen sich […] dadurch aus, dass sie kom­plexe Mecha­ni­ken gesell­schaft­li­cher Pro­duk­tion und Repro­duk­tion bezeich­nen; sie bezeich­nen nicht oder nicht in ers­ter Linie Grup­pen. Und dies ver­weist zurück auf das Pro­blem, dass die For­de­rung nach inter­sek­tio­nel­len Ana­ly­sen in einem Dis­kri­mi­nie­rungs­dis­kurs behei­ma­tet ist. Kate­go­rien, die für das Pro­blem von Dis­kri­mi­nie­rung in Frage kom­men, sind nun aber nicht per se auch sol­che, die maß­geb­lich an der Orga­ni­sa­tion gesell­schaft­li­cher Pro­duk­tion und Repro­duk­tion betei­ligt resp. für diese zen­tral sind. Es geht [bei inter­sek­tio­na­len Ana­ly­sen, TaP], wie Dietze et al. (2007, S. 10) zu Recht for­mu­lie­ren, um ‚Kate­go­rien der Benach­tei­li­gung‘, die weni­ger kom­plexe Mecha­nis­men gesell­schaft­li­cher Orga­ni­sa­tion als die Zuschrei­bung ‚rea­ler‘ oder vor­ge­stell­ter Merk­male und die damit ver­bun­de­nen Vor­ur­teile bezeich­nen. So ist denn auch selbst­ver­ständ­lich die Anzahl der Gründe, die zu einer Benach­tei­li­gung Anlass geben, in der Ten­denz offen (Degele/​Winker 2007, S. 11) und macht es – im Bereich der Anti­dis­kri­mi­nie­rung – Sinn, nach die­sen zu fra­gen.“

Damit sind wir dann wie­der bei der Logik der Auf­zäh­lun­gen: Es wer­den ‚Benach­tei­li­gun­gen‘ auf­ge­lis­tet und deren Gründe auf­ge­zählt – und im Zwei­fels­fall hilft ein „usw.“ wei­ter.
Mit der Länge der Liste ist aber zur Adäquat­heit der Ana­lyse der Gründe und der dar­auf auf­ge­bau­ten poli­ti­schen Stra­te­gie noch nichts gesagt.1
Die poli­ti­sche Kon­se­quenz der Auf­zäh­lungs­lo­gik ist, daß im Ber­li­ner CSD/​Rassismus-​​Streit beide Sei­ten Opfer­kon­kur­renz betrei­ben und sich gegen­sei­tig vor­wer­fen: Judith But­ler und die Grup­pen, die sie – anschnei­nend mit ziem­lich wenig kon­kre­ten Infor­ma­tio­nen (vgl. 1 und 2 [am Anfang]) – brief­ten, wer­fen dem CSD eine Ver­nach­läs­si­gung des Kamp­fes gegen Ras­sis­mus vor oder sogar des­sen Kom­plize zu sein. Die andere Seite kon­tert mit dem Vor­wurf der Ver­nach­läs­si­gung des Kamp­fes gegen Anti­se­mi­tis­mus2, und der Kampf gegen Trans­pho­bie und Inter­se­xu­el­len­pho­bie wird von bei­den Sei­ten bean­sprucht3. Nur am Femi­nis­mus schei­nen beide Sei­ten glei­cher­ma­ßen wenig Inter­esse zu haben.

2. Ich teile den Ein­druck, daß es in Intersektionalitäts-​​Studien eine Ver­nach­läs­si­gung von Gesell­schafts­theo­rie gibt. Es wird eher auf (quan­ti­fi­zier­bare) Effekte geguckt als auf struk­tu­relle Ursa­chen (auch wenn der Anspruch teil­weise ein ande­rer ist):

„Es scheint, und dies ist für mich der eigent­li­che Grund, warum Erkennt­nisse aus dem Feld der Anti­dis­kri­mi­nie­rung nicht tel quel auf Fra­gen der Gesell­schafts­theo­rie über­tra­gen wer­den kön­nen, dass mit dem Wort ‚Kate­go­rie‘ zwei Dinge zugleich benannt wer­den, die kate­go­rial gese­hen nicht auf der­sel­ben Ebene lie­gen. So kann die beschrei­bende Sozio­lo­gie Inter­fe­ren­zen den­ken, weil sie diese als Merk­male kon­zi­piert. Umge­kehrt kann die For­de­rung, kom­plexe Dyna­mi­ken gesell­schaft­li­cher Pro­duk­tion und Repro­duk­tion inter­fe­rent zu den­ken, erheb­li­che Schwie­rig­kei­ten berei­ten und ist auch nicht in jedem Fall sinn­voll resp. kann nur ein­ge­löst wer­den, wenn diese Dyna­mi­ken wie­derum auf ‚Merk­male‘ einer Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit redu­ziert wer­den.“

Beide von Tove Soi­land gemein­ten Sei­ten bean­spru­chen über Kate­go­rien zu reden, wor­un­ter die einen aber beschrei­bende Merk­male ver­ste­hen und die ande­ren analytisch-​​erklärende Begriffe4. – Die wis­sen­schaft­li­che Kon­se­quenz davon, sich mit Merk­ma­len zu beschei­den (statt Begriffe zu erar­bei­ten), wird von Tove Soi­land klar aus­ge­spro­chen:

„Das eigent­li­che Unter­su­chungs­ob­jekt sind damit nicht die Mecha­nis­men der Segre­ga­tion, son­dern deren Effekte und daran anschlie­ßend die Frage, wie Grup­pen zu kon­zep­tua­li­sie­ren sind, um genü­gend kom­plex, das heißt, den rea­len sozio­lo­gi­schen Gege­ben­hei­ten ange­mes­sen zu sein.“ (Hv. d. TaP).

Und die poli­ti­sche Kon­se­quenz des Guckens auf Effekte und der Aufzählungs-​​Logik, die diese beim trans­ge­nia­len CSD hat­ten, hat die taz, wenn auch nicht aus inhalt­li­chem Inter­esse an revo­lu­tio­nä­rer Poli­tik, son­dern allein aus Häme-​​Gründen tref­fend auf den Punkt gebracht:

„Das Poli­ti­sche kam wahr­lich nicht zu kurz, ver­ur­sachte aber vie­len Teil­neh­mern auf­grund der lei­der nicht kom­mer­zi­el­len Laut­spre­cher­an­lage Kopf­schmer­zen. Die Ver­le­sung der Trak­tate kam so mit­un­ter nur als Hin­ter­grund­ka­ko­pho­nie an: ‚Ismus…istisch…Ismus‘. Bei nähe­rem Hin­hö­ren jedoch unter­schie­den sich die For­de­run­gen nicht wirk­lich von jenen, die auch auf den gro­ßen CSDs gestellt wer­den. Etwa dem Auf­ruf zu Soli­da­ri­tät mit Les­ben, Schwu­len, Bise­xu­el­len und Trans­gen­der in Ost­eu­ropa und in der gan­zen Welt und zur Bekämp­fung von Homo­pho­bie – plus einer Extra­por­tion Anti­ras­sis­mus und Kapi­ta­lis­mus­kri­tik.“

Weil auch der tCSD keine Begriffe von Kapi­ta­lis­mus, Ras­sis­mus und Patri­ar­chat hat, wird ver­mein­li­che Radi­ka­li­tät über die Länge von Auf­zäh­lun­gen, das Pathos von Adjek­ti­ven und sich über­schla­gen­der Stim­men sowie die mora­li­sie­rende Kri­tik böser Absich­ten und stra­te­gie­lose „sofort“-Forderungen („Für die sofor­tige Abschaf­fung des hete­ro­nor­ma­ti­ven Zwei­ge­schlech­ter­sys­tems!“ [Auto­trans]) ‚her­ge­stellt‘. So wurde etwa in der Manier links­par­tei­li­cher und gewerk­schaft­li­cher ver­kürz­ter Kapitalismus-​​Kritik gepol­tert: (mehr…)

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Doku: Redebeitrag von Tauwetter beim transgenialen CSD

Ich doku­men­tiere hier einen der zwei Rede­bei­träge beim trans­ge­nia­len CSD vom letz­ten Wochen­ende, in dem die Wör­ter „Patri­ar­chat“ oder „patri­ar­chal“ vor­ka­men. Die Wör­ter „Femi­nis­mus“ und „femi­nis­tisch“ kamen gar nicht vor; auch das Wort „Geschlecht“ und die von ihm abge­lei­te­ten For­men wur­den nahezu aus­schließ­lich für eine Kri­tik an Trans­pho­bie ver­wen­det. Es lebe der auto­nome Post­fe­mi­nis­mus? Aber nein: ein­mal kam das Wort „sexis­tisch“ vor. – Ent­spre­chend sah schon der tCSD-​​Demo-​​Aufruf aus (Absatz 2 nach Zitat 2). (mehr…)

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Eine radikale Geste mit schalem Nebengeschmack

Wie ver­schie­dene Medien berich­ten, hat Judith But­ler den ihr ange­tra­ge­nen „Zivilcourage-​​Preis“ auf der Ber­li­ner Chris­to­pher Street Day-​​Veranstaltung aus­ge­schla­gen. „Die Ver­an­stal­tung sei ihr zu kom­mer­zi­ell und ober­fläch­lich.“, so heißt es in der Frank­fur­ter Rund­schau. Diese Kri­tik ist alle mal rich­tig, hat aber einen etwas scha­len Neben­ge­schmack, da sich But­lers Rede bei einer ande­ren Ver­an­stal­tung am Vor­abend in der Ber­li­ner Volks­bühne auch nicht gerade vor Radi­ka­li­tät über­schlug: Eine Anhäu­fung ‚ewi­ger Wahr­hei­ten’ über Frei­heit, Demo­kra­tie und Men­schen­rechte. „Das ist ja wie im Gemein­schafts­kun­de­un­ter­richt“, meinte eine mei­ner Beglei­te­rIn­nen. De-​​Konstruktion wäre in der Tat etwas ande­res gewe­sen.

Wei­ter heißt es in dem FR-​​Bericht: „Die Ver­an­stal­tung […] richte sich nicht genü­gend gegen Pro­bleme wie Ras­sis­mus und dop­pelte Dis­kri­mi­nie­rung von bei­spiels­weise Migran­ten, die homo­se­xu­ell oder trans­se­xu­ell emp­fin­den.“

Nun ja, als ob sich poli­ti­sche Radi­ka­li­tät, das an die Wur­zeln der herr­schen­den gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nisse Gehen, an der Länge des poli­ti­schen Wunsch­zet­tel mißt, also es damit getan wäre, ein­fach auch noch etwas zu Ras­sis­mus zu sagen – und nicht daran, ob gesell­schaft­li­che Ant­ago­nis­men als sol­che erkannt und benannt wer­den und Stra­te­gien, die dem ant­ago­nis­ti­schen Cha­rak­ter der gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nisse ange­mes­sen sind, ent­wi­ckelt wer­den. Zu kri­ti­sie­ren wäre also nicht (nur) die Rassismus-​​Blindheit der offi­zi­el­len CSD-​​Veranstaltung, son­dern auch schon die inte­gra­tio­nis­ti­sche und rechts-​​zentrierte (Homo-​​Ehe usw.) Art und Weise, in der das den offi­zi­el­len CSD tra­gende Spek­trum queere Poli­tik betreibt. Nur – in die­ser Hin­sicht unter­schied sich das, was Judith But­ler am Frei­tag­abend vor­trug, allen­falls mini­mal vom schwulles­bi­schen main­stream – obwohl gerade aus de-​​konstruktivistischer Per­spek­tive eini­ges Kri­ti­sches zu dem Rechts­idea­lis­mus und Rechts­vol­un­ta­ris­mus zu sagen wäre, der nicht nur queere Poli­tik prägt, son­dern ansons­ten durch­aus scharf ent­ge­gen­ge­setzte linke Strö­mun­gen ver­bin­det (vgl. annä­he­rungs­weise die dort und dort genann­ten Texte).

Etwas genauer berich­tet der blog im gar­ten mit satie über But­lers Aus­füh­run­gen zu dem Rassismus-​​Punkt: „Sie [But­ler] habe […] lei­der […] fest­stel­len müs­sen, dass sich die Veranstalter_​innen des kom­mer­zi­el­len CSDs von ras­sis­ti­schen und isla­mo­pho­ben Äuße­run­gen nicht dis­tan­zier­ten.“ Auch hier bleibt unklar, was genau gemeint ist. Aber das mag weni­ger der Red­ne­rin als viel­leicht viel­mehr der Bericht­er­stat­tung geschul­det sein.1 Gesagt wer­den könnte und sollte bspw. etwas zu der Ten­denz, trans-​​ und homo­phobe Gewalt zu eth­ni­sie­ren. Sus­pect weist in einer Pres­se­er­klä­rung zum hier bespro­che­nen Anlaß dar­auf hin: „Homo­pho­bie und Trans­pho­bie wer­den hier als Pro­bleme von Jugend­li­chen of Colour umde­fi­niert, die anschei­nend nicht rich­tig Deutsch kön­nen, deren Deutsch­sein immer hin­ter­fragt bleibt, und die schlicht nicht dazu­ge­hö­ren.“

Und was die Ver­nach­läs­si­gung der The­ma­ti­sie­rung der „doppelte[n] Dis­kri­mi­nie­rung von bei­spiels­weise Migran­ten, die homo­se­xu­ell oder trans­se­xu­ell emp­fin­den“ (FR – meine Hv.), bzw. von Men­schen, „die in dop­pel­ter oder drei­fa­cher Weise dis­kri­mi­niert wür­den bspw. wegen ihrer Her­kunft, ihrer sexu­el­len Ori­en­tie­rung, ihrer Behin­de­rung, ihrer Reli­gion oder ihres Geschlech­tes“ (im gar­ten mit satie – meine Hv.) anbe­langt – auch dies bleibt zum einen in der Logik des Quan­ti­ta­ti­ven („dop­pelt“, „drei­fach“), hat aber kei­nen begriff­li­chen Zugriff auf gesell­schaft­li­che Struk­tu­ren. Und zum ande­ren: An die­ser Stelle scheint es nicht schwer­punkt­mä­ßig noch ein­mal um Ras­sis­mus zu gehen, son­dern „Migran­ten“ und „Her­kunft“ sind nur bei­spiel­haft genannt. –

Aber: Was ist denn nun mit trans-​​ und homo­se­xu­ell? Und was ist mit Geschlecht? Daß der queere main­stream über ers­te­res zu wenig spricht, läßt sich wohl kaum sagen. Und was ist mit Geschlecht? But­ler selbst redete am Frei­tag­abend 1 ½ Stun­den über trans-​​ und homo­phobe Gewalt und ein biß­chen über Krieg, aber mit kei­nem Wort über Män­ner­ge­walt gegen Frauen. Das ein­zige, was Judith But­ler am Frei­tag­abend zum Thema „Geschlecht“ sagte, war eine Anne­kote über eine Kon­fe­renz, zu der sie ein­ge­la­den war. Nach der Kon­fe­renz woll­ten die Ver­an­stal­te­rin­nen mit ihr in eine Frau­en­bar gehen, wo als „Frau“ jede gel­ten sollte, die die Erfah­rung hatte, auf der Straße als Frau behan­delt zu wer­den. Auch diese durch und durch soziale und poli­ti­sche und kei­nes­falls bio­lo­gis­ti­sche Defi­ni­tion von „Frau“ war But­ler nicht queer genug, nicht trans­freund­lich (?), nicht män­ner­freund­lich (?) genug.

Auch der Auf­ruf zum trans­ge­nia­len CSD, der am kom­men­den Sams­tag (26.6.) statt­fin­det (Route: vom Rat­haus Neu­kölln zum Hein­rich­platz in Kreuz­berg 36) und auf des­sen Seite es wei­tere links zum Thema gibt, kommt ohne die Wör­ter „femi­nis­tisch“ und „Femi­nis­mus“ aus, und „geschlecht“ kommt aus­schließ­lich in die­sem Satz vor: „Noch immer sind Men­schen, die sich nicht in die zwei­ge­schlecht­li­che hete­ro­nor­ma­tive Welt pres­sen las­sen, von homo­pho­ber und trans­pho­ber Gewalt betrof­fen“.

Der A-​​, wenn nicht sogar Anti-​​Feminismus scheint der heim­li­che Kon­sens von kom­mer­zi­el­lem und trans­ge­nia­lem CSD zu sein. Der­ar­ti­gen Ent­wick­lun­gen zuzu­ar­bei­ten war kei­nes­falls das Anlie­gen von Judith But­ler, als sie vor rund 20 Jah­ren gen­der trou­ble schrieb:

„Die Viel­schich­tig­keit der Geschlechts­iden­ti­tät erfor­dert eine inter-​​ und post­dis­zi­pli­näre Serie von Dis­kur­sen, um der Domes­ti­zie­rung der Geschlechter-​​ oder Frau­en­stu­dien an der Uni­ver­si­tät zu wider­ste­hen und den Begriff der femi­nis­ti­schen Kri­tik zu radi­ka­li­sie­ren.“ (S. 13).

Den Femi­nis­mus zu radi­ka­li­sie­ren – die­ses Anlie­gen ist heute noch drin­gen­der als vor 20 Jah­ren. Nach der theo­re­ti­schen De-​​Konstruktion der Kate­go­rie Geschlecht geht es darum, zur poli­ti­schen De-​​Konstruktion der (hetero/a)sexistischen gesell­schaft­li­chen Struk­tu­ren zu schrei­ten. Dafür bedarf es mehr als der libe­ra­len Rede über „Dis­kri­mi­nie­run­gen“, „Men­schen­rechte“ und der all­um­fas­sen­den Dis­tan­zie­rung von Gewalt (tCSD: „Wir wen­den uns gegen jede Form von sexu­el­ler, psy­chi­scher und kör­per­li­cher Gewalt!“). Dafür bedarf es der Rede über Herr­schaft und Aus­beu­tung und dar­über, wie sie besei­tigt wer­den kön­nen.

„patri­ar­chy is a dif­fe­ren­tia­ted, con­tra­dic­tory struc­ture that his­to­ri­cally pro­du­ces iden­ti­cal effects dif­fer­ently. […]. All these various patri­ar­chal arran­ge­ments, in short, pro­duce the same effects: the opp­res­sion and exclu­sion of woman as other, the divi­sion of labor accor­ding to gen­der – spe­ci­fi­cally, the exploi­ta­tion of women’s labor (whe­ther in the public or pri­vate sphere) – and the denial of women’s full access to social resour­ces. Woman thus occupy the ‚same‘ posi­tion wit­hin patri­ar­chy dif­fer­ently, divi­ded by the con­junc­tions of race, class, natio­na­lity, (post)colo­nialism, and so on“ (Teresa L. Ebert, Ludic Femi­nism, the Body, Per­for­mance, and Labor: Brin­ging Mate­ria­lism Back into Femi­nist Cul­tu­ral Stu­dies, in: Cul­tu­ral Cri­ti­que No. 23, Win­ter 1992/​93, 5-​​50 [21, 22] – Hv. i. O.)

„daß in zei­ten all­ge­mei­ner ver-​​gewalt-​​ung aller lebens­be­rei­che es keine revo­lutionäre gewalt geben könne, das ist die ebene der soge­nann­ten ‚sozi­al­part­ner­schaft’. […]. wer so argu­men­tiert, ent­waff­net den auf­stand von unten: direkt und ge­schichtlich, psy­cho­lo­gisch, emo­tio­nal, poli­tisch. […]. ‚gewalt’ wird durch die dau­ernde beru­fung zur schlange, vor der die kanin­chen erstar­ren. jede gesell­schaft­li­che aus­ein­an­der­set­zung soll so auf die soge­nannte ‚demokratisch-​​rechtsstaatli­che’ ebene fixiert wer­den. […]. es ist not­wendig, öffent­lich zu unter­schei­den zwi­schen faschisti­scher gewalt, gewalt­mo­no­pol des staa­tes und rebel­lion von unten; es ist not­wen­dig, posi­tion zu bezie­hen. […]. feminis­mus ist nicht nur selbst­ver­tei­di­gung mit dem rücken zur wand und dem grauen im her­zen. femi­nis­mus ist nicht allein der gesell­schaft­li­che rück­zug in frauengemein­schaften. das empö­ren gegen unge­rech­tig­keit, die wut im bauch, die theo­rie von unter­drü­ckung und ver­än­de­rung. femi­nis­mus ist mehr als die reak­tion auf poli­ti­sche umstände oder mate­ri­elle bedin­gun­gen. femi­nis­mus ist das bewußt­sein, nicht nur von ursa­chen der unter­drü­ckung, son­dern auch von bedin­gun­gen, not­wen­dig­kei­ten, mög­lich­kei­ten der ver­än­de­rung.“
(Eine femi­nis­ti­sche Kri­tik, in: inte­rim, Nr. 229, 25.02.1993, S. 23 – 27).

Vgl. auch noch http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​7​/​0​8​/​1​0​/​d​e​-​k​o​n​s​t​r​u​k​t​i​v​-​o​d​e​r​-​d​e​s​t​r​u​k​t​i​v​-​q​u​e​e​r​-​l​e​s​b​i​a​n​i​smus/.

Nach­trag vom 25.06.2010:
► Offi­zi­elle CSD-​​Stellungnahme zu But­lers Preisannahme-​​Verweigerung [nebst Über­sicht über die bis­he­rige Dis­kus­sion]
http://​maed​chen​blog​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​5​/​o​f​f​i​z​i​e​l​l​e​-​c​s​d​-​s​t​e​l​l​u​n​g​n​a​h​m​e​-​z​u​-​b​u​t​l​e​r​s​-​p​r​e​i​s​a​n​n​a​h​m​e​-​v​e​r​w​e​i​g​e​rung/

  1. Nach­trag:
    Der mitt­ler­weile ver­öf­fent­lichte Rede­mit­schnitt ist aller­dings auch nicht auf­schluß­rei­cher: http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​0​/​a​b​s​c​h​r​i​f​t​-​d​e​r​-​p​r​e​i​s​-​a​n​n​a​h​m​e​-​v​e​r​w​e​i​g​e​r​u​n​g​s​r​e​d​e​-​v​o​n​-​j​u​d​i​t​h​-​b​u​t​l​e​r​-​b​e​i​m​-​c​s​d​-​i​n​-​b​e​rlin/ (mit wei­te­ren Anmer­kun­gen von mir). [zurück]
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