Tag-Archiv für 'stalin'

Mit Lenin den Demokratie-Essentialismus kritisieren

Heute in einer Woche – also am Sonn­tag, den 26.01. werde ich im B-​​Lage beim Workshop-​​Tag „Demo­kra­tie – die süßeste Ver­su­chung seit es Poli­tik gibt?“ der Inter­na­tio­na­len Kommunist_​innen zum Thema „Warum die Form immer noch wesent­lich ist. – Mit Lenin (1870 – 1924) den Demokratie-​​Essentialismus kri­ti­sie­ren“ spre­chen.

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Einig, stark und – breit?

- noch zwei Facebook-​​posts zum Insti­tut Soli­da­ri­sche Moderne -

In Ant­wort auf mei­nen gest­ri­gen post (s. den dor­ti­gen Nach­trag) schrieb ein Dis­ku­tant u.a.:

Sorry, aber ich finde das hier die reinste Kataa­s­tro­phe gleich wie­der anzu­fan­gen mit irgend­wel­chen Kri­ti­ken an … Mehr anzei­gen irgend­was. Statt irgend­wel­che Begriffe in irgend eine Ecke zu stel­len, sie wären 50er Jahre oder ähnli­ches, halte ich es für demo­kra­tisch, wenn Ihr zuerst über alles offen und ehr­lich dis­ku­tiert und nicht gleich am Anfang zu kri­ti­sie­ren anfangt und das her­vor­hebt, was Euch miß­fällt.

Einer­seits:

halte ich es für demo­kra­tisch, wenn Ihr zuerst über alles offen und ehr­lich dis­ku­tiert

und ande­rer­seits:

reinste Kataa­s­tro­phe gleich wie­der anzu­fan­gen mit irgend­wel­chen Kri­ti­ken an irgend­was

Ist das nicht ein klei­ner Wider­spruch: „offen und ehr­lich“ über „alles … diskutier[en]“ – aber bitte nicht zu kri­tisch…????

Aus der dar­auf fol­gen­den Ant­wort des Mit-​​Diskutanten zitierte ich wie folgt:

anspre­chen was wich­tig ist ohne zu kri­ti­sie­ren …. Damit erreicht man dass alle Mei­nun­gen gehört wer­den und nicht eine Dis­kus­sion anfängt bevor über­haupt alle wich­ti­gen Punkte genannt sind.

und ant­wor­tete dar­auf so:

Nun ja, der Grün­dungs­auf­ruf ist auch nicht nur eine The­men­liste, über die fer­ner­hin dis­ku­tiert wer­den soll – was ich in soweit auch völ­lig okay finde.
Wer/​welche Posi­tion bezieht, sollte aller­dings auch Kri­tik ertra­gen.

Ande­rer­seits sei auch völ­lig zuge­stan­den, daß kein Pro­jekt belie­big offen sein kann, son­dern viel­mehr auch Gren­zen zie­hen muß.
Wenn der Grün­dungs­auf­ruf kein Ange­bot zur Dis­kus­sion, das auch kri­ti­siert wer­den kann, sein soll, son­dern die defi­ni­tive Grund­lage, AUF DER fer­ner­hin dis­ku­tiert wer­den soll – jeden­falls inner­halb des Insti­tuts und der Web-​​Präsens des Insti­tuts –, dann sollte auch das ein­fach klar gesagt wer­den.
Das fände ich metho­disch völ­lig legi­tim, wenn auch inhalt­lich nicht über­zeu­gend. Aber klar, das kann so gemacht wer­den.

+++

Aber noch ein­mal grund­sätz­lich:

Die­ses Lamento über die Dis­kus­sion über Begriffe, die Angst vor dem „Zer­re­den“ (Gerold Ger­ber; auch Du: „Wenn man sich aber schon beim Bauen des Kel­lers in Dis­kus­sio­nen ver­liert, kann man es gleich sein las­sen.“), der Appell, das Gemein­same in den Vor­der­grund und die Kri­tik zurück­zu­stel­len (oder zumin­dest leise zu for­mu­lie­ren) -

bei dem Gan­zen schwinkt auch noch mit: die Pro­bleme drän­gen; wir müs­sen end­lich han­deln; die Pra­xis ist wich­ti­ger als die Theo­rie; gegen den gemein­sa­men Geg­ner (den Neo­li­be­ra­lis­mus) müs­sen wir um JEDEN Preis zusam­men­hal­ten – ---

sol­che Ein­heits­ap­pelle gibt’s nun in jeder der exis­tie­ren­den, als ‚links‘ klas­si­fi­zier­ten Par­teien (von MLPD bis SPD) und auch in links­ra­di­ka­len Auto­no­men Voll­ver­samm­lun­gen (und mit ande­rem Geg­ner in ande­ren Par­teien ganz ent­spre­chend) zu Genüge. Dafür braucht es kein Insti­tut, kei­nen Think Tank.

Und wie­viele Feh­ler hat die Linke dadurch gemacht – und sogar unnütze Tote pro­du­ziert –, daß Kri­tik mit der­ar­ti­gen Appel­len zur Gemein­sam­keit, zur ‚Kon­struk­ti­vi­tät‘, abge­bürs­tet wurde und Kri­ti­ke­rIn­nen sich dem viel­fach – mur­rend oder schwei­gend – gebeugt haben? Wie­vi­eiel Feh­ler wur­den gemacht, wie­viele fal­sche Wege wur­den gegan­gen, weil einige Hau­de­gen zur ‚Pra­xis‘ dräng­ten, ohne vor­her eine genaue Dis­kus­sion über das rich­tige Ziele, über die Lage und geeig­nete Stra­te­gie zuzu­las­sen?
Das ist doch ein fata­les Mus­ter, das sich durch so ziem­lich jede der lin­ken Frak­tio­nen durch­zieht.

Für die poli­ti­sche Pra­xis ist das – mittel-​​ und lang­fris­tig – ver­hee­rend. Für die theo­re­ti­sche Arbeit eines Insti­tuts wäre das sui­zia­dal.

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Stalin als Verfechter des ‚Staates des ganzen Volkes‘

Vor­be­mer­kung: „Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats“ bedeu­tet im klas­si­schen mar­xis­ti­schen Sprach­ge­brauch nicht Dika­tur im staats­recht­li­chen Sinne, son­dern Klas­sen­herr­schaft. Auch eine par­la­men­ta­ri­sche Demo­kra­tie mit Par­tei­en­plu­ra­lis­mus, freien, glei­chen und gehei­men Wah­len sowie wei­te­ren civil rights & liber­ties ist im Sinne die­ses Sprach­ge­brauchs eine Dik­ta­tur der Bour­geoi­sie. Ent­spre­chend ist auch mit dem Aus­druck Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats nicht vorab ent­schie­den, in wel­chen juris­ti­schen und poli­ti­schen For­men diese aus­ge­übt wird.

I. Quel­len (mehr…)

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Konvergenzen des wissenschaftstheoretischen Relativismus

[Ich hatte kürz­lich meine Diplom­ar­beit aus dem Jahre 1996 zum Thema „Plu­ra­lis­mus und Ant­ago­nis­mus. Eine Rekon­struk­tion post­mo­der­ner Les­wei­sen“ online zugäng­lich gemacht. Ich bringe hier einen remix einer Pas­sage von S. 86 f. Ich setze hier die Fuß­note 123, die dort hin­ter dem Dop­pel­punkt am Ende des ers­ten Sat­zes und vor dem fol­gen­den Poulantzas-​​Zitat steht, in den Haupt­text ans Ende der frag­li­chen Pas­sage. In der ursprüng­li­chen Fas­sung ging es dort statt des­sen mit Über­le­gun­gen zu ande­ren Aspek­ten wei­ter. Dies war der Grund dafür, daß der hier ‚auf­ge­wer­tete’ Text dort in die frag­li­che Fuß­note ver­bannt wurde.
Anzu­mer­ken ist noch, daß der hier kri­ti­sierte Rela­ti­vis­mus in Erkennt­nis­fra­gen strikt vom – ange­sichts wider­sprüch­li­cher gesell­schaft­li­cher Ver­hält­nisse: not­wen­di­gen – Rela­ti­vis­mus in poli­ti­schen Bewer­tungs­fra­gen zu unter­schei­den ist.]

Es macht zwar poli­tisch einen bedeu­ten­den Unter­schied, ob man/​frau sich auf den historizistisch-​​relativistischen Wahrheits-​​Begriffs von Bog­da­now, Sta­lin oder auch Lukács einer­seits oder Gramscis ande­rer­seits bezieht; die zugrun­de­lie­gende theo­re­ti­sche Kon­zep­tion bleibt aber (schließ­lich auch in Fou­caults Ver­sion des wis­sen­schafts­theo­re­ti­schen Rela­ti­vis­mus) die glei­che: „Die his­to­ri­zis­ti­sche Ideo­lo­gie­auf­fas­sung ist […] noch kla­rer [als bei Mar­cuse, d. Vf.] bei dem typi­schen Bei­spiel von Lukács und sei­ner Theo­rie von ‚Klas­sen­be­wußt­sein’ und ‚Welt­an­schau­ung’. Es lohnt sich, dabei zu ver­wei­len, da sie klar das Pro­blem der erkennt­nis­theo­re­ti­schen Prä­mis­sen einer his­to­ri­zis­ti­schen Betrach­tungs­weise der Ideo­lo­gie erken­nen läßt. Sie ist um so wich­ti­ger, als infolge Gramscis His­to­ri­zis­mus, […] die Mehr­zahl der mar­xis­ti­schen Theo­re­ti­ker den Begriff der Hege­mo­nie in einer Bedeu­tung gebrau­chen, die mit der Pro­ble­ma­tik Lukács’ ver­wandt ist.“ (Pou­lant­zas 1968, 195 – Hv. d. Vf.).
Diese Posi­tion leug­net die die Rea­li­tät der objek­ti­ven Außen­welt1 und kann des­halb kei­nen Unter­schied zwi­schen ideo­lo­gi­schen und wis­sen­schaft­li­chen Dis­kur­sen machen kann (Alt­hus­ser 1966/​68, 174, 176-​​180); die „beson­dere Geschichte der Wis­sen­schaft [wird] auf die Geschichte der orga­ni­schen Ideo­lo­gien und die ökonomisch-​​politische Geschichte zurück[ge]führt“ (Alt­hus­ser 1966/​68, 178; ähnlich Pou­lant­zas 1968, 195 f. mit FN 5).
Die his­to­ri­zis­ti­sche Ideo­lo­gie­auf­fas­sung beinhal­tet eine „Iden­ti­fi­zie­rung der Ideo­lo­gie und der Wis­sen­schaft, d.h. die Auf­fas­sung, daß sie [die Ideo­lo­gie, d. Vf.] die Wis­sen­schaft umfaßt“. Der „Cha­rak­ter der Ideo­lo­gie als Aus­druck des Sub­jekts“ umfasst nach his­to­ri­zis­ti­scher Auf­fas­sung „in dem Falle die Objek­ti­vi­tät der Wis­sen­schaft, wo die sub­jek­tive Welt­an­schau­ung einer ‚auf­stei­gen­den Klasse’ die Tota­li­tät der Gesell­schafts­for­ma­tion ein­schließt. Bekannt ist der Aspekt des Argu­ments, den Lukács, Korsch u.a. auf das Pro­le­ta­riat und die ‚pro­le­ta­ri­sche Wis­sen­schaft’ anwand­ten: Da das Pro­le­ta­riat sei­nem Wesen nach eine uni­ver­sale Klasse ist, hat sein sub­jek­ti­ves Bewußt­sein uni­ver­sa­len Cha­rak­ter; aber ein uni­ver­sa­les sub­jek­ti­ves Bewußt­sein ist zwangs­läu­fig objek­tiv, also wis­sen­schaft­lich“ – so Lukács, Korsch und andere (Pou­lant­zas 1968, 196, FN 5).
In Ruß­land bzw. der Sowjet­union wurde diese Auf­fas­sung sowohl von dem ‚Links’kommunisten Bog­da­now wie auch von Sta­lin ver­tre­ten:
„Es ist nicht unin­ter­es­sant, daß die Gegen­über­stel­lung von bür­ger­li­cher und pro­le­ta­ri­scher Wis­sen­schaft […] die unbe­wußte, ver­steckte oder ver­leug­nete Rück­kehr eines The­mas ist, daß bereits bei Bog­da­now, […] prä­sent ist und dann in ver­schie­de­nen Publi­ka­tio­nen des Pro­let­kult ent­fal­tet wird. Der Aus­schluß, mit dem der Sta­li­nis­mus diese Strö­mung bestraft hat, aber auch die hef­tige Kri­tik von Lenin und Ple­ch­a­now an Bog­da­now schei­nen nur zum Ver­schwin­den des Wor­tes ‚pro­le­ta­ri­sche Wis­sen­schaft’ geführt zu haben, ohne an der Grund­these zu rüt­teln: […] Die sowje­ti­schen Texte bewe­gen sich dann tat­säch­lich in einer Oppo­si­tion zwi­schen ‚bür­ger­li­cher’ und ‚rei­ner’ Wis­sen­schaft und ent­wi­ckeln dabei die These eines Ver­falls der Wis­sen­schaft wie der Kul­tur im impe­ria­lis­ti­schen Sta­dium des Kapi­ta­lis­mus. […]. Der Kern der Argu­men­ta­tion bleibt dabei in Fäl­len der glei­che. […]: Die Wis­sen­schaft ist his­to­risch rela­tiv, weil das Bewußt­sein der Men­schen sich fort­ent­wi­ckelt […]. […] die his­to­ri­sche Rela­ti­vi­tät der Wis­sen­schaft [spie­gelt] deren Klas­sen­in­halt wider. […]. Die gesellschaftlich-​​historischen Umstände, unter denen eine wis­sen­schaft­li­che Theo­rie ent­stand, wer­den dann als letzte Ursa­che die­ser Theo­rie behan­delt, […]. Die Wis­sen­schaft würde also der ‚auf­stei­gen­den’ Klasse gehö­ren, deren Inter­esse mit der pro­me­t­hei­schen Bestim­mung des Men­schen zusam­men­fällt.“ (Bras 1985, 1083, 1984 – Hv. i.O.; vgl. auch Lecourt 1976, 126 oben, 130, 140-​​142, FN 21).
Schließ­lich folgt auch die Wis­sens­so­zio­lo­gie dem glei­chen Modell. Sie ver­or­tet die ver­meint­li­che Wahr­heit aller­dings nicht bei einer (‚auf­stei­gen­den’) Klasse, son­dern bei der „frei­schwe­ben­den Intel­li­genz, die ‚rela­tiv unre­la­tiv’, d.h. nicht haut­eng mit Klas­sen­in­ter­es­sen ver­floch­ten“ sei (Hau­ser 1987, 74; vgl. Eagle­ton 1991, 129 oben; s.a. außer­dem zum Ver­hält­nis: Lukács – Wis­sens­so­zio­lo­gie: Hau­ser 1987, 74; Eagle­ton 1991, 128, Abs. 2).
S. schließ­lich zur Bedeu­tung von Lukács bzw. des Hegel-​​Marxismus für femi­nis­ti­sche Stand­punkt­theo­rien: Sei­fert 1992, 258; Grimm 1994b, 156 f.; zur Bedeu­tung der Wis­sens­so­zio­lo­gie (Mann­heim, Berger/​Luckmann) für (femi­nis­ti­sche und afro­zen­tri­sche) Standpunkt-​​Epistemologien: Collins, 1989, 20-​​23; 46, FN 16; 47 f., FN 22, 28. (mehr…)

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