Tag-Archiv für 'sav'

Zum Stand der Organisierungs- und Programmdebatte

Ende März hatte die Sozialistische Initiative Berlin (damals noch mit dem Zusatz: „-Schöneberg“) mit ihrem Papier „Neue antikapitalistische Organisation? Neue antikapitalistische Organisation? Na endlich!“ eine – auch hier schon öfters Thema gewesene – Programm- und Organisierungsdebatte ausgelöst. Mittlerweile hat die Debatte – insbesondere durch die Beiträge des Kreises der AutorInnen eines „Bochumer Programm“-Entwurfes – deutlich an Fahrt aufgenommen.
Strittig ist im Moment insbesondere, ob das Konzept des „revolutionären Bruchs“ tatsächlich zur Grundlage der Arbeit der eventuell zu gründenden Organisation gemacht werden soll (wie in dem „Na endlich“-Papier vorgeschlagen und sogar als „unverhandelbar“ bezeichnet wurde) oder ob die Organisation auch für gradualistische Konzeptionen, die eine schrittweise Änderung der Gesellschaftsstruktur ohne revolutionären Bruch anstreben, offen sein soll, und ob das „Bochumer Programm“ in die zweitgenannte Kategorie fällt.

Meine letzten Beiträge zu diesem Thema finden sich dort:

und

sowie
schon etwas älter:

Außerdem gibt es eine Übersicht über dieses und 19 weitere Themen, die bisher strittig diskutiert wurden und weiter diskutiert werden sollen:

.

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Reformistischer Voluntarismus – Zum Grundsatzprogramm-Entwurf der Linkspartei

Gestern wurde im blog Lafontaines Linke eine von mir verfaßte ausführliche Auseinandersetzung mit dem Grundsatzprogramm-Entwurf der Linkspartei (mit bisher 7 LeserInnen-Kommentaren) veröffentlicht:

http://www.lafontaines-linke.de/2011/10/das-blaue-vom-himmel-schulze-programm-debatte/.

Vgl. zum gleichen Themenkreis auch noch von mir bzw. unter meiner Beteiligung entstanden:

zur vorhergehenden Fassung des Grundsatzrogramm-Entwurfes:

Verschiedene Geschmäcker
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2010/05/11/verschiedene-geschmaecker/

zum Linkspartei-Wahlprogramm von 2009:

Linke Kapitalismuskritik muss treffender werden – Geht eine Kritik an Geiz, Gier und Verantwortungslosigkeit wirklich an die Wurzel – oder am Ziel vorbei?
http://www.trend.infopartisan.net/trd7809/t107809.html

eine Diskussion von Anfang der 1990er Jahre:

Moderner Kapitalismus – ArbeiterInnenklasse – politisches Subjekt
http://theoriealspraxis.blogsport.de/koproduktionen/moderner-kapitalismus-arbeiterinnenklasse-politisches-subjekt/

Hehre Ansprüche, naive Strategie
http://theoriealspraxis.blogsport.de/koproduktionen/hehre-ansprueche-naive-strategie/

Transformation oder Revolution?
http://theoriealspraxis.blogsport.de/koproduktionen/transformation-oder-revolution/

ansonsten zur Linkspartei:
http://theoriealspraxis.blogsport.de/tag/linkspartei

von anderen:

a)

Lucy Redler
Sozialismus statt Marktwirtschaft. Eine Auseinandersetzung mit Sahra Wagenknechts „Freiheit statt Kapitalismus“
Broschüre, A5, 44 Seiten
3 Euro
http://shop.sozialismus.info/shop/article_662/Sozialismus-statt-Marktwirtschaft.html?sessid=LWnGL8ViKOpke5IRqIEpsTMkKHz12RfLYwFUyGJi00hkM73LFxBO6QYbY6TicfzY&shop_param=cid%3D1%26aid%3D662%26

Diskussionsveranstaltung über das Buch „Freiheit statt Kapitalismus“ von Sarah Wagenknecht
Montag, 10. Oktober, 19 Uhr im Ver­an­stal­tungs­raum DIE LINKE, Schwanenstr. 30, Dortmund
http://sav-ruhr.blogspot.com/2011/09/sozialismus-statt-marktwirtschaft-mit.html

b)

Guenther Sandleben
Finanzmarktkrise – Mythos und Wirklichkeit. Wie die ganz reale Wirtschaft die Krise kriegt
(proletarischen Texte Band 1)
121 Seiten. 7,90 €
ISBN 978-3-8423-3654-4
http://www.proletarische-plattform.org/proletarische-texte/

c)

August Thalheimer (vgl. zu diesem: http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei-Opposition)
Über die sogenannte Wirtschafts-Demokratie
http://www.marxists.org/deutsch/archiv/thalheimer/1928/xx/wirtdem.html

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Zehn Punkte, über die wir diskutieren sollten

Noch einmal zum Thema Neue Antikapitalistische / Revolutionäre Organisation

Mein so betiteltes Diskussionspapier erschien gestern in „trend. onlinezeitung“ 6/2011:

http://www.trend.infopartisan.net/trd0611/t030611.html.

Inhaltsverzeichnis:

1. Warum „Organisation“?

2. Nur antikapitalistisch? Oder allgemein revolutionär? (Zum Verhältnis von Kapitalismus, Patriarchat und Rassismus)

3. Verhältnis zu bestehenden linken Organisationen

    a) Linkspartei
    b) DKP, MLPD u.a.
    c) SPD, Grüne
    d) Aktionseinheit – Einheitsfront

4. Wer/welche soll/en mitmachen?

    a) Aus dem feministischen Spektrum
    b) Aus dem Bereich antirassistischer sowie migrantischer und Flüchtlings-Organisierung
    c) Aus dem trotzkistischen Bereich
    d) Aus dem Bereich der (post-)autonomen, (post-)antiimperialistischen Szene
    e) Gruppen, die in Tradition der sog. „rechten“ Opposition gegen die „Sozialfaschismus“-These der KomIntern stehen
    f) Linkspartei-KritikerInnen, insb. aus dem ehemaligen WSAG-Spektrum
    g) Reste der maoistischen ML-Bewegung

5. Für eine Organisation von RevolutionärInnen? Oder für eine gemeinsame Organisation von RadikalreformerInnen/GradualistInnen und RevolutionärInnen? (Verhältnis zu IL und isl)

6. Revolutionär oder speziell marxistisch? / Verhältnis zum Anarchismus

7. Zu Lageanalyse und Strategie

    a) Wessen Krise?
    b) Kein zurück zum Fordismus! – Vorwärts zum Sozialismus jetzt?!
    c) Die Volksbewegungen im Mittelmeerraum
    d) Zum Problem der ökonomischen und politischen Spaltung der Lohnabhängigen

8. Reizwörter und Reizthemen

    a) „Antideutsche“ – „Antiimperialisten“
    b) Stalin
    c) Diktatur des Proletariats
    d) Avantgarde
    e) Demokratischer Zentralismus
    f) Gewaltfrage
    g) Kopftuch

9. Aktive Mitarbeit / Organisationsstrukturen / Arbeitsweise

    a) AktivistInnen- oder Karteileichen-Organisation?
    b) Das Private ist politisch: Organisation – Szene/Milieu – Bewegung
    c) Nicht-klandestin oder halb-klandestin
    d) Inner-organisatorische Demokratie

10. Zum weiteren Vorgehen

Zitat aus dem Text:

„Im Gegensatz zu gewissen ‚stil-diktierenden’ Tendenzen (der berühmte ‚proletarische’ Kurzhaarschnitt im Ggs. zu den langen Hippie-Haaren, teilweise wohl auch Verbot von partei-externen Liebesbeziehungen usw.) bei den K-Gruppen der 70er Jahren sollten zwar Freizeit, Wohnen usw. von organisierter Praxis unterschieden werden. Auch hinsichtlich des politischen Verhaltens am Arbeitsplatz, von dem die Existenzsicherung abhängt, sollte nichts Unmögliches verlangt werden. Die politische Linie einer Organisation muß immer auch die persönlichen Kräfte und Möglichkeiten der einzelnen Mitglieder in Rechnung stellen.
Aber: Das heißt nicht, daß Leben, Arbeit und Politik von einander getrennt sind; auch Leben und Arbeiten, ‚das Private’ – wie die Frauenbewegung und viele andere 68er sagten –, sind politisch. M.E. gibt es keine revolutionäre Praxis, die hinter diese Einsicht zurückfällt.“

Vgl. dazu ergänzend:
http://entdinglichung.wordpress.com/2010/10/12/kommunistische-partei-deutschlandsmarxisten-leninisten-kpdml-sind-lange-haare-fortschrittlich-1974/.

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Verschiedene Geschmäcker

Inga Nitz und Stefan Liebich (BundessprecherInnen des Forums Demokratischer Sozialismus; letzterer zugleich MdB der Linkspartei; erstere zugleich Mitglied der Bremer Bürgerschaft) einerseits und die Sascha Stanicic von der SAV andererseits haben den Programmentwurf der Linkspartei gelesen. Wie verschieden doch die Geschmäcker sein können:


„Neokommunistisch“?

„Bereits im ersten Absatz ist – zumindest missverständlich – formuliert, dass es zum Ringen um andere gesellschaftliche Verhältnisse eines anderen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells bedarf. Hier relativiert sich das gegenwärtige Engagement gegen Armut, für Frieden, gesellschaftliche Teilhabe und mehr demokratische Rechte bereits im doppelten Sinne, und zwar mit problematischen Konsequenzen. Entweder wird die schrittweise Verbesserung nur als marginale Vorstufe zum eigentlichen Ziel unterbewertet oder es bedarf erst des anderen Gesellschaftssystems, um die Ziele überhaupt zu erreichen. Dieses – im Grunde neokommunistische – Politikverständnis findet sich an zahlreichen Stellen im Programmentwurf wieder. Da der Transformationsgedanke unvermittelt daneben steht, bleibt ein Eindruck mangelnder Stringenz. Bei näherer Betrachtung stellt man fest, dass die hier kritisierte Logik sogar die dominante ist, in deren Rahmen sich jenseits reformerischer Einschübe die einzelnen Reformprojekte ein- und unterordnen. In diesem Rahmen sind die Reformprojekte eben nicht zentraler Bestandteil sozialistischer Politik, sondern bloßes Aktionsmoment neben den eigentlich angestrebten strategischen Systemveränderungen.“


Oder nicht marxistisch?

„Insgesamt trägt das Programm einen linksreformistischen Charakter. Es formuliert vage ein sozialistisches Ziel, ohne jedoch eine genaueres Bild davon darzulegen, was unter Sozialismus verstanden wird und wie Sozialismus erreicht werden kann. Der Text stellt zwar die Behauptung auf, dass der Kampf für linke Reformprojekte gleichzeitig für das sozialistische Ziel wirkt. Tatsächlich bleibt er aber überall, wo er konkret wird, im Rahmen der kapitalistischen Produktionsweise und des kapitalistischen Systems. Die von ihm aufgestellten Forderungen werden nicht verstanden als Mittel zur Mobilisierung der Arbeiterklasse für den Sturz des Kapitalismus, sie sprengen nicht den kapitalistischen Rahmen, sind also keine Übergangsforderungen im marxistischen Sinne, […]“

(mehr…)

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