Tag-Archiv für 'rote-zora'

Audio-Mitschnitt meines Vortrages von vor 2 Wochen zu Marxismus/Feminismus

Die Gruppe Revo­lu­tio­näre Per­spek­tive (RPB) hat einen Mit­schnitt mei­nes Vor­tra­ges von vor 2 Wochen zum Ver­hält­nis von Mar­xis­mus und Femi­nis­mus online gestellt:

http://​www​.per​spek​tive​.nostate​.net/480

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Gegen den Strom

Ver­such einer Aktua­li­sie­rung der „Feministische[n] Kri­tik“ von 1993

[Der fol­gende Text als .pdf-Datei]

Ich doku­men­tierte hier kürz­lich eine „Femi­nis­ti­sche Kri­tik“ an der sog. Neuen Poli­tik der RAF seit 1992, die schließ­lich in nichts ande­res als den Zer­fall des Gefangenen-​​Kollektivs und der Selbst­auf­lö­sung der RAF mün­dete. Von Neuer Poli­tik keine Spur. Kapi­tu­la­tion auf der einen Seite. Und Hilf­lo­sig­keit auf der ande­ren Seite des anti­im­pe­ria­lis­ti­schen Spek­trums.

(„Anti­im­pe­ria­lis­ti­scher Wider­stand“ oder kurz „Anti­imps“ bedeu­tete im dama­li­gen lin­ken Sprach­ge­brauch noch nicht [oder jeden­falls nicht in ers­ter Linie] – wie heute zumeist – Ori­en­tie­rung an reak­tio­nä­ren tri­kon­ti­nen­ta­len Regi­men und Bewe­gun­gen, son­dern eine gewisse Affi­ni­tät zum Ver­such der RAF und ande­rer west­eu­ro­päi­scher Gue­ril­la­grup­pen eine „anti­im­pe­ria­lis­ti­sche Front in West­eu­ropa“ auf­bauen.1 Ich kam mit die­ser Szene 1989, wäh­rend des letz­ten gro­ßen Hun­ger­streiks der Gefan­ge­nen aus der RAF in losen, dis­tan­zier­ten Kon­takt, als sich diese Ori­en­tie­rung schon in einer, nun auch von den Akteu­rIn­nen selbst als sol­che erleb­ten Krise befand.)

Lese­rin Bäum­chen pos­tete zu dem doku­men­tier­ten Text von 1993 fol­gen­den Kom­men­tar:

„Vie­len Dank! Die Zivi­li­sa­ti­ons­theo­rie von Nor­bert Elias könnte erklä­ren, warum mir der Text zu Anfang sehr unan­ge­nehm erschien; Gewalt ist ver­pönt heut­zu­tage und mono­po­lo­siert, Zwänge inter­na­li­siert; der Mensch zivi­li­siert. Des­we­gen würde es mich inter­es­sie­ren, wie du zu die­sem Text stehst und wel­che Schlüsse du dar­aus für dich oder für den Femi­nis­mus ziehst.

Liebe Grüße!“

Auch, wenn ich nicht in der Lage bin, das bekun­dete Inter­esse („wie du zu die­sem Text stehst und wel­che Schlüsse du dar­aus für dich oder für den Femi­nis­mus ziehst“) wirk­lich sys­te­ma­tisch zu beant­wor­ten, sprengt doch auch schon ein dahin­ge­hen­der Ver­such jede ver­tret­bare Kommentar-​​Länge, sodaß ich dar­aus hier einen neuen Bei­trag mache. Auf­ge­wor­fen ist damit nicht weni­ger als die Frage nach den Per­spek­ti­ven revo­lu­tio­nä­rer Poli­tik und eines revo­lu­tio­nä­ren Femi­nis­mus – und damit zunächst ein­mal das Pro­blem, diese über­haupt – und sei es auch nur intel­lek­tu­ell – zu rekon­stru­ie­ren.

I. Zur Haupt­these des Tex­tes

Bäum­chen schreibt, daß ihr der Text zunächst unan­ge­nehm erschien – und zwar viel­leicht des­halb, weil dort Gewalt – anders als zumeist – nicht ver­pönt ist. In der Tat, die – unab­hän­gig von der dama­li­gen Dis­kus­sion über die RAF – grund­le­gende These des Tex­tes lau­tet:

„in einer gesell­schaft, in der welt­weit frauen und mäd­chen auf­grund patri­ar­cha­ler macht­ord­nung unter­drückt wer­den, ver­ge­wal­tigt wer­den, ihre gefühle, ihre krea­ti­vi­tät, ihre kör­per, ihre phan­ta­sie, ihre lust, ihre arbeits­kraft, ihre intel­li­genz, ihr wis­sen aus­ge­beu­tet wer­den, in der frauen eine unter­stellte, eine kolo­ni­sierte soziale klasse sind, haben frauen indi­vi­du­ell und kol­lek­tiv die berech­ti­gung, mit jedem mit­tel gegen das sys­tem ihrer unter­drü­ckung und gegen jeden ein­zel­nen unter­drü­cker vor­zu­ge­hen!“

Ich kann die Schwie­rig­kei­ten von Bäum­chen mit die­ser kla­ren Ansage ver­ste­hen, denn ich habe es mei­ner­seits bis­her nicht ein­mal bis zu einem Stein­wurf auf einer Demo gebracht.2

Eine ernst­hafte Dis­kus­sion über Gewalt zu füh­ren, wie dies in der femi­nis­ti­schen Kri­tik von 1993 gemacht wurde, setzt aller­dings vie­les vor­aus – vie­les, was auch für die­je­ni­gen an lin­ker und femi­nis­ti­scher Poli­tik Betei­lig­ten wich­tig ist, die nicht gerne Steine wer­fen, Mol­lis bas­teln oder mit Kalasch­ni­kows raum­lau­fen.

Der Text von 1993 arti­ku­lierte noch eine Ein­sicht, die heute selbst viele, die ab und an mal bei Demos Steine schmei­ßen, nicht mehr haben (und die sich statt des­sen auf Kin­de­reien wie, „Die Bul­len haben doch aber zuerst ange­fan­gen.“, stüt­zen) – näm­lich die Ein­sicht, daß ‚wir’ (ich weiß, die­ses ‚wir’ exis­tiert heute nicht; und es exis­tierte auch 1993 nicht wirk­lich) irgend­wann die­je­ni­gen sein müs­sen, die ‚anfan­gen’ müß­ten, wenn es uns denn die Bul­len nicht abneh­men wür­den. Revo­lu­tio­näre Poli­tik ist nicht nur Selbst­ver­tei­di­gung; wir müs­sen mit dem Rücken von der Wand weg­kom­men, gegen die uns der staat­li­che, mas­sen­me­diale und auch von vie­len Lin­ken mit einem undif­fe­ren­zier­ten und exten­si­ven Gewalt-‚Begriff’ betrie­bene (Anti-)Gewalt-Diskurs drängt – das ist die These der Femi­nis­ti­schen Kri­tik:

„femi­nis­mus ist nicht nur selbst­ver­tei­di­gung mit dem rücken zur wand und dem grauen im her­zen. femi­nis­mus ist nicht allein der gesell­schaft­li­che rück­zug in frau­en­ge­mein­schaf­ten. das empö­ren gegen unge­rech­tig­keit, die wut im bauch, die theo­rie von unter­drü­ckung und ver­än­de­rung. femi­nis­mus ist mehr als die reak­tion auf poli­ti­sche umstände oder mate­ri­elle bedin­gun­gen. femi­nis­mus ist das bewußt­sein, nicht nur von ursa­chen der unter­drü­ckung, son­dern auch von bedin­gun­gen, not­wen­dig­kei­ten, mög­lich­kei­ten der ver­än­de­rung.“

Ent­spre­chend war auch Karl Marx der Ansicht:

„Die Gewalt ist der Geburts­hel­fer jeder alten Gesell­schaft, die mit einer neuen schwan­ger geht.“ (Das Kapi­tal. Bd. 1, 24. Kap., 6. Gene­sis des indus­tri­el­len Kapi­ta­lis­ten; MEW 23, 779).

Und Mao Tse-​​Tung sagte:

„Für alles Reak­tio­näre gilt, daß es nicht fällt, wenn man es nicht nie­der­schlägt.“ (Aus­ge­wählte Werke. Bd. IV, 7-​​23 [17]).

II. Zum dama­li­gen poli­ti­schen Kon­text und den Ver­schie­bun­gen, die bis heute ein­ge­tre­ten sind

1. Im Kon­text der vor­ge­nann­ten, in den 70er-​​ und 80er-​​Jahren auch von vie­len Femi­nis­tin­nen geteil­ten Ansicht, gab es auch Anfang der 1990er Jahre noch ganz andere femi­nis­ti­sche Struk­tu­ren als heute. (mehr…)

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Worum geht es eigentlich dem transgenialen CSD?

Eine feministisch-​​kommunistische Kri­tik

Als .pdf-​​Datei zusam­men­ge­sam­pelt aus:

http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​7​/​0​3​/​i​n​t​e​r​s​e​k​t​i​o​n​a​l​i​t​a​e​t​-​u​n​d​-​g​e​s​e​l​l​s​c​h​a​f​t​s​t​h​e​orie/
und
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​0​/​e​i​n​e​-​r​a​d​i​k​a​l​e​-​g​e​s​t​e​-​m​i​t​-​s​c​h​a​l​e​m​-​n​e​b​e​n​g​e​s​c​h​mack/.

Vgl. zur Kri­tik des Menschenrechts-​​Pathos die ein­schlä­gi­gen Bei­träge in der hie­si­gen Kate­go­rie „Rechts­theo­rie /​ Juris­ti­sches /​ Anti­rep“.

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Doku-Serie: Revolutionärer Feminismus – Teil II

Auch den fol­gen­den Text habe ich in letz­ter Zeit mehr­fach zitiert (1 und 2). Es han­delt sich um das Selbst­in­ter­view der femi­nis­ti­schen Stadtguerilla-​​Gruppe Rote Zora, das im Juni 1984 von der Emma ver­öf­fent­licht wurde.

Die digi­tale Fas­sung wurde von der Seite

http://​www​.frei​las​sung​.de/​d​i​v​/​t​e​x​t​e​/​r​z​/​z​o​r​n​/​Z​o​r​n​5​0.htm,

die auf fol­gen­dem Buch beruht, über­nom­men:

ID-​​Archiv im IISG/​Amsterdam (Hg.)
Die Früchte des Zorns
Texte und Mate­ria­lien zur Geschichte der Revo­lu­tio­nä­ren Zel­len und der Roten Zora
Edi­tion ID-​​Archiv: Ber­lin, 1993, S. 598 – 605.

Gegen­über der benutz­ten digi­ta­len Fas­sung wurde die kursiv-​​Setzung der Fra­gen, wie sie im Buch besteht, wie­der­her­ge­stellt. „Frage“, „Zora 1″ usw. ist in Überein­stim­mung mit der benutz­ten digi­ta­len Fas­sung und abwei­chend vom Buch fett gesetzt.
Im übri­gen habe ich in die vor­lie­gende digi­tale Fas­sung in ecki­gen Klam­mern eine Kon­kor­danz zu den Sei­ten der gedruck­ten Aus­gabe ein­ge­fügt (= die Zah­len zwi­schen ecki­gen Klam­mern), ansons­ten aber dar­auf ver­zich­tet, die digi­tale Fas­sung im Detail mit der gedruck­ten zu ver­glei­chen; zufäl­lig auf­ge­fal­lene scan-Feh­ler wur­den aber kor­ri­giert. – Die begriffs­er­klä­ren­den FN stam­men vom Her­aus­ge­ber (ID-​​Archiv) der gedruck­ten Aus­gabe.
Auf S. 5 der hie­si­gen Datei (= S. 602 des Buches) habe ich „Ver­ant­wor­li­chen“ in „Ver­ant­wortlichen“ kor­ri­giert.
Hin­weise auf wei­tere kor­rek­tur­be­dürf­tige Stel­len nehme ich dank­bar ent­ge­gen.1

(mehr…)

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Für das Recht auf Lostrennung, aber nicht unbedingt für dessen Ausübung

Im Nach­gang zur kürz­li­chen Nationalismus/​Antiimperialismus-​​Diskussion – und in dop­pel­ter Abgren­zung sowohl gegen klassenunspezifisch-​​antiimperialistische Ver­ein­na­mung* Lenins als auch gegen anti­na­tio­nale Kri­tik an Lenin (work­shop 3) – folgt hier noch ein Nach­trag in Form eines Aus­zu­ges aus einem älte­ren Text, den ich gerade online gestellt habe.

* „In der impe­ria­lis­ti­schen Phase des Kapi­ta­lis­mus fin­det der natio­nale Klas­sen­kampf seine inter­na­tio­nale Ent­spre­chung im ant­ago­nis­ti­schen Kon­flikt zwi­schen Unterdrücker-​​ und unter­drück­ten Natio­nen. Den Natio­na­lis­mus der unter­drück­ten Natio­nen betrach­tete Lenin als ten­den­zi­ell fort­schritt­lich, den der Unterdrücker-​​Nationen als aus­schließ­lich reak­tio­när.“ (Wer­ner Pir­ker) Die gesell­schaft­li­chen Wider­sprü­che inner­halb der ver­schie­de­nen Natio­nen, insb. der „unter­drück­ten Natio­nen“, ver­schwin­det und die „unter­drück­ten Natio­nen“ wer­den schlicht zur ‚Ent­spre­chung‘ der Arbei­te­rIn­nen­klasse erklärt. Aber genau dies war Lenins Posi­tion nicht.

Natio­nale Befrei­ung oder feministisch-​​kommunistische Revo­lu­tion?

Es geht darum, im Rah­men einer revo­lu­tio­nä­ren Stra­te­gie hand­lungs­fä­hig zu wer­den. Dafür ist es zwar einer­seits kei­nes­falls gebo­ten, die poli­ti­schen Posi­tio­nen der PKK1 zu über­neh­men.

Revo­lu­tio­nä­rIn­nen haben zwar den tür­ki­schen Kolo­nia­lis­mus und des­sen Unter­stüt­zung durch die BRD anzu­grei­fen, bis hin zur Ver­tei­di­gung des Rechts der Kur­dIn­nen auf Los­tren­nung von Tür­kei. Dies ist aber «in der Haupt­sa­che eine nega­tive Auf­gabe»2, die in der Kri­tik von Kolo­nia­lis­mus und Impe­ria­lis­mus besteht. Eine posi­tive Stel­lung­nahme zur kur­di­schen (oder irgend­ei­ner ande­ren, ins­be­son­dere deut­schen) Nation kann aber nicht die Auf­gabe der Revo­lu­tio­nä­rIn­nen sein: Denn «der Natio­nal­staat [ist] für die kapi­ta­lis­ti­sche Periode das Typi­sche, das Nor­male»3.


Lenin gegen den Natio­na­lis­mus

«In jeder Nation gibt es […] eine bür­ger­li­che (und in den meis­ten Fäl­len noch dazu eine erz­re­ak­tio­näre und kle­ri­kale) Kul­tur, und zwar nicht nur in Form von ‘Ele­men­ten’, son­dern als herr­schende Kul­tur. Des­halb ist die ‘natio­nale Kul­tur’ schlecht­hin die Kul­tur der Guts­be­sit­zer, der Pfaf­fen, der Bour­geoi­sie. [… Wir] ent­neh­men […] jeder natio­na­len Kul­tur nur ihre […] sozia­lis­ti­schen Ele­mente; ent­neh­men sie nur und unbe­dingt als Gegen­ge­wicht zur bür­ger­li­chen Kul­tur, zum bür­ger­li­chen Natio­na­lis­mus jeder Nation.»4
Revo­lu­tio­nä­rIn­nen dür­fen nicht die «Losung der natio­na­len Kul­tur» auf­stel­len, son­dern müs­sen «im Gegen­satz zu ihr in allen Spra­chen […] die Losung des Inter­na­tio­na­lis­mus […] pro­pa­gie­ren»5.


Sie pro­pa­gie­ren nicht die natio­nale Abgren­zung, son­dern die gemein­same Orga­ni­sie­rung aller Revo­lu­tio­nä­rIn­nen inner­halb der jeweils gege­be­nen (staat­li­chen) Gebiets­kör­per­schaf­ten sowie die Über­win­dung der natio­na­len Unter­schiede im welt­re­vo­lu­tio­nä­ren Pro­zeß.6 (Bei­des schließt nicht aus [son­dern sollte viel­mehr ein­schlie­ßen], daß sich die Ange­hö­rige spe­zi­fisch unter­drück­ter und aus­ge­beu­te­ter Grup­pen zusätz­lich geson­dert gegen eine – ande­ren­falls zu erwar­tene – Repro­duk­tion die­ser Unter­drü­ckungs­for­men in der revo­lu­tio­nä­ren Bewe­gung orga­ni­sie­ren.).

Die Aus­übung des Rechts auf natio­nale Los­tren­nung wird für Revo­lu­tio­nä­rIn­nen nur unter zwei Vor­aus­set­zung7 zur eige­nen Losung:

1. Die Revo­lu­tio­nä­rIn­nen sind zu schwach (bzw. die Pseudo-​​RevolutionärInnen sind nicht wil­lens), sämt­li­che Unter­drü­ckung (ein­schließ­lich der natio­na­len) inner­halb der gege­be­nen Staats­gren­zen zu über­win­den. (Diese Vor­aus­set­zung ist in der Türkei/​Kurdistan zwei­fels­ohne gege­ben).

2. Gleich­zei­tig hat sich inner­halb der natio­nal unter­drück­ten Gebiete eine starke natio­na­lis­ti­sche (und das heißt immer: bür­ger­li­che) Bewe­gung her­aus­ge­bil­det, die gute Erfolgs­aus­sich­ten hat, zumin­dest diese Unter­drü­ckung zu besei­ti­gen. (Dies – aber auch nicht mehr – ist in Form der PKK in tür­kisch Kur­dis­tan eben­falls gege­ben.)

Aber auch in die­sem Fall dür­fen sich die Revo­lu­tio­nä­rIn­nen weder orga­ni­sa­to­risch noch poli­tisch den (bür­ger­li­chen) Natio­na­lis­tIn­nen unter­ord­nen, son­dern müs­sen den Kampf für ihre wei­ter­ge­hen­den Ziele fort­set­zen.

Ande­rer­seits dür­fen die – sich aus die­ser Posi­tion erge­be­nen – Dif­fe­ren­zen zur Poli­tik der PKK aber auch nicht zum Alibi für Nicht-​​Verhalten wer­den: «Wich­tig ist, die Unter­schiede wahr­zu­neh­men […], aber genauso wich­tig ist es, aus den die HERR­schaft stär­ken­den Abgren­zun­gen aus­zu­bre­chen und ein kämp­fe­ri­sches Mit­ein­an­der zu ent­wi­ckeln, das die Durch­set­zung alter und neuer patri­ar­cha­ler Macht und kapi­ta­lis­ti­scher Ver­wer­tungs­ziele behin­dert, wo immer wir es schaf­fen. Unsere Hoff­nung auf Frau­en­be­frei­ung und unsere Vor­stel­lung von Kom­mu­nis­mus […] kann als Ten­denz nur dann sicht-​​ und leb­bar wer­den, wenn wir unsere von ein­an­der abge­grenz­ten und gegen­ein­an­der aus­spiel­ba­ren […U]nterdrückungen und unsere unter­schied­li­chen Stra­te­gien dage­gen in eine Kraft ver­netz­ter Wider­stands­struk­tu­ren umwan­deln.»8

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Kurz und bündig: Zwei Einführungen in den Feminismus

aus Anlaß von

Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion – 12. Okto­ber 2009 um 15:10 Uhr
beim Mäd­chen­blog

und

anti­kap – 14. Okto­ber 2009 um 22:41 Uhr bei Theo­rie und Pra­xis:

1. Redak­ti­ons­kol­lek­tiv [der Zeit­schrift Per­spek­ti­ven. Zeit­schrift für sozia­lis­ti­sche Theo­rie (Mar­burg)]
Auf zu neuen Ufern!
in: Per­spek­ti­ven, H. 4: Feminismus/​Marxismus, Nov. 1988, 5 – 14.

Der Text gibt einen knap­pen Über­blick über die Geschichte der neuen Frau­en­be­we­gung in der BRD von ’68 bis Mitte/​Ende der ’80er Jahre sowie über das ‚real’sozialistisch-marxistische Ver­ständ­nis der „Frau­en­frage“, den radi­kalfe­mi­nis­ti­schen Bie­le­fel­der Ansatz von Maria Mies, Vero­nika Bennholdt-​​Thomsen und Clau­dia von Werl­hof sowie den sozia­lis­ti­schen Femi­nis­mus wie er in der BRD und West­ber­lin vor allem von den Frauen in der und um die Redak­tion der phi­lo­so­phi­schen und sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen West­ber­li­ner Zeit­schrift Das Argu­ment ver­tre­ten wurde.
Unter dem Gesichts­punkt des Heft-​​Themas „Feminismus/​Marxismus“ wer­den der in den 70er und 80er Jah­ren vor allem in den USA starke, mitt­ler­weile auch in BRD ange­kom­mene libe­rale Femi­nis­mus sowie – vor allem in BRD und ande­ren west-​​ und nord­eu­ro­päi­schen Län­dern starke – sozialdemokratisch-​​frauenbewegte Posi­tion nicht behan­delt.
Eben­falls nicht behan­delt wer­den laut Auto­rIn­nen „die­je­ni­gen radi­kalfemi­nis­ti­schen Theo­rie­an­sätze, die in letz­ter Kon­se­quenz auf die Über­win­dung des Kapiat­lis­mus ver­zich­ten bzw. sie nicht für wich­tig erach­ten“ (meine Hv.). Auf wel­che das gemünzt war, ist mir nicht klar.

2. Cor­ne­lia Eich­horn
Zwi­schen Dekon­struk­tion und Iden­ti­täts­po­li­tik. Eine Kri­tik zur femi­nis­ti­schen Debatte um Judith But­ler
in: Die Beute. Poli­tik und Ver­bre­chen (Edi­tion ID-​​ArchivAmsterdam/​Berlin), 1/​1994, 40-​​43.

Der zweite Text war rund ein hal­bes Jahr­zehnt spä­ter und damit schon nach Ver­öf­fent­li­chung von Judith But­lers Buch Gen­der Trou­ble /​ Das Unbe­ha­gen der Geschlech­ter erschie­nen.
Der Auf­satz von Cor­ne­lia Eich­horn ver­or­tet But­lers Neu­an­satz im Kon­text des Unter­schie­des zwi­schen Gleichheits-​​ und Dif­fe­renz­fe­mi­nis­mus. Beide doku­men­tier­ten Texte mit ein­an­der ver­knüp­fend wäre zu sagen, daß der Bie­le­fel­der Ansatz eine spe­zi­fi­sche Vari­ante des Dif­fe­renz­fe­mi­nis­mus dar­stellt; der sozia­lis­ti­sche Femi­nis­mus dage­gen eher eine Vari­ante des Gleich­heits­fe­mi­nis­mus.
Frei­lich unter­schei­det sich der sozia­lis­ti­sche Femi­nis­mus dadurch von libe­ra­len und sozi­al­de­mo­kra­ti­schen frau­en­be­weg­ten Posi­tio­nen, daß er nicht nur auf Gleich­be­RECH­Ti­gung und instiutio­nelle Poli­tik fixiert ist, son­dern im Rah­men eines stär­ker bewe­gungs­ori­en­tier­ten Ansat­zes auf eine grund­le­gende Trans­for­ma­tion der gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nisse zielt.
Andere Dif­fe­renz­an­sätze sind neben dem Bie­le­fel­der Ansatz das ita­lie­nie­sche affi­da­mento-Kon­zept, der fran­zö­si­sche Dif­fe­renz­fe­mi­nis­mus von Iri­ga­ray, Kris­t­eva und Cicoux sowie der – gele­gent­lich auch „kul­tu­rell“ genannte – Ansatz von Adri­enne Rich. Als radikal-​​ oder dif­fe­renz­fe­mi­nis­tisch ist auch der Ansatz von Catha­rine A. MacKin­non zu bezeich­nen, die aber anders als die meis­ten ande­ren Dif­fe­renz­fe­mi­nis­tin­nen sehr stark auf staatlich-​​juristische Maß­nah­men setzt.

Ergän­zend sei noch
► bezgl. But­lers Ver­hält­nis zum Mar­xis­mus auf ihren Auf­satz
Merely Cul­tu­ral [aus Uni-​​Netzen kos­ten­los]
in: New Left Review Iss. 227 1998, 33 – 44
(zur dama­li­gen die Debatte in der New Left Review über Iden­ti­täts­po­li­tik, die nach Ansicht eini­ger Dis­kus­san­tIn­nen das cha­rak­te­ris­ti­sche Merk­mal der sog. Neuen sozia­len Bewe­gung ist [But­ler weist dage­gen den Vor­wurf, diese sei­nen merely cul­tu­ral zurück] und Inter­es­sens­po­li­tik, die angeb­lich die Arbei­ter­be­we­gung aus­zeichne, siehe den dor­ti­gen Auf­satz von Frie­der Otto Wolf)

► zum Unter­schied zwi­schen But­lers De-​​Konstruktion des Geschlechts und Ursula Scheus 7er Jahre-​​Buch Wir wer­den nicht als Mäd­chen gebo­ren – wir wer­den dazu gemacht auf
mei­nen dor­ti­gen Text

► Cor­ne­lia Klin­ger,
Libe­ra­lis­mus – Mar­xis­mus – Post­mo­derne
. Der Femi­nis­mus und seine glück­li­chen oder unglück­li­chen ‚Ehen‘ mit ver­schie­de­nen Theo­rie­strö­mun­gen im 20. Jahr­hun­dert, in: Antje Horn­stein /​ Gabriele Jäh­nert /​ Annette Schlich­ter (Hg.), Kri­ti­sche Dif­fe­ren­zen – Geteilte Dif­fe­ren­zen. Zum Ver­hält­nis von Femi­nis­mus und Post­mo­derne, West­deut­scher Ver­lag: Opla­den /​ Wies­ba­den, 1998, 18 – 41.

► als zwei für die linksradikal-​​autonome Dis­kus­sion Ende der 80er /​ Anfang der 90er Jahre wich­tige Texte auf
++ Ingrid Strobl
Die Angst vor den Frös­ten der Frei­heit
und
++ Klaus Vieh­mann u.a.
Drei zu Eins. Klas­sen­wi­der­spruch, Ras­sis­mus und Sexis­mus

► das Emma-Inter­view mit der deut­schen femi­nis­ti­sche Stadt­gue­ril­la­gruppe Rote Zora von 1984

► für eine Unter­schei­dung zwi­schen einem ’spie­le­ri­schen‘ und einem widerständig-​​materialistischen, post­mo­der­nen Femi­nis­mus auf
Teresa L. Ebert
Ludic Femi­nism, the Body, Per­for­mance, and Labor: Brin­ging Mate­ria­lism Back into Femi­nist Cul­tu­ral Stu­dies [aus Uni-​​Netzen kos­ten­los]
in: Cul­tu­ral Cri­ti­que, Iss. 23 Win­ter 1992/​93, 5 – 50

sowie schließ­lich

► auf die wei­te­ren links in der rech­ten Rand­spalte in der Kate­go­rie „Frg­mente klass[ischer] fem[inistische] Texte“ [diese links sind mitt­ler­weile dort hin ver­scho­ben, TaP 06.05.2011]

ver­wie­sen.

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„Die Revolution flennt nicht um eine Legalität, die sie nicht haben kann“

Die­ser Text erschien am 08.04.1999 in: inte­rim. Wöchent­li­ches Berlin-​​Info Nr. 473 auf Seite 24-​​31. Die Unter­schrift unter dem Text war dort – ver­se­hent­lich oder absicht­lich – dem redak­tio­nel­len lay­out zu Opfer gefal­len.
(Die Doku­men­ta­tion eines Tages­spie­gel-Kom­men­tars vom 20.02.1999, S. 8 [auf S-​​5 des Tex­tes] fehlt nur in der erhal­ten geblie­be­nen digi­ta­len Ver­sion; in der gedruck­ten Ver­sion war er vor­han­den.)

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