Tag-Archiv für 'poulantzas'

Und noch ein kleiner samstäglicher Versuch die trotzkistische FT-CI (‚RIO-Internationale‘) für den struktualen Maoismus Althussers zu gewinnen…

Ich selbst hatte bei FB die Frage auf­ge­wor­fen:

„Weißt Du dann, warum aus­ge­rech­net die Alt­hus­se­ris­tIn­nen, die bis­her bei ANT­AR­SYA waren, auf LAE abfah­ren? – Hat das etwas mit deren Althusser-​​Lesart zu tun? Oder liegt das nur (via Alt­hus­ser) an Maos manch­ma­li­ger Volks­tü­me­lei (die ja aber bei Alt­hus­ser keine spielte)? Oder ist das gar nicht theo­re­tisch moti­viert?“

Dort konnte mir aber bis­her nie­mandE wei­ter­hel­fen – statt des­sen fand ich ges­tern bei der FT-​​CI:

Ich habe jetzt gefun­den: „They are stron­gly influ­enced by the theo­ries of Alt­hus­ser, Pou­lant­zas and Gramsci.“ (http://​www​.left​voice​.org/​W​h​o​-​s​-​W​h​o​-​i​n​-​t​h​e​-​G​r​e​e​k​-Left)

Ich habe das gleich mal mit einem klei­nem theo­re­ti­schen Agi­ta­ti­ons­ver­such beant­wor­tet:

Dann gibt es viel­leicht ja tat­säch­lich theo­re­ti­sche Gründe – wenn sie die drei zusam­men­mi­xen, statt Alt­hus­ser von den ande­ren bei­den abzu­set­zen, wie ich es vor­zie­hen würde.

Die TF-​​CI scheint jeden­falls einen Zusam­men­hang zu sehen – gleich nach dem bereits zitier­ten Satz geht es wie folgt wei­ter: „ARAN was part of the right wing of ANT­AR­SYA. Most of this group has deci­ded to join the elec­to­ral cam­paign of Popu­lar Unity.“ -

Ich würde dage­gen als Ein­stieg in eine revo­lu­tio­näre Althusser-​​Lesart emp­feh­len:

  • Reply to John Lewis

http://​mar​x2​mao​.net/​O​t​h​e​r​/​E​S​C​7​6​i​.html

Und als Parallel-​​Lektüre statt des spä­ten Pou­lant­zas‘ und so man­cher zwei­deu­ti­ger Äuße­run­gen Gramscis lie­ber:

  • Balibar: On the Dic­ta­tor­ship of the Pro­le­ta­riat (mit in der dt. Aus­gabe nicht ent­hal­te­nen, aber auf Dt. als Zeitschriften-​​Artikel exis­tie­ren­dem Vor­wort von Gra­hame Lock1)

http://​mar​x2​mao​.net/​O​t​h​e​r​/​O​D​P​7​7​N​B​.html

und

  • Bet­tel­heim: Class Strugg­les in the USSR

http://​mar​x2​mao​.net/​O​t​h​e​r​/​C​S​S​U​i​7​6​N​B​.html

Vgl. auch noch:

„Das Kapi­tal lesen“ von Althusser/​Balibar/​Establet /​Macherey/​Rancière erst­mals voll­stän­dig auf Deutsch

http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​5​/​0​7​/​2​8​/​d​a​s​-​k​a​p​i​t​a​l​-​l​e​s​e​n​-​v​o​n​-​a​l​t​h​u​s​s​e​r​b​a​l​i​b​a​r​e​s​t​a​b​l​e​t​-​m​a​c​h​e​r​e​y​r​a​n​c​i​e​r​e​-​e​r​s​t​m​a​l​s​-​v​o​l​l​s​t​a​e​n​d​i​g​-​a​u​f​-​d​e​u​tsch/

  1. http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​1​1​/​1​2​/​s​t​a​l​i​n​-​a​l​s​-​v​e​r​f​e​c​h​t​e​r​-​d​e​s​-​s​t​a​a​t​e​s​-​d​e​s​-​g​a​n​z​e​n​-​v​o​l​k​e​s​/​#​f​n​1​2​5​8​0​5​7​9​5​9799n.[zurück]
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Mit Lenin den Demokratie-Essentialismus kritisieren

Heute in einer Woche – also am Sonn­tag, den 26.01. werde ich im B-​​Lage beim Workshop-​​Tag „Demo­kra­tie – die süßeste Ver­su­chung seit es Poli­tik gibt?“ der Inter­na­tio­na­len Kommunist_​innen zum Thema „Warum die Form immer noch wesent­lich ist. – Mit Lenin (1870 – 1924) den Demokratie-​​Essentialismus kri­ti­sie­ren“ spre­chen.

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Gibt es vielleicht wieder Bedarf? – Geamtverzeichnis der Zeitschift „alternative“ (1963-1982)

Ich stelle hier mit das Gesamt­ver­zeich­nis der von 1964 bis 1982 von Hil­de­gard Bren­ner ver­ant­wor­te­ten West­ber­li­ner Zeit­schrift alter­na­tive als .pdf-​​Bild-​​Datei zur Ver­fü­gung. Die Zeit­schrift spielte u.a. eine wich­tige Rolle für die deutsch­spra­chige Rezep­tion des fran­zö­si­schen struk­tu­ra­len Mar­xis­mus (Louis Alt­hus­ser u.a. [1, 2, 3]) und des fran­zö­si­schen Struk­tu­ra­lis­mus.

alternative-cover, H. 117, 1977

„Als Ans­gar Skri­ver 1963 Ber­lin ver­las­sen hatte, über­nahm Anfang 1964 Hil­de­gard Bren­ner den Ver­lag und die Her­aus­gabe der Zeit­schrift [alter­na­tive], nun­mehr unter dem Titel [lies: nun­mehr mit dem Untertitel] ‚Zeit­schrift für Lite­ra­tur und Dis­kus­sion‘. Die Jahr­gänge zähl­ten mit Jahr­gang 7 wei­ter. Der Ver­lag erhielt den Namen der Zeit­schrift. Redak­ti­ons­mit­glie­der waren neben Hil­de­gard Bren­ner u.a. Georg Fül­berth, Helga Gal­las, Klaus Laer­mann, Hel­mut Lethen, Hart­mut Ross­hof, Peter B. Schu­mann; Gestal­tung: Ulrich Harsch.
Das erste von Hil­de­gard Bren­ner ver­ant­wor­tete Heft ‚Schrift­stel­ler in der DDR‘ ent­hielt als Erst­ver­öf­fent­li­chun­gen Texte von Vol­ker Braun, Peter Hacks, Hart­mut Lange, Christa Rei­nig, Johan­nes Bobrow­ski, Wolf Bier­mann, Gün­ter Kunert, Hei­ner Mül­ler, Franz Füh­mann, Bernd Jentzsch u. a.
The­men waren u.a.: Was ist ein natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Roman? (Heft 36); die Samm­lung tsche­cho­slo­wa­ki­scher Lyrik, Prosa und Dra­ma­tik mit Tex­ten von Milan Kun­dera, Václav Havel u. a. (Heft 42/​43); eine Doku­men­ta­tion zur Struk­tu­ra­lis­mus­dis­kus­sion mit Bei­trä­gen u. a. von Louis Alt­hus­ser, Roland Bart­hes, Michel Fou­cault, Lucien Gold­mann, Jac­ques Lacan, Claude Lévi-​​Strauss und Jean-​​Paul Sartre (Heft 54); und die Aus­gabe ‚Der andere Blick – femi­nis­ti­sche Wis­sen­schaft?‘ (Heft 120/​121)
Mit dem Heft 145/​146 ‚Im Auf­riß‘ stellte die Zeit­schrift 1982 ihr Erschei­nen ein. Dazu die Redak­tion: ‚Die linke Theo­rie, wie ‚Alter­na­tive‘ sie mit­ge­tra­gen hat, hat … kei­nen Ort und kei­nen Refle­xi­ons­raum mehr. … Und die sich inner­halb der sozia­len Pro­test­be­we­gun­gen zur Wehr set­zen, machen kei­nen Gebrauch von dem, was wir pro­du­zie­ren. Damit ver­liert eine Zeit­schrift wie ‚Alter­na­tive‘ nicht nur ihr Publi­kum, son­dern auch ihre Funk­tion.‘“

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Alternative_%28Zeitschrift%29)

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Konvergenzen des wissenschaftstheoretischen Relativismus

[Ich hatte kürz­lich meine Diplom­ar­beit aus dem Jahre 1996 zum Thema „Plu­ra­lis­mus und Ant­ago­nis­mus. Eine Rekon­struk­tion post­mo­der­ner Les­wei­sen“ online zugäng­lich gemacht. Ich bringe hier einen remix einer Pas­sage von S. 86 f. Ich setze hier die Fuß­note 123, die dort hin­ter dem Dop­pel­punkt am Ende des ers­ten Sat­zes und vor dem fol­gen­den Poulantzas-​​Zitat steht, in den Haupt­text ans Ende der frag­li­chen Pas­sage. In der ursprüng­li­chen Fas­sung ging es dort statt des­sen mit Über­le­gun­gen zu ande­ren Aspek­ten wei­ter. Dies war der Grund dafür, daß der hier ‚auf­ge­wer­tete’ Text dort in die frag­li­che Fuß­note ver­bannt wurde.
Anzu­mer­ken ist noch, daß der hier kri­ti­sierte Rela­ti­vis­mus in Erkennt­nis­fra­gen strikt vom – ange­sichts wider­sprüch­li­cher gesell­schaft­li­cher Ver­hält­nisse: not­wen­di­gen – Rela­ti­vis­mus in poli­ti­schen Bewer­tungs­fra­gen zu unter­schei­den ist.]

Es macht zwar poli­tisch einen bedeu­ten­den Unter­schied, ob man/​frau sich auf den historizistisch-​​relativistischen Wahrheits-​​Begriffs von Bog­da­now, Sta­lin oder auch Lukács einer­seits oder Gramscis ande­rer­seits bezieht; die zugrun­de­lie­gende theo­re­ti­sche Kon­zep­tion bleibt aber (schließ­lich auch in Fou­caults Ver­sion des wis­sen­schafts­theo­re­ti­schen Rela­ti­vis­mus) die glei­che: „Die his­to­ri­zis­ti­sche Ideo­lo­gie­auf­fas­sung ist […] noch kla­rer [als bei Mar­cuse, d. Vf.] bei dem typi­schen Bei­spiel von Lukács und sei­ner Theo­rie von ‚Klas­sen­be­wußt­sein’ und ‚Welt­an­schau­ung’. Es lohnt sich, dabei zu ver­wei­len, da sie klar das Pro­blem der erkennt­nis­theo­re­ti­schen Prä­mis­sen einer his­to­ri­zis­ti­schen Betrach­tungs­weise der Ideo­lo­gie erken­nen läßt. Sie ist um so wich­ti­ger, als infolge Gramscis His­to­ri­zis­mus, […] die Mehr­zahl der mar­xis­ti­schen Theo­re­ti­ker den Begriff der Hege­mo­nie in einer Bedeu­tung gebrau­chen, die mit der Pro­ble­ma­tik Lukács’ ver­wandt ist.“ (Pou­lant­zas 1968, 195 – Hv. d. Vf.).
Diese Posi­tion leug­net die die Rea­li­tät der objek­ti­ven Außen­welt1 und kann des­halb kei­nen Unter­schied zwi­schen ideo­lo­gi­schen und wis­sen­schaft­li­chen Dis­kur­sen machen kann (Alt­hus­ser 1966/​68, 174, 176-​​180); die „beson­dere Geschichte der Wis­sen­schaft [wird] auf die Geschichte der orga­ni­schen Ideo­lo­gien und die ökonomisch-​​politische Geschichte zurück[ge]führt“ (Alt­hus­ser 1966/​68, 178; ähnlich Pou­lant­zas 1968, 195 f. mit FN 5).
Die his­to­ri­zis­ti­sche Ideo­lo­gie­auf­fas­sung beinhal­tet eine „Iden­ti­fi­zie­rung der Ideo­lo­gie und der Wis­sen­schaft, d.h. die Auf­fas­sung, daß sie [die Ideo­lo­gie, d. Vf.] die Wis­sen­schaft umfaßt“. Der „Cha­rak­ter der Ideo­lo­gie als Aus­druck des Sub­jekts“ umfasst nach his­to­ri­zis­ti­scher Auf­fas­sung „in dem Falle die Objek­ti­vi­tät der Wis­sen­schaft, wo die sub­jek­tive Welt­an­schau­ung einer ‚auf­stei­gen­den Klasse’ die Tota­li­tät der Gesell­schafts­for­ma­tion ein­schließt. Bekannt ist der Aspekt des Argu­ments, den Lukács, Korsch u.a. auf das Pro­le­ta­riat und die ‚pro­le­ta­ri­sche Wis­sen­schaft’ anwand­ten: Da das Pro­le­ta­riat sei­nem Wesen nach eine uni­ver­sale Klasse ist, hat sein sub­jek­ti­ves Bewußt­sein uni­ver­sa­len Cha­rak­ter; aber ein uni­ver­sa­les sub­jek­ti­ves Bewußt­sein ist zwangs­läu­fig objek­tiv, also wis­sen­schaft­lich“ – so Lukács, Korsch und andere (Pou­lant­zas 1968, 196, FN 5).
In Ruß­land bzw. der Sowjet­union wurde diese Auf­fas­sung sowohl von dem ‚Links’kommunisten Bog­da­now wie auch von Sta­lin ver­tre­ten:
„Es ist nicht unin­ter­es­sant, daß die Gegen­über­stel­lung von bür­ger­li­cher und pro­le­ta­ri­scher Wis­sen­schaft […] die unbe­wußte, ver­steckte oder ver­leug­nete Rück­kehr eines The­mas ist, daß bereits bei Bog­da­now, […] prä­sent ist und dann in ver­schie­de­nen Publi­ka­tio­nen des Pro­let­kult ent­fal­tet wird. Der Aus­schluß, mit dem der Sta­li­nis­mus diese Strö­mung bestraft hat, aber auch die hef­tige Kri­tik von Lenin und Ple­ch­a­now an Bog­da­now schei­nen nur zum Ver­schwin­den des Wor­tes ‚pro­le­ta­ri­sche Wis­sen­schaft’ geführt zu haben, ohne an der Grund­these zu rüt­teln: […] Die sowje­ti­schen Texte bewe­gen sich dann tat­säch­lich in einer Oppo­si­tion zwi­schen ‚bür­ger­li­cher’ und ‚rei­ner’ Wis­sen­schaft und ent­wi­ckeln dabei die These eines Ver­falls der Wis­sen­schaft wie der Kul­tur im impe­ria­lis­ti­schen Sta­dium des Kapi­ta­lis­mus. […]. Der Kern der Argu­men­ta­tion bleibt dabei in Fäl­len der glei­che. […]: Die Wis­sen­schaft ist his­to­risch rela­tiv, weil das Bewußt­sein der Men­schen sich fort­ent­wi­ckelt […]. […] die his­to­ri­sche Rela­ti­vi­tät der Wis­sen­schaft [spie­gelt] deren Klas­sen­in­halt wider. […]. Die gesellschaftlich-​​historischen Umstände, unter denen eine wis­sen­schaft­li­che Theo­rie ent­stand, wer­den dann als letzte Ursa­che die­ser Theo­rie behan­delt, […]. Die Wis­sen­schaft würde also der ‚auf­stei­gen­den’ Klasse gehö­ren, deren Inter­esse mit der pro­me­t­hei­schen Bestim­mung des Men­schen zusam­men­fällt.“ (Bras 1985, 1083, 1984 – Hv. i.O.; vgl. auch Lecourt 1976, 126 oben, 130, 140-​​142, FN 21).
Schließ­lich folgt auch die Wis­sens­so­zio­lo­gie dem glei­chen Modell. Sie ver­or­tet die ver­meint­li­che Wahr­heit aller­dings nicht bei einer (‚auf­stei­gen­den’) Klasse, son­dern bei der „frei­schwe­ben­den Intel­li­genz, die ‚rela­tiv unre­la­tiv’, d.h. nicht haut­eng mit Klas­sen­in­ter­es­sen ver­floch­ten“ sei (Hau­ser 1987, 74; vgl. Eagle­ton 1991, 129 oben; s.a. außer­dem zum Ver­hält­nis: Lukács – Wis­sens­so­zio­lo­gie: Hau­ser 1987, 74; Eagle­ton 1991, 128, Abs. 2).
S. schließ­lich zur Bedeu­tung von Lukács bzw. des Hegel-​​Marxismus für femi­nis­ti­sche Stand­punkt­theo­rien: Sei­fert 1992, 258; Grimm 1994b, 156 f.; zur Bedeu­tung der Wis­sens­so­zio­lo­gie (Mann­heim, Berger/​Luckmann) für (femi­nis­ti­sche und afro­zen­tri­sche) Standpunkt-​​Epistemologien: Collins, 1989, 20-​​23; 46, FN 16; 47 f., FN 22, 28. (mehr…)

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Was hätte eigentlich (Staats-) „Ableitung“ sinnvollerweise heißen können?

- Zu over­dose, Echte Idea­lis­ten: http://​over​dose​.blog​sport​.de/​2​0​0​8​/​0​7​/​2​2​/​e​c​h​t​e​-​i​d​e​a​l​i​sten/
und
frage – 04. Sep­tem­ber 2009 um 18:58 Uhr: http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​9​/​0​4​/​d​i​a​l​e​k​t​i​k​-​w​a​r​u​m​-​d​a​s​-​l​a​c​h​e​n​-​d​e​r​-​a​n​t​i​d​e​m​o​k​r​a​t​i​s​c​h​e​n​-​a​k​t​i​o​n​-​s​c​h​o​n​-​w​i​e​d​e​r​-​z​u​-​e​i​n​e​m​-​l​a​c​h​e​n​-​u​e​b​e​r​-​s​i​e​-​w​i​r​d​/​#​c​o​m​m​e​n​t-296 -

3.1.1. Der Begriff der „Ablei­tung“ hat sich in der neue­ren mar­xis­ti­schen Dis­kus­sion häu­fig zu einem Mys­ti­zis­mus zurück­ent­wi­ckelt (zur Kri­tik: Kuh­len 1975).
M. E. kann unter Ablei­tung nur zwei­er­lei ver­stan­den wer­den. Ent­we­der „logi­sche Deduk­tion“ aus Prä­mis­sen und Schluß­re­geln oder die Ver­wen­dung die­ses Begriffs als Syn­onym für „Erklä­rung“ bestimm­ter Sach­ver­halte durch Geset­zes­hy­po­the­sen. Im letz­te­ren Sinne kann die Erklä­rungs­leis­tung in Marx’ Kapi­tal einem von Schritt zu Schritt kom­ple­xer wer­den­den Geflecht von Geset­zes­hy­po­the­sen über die Mecha­nis­men kapi­ta­lis­ti­scher Ver­ge­sell­schaf­tung gese­hen wer­den, womit die idea­li­sie­rende Struk­tur der Erfas­sung der empi­ri­schen Rea­li­tät schließ­lich immer näher kommt (vgl. Nowak 1971). Was „Ablei­tung“ des Rechts und/​oder des Staa­tes in mar­xis­ti­schen Theo­rien heißt, kann dabei i.d.R. mit dem Typ einer funk­tio­na­len Erklä­rung bzw. der Annahme funk­tio­na­ler Gesetz­mä­ßig­kei­ten begrif­fen wer­den. Die Fra­ge­stel­lung lau­tet dabei: Wel­che funk­tio­nale Not­wen­dig­keit besteht in einer kapi­ta­lis­ti­schen Ökono­mie für eine außer­halb der Ökono­mie situ­ierte, auf diese Ökono­mie bezo­gene gesell­schaft­li­che Instanz? Wel­che funk­tio­na­len Erfor­der­nisse zwin­gen eine kapi­ta­lis­ti­sche Ökono­mie zur Aus­bil­dung einer sol­chen Instanz?
So etwas wie das „aus sich Her­aus­wer­fen“ neuer Begriffe aus schon ein­ge­führ­ten Begrif­fen, oder in den Wor­ten der Marx­schen Hegel­kri­tik: „des außer oder über der Anschau­ung und Vor­stel­lung den­ken­den und sich selbst gebä­ren­den Begriffs“ (Marx 1953: 22), wonach dem Beob­ach­ter die heu­tige Ablei­tungs­dis­kus­sion oft anmu­tet, ist wis­sen­schafts­lo­gisch unhalt­bar. Es geht hier in Zukunft bei der „Ableitungs“problematik um die Erklä­rung der Rechts­form bzw. der Ver­än­de­rung der Rechts­form staat­li­chen Han­delns durch Anknüp­fen an zen­trale Struk­tur­ge­setze“ der kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­weise.

L. Kuh­len, „Ablei­tung“ und „Ver­dop­pe­lung“ in der neue­ren mar­xis­ti­schen Dis­kus­sion über den Staat, in: H. Rott­leuth­ner (Hg.), Pro­bleme der mar­xis­ti­schen Rechts­theo­rie, Frank­furt am Main, 1975, 312 – 327.
K. Marx, Grund­risse, Ber­lin, 1953.
L. Nowak, Das Pro­blem der Erklä­rung in Marx’ Kapi­tal (1971), in: J. Rits­ert (Hg.), Zur Wis­sen­schafts­lo­gik einer kri­ti­schen Sozio­lo­gie, Frank­furt, 1976, 13 – 45.

(Quelle:
Her­bert Kit­schelt
„Rechts­staat­lich­keit“ – zur Theo­rie des Wan­dels recht­li­cher Pro­gram­mie­rung im Staat der bür­ger­li­chen Gesell­schaft
in: Demo­kra­tie und Recht 1977, 287 – 314 [293 f.])

PS.: (mehr…)

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Staat, Gesellschaft und revolutionäre Neubestimmung

Anmer­kun­gen zu
Jens Chris­tian Mül­ler /​ Sebas­tian Rein­feldt /​ Richard Schwarz /​ Manon Tuck­feld, Der Staat in den Köp­fen, Deca­ton: Mainz, 1994

Der fol­gende Text wurde Anfang Juli 1994 geschrie­ben und blieb damals ver­öf­fent­licht.

Manon Tuck­feld u.a. bezie­hen sich in ihrem Buch auf den Ansatz des fran­zö­si­schen, kom­mu­nis­ti­schen Phi­lo­so­phen Louis Alt­hus­ser (1918 – 1990). Dies ist – nach­dem Alt­hus­sers Schrif­ten lange Zeit in Ver­ges­sen­heit gera­ten waren – geeig­net zur Neu­be­stim­mung revo­lu­tio­nä­rer Poli­tik bei­zu­tra­gen. Die­ser mög­li­che Bei­trag wird aller­dings – wie im fol­gen­den gezeigt wer­den soll – dadurch geschmä­lert, daß sie Alt­hus­sers Bezug auf Lenin durch ihren eige­nen Bezug auf Fou­cault, Deleuze u.a. nicht-​​marxistische, (post)strukturalistische Theo­re­ti­ker erset­zen. Dies führt dazu, auch heute noch rich­tige (und von Alt­hus­ser ver­tei­digte) Eck­punkte revo­lu­tio­nä­rer Poli­tik in eine ziem­lich nebu­löse Belie­big­keit auf­zu­lö­sen.

Auto­nome und andere Staats­theo­rien:
Der Dua­lis­mus von Staat und Gesell­schaft

Zu Beginn ihres Buches unter­zie­hen die Ver­fas­se­rIn­nen die kon­ser­va­tive, die sozialdemokratisch/​stalinistische sowie die liberal/​autonom-​​antiimperialistische Staats­theo­rie einer Kri­tik. Ihnen allen sei gemein­sam, daß sie eine „spe­zi­fi­sche Äußer­lich­keit von Staat und Gesell­schaft“ behaup­ten (95):
++ In der kon­ser­va­ti­ven Ver­sion wird der Staat als die Instanz, die den gesell­schaft­li­chen Krieg aller gegen alle (Tho­mas Hob­bes) ver­hin­dert, begrüßt (17 f., 92 f.). Der Staat wird als das „All­ge­meine“ (Hegel) bestimmt, das über den Ein­zel­in­ter­es­sen steht (18, 20).
++ In der libe­ra­len und autonom-​​antiimperialistischen (anar­chis­ti­schen) Ver­sion wird der Staat als „Usur­pa­tor“, der die „in der (…) Gesell­schaft exis­tie­ren­den Poten­tiale an Selbst­ver­wal­tung, Krea­ti­vi­tät etc. unter­drückt“, mehr oder min­der radi­kal abge­lehnt (95): So sahen die Anti­imps auf ihrem Wider­stands­kon­greß 1986, die ant­ago­nis­ti­sche Art zu kämp­fen in der „Rück­er­obe­rung von Iden­ti­tät“ gegen den „Staat, der sich in sei­nem tota­len Macht­an­spruch über alles, was sich selbst bestimmt, orga­ni­sie­ren will, drü­ber­stülpt“ (zit. n. 14 f., FN 1). Und der auto­nome Theo­re­ti­ker Det­lef Hart­mann sieht den Staat als „gigan­ti­sche Maschine“, die die „Spra­che, Spiele, Gefühle, (… den) Reich­tum“ der Men­schen negiert (zit. n. 14, FN 1). Links­li­be­rale Zivil­ge­sell­schafts­theo­re­ti­ker plä­die­ren ganz ähnlich für eine „Aus­tra­gung von Kon­flik­ten in der Gesell­schaft (…), wenn nötig auch unab­hän­gig von und gegen die repres­si­ven Organe der Macht­aus­übung“ (zit. n. 13).1 Die Auto­rIn­nen des Buches ergän­zend sei noch auf die rechts­li­be­rale For­de­rung nach Zurück­drän­gung des Staats (aus der Wirt­schaft) ver­wie­sen.
++ In der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen und sta­li­nis­ti­schen Ver­sion erscheint der Staat schließ­lich als neu­tra­les (nicht in sei­ner Struk­tur, son­dern nur in sei­nen kon­kre­ten Hand­lun­gen von den gesell­schaft­li­chen Herr­schafts­ver­hält­nis­sen deter­mi­nier­tes) Instru­ment, mit dem nicht nur bür­ger­li­che Poli­tik betrie­ben wer­den kann, son­dern mit dem auch – wahl­weise – Refor­men oder als revo­lu­tio­när aus­ge­ge­bene Maß­nah­men durch­ge­setzt wer­den kön­nen. In die­ser Sicht­weise dürfte kon­se­quen­ter­weise nicht von einer „Klas­sen­na­tur, son­dern nur (…) von einer Klas­sen­ver­wen­dung des Staats gespro­chen wer­den“ (94). Die stra­te­gi­sche Schluß­fol­ge­rung, die dar­aus gezo­gen wurde, ist bekannt: friedlicher/​parlamentarischer Übergang zum Sozia­lis­mus (86 f.)

Vom idea­len Staat zum Staat als
Pro­dukt der gesell­schaft­li­chen Wider­sprü­che

Zur Kri­tik die­ser Staats­theo­rie rekon­stru­ie­ren die Ver­fas­se­rIn­nen die Ent­wick­lung der Staats­auf­fas­sung von Marx und Engels2: In sei­nen jun­gen Jah­ren hatte Marx noch – nach dem bekann­ten links-​​hegelianischen Motto: „Das Ver­nüf­tige soll wirk­lich wer­den“ – ver­sucht, den All­ge­mein­heits­an­spruch des Staa­tes beim Wort zu neh­men (ein­zu­kla­gen) (23-​​26). Spä­ter dann erkannte Marx [mit sei­nem Übergang von geschichts­phi­lo­so­phi­schen und huma­nis­ti­schen zu Klas­sen­kampf­po­si­tio­nen (26 f.)] den Staat als Orga­ni­sa­ti­ons­form der herr­schen­den Klasse (31). Marx bestimmte damit seine Staats­kri­tik nicht mehr – wie noch in sei­nen Früh­schrif­ten – von „der Idee aus“ (zit. n. 23), son­dern von der rea­len geschicht­li­chen Ent­wick­lung aus. Aber seine Staats­kri­tik war immer noch halb­her­zig. Die Per­spek­tive des Kom­mu­nis­ti­schen Mani­fes­tes war: „Das Pro­le­ta­riat wird seine poli­ti­sche Herr­schaft (die zuvor als „Erkämp­fung der Demo­kra­tie“ defi­niert wurde, d. Vf.) dazu benut­zen, der Bour­geoi­sie nach und nach alles Kapi­tal zu ent­rei­ßen, alle Pro­duk­ti­ons­mit­tel in die Hände des Staa­tes, d.h. des als herr­schende Klasse orga­ni­sier­ten Pro­le­ta­ri­ats, zu zen­tra­li­sie­ren (…).“ (MEW 4, 481 – Hv. d. Vf.).
Ihre jetzt nicht mehr geschichtsphi­lo­so­phi­sche (spe­ku­la­tive). son­dern geschichtswis­sen­schaft­li­che Her­an­ge­hens­weise ermög­lichte Marx und Engels aber auch hier eine Kor­rek­tur (31): „(…) gegen­über den prak­ti­schen Erfah­run­gen, zuerst der Februar-​​Revolution und noch mehr der Pari­ser Kom­mune, (…), ist heute die­ses Pro­gramm stel­len­weise ver­al­tet. Nament­lich hat die Kom­mune den Beweis gelie­fert, daß ‚die Arbei­ter­klasse nicht die fer­tige Staats­ma­schine ein­fach in Besitz neh­men kann und sie für ihre eige­nen Zwe­cke in Bewe­gung set­zen kann‘.“ (MEW 4, 573 f. – Vor­wort von 1872). Damit wird erkannt, daß das kom­mu­nis­ti­sche Ziel weder ein ‚all­ge­mei­ner‘ noch ein pro­le­ta­ri­scher Staat sein kann, da der Staat – als „Pro­dukt“ der gesell­schaft­li­chen Wider­sprü­che, wie Engels es aus­drückt – nur solange not­wen­dig ist, wie diese Wider­sprü­che exis­tie­ren (34 f.). Gelingt es nun die revo­lu­tio­nä­ren Kämpfe bis zur Abschaf­fung von Aus­beu­tung und Unter­drü­ckung, die sich in der Gesell­schaft voll­zie­hen, vor­an­zu­trei­ben, so stirbt in die­sem Pro­zeß auch der Staat ab. Diese Erkennt­nis der Ver­bin­dung zwi­schen Staat und gesell­schaftlichen Wider­sprü­chen führt den Mar­xis­mus zur Zurück­wei­sung des Dua­lis­mus von Staat und Gesell­schaft.

Alt­hus­sers Theo­rie der Ideo­lo­gi­schen Staats­ap­pa­rate

Mit der Frage, warum – trotz die­ser theo­re­ti­schen Bestim­mung – der Staat im ‚real exis­tie­ren­den Sozia­lis­mus‘ nicht abge­stor­ben ist, bezie­hen sich die Auto­rIn­nen auf Alt­hus­ser. Alt­hus­ser sieht einen Grund darin, daß es „eigent­lich keine tat­säch­lich ‚mar­xis­ti­sche‘ Staats­theo­rie“ gibt, son­dern nur eine „nega­tive Abgren­zung“ von „bür­ger­li­chen Kon­zep­tio­nen des Staa­tes“ (zit. n. 39, s.a. 41 f.). Diese Anknüp­fung mün­det in eine Dar­stel­lung der staats­theo­re­ti­schen Arbei­ten Alt­hus­sers: Die­ser hatte – in Anknüp­fung an Gramsci – schon 1969/​70 die Bedeu­tung nicht nur der repres­si­ven, son­dern auch der Ideo­lo­gi­schen Staats­ap­pa­rate betont (42 f.). Da Alt­hus­ser auch Insti­tu­tio­nen wie Fami­lie, Kir­chen, Par­teien etc. als Ideo­lo­gi­sche Staatsappa­rate bezeich­net, trägt seine Theo­rie dazu bei, den o.g. Dua­lis­mus von Staat und Gesell­schaft zu über­win­den (43 f.). Des wei­te­ren defi­niert Alt­hus­ser – im Unter­schied zu Ansät­zen, die den herr­schen­den Kon­sens als ‚fal­sches Bewußt­sein‘ oder als Pro­dukt einer ‚Mani­pu­la­tion‘ durch Staat und Medien betrach­ten – nicht „als pure Illu­sion, rei­ner Traum, als Nichts“ (zit. n. 46). Im vor­lie­gen­den Buch wird auf den S. 46 – 69 Alt­hus­sers eige­ner, an die struk­tu­ra­lis­ti­sche Lin­gu­is­tik und die lacan­sche Psy­cho­ana­lyse anknüp­fen­der Ideologie-​​Begriff erläu­tert. Eine Kern­these ist dabei, daß Ideo­lo­gien die Indi­vi­duen als Sub­jekte ‚anru­fen‘ (kon­sti­tu­ie­ren). Alt­hus­ser bezieht sich dabei auf die Dop­pelb­e­deu­tung von Sub­jekt (1. ent­schei­dungs­frei, auto­nom 2. unter­wor­fen; Bei­spiel: das Rechts­sub­jekt kann im Rah­men der Rechts­ord­nung frei han­deln). Mit die­sem Effekt von Ideo­lo­gien (bspw. der Rechts­ideo­lo­gie) erklärt Alt­hus­ser die frei­wil­lige Unter­wer­fung (55 – 57). Schließ­lich unter­su­chen die Auto­rInn­nen, wie sich das Kräf­te­ver­hält­nis zwi­schen ver­schie­de­nen ‚regio­na­len‘ Ideo­lo­gien und deren Appa­ra­ten seit Alt­hus­sers Auf­satz ver­scho­ben hat. Die Pro­duk­ti­vi­tät Alt­hus­sers Ansatz zeigt sich dabei an der von den Ver­fas­se­rIn­nen vor­ge­nom­me­nen Ana­lyse des Ent­ste­hens eines Ideo­lo­gi­schen Staats­ap­pa­ra­tes Gesund­heit. Dabei fas­sen sie das Auf­kom­men der Fitness-​​Ideologie etc. nicht als „neu­este und per­fi­deste Erfin­dung der Herr­schen­den“, son­dern rekon­stru­ie­ren deren Ent­ste­hung aus den Kämp­fen seit ’68 (Ökolo­gie­be­we­gung, Medizin-​​/​Psychiatrie-​​Kritik) und den Reak­tio­nen dar­auf (Indi­vi­dua­li­sie­rung der Frage nach einer gesun­den Lebens­weise) (zuvor habe sich das Gesund­heits­sys­tem ledig­lich ande­rer regio­na­ler Ideo­lo­gien [Reli­gion, Wohl­fahrts­staat] bedient). Die Ideo­lo­gi­schen Staats­ap­pa­rate wer­den also als Kampf­feld ana­ly­siert (76-​​79).

Die Staats­theo­rie von Nicos Pou­lant­zas

Daran anschlie­ßend wird die Staats­theo­rie von Nicos Pou­lant­zas dar­ge­stellt: Auch Pou­lant­zas lehnt vor­der­grün­dig eine dua­lis­ti­sche Gegen­über­stel­lung von Staat und Gesell­schaft ab und geht ebenso so wie Alt­hus­ser und Gramsci von einem erwei­ter­ten Staats­be­griff aus (106). Aller­dings schlei­chen sich bei Pou­lant­zas und bei den Ver­fas­se­rIn­nen des vor­lie­gen­den Buches unter der Hand hier wie­der die libe­rale Vor­stel­lung vom Staat, der die Gesell­schaft beherr­sche, und ent­spre­chende refor­mis­ti­sche Gegen­stra­te­gien ein.
Dies hängt damit zusam­men, daß Pou­lant­zas neben den repres­si­ven und ideo­lo­gi­schen auch noch die ökono­mi­schen Auf­ga­ben des Staa­tes sehr stark betont (118-​​123). Die Bedeu­tung der Pla­nungs­funk­tio­nen des Staa­tes spitzt er auf die These vom „auto­ri­tä­ren Eta­tis­mus“ zu. Die Auto­rIn­nen schrei­ben inso­fern zustim­mend:

„Kon­sti­tu­tiv für den kapi­ta­lis­ti­schen Staat ist (… seine) Ver­knüp­fung (… mit) der Sphäre der (…) Tren­nung von geis­ti­ger und manu­el­ler Arbeit. Der Mensch/​Körper wird (…) ‚Anhäng­sel der Maschine‘. Hier­für wird das ‚Anhäng­sel‘ Mensch ver­mes­sen, jede sei­ner Bewe­gun­gen erforscht, um sie spä­ter nutz­brin­gend ein­set­zen zu kön­nen. Die Aneig­nung des Wis­sens über unter­schied­li­che Prak­ti­ken der Arbeit und die sich daran anschlie­ßende Nor­mie­rung nennt Michel Fou­cault – und im Anschluß an ihn Pou­lant­zas – Nor­ma­li­sie­rung. (…) Diese Ten­denz zur Nor­ma­li­sie­rungs­macht, die die Gesamt­re­geln des guten und rich­ti­gen Funk­tio­nie­rens fest­legt, durch­zieht alle Fasern der Gesell­schaft.“ (109 f.- Hv. d. Vf.).

Vor­der­grün­dig im Wider­spruch zur These vom „auto­ri­tä­ren Eta­tis­mus“ steht Pou­lant­zas erwei­ter­ter (offe­ner) Staats­be­griff. Nach die­sem Staats­be­griff fin­den die (Klassen-)Kämpfe nicht nur außer­halb des Staa­tes (nicht nur in der Gesell­schaft), son­dern auch ihm Staat statt, und diese Kämpfe prä­gen den Staat (118); der Staat wird inso­fern als „Ver­dich­tung eines Kräf­te­ver­hält­nis­ses“ (116) auf­ge­faßt. „Der Staat (…) sta­bi­li­siert sich (…) nicht funk­tio­nal und auto­ma­tisch, son­dern als Resul­tante vie­ler Dis­kurse in den ver­schie­dens­ten Staats­ap­pa­ra­ten, (…). Zudem sind eben auch die ein­zel­nen Appa­rate von Kämp­fen durch­zo­gen.“ (108).

Der Staat – neu­tra­les Instru­ment oder ver­mach­te­ter Kampf­platz?

Die Kon­se­quenz, die sich aus die­sen bei­den Ten­den­zen (These vom „auto­ri­tä­ren Eta­tis­mus“ /​ offe­ner Staats­be­griff) bei Pou­lant­zas ergibt, wol­len die Ver­fas­se­rIn­nen aber nicht zie­hen:
Pou­lant­zas Theo­rie „kon­se­quent zu Ende gedacht, würde den Staat zu einem belie­bi­gen Kampf­platz machen, zu einem Instru­ment in den Kämp­fen. Die­ser ‚offe­nen‘ Staats­kon­zep­tion bringt Pou­lant­zas“ – als Gegen­bild /​ zur Abwehr des „auto­ri­tä­ren Eta­tis­mus“ – „immer mehr poli­ti­sche Sym­pa­thie ent­ge­gen. Er rückt ab von einer revo­lu­tio­nä­ren Stra­te­gie, die von der Not­wen­dig­keit der Zer­schla­gung beste­hen­der Zustände aus­geht und ent­wi­ckelt dage­gen ein Kon­zept der Trans­for­ma­tion.“ (133). Pou­lant­zas scheine „im zwei­ten Teil sei­ner ‚Staats­theo­rie‘ das Pro­gramm der Regie­rungs­mehr­heit von fran­zö­si­schen Kom­mu­nis­ten und Sozia­lis­ten schrei­ben zu wol­len, so daß er die Ein­sich­ten über die Not­wen­dig­keit der Ver­än­de­rung der Struk­tu­ren in den Kämp­fen, statt der alter­na­ti­ven Beset­zung der Appa­rate rela­ti­viert und diese immer wider­sprüch­li­cher und schwam­mi­ger wer­den.“ (134). Dem­ge­gen­über sind die Ver­fas­se­rIn­nen im Anschluß an den Althusser-​​Schüler Balibar der Ansicht, daß das Pro­le­ta­riat „den beste­hen­den Staats­ap­pa­rat zerstör(en)“ und durch „etwas ganz anders als einen Staats­ap­pa­rat“ erset­zen muß. Des­halb wei­sen sie (137, FN 5) die Kri­tik von Pou­lant­zas (1979, 138 f.)3 an Alt­hus­ser und Balibar wegen deren Ver­tei­di­gung der Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats, die sie als Halb-​​Staat, als Pro­zeß des Abster­bens des Staa­tes kon­zi­pie­ren, zurück. Die Unter­drü­ckung der ehe­mals herr­schen­den Klasse soll nach die­ser Kon­zep­tion mög­lichst wenig durch beson­dere Organe, son­dern viel­mehr durch die Mas­sen selbst erfol­gen.
Diese Erkennt­nis wird aber auch von den Ver­fas­se­rIn­nen selbst in ihrem Abschluß­ka­pi­tel wie­der ziem­lich ver­wischt: In Zurück­wei­sung des gegen die Staats­theo­rie Alt­hus­sers und Pou­lant­zas erho­ben Vor­wurf, sie würde den Staat als „all­ge­gen­wär­tig (…) und damit unüber­wind­bar“ dar­stel­len (139), beto­nen sie zwar noch ein­mal die Wider­sprüch­lich­keit der herr­schen­den Ver­hält­nisse und den Kampf­platzcha­rak­ter auch der Staats­ap­pa­rate (143 – 147). Auch erken­nen sie, daß Kämpfe kol­lek­ti­viert wer­den müs­sen, um „wir­kungs­mäch­tig zu wer­den“ (148). Diese Erkennt­nis wird jedoch anschlie­ßend mit einem „Ja, Nein, Nein“ gleich wie­der rela­ti­viert (148), um am Ende die „erneute Ver­wur­ze­lung in eine Iden­ti­tät, sei es eine indi­vi­du­elle, sei es eine kom­mu­ni­täre“, abzu­leh­nen. Auf ein­mal bezie­hen sie sich doch auf den „Ruf von Außen“, „die Bewe­gung“, die sich nicht an die „Spiel­re­geln“ gehal­ten hat (Deleuze): „Es ist zum Bei­spiel ein­fach, nicht mehr ‚Ich‘ zu sagen, (…); umge­kehrt kann man wei­ter­hin Ich sagen, nur zum Spaß, (…).“ (Deleuze/​Guattari zit n. n. 155).
Haben wir es hier nicht mit einem Rück­fall in die von den Ver­fas­se­rIn­nen eigent­lich kri­ti­sierte Vor­stel­lung vom Staat als Usur­pa­tor der Gesell­schaft (s. den oben zitier­ten Bezug auf Fou­cault zur Frage der „Nor­ma­li­sie­rung“) und die dage­gen gerich­tete liberal-​​autonome Stra­te­gie der Ent­fal­tung der gesell­schaft­li­chen Krea­ti­vi­tät (s. hier den Bezug auf Deleuze und obige Dar­stel­lung der liberal-​​autonomen Staats­theo­rie) zu tun?
Im Gegen­satz zu der von den Ver­fas­se­rIn­nen for­mu­lier­ten Absage an Iden­ti­tä­ten erkannte Alt­hus­ser sehr genau, daß es eine revo­lu­tio­näre Pra­xis nur in einer revo­lu­tio­nä­ren Ideo­lo­gie (vgl. 49, 52) geben kann, die die Indi­vi­duen als revo­lu­tio­näre KämpferInnen-​​Subjekte anruft (Alt­hus­ser 1977, 164 f.). Dabei ist Alt­hus­ser durch­aus klar, daß der Rück­griff auf die Subjekt-​​Form nicht unpro­ble­ma­tisch ist. Diese Ein­sicht in die Ambi­va­lenz der Subjekt-​​Form ermög­licht ihm aber gerade die Skiz­zie­rung einer stra­te­gi­schen Ori­en­tie­rung die eine Über­win­dung der dem Dua­lis­mus von Staat und Gesell­schaft ent­spre­chen­den Stra­te­gien ermög­licht: Wäh­rend die evo­lu­tio­näre Stra­te­gie den Staat für eine neu­trale Form hält, die auch zur Errei­chung gesell­schafts­trans­for­mie­rende Zwe­cke aus­reicht, will die links­ra­di­kale Stra­te­gie den Staat ‚nur von außen‘ angrei­fen (s. dazu Schulze/​Wiegrefe 1991, 54 f., 57 f.). Dem­ge­gen­über betont Alt­hus­ser 1977, 168):
„(…) die Arbei­ter­klasse (kann) ihre Auto­no­mie nur dann erkämp­fen, wenn sie sich von der herr­schen­den Ideo­lo­gie befreit, sich von ihr abgrenzt, um sich Organisations-​​ und Akti­ons­for­men zu geben, die ihre eigene Ideo­lo­gie – die pro­le­ta­ri­sche Ideo­lo­gie – rea­li­sie­ren. Das Beson­dere an die­sem Bruch, an die­ser radi­ka­len Dis­tan­zie­rung ist, daß sie sich nur in einem lang­an­dau­ern­den Kampf voll­zie­hen kön­nen, der gezwun­gen ist, die For­men der bür­ger­li­chen Herr­schaft zu berück­sich­ti­gen und die Bour­geoi­sie inner­halb ihrer eige­nen Herr­schafts­for­men zu bekämp­fen, ohne sich jemals in die­sen For­men zu ‚ver­lie­ren‘, die keine blo­ßen neu­tra­len ‚For­men‘ sind, son­dern Appa­rate, die die Exis­tenz der herr­schen­den Ideo­lo­gie rea­li­sie­ren.“ (vgl. hin­sicht­lich des femi­nis­ti­schen Kamp­fes: Kolkenbrock-​​Netz 1983, 36).
Und Michel Pêcheux bezieht sich mit sei­nem Kon­zept der „Ent-​​Identifizierung“, das die Ver­fas­se­rIn­nen von ihm über­neh­men (155), immer­hin auf Lenins Parole der Umwand­lung des (ers­ten impe­ria­lis­ti­schen Welt-​​) Krie­ges in einen revo­lu­tio­nä­ren Bür­ge­rIn­nen­krieg. Pêcheux bezeich­net diese Parole als revo­lu­tio­näre Alter­na­tive sowohl zur Iden­ti­fi­zie­rung mit dem impe­ria­lis­ti­schen Krieg als auch zur reformistisch-​​pazifistischen Gegen-​​Identifizierung mit dem Frie­den. (Pêcheux 1984a, 65). … sicher­lich ein etwas hand­greif­li­che­res Kon­zept als „‚Ich‘ zu sagen“ oder auch nicht!

Mit Fou­cault statt Lenin zurück zum eigent­lich kri­ti­sier­ten libe­ra­len Aus­gangs­punkt?

Das vage Ergeb­nis der Ver­fas­se­rIn­nen führt uns noch ein­mal zu der Frage nach deren Lenin-​​Rezeption zurück. Sie lesen Alt­hus­ser so, daß sie den „Argu­men­ta­ti­ons­strang Alt­hus­sers (gestärkt haben), der unse­rer Auf­fas­sung nach eine Kon­zep­tion des politisch-​​ideologischen Kamp­fes ent­hält, die sich den gän­gi­gen mar­xis­ti­schen Ökono­mis­men ent­klei­det hat“ (59). Da die Ver­fas­se­rIn­nen Lenins Ökonomismus-​​Kritik nicht zur Kennt­nis genom­men haben4, kann die­ser Satz wohl als Abgren­zung vom Leni­nis­mus gele­sen wer­den.

Dar­auf deu­ten auch einige wei­tere For­mu­lie­run­gen in dem Buch hin: „Wer also die extreme Linie des ‚lin­ken Eta­tis­mus‘ ver­fol­gen will, der sollte sich mit Hegel, der Sozi­al­de­mo­kra­tie und den Bol­sche­wiki befas­sen, bevor er die ver­meint­li­chen ‚Wur­zeln‘ bei Marx zu fin­den glaubt.“ (32). „Mar­xis­ti­sche Intel­lek­tu­elle und Funk­tio­näre redu­zier­ten eine Theo­rie, die sich sys­te­ma­tisch auf die kon­kre­ten Kämpfe bezie­hen wollte, in Gebrauchs­an­wei­sun­gen für par­tei­zen­trierte Orga­ni­sa­ti­ons­fra­gen zur ‚Bün­de­lung die­ser Kämpfe‘ durch einen Appa­rat, der außer­halb der­sel­ben in die ‚Volks­mas­sen‘ als Erzie­her hin­ein agiert. Im Zuge der stra­te­gi­schen Option der ‚Erobe­rung der Staats­macht‘ in Ruß­land wurde erfolg­reich ver­sucht, den Kämp­fen der Mas­sen die Staats­per­spek­tive auf­zu­zwin­gen. (…). Die der­art zuge­rich­tete Theo­rie (…) bil­dete den regu­la­ti­ven Faden poli­ti­scher und sozia­ler Prak­ti­ken von Staa­ten und Staats-​​Parteien, ein Fak­tum, das sich nicht als Lese­feh­ler der einen oder ande­ren Text­stelle erklä­ren läßt, son­dern unse­rer Mei­nung nach direkt mit einem Ver­ständ­nis des Mar­xis­mus als ‚in sich geschlos­sene Theo­rie‘ (Lenin), deren Rein­heit per­ma­nent über­wacht und gege­be­nen­falls von ‚Abwei­chun­gen‘ gesäu­bert wer­den müsse, ver­knüpft ist.“ (38)5 „Die Theo­rie des Sta­mo­kap basierte auf der Imperialismus-​​Theorie Lenins und begrün­dete nicht nur die zen­trale Staats­theo­rie der kom­mu­nis­ti­schen Par­teien (…).“ (85).6 „In die­ser, der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen wie der leni­nis­ti­schen Arbei­ter­be­we­gung weit­ge­hend gemein­sa­men ökono­mis­ti­schen, ja tech­ni­zis­ti­schen Les­art, scheint die Ent­wick­lung der Tech­no­lo­gie, der Arbeits­tei­lung, der Arbeits­for­men im Kern gesell­schafts­neu­tral. Die Len­in­sche Begeis­te­rung für den Tay­lo­ris­mus ist dafür para­dig­ma­tisch.“ (88).7

Nun legte aber Alt­hus­ser selbst gro­ßen Wert dar­auf, seine Inter­ven­tio­nen als Ver­tei­di­gung der Tra­di­tion von Marx und Lenin gegen den sta­li­nis­ti­schen und sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Revi­sio­nis­mus zu bestim­men (s. bspw. die vie­len Lenin-​​Bezüge in Für Marx oder Alt­hus­sers Ant­wort an John Lewis) – auch gerade in der Frage des Staa­tes (s. Alt­hus­ser 1978, 12). Auch andere von den Ver­fas­se­rIn­nen zustim­mend zitierte Auto­ren (Balibar, Le Bec, Pêcheux, Robe­lin)8 beschei­ni­gen Lenin eine im Kern anti-​​etatistische Posi­tion (s. Lenins Kon­zep­tion der Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats als ‚halb-​​Staat‘, als Staat, der „eigent­lich kein Staat mehr ist“ [LW 25, 432] in Staat und Revo­lu­tion).9 Nun ist es sicher­lich legi­tim, sich selek­tiv auf andere Auto­rIn­nen zu bezie­hen – aber zumin­dest mit deren Argu­men­ten sollte sich doch wohl aus­ein­an­der­ge­setzt wer­den.
Wenn wir nun wis­sen, daß die Ver­fas­se­rIn­nen Alt­hus­ser so gele­sen haben, daß sie den Leni­nis­mus in Alt­hus­sers Wer­ken abge­schwächt haben, und sich statt des­sen neben Alt­hus­ser und Pou­lant­zas (beson­ders auf den letz­ten Sei­ten ihres Buches) auf Michel Fou­cault bezie­hen, dann wun­dert das vage, wider­sprüch­li­che Ergeb­nis nicht mehr.
Denn die Ver­fas­se­rIn­nen berück­sich­ti­gen bei ihrer von Fou­cault über­nom­me­nen Staats­ana­lyse nicht, daß Fou­cault teil­weise zu Recht ein „struk­tu­ra­lis­ti­scher Tota­li­ta­ris­mus“ vor­ge­wor­fen wor­den ist, da er auch bei „getrennt von­ein­an­der ver­lau­fen­den“ Ent­wick­lun­gen eine „geheime Kohä­renz“ behaup­tete (Plumpe/​Kammler 1980, 191). Wird Alt­hus­ser durch die Brille Fou­caults gele­sen, dann liegt also in der Tat der Vor­wurf nahe, den Staat als unüber­wind­bar dazu­stel­len (s. oben).
Und ande­rer­seits (dies zur Stra­te­gie der Auto­rIn­nen) insis­tiert Fou­cault „auf einer strikt regio­na­len Poli­tik, die keine gesamt­ge­sell­schaft­li­che Syn­these anvi­siert, son­dern auf sek­to­ra­len und spe­zi­fi­schen Erfah­run­gen beruht, die sich heute in viel­fäl­ti­gen Pro­test­be­we­gun­gen unter­schied­lichs­ter Pro­ve­ni­enz arti­ku­lie­ren“. Die­ses Insis­tie­ren „ver­steht sich als kri­ti­sche Alter­na­tive zu die­ser mar­xis­ti­schen Theo­rie und Pra­xis. (…). Indes­sen führ­ten sie (die Werke Alt­hus­sers, d. Verf.) zu einem völ­lig ande­ren Ergeb­nis, (…), indem sie die Kon­zepte der ’struk­tu­ra­len‘ oder ‚met­o­ny­mi­schen‘ Kau­sa­li­tät und der Über­de­ter­mi­nie­rung ein­füh­ren, die ihnen erlau­ben, sich dem Pro­blem der kom­ple­xen Glie­de­rung sozia­ler For­ma­tio­nen zu nähern, ohne sie reduk­tio­nis­tisch auf­zu­lö­sen oder dem ‚Spiel‘ der Kon­tin­gen­zen zu über­las­sen. Damit deu­tet sich die Mög­lich­keit einer Poli­tik an, die weder der ‚rei­nen‘ Spon­ta­nei­tät ver­traut noch auf die Instanz einer (Staats)-Partei setzt, die sich des ‚Welt­geis­tes‘ inne wähnte.“ (Plumpe/​Kammler 1980, 215).
Denn Alt­hus­ser ging der Frage nach, „wie gesell­schaft­li­che Ver­än­de­rung zu den­ken ist, ohne daß wir das abso­lute hegel­sche Wis­sen (…) vor­aus­set­zen“ und „Ansätze“ dafür „fin­den sich in der Tat bei Lenin“ (Wolf 1982, 209). Denn es war Lenin, der im Gegen­satz zum Hegel-​​Marxismus Lukács‘ immer wie­der die Not­wen­dig­keit der „kon­kre­ten Ana­lyse der kon­kre­ten Situa­tion“ (LW 31, 154) betonte. „Glau­ben wir“ also im Gegen­satz zu den land­läu­fi­gen Vor­ur­tei­len „nicht, daß die Ortho­do­xie gestatte, irgend etwas auf Treu und Glau­ben anzu­neh­men, daß die Ortho­do­xie eine kri­ti­sche Wen­dung und Wei­ter­ent­wick­lung aus­schließe, daß sie es gestatte, his­to­ri­sche Fra­gen durch abs­trakte Sche­mata zu ver­dun­keln.“ (LW 4, 83). Glau­ben wir aller­dings auch nicht, daß es die „kri­ti­sche Wen­dung und Wei­ter­ent­wick­lung“ recht­fer­tigt, revo­lu­tio­näre Poli­tik mit Deleuze dar­auf zu beschrän­ken, „‚Ich‘ zu sagen“ oder es sein zu las­sen, und sie dem „‚Spiel‘ der Kon­ti­gen­zen zu über­las­sen“! (mehr…)

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