
Der indymedia-Bericht über unsere Transpi- und Flugi-Aktion beim Berliner Stutwalk löste – neben kruder Pöbelei (siehe dazu dort) – einige ernsthafte Einwände und Bedenken gegen unsere Parole von der ‚Abschaffung der Männer‘ aus. Der besseren Lesbarkeit und Übersichtlichkeit wegen werden hier im folgenden die sich direkt auf einander beziehendenen indymedia-“Ergänzungen“ (Kommentare) direkt gegenübergestellt und zwar zu folgenden Themen:
► Nur Männer abschaffen? – Oder: Alle Geschlechter abschaffen?
► Zum Verhältnis von ‚Männlichkeit’ und ‚Mannsein’
► Verständnisschwierigkeiten und Erklärungsversuche (evtl. bietet es sich an, die Lektüre mit dieser Diskussion zu beginnen, statt der Chronologie der Kritiken zu folgen)
► Wessen „dogmatische Engstirnigkeit“?
► Hartes Faktum „Muttermilch“?
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Gesellschaftliche Kämpfe statt Staatsgläubigkeit, Menschheits- und Gerechtigkeitsgesülze
I. Meine analytische Methode geht nicht von „dem Menschen“ aus
„meine analytische Methode, die nicht von dem Menschen, sondern der ökonomisch gegebnen Gesellschaftsperiode ausgeht,“
II. Denn „der Mensch“ existiert nur im Dunsthimmel der philosophischen Phantasie
Die „französische sozialistisch-kommunistische Literatur [… hörte] in der Hand des Deutschen auf[…], den Kampf einer Klasse gegen die andre auszudrücken, so war der Deutsche sich bewußt, die ‚französische Einseitigkeit‘ überwunden, statt wahrer Bedürfnisse das Bedürfnis der Wahrheit und statt der Interessen des Proletariers die Interessen des menschlichen Wesens, des Menschen überhaupt vertreten zu haben, des Menschen, der keiner Klasse, der überhaupt nicht der Wirklichkeit, der nur dem Dunsthimmel der philosophischen Phantasie angehört.“
III. Gerechtigkeit – eine konservative, an die jeweils herrschende Produktionsweise gebundene Parole
„Inhalt [der Verträge] ist gerecht, sobald er der Produktionsweise entspricht, ihr adäquat ist. Er ist ungerecht, sobald er ihr widerspricht. Sklaverei, auf Basis der kapitalistischen Produktionsweise, ist ungerecht; ebenso der Betrug auf die Qualität der Ware.“
„Statt des konservativen Mottos: ‚Ein gerechter Tagelohn für ein gerechtes Tagewerk!’, sollte sie auf ihr Banner die revolutionäre Losung schreiben: ‚Nieder mit dem Lohnsystem!’“
„Wo der Klassenkampf als unliebsame oder ‚rohe’ Erscheinung auf die Seite geschoben wird, da bleibt als Basis des Sozialismus nichts als ‚wahre Menschenliebe’ und leere Redensarten von ‚Gerechtigkeit’.“
V. Der Sozialismus ist nicht die Realisation der von der französischen Revolution in Umlauf geworfenen Ideen
„Damit ist also [im Warentausch] die vollständige Freiheit des Subjekts realisiert. Freiwillige Transaktion; Gewalt von keiner Seite; […]. Wenn so die Zirkulation nach allen Seiten eine Verwirklichung der individuellen Freiheit ist, so bildet ihr Prozeß als solcher betrachtet […] die völlige Realisation der gesellschaftlichen Gleichheit. […]. Die Gleichheit dessen, was jeder gibt und nimmt, ist hier ausdrückliches Moment des Prozesses selbst. […]. Der in der Zirkulation entwickelte Tauschwertprozeß respektiert daher nicht nur die Freiheit und Gleichheit, sondern sie sind sein Produkt; er ist ihre reale Basis. […]. Es ergibt sich daher der Irrtum jener Sozialisten, namentlich der französischen, die den Sozialismus als Realisation der von der französischen Revolution nicht entdeckten, sondern historisch in Umlauf geworfnen bürgerlichen Ideen nachweisen wollen, und sich mit der Demonstration abmühen, daß der Tauschwert ursprünglich (in der Zeit) oder seinem Begriff nach (in seiner adäquaten Form) ein System der Freiheit und Gleichheit aller, aber verfälscht worden sei durch Geld, Kapital etc.“
V. Die ArbeiterInnenklasse kann die gegebene Staatsmaschinerie nicht einfach in Besitz nehmen, sondern muß sie zerschlagen
„die Arbeiterklasse kann nicht die fertige Staatsmaschinerie einfach in Besitz nehmen und diese für ihre eignen Zwecke in Bewegung setzen.“
„If you look at the last chapter of my Eighteenth Brumaire you will find that I say that the next attempt of the French revolution will be no longer, as before, to transfer the bureaucratic-military machine from one hand to another, but to smash it, and this is essential for every real people’s revolution on the Continent.“
„Es ist keineswegs Zweck der Arbeiter, die den beschränkten Untertanenverstand losgeworden, den Staat ‚frei’ zu machen. […] die Staatsformen [sind] freier oder unfreier im Maß, worin sie die ‚Freiheit des Staats’ beschränken.“
„Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, daß ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung.“
Die Zitate als .pdf-Datei.
Zu der hiesigen Auseinandersetzung, ob es in einer sozialistischen Übergangsgesellschaft möglich ist, auf Geld als universellem Äquivalent zu verzichten (l – 06. September 2009 um 17:28 Uhr [zu TaP – 06.09.2009; 17:17 h: „Geld (gibt’s im Sozialismus noch)“] und folgende Kommentare), gab es kürzlich beim Mädchenblog einen Nachschlag.
Ich dokumentiere hier die entsprechenden Kommentare:
►► star wars – 26. Oktober 2009 um 19:28 Uhr
@TaP
1. Hartz IV liegt deutlich unterhalb des soziokulturellen Existenzminimums. Wieviel erträumen sich die Existenzgeld-Fans? 1.000 Euro? 1.500 Euro? + Miete? – und das alles bedingungslos? Schwachsinn, der auch im Sozialismus nicht möglich sein wird. Kam damals ein Gegenargument? Nein. Kam jetzt eins? Nein.
Was nötig ist wird im Kommunismus hergestellt. (mehr…)
[Dieser Text kombiniert Auszüge aus zwei Kommentaren, die ursprünglich am 13.10. und 24.10.2009 beim Mädchenblog veröffentlicht und für die hiesige Wiederveröffentlichung leicht überarbeitet wurden.
Für Repliken und meine Erwiderungen darauf siehe am Erstveröffentlichungsort.]
I. Was macht Subjekte aus: Ein ‚innerer Wesenskern‘ oder Determination durch widersprüchliche gesellschaftliche Einflüsse?
@ earendil – 12. Oktober 2009 um 12:44 Uhr
„Ich halte diese bewussten Einflussmöglichkeiten auf den Geschmack (mal ganz abgesehen davon, dass ich sie überflüssig bis schädlich finde) aber für sehr begrenzt, s. nochmals das Bsp. von homophoben Homosexuellen, deren Sexualität überhaupt nicht mit ihrer politisch-moralischen Agenda zusammengeht und die trotzdem nicht davon lassen können.“
Woraus erklärt sich dieses Phänomen? Nicht aus einem ‚inneren‘ Pesönlichkeitskern, sondern aus der schon mehrfach erwähnten Widersprüchlichkeiten der gesellschaftlichen Verhältnisse: (mehr…)
Dieser Text erschien am 08.04.1999 in: interim. Wöchentliches Berlin-Info Nr. 473 auf Seite 24-31. Die Unterschrift unter dem Text war dort – versehentlich oder absichtlich – dem redaktionellen layout zu Opfer gefallen.
(Die Dokumentation eines Tagesspiegel-Kommentars vom 20.02.1999, S. 8 [auf S-5 des Textes] fehlt nur in der erhalten gebliebenen digitalen Version; in der gedruckten Version war er vorhanden.)