Tag-Archiv für 'mã¤dchenblog'

@ Mädchenblog: Habt Ihr nicht eine Kleinigkeit vergessen?! ;-)

Der Mädchenblog schreibt, „Frauenpolitik? In Deutschland ist das kein Thema mehr. Hierzulande gibt es, um der demographischen Apokalypse zu entgehen, nur noch Familienpolitik. Und diese zeigt Erfolge: In Deutschland arbeiten Mütter immer weniger.“, und zitiert dann aus einem taz-Artikel:

„Demnach arbeiteten westdeutsche Mütter, die beispielsweise Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren hatten, im Jahr 2000 durchschnittlich 18,7 Wochenstunden. 2007 waren es nur noch 16,7 Wochenstunden. In Ostdeutschland sank die Wochenarbeitszeit sogar von 27,9 auf 23,4 Stunden.“

Habt Ihr da nicht etwas Entscheidendes vergessen?! Daß Mütter weniger bezahlte Erwerbsarbeits leisten (das ist doch in dem taz-Artikel gemeint1), heißt doch jedenfalls nicht zwangsläufig, daß Mütter schlichthin weniger arbeiten. Die Erwartung an den Aufwand, den eine „gute Mutter“ heute treiben muß, um heutezutage bspw. schon im frühen Grundschulalter die Zweisprachigkeit der Kinder und auch ansonsten eine umfassende Bildungsaspiration sicherzustellen, dürfte doch um einiges höherliegen als bspw. noch im Jahr 2000 oder gar – um noch eine andere Zahl zu nennen – 1963, oder nicht?!

  1. „‚Viel stärker als der Kita-Ausbau wirken Kräfte, die in die gegensätzliche Richtung ziehen wie das Ehegattensplitting und die geringfügige Beschäftigung.‘ Beides stelle ‚niedrige Anreize für Frauen, Vollzeit einzusteigen‘, sagt die Forscherin.“ [zurück]
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Zu meinem Ausscheiden aus dem Mädchenblog-Kollektiv

(Vgl. http://maedchenblog.blogsport.de/2010/11/04/1114/#comment-47411)

1. Daß es verschiedene Feminismus-Verständnisse gibt, heißt nicht, daß es keinen Unterschied zwischen feministischen und nicht-feministischen Praktiken gibt.

2. Der Tag, wo ich Julinoirs Wieder-Verschwesterungsangebot annehme werde („bis du in der Lage bist, dein verletzendes und diskriminierendes Verhalten zu reflektieren.“) wird nicht kommen. Auch unsere eigenen Praxen stehen nicht außerhalb der Kritik. Diesbzgl. bin ich in der Tat ‚verbohrt‘ und „dogmatisch“.
Und das ist in der Tat die zentrale Frage, die schon bei der letztjährigen BDSM-Diskussion beim Mädchenblog zur Debatte stand: Dürfen sexuelle Praxen nicht kritisiert werden, weil sie Sex, weil sie privat sind? Ist derartige Kritik per se verletztend und unzulässig? Oder gibt es sehr wohl legitime politische Kriterien (die über den bloßen Konsens der unmittelbaren Beteiligten hinausgehen) für die Beurteilung von sexuellen Praxen?1

3. Da BSDM meiner Überzeugung nach (mit kleinen Ausnahmen, die aber in den bisherigen Diskussionen von den BDSM-VerfechterInnen nie konkretisiert wurden [s. noch mal die Beiträge zu Ironie und Brechungen]) das HERRSCHENDE Verständnis von Sexualität reproduziert, sehe ich mich auch in keiner Weise verpflichtet BDSM-VerfechterInnen eine Definitionsmacht darüber zuzugestehen, ob meine Kritik an BDSM „diskriminierend“ ist.2

  1. Diese Fragen wurden schon im vergangenen Jahr vom Mädchenblog nicht kollektiv beantwortet. Der Ausschluß der seinerzeitigen Autorin „Mirabella“ erfolgte nicht wegen deren Ent-Politisierung des Sexuellen, sondern wegen Kommentaren, die sie vorher zu anderen Themen abgegeben hatte: „leider war uns nicht bewußt, daß Mirabella sich in den Kommentaren schon – unter dem Nickname „lili“ – an Diskussionen beteiligt hat, und das mit Positionen, die wir vom Mädchenblog unter keinen Umständen (mit-)vertreten möchten. Daher wird Mirabella als Autor_in gelöscht.“ [zurück]
  2. PS.: Für den Mädchenblog-Leser mit der Leseschwäche – der DUDEN schreibt: ‚jemanden […] unterschiedlich behandeln und damit in den Augen der anderen herabsetzen“. Welche unterschiedliche ‚Behandlung‘ von BDSM-lerInnen und Nicht-BDSM-lerInnen nehme ich denn vor? Liegt meine kolossale Diskriminierungs-Handlung darin, daß mich an BDSM-Handlungen nicht beteilige? -
    Der gleiche Leser schreibt: „so etwas wie feministischen (genauso wie revolutionären) sex gibt es nicht. wenn überhaupt(!), so ist doch nicht die handlung das feministische, sondern die reflexion darüber.“ – Deutschland – das Geistesland: Die Gedanken sind (so halbwegs) frei (aber ‚zu radikal‘ sein dürfen sie auch nicht), aber die Handlungen danach ausrichten – oh welch‘ furchtbares terroristisches – um nicht zu sagen: materialistisches – Ansinnen.
    Ich bin gespannt, ob dieser Abgesang für feministische Praxis dort unwidersprochen stehen bleibt…
    [zurück]
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Neue Text von mir beim Mädchenblog (aktualisiert)

► Judith Butler über „soziale Gerechtigkeit“ sowie high und happy in den Straßen feiern (Interview) [mit Anmerkungen]
http://maedchenblog.blogsport.de/2010/06/22/judith-butler-ueber-soziale-gerechtigkeit-sowie-high-und-happy-in-den-strassen-feiern-interview/

► Noch ein paar Nachträge: Butler und der Berliner CSD
http://maedchenblog.blogsport.de/2010/06/22/noch-ein-paar-nachtraege-butler-und-berliner-csd/ (mehr…)

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Subjekt-Konstituierung und Materialismus der Praxis

[Dieser Text kombiniert Auszüge aus zwei Kommentaren, die ursprünglich am 13.10. und 24.10.2009 beim Mädchenblog veröffentlicht und für die hiesige Wiederveröffentlichung leicht überarbeitet wurden.
Für Repliken und meine Erwiderungen darauf siehe am Erstveröffentlichungsort.]

I. Was macht Subjekte aus: Ein ‚innerer Wesenskern‘ oder Determination durch widersprüchliche gesellschaftliche Einflüsse?

@ earendil – 12. Oktober 2009 um 12:44 Uhr

„Ich halte diese bewussten Einflussmöglichkeiten auf den Geschmack (mal ganz abgesehen davon, dass ich sie überflüssig bis schädlich finde) aber für sehr begrenzt, s. nochmals das Bsp. von homophoben Homosexuellen, deren Sexualität überhaupt nicht mit ihrer politisch-moralischen Agenda zusammengeht und die trotzdem nicht davon lassen können.“

Woraus erklärt sich dieses Phänomen? Nicht aus einem ‚inneren‘ Pesönlichkeitskern, sondern aus der schon mehrfach erwähnten Widersprüchlichkeiten der gesellschaftlichen Verhältnisse: (mehr…)

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Kann es eine Gleichheit verschiedener Geschlechter geben?

[Dieser Text wurde ursprünglich am 13.10.2009 – zusammen mit Ausührungen zu anderen Themen – als Kommentar beim Mädchenblog veröffentlicht und für die hiesige Wiederveröffentlichung leicht überarbeitet.
Für Repliken und meine Erwiderungen darauf siehe am Erstveröffentlichungsort.]

I. Ist der unterschiedliche Habitus von Männern und Frauen völlig okay?
II. Gleichheits-Illusion oder Überwindung der Geschlechter?
III. Der Kommunismus sind nicht 5 Milliarden Robinsonaden
IV. Feminismus = umgedrehter Sexismus?

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Was heißt Reproduktion der HERRschenden Verhältnisse?

Theorie als Praxis verteidigt beim Mädchenblog die These

„Der Sexismus / das Patriarchat, die Dominanz von Männern über Frauen, ist auch in der heutigen Gesellschaft nicht nur ein Relikt der Vergangenheit. Und: Sexismus und Patriarchat werden auch durch Sex, durch die Verteilung der Rollen von Aktivität und Passivität, von penetrieren und penetriert werden, und eben auch – und vielleicht sogar in noch extremerer Weise (durch schlagen und geschlagen werden) – bei BDSM reproduziert, indem es nämlich erstens weitaus mehr an BDSM Interessierte Männer als Frauen zu geben scheint und unter den Männern wiederum der Anteil der Dominanten deutlich höher ist als unter den Frauen.“

Gegen die These von laylah:

„dass sich der sexismus im bdsm reproduziert, heißt nicht, dass bdsm sexismus reproduziert.“ (Hv. i.O.)

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Zur Kritik des marxistisch-gegenstandpunklerischen Kleinredens von Sexismus und Patriarchat

Einige grundsätzliche Bemerkungen über das Verhältnis von Marxismus und Feminismus, ‚Privatem‘ und Politischen aus Anlaß der SM-Debatte beim Mädchenblog

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Mädchenblog von Maskulinisten-Freundin „Mirabella“ unterwandert?

Die Möglichkeit, den Beitrag von Mirabella zu SM beim Mädchenblog (vgl. hier 1, 2 und 3) zu kommentieren, ist mittlerweile deaktiviert. Zuvor hatte einE NutzerIn „ungläubig“ hartnäckig die Vermutung geäußert, daß hinter diesem Beitrag die gleiche Person steckt, die sich auch schon u.a. in einem Maskulinisten-Forum antifeministisch äußerte.1
Dies schien mir zunächst ein etwas schwaches Indiz zu sein: Nickname-Doppelung gibt’s öfters, Antifeminismus noch öfter. Bliebe noch die maso-SM-Identität, die wahrscheinlich einen etwas kleineren Kreis betrifft.

Die komplette Deaktivierung der Kommentarfunktion und auch das Schweigen der anderen MacherInnen des Mädchenblogs machten mich nun doch ein bißchen stutzig, und ich habe auch mal gegooglet.

Im blog von Mademoiselle Nocturne kommentiert auch eine Mirabella. In einem Kommentar geht es auch um SM – und wird Gerechtigkeit für Heteros/as eingeklagt:

„Mirabella hat gesagt…
Auf jeden Fall sehr schöne Bilder!
Aber du solltest Abstand nehmen von dem Klischee einer ‚vorzugsweisen schwulen SM Szene‘!
Montag, 7. September 2009 11:27 Uhr +02:00

Und in einem anderen Kommentar wird der Playboy (wenn auch vorsichtig-vergleichend) gelobt:

„Mirabella hat gesagt…
Selbst der Playboy hat zum Teil interessanteres und inhaltsvolleres als die meisten Frauenzeitschriften.
Montag, 7. September 2009 11:35 Uhr +02:00

Und bei politik-forum.eu, das „ungläubig“ schon erwähnte, gibt es einen Beitrag einer „Mirabella“, die sich selbst Mädchenblog-Leserin bezeichnet (was „ungläubig“ noch nicht erwähnte) und den Mädchenblog wie folgt kritisiert:

„Betreff des Beitrags: Feministinnen und häusliche Gewalt Verfasst: Mo 29. Jun 2009, 18:00
Ich lese seit einiger Zeit auf dem mädchenblog (http://maedchenblog.blogsport.de). Und vor kurzem ist da ein Beitrag erschienen, bei den es um ein ‚intelligentes Plakat‘ gegen häusliche Gewalt geht, auf dem ein Mann eine Frau schlägt, solange niemand hinsieht.
Erstmal eine sehr interessante und gute Kampagne.
Aber als ich die Diskussion (Kommentare) zu dem Thema las, war ich etwas geschockt, wie dort mit Menschen umgegangen wird, die darauf aufmerksam machen, dass nicht nur Frauen Opfer häuslicher Gewalt sind.
Warum sind Feministinnen (hier speziell die dort schreibenden) so empfindlich, wenn es um das Thema häusliche Gewalt geht. Warum kann nicht eingesehen werden, dass das Thema beide Geschlechter angeht?
Wie sehen die Personen hier im Forum das?
_________________
Das Denken ist zwar allen Menschen erlaubt, aber vielen bleibt es erspart.
Meine Gedannken sind zu finden unter: http://www.my-little-world.overblog.de“ (http://www.politik-forum.eu/viewtopic.php?f=22&t=10672)

In dem verlinkten blog, den auch „ungläubig“ schon erwähnte, geht es auch um SM (http://my-little-world.over-blog.de/pages/BDSM-1513485.html), und es wird beklagt:

„jaja, wenn man nicht die für Frauen geschaffenen Privilegien auf Kosten der Männer genießen kann, sondern im Gegenteil eine Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern anstrebt, ist man unglaubwürdig…“

Naja, ich bin gespannt, wie es weitergeht, gehe aber erst einmal schlafen.

Vgl. auch:
http://femkomm.blogsport.de/?p=2.
und die anderen Beiträge in diesem blog:
Das Blog hier dient einzig und alleine dem Posten von Kommentaren und Stellungnahmen, die auf dem Mädchenblog gepostet worden sind, aber gelöscht wurden, oder dort noch gepostet worden wären. Auf Antwort an anderer Stelle werde ich antworten, nach Möglichkeit vor Ort, bei Zensur hier.

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Ist das Patriarchat abgeschafft?

[Noch zwei (30.09; 14:36 h) weitere (30.09; 15:31 h) meiner Kommentare aus der SM-Diskussion beim Mädchenblog]

@ Mirabella – 30. September 2009 um 12:40 Uhr

I. Die Grundsatzdifferenz

Mir scheint, Du definierst Diskriminierung so, daß diese nur vorliegt, wenn irgendetwas gegen den Willen einer der beteiligten Personen erfolgt – und alles andere ist Deines Erachtens auch politisch kein Problem.1
Definieren kannst Du natürlich wie Du willst, aber bei der politischen Bewertung würde ich Dir widersprechen, und deshalb scheint mir auch ein weiterer Begriff von „Diskriminierung“ (wenn wir denn den Ausdruck überhaupt verwenden wollen) sinnvoll.
Herrschaft und Ausbeutung (diese Begriffe sind m.E. vorzuziehen) liegen auch dann vor, wenn die Beherrschten und Ausgebeuteten mit diesen Verhältnissen einverstanden sind. Diese Begriffe bezeichnen objektive Sozialstrukturen, nicht die Haltung von einzelnen Subjekten dazu. Sklavenarbeit ist Ausbeutung, auch wenn die Sklavin gerne Sklavin ist (oder sich nichts anderes vorstellen kann); Leibeigenenarbeit ist Ausbeutung, auch wenn der Leibeigene gerne Leibeigner ist; Lohnarbeit ist Ausbeutung, auch wenn die ArbeiterInnen ihre Arbeitsverträge freiwillig unterschreiben. Hausarbeit, verrichtet von Frauen für Männer gegen eine bloße ‚Aufwandentschädigung‘ (gesetzlicher Unterhalt oder sogar nur Taschengeld oder sogar ganz ohne Gegenleistung, falls die Hausfrau über [geerbtes] Vermögen verfügt), ist Aneignung von Frauenarbeit durch Männer; ist Ausbeutung. Und es ist immer noch Ausbeutung, wenn es sich um eine queere Haus-femme und eine queere butch (ob schwul oder lesbisch) handelt.
Und da Herrschaft nicht zwangsläufig mit Maschinengewehren ausgeübt wird, sondern auch – und in der Regel – mittels Ideologischer Staatsapparate, liegt auch Herrschaft nicht erst dann vor, wenn die Leute mit vorgehaltener Waffe zu etwas gezwungen werden.2

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Noch einmal zu SM und Politik

Anläßlich der Diskussion beim Mädchenblog hat sich Thiel Schweiger (1, 2) folgendes vorgenommen:

„Neben linken Autoritäten wie Adorno sind es etwa Alice Schwarzer, Robert Kurz, das so genannte Berliner Instititut für Faschismusforschung und wohl generell die meisten Freudomarxist_innen [, die die Ansicht vertreten, „dass SM politisch kritikabel ist und die äußeren Machtverhältnisse im Privaten reproduziert“]. Auch links orientierte Schriftsteller_innen wie Heinrich Mann (Der Untertan) und Klaus Mann (Mephisto) dürften in diese Reihe gehören. In der Debatte, auf die ich direkt Bezug nehme, machte der Blogger von Theorie als Praxis diese Position stark, die er auf seinem Blog in zwei Beiträgen expliziert. An seinem Beispiel hoffe ich, diesen Diskurs generell kritisieren zu können.“ (meine Hv.)

1.

Der Versuch die genannten Positionen anhand meines Beispiels zu kritisieren, ist von vornherein auf ziemlichen sandigem Boden gebaut. Zwar mögen alle Genannten SM für politisch kritisierenswert halten und der Ansicht seinen, daß SM dahin tendiere, gesellschaftliche Machtgefälle reproduzieren. Nur – soweit ich die von T.S. genannten Positionen kenne, habe ich ganz andere Vorstellungen davon, wie die hiesigen gesellschaftlichen Verhältnisse funktionieren – und folglich auch ganz andere Vorstellungen davon, was es heißt, dieses würden durch SM reproduziert. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen:

â–º Ich bin keine FreudomarxistIn. (Sofern ich überhaupt eine Meinung zur Psychoanalyse habe, tendiere ich eher zur entgegengesetzten lacanistischen Richtung. Aber eigentlich muß ich sagen: Freud habe ich praktisch nicht gelesen; mein Versuch vor ca. 15 Jahren meine Uni-Zwischenprüfungsarbeit über Lacan zu schreiben, war in meinen Augen ziemlich gescheitert [die Prüfungskommission ließ mich freundlicherweise trotzdem ins Hauptstudium]. Und überhaupt verstehe ich eigentlich nicht, worum es bei der Psychoanalyse geht. – Ich halte mich eher an bodenständigere Themen.)

► Ich bin auch keine Adorno-AnhängerIn. Mit der Frankfurter Schule bin ich rundheraus nicht einverstanden1, und auch konkret mit dem von T.S. angeführten Adorno-Zitat zu SM bin ich nicht einverstanden.

► Schon gar nicht bin ich mit Robi Kurz einverstanden. (Einige Jahre nach meiner gescheiterten Zwischenprüfungsarbeit hatte ich mal ein Krisis-Heft in der Hand und festgestellt, daß dieser Ansatz weitere Beschäftigung nicht lohnt.) Auch das von T.S. konkret angeführte Kurz-Zitat ist mir zu esoterisch.

â–º Wer das „so genannte Berliner Instititut für Faschismusforschung“ ist und warum es ein „so genanntes“ ist, ist mir nicht bekannt – auch nicht die Positionen, die dort vertreten werden.

â–º Auch mit den Manns kenne ich mich nicht aus. Ich bin wirklich ungebildet.

► Zutreffend ist, daß die PorNo-Kampagne der Emma vor mehr als 20 Jahren meine politische Positionsbildung zu dieser Frage beeinflußt hat. Aber als Theoretikerin ist Schwarzer für den Feminismus nun wirklich nicht ausschlaggebend, und auch ihre politische Positionierung in vielen anderen Fragen finde ich falsch. Das an der alten PorNo-Position, was mir richtig erscheint (also durchaus nicht alles), ist m.E. sehr gut auch mit avancierteren theoretischen feministischen Positionen (vgl. hier) vereinbar.

Ich werde daher auf den ganzen ersten Teil des Textes von T.S. (vor den ersten drei ***) nicht weiter eingehen. Auch hinsichtlich der vagen Andeutungen zu Pädophilie beschränkte ich mich – aus Zeitgründen – darauf, erhebliche Vorbehalte anzumelden (die von T.S. erwähnte Debatte zu dem Thema habe ich nicht zur Kenntnis genommen).

2.

Ich beschränke mich daher im folgenden darauf, auf den direkt mir gewidmeten zweiten Teil einzugehen. Auch da kann ich meine Position nicht wirklich wiedererkennen – wahrscheinlich, weil T.S. meine Stellungnahmen vor einer freudomarxistischen Folie liest, die aber in meinem Fall überhaupt nicht passend ist.

[TaP:] „Und müssen wir dann nicht berechtigterweise befürchten, daß sich die ‚zeitweilig ungleich verteilte‘ Macht in SM-Beziehungen schnell verselbständigt – besonders dann, wenn sie (wie oben dargelegt) den gesellschaftlichen Machtverhältnissen folgt?“
[T.S.:] „Dies ist nun etwas, was im SM-internen Diskurs oft genug problematisiert wird.“

Nur wurde es eben weder in dem seinerzeit von mir kritisierten AK-Artikel thematisiert, noch in dem jetzigen Beitrag von Mirabella beim Mädchenblog. Und auch T.S. wischt das Thema gleich wieder weg:

„Natürlich gibt es diese Gefahr – ‚No risk no fun‘ kann man da eigentlich nur sagen“.

Weiter macht T.S. geltend:

„Die meisten SM-Praktiken weisen überhaupt keinen direkten Bezug zu äußeren Machtverhältnissen auf.“

Nun hatte ich aber anhand der von mir ausgewerteten SM-Annoncen und der Schlagwerk-homepage aufgezeigt, daß es weit überwiegend Männer sind, die den dominanten part einnehmen wollen; auch die Wikipedia nennt eine Zahl von bloß 11 bis 28 Prozent weiblicher tops.

Gegen diese Analyse wendet T.S. ein:

„Sinnvoller wäre es gewesen, einschlägige Studien zu dem Thema, die es ja gibt, zu lesen, etwa Norbert Elbs Buch SM- Sexualität: Selbstorganisation einer sexuellen Subkultur.“

Asche auf mein Haupt. Das war wirklich eine schwerwiegende wissenschaftliche Verfehlung, daß ich im Jahre 2000 ein Buch noch nicht zitiert hatte, das erst 6 Jahre veröffentlicht wurde…

„SMer_innen, die sich freiwillig unterwerfen, da sie sie sich davon einen Lustgewinn versprechen, sind letztendlich ideologisch verblendet und nicht Ernst zu nehmen. […]. SMer_innen wird abgesprochen, ihr Glück selbst beurteilen zu können, sie werden pathologisiert.“

Die mir unterstellte Position ist – was mich betrifft – frei erfunden. Beim Mädchenblog hatte ich vielmehr geschrieben:

„es wäre anmaßend und müßig, Dir sagen zu wollen, daß Du das Falsches willst (schließlich ist es Dein Wille) – aber es ist schon möglich eine eigene politische Meinung dazu zu haben, oder?“ (30.09.; 10:59 h)

Auch ansonsten halte ich die Rede vom „falschen Bewußtsein“ (scil. ‚Verblendung‘ etc.) für falsch:
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/09/15/warum-ideologie-kein-notwendig-falsches-bewusstsein-ist-und-aus-einer-erkenntnis-nicht-automatisch-eine-bestimmte-politische-haltung-folgt/.

Und auch die Pathologisierungs-Unterstellung gegenüber SM-KritikerInnen und -SkeptikerInnen, die in dem Ausgangstext beim Mädchenblog ebenfalls enthalten ist, hatte ich bereits zurückgewiesen:

[Mirabella:] „Bei BDSM handelt es sich um eine Neigung und nicht um eine Spielerei oder eine krankhafte Perversion.“
[TaP:] „Ich würde ja altmodisch sagen: Es handelt sich um Politik. Das Sexuelle ist politisch.“ (30.09.; 10:59 h)

Weiter geht es bei T.S. wie folgt:

„Auch dass Gewalt per se etwas schlechtes ist, ist eine Meinung, die direkt aus der bürgerlichen Staatsideologie entnommen ist: es gibt nur eine Gewalt – die des Staates – und die ist eben keine. Alle andere Gewalt wird tabuisiert. Eine rationale Gewaltkritik müsste dagegen die Zwecke betrachten, denen Gewalt u.U. als angemessenes Mittel dient.“

a) Auch die mir unterstellte Position zur Staatsgewalt ist frei erfunden. 1. Ist Staatsgewalt Gewalt. 2. halte ich es für falsch, staatlicher Gewaltanwendung die These entgegenzusetzen, Gewalt sei kein Mittel der Politik (1 + Kommentar). Doch, Gewalt ist ein Mittel der Politik.
b) Gewaltanwendung gegen andere zur Befriedung der eigenen Lust („dort ist eben der Genuss der Macht primärer Trieb“ – Zitat aus einem von T.S. zur Lektüre empfohlenen Text) finde ich allerdings – gelinde gesagt – ziemlich problematisch. Wenn das Frauen im Patriarchat gegen Männer machen, und die Männer ihrerseits auch noch damit einverstanden sind, regt mich das nicht weiter auf. Wenn die Gewaltanwendung dagegen typischerweise (und so scheint es in der SM-Szene zu sein) der herrschenden Gewaltverteilung entspricht, dann ist das nichts, was ich politisch begrüßen will.

„Zudem beinhaltet seine Argumentation einen recht seltsamen Sozialdeterminismus. Die Determination, die die Gesellschaft auf die SM-betreibenden Individuen ausgeübt, geht dabei recht platt vor sich, im Sinne eines simplen, nicht weiter erklärten, Abbildungsvorgangs: hier Macht, dort Macht. Nicht erklärt wird, warum dies nur bei so wenigen Individuen funktioniert, warum es nicht wesentlich mehr SMer_innen gibt.“

Meine These geht vielmehr in die Richtung, daß SM nur eine Radikalisierung dessen ist, was im Rahmen von normaler, hetero/a/sexueller Sexualität ohnehin üblich ist, ist (1, 2, 3, 4, 5 – bei 1 und 2 jew. die Foucault-, MacKinnon- und Rich-Zitate + Kontext; die restlichen Stellen sind Kurz-Statements).

Auch seine hier schon als Kommentar gepostete Monopoly-Analogie bringt T.S. noch einmal vor. Dazu hatte ich schon geschrieben:

„Naja, ein Brettspiel ist vielleicht etwas anderes als der ‚Spielen‘ mit fremden Körpern. Und bei Monopoly werden nicht die gesellschaftlichen Rollen der konkret Spielenden reproduziert. Die ‚Rollen‘ im Spiel funktionieren völlig unabhängig von der (sonstigen) gesellschaftlichen Rolle der Spielenden, während es beim SM eine starke Tendenz gibt, daß wiederum Männer die Dominierenden sind – lt. Wikipedia 72 – 89 %.“

Auch das hier schon gepostete Foucault-Zitat führt T.S. noch einmal an. Hier erneut meine Antwort:

Foucault: „dass sie neue Möglichkeiten von Lust erfinden, indem sie bestimmte eigentümliche Partien ihrer Körper gebrauchen – indem sie diesen Körper erotisieren.“

T.S.: „Und ihr subversives Potential liegt eben tatsächlich (siehe Foucault) in der Erfindung neuer Lüste.“

Das ist sehr allgemein. Und in dieser Allgemeinheit gibt es da auch gar nichts einzuwenden. Dagegen ist das Nach’spielen‘ von Herrschaft ein sehr spezifischer Fall. Und ich habe bisher kein Argument gehört, daß mich überzeugen würde, daß es möglich ist, im Falle von SM eine halbwegs trennscharfe Unterscheidung zwischen ‚Spiel‘ und ‚Ernst‘ zu treffen.2
Der hiesige Ausgangsartikel von Mirabella und auch die seinerzeit von mir im AK kritisierten Texte sind vielmehr ein sehr starkes Indiz dafür, daß die Unterscheidung nicht möglich ist – am Ende ist auch der ‚Ernst‘ ein ‚Spiel‘, und das Patriarchat löst sich durch queer-sadomaso Voluntarismus in Luft auf.

3.

Noch einmal kurz zurück zum Anfang und dann direkt zum Ende des Textes von T.S.:

„weil die ‚Perversen‘ sich unter Druck gesetzt fühlen, den gegen sie ins Feld geführten Diffamierungen entgegenzutreten,“ / „Verdächtigungen“ / „gewohnte linksmoralisierende Gerüchteküche im Windschatten Freuds“

Welche „Diffamierungen“ gab es beim Mädchenblog? Wo ging/geht es dort um Moral? Es geht um Politik. -
Aber dieser ‚argumentative‘ Schlenker ist durchaus typisch für solche Debatten: Erst wird die politische Kritik in moralische und juristische Termini ‚übersetzt‘ statt auf der politischen Ebene zu erwidern – und dann wird in genialer Weise der vermeintliche Moralismus der Gegenposition entlarvt und umgehauen.

  1. Mit diesen Kritiken bin ich weitgehend einverstanden:
    Gareth Stedman Jones, The Marxism of the Early Lukács: an Evaluation, in: New Left Review, Iss. 70, Nov./Dec. 1971, 27 – 64 (wiederabgedruckt in: ders. et al., Western Marxism. A Critical Reader, NLB: London, 1977, 11 – 60).

    Göran Therborn, The Frankfurt School, in: New Left Review H. 63, Sept./Oct. 1970, 65 – 96 (zusammen mit Therborn 1971 wiederabgedruckt in: Stedman Jones et al. 1977, 83 – 139).
    ders., Jürgen Habermas: A New Eclecticism, in: New Left Review Iss. 67, May/June 1971, 69 – 83 (zusammen mit Therborn 1970 wiederabgedruckt in: Stedman Jones et al. 1977, 83 – 139).

    (Aus Netzwerken von Universitäts- und Staatsbibliotheken besteht ein kostenfreier Zugang zum NLR-Archiv.)

    Rolf Nemitz, Ideologie als „notwendig falsches Bewußtsein“ bei Lukács und der Kritischen Theorie, in: Projekt-Ideologie-Theorie (Hg.), Theorien über Ideologie (Argument-Sonderband AS 40), Argument: [West]berlin, 1. Aufl.: 1979, 3. Aufl.: 1986, 39 – 60.

    Steffen Kratz / Beate Verhorst, Frankfurter Schule (Adorno und Marcuse), in: Heinz Kimmerle (Hg.), Modelle der Materialistischen Dialektik. Beiträge der Bochumer Dialektik-Arbeitsgemeinschaft, Martinus Nijhiff: Den Haag, 1978, 185 – 209; online unter: http://www.trend.infopartisan.net/trd0507/t030507.html.

    Lucio Colletti, Von Hegel zu Marcuse, in: alternative H. 72/73: Literatur und Revolution. Beiträge aus Italien, Juni/Aug. 1970, 129 – 149

    [zurück]

  2. S. http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/schulze-detlef-georgia-2004-06-10/PDF/schulze.pdf, S. 187 – 190. [zurück]
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Patriarchat abgeschafft – Das Private ist wieder unpolitisch?!

[Diesen Kommentar zum Beitrag:

Feminismus und BDSM (Sadomasochismus) – unvereinbar?

beim Mädchenblog habe ich dort gerade gepostet]

Also – mich überzeugt das nicht.

„Mir scheint, dass oft Diskriminierung und Benachteiligung gesucht wird wo keine ist. Weniger Frauen haben einen guten Beruf und mehr Frauen arbeiten Teilzeit im Vergleich zu Männern. Aber das liegt nicht an der aktuellen Benachteiligung von Frauen, sondern an der Benachteiligung in der Vergangenheit: […]. Aber ältere Frauen, die in jungen Jahren noch nicht die gleichen Rechte hatten wie die jungen Frauen heutzutage, sind natürlich weiterhin noch benachteiligt, da sie in jungen Jahren nicht die gleichen guten Ausbildungen genießen konnten wie die Männer.“

Und warum verdienen auch Frauen, die auf gleicher Hierarchiestufe wie Männer arbeiten, im Durchschnitt weniger als die entsprechenden Männer?
Und warum ist Hausarbeit immer noch ganz überwiegend Frauensache – selbst bei jungen Paaren mit hoher Ausbildung und wo die Frau erwerbstätig ist (spätestens zumindest, wenn es in der Beziehung Kinder gibt)?1
Warum reproduziert sich die sexistische Arbeitsteilung selbst in transgender-Beziehungen?2
Warum gibt es weiterhin sexuelle/sexualisierte Gewalt? Und warum ist sie weiterhin in aller erster Linie Männergewalt gegen Frauen?
Warum gibt es solche Phänomene wie die Kampagne gegen Ypsilanti?3

„Gerade in einer Partnerschaft liegt eine gleichberechtigte Machtverteilung vor, die stets die Grundlage zur freiwilligen Unterwerfung bildet.“

Ich würde dagegen die These setzen wollen: Die freiwillige Partnerwahl macht die Unterwerfung attraktiv, aber auch die subjektivierende Unterwerfung (Althusser / Foucault) (hier: die Unterwerfung eines liebenden weiblichen Subjekts) ist immer noch Unterwerfung:

„Um die Liebe zwischen den Partnern nicht aufs Spiel zu setzen, verzichten die meisten Paare über weite Strecken auf eine explizite Aufrechnung, wie sie bei einer genauen Einhaltung der Partnerschaftsnorm [Gleichberechtigung, d. Vf.In] erforderlich wäre. Dadurch entsteht die Situation, daß die Beteiligung des Mannes an der Hausarbeit sich auf gelegentliche Hilfestellung und außerordentliche ‚Sonderleistungen‘ […] beschränkt.“ (Koppetsch/Burkart 1999, 319).

und
wie hier FN 1, S. 73 f., 187-189

„Demnach gibt es keinen Grund, sich bei oder vor den ‚Spielen‘ Gedanken um die äußeren Machtverhältnisse zu machen.“

Und weshalb werden dann beim ‚Spielen‘ die ‚äußeren‘ Machtverhältnisse haargenau nachgespielt?
Vgl. meine Kritik:
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2000/08/31/wessen-gewalt-hat-die-macht-sexy-zu-sein/

„Aber wenn ich masochistisch bin und einen Mann gefunden habe, der zu mir passt, mit dem ich mich perfekt ergänze, den ich liebe, warum sollte ausgerechnet dieser Mann dann mein Feind sein? Dieser Mann ist alles andere als mein Feind: Er ist mein Partner, mein Geliebter, mein ein und alles. […]. Warum wird immer wieder – gerade von Feministinnen – gefordert, Frauen sollten sich emanzipieren und nach ihrem eigenen Willen handeln, wenn es dann doch wieder falsch ist? Warum darf meine sexuelle Selbstbestimmung nicht so weit gehen, dass ich für mich entscheide, Masochistin zu sein.“

Ja, es wäre anmaßend und müßig, Dir sagen zu wollen, daß Du das Falsches willst (schließlich ist es Dein Wille) – aber es ist schon möglich eine eigene politische Meinung dazu zu haben, oder?

„Bei BDSM handelt es sich um eine Neigung und nicht um eine Spielerei oder eine krankhafte Perversion.“

Ich würde ja altmodisch sagen: Es handelt sich um Politik. Das Sexuelle ist politisch.

„Ich kann studieren und meinen Beruf ausüben, viel Geld verdienen und sagen, was ich will – und dennoch kann mein Partner mich im Bett schlagen und demütigen, weil es mir gefällt!“

Das erste Teil des Zitates scheint mir latent ein unzutreffendes Klassen-bias zu enthalten (Seximus sei ausschließlich ein Unterschichtsphänomen / eine Bildungsfrage) – und bei dem zweiten Teil stellt sich mir schon die Frage (nicht das ich erwarten/verlangen würde, daß Du das öffentlich ausbreiten willst): Warum gefällt Dir das?

„Also bei Alice Schwarzer, die sich auch deutlich gegen jede Pornografie wendet und häufig sogar fast männerfeindlich rüberkommt, war nichts anderes zu erwarten.“

Die Bemühungen um ‚feministische Pornographie‘ in allen Ehren4, aber:
a) Warum muß das dann immer noch Pornographie heißen, wenn es doch angeblich etwas ganz anderes ist?
Und b): Anfang des Jahres war ich in Wien bei einem dieser modischen post-porn-Festivals – meinen Eindruck hatte ich danach wie folgt zusammengefaßt
„Um noch mal zusammenfassend auf die Filme zurückzukommen: Soweit nicht ohnehin Schwänze, sondern Dildos gezeigt wurden, bestätigten, sie NICHT die von einer der ReferentInnen aus Preciados ‚Kontrasexuellem Manifest‘ referierte These, daß sich Dildos in Form, Farbe sowie Positionierungs-/Anbringungs- und Einsatzmöglichkeiten von Schwänzen unterscheiden statt Schwanz-Substitute zu sein. Das, was zu sehen war, schien eher auf getreulich-naturalistische Imitation in Form, Farbe, Anbringung (zwischen den Beinen) und Einsatz (haupsächlich in der Vagina: möglichst tief, in möglichst schnellem Rythmus, möglichst heftig bis gewaltsam) der männlich-heterosexuellen Normalität zu zielen.“
(mehr…)

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In den letzten Tagen gelesen

1.a) bei Just noch einen Nachtrag zu den Terminhinweisen von heute morgen: „Ab dem 6. Oktober gibts jede menge schoener Plakate, Comix & Skizzen von Trouble X bei Tante Horst (O-Strasse 45) in Kreuzberg zu bestaunen! Hier die Flyer 1 / 2.“
Dazu noch ein ergänzender Hinweis – Trouble X bei blogsport: http://troublex.blogsport.de/ – zuletzt mit einem „Wir Frauen“ gegebenen Interview.
b) bei der Mädchenmannschaft einen Hinweis auf das Feministische Musikfestival vom 24. – 29.09. in Wien

2. bei Crull. Für die Diktatur des Proletariats wurde auf Texte zu Klassismus hingewiesen und ansatzweise über sie diskutiert. l bringt dort eine treffende Kritik an Standpunkt-Epistemologien:

„schon am anfang des buches wird angeprangert, dass marx aus ner bürgerlichen familie kam – und daher sei wohl auch seine theorie arg davon beeinflusst. – AUCH DAS IST KLASSENRASSISMUS (von unten) :P
ich bin ja etwas skeptisch. „

3. Bei scharf-links gibt es eine „Marxistische Kritik an Judith Butler“ – habe ich bisher nur einmal durchgescrollt. Hingewiesen sei zumindest schon mal auf Butlers Aufsatz in der New Left ReviewMerely Cultural“ (aus Netzwerken von Universitäts- und Staatsbibliotheken kostenlos), bevor 2009 ‚vorschnell‘ allein anhand ihrer Bücher von Anfang der 90er Jahre geurteilt wird.
4.a) indymedia löscht mal wieder: den von mir dokumentierten Beitrag zu einer Aktion von Anarchos gegen Piratenparteibüro.
b) der Mädchenblog hat sich im übrigen auch kritisch zur Priatenpartei geäußert („Frauenpolitik egal“) – das hatte ich bis vergessen, in meiner Wahlübersicht zu erwähnen.
5. Der Revolutionär Sozialistische Bund (RSB) veröffentlichte einen „Leser“brief von mir zu einem Artikel in dessen Zeitschrift Avanti nebst Antwort des Autors. Thema: Richtige und falsche Kapitalismus-Kritik. Der Autor weist auf das Avanti-Schwerpunkt-Heft von 2005 „Marx statt Münte“ (Avanti 123, Juli/August 2005) hin – habe ich aber auch noch nicht gelesen.
6.a) die aus trotzkistischer Tradition kommende SoZ rezensiert das Buch von Felix Wemheuer „Maoismus. Ideengeschichte und revolutionärer Geist“
b) ergänzend sei noch auf das Maoismus-Buch von Henning Böke hingewiesen.
7. Entdinglichung wies aus Anlaß meiner Wiederveröffentlichung der Kritik der Nr. 25 der Zeitschrift Oktober („Das reformistische Schaf im autonomen Wolfspelz“) an der Autonomie Nr. 14 auf die bei Entdinglichung wiederveröffentlichte Nr. 14 von Oktober mit früher Kritik an den Grünen hin:
++ ein Überblicksartikel: „Die Parlamentarisierung der Grünen“ (S. 1 – 4)
++ eine Kritik an Buch „Die Zukunft der Grünen“ (S. 4 – 11) der seinerzeitigen Partei-Linken Rainer Trampert und Thomas Ebermann (mir scheint, die Wichtigkeit auch einer Änderungen der Konsumweise wurde in der Rezension zu sehr unterschätzt, aber im Großen und Ganzen wurde gut aufgezeigt, wie auch die Hamburger Ökosozialisten dahin tendieren, den Rechts-Links-Gegensatz einem vagen Primat der Ökologie als ‚Menschheitsfrage‘ unterzuordnen)
und
++ eine Text „Die Grünen und ihre Nation“ (S. 18 + 12 – 17), der wieder einmal beweist, daß nicht nur Antideutsche in der Lage sind und waren, linken deutschen Nationalismus-Kritik zu kritisieren.
8. Das Ende des Sex weist auf meinen – ursprünglich als Kommentar bei der Mädchenmannschaft geposteten – Beitrag „Gibt es AUSSCHLIESSLICH zwei Geschlechter?“ hin und merkt dazu an: „Diese Frage wäre zu ergänzen und in Zweifel zu ziehen, dass es überhaupt zwei Geschlechter gibt.“ – Ich hoffe, ich schaffe es in den nächsten Tagen, darauf noch einmal zurückzukommen.
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Noch einmal: Grüner Rassismus

Im Nachgang zum hiesigen Beitrag von vorgestern (Nr. 2) habe ich mich heute an der Diskussion beim Mädchenblog über die Grünen Wahlplakate in Kaarst beteiligt.

Erst schickte ich den folgenden Kommentar, dann antwortete apostel dreimal und schließlich ich noch zweimal, apostel drei weitenre Male und ich noch einmal: (mehr…)

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Gelesen (12.08.)

1. daß Eintagsfliege auf meinen gestrigen Literaturhinweis antwortet. Eintagsfliege schrieb am 7.8.:

Das „[S]chlechter-wegkommen von Frauen […] hat nämlich sehr viel handfestere Gründe als eine Unterrepräsentation in der Sprache und genau deshalb ist es so albern, wenn Leute mit diesem Mittel [der Herstellung oder Verbesserung der sprachlichen Repräsentanz von Frauen, z.B. durch das große „I“ oder Tiefstrich + Anfügung der Feminin-Endung, TaP] meinen, dagegen anstinken zu können.“

In Anbetracht der handfesten Naivitität eines Politikverständnisses, das meint, Politik (in der Sprache von Eintagsfliege: „dagegen anstinken“) auf ihre handfesten Formen reduzieren zu können, machte ich gestern einen Literaturhinweis [Abschnitt II.2.c) und d)] zum Thema Sprache, Ideologie und Hegemonie. Bereits gestern antwortete Eintagsfliege:

„Aber um einen Punkt zu machen, Detlef, im Sinne des Interim-Papiers [auf das ich verwiesen hatte], ‚Zwischen uns und dem Feind einen klaren Trennungsstrich ziehen‘: ‚Ernsthafte Kritik setzt voraus, daß der Kritiker sich im Anspruch kommunistischer Politik mit uns einig weiß. Darunter geht nichts.‘ (aus: Resultate der Arbeitskonferenz, Programmatische Erklärung der Roten Zellen/AK)“

Das ist eine erfreulich deutliche Ansage. Erfreulich ist nicht nur die Deutlichkeit, sondern ebenfalls, daß damit auch klargestellt ist, daß wir es hier nicht mit einem graduellen Konflikt zwischen unzureichender Sprachkritik und handfesten Maßnahmen gegen das „[S]chlechterwegkommen von Frauen“, sondern vielmehr mit einem grundlegenden Interessenkonflikt zu tun haben. Wir könnnen daher – entgegen der anfänglichen Rhetorik von Eintagsfliege – zwangslos annehmen, daß Eintagsfliege für handfesten Maßnahmen gegen das „[S]chlechterwegkommen von Frauen“ erst recht nicht zu gewinnen sein wird. Soweit, so klar.

Alles weitere ist allerdings unklar:

a) Unklar ist schon, welchen Sinn es haben soll, die Diskussion auf eine Diskussion unter KommunistInnen zu beschränken, wenn der Anteil von KommunistInnen (in all ihren Schattierungen) an der Gesamtbevölkerung vielleicht 3 % beträgt. – Ach ja, ich vergaß: Fragen der Ideologie, der Hegemonie, der Sprache, also auch Diskussionen, sind ja nicht handfest genug – völlig überflüssig für „kommunistische Politik“.

b) Unklar ist ebenfalls, ob
â–º Eintagsfliege mir oder dem verlinkten Text den kommunistischen Anspruch bestreitet (und, falls ja, mit welchem Argument)
oder
â–º ob er diesen gar nicht zur Kenntnis genommt hat, weil Texte mit Sprache zu tun haben, Sprache nicht handfest genug ist – und folglich Texte ohnehin nicht genau zur Kenntnis genommen werden müssen
oder
► er sich vielmehr an dem kommunistischen Anspruch stößt und von antikommunistischer Seite aus einen antagonistischen Widerspruch aufmacht.

c) Warum ihn mein Hinweis auf die Gesichtspunkte von Ideologie, Hegemonie und Sprache nicht überzeugt, bleibt schließlich auch noch unklar. – Aber Argumente vorbringen, hätte ja auch etwas mit Sprache zu tun – und wäre deshalb mangels Handfestigkeit ebenfalls untunlich.

Alles klar.

2. daß der Mädchenblog berichtet, daß sich die Grünen in Kaarst dachten, wenn sex sells bringt Sex vielleicht auch WählerInnen-Stimmen – und ein Plakat mit weißen Händen, die einen nakten schwarzen Po greifen, mit dem Slogan „Der einzige Grund, schwarz zu wählen“ drucken ließen. Die Initiative Schwarzer Deutscher kritisiert:

Die Weißen Frauenhände“ – mehr als, daß die weißen Hände lackierte Fingernägel haben, ist zu dem gender-Thema allerdings auf dem Plakat nicht zu sehen – „grapschen, der Schwarze Körper ist passive Verfügungsmasse für die Assoziationen der WählerInnenschaft. […]. Schwarze Menschen werden zu Sexobjekten und Spielzeugen einer weißen Gesellschaft degradiert und diffamiert, die offenbar keinen besseren Grund sieht einen Schwarzen Menschen zu ‚wählen‘, außer seiner Sexualität.

Ergänzend sei noch gesagt, daß das Bild (die verfügenden weißen Hände) durch den Text noch verstärkt wird: „Der einzige Grund, schwarz zu wählen“
â–º Es heißt nicht etwa: „Ein guter Grund, …“ – sondern „Der einzige Grund, …“. – Und das ist auch kein Zufall: Denn anderenfalls würde aus der Anti-Werbung gegen die CDU, eine Werbung für die CDU. Mit „Ein guter Grund, …“ würde nämlich – im Rahmen der Verknüpfungslogik des Wahlplakates – die Schlußfolgerung nahegelegt: „Wenn Sex mit Schwarzen, warum dann nicht auch schwarz wählen?“ Dies macht den Vorwurf der Initiative Schwarzer Deutscher vollauf berechtigt, daß die Grünen mit dem Plakat „Schwarze Menschen [für] eine ‚humorvoll‘ beabsichtige Kampagne instrumentalisieren“.
â–º Die greifenden Hände sind auf dem Plakat das Subjekt der sexuellen Wahl und das wählende Subjekte wird von den Grünen anscheinend auch als ausschließlich weiß imaginiert, denn das Plakat ‚funktioniert‘, wenn sich weiße WählerInnen mit den weißen Händen identifizieren.
â–º Auch als grüne KandidatInnen kommen nach der Logik des Plakates nur Weiße in Anbertracht, denn: Wenn Sex der einzige Grund ist, Schwarze zu wählen, dann ist also Politik kein Grund sein, Schwarze zu wählen – das Wählen und Nominieren von Schwarzen für Parlamente also untunlich.
â–º Schließlich verwischt die Verknüpfung von sexueller Wahl und Parlamentswahl einen entscheidenden Unterschied: Die Parlamentswahl erfolgt geheim und insoweit einseitig: Eine Partei kann die Stimmen, die sie erhält nicht, zurückweisen. Schwarze können aber sehr wohl die sexuelle Wahl von Weißen zurückweisen, wie die sexuelle Wahl überhaupt ihre ‚Vollzugslegitimation‘ erst dadurch erhält, daß sie auf Gegenseitigkeit erfolgt. Von einer solchen Gegenseitigkeit ist auf dem Plakat nichts zu sehen.
(Einem der Kommentare beim Mädchenblog ist im übrigen noch zu entnehmen, daß es sich lt. Urheberin bei den Händen tatsächlich um Frauenhände und bei dem Po um einen Frauenpo handeln soll. Multiracial Lesbensex sells – wer/welche noch nicht wußte, was von diversity management zu halten ist, weiß es jetzt.)

3. bei der Mädchenmannschaft: daß sich die CDU – vielleicht weniger überraschend – auch nichts nimmt und mit einem Tiefenblick in den Ausschnitt der Bundeskanzlerin und einer Berliner Wahlkreiskandidatin („Wir haben mehr zu bieten.“) wirbt.
4. daß deconstructing history auf ein sexualitätsgeschichtliches online-projekt – „OutHistory.org – Making Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender and Queer U.S. History“ verweist.
5. daß Trouble X eine release-Party (bzw. in Wahrheit wohl nur einen Stand bei einer release-Party) in Mühlheim hat (15.8., 20 h).

6.:

7. lahmacun aufhört zu bloggen.
8. LinksRhein meine gestrige Nachfrage dankend zum Anlaß nahm, gleich die ganze Veranstaltungsankündigung zu löschen.
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Heute gelesen (11.8.)

1. daß der Mädchenblog die berechtigt Frage aufwirft: „Und warum muß man das überhaupt ständig sein?“ – Gemeint ist in dem Fall mit „das“ „sexy“ und mit „man“ „Frauen“. Ergänzend wäre zu fragen: Was ist eigentlich mit Männern? Müssen die mittlerweile auch sexy sein?
2. die hier schon neulich erwähnte Blüte des sexistischen Tierschutzes (Nr. 2) jetzt auch von Luise Pusch aufgespießt wurde – nur die Gedankensprünge kurz vor Ende des Textes wären wohl besser in Ruhe ausformuliert worden:

“ Nur eine Stimme entrüstete sich darüber, dass PETA die Tiere offenbar schützenswerter findet als die Frauen. Auch Hitler war Vegetarier und Hundefreund. Diese Männer mit ihren guten Taten. Sie erinnern an die Vergewaltigungsexzesse unserer ‚BeFreier‘ (Helke Sander) nach dem zweiten Weltkrieg und an die UN-“Friedens“soldaten im ehemaligen Jugoslawien, die den Frauenhandel dort gewaltig belebt haben.“

3. auch annalist in das Horn von V. Horst [s. Heute gelesen (9.8.), Nr. 2.a)] zu blasen scheint:

„Nachdem die AnwältInnen belegen konnten, dass einige Texte der mg-Debatte vom BKA geschrieben worden waren, mutmaßt jetzt Andreas Förster in der Berliner Zeitung, die ganze mg könnte Werk des Verfassungsschutzes sein: ‚In der linken Szene gibt es nicht wenige, die hinter der mg nur das Hobby von ein, zwei Radikalen vermuten oder gar ein Werk des Verfassungsschutzes wittern.‘ Dazu gibt es einen passenden Satz im Film Gefährder: ‚Wenn es die militante gruppe nicht gäbe, müsste man sie erfinden.‘“ – und dann geht es mit einem anderen Thema weiter.

Warum müssen eigentlich bei jedem Thema die innerlinken GegnerInnen gleich mit dem Lager der FeindInnen identifiziert werden? Sollte diese Methode nicht spätestens seit Moskau 1936 hinreichend diskreditiert sein – und zwar auch dann, wann nicht mehr gleich zum Mittel des Schauprozesses mit anschließender Hinrichtung gegriffen wird, sondern es bei der begründungslos-spekulativen (von der Szene an die Presse getraschten oder von der Presse erfundenen und von Linken nachgetraschten) Denunziation bleibt?

4. Erfreulicher ist dagagen, daß annalist auf diese nützliche Übersicht (Stand: Juli 2009) über die verschiedenen Ermittlungsverfahren in Sachen militanter gruppe hinweist:

„[…]. Das erste §129a-Verfahren (mg 1) wegen Gründung der militanten gruppe wurde im Juli 2001 gegen drei Aktivisten der Initiative Libertad! eingeleitet. Im August 2003 kamen zwei weitere Verfahren (mg 2 und mg 3) gegen jeweils eine Person hinzu. („Viel Rauch, kein Feuer“, Bericht der Initiative Libertad! vom 24.11.2003.)
Nach jahrelangen, ergebnislosen Ermittlungen wurde im Jahr 2006 ein viertes Verfahren gegen vier Personen, darunter Andrej Holm, eingeleitet. Dieses Verfahren wurde 2007 nach und nach um drei weitere Personen (Florian, Oliver und Axel) erweitert. Das Verfahren gegen diese drei wurde 2008 vom Ursprungsverfahren abgetrennt und Anklage erhoben.
Bevor der Prozess gegen Florian, Oliver und Axel im September 2008 begann, wurde zunächst das mg 2-, dann auch das mg 1-Verfahren gegen die Beschuldigten eingestellt (Erklärung zur Einstellung des mg 1-Verfahrens). Das mg 1-Verfahren läuft gegen Unbekannt weiter.
Zur gleichen Zeit wurde ein fünftes Verfahren wegen Unterstützung der militanten gruppe gegen die inzwischen 13. beschuldigte Person eingeleitet.
Im Juni 2009 wurde das mg 3-Verfahren eingestellt und ebenso das Verfahren gegen drei Beschuldigte im mg 4-Verfahren (siehe Berichte oben). Warum das Verfahren gegen Andrej Holm wahrscheinlich nicht vor Prozessende eingestellt wird, erklärt dieser in einem Interview.
Im Juli 2009 laufen also noch Verfahren gegen insgesamt fünf Personen. Dazu gehört der Prozess gegen Florian, Oliver und Axel. Neben diesen Personenverfahren gibt es die sogenannten Anschlagsverfahren. Jeder Anschlag der militanten gruppe wird in einem eigenen Ermittlungsverfahren gewürdigt.“ (http://einstellung.so36.net/de/stand-mg-verfahren)

5. Dorfdisco hat eine neue Blüte des Anti-Antiimperialismus aufgelesen: Saloncommunisten mobilisieren unter der Überschrift „Gegen den Aufmarsch der Antiimp Freaks“ gegen einen Nazi-Aufmarsch. Dorfdisco merkt mit Recht an:

„Da hatte die Welt ja mal echt Glück, dass Nazideutschland nicht imperialistisch aktiv war. Wäre nämlich bestimmt ziemlich grausam zugegangen, wenn die Deutschen auf die Idee gekommen wären ihre Nation in der Staatenkonkurrenz besser abschneiden zu lassen in dem sie z.B. in Polen einfallen, sich Richtung Ölquellen im Kaukasus aufmachen oder Frankreich durch eine militärische Besetzung beherrschen zu wollen.“

6. Die hier gestern kritisch vermerkten indymedia-Kommentare wurden von lahmacun einer Kritik unterzogen. Die Moderation hat mittlerweile, nach verschiedenen LeserInnen-Hinweisen (die ebenfalls gelöscht wurden), einige Ergänzungen ganz entfernt, und es gibt jetzt auch ein paar bedenkenswerte Kommentare.
7. Die Eintagsfliege scheint sich noch nie mit dem Verhätnis von Sprache, Ideologie und Hegemonie beschäftigt zu sein haben – und wendet sich gleich in zwei Beiträgen gegen die sprachliche Repräsentation von FrauenLesben und (anderen) queers (1, 2); vgl. ansatzweise zu dem vorgenannten Verhältnis: http://www.nadir.org/nadir/periodika/interim/heft/heft440/seite10ff.html, Abschnitt II.2.c) und d).

8. Leseempfehlung: die verschiedenen Kommentare von Lysis zu http://geprueftesargument.blogsport.de/2009/08/08/antifas-internationale-kommunistinnen-und-top-berlin-nuetzliche-idioten-des-westlichen-imperalismus/#comments – u.a.:

„die absurde Verwendung des Begriffs ‚Antifa‘, der offenbar nahezulegen versucht, bei der iranischen Theokratie handle es sich um eine Art ‚Faschismus‘ – als ob es außerhalb Europas je eine relevante faschistische Bewegung gegeben hätte! Der Faschismus ist ein singulär europäisches (Epochen)Phänomen. Seine Übertragung auf andere Länder und andere Diktaturen hat sich noch immer als Unsinn erwiesen. Die willkürliche Anwendung dieses Begriffs ist ein potentieller Quell von Geschichtsrevisionismus, der im Sinne der historischen Konstellation des Zweiten Weltkriegs ein militärisches Eingreifen nahezulegen versucht – also die Bombardierung der iranischen Bevölkerung. Ich glaube, auf so eine Form der Solidarität hat auch die Protestbewegung im Iran wenig Bock. Es ist nämlich nicht gerade lustig, von Bomben zerfetzt zu werden. Und hat mit Befreiung nicht das Mindeste zu tun.“

„Das ist echt das Verhängnisvolle an dieser Debatte: Auf der einen Seite totale Gleichgültigkeit, auf der anderen komplette Hysterie. „

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