Tag-Archiv für 'mädchenblog'

@ Mädchenblog: Habt Ihr nicht eine Kleinigkeit vergessen?! ;-)

Der Mäd­chen­blog schreibt, „Frau­en­po­li­tik? In Deutsch­land ist das kein Thema mehr. Hier­zu­lande gibt es, um der demo­gra­phi­schen Apo­ka­lypse zu ent­ge­hen, nur noch Fami­li­en­po­li­tik. Und diese zeigt Erfolge: In Deutsch­land arbei­ten Müt­ter immer weni­ger.“, und zitiert dann aus einem taz-Arti­kel:

„Dem­nach arbei­te­ten west­deut­sche Müt­ter, die bei­spiels­weise Kin­der im Alter von 10 bis 14 Jah­ren hat­ten, im Jahr 2000 durch­schnitt­lich 18,7 Wochen­stun­den. 2007 waren es nur noch 16,7 Wochen­stun­den. In Ost­deutsch­land sank die Wochen­ar­beits­zeit sogar von 27,9 auf 23,4 Stun­den.“

Habt Ihr da nicht etwas Ent­schei­den­des ver­ges­sen?! Daß Müt­ter weni­ger bezahlte Erwerbsarbeits leis­ten (das ist doch in dem taz-​​Artikel gemeint1), heißt doch jeden­falls nicht zwangs­läu­fig, daß Müt­ter schlicht­hin weni­ger arbei­ten. Die Erwar­tung an den Auf­wand, den eine „gute Mut­ter“ heute trei­ben muß, um heu­te­zu­tage bspw. schon im frü­hen Grund­schul­al­ter die Zwei­spra­chig­keit der Kin­der und auch ansons­ten eine umfas­sende Bil­dungs­as­pi­ra­tion sicher­zu­stel­len, dürfte doch um eini­ges höher­lie­gen als bspw. noch im Jahr 2000 oder gar – um noch eine andere Zahl zu nen­nen – 1963, oder nicht?!

  1. „‚Viel stär­ker als der Kita-​​Ausbau wir­ken Kräfte, die in die gegen­sätz­li­che Rich­tung zie­hen wie das Ehe­gat­ten­split­ting und die gering­fü­gige Beschäf­ti­gung.‘ Bei­des stelle ‚nied­rige Anreize für Frauen, Voll­zeit ein­zu­stei­gen‘, sagt die For­sche­rin.“ [zurück]
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Zu meinem Ausscheiden aus dem Mädchenblog-Kollektiv

(Vgl. http://​maed​chen​blog​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​1​1​/​0​4​/​1​1​1​4​/​#​c​o​m​m​e​n​t​-​47411)

1. Daß es ver­schie­dene Feminismus-​​Verständnisse gibt, heißt nicht, daß es kei­nen Unter­schied zwi­schen femi­nis­ti­schen und nicht-​​feministischen Prak­ti­ken gibt.

2. Der Tag, wo ich Juli­noirs Wieder-​​Verschwesterungsangebot annehme werde („bis du in der Lage bist, dein ver­let­zen­des und dis­kri­mi­nie­ren­des Ver­hal­ten zu reflek­tie­ren.“) wird nicht kom­men. Auch unsere eige­nen Pra­xen ste­hen nicht außer­halb der Kri­tik. Dies­bzgl. bin ich in der Tat ‚ver­bohrt‘ und „dog­ma­tisch“.
Und das ist in der Tat die zen­trale Frage, die schon bei der letzt­jäh­ri­gen BDSM-​​Diskussion beim Mäd­chen­blog zur Debatte stand: Dür­fen sexu­elle Pra­xen nicht kri­ti­siert wer­den, weil sie Sex, weil sie pri­vat sind? Ist der­ar­tige Kri­tik per se ver­letz­tend und unzu­läs­sig? Oder gibt es sehr wohl legi­time poli­ti­sche Kri­te­rien (die über den blo­ßen Kon­sens der unmit­tel­ba­ren Betei­lig­ten hin­aus­ge­hen) für die Beur­tei­lung von sexu­el­len Pra­xen?1

3. Da BSDM mei­ner Über­zeu­gung nach (mit klei­nen Aus­nah­men, die aber in den bis­he­ri­gen Dis­kus­sio­nen von den BDSM-​​VerfechterInnen nie kon­kre­ti­siert wur­den [s. noch mal die Bei­träge zu Iro­nie und Bre­chun­gen]) das HERR­SCHENDE Ver­ständ­nis von Sexua­li­tät repro­du­ziert, sehe ich mich auch in kei­ner Weise ver­pflich­tet BDSM-​​VerfechterInnen eine Defi­ni­ti­ons­macht dar­über zuzu­ge­ste­hen, ob meine Kri­tik an BDSM „dis­kri­mi­nie­rend“ ist.2

  1. Diese Fra­gen wur­den schon im ver­gan­ge­nen Jahr vom Mäd­chen­blog nicht kol­lek­tiv beant­wor­tet. Der Aus­schluß der sei­ner­zei­ti­gen Auto­rin „Mira­bella“ erfolgte nicht wegen deren Ent-​​Politisierung des Sexu­el­len, son­dern wegen Kom­men­ta­ren, die sie vor­her zu ande­ren The­men abge­ge­ben hatte: „lei­der war uns nicht bewußt, daß Mira­bella sich in den Kom­men­ta­ren schon – unter dem Nick­name „lili“ – an Dis­kus­sio­nen betei­ligt hat, und das mit Posi­tio­nen, die wir vom Mäd­chen­blog unter kei­nen Umstän­den (mit-)vertreten möch­ten. Daher wird Mira­bella als Autor_​in gelöscht.“ [zurück]
  2. PS.: Für den Mädchenblog-​​Leser mit der Lese­schwä­che – der DUDEN schreibt: ‚jeman­den […] unter­schied­lich behan­deln und damit in den Augen der ande­ren her­ab­set­zen“. Wel­che unter­schied­li­che ‚Behand­lung‘ von BDSM-​​lerInnen und Nicht-​​BDSM-​​lerInnen nehme ich denn vor? Liegt meine kolos­sale Diskriminierungs-​​Hand­lung darin, daß mich an BDSM-​​Handlungen nicht betei­lige? -
    Der glei­che Leser schreibt: „so etwas wie femi­nis­ti­schen (genauso wie revo­lu­tio­nä­ren) sex gibt es nicht. wenn über­haupt(!), so ist doch nicht die hand­lung das femi­nis­ti­sche, son­dern die refle­xion dar­über.“ – Deutsch­land – das Geis­tes­land: Die Gedan­ken sind (so halb­wegs) frei (aber ‚zu radi­kal‘ sein dür­fen sie auch nicht), aber die Hand­lun­gen danach aus­rich­ten – oh welch‘ furcht­ba­res ter­ro­ris­ti­sches – um nicht zu sagen: mate­ria­lis­ti­sches – Ansin­nen.
    Ich bin gespannt, ob die­ser Abge­sang für femi­nis­ti­sche Pra­xis dort unwi­der­spro­chen ste­hen bleibt…
    [zurück]
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Neue Text von mir beim Mädchenblog (aktualisiert)

► Judith But­ler über „soziale Gerech­tig­keit“ sowie high und happy in den Stra­ßen fei­ern (Inter­view) [mit Anmer­kun­gen]
http://​maed​chen​blog​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​2​/​j​u​d​i​t​h​-​b​u​t​l​e​r​-​u​e​b​e​r​-​s​o​z​i​a​l​e​-​g​e​r​e​c​h​t​i​g​k​e​i​t​-​s​o​w​i​e​-​h​i​g​h​-​u​n​d​-​h​a​p​p​y​-​i​n​-​d​e​n​-​s​t​r​a​s​s​e​n​-​f​e​i​e​r​n​-​i​n​t​e​r​view/

► Noch ein paar Nach­träge: But­ler und der Ber­li­ner CSD
http://​maed​chen​blog​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​6​/​2​2​/​n​o​c​h​-​e​i​n​-​p​a​a​r​-​n​a​c​h​t​r​a​e​g​e​-​b​u​t​l​e​r​-​u​n​d​-​b​e​r​l​i​n​e​r​-csd/ (mehr…)

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Subjekt-Konstituierung und Materialismus der Praxis

[Die­ser Text kom­bi­niert Aus­züge aus zwei Kom­men­ta­ren, die ursprüng­lich am 13.10. und 24.10.2009 beim Mäd­chen­blog ver­öf­fent­licht und für die hie­sige Wie­der­ver­öf­fent­li­chung leicht über­ar­bei­tet wur­den.
Für Repli­ken und meine Erwi­de­run­gen dar­auf siehe am Erst­ver­öf­fent­li­chungs­ort.]

I. Was macht Sub­jekte aus: Ein ‚inne­rer Wesens­kern‘ oder Deter­mi­na­tion durch wider­sprüch­li­che gesell­schaft­li­che Ein­flüsse?

@ earen­dil – 12. Okto­ber 2009 um 12:44 Uhr

„Ich halte diese bewuss­ten Ein­fluss­mög­lich­kei­ten auf den Geschmack (mal ganz abge­se­hen davon, dass ich sie über­flüs­sig bis schäd­lich finde) aber für sehr begrenzt, s. noch­mals das Bsp. von homo­pho­ben Homo­se­xu­el­len, deren Sexua­li­tät über­haupt nicht mit ihrer politisch-​​moralischen Agenda zusam­men­geht und die trotz­dem nicht davon las­sen kön­nen.“

Wor­aus erklärt sich die­ses Phä­no­men? Nicht aus einem ‚inne­ren‘ Pesön­lich­keits­kern, son­dern aus der schon mehr­fach erwähn­ten Wider­sprüch­lich­kei­ten der gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nisse: (mehr…)

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Kann es eine Gleichheit verschiedener Geschlechter geben?

[Die­ser Text wurde ursprüng­lich am 13.10.2009 – zusam­men mit Aus­üh­run­gen zu ande­ren The­men – als Kom­men­tar beim Mäd­chen­blog ver­öf­fent­licht und für die hie­sige Wie­der­ver­öf­fent­li­chung leicht über­ar­bei­tet.
Für Repli­ken und meine Erwi­de­run­gen dar­auf siehe am Erst­ver­öf­fent­li­chungs­ort.]

I. Ist der unter­schied­li­che Habi­tus von Män­nern und Frauen völ­lig okay?
II. Gleichheits-​​Illusion oder Über­win­dung der Geschlech­ter?
III. Der Kom­mu­nis­mus sind nicht 5 Mil­li­ar­den Robin­so­na­den
IV. Femi­nis­mus = umge­dreh­ter Sexis­mus?

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Was heißt Reproduktion der HERRschenden Verhältnisse?

Theo­rie als Pra­xis ver­tei­digt beim Mäd­chen­blog die These

„Der Sexis­mus /​ das Patri­ar­chat, die Domi­nanz von Män­nern über Frauen, ist auch in der heu­ti­gen Gesell­schaft nicht nur ein Relikt der Ver­gan­gen­heit. Und: Sexis­mus und Patri­ar­chat wer­den auch durch Sex, durch die Ver­tei­lung der Rol­len von Akti­vi­tät und Pas­si­vi­tät, von pene­trie­ren und pene­triert wer­den, und eben auch – und viel­leicht sogar in noch extre­me­rer Weise (durch schla­gen und geschla­gen wer­den) – bei BDSM repro­du­ziert, indem es näm­lich ers­tens weit­aus mehr an BDSM Inter­es­sierte Män­ner als Frauen zu geben scheint und unter den Män­nern wie­derum der Anteil der Domi­nan­ten deut­lich höher ist als unter den Frauen.“

Gegen die These von lay­lah:

„dass sich der sexis­mus im bdsm repro­du­ziert, heißt nicht, dass bdsm sexis­mus repro­du­ziert.“ (Hv. i.O.)

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Zur Kritik des marxistisch-gegenstandpunklerischen Kleinredens von Sexismus und Patriarchat

Einige grund­sätz­li­che Bemer­kun­gen über das Ver­hält­nis von Mar­xis­mus und Femi­nis­mus, ‚Pri­va­tem‘ und Poli­ti­schen aus Anlaß der SM-​​Debatte beim Mäd­chen­blog

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Mädchenblog von Maskulinisten-Freundin „Mirabella“ unterwandert?

Die Mög­lich­keit, den Bei­trag von Mira­bella zu SM beim Mäd­chen­blog (vgl. hier 1, 2 und 3) zu kom­men­tie­ren, ist mitt­ler­weile deak­ti­viert. Zuvor hatte einE Nut­ze­rIn „ungläu­big“ hart­nä­ckig die Ver­mu­tung geäu­ßert, daß hin­ter die­sem Bei­trag die glei­che Per­son steckt, die sich auch schon u.a. in einem Maskulinisten-​​Forum anti­fe­mi­nis­tisch äußerte.1
Dies schien mir zunächst ein etwas schwa­ches Indiz zu sein: Nickname-​​Doppelung gibt’s öfters, Anti­fe­mi­nis­mus noch öfter. Bliebe noch die maso-​​SM-​​Identität, die wahr­schein­lich einen etwas klei­ne­ren Kreis betrifft.

Die kom­plette Deak­ti­vie­rung der Kom­men­tar­funk­tion und auch das Schwei­gen der ande­ren Mache­rIn­nen des Mäd­chen­blogs mach­ten mich nun doch ein biß­chen stut­zig, und ich habe auch mal gegooglet.

Im blog von Made­moi­selle Noc­turne kom­men­tiert auch eine Mira­bella. In einem Kom­men­tar geht es auch um SM – und wird Gerech­tig­keit für Heteros/​as ein­ge­klagt:

„Mira­bella hat gesagt…
Auf jeden Fall sehr schöne Bil­der!
Aber du soll­test Abstand neh­men von dem Kli­schee einer ‚vor­zugs­wei­sen schwu­len SM Szene‘!
Mon­tag, 7. Sep­tem­ber 2009 11:27 Uhr +02:00

Und in einem ande­ren Kom­men­tar wird der Play­boy (wenn auch vorsichtig-​​vergleichend) gelobt:

„Mira­bella hat gesagt…
Selbst der Play­boy hat zum Teil inter­es­san­te­res und inhalts­vol­le­res als die meis­ten Frau­en­zeit­schrif­ten.
Mon­tag, 7. Sep­tem­ber 2009 11:35 Uhr +02:00

Und bei poli​tik​-forum​.eu, das „ungläu­big“ schon erwähnte, gibt es einen Bei­trag einer „Mira­bella“, die sich selbst Mädchenblog-​​Leserin bezeich­net (was „ungläu­big“ noch nicht erwähnte) und den Mäd­chen­blog wie folgt kri­ti­siert:

„Betreff des Bei­trags: Femi­nis­tin­nen und häus­li­che Gewalt Ver­fasst: Mo 29. Jun 2009, 18:00
Ich lese seit eini­ger Zeit auf dem mäd­chen­blog (http://​maed​chen​blog​.blog​sport​.de). Und vor kur­zem ist da ein Bei­trag erschie­nen, bei den es um ein ‚intel­li­gen­tes Pla­kat‘ gegen häus­li­che Gewalt geht, auf dem ein Mann eine Frau schlägt, solange nie­mand hin­sieht.
Erst­mal eine sehr inter­es­sante und gute Kam­pa­gne.
Aber als ich die Dis­kus­sion (Kom­men­tare) zu dem Thema las, war ich etwas geschockt, wie dort mit Men­schen umge­gan­gen wird, die dar­auf auf­merk­sam machen, dass nicht nur Frauen Opfer häus­li­cher Gewalt sind.
Warum sind Femi­nis­tin­nen (hier spe­zi­ell die dort schrei­ben­den) so emp­find­lich, wenn es um das Thema häus­li­che Gewalt geht. Warum kann nicht ein­ge­se­hen wer­den, dass das Thema beide Geschlech­ter angeht?
Wie sehen die Per­so­nen hier im Forum das?
_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​
Das Den­ken ist zwar allen Men­schen erlaubt, aber vie­len bleibt es erspart.
Meine Gedann­ken sind zu fin­den unter: http://​www​.my​-little​-world​.over​blog​.de“ (http://​www​.poli​tik​-forum​.eu/​v​i​e​w​t​o​p​i​c​.​p​h​p​?​f​=​2​2​&​a​m​p​;​t​=​10672)

In dem ver­link­ten blog, den auch „ungläu­big“ schon erwähnte, geht es auch um SM (http://​my​-little​-world​.over​-blog​.de/​p​a​g​e​s​/​B​D​S​M​-​1​5​1​3​4​8​5​.html), und es wird beklagt:

„jaja, wenn man nicht die für Frauen geschaf­fe­nen Pri­vi­le­gien auf Kos­ten der Män­ner genie­ßen kann, son­dern im Gegen­teil eine Gleich­be­rech­ti­gung zwi­schen den Geschlech­tern anstrebt, ist man unglaub­wür­dig…“

Naja, ich bin gespannt, wie es wei­ter­geht, gehe aber erst ein­mal schla­fen.

Vgl. auch:
http://​fem​komm​.blog​sport​.de/?p=2.
und die ande­ren Bei­träge in die­sem blog:
Das Blog hier dient ein­zig und alleine dem Pos­ten von Kom­men­ta­ren und Stel­lung­nah­men, die auf dem Mäd­chen­blog gepos­tet wor­den sind, aber gelöscht wur­den, oder dort noch gepos­tet wor­den wären. Auf Ant­wort an ande­rer Stelle werde ich ant­wor­ten, nach Mög­lich­keit vor Ort, bei Zen­sur hier.

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Ist das Patriarchat abgeschafft?

[Noch zwei (30.09; 14:36 h) wei­tere (30.09; 15:31 h) mei­ner Kom­men­tare aus der SM-​​Diskussion beim Mäd­chen­blog]

@ Mira­bella – 30. Sep­tem­ber 2009 um 12:40 Uhr

I. Die Grund­satz­dif­fe­renz

Mir scheint, Du defi­nierst Dis­kri­mi­nie­rung so, daß diese nur vor­liegt, wenn irgend­et­was gegen den Wil­len einer der betei­lig­ten Per­so­nen erfolgt – und alles andere ist Dei­nes Erach­tens auch poli­tisch kein Pro­blem.1
Defi­nie­ren kannst Du natür­lich wie Du willst, aber bei der poli­ti­schen Bewer­tung würde ich Dir wider­spre­chen, und des­halb scheint mir auch ein wei­te­rer Begriff von „Dis­kri­mi­nie­rung“ (wenn wir denn den Aus­druck über­haupt ver­wen­den wol­len) sinn­voll.
Herr­schaft und Aus­beu­tung (diese Begriffe sind m.E. vor­zu­zie­hen) lie­gen auch dann vor, wenn die Beherrsch­ten und Aus­ge­beu­te­ten mit die­sen Ver­hält­nis­sen ein­ver­stan­den sind. Diese Begriffe bezeich­nen objek­tive Sozi­al­struk­tu­ren, nicht die Hal­tung von ein­zel­nen Sub­jek­ten dazu. Skla­ven­ar­beit ist Aus­beu­tung, auch wenn die Skla­vin gerne Skla­vin ist (oder sich nichts ande­res vor­stel­len kann); Leib­ei­ge­nen­ar­beit ist Aus­beu­tung, auch wenn der Leib­ei­gene gerne Leib­eig­ner ist; Lohn­ar­beit ist Aus­beu­tung, auch wenn die Arbei­te­rIn­nen ihre Arbeits­ver­träge frei­wil­lig unter­schrei­ben. Haus­ar­beit, ver­rich­tet von Frauen für Män­ner gegen eine bloße ‚Auf­wand­ent­schä­di­gung‘ (gesetz­li­cher Unter­halt oder sogar nur Taschen­geld oder sogar ganz ohne Gegen­leis­tung, falls die Haus­frau über [geerb­tes] Ver­mö­gen ver­fügt), ist Aneig­nung von Frau­en­ar­beit durch Män­ner; ist Aus­beu­tung. Und es ist immer noch Aus­beu­tung, wenn es sich um eine queere Haus-​​femme und eine queere butch (ob schwul oder les­bisch) han­delt.
Und da Herr­schaft nicht zwangs­läu­fig mit Maschi­nen­ge­weh­ren aus­ge­übt wird, son­dern auch – und in der Regel – mit­tels Ideo­lo­gi­scher Staats­ap­pa­rate, liegt auch Herr­schaft nicht erst dann vor, wenn die Leute mit vor­ge­hal­te­ner Waffe zu etwas gezwun­gen wer­den.2

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Noch einmal zu SM und Politik

Anläß­lich der Dis­kus­sion beim Mäd­chen­blog hat sich Thiel Schwei­ger (1, 2) fol­gen­des vor­ge­nom­men:

„Neben lin­ken Auto­ri­tä­ten wie Adorno sind es etwa Alice Schwar­zer, Robert Kurz, das so genannte Ber­li­ner Insti­ti­tut für Faschis­mus­for­schung und wohl gene­rell die meis­ten Freudomarxist_​innen [, die die Ansicht ver­tre­ten, „dass SM poli­tisch kri­ti­ka­bel ist und die äuße­ren Macht­ver­hält­nisse im Pri­va­ten repro­du­ziert“]. Auch links ori­en­tierte Schriftsteller_​innen wie Hein­rich Mann (Der Unter­tan) und Klaus Mann (Mephisto) dürf­ten in diese Reihe gehö­ren. In der Debatte, auf die ich direkt Bezug nehme, machte der Blog­ger von Theo­rie als Pra­xis diese Posi­tion stark, die er auf sei­nem Blog in zwei Bei­trä­gen expli­ziert. An sei­nem Bei­spiel hoffe ich, die­sen Dis­kurs gene­rell kri­ti­sie­ren zu kön­nen.“ (meine Hv.)

1.

Der Ver­such die genann­ten Posi­tio­nen anhand mei­nes Bei­spiels zu kri­ti­sie­ren, ist von vorn­her­ein auf ziem­li­chen san­di­gem Boden gebaut. Zwar mögen alle Genann­ten SM für poli­tisch kri­ti­sie­rens­wert hal­ten und der Ansicht sei­nen, daß SM dahin ten­diere, gesell­schaft­li­che Machtgefälle repro­du­zie­ren. Nur – soweit ich die von T.S. genann­ten Posi­tio­nen kenne, habe ich ganz andere Vor­stel­lun­gen davon, wie die hie­si­gen gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nisse funk­tio­nie­ren – und folg­lich auch ganz andere Vor­stel­lun­gen davon, was es heißt, die­ses wür­den durch SM repro­du­ziert. Um es in aller Deut­lich­keit zu sagen:

Ich bin keine Freu­domar­xis­tIn. (Sofern ich über­haupt eine Mei­nung zur Psy­cho­ana­lyse habe, ten­diere ich eher zur ent­ge­gen­ge­setz­ten laca­nis­ti­schen Rich­tung. Aber eigent­lich muß ich sagen: Freud habe ich prak­tisch nicht gele­sen; mein Ver­such vor ca. 15 Jah­ren meine Uni-​​Zwischenprüfungsarbeit über Lacan zu schrei­ben, war in mei­nen Augen ziem­lich geschei­tert [die Prü­fungs­kom­mis­sion ließ mich freund­li­cher­weise trotz­dem ins Haupt­stu­dium]. Und über­haupt ver­stehe ich eigent­lich nicht, worum es bei der Psy­cho­ana­lyse geht. – Ich halte mich eher an boden­stän­di­gere The­men.)

Ich bin auch keine Adorno-​​AnhängerIn. Mit der Frank­fur­ter Schule bin ich rund­her­aus nicht ein­ver­stan­den1, und auch kon­kret mit dem von T.S. ange­führ­ten Adorno-​​Zitat zu SM bin ich nicht ein­ver­stan­den.

Schon gar nicht bin ich mit Robi Kurz ein­ver­stan­den. (Einige Jahre nach mei­ner geschei­ter­ten Zwi­schen­prü­fungs­ar­beit hatte ich mal ein Kri­sis-Heft in der Hand und fest­ge­stellt, daß die­ser Ansatz wei­tere Beschäf­ti­gung nicht lohnt.) Auch das von T.S. kon­kret ange­führte Kurz-​​Zitat ist mir zu eso­te­risch.

► Wer das „so genannte Ber­li­ner Insti­ti­tut für Faschis­mus­for­schung“ ist und warum es ein „so genann­tes“ ist, ist mir nicht bekannt – auch nicht die Posi­tio­nen, die dort ver­tre­ten wer­den.

► Auch mit den Manns kenne ich mich nicht aus. Ich bin wirk­lich unge­bil­det.

► Zutref­fend ist, daß die PorNo-​​Kampagne der Emma vor mehr als 20 Jah­ren meine poli­ti­sche Posi­ti­ons­bil­dung zu die­ser Frage beein­flußt hat. Aber als Theo­re­ti­ke­rin ist Schwar­zer für den Femi­nis­mus nun wirk­lich nicht aus­schlag­ge­bend, und auch ihre poli­ti­sche Posi­tio­nie­rung in vie­len ande­ren Fra­gen finde ich falsch. Das an der alten PorNo-​​Position, was mir rich­tig erscheint (also durch­aus nicht alles), ist m.E. sehr gut auch mit avan­cier­te­ren theo­re­ti­schen femi­nis­ti­schen Posi­tio­nen (vgl. hier) ver­ein­bar.

Ich werde daher auf den gan­zen ers­ten Teil des Tex­tes von T.S. (vor den ers­ten drei ***) nicht wei­ter ein­ge­hen. Auch hin­sicht­lich der vagen Andeu­tun­gen zu Pädo­phi­lie beschränkte ich mich – aus Zeit­grün­den – dar­auf, erheb­li­che Vor­be­halte anzu­mel­den (die von T.S. erwähnte Debatte zu dem Thema habe ich nicht zur Kennt­nis genom­men).

2.

Ich beschränke mich daher im fol­gen­den dar­auf, auf den direkt mir gewid­me­ten zwei­ten Teil ein­zu­ge­hen. Auch da kann ich meine Posi­tion nicht wirk­lich wie­der­er­ken­nen – wahr­schein­lich, weil T.S. meine Stel­lung­nah­men vor einer freu­domar­xis­ti­schen Folie liest, die aber in mei­nem Fall über­haupt nicht pas­send ist.

[TaP:] „Und müs­sen wir dann nicht berech­tig­ter­weise befürch­ten, daß sich die ‚zeit­wei­lig ungleich ver­teilte‘ Macht in SM-​​Beziehungen schnell ver­selb­stän­digt – beson­ders dann, wenn sie (wie oben dar­ge­legt) den gesell­schaft­li­chen Macht­ver­hält­nis­sen folgt?“
[T.S.:] „Dies ist nun etwas, was im SM-​​internen Dis­kurs oft genug pro­ble­ma­ti­siert wird.“

Nur wurde es eben weder in dem sei­ner­zeit von mir kri­ti­sier­ten AK-​​Artikel the­ma­ti­siert, noch in dem jet­zi­gen Bei­trag von Mira­bella beim Mäd­chen­blog. Und auch T.S. wischt das Thema gleich wie­der weg:

„Natür­lich gibt es diese Gefahr – ‚No risk no fun‘ kann man da eigent­lich nur sagen“.

Wei­ter macht T.S. gel­tend:

„Die meis­ten SM-​​Praktiken wei­sen über­haupt kei­nen direk­ten Bezug zu äuße­ren Macht­ver­hält­nis­sen auf.“

Nun hatte ich aber anhand der von mir aus­ge­wer­te­ten SM-​​Annoncen und der Schlag­werk-home­page auf­ge­zeigt, daß es weit über­wie­gend Män­ner sind, die den domi­nan­ten part ein­neh­men wol­len; auch die Wiki­pe­dia nennt eine Zahl von bloß 11 bis 28 Pro­zent weib­li­cher tops.

Gegen diese Ana­lyse wen­det T.S. ein:

„Sinn­vol­ler wäre es gewe­sen, ein­schlä­gige Stu­dien zu dem Thema, die es ja gibt, zu lesen, etwa Nor­bert Elbs Buch SM-​​ Sexua­li­tät: Selbst­or­ga­ni­sa­tion einer sexu­el­len Sub­kul­tur.“

Asche auf mein Haupt. Das war wirk­lich eine schwer­wie­gende wis­sen­schaft­li­che Ver­feh­lung, daß ich im Jahre 2000 ein Buch noch nicht zitiert hatte, das erst 6 Jahre ver­öf­fent­licht wurde…

„SMer_​innen, die sich frei­wil­lig unter­wer­fen, da sie sie sich davon einen Lust­ge­winn ver­spre­chen, sind letzt­end­lich ideo­lo­gisch ver­blen­det und nicht Ernst zu neh­men. […]. SMer_​innen wird abge­spro­chen, ihr Glück selbst beur­tei­len zu kön­nen, sie wer­den patho­lo­gi­siert.“

Die mir unter­stellte Posi­tion ist – was mich betrifft – frei erfun­den. Beim Mäd­chen­blog hatte ich viel­mehr geschrie­ben:

„es wäre anma­ßend und müßig, Dir sagen zu wol­len, daß Du das Fal­sches willst (schließ­lich ist es Dein Wille) – aber es ist schon mög­lich eine eigene poli­ti­sche Mei­nung dazu zu haben, oder?“ (30.09.; 10:59 h)

Auch ansons­ten halte ich die Rede vom „fal­schen Bewußt­sein“ (scil. ‚Ver­blen­dung‘ etc.) für falsch:
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​9​/​1​5​/​w​a​r​u​m​-​i​d​e​o​l​o​g​i​e​-​k​e​i​n​-​n​o​t​w​e​n​d​i​g​-​f​a​l​s​c​h​e​s​-​b​e​w​u​s​s​t​s​e​i​n​-​i​s​t​-​u​n​d​-​a​u​s​-​e​i​n​e​r​-​e​r​k​e​n​n​t​n​i​s​-​n​i​c​h​t​-​a​u​t​o​m​a​t​i​s​c​h​-​e​i​n​e​-​b​e​s​t​i​m​m​t​e​-​p​o​l​i​t​i​s​c​h​e​-​h​a​l​t​u​n​g​-​f​olgt/.

Und auch die Pathologisierungs-​​Unterstellung gegen­über SM-​​KritikerInnen und -Skep­ti­ke­rIn­nen, die in dem Aus­gangs­text beim Mäd­chen­blog eben­falls ent­hal­ten ist, hatte ich bereits zurück­ge­wie­sen:

[Mira­bella:] „Bei BDSM han­delt es sich um eine Nei­gung und nicht um eine Spie­le­rei oder eine krank­hafte Per­ver­sion.
[TaP:] „Ich würde ja alt­mo­disch sagen: Es han­delt sich um Poli­tik. Das Sexu­elle ist poli­tisch.“ (30.09.; 10:59 h)

Wei­ter geht es bei T.S. wie folgt:

„Auch dass Gewalt per se etwas schlech­tes ist, ist eine Mei­nung, die direkt aus der bür­ger­li­chen Staats­ideo­lo­gie ent­nom­men ist: es gibt nur eine Gewalt – die des Staa­tes – und die ist eben keine. Alle andere Gewalt wird tabui­siert. Eine ratio­nale Gewalt­kri­tik müsste dage­gen die Zwe­cke betrach­ten, denen Gewalt u.U. als ange­mes­se­nes Mit­tel dient.“

a) Auch die mir unter­stellte Posi­tion zur Staats­ge­walt ist frei erfun­den. 1. Ist Staats­ge­walt Gewalt. 2. halte ich es für falsch, staat­li­cher Gewalt­an­wen­dung die These ent­ge­gen­zu­set­zen, Gewalt sei kein Mit­tel der Poli­tik (1 + Kom­men­tar). Doch, Gewalt ist ein Mit­tel der Poli­tik.
b) Gewalt­an­wen­dung gegen andere zur Befrie­dung der eige­nen Lust („dort ist eben der Genuss der Macht pri­mä­rer Trieb“ – Zitat aus einem von T.S. zur Lek­türe emp­foh­le­nen Text) finde ich aller­dings – gelinde gesagt – ziem­lich pro­ble­ma­tisch. Wenn das Frauen im Patri­ar­chat gegen Män­ner machen, und die Män­ner ihrer­seits auch noch damit ein­ver­stan­den sind, regt mich das nicht wei­ter auf. Wenn die Gewalt­an­wen­dung dage­gen typi­scher­weise (und so scheint es in der SM-​​Szene zu sein) der herr­schen­den Gewalt­ver­tei­lung ent­spricht, dann ist das nichts, was ich poli­tisch begrü­ßen will.

„Zudem beinhal­tet seine Argu­men­ta­tion einen recht selt­sa­men Sozi­al­de­ter­mi­nis­mus. Die Deter­mi­na­tion, die die Gesell­schaft auf die SM-​​betreibenden Indi­vi­duen aus­ge­übt, geht dabei recht platt vor sich, im Sinne eines sim­plen, nicht wei­ter erklär­ten, Abbil­dungs­vor­gangs: hier Macht, dort Macht. Nicht erklärt wird, warum dies nur bei so weni­gen Indi­vi­duen funk­tio­niert, warum es nicht wesent­lich mehr SMer_​innen gibt.“

Meine These geht viel­mehr in die Rich­tung, daß SM nur eine Radi­ka­li­sie­rung des­sen ist, was im Rah­men von nor­ma­ler, hetero/​a/​sexueller Sexua­li­tät ohne­hin üblich ist, ist (1, 2, 3, 4, 5 – bei 1 und 2 jew. die Foucault-​​, MacKinnon-​​ und Rich-​​Zitate + Kon­text; die rest­li­chen Stel­len sind Kurz-​​Statements).

Auch seine hier schon als Kom­men­tar gepos­tete Monopoly-​​Analogie bringt T.S. noch ein­mal vor. Dazu hatte ich schon geschrie­ben:

„Naja, ein Brett­spiel ist viel­leicht etwas ande­res als der ‚Spie­len‘ mit frem­den Kör­pern. Und bei Mono­poly wer­den nicht die gesell­schaft­li­chen Rol­len der kon­kret Spie­len­den repro­du­ziert. Die ‚Rol­len‘ im Spiel funk­tio­nie­ren völ­lig unab­hän­gig von der (sons­ti­gen) gesell­schaft­li­chen Rolle der Spie­len­den, wäh­rend es beim SM eine starke Ten­denz gibt, daß wie­derum Män­ner die Domi­nie­ren­den sind – lt. Wiki­pe­dia 72 – 89 %.“

Auch das hier schon gepos­tete Foucault-​​Zitat führt T.S. noch ein­mal an. Hier erneut meine Ant­wort:

Fou­cault: „dass sie neue Mög­lich­kei­ten von Lust erfin­den, indem sie bestimmte eigen­tüm­li­che Par­tien ihrer Kör­per gebrau­chen – indem sie die­sen Kör­per ero­ti­sie­ren.“

T.S.: „Und ihr sub­ver­si­ves Poten­tial liegt eben tat­säch­lich (siehe Fou­cault) in der Erfin­dung neuer Lüste.“

Das ist sehr all­ge­mein. Und in die­ser All­ge­mein­heit gibt es da auch gar nichts ein­zu­wen­den. Dage­gen ist das Nach’spielen‘ von Herr­schaft ein sehr spe­zi­fi­scher Fall. Und ich habe bis­her kein Argu­ment gehört, daß mich über­zeu­gen würde, daß es mög­lich ist, im Falle von SM eine halb­wegs trenn­scharfe Unter­schei­dung zwi­schen ‚Spiel‘ und ‚Ernst‘ zu tref­fen.2
Der hie­sige Aus­gangs­ar­ti­kel von Mira­bella und auch die sei­ner­zeit von mir im AK kri­ti­sier­ten Texte sind viel­mehr ein sehr star­kes Indiz dafür, daß die Unter­schei­dung nicht mög­lich ist – am Ende ist auch der ‚Ernst‘ ein ‚Spiel‘, und das Patri­ar­chat löst sich durch queer-​​sadomaso Volun­ta­ris­mus in Luft auf.

3.

Noch ein­mal kurz zurück zum Anfang und dann direkt zum Ende des Tex­tes von T.S.:

„weil die ‚Per­ver­sen‘ sich unter Druck gesetzt füh­len, den gegen sie ins Feld geführ­ten Dif­fa­mie­run­gen ent­ge­gen­zu­tre­ten,“ /​ „Ver­däch­ti­gun­gen“ /​ „gewohnte links­mo­ra­li­sie­rende Gerüch­te­kü­che im Wind­schat­ten Freuds“

Wel­che „Dif­fa­mie­run­gen“ gab es beim Mäd­chen­blog? Wo ging/​geht es dort um Moral? Es geht um Poli­tik. -
Aber die­ser ‚argu­men­ta­tive‘ Schlen­ker ist durch­aus typisch für sol­che Debat­ten: Erst wird die poli­ti­sche Kri­tik in mora­li­sche und juris­ti­sche Ter­mini ‚über­setzt‘ statt auf der poli­ti­schen Ebene zu erwi­dern – und dann wird in genia­ler Weise der ver­meint­li­che Mora­lis­mus der Gegen­po­si­tion ent­larvt und umge­hauen.

  1. Mit die­sen Kri­ti­ken bin ich weit­ge­hend ein­ver­stan­den:
    Gareth Sted­man Jones, The Mar­xism of the Early Lukács: an Eva­lua­tion, in: New Left Review, Iss. 70, Nov./Dec. 1971, 27 – 64 (wie­der­ab­ge­druckt in: ders. et al., Wes­tern Mar­xism. A Cri­ti­cal Rea­der, NLB: Lon­don, 1977, 11 – 60).

    Göran Ther­born, The Frank­furt School, in: New Left Review H. 63, Sept./Oct. 1970, 65 – 96 (zusam­men mit Ther­born 1971 wie­der­ab­ge­druckt in: Sted­man Jones et al. 1977, 83 – 139).
    ders., Jür­gen Haber­mas: A New Eclec­ticism, in: New Left Review Iss. 67, May/​June 1971, 69 – 83 (zusam­men mit Ther­born 1970 wie­der­ab­ge­druckt in: Sted­man Jones et al. 1977, 83 – 139).

    (Aus Netz­wer­ken von Universitäts-​​ und Staats­bi­blio­the­ken besteht ein kos­ten­freier Zugang zum NLR-Archiv.)

    Rolf Nemitz, Ideo­lo­gie als „not­wen­dig fal­sches Bewußt­sein“ bei Lukács und der Kri­ti­schen Theo­rie, in: Projekt-​​Ideologie-​​Theorie (Hg.), Theo­rien über Ideo­lo­gie (Argument-​​Sonderband AS 40), Argu­ment: [West]berlin, 1. Aufl.: 1979, 3. Aufl.: 1986, 39 – 60.

    Stef­fen Kratz /​ Beate Ver­horst, Frank­fur­ter Schule (Adorno und Mar­cuse), in: Heinz Kim­merle (Hg.), Modelle der Mate­ria­lis­ti­schen Dia­lek­tik. Bei­träge der Bochu­mer Dialektik-​​Arbeitsgemeinschaft, Mar­ti­nus Nijhiff: Den Haag, 1978, 185 – 209; online unter: http://​www​.trend​.info​par​ti​san​.net/​t​r​d​0​5​0​7​/​t​0​3​0​5​0​7​.html.

    Lucio Col­letti, Von Hegel zu Mar­cuse, in: alter­na­tive H. 72/​73: Lite­ra­tur und Revo­lu­tion. Bei­träge aus Ita­lien, Juni/​Aug. 1970, 129 – 149

    [zurück]

  2. S. http://​edoc​.hu​-ber​lin​.de/​d​i​s​s​e​r​t​a​t​i​o​n​e​n​/​s​c​h​u​l​z​e​-​d​e​t​l​e​f​-​g​e​o​r​g​i​a​-​2​0​0​4​-​0​6​-​1​0​/​P​D​F​/​s​c​h​u​l​z​e.pdf, S. 187 – 190. [zurück]
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Patriarchat abgeschafft – Das Private ist wieder unpolitisch?!

[Die­sen Kom­men­tar zum Bei­trag:

Femi­nis­mus und BDSM (Sado­ma­so­chis­mus) – unver­ein­bar?

beim Mäd­chen­blog habe ich dort gerade gepos­tet]

Also – mich über­zeugt das nicht.

„Mir scheint, dass oft Dis­kri­mi­nie­rung und Benach­tei­li­gung gesucht wird wo keine ist. Weni­ger Frauen haben einen guten Beruf und mehr Frauen arbei­ten Teil­zeit im Ver­gleich zu Män­nern. Aber das liegt nicht an der aktu­el­len Benach­tei­li­gung von Frauen, son­dern an der Benach­tei­li­gung in der Ver­gan­gen­heit: […]. Aber ältere Frauen, die in jun­gen Jah­ren noch nicht die glei­chen Rechte hat­ten wie die jun­gen Frauen heut­zu­tage, sind natür­lich wei­ter­hin noch benach­tei­ligt, da sie in jun­gen Jah­ren nicht die glei­chen guten Aus­bil­dun­gen genie­ßen konn­ten wie die Män­ner.“

Und warum ver­die­nen auch Frauen, die auf glei­cher Hier­ar­chie­stufe wie Män­ner arbei­ten, im Durch­schnitt weni­ger als die ent­spre­chen­den Män­ner?
Und warum ist Haus­ar­beit immer noch ganz über­wie­gend Frau­en­sa­che – selbst bei jun­gen Paa­ren mit hoher Aus­bil­dung und wo die Frau erwerbs­tä­tig ist (spä­tes­tens zumin­dest, wenn es in der Bezie­hung Kin­der gibt)?1
Warum repro­du­ziert sich die sexis­ti­sche Arbeits­tei­lung selbst in trans­gen­der-Bezie­hun­gen?2
Warum gibt es wei­ter­hin sexuelle/​sexualisierte Gewalt? Und warum ist sie wei­ter­hin in aller ers­ter Linie Män­ner­ge­walt gegen Frauen?
Warum gibt es sol­che Phä­no­mene wie die Kam­pa­gne gegen Ypsi­lanti?3

„Gerade in einer Part­ner­schaft liegt eine gleich­be­rech­tigte Macht­ver­tei­lung vor, die stets die Grund­lage zur frei­wil­li­gen Unter­wer­fung bil­det.“

Ich würde dage­gen die These set­zen wol­len: Die frei­wil­lige Part­ner­wahl macht die Unter­wer­fung attrak­tiv, aber auch die sub­jek­ti­vie­rende Unter­wer­fung (Alt­hus­ser /​ Fou­cault) (hier: die Unter­wer­fung eines lie­ben­den weib­li­chen Sub­jekts) ist immer noch Unter­wer­fung:

„Um die Liebe zwi­schen den Part­nern nicht aufs Spiel zu set­zen, ver­zich­ten die meis­ten Paare über weite Stre­cken auf eine expli­zite Auf­rech­nung, wie sie bei einer genauen Ein­hal­tung der Part­ner­schafts­norm [Gleich­be­rech­ti­gung, d. Vf​.In] erfor­der­lich wäre. Dadurch ent­steht die Situa­tion, daß die Betei­li­gung des Man­nes an der Haus­ar­beit sich auf gele­gent­li­che Hil­fe­stel­lung und außer­or­dent­li­che ‚Son­der­leis­tun­gen‘ […] beschränkt.“ (Koppetsch/​Burkart 1999, 319).

und
wie hier FN 1, S. 73 f., 187-​​189

„Dem­nach gibt es kei­nen Grund, sich bei oder vor den ‚Spie­len‘ Gedan­ken um die äuße­ren Macht­ver­hält­nisse zu machen.“

Und wes­halb wer­den dann beim ‚Spie­len‘ die ‚äuße­ren‘ Macht­ver­hält­nisse haar­ge­nau nach­ge­spielt?
Vgl. meine Kri­tik:
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​0​/​0​8​/​3​1​/​w​e​s​s​e​n​-​g​e​w​a​l​t​-​h​a​t​-​d​i​e​-​m​a​c​h​t​-​s​e​x​y​-​z​u​-​sein/

„Aber wenn ich maso­chis­tisch bin und einen Mann gefun­den habe, der zu mir passt, mit dem ich mich per­fekt ergänze, den ich liebe, warum sollte aus­ge­rech­net die­ser Mann dann mein Feind sein? Die­ser Mann ist alles andere als mein Feind: Er ist mein Part­ner, mein Gelieb­ter, mein ein und alles. […]. Warum wird immer wie­der – gerade von Femi­nis­tin­nen – gefor­dert, Frauen soll­ten sich eman­zi­pie­ren und nach ihrem eige­nen Wil­len han­deln, wenn es dann doch wie­der falsch ist? Warum darf meine sexu­elle Selbst­be­stim­mung nicht so weit gehen, dass ich für mich ent­scheide, Maso­chis­tin zu sein.“

Ja, es wäre anma­ßend und müßig, Dir sagen zu wol­len, daß Du das Fal­sches willst (schließ­lich ist es Dein Wille) – aber es ist schon mög­lich eine eigene poli­ti­sche Mei­nung dazu zu haben, oder?

„Bei BDSM han­delt es sich um eine Nei­gung und nicht um eine Spie­le­rei oder eine krank­hafte Per­ver­sion.“

Ich würde ja alt­mo­disch sagen: Es han­delt sich um Poli­tik. Das Sexu­elle ist poli­tisch.

„Ich kann stu­die­ren und mei­nen Beruf aus­üben, viel Geld ver­die­nen und sagen, was ich will – und den­noch kann mein Part­ner mich im Bett schla­gen und demü­ti­gen, weil es mir gefällt!“

Das erste Teil des Zita­tes scheint mir latent ein unzu­tref­fen­des Klassen-​​bias zu ent­hal­ten (Sexi­mus sei aus­schließ­lich ein Unter­schicht­sphä­no­men /​ eine Bil­dungs­frage) – und bei dem zwei­ten Teil stellt sich mir schon die Frage (nicht das ich erwarten/​verlangen würde, daß Du das öffent­lich aus­brei­ten willst): Warum gefällt Dir das?

„Also bei Alice Schwar­zer, die sich auch deut­lich gegen jede Por­no­gra­fie wen­det und häu­fig sogar fast män­ner­feind­lich rüber­kommt, war nichts ande­res zu erwar­ten.“

Die Bemü­hun­gen um ‚femi­nis­ti­sche Por­no­gra­phie‘ in allen Ehren4, aber:
a) Warum muß das dann immer noch Por­no­gra­phie hei­ßen, wenn es doch angeb­lich etwas ganz ande­res ist?
Und b): Anfang des Jah­res war ich in Wien bei einem die­ser modi­schen post-​​porn-​​Festivals – mei­nen Ein­druck hatte ich danach wie folgt zusam­men­ge­faßt
„Um noch mal zusam­men­fas­send auf die Filme zurück­zu­kom­men: Soweit nicht ohne­hin Schwänze, son­dern Dil­dos gezeigt wur­den, bestä­tig­ten, sie NICHT die von einer der Refe­ren­tIn­nen aus Pre­cia­dos ‚Kon­t­rase­xu­el­lem Mani­fest‘ refe­rierte These, daß sich Dil­dos in Form, Farbe sowie Positionierungs-​​/​Anbringungs-​​ und Ein­satz­mög­lich­kei­ten von Schwän­zen unter­schei­den statt Schwanz-​​Substitute zu sein. Das, was zu sehen war, schien eher auf getreulich-​​naturalistische Imi­ta­tion in Form, Farbe, Anbrin­gung (zwi­schen den Bei­nen) und Ein­satz (haupsäch­lich in der Vagina: mög­lichst tief, in mög­lichst schnel­lem Ryth­mus, mög­lichst hef­tig bis gewalt­sam) der männlich-​​heterosexuellen Nor­ma­li­tät zu zie­len.“
(mehr…)

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In den letzten Tagen gelesen

1.a) bei Just noch einen Nach­trag zu den Ter­min­hin­wei­sen von heute mor­gen: „Ab dem 6. Okto­ber gibts jede menge schoener Pla­kate, Comix & Skiz­zen von Trou­ble X bei Tante Horst (O-​​Strasse 45) in Kreuz­berg zu bestau­nen! Hier die Flyer 1 /​ 2.“
Dazu noch ein ergän­zen­der Hin­weis – Trou­ble X bei blog­sport: http://​trou​blex​.blog​sport​.de/ – zuletzt mit einem „Wir Frauen“ gege­be­nen Inter­view.
b) bei der Mäd­chen­mann­schaft einen Hin­weis auf das Femi­nis­ti­sche Musik­fes­ti­val vom 24. – 29.09. in Wien

2. bei Crull. Für die Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats wurde auf Texte zu Klas­sis­mus hin­ge­wie­sen und ansatz­weise über sie dis­ku­tiert. l bringt dort eine tref­fende Kri­tik an Standpunkt-​​Epistemologien:

„schon am anfang des buches wird ange­pran­gert, dass marx aus ner bür­ger­li­chen fami­lie kam – und daher sei wohl auch seine theo­rie arg davon beein­flusst. – AUCH DAS IST KLAS­SEN­RAS­SIS­MUS (von unten) :P
ich bin ja etwas skep­tisch. „

3. Bei scharf-​​links gibt es eine „Mar­xis­ti­sche Kri­tik an Judith But­ler“ – habe ich bis­her nur ein­mal durch­ge­scrollt. Hin­ge­wie­sen sei zumin­dest schon mal auf But­lers Auf­satz in der New Left ReviewMerely Cul­tu­ral“ (aus Netz­wer­ken von Universitäts-​​ und Staats­bi­blio­the­ken kos­ten­los), bevor 2009 ‚vor­schnell‘ allein anhand ihrer Bücher von Anfang der 90er Jahre geur­teilt wird.
4.a) indy­me­dia löscht mal wie­der: den von mir doku­men­tier­ten Bei­trag zu einer Aktion von Anar­chos gegen Pira­ten­par­tei­büro.
b) der Mäd­chen­blog hat sich im übri­gen auch kri­tisch zur Pria­ten­par­tei geäu­ßert („Frau­en­po­li­tik egal“) – das hatte ich bis ver­ges­sen, in mei­ner Wahl­über­sicht zu erwäh­nen.
5. Der Revo­lu­tio­när Sozia­lis­ti­sche Bund (RSB) ver­öf­fent­lichte einen „Leser“brief von mir zu einem Arti­kel in des­sen Zeit­schrift Avanti nebst Ant­wort des Autors. Thema: Rich­tige und fal­sche Kapitalismus-​​Kritik. Der Autor weist auf das Avanti-Schwerpunkt-​​Heft von 2005 „Marx statt Münte“ (Avanti 123, Juli/​August 2005) hin – habe ich aber auch noch nicht gele­sen.
6.a) die aus trotz­kis­ti­scher Tra­di­tion kom­mende SoZ rezen­siert das Buch von Felix Wem­heuer „Mao­is­mus. Ide­en­ge­schichte und revo­lu­tio­nä­rer Geist“
b) ergän­zend sei noch auf das Maoismus-​​Buch von Hen­ning Böke hin­ge­wie­sen.
7. Ent­ding­li­chung wies aus Anlaß mei­ner Wie­der­ver­öf­fent­li­chung der Kri­tik der Nr. 25 der Zeit­schrift Okto­ber („Das refor­mis­ti­sche Schaf im auto­no­men Wolfs­pelz“) an der Auto­no­mie Nr. 14 auf die bei Ent­ding­li­chung wie­der­ver­öf­fent­lichte Nr. 14 von Okto­ber mit frü­her Kri­tik an den Grü­nen hin:
++ ein Über­blicksar­ti­kel: „Die Par­la­men­ta­ri­sie­rung der Grü­nen“ (S. 1 – 4)
++ eine Kri­tik an Buch „Die Zukunft der Grü­nen“ (S. 4 – 11) der sei­ner­zei­ti­gen Partei-​​Linken Rai­ner Tram­pert und Tho­mas Eber­mann (mir scheint, die Wich­tig­keit auch einer Ände­run­gen der Kon­sum­weise wurde in der Rezen­sion zu sehr unter­schätzt, aber im Gro­ßen und Gan­zen wurde gut auf­ge­zeigt, wie auch die Ham­bur­ger Ökoso­zia­lis­ten dahin ten­die­ren, den Rechts-​​Links-​​Gegensatz einem vagen Pri­mat der Ökolo­gie als ‚Mensch­heits­frage‘ unter­zu­ord­nen)
und
++ eine Text „Die Grü­nen und ihre Nation“ (S. 18 + 12 – 17), der wie­der ein­mal beweist, daß nicht nur Anti­deut­sche in der Lage sind und waren, lin­ken deut­schen Nationalismus-​​Kritik zu kri­ti­sie­ren.
8. Das Ende des Sex weist auf mei­nen – ursprüng­lich als Kom­men­tar bei der Mäd­chen­mann­schaft gepos­te­ten – Bei­trag „Gibt es AUS­SCHLIESS­LICH zwei Geschlech­ter?“ hin und merkt dazu an: „Diese Frage wäre zu ergän­zen und in Zwei­fel zu zie­hen, dass es über­haupt zwei Geschlech­ter gibt.“ – Ich hoffe, ich schaffe es in den nächs­ten Tagen, dar­auf noch ein­mal zurück­zu­kom­men.
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Noch einmal: Grüner Rassismus

Im Nach­gang zum hie­si­gen Bei­trag von vor­ges­tern (Nr. 2) habe ich mich heute an der Dis­kus­sion beim Mäd­chen­blog über die Grü­nen Wahl­pla­kate in Kaarst betei­ligt.

Erst schickte ich den fol­gen­den Kom­men­tar, dann ant­wor­tete apos­tel drei­mal und schließ­lich ich noch zwei­mal, apos­tel drei wei­tenre Male und ich noch ein­mal: (mehr…)

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Gelesen (12.08.)

1. daß Ein­tags­fliege auf mei­nen gest­ri­gen Lite­ra­tur­hin­weis ant­wor­tet. Ein­tags­fliege schrieb am 7.8.:

Das „[S]chlechter-wegkommen von Frauen […] hat näm­lich sehr viel hand­fes­tere Gründe als eine Unter­re­prä­sen­ta­tion in der Spra­che und genau des­halb ist es so albern, wenn Leute mit die­sem Mit­tel [der Her­stel­lung oder Ver­bes­se­rung der sprach­li­chen Reprä­sen­tanz von Frauen, z.B. durch das große „I“ oder Tief­strich + Anfü­gung der Feminin-​​Endung, TaP] mei­nen, dage­gen anstin­ken zu kön­nen.“

In Anbe­tracht der hand­fes­ten Nai­vi­ti­tät eines Poli­tik­ver­ständ­nis­ses, das meint, Poli­tik (in der Spra­che von Ein­tags­fliege: „dage­gen anstin­ken“) auf ihre hand­fes­ten For­men redu­zie­ren zu kön­nen, machte ich ges­tern einen Lite­ra­tur­hin­weis [Abschnitt II.2.c) und d)] zum Thema Spra­che, Ideo­lo­gie und Hege­mo­nie. Bereits ges­tern ant­wor­tete Ein­tags­fliege:

„Aber um einen Punkt zu machen, Det­lef, im Sinne des Interim-​​Papiers [auf das ich ver­wie­sen hatte], ‚Zwi­schen uns und dem Feind einen kla­ren Tren­nungs­strich zie­hen‘: ‚Ernst­hafte Kri­tik setzt vor­aus, daß der Kri­ti­ker sich im Anspruch kom­mu­nis­ti­scher Poli­tik mit uns einig weiß. Dar­un­ter geht nichts.‘ (aus: Resul­tate der Arbeits­kon­fe­renz, Pro­gram­ma­ti­sche Erklä­rung der Roten Zellen/​AK)“

Das ist eine erfreu­lich deut­li­che Ansage. Erfreu­lich ist nicht nur die Deut­lich­keit, son­dern eben­falls, daß damit auch klar­ge­stellt ist, daß wir es hier nicht mit einem gra­du­el­len Kon­flikt zwi­schen unzu­rei­chen­der Sprach­kri­tik und hand­fes­ten Maß­nah­men gegen das „[S]chlechterwegkommen von Frauen“, son­dern viel­mehr mit einem grund­le­gen­den Inter­es­sen­kon­flikt zu tun haben. Wir könn­nen daher – ent­ge­gen der anfäng­li­chen Rhe­to­rik von Ein­tags­fliege – zwangs­los anneh­men, daß Ein­tags­fliege für hand­fes­ten Maß­nah­men gegen das „[S]chlechterwegkommen von Frauen“ erst recht nicht zu gewin­nen sein wird. Soweit, so klar.

Alles wei­tere ist aller­dings unklar:

a) Unklar ist schon, wel­chen Sinn es haben soll, die Dis­kus­sion auf eine Dis­kus­sion unter Kom­mu­nis­tIn­nen zu beschrän­ken, wenn der Anteil von Kom­mu­nis­tIn­nen (in all ihren Schat­tie­run­gen) an der Gesamt­be­völ­ke­rung viel­leicht 3 % beträgt. – Ach ja, ich ver­gaß: Fra­gen der Ideo­lo­gie, der Hege­mo­nie, der Spra­che, also auch Dis­kus­sio­nen, sind ja nicht hand­fest genug – völ­lig über­flüs­sig für „kom­mu­nis­ti­sche Poli­tik“.

b) Unklar ist eben­falls, ob
► Ein­tags­fliege mir oder dem ver­link­ten Text den kom­mu­nis­ti­schen Anspruch bestrei­tet (und, falls ja, mit wel­chem Argu­ment)
oder
► ob er die­sen gar nicht zur Kennt­nis genommt hat, weil Texte mit Spra­che zu tun haben, Spra­che nicht hand­fest genug ist – und folg­lich Texte ohne­hin nicht genau zur Kennt­nis genom­men wer­den müs­sen
oder
► er sich viel­mehr an dem kom­mu­nis­ti­schen Anspruch stößt und von anti­kom­mu­nis­ti­scher Seite aus einen ant­ago­nis­ti­schen Wider­spruch auf­macht.

c) Warum ihn mein Hin­weis auf die Gesichts­punkte von Ideo­lo­gie, Hege­mo­nie und Spra­che nicht über­zeugt, bleibt schließ­lich auch noch unklar. – Aber Argu­mente vor­brin­gen, hätte ja auch etwas mit Spra­che zu tun – und wäre des­halb man­gels Hand­fes­tig­keit eben­falls untun­lich.

Alles klar.

2. daß der Mäd­chen­blog berich­tet, daß sich die Grü­nen in Kaarst dach­ten, wenn sex sells bringt Sex viel­leicht auch WählerInnen-​​Stimmen – und ein Pla­kat mit wei­ßen Hän­den, die einen nak­ten schwar­zen Po grei­fen, mit dem Slo­gan „Der ein­zige Grund, schwarz zu wäh­len“ dru­cken lie­ßen. Die Initia­tive Schwar­zer Deut­scher kri­ti­siert:

Die Wei­ßen Frau­en­hände“ – mehr als, daß die wei­ßen Hände lackierte Fin­ger­nä­gel haben, ist zu dem gen­der-Thema aller­dings auf dem Pla­kat nicht zu sehen – „grap­schen, der Schwarze Kör­per ist pas­sive Ver­fü­gungs­masse für die Asso­zia­tio­nen der Wäh­le­rIn­nen­schaft. […]. Schwarze Men­schen wer­den zu Sex­ob­jek­ten und Spiel­zeu­gen einer wei­ßen Gesell­schaft degra­diert und dif­fa­miert, die offen­bar kei­nen bes­se­ren Grund sieht einen Schwar­zen Men­schen zu ‚wäh­len‘, außer sei­ner Sexua­li­tät.

Ergän­zend sei noch gesagt, daß das Bild (die ver­fü­gen­den wei­ßen Hände) durch den Text noch ver­stärkt wird: „Der ein­zige Grund, schwarz zu wäh­len“
► Es heißt nicht etwa: „Ein guter Grund, …“ – son­dern „Der ein­zige Grund, …“. – Und das ist auch kein Zufall: Denn ande­ren­falls würde aus der Anti-​​Werbung gegen die CDU, eine Wer­bung für die CDU. Mit „Ein guter Grund, …“ würde näm­lich – im Rah­men der Ver­knüp­fungs­lo­gik des Wahl­pla­ka­tes – die Schluß­fol­ge­rung nahe­ge­legt: „Wenn Sex mit Schwar­zen, warum dann nicht auch schwarz wäh­len?“ Dies macht den Vor­wurf der Initia­tive Schwar­zer Deut­scher voll­auf berech­tigt, daß die Grü­nen mit dem Pla­kat „Schwarze Men­schen [für] eine ‚humor­voll‘ beab­sich­tige Kam­pa­gne instru­men­ta­li­sie­ren“.
► Die grei­fen­den Hände sind auf dem Pla­kat das Sub­jekt der sexu­el­len Wahl und das wäh­lende Sub­jekte wird von den Grü­nen anschei­nend auch als aus­schließ­lich weiß ima­gi­niert, denn das Pla­kat ‚funk­tio­niert‘, wenn sich weiße Wäh­le­rIn­nen mit den wei­ßen Hän­den iden­ti­fi­zie­ren.
► Auch als grüne Kan­di­da­tIn­nen kom­men nach der Logik des Pla­ka­tes nur Weiße in Anber­tracht, denn: Wenn Sex der ein­zige Grund ist, Schwarze zu wäh­len, dann ist also Poli­tik kein Grund sein, Schwarze zu wäh­len – das Wäh­len und Nomi­nie­ren von Schwar­zen für Par­la­mente also untun­lich.
► Schließ­lich ver­wischt die Ver­knüp­fung von sexu­el­ler Wahl und Par­la­ments­wahl einen ent­schei­den­den Unter­schied: Die Par­la­ments­wahl erfolgt geheim und inso­weit ein­sei­tig: Eine Par­tei kann die Stim­men, die sie erhält nicht, zurück­wei­sen. Schwarze kön­nen aber sehr wohl die sexu­elle Wahl von Wei­ßen zurück­wei­sen, wie die sexu­elle Wahl über­haupt ihre ‚Voll­zugs­le­gi­ti­ma­tion‘ erst dadurch erhält, daß sie auf Gegen­sei­tig­keit erfolgt. Von einer sol­chen Gegen­sei­tig­keit ist auf dem Pla­kat nichts zu sehen.
(Einem der Kom­men­tare beim Mäd­chen­blog ist im übri­gen noch zu ent­neh­men, daß es sich lt. Urhe­be­rin bei den Hän­den tat­säch­lich um Frau­en­hände und bei dem Po um einen Frau­enpo han­deln soll. Mul­ti­ra­cial Les­bensex sells – wer/​welche noch nicht wußte, was von diver­sity manage­ment zu hal­ten ist, weiß es jetzt.)

3. bei der Mäd­chen­mann­schaft: daß sich die CDU – viel­leicht weni­ger über­ra­schend – auch nichts nimmt und mit einem Tie­fen­blick in den Aus­schnitt der Bun­des­kanz­le­rin und einer Ber­li­ner Wahl­kreis­kan­di­da­tin („Wir haben mehr zu bie­ten.“) wirbt.
4. daß deconstruc­ting history auf ein sexua­li­täts­ge­schicht­li­ches online-​​projekt – „Out​History​.org – Making Les­bian, Gay, Bise­xual, Trans­gen­der and Queer U.S. History“ ver­weist.
5. daß Trou­ble X eine release-Party (bzw. in Wahr­heit wohl nur einen Stand bei einer release-​​Party) in Mühl­heim hat (15.8., 20 h).

6.:

7. lah­ma­cun auf­hört zu blog­gen.
8. Links­Rhein meine gest­rige Nach­frage dan­kend zum Anlaß nahm, gleich die ganze Ver­an­stal­tungs­an­kün­di­gung zu löschen.
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Heute gelesen (11.8.)

1. daß der Mäd­chen­blog die berech­tigt Frage auf­wirft: „Und warum muß man das über­haupt stän­dig sein?“ – Gemeint ist in dem Fall mit „das“ „sexy“ und mit „man“ „Frauen“. Ergän­zend wäre zu fra­gen: Was ist eigent­lich mit Män­nern? Müs­sen die mitt­ler­weile auch sexy sein?
2. die hier schon neu­lich erwähnte Blüte des sexis­ti­schen Tier­schut­zes (Nr. 2) jetzt auch von Luise Pusch auf­ge­spießt wurde – nur die Gedan­ken­sprünge kurz vor Ende des Tex­tes wären wohl bes­ser in Ruhe aus­for­mu­liert wor­den:

“ Nur eine Stimme ent­rüs­tete sich dar­über, dass PETA die Tiere offen­bar schüt­zens­wer­ter fin­det als die Frauen. Auch Hit­ler war Vege­ta­rier und Hun­de­freund. Diese Män­ner mit ihren guten Taten. Sie erin­nern an die Ver­ge­wal­ti­gungs­ex­zesse unse­rer ‚BeFreier‘ (Helke San­der) nach dem zwei­ten Welt­krieg und an die UN-“Friedens“soldaten im ehe­ma­li­gen Jugo­sla­wien, die den Frau­en­han­del dort gewal­tig belebt haben.“

3. auch anna­list in das Horn von V. Horst [s. Heute gele­sen (9.8.), Nr. 2.a)] zu bla­sen scheint:

„Nach­dem die Anwäl­tIn­nen bele­gen konn­ten, dass einige Texte der mg-​​Debatte vom BKA geschrie­ben wor­den waren, mut­maßt jetzt Andreas Förs­ter in der Ber­li­ner Zei­tung, die ganze mg könnte Werk des Ver­fas­sungs­schut­zes sein: ‚In der lin­ken Szene gibt es nicht wenige, die hin­ter der mg nur das Hobby von ein, zwei Radi­ka­len ver­mu­ten oder gar ein Werk des Ver­fas­sungs­schut­zes wit­tern.‘ Dazu gibt es einen pas­sen­den Satz im Film Gefähr­der: ‚Wenn es die mili­tante gruppe nicht gäbe, müsste man sie erfin­den.‘“ – und dann geht es mit einem ande­ren Thema wei­ter.

Warum müs­sen eigent­lich bei jedem Thema die inner­lin­ken Geg­ne­rIn­nen gleich mit dem Lager der Fein­dIn­nen iden­ti­fi­ziert wer­den? Sollte diese Methode nicht spä­tes­tens seit Mos­kau 1936 hin­rei­chend dis­kre­di­tiert sein – und zwar auch dann, wann nicht mehr gleich zum Mit­tel des Schau­pro­zes­ses mit anschlie­ßen­der Hin­rich­tung gegrif­fen wird, son­dern es bei der begründungslos-​​spekulativen (von der Szene an die Presse getrasch­ten oder von der Presse erfun­de­nen und von Lin­ken nach­ge­trasch­ten) Denun­zia­tion bleibt?

4. Erfreu­li­cher ist daga­gen, daß anna­list auf diese nütz­li­che Über­sicht (Stand: Juli 2009) über die ver­schie­de­nen Ermitt­lungs­ver­fah­ren in Sachen mili­tan­ter gruppe hin­weist:

„[…]. Das erste §129a-​​Verfahren (mg 1) wegen Grün­dung der mili­tan­ten gruppe wurde im Juli 2001 gegen drei Akti­vis­ten der Initia­tive Libertad! ein­ge­lei­tet. Im August 2003 kamen zwei wei­tere Ver­fah­ren (mg 2 und mg 3) gegen jeweils eine Per­son hinzu. („Viel Rauch, kein Feuer“, Bericht der Initia­tive Libertad! vom 24.11.2003.)
Nach jah­re­lan­gen, ergeb­nis­lo­sen Ermitt­lun­gen wurde im Jahr 2006 ein vier­tes Ver­fah­ren gegen vier Per­so­nen, dar­un­ter And­rej Holm, ein­ge­lei­tet. Die­ses Ver­fah­ren wurde 2007 nach und nach um drei wei­tere Per­so­nen (Flo­rian, Oli­ver und Axel) erwei­tert. Das Ver­fah­ren gegen diese drei wurde 2008 vom Ursprungs­ver­fah­ren abge­trennt und Anklage erho­ben.
Bevor der Pro­zess gegen Flo­rian, Oli­ver und Axel im Sep­tem­ber 2008 begann, wurde zunächst das mg 2-​​, dann auch das mg 1-​​Verfahren gegen die Beschul­dig­ten ein­ge­stellt (Erklä­rung zur Ein­stel­lung des mg 1-​​Verfahrens). Das mg 1-​​Verfahren läuft gegen Unbe­kannt wei­ter.
Zur glei­chen Zeit wurde ein fünf­tes Ver­fah­ren wegen Unter­stüt­zung der mili­tan­ten gruppe gegen die inzwi­schen 13. beschul­digte Per­son ein­ge­lei­tet.
Im Juni 2009 wurde das mg 3-​​Verfahren ein­ge­stellt und ebenso das Ver­fah­ren gegen drei Beschul­digte im mg 4-​​Verfahren (siehe Berichte oben). Warum das Ver­fah­ren gegen And­rej Holm wahr­schein­lich nicht vor Pro­zess­ende ein­ge­stellt wird, erklärt die­ser in einem Inter­view.
Im Juli 2009 lau­fen also noch Ver­fah­ren gegen ins­ge­samt fünf Per­so­nen. Dazu gehört der Pro­zess gegen Flo­rian, Oli­ver und Axel. Neben die­sen Per­so­nen­ver­fah­ren gibt es die soge­nann­ten Anschlags­ver­fah­ren. Jeder Anschlag der mili­tan­ten gruppe wird in einem eige­nen Ermitt­lungs­ver­fah­ren gewür­digt.“ (http://​ein​stel​lung​.so36​.net/​d​e​/​s​t​a​n​d​-​m​g​-​v​e​r​f​ahren)

5. Dorf­disco hat eine neue Blüte des Anti-​​Antiimperialismus auf­ge­le­sen: Salon­com­mu­nis­ten mobi­li­sie­ren unter der Über­schrift „Gegen den Auf­marsch der Anti­imp Freaks“ gegen einen Nazi-​​Aufmarsch. Dorf­disco merkt mit Recht an:

„Da hatte die Welt ja mal echt Glück, dass Nazi­deutsch­land nicht impe­ria­lis­tisch aktiv war. Wäre näm­lich bestimmt ziem­lich grau­sam zuge­gan­gen, wenn die Deut­schen auf die Idee gekom­men wären ihre Nation in der Staa­ten­kon­kur­renz bes­ser abschnei­den zu las­sen in dem sie z.B. in Polen ein­fal­len, sich Rich­tung Ölquel­len im Kau­ka­sus auf­ma­chen oder Frank­reich durch eine mili­tä­ri­sche Beset­zung beherr­schen zu wol­len.“

6. Die hier ges­tern kri­tisch ver­merk­ten indymedia-​​Kommentare wur­den von lah­ma­cun einer Kri­tik unter­zo­gen. Die Mode­ra­tion hat mitt­ler­weile, nach ver­schie­de­nen LeserInnen-​​Hinweisen (die eben­falls gelöscht wur­den), einige Ergän­zun­gen ganz ent­fernt, und es gibt jetzt auch ein paar beden­kens­werte Kom­men­tare.
7. Die Ein­tags­fliege scheint sich noch nie mit dem Ver­hät­nis von Spra­che, Ideo­lo­gie und Hege­mo­nie beschäf­tigt zu sein haben – und wen­det sich gleich in zwei Bei­trä­gen gegen die sprach­li­che Reprä­sen­ta­tion von Frau­en­Les­ben und (ande­ren) queers (1, 2); vgl. ansatz­weise zu dem vor­ge­nann­ten Ver­hält­nis: http://​www​.nadir​.org/​n​a​d​i​r​/​p​e​r​i​o​d​i​k​a​/​i​n​t​e​r​i​m​/​h​e​f​t​/​h​e​f​t​4​4​0​/​s​e​i​t​e​1​0​f​f​.html, Abschnitt II.2.c) und d).

8. Lese­emp­feh­lung: die ver­schie­de­nen Kom­men­tare von Lysis zu http://​gepru​ef​tes​ar​gu​ment​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​8​/​0​8​/​a​n​t​i​f​a​s​-​i​n​t​e​r​n​a​t​i​o​n​a​l​e​-​k​o​m​m​u​n​i​s​t​i​n​n​e​n​-​u​n​d​-​t​o​p​-​b​e​r​l​i​n​-​n​u​e​t​z​l​i​c​h​e​-​i​d​i​o​t​e​n​-​d​e​s​-​w​e​s​t​l​i​c​h​e​n​-​i​m​p​e​r​a​l​i​s​m​u​s​/​#​c​o​m​ments – u.a.:

„die absurde Ver­wen­dung des Begriffs ‚Antifa‘, der offen­bar nahe­zu­le­gen ver­sucht, bei der ira­ni­schen Theo­kra­tie handle es sich um eine Art ‚Faschis­mus‘ – als ob es außer­halb Euro­pas je eine rele­vante faschis­ti­sche Bewe­gung gege­ben hätte! Der Faschis­mus ist ein sin­gu­lär euro­päi­sches (Epochen)Phänomen. Seine Über­tra­gung auf andere Län­der und andere Dik­ta­tu­ren hat sich noch immer als Unsinn erwie­sen. Die will­kür­li­che Anwen­dung die­ses Begriffs ist ein poten­ti­el­ler Quell von Geschichts­re­vi­sio­nis­mus, der im Sinne der his­to­ri­schen Kon­stel­la­tion des Zwei­ten Welt­kriegs ein mili­tä­ri­sches Ein­grei­fen nahe­zu­le­gen ver­sucht – also die Bom­bar­die­rung der ira­ni­schen Bevöl­ke­rung. Ich glaube, auf so eine Form der Soli­da­ri­tät hat auch die Pro­test­be­we­gung im Iran wenig Bock. Es ist näm­lich nicht gerade lus­tig, von Bom­ben zer­fetzt zu wer­den. Und hat mit Befrei­ung nicht das Min­deste zu tun.“

„Das ist echt das Ver­häng­nis­volle an die­ser Debatte: Auf der einen Seite totale Gleich­gül­tig­keit, auf der ande­ren kom­plette Hys­te­rie. „

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