Tag-Archiv für 'lsvd'

Noch einmal zu den Rassismus-Vorwürfen gegen den Berliner CSD

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Mitt­ler­weile gibt es eine ganze Reihe von Stel­lung­nah­men1 zu Judith But­lers Wei­ge­rung von vor rund zehn Tagen, den ihr ange­tra­ge­nen Zivilcourage-​​Preis anzu­neh­men. Außer der Erklä­rung von Sus­pect, die ich am Wochen­ende der geplatz­ten Preis­ver­lei­hung bereits zitiert hatte, die aber auch nicht Bezug nimmt auf kon­krete Äuße­run­gen aus dem CSD-​​Spektrum, wird But­lers Rassismus-​​Vorwurf in kei­ner die­ser zahl­rei­chen Stel­lung­nah­men mit kon­kre­ten Argu­men­ten, geschweige denn Bele­gen unter­mau­ert.

I.

Dies ist umso ver­wun­der­li­cher, als nicht nur mir auf­ge­fal­len ist, daß But­lers Kri­tik – so berech­tigt sie im Grund­satz sein dürfte und so schwie­rig es für sie selbst von Ber­ke­ley aus sein dürfte, ihre Kri­tik mit kon­kre­ten Belegen/​Zitaten zu illus­trie­ren – doch etwas in der Luft hängt.

Auf der Seite der Kam­pa­gne „IWWIT – ich weiß was ich tu“ („Und, wie sieht’s bei dir aus? Weißt du immer, was du tust, wenn es um den Schutz vor HIV und Aids geht?“) heißt es:

„Sie [But­ler] hatte es in ihrer schrift­lich vor­be­rei­te­ten Rede […] bei eher all­ge­mein gehal­te­nen Aus­sa­gen belas­sen. Warum der Ber­li­ner CSD in ihren Augen mit Pro­jek­ten koope­riere, die sich ras­sis­tisch geäu­ßert hät­ten, erklärte sie nicht.
Viele CSD-​​Besucher emp­fan­den But­lers Rede daher als dürf­tig. Von einer renom­mier­ten Den­ke­rin hätte man zumin­dest eine dif­fe­ren­zierte Begrün­dung erwar­tet, hieß es. Zumal But­ler nach der Preis­ver­lei­hung, die keine war, rasch das Weite suchte. Hin­ter­grund des Rassismus-​​Vorwurfs ist ver­mut­lich ein alter Streit in der Ber­li­ner Szene: Das Anti-​​Gewalt-​​Projekt Maneo, das zum schwu­len Info-​​ und Bera­tungs­zen­trum Mann-​​O-​​Meter gehört, hat in sei­nen Anga­ben über die Täter bei anti­sch­wu­ler Gewalt immer wie­der auch Anga­ben über deren Migra­ti­ons­hin­ter­grund gemacht. […]. Aber wie gesagt: Diese Debatte, die eine dif­fe­ren­zierte und ver­ant­wor­tungs­be­wusste Dis­kus­sion ver­langt, wurde auf der CSD-​​Bühne nicht aus­drück­lich erwähnt.“

Inso­fern liegt es nahe, wie Antje Schrupp in ihrem femi­nis­ti­schen blog „Aus Liebe zur Frei­heit“ zu schluß­fol­gern, daß die Sache „leicht auf eine mora­li­sche Schiene hin­aus“ laufe. Antje führt wei­ter aus, das führe „zu einer Kon­kur­renz darum, wer radi­ka­ler ist und mehr Recht hat als die ande­ren.“ Letz­te­res finde ich nun mei­ner­seits durch­aus unpro­ble­ma­tisch.

Aber pro­ble­ma­tisch ist, daß die Ansprü­che auf Radi­ka­li­tät und Recht haben nicht mit mehr Bele­gen und Argu­men­ten unter­mau­ert wer­den.

Judith sagte: „einige der Ver­an­stal­te­rIn­nen haben sich expli­zit ras­sis­tisch geäu­ßert bezie­hungs­weise sich nicht von die­sen Äuße­run­gen dis­tan­ziert.“

Zumin­dest den in die Ber­li­ner Dis­kus­sion invol­vier­ten Grup­pen sollte es doch wohl mög­lich sein, klar zu benen­nen: Wer/​welche hat wann was gesagt? Warum soll das ras­sis­tisch sein? Und wer/​welche hat es ver­säumt, sich von den umstrit­te­nen Äuße­run­gen zu dis­tan­zie­ren? (vgl. Nr. 3. der Anm.). Und in wel­cher Bezie­hung ste­hen diese Leute zum CSD bzw. den Preis­ver­lei­he­rIn­nen? Warum gibt es auch jetzt, rund 1 ½ Wochen nach dem Ereig­nis, immer noch kein Dossier/​Pressemappe o.ä. dazu (vgl. dort)?

II.

Mädchenmannschaft-​​Leser Andreas hat sich jetzt die Mühe gemacht, zumin­dest mal drei links zum Stand der Debatte vor Judith But­lers Inter­ven­tion zusam­men­zu­stel­len: (mehr…)

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