Tag-Archiv für 'lenin'

Zum Stand der Organisierungs- und Programmdebatte

Ende März hatte die Sozialistische Initiative Berlin (damals noch mit dem Zusatz: „-Schöneberg“) mit ihrem Papier „Neue antikapitalistische Organisation? Neue antikapitalistische Organisation? Na endlich!“ eine – auch hier schon öfters Thema gewesene – Programm- und Organisierungsdebatte ausgelöst. Mittlerweile hat die Debatte – insbesondere durch die Beiträge des Kreises der AutorInnen eines „Bochumer Programm“-Entwurfes – deutlich an Fahrt aufgenommen.
Strittig ist im Moment insbesondere, ob das Konzept des „revolutionären Bruchs“ tatsächlich zur Grundlage der Arbeit der eventuell zu gründenden Organisation gemacht werden soll (wie in dem „Na endlich“-Papier vorgeschlagen und sogar als „unverhandelbar“ bezeichnet wurde) oder ob die Organisation auch für gradualistische Konzeptionen, die eine schrittweise Änderung der Gesellschaftsstruktur ohne revolutionären Bruch anstreben, offen sein soll, und ob das „Bochumer Programm“ in die zweitgenannte Kategorie fällt.

Meine letzten Beiträge zu diesem Thema finden sich dort:

und

sowie
schon etwas älter:

Außerdem gibt es eine Übersicht über dieses und 19 weitere Themen, die bisher strittig diskutiert wurden und weiter diskutiert werden sollen:

.

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Von der Philosophie zur Politik

Noch mal zu Postmoderne und Leninismus –

oder: Antwort1 auf das „Quietscheentchen“-Papier (SIBS v. 28.7.)

Dieser wie folgt gegliederte Text wird ab morgen Mittag im „Arsch hoch“-blog zur Organisierungs- und Programmdebatte zur Verfügung stehen: http://arschhoch.blogsport.de/2011/08/20/von-der-philosophie-zur-politik/.

Überblick:

I. Von der ‚postmodernen’ Philosophie …

1. Historischer Materialismus und idealistische Geschichtsphilosophie
2. Die Frage nach dem Gehalt von Theorie
3. Begriff und Wirklichkeit
4. Die Vernunft, die Macht und der Irrationalismus
5. Wertkritik und Postmoderne

II. … zum historischen Materialismus …

1. sex und gender
2. Vom wissenschaftlichen und politischen Nutzen der De-Konstruktion
3. Hauptwidersprüche, Nebenwidersprüche, Grundwidersprüche – und die Perspektiven einer Weltrevolution

III. … zur revolutionären Organisierung

1. Für revolutionäre Politik ohne geschichtsphilosophische Durchhalteparolen
2. Selbstkritisches zum Zeitplan
3. Arbeitskonferenz, Debattenverlauf und Spektrenerweiterung

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Antworten auf Kritik

Der indymedia-Bericht über unsere Transpi- und Flugi-Aktion beim Berliner Stutwalk löste – neben kruder Pöbelei (siehe dazu dort) – einige ernsthafte Einwände und Bedenken gegen unsere Parole von der ‚Abschaffung der Männer‘ aus. Der besseren Lesbarkeit und Übersichtlichkeit wegen werden hier im folgenden die sich direkt auf einander beziehendenen indymedia-“Ergänzungen“ (Kommentare) direkt gegenübergestellt und zwar zu folgenden Themen:

Nur Männer abschaffen? – Oder: Alle Geschlechter abschaffen?
Zum Verhältnis von ‚Männlichkeit’ und ‚Mannsein’
Verständnisschwierigkeiten und Erklärungsversuche (evtl. bietet es sich an, die Lektüre mit dieser Diskussion zu beginnen, statt der Chronologie der Kritiken zu folgen)
Wessen „dogmatische Engstirnigkeit“?
Hartes Faktum „Muttermilch“?

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Schwierigkeiten mit der Papst-Kritik

Der Papst kommt am 22./23.9. nach Berlin. Aus Anlaß eines schlichten Terminhinweises kam ich in die Verlegenheit, mich mit der Textproduktion der beiden existierenden Protestbündnisse zu befassen.

Das eine Bündnis ist jedenfalls eindeutig reformistisch dominiert (u.a. LSVD, Die Linke Berlin, Untergliederungen von SPD und Grünen, Humanistische Union), und auch dessen „Resolution“ ist entsprechend festgelegt und nicht etwa offen für andere politische Orientierungen: Jede politische Parteilichkeit wird vermieden und sich statt dessen auf die reine Menschlichkeit berufen: „Der Papst steht für eine menschenfeindliche Geschlechter- und Sexualpolitik. Sie grenzt Menschen aus und diskriminiert.“ Demgegenüber wußte Karl Marx: „Dies sogenannte ‚Unmenschliche’ ist ebensogut ein Produkt der jetzigen Verhältnisse wie das ‚Menschliche’“ (S. 267).
Das zweite Bündnis, von Gruppen aus der (post)autonomen Szene gebildet, zitiert immerhin Marx (mehr…)

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Zwischenbilanz / Organisierungsdebatte – jetzt mit Inhaltsverzeichnis

Die Schöneberger haben versucht, eine erste Zwischenbilanz der Organisierungsdebatte zu formulieren:

Von Quietscheenten, Liebesbeziehungen und »Fidelio« – zum Stand der ökumenischen Initiative aus dem Ratskeller Schöneberg:

Irgendwo zwischen Schlammschlacht, Skepsis und ernsthaftem Anlauf
Lenin als erster Postmoderner?
Dekonstruktivistischer Marxismus?
Kapitalismus- und Patriarchatskritik wieder zusammenbringen …
… aber wie ?

    1. Basis und Überbau
    2. »Dual«- oder Triple-Oppression?
    3. Tendenz kapitalistischer Vergesellschaftung
    4. Kombinierte und ungleichzeitige Entwicklung
    5. Verschränkung
    6. Wenn’s konkret wird, werden wir uns schon einigen!

Kompromisse und Schmerzgrenzen

    (1) Konzept des revolutionären Bruchs
    (2) Keine Mitverwaltung der kapitalistischen Krise
    (3) Klassenorientierung
    (4) Einheitsfront-Methode
    (5) Eine (gewisse) organisatorische Verbindlichkeit

Verabreden wir uns verbindlich …,

und ich habe eine erste Antwort geschrieben:

Kommentar vom 29.07.2011; 17:09 h:

1. Hausfrauen und Lohnabhängigenklasse
2. Frauenlohndiskriminierung

    a) Im Fordismus
    b) Im Neoliberalismus

3. Rassismus und Patriarchat
4. Hauptlinien der Programmatik und Mobilisierung
5. Reform und Revolution.

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Die Lage der Linken in der BRD und die Aufgaben einer revolutionären Organisation

Heute erschien unter der auch hier gewählten Überschrift ein Beitrag von mir bei trend. onlinezeitung mit folgenden Abschnitten:

I. Die Lage der Linken in der BRD

II. Die Aufgabe einer revolutionären Organisation

III. Nächste Schritte.

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Revolutionäre Politik heute: gegen Klassenreduktionismus und diversity management

Der blog LAFONTAINES LINKE zum gleichnamigen Buch von Wolfgang Hübner und Tom Strohschneider veröffentlicht von mir einen Text mit der Überschrift „Noch mal: Diversity-Management statt Klassenkampf?“ und schreibt zur Einleitung:

„Die Debatte über das Papier ‚Neue Antikapitalistische Organisation? Na endlich!‘ geht weiter. Diversity-Management statt Klassenkampf?, hatten Michael Prütz und Michael Schilwa von der Sozialistischen Initiative Berlin-Schöneberg gefragt. Und Thomas Seibert antwortete. Die Kontroverse nimmt Detlef Georgia Schulze (mehr hier) auf: Revolutionäre Politik lasse sich nur in doppelter Opposition gegen “traditionalistischen” Klassenreduktionismus und “postmodernes” diversity management wiedergewinnen.“ (mehr).

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Für das Recht auf Lostrennung, aber nicht unbedingt für dessen Ausübung

Im Nachgang zur küzlichen Nationalismus/Antiimperialismus-Diskussion – und in doppelter Abgrenzung sowohl gegen klassenunspezifisch-antiimperialistische Vereinnamung* Lenins als auch gegen antinationale Kritik an Lenin (workshop 3) – folgt hier noch ein Nachtrag in Form eines Auszuges aus einem älteren Text, den ich gerade online gestellt habe.

* „In der imperialistischen Phase des Kapitalismus findet der nationale Klassenkampf seine internationale Entsprechung im antagonistischen Konflikt zwischen Unterdrücker- und unterdrückten Nationen. Den Nationalismus der unterdrückten Nationen betrachtete Lenin als tendenziell fortschrittlich, den der Unterdrücker-Nationen als ausschließlich reaktionär.“ (Werner Pirker) Die gesellschaftlichen Widersprüche innerhalb der verschiedenen Nationen, insb. der „unterdrückten Nationen“, verschwindet und die „unterdrückten Nationen“ werden schlicht zur ‚Entsprechung‘ der ArbeiterInnenklasse erklärt. Aber genau dies war Lenins Position nicht.

Nationale Befreiung oder feministisch-kommunistische Revolution?

Es geht darum, im Rahmen einer revolutionären Strategie handlungsfähig zu werden. Dafür ist es zwar einerseits keinesfalls geboten, die politischen Positionen der PKK1 zu übernehmen.

RevolutionärInnen haben zwar den türkischen Kolonialismus und dessen Unterstützung durch die BRD anzugreifen, bis hin zur Verteidigung des Rechts der KurdInnen auf Lostrennung von Türkei. Dies ist aber «in der Hauptsache eine negative Aufgabe»2, die in der Kritik von Kolonialismus und Imperialismus besteht. Eine positive Stellungnahme zur kurdischen (oder irgendeiner anderen, insbesondere deutschen) Nation kann aber nicht die Aufgabe der RevolutionärInnen sein: Denn «der Nationalstaat [ist] für die kapitalistische Periode das Typische, das Normale»3.


Lenin gegen den Nationalismus

«In jeder Nation gibt es […] eine bürgerliche (und in den meisten Fällen noch dazu eine erzreaktionäre und klerikale) Kultur, und zwar nicht nur in Form von ‘Elementen’, sondern als herrschende Kultur. Deshalb ist die ‘nationale Kultur’ schlechthin die Kultur der Gutsbesitzer, der Pfaffen, der Bourgeoisie. [… Wir] entnehmen […] jeder nationalen Kultur nur ihre […] sozialistischen Elemente; entnehmen sie nur und unbedingt als Gegengewicht zur bürgerlichen Kultur, zum bürgerlichen Nationalismus jeder Nation.»4
RevolutionärInnen dürfen nicht die «Losung der nationalen Kultur» aufstellen, sondern müssen «im Gegensatz zu ihr in allen Sprachen […] die Losung des Internationalismus […] propagieren»5.


Sie propagieren nicht die nationale Abgrenzung, sondern die gemeinsame Organisierung aller RevolutionärInnen innerhalb der jeweils gegebenen (staatlichen) Gebietskörperschaften sowie die Überwindung der nationalen Unterschiede im weltrevolutionären Prozeß.6 (Beides schließt nicht aus [sondern sollte vielmehr einschließen], daß sich die Angehörige spezifisch unterdrückter und ausgebeuteter Gruppen zusätzlich gesondert gegen eine – anderenfalls zu erwartene – Reproduktion dieser Unterdrückungsformen in der revolutionären Bewegung organisieren.).

Die Ausübung des Rechts auf nationale Lostrennung wird für RevolutionärInnen nur unter zwei Voraussetzung7 zur eigenen Losung:

1. Die RevolutionärInnen sind zu schwach (bzw. die Pseudo-RevolutionärInnen sind nicht willens), sämtliche Unterdrückung (einschließlich der nationalen) innerhalb der gegebenen Staatsgrenzen zu überwinden. (Diese Voraussetzung ist in der Türkei/Kurdistan zweifelsohne gegeben).

2. Gleichzeitig hat sich innerhalb der national unterdrückten Gebiete eine starke nationalistische (und das heißt immer: bürgerliche) Bewegung herausgebildet, die gute Erfolgsaussichten hat, zumindest diese Unterdrückung zu beseitigen. (Dies – aber auch nicht mehr – ist in Form der PKK in türkisch Kurdistan ebenfalls gegeben.)

Aber auch in diesem Fall dürfen sich die RevolutionärInnen weder organisatorisch noch politisch den (bürgerlichen) NationalistInnen unterordnen, sondern müssen den Kampf für ihre weitergehenden Ziele fortsetzen.

Andererseits dürfen die – sich aus dieser Position ergebenen – Differenzen zur Politik der PKK aber auch nicht zum Alibi für Nicht-Verhalten werden: «Wichtig ist, die Unterschiede wahrzunehmen […], aber genauso wichtig ist es, aus den die HERRschaft stärkenden Abgrenzungen auszubrechen und ein kämpferisches Miteinander zu entwickeln, das die Durchsetzung alter und neuer patriarchaler Macht und kapitalistischer Verwertungsziele behindert, wo immer wir es schaffen. Unsere Hoffnung auf Frauenbefreiung und unsere Vorstellung von Kommunismus […] kann als Tendenz nur dann sicht- und lebbar werden, wenn wir unsere von einander abgegrenzten und gegeneinander ausspielbaren […U]nterdrückungen und unsere unterschiedlichen Strategien dagegen in eine Kraft vernetzter Widerstandsstrukturen umwandeln.»8

(mehr…)

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Für Antiimperialismus ohne Gegen-Nationalismus!

Im Gegensatz zur späteren Praxis des ‚real’sozialistischen Lagers und auch vieler post-’68 sozialer Bewegungen postulierte Lenin, daß sich KommunistInnen nicht positiv auf Nationalismen beziehen sollten: Die Haltung von KommunistInnen zum Nationalismus ist eine analytische Anerkennung, keine Identifikation.

„Der Grundsatz der Nationalität ist in der bürgerlichen Gesellschaft unvermeidlich, und der Marxist, der mit dieser Gesellschaft rechnet, erkennt die geschichtliche Berechtigung nationaler Bewegungen durchaus an. Damit aber diese Anerkennung nicht zu einer Apologie des Nationalismus werde, muß sie sich strengstens auf das beschränken, was an diesen Bewegungen fortschrittlich ist, damit sie nicht zur Vernebelung des proletarischen Klassenbewußtseins durch die bürgerliche Ideologie führe. Fortschrittlich ist das Erwachen der Massen aus dem feudalen Schlaf, ihr Kampf gegen Unterdrückung, für die Souveränität des Volkes, für die Souveränität der Nation [statt des Monarchen, TaP]. Daher die unbedingte Pflicht des Marxisten, auf allen Teilgebieten der nationalen Frage den entschiedensten und konsequentesten Demokratismus zu verfechten. Das ist in der Hauptsache eine negative Aufgabe. Weiter darf das Proletariat in der Unterstützung des Nationalismus nicht gehen, denn dann beginnt die ‘positive’ (bejahende) Tätigkeit der nach Stärkung des Nationalismus strebenden Bourgeoisie. Jedes feudale Joch, jede nationale Unterdrückung, jedwede Privilegien einer der Nationen oder Sprachen abzuschütteln, ist die unbedingte Pflicht des Proletariats als einer demokratischen Kraft, ist das unbedingte Interesse des proletarischen Klassenkampfes, der durch den nationalen Hader verdunkelt und gehemmt wird. Aber den bürgerlichen Nationalismus über diese streng gezogenen, durch einen bestimmten historischen Rahmen gegebenen Grenzen hinaus zu fördern, heißt das Proletariat verraten und sich auf die Seite der Bourgeoisie schlagen.“ (LW 20, 19 f.; engl.).

Und zumindest hinsichtlich der Klassenverhältnisse war ihm klar:

„Die kommunistische Partei, [… muß] auch in der nationalen Frage […] ausgehen: erstens von einer genauen Einschätzung der konkreten historischen und vor allem ökonomischen Situation; zweitens von einer klaren Herauslösung der Interessen der unterdrückten Klassen, der Werktätigen, der Ausgebeuteten, aus dem allgemeinen Begriff der Volksinteressen schlecht hin; […].“

„Die Kommunistische Internationale muß ein zeitweiliges Bündnis mit der bürgerlichen Demokratie der Kolonien und der zurückgebliebenen Länder eingehen, darf sich aber nicht mit ihr verschmelzen, sondern muß unbedingt die Selbständigkeit der proletarischen Bewegung – sogar in ihrer Keimform – wahren; […].“ (LW 31, 133, 138; engl.)

Diese Einsichten gilt es heute für die anderen gesellschaftlichen Antagonismen zu aktualisieren. Die Rekonstruktion eines revolutionären, linken Antiimperialismus ist nur zu haben, wenn sie nicht mit einer erneuter Verschmelzung mit Gegen-Nationalismen verbunden wird.

Vgl. auch: http://theoriealspraxis.blogsport.de/2010/06/01/aus-gegebenen-anlass-alternativer-imperialismus-oder-antiimperialismus/: Die Praxis des Antiimperialismus sollte in der Bekämpfung des ‚eigenen‘ Imperialismus, nicht in der Unterstüzung von Gegen-Nationalismen bestehen.

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Luxemburg und Lenin – Arm in Arm gegen die Kritik des Kapitalismus als „ungerecht“

1918 schrieb Rosa Luxemburg, in einem Kapitel, das sie zu Mehrings Karl Marx. Geschichte seines Lebens (Leipziger Buchdruckerei) beisteuerte: „[…] die Schulen der Sozialisten, die vor Marx auftraten, [erklärten] die Bereicherung der Kapitalisten zu allermeist als glatte Prellerei, ja als Diebstahl an den Arbeitern, der durch die Dazwischenkunft des Geldes oder durch Mangel an Organisation des Produktionsprozesses ermöglicht werde. Von hier aus kamen jene Sozialisten zu verschiedenen utopischen Plänen, wie man durch Abschaffung des Geldes, durch ‚Organisation der Arbeit’ und dergleichen mehr die Ausbeutung beseitigen könne. Marx deckt nun im ersten Band des ‚Kapitals’ die wirkliche Wurzel der kapitalistischen Bereicherung auf. Er befaßt sich weder mit Rechtfertigungsgründen für die Kapitalisten noch mit Anklagen gegen ihre Ungerechtigkeit: […]. Marx erklärt also die kapitalistische Bereicherung nicht als irgendeine Vergütung des Kapitalisten für eingebildete Opfer und Wohltaten und ebensowenig als Prellerei und Diebstahl im landläufige Sinne des Wortes, sondern als ein im Sinne des Strafrechts völlig rechtmäßiges Austauschgeschäft zwischen Kapitalisten und Arbeiter, das sich genau nach denselben Gesetzen abwickelt wie jeder andere Warenkauf und Warenverlauf auch. […]. Er [Marx] hat dargetan, daß die Ausbeutung erst dadurch und lediglich dadurch beseitigt werden kann, daß der Verkauf der Arbeitskraft, will sagen das Lohnsystem, aufgehoben wird.“
(378 – 387 [379, 380; vgl. S. XII zur Autorschaft Luxemburgs] = Rosa Luxemburg, Gesammelte Werke. Bd. 4, Dietz: Berlin/DDR, 1974, 291 – 301 [292, 293; vgl. zur Erstveröffentlichung: S. 301]).

Und Lenin schrieb 1912 in Zwei Utopien: „Dieser [der utopische] Sozialismus war ‚falsch’, da er den Mehrwert als Ungerechtigkeit der Gesetze des Warenaustauschs erklärte. Gegen diesen Sozialismus hatten die Theoretiker der bürgerlichen politischen Ökonomie im formell ökonomischen Sinn recht, denn aus den Gesetzen des Austauschs ergibt sich der Mehrwert ganz ‚natürlich’, ganz ‚gerecht’.“
(in: ders., Werke. Bd. 18, Dietz: Berlin/DDR, 1962, 347 – 351 [350]).

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Lenin über Ferdinand Lassalles Staatssozialismus

„Ihre [Lassalles und der Lassalleaner, DGS] Fehler liefen darauf hin, die Arbeitpartei auf eine bonapartisch-staatssozialistische Linie zu lenken.“

(Wladimir Iljitsch Lenin, August Bebel [1913], in: ders., Werke. Bd. 19, Dietz: Berlin/DDR, 3. Aufl.: 1968 (1. Aufl.: 1962), 285 – 291 [287])

„Their [Lassalle’s and his followers‘, DGS] mistake lay in diverting the workers’ party on to the Bonapartist-state-socialist path.“

http://marxists.anu.edu.au/archive/lenin/works/1913/aug/08.htm

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„Lenin“ – Ernst Busch / Hanns Eisler / Johannes R. Becher

http://www.youtube.com/watch?v=y1iEefiKa1s

(Morgen folgt mehr zum heutigen 140. Geburtstag von Lenin)

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(Was) wählen? – Teil II

Grüne und FDP: Für Familie statt Sozialstaat

Die Süddeutsche Zeitung hat die älteste Bundestagskandidatin (von den Grünen) und die jüngste (von der FDP) zu einem Gespräch versammelt – und die verstanden sich wunderbar:

sueddeutsche.de: Frau Rectenwald, was kann Frau Zecher von Ihnen lernen?
Rectenwald [FDP, TaP]: Das ist weniger etwas, was ich Frau Zecher erklären kann, sondern anderen älteren Menschen. Die Schuldenlast, die künftige Generationen aufgebürdet bekommen. Viele Senioren haben große Angst vor der Altersarmut, das ist völlig verständlich. Das Problem ist, dass es Parteien wie die Linke gibt, die älteren Menschen Dinge versprechen, die nur möglich sind, wenn wir jungen Leute sie finanzieren. Unglaublich viele Ältere machen sich überhaupt keine Gedanken darüber, dass eine drastisch erhöhte Rente riesige Schulden bedeuten würden – wir Jungen müssten sie abbezahlen.
Zecher [Grüne, TaP]: Man muss den Leuten klarmachen, dass man selber etwas tun muss und nicht alles auf den Staat abwälzt. Ich erhalte übrigens 450 Euro Rente im Monat und wohne im eigenen Haus. Und ich habe eine Rente in meinen fünf Kindern. Mein Mann und ich haben das 1947 beim Hausbau auch so gemacht: Wir haben unsere Eltern mit zu uns genommen. Und waren damit Vorbild für unsere Kinder.
Rectenwald: Das finde ich richtig und wichtig. Die nachkommende Generation soll lernen, solidarisch zu handeln, in der Familie. Im Alter werde ich auch meine Eltern finanziell unterstützen. Freiwilliges Handeln in der Familie statt hohe Schuldenberge durch staatliche Abgaben. Was natürlich auch klar ist: Wenn man jahrelang gearbeitet hat und in die Rentenkasse eingezahlt hat, darf es nicht sein, dass man nur noch verschwindend wenig davon erhält.
sueddeutsche.de: Familiärer Zusammenhalt – am Ende unseres Gesprächs klingen Sie beide richtig konservativ.
Zecher: Na, in manchen Sachen muss man eben wertekonservativ sein. (lacht) Nina, bleiben wir in Kontakt? Sie können mir ja mal eine E-Mail schreiben.
Rectenwald: Das mache ich gerne, Frau Zecher.“

Das Rote Reutlitz über die Grünen als Kriegspartei

Auch das Rote Reutlitz ist den Grünen abgeneigt – und zitiert German Foreign Policy:

„‚Der grüne Politiker Nachtwei, der in seinem Berliner Parlamentsbüro NATO-Devotionalien zur Schau stellt, repräsentiert nicht unerhebliche Teile der grünen Mitgliedschaft. Die Anhänger von Bündnis 90/Die Grünen unterstützen das Okkupationsregime der NATO zu rund 50 Prozent – und damit in einem deutlich höheren Umfang als Parteigänger von CDU oder FDP, heißt es in einer Umfrage.[4] Die statistische Momentaufnahme offenbart, dass sich die Kriegsbereitschaft des grünen Lagers seit den Bomben- und Raketenangriffen auf Jugoslawien stabilisiert hat und auch außerhalb der damaligen Regierungsverantwortung anhält.‘
(aus http://german-foreign-policy.com/de/fulltext/57625?PHPSESSID=utl3b6eutmlvq6b3pug92v8301)“

Subradical Aschaffenburg: Nazis kleinhalten

Ein neues Argument für das Wählengehen bringt Subradical. Subkultur & Politik Aschaffenburg:

„Bleibt aber ein bisher wenig oder gar nicht bedachter Fakt: Falls wir wirklich wollen, dass Nazis wenig Stimmen bekommen, vielleicht sogar an der Grenze zur Wahlkampfkostenrückerstattung scheitern, dann dürfen sie im Verhältnis zu den gültig abgegebenen Stimmen eben nur einen geringen Prozentsatz erhalten. Das heißt: Jede nicht für Nazis abgegebene gültige Stimme senkt die Nazi-Prozente. Wenn es keinen anderen Grund gibt, zur Wahl zu gehen: Wenigsten diesen gibt es.“

Unter diesem Gesichtspunkt wäre sogar eine Stimme für DKP, MLPD und PSG nicht verloren (wenn denn einige partout nicht Linkspartei wählen wollen). Für diejenigen die ein Rechenbeispiel brauchen:
++ Nehmen wir an, eine Partei hätte bei einer Wahlbeteiligung von 60 % einen Stimmenanteil von genau 0,5 Prozent.
++ Nehmen wir des weiteren an, es würde gelingen 5 weitere Prozent der Wahlberechtigten zum Wählengehen zu mobilisieren, die ausschließlich andere Parteien als die fragliche Partei wählen würden, so würde deren Anteil auf 0,46 Prozent sinken. -
Zum Thema Wählengehen gab es im übrigen schon zwei frühere Beiträge bei subradical (1, 2).

Reflexion und Meta zur Piratenpartei

All4one hat sich die Mühe gemacht, das Wahlprogramm der Piraten zu lesen – und Interessantes gefunden:

„Die Piratenpartei richtet sich gegen ein Verbot von Killerspielen/Ego­shootern. Hierbei wird als Erstes standortnationalistisch argumentiert. Wenn in der BRD die Produktion von Gewalt-Spielen verboten würde, würden amerikanische Softwarekonzerne profitieren: „Deutsche Börse Frankfurt oder New York Stock Exchange“. Es finden sich unzählige solcher Punkte in der Programmatik der Piratenpartei, die für Verwirrung sorgen. Im ersten Kapitel ihres Bundestagswahlprogramms beruft sich die Piratenpartei auf die Pariser Menschenrechtserklärung von 1948 und auf das Grundgesetz.“

„Gleichzeitig geben sie sich betont staatstreu. So heißt es in Kapitel 2: „Die Bekämpfung der Kriminalität ist eine wichtige staatliche Aufgabe. Sie ist nach unserer Überzeugung nur durch eine intelligente, rationale und evidenzbasierte Sicherheitspolitik auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse zu gewährleisten“.

(Zu meiner Überraschung wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 tatsächlich in Paris verabschiedet – zumindest lt. Wikipedia. – Gleich noch was gelernt.)

Die

Basisdemokratische Aktion Hannover

weist auf den Erststimmen-Check http://www.wen-waehlen.de/ hin.

Unter eher lokalpolitischen Gesichtspunkten widmet sich

Brannenburg aktuell

den DirektkandidatInnen im Wahlkreis Rosenheim (1 , 2, 3 usw.), weist aber auch auf eine ganze Reihe von überörtlichen Stellungnahmen hin, die hier noch nicht erwähnt wurden.

scharf-links

brachte gestern zum einen von Lars Stöckner eine vorab-Kritik der Wahlberichterstattung vom kommenden Sonntagabend, die mit folgendem PS. endet:

„P.S. Dies ist kein Aufruf zum nicht wählen gehen, im Gegenteil (bitte wählen gehen!!!!), sondern zum Aktiv werden.“

Zum anderen wurde dort der erste Teil der hiesigen Übersicht, zu dem es im übrigen hier eine ganze Reihe Kommentare (ff.) von unterschiedlichen Leuten gab, übernommen.

Zum Schluß noch

►ein Wahlaufruf, an dessen Erstellung ich 1994 beteiligt war und der damals sogar die Veröffentlichungsgnade der interim-Redaktion fand (Nr. und Datum habe ich gerade nicht zur Hand; aber waren – glaube ich – die vierte und dritte Seite von hinten – irgendwann kurz vor der Wahl).
►und was der Meister der politischen Theorie zum Thema Wählen zu sagen hatte:

Soll man sich an den bürgerlichen Parlamenten beteiligen?

Die deutschen ‚linken‘ Kommunisten beantworten diese Frage mit größter Geringschätzung – und mit größter Leichtfertigkeit – verneinend. Ihre Argumente? In dem oben angeführten Zitat haben wir gelesen:
‚… jede Rückkehr zu den historisch und politisch erledigten Kampfformen des Parlamentarismus … ist mit aller Entschiedenheit abzulehnen …‘
Das ist bis zur Lächerlichkeit anmaßend gesagt und offenkundig falsch. ‚Rückkehr‘ zum Parlamentarismus! Gibt es in Deutschland gar schon eine Sowjetrepublik? Doch wohl nicht! Wie kann man also von einer ‚Rückkehr‘ reden? Ist das nicht eine leere Phrase?
Der Parlamentarismus ist ‚historisch erledigt‘. Im Sinne der Propaganda ist das richtig. Aber jedermann weiß, daß es von da bis zur praktischen Überwindung noch sehr weit ist. Den Kapitalismus konnte man bereits vor vielen Jahrzehnten, und zwar mit vollem Recht, als ‚historisch erledigt‘ bezeichnen, das enthebt uns aber keineswegs der Notwendigkeit eines sehr langen und sehr hartnäckigen Kampfes auf dem Boden des Kapitalismus. Der Parlamentarismus ist im welthistorischen Sinne ‚historisch erledigt‘, d.h., die Epoche des bürgerlichen Parlamentarismus ist beendet, die Epoche der Diktatur des Proletariats hat begonnen. Das ist unbestreitbar. Aber der welthistorische Maßstab rechnet nach Jahrzehnten. 10 bis 20 Jahre früher oder später, das ist, mit dem welthistorischen Maßstab gemessen, gleichgültig, das ist – vom Standpunkt der Weltgeschichte aus gesehen – eine Kleinigkeit, die man nicht einmal annähernd berechnen kann. Aber gerade deshalb ist es eine haarsträubende theoretische Unrichtigkeit, sich in einer Frage der praktischen Politik auf den welthistorischen Maßstab zu berufen.
Der Parlamentarismus ist ‚politisch erledigt‘? Das ist eine ganz andere Sache. Wäre das richtig, dann hätten die ‚Linken‘ eine feste Position. Das müßte jedoch durch eine sehr gründliche Analyse bewiesen werden, die ‚Linken‘ aber verstehen es nicht einmal, an eine solche Analyse heranzugehen. In den ‚Thesen über den Parlamentarismus‘, die in Nr.1 des ‚Bulletins des Provisorischen Amsterdamer Büros der Kommunistischen Internationale‘ (‚Bulletin of the Provisional Bureau in Amsterdam of the Communist International, February 1920) veröffentlicht sind und offensichtlich die Ansichten der holländisch-linken oder links-holländischen Richtung zum Ausdruck bringen, ist die Analyse, wie wir sehen werden, ebenfalls ganz miserabel.
Erstens. Die deutschen ‚Linken‘ haben entgegen der Meinung so hervorragender politischer Führer wie Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht bekanntlich schon im Januar 1919 den Parlamentarismus für ‚politisch erledigt‘ gehalten. Wie bekannt, haben sich die ‚Linken‘ geirrt. Schon das allein stößt sofort und radikal die These um, daß der Parlamentarismus ‚politisch erledigt‘ sei. Den ‚Linken‘ obliegt es zu beweisen, weshalb ihr unbestreitbarer Fehler von damals jetzt aufgehört hat, ein Fehler zu sein. Nicht einmal den Schimmer eines Beweises führen sie an und können sie anführen.“

„Solange ihr nicht stark genug seid, das bürgerliche Parlament und alle sonstigen reaktionären Institutionen auseinanderzujagen, seid ihr verpflichtet, […].“

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Herrschaft oder Kommunismus – eine falsche Frage?

[Der folgende Text ist die Langfassung eines Beitrages in ak 445 vom 21.12.2000; vgl. die Vorbemerkung zu: http://theoriealspraxis.blogsport.de/2000/08/31/wessen-gewalt-hat-die-macht-sexy-zu-sein/. Nach einer weiteren Replik schrieb ich schließlich noch einen dritten Text zum Thema.]

Ich möchte im folgenden die seit mehreren Ausgaben in ak geführte Debatte über Sexualität und insbesondere Herrschaft fortführen. Da die post-feministische Legende von bösen 70ern, in den böse Lesben arme Heteras unterdrückt haben sollen, mit dem Artikel von Christian Klesse nun auch ak erreicht hat , da einmal mehr mit linker, feministischer Politik als ein „repressives Klima“ schaffend (ak 443, 26) abgerechnet wird, erscheint es mir allerdings als notwendig, diese Debatte nicht in der bisherigen Weise fortzusetzen, sondern die grundsätzliche Frage aufzuwerfen: Welche Bedeutung kann/soll Herrschaftskritik für heutige linke Politik noch haben?

Vollständiger Text als .pdf-Datei.

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„Die Revolution flennt nicht um eine Legalität, die sie nicht haben kann“

Dieser Text erschien am 08.04.1999 in: interim. Wöchentliches Berlin-Info Nr. 473 auf Seite 24-31. Die Unterschrift unter dem Text war dort – versehentlich oder absichtlich – dem redaktionellen layout zu Opfer gefallen.
(Die Dokumentation eines Tagesspiegel-Kommentars vom 20.02.1999, S. 8 [auf S-5 des Textes] fehlt nur in der erhalten gebliebenen digitalen Version; in der gedruckten Version war er vorhanden.)

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