Tag-Archiv für 'kke'

Aus einer Wahlanalyse von Leo[andros] Fischer

Aus einem FB-​​post von Leo Fischer (via Schorsch Franky):

1. Warum hat SYRIZA pro­zen­tual nur wenig und in abso­lu­ten Zah­len (Stim­men) nicht noch stär­ker als ohne­hin ver­lo­ren?

„SYRIZA konnte eine gewisse Dyna­mik auf­recht­er­hal­ten durch das Auf­sau­gen von Wäh­le­rIn­nen aus dem Lager der Mitte, vor allem aus der neo­li­be­ra­len Spaß­par­tei Potami (‚Der Fluss‘), die eine herbe Nie­der­lage erlit­ten hat. Doch SYRIZA bekam den Groß­an­teil ihrer Stim­men von Arbeit­neh­me­rIn­nen. Viele von denen haben sich in letz­ter Minute zäh­ne­knir­schend dafür ent­schie­den die Par­tei zu wäh­len, aus Angst vor einer Rück­kehr der kon­ser­va­ti­ven Nea Dimo­kra­tia (ND).“

2. Warum haben die Kräfte links von SYRIZA nicht stär­ker abge­schnit­ten?

a) Es brei­tet sich eine anti­po­li­ti­sche Stim­mung aus: (mehr…)

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4 1/2 Anti-These zu 9 Griechenland-Thesen [*] von Thies Gleiss

(zu) These 1

Ja, „die Ant­wort (wer will: die Lösung) auf diese Krise [ist] der Auf­bau sozia­lis­ti­scher Eigentums-​​ und Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nisse“.

(zu) These 2

a) Aber das ist nur die Ant­wort von ein paar Kadern hier und ein paar mehr Kadern in Grie­chen­land selbst. Aber dies ist – jeden­falls bis­her – nicht die Ant­wort der Mas­sen in Grie­chen­land. Es ist nicht ein­mal die Ant­wort von LAE und SYRIZA auf die Krise.
Tsi­pras und seine deut­schen Für­spre­che­rIn­nen sind inzwi­schen dabei ange­kom­men, die Krise für haus­ge­macht zu hal­ten; als von einem Man­gel an good gover­nance, als von einem zuviel an Kli­en­te­lis­mus ver­ur­sacht, anzu­se­hen.1 Des­halb die allgemein-​​plätzige Rhe­to­rik vom Kampf des Neuen gegen das Alte, die War­nung vor einem Weg zurück und das SYRIZA-​​Wahlkampf-​​Motto „Nur nach vorn“.
Und die LAE hat anschei­nend über­haupt keine Vor­stel­lung davon, wie die Krise ent­stan­den ist, hält an der alten SYRIZA-​​These, daß sie durch die neo­li­be­rale Aus­te­ri­täts­po­li­tik ver­schärft wurde, fest und schlägt des­halb als Abhilfe links­keyne­sia­nis­ti­sche Kon­zepte vor, ohne dar­zu­le­gen, wie sie durch­setz­bar sein und unter fort­be­ste­hen­den kapi­ta­lis­ti­schen Ver­hält­nis­sen funk­tio­nie­ren sol­len.

b) Des­halb gab es zwar bei „soziale[n] Mobi­li­sie­run­gen, dutzende[n] Gene­ral­streiks und viele[n] Struk­tu­ren rea­ler gesell­schaft­li­cher Gegen­macht“ eine „breite Ein­heits­front“ – mit (abge­se­hen von zeit­li­chen Mobi­li­sie­rungs­ko­in­zi­den­zen) Aus­nahme der KKE –, also vor allem von SYRIZA, ANT­AR­SYA, deren Gewerk­schafts­frak­tio­nen und eini­gen Grup­pen darum und dazwi­schen. – Aber dies war eine Ein­heits­front des Dage­gens – des gegen die Austeritäts-​​Memoranden sein.

c) Aber nicht nur die KKE, son­dern auch ANT­AR­SYA hat schon in der Ver­gan­gen­heit – und zwar zurecht – nicht auf SYRIZA-​​Listen kan­di­diert. Denn es fehlte schon vor dem 6. Juli 2015 an einem gemein­sa­men Pro­gramm für die Zukunft und auch schon an einem gemein­sa­men ‚Poli­tik­stil‘ /​ Hand­lungs­kon­zept für die Gegen­wart.

d) Es wäre für den Kampf gegen die Aus­te­ri­tät, geschweige denn für den Sozia­lis­mus nichts gewon­nen, wenn sich nach der Wahl im Jan. KKE und ANT­AR­SYA – statt ANEL – an der SYRIZA-​​Regierung betei­ligt hätte. Denn der Kampf gegen die Aus­te­ri­tät schei­terte nicht an einem Man­gel an Stim­men im grie­chi­schen Par­la­ment, son­dern an einem Man­gel an Fähig­keit – und auch schon einem Man­gel an Kon­zept –, die gesell­schaft­li­chen Kräf­te­ver­hält­nisse in Grie­chen­land selbst und vor allem euro­pa­weit zu ändern. (mehr…)

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Links von Syriza

Hier noch ein paar Links zu neue­ren Tex­ten aus Grie­chen­land auf Eng­lisch:

  • Greece and Europe: the view­point of the EEK (Workers Revo­lu­tio­nary Party) [Die EEK kan­di­diert dies­mal mit ANT­AR­SYA zusam­men. TaP]

http://​red​med​.org/​a​r​t​i​c​l​e​/​g​r​e​e​c​e​-​a​n​d​-​e​u​r​o​p​e​-​v​i​e​w​p​o​i​n​t​-​e​e​k​-​w​o​r​k​e​r​s​-​r​e​v​o​l​u​t​i​o​n​a​r​y​-​party

  • Com­mu­ni­ca­tion note of the majo­rity of the mem­bers of the Cen­tral Com­mit­tee of the Youth of SYRIZA: The Bankruptcy of SYRIZA and our stance against it

https://​kill​tina​.word​press​.com/​a​bout/

  • BEFORE THE SNAP GREEK ELEC­TION ON SEP­TEM­BER 20 [noch ein Text aus den Rei­hen der EEK]

http://​www​.eek​.gr/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​/​e​n​g​l​i​s​h​t​e​x​t​/​3​7​2​6​-​b​e​f​o​r​e​-​t​h​e​-​s​n​a​p​-​g​r​e​e​k​-​e​l​e​c​t​i​o​n​-​o​n​-​s​e​p​t​e​m​b​er-20

=

  • ANTE LAS ELEC­CIO­NES ANTI­CI­PA­DAS GRIE­GAS DEL 20 DE SEP­TIEM­BRE

http://​www​.eek​.gr/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​/​e​n​g​l​i​s​h​t​e​x​t​/​3​7​2​5​-​a​n​t​e​-​l​a​s​-​e​l​e​c​c​i​o​n​e​s​-​a​n​t​i​c​i​p​a​d​a​s​-​g​r​i​e​g​a​s​-​d​e​l​-​2​0​-​d​e​-​s​e​p​t​i​embre

  • No Com­pro­mi­ses. Ahead of Sunday’s vote, the Greek Com­mu­nist Party ans­wers ques­ti­ons about their vision and plat­form.

https://​www​.jaco​bin​mag​.com/​2​0​1​5​/​0​9​/​k​k​e​-​g​r​e​e​c​e​-​c​o​m​m​u​n​i​s​t​-​p​a​r​t​y​-​s​y​r​i​z​a​-​b​a​i​l​o​u​t​-​m​e​m​o​r​a​n​d​u​m​-​g​r​exit/

  • Peo­p­les” Front against the Impe­ria­list Ins­ti­ga­tors of War People do not need pro­tec­tors [Text der KKE (m-​​l); vgl. 1 und 2]

http://​www​.kkeml​.gr/​p​e​o​p​l​e​s​-​f​r​o​n​t​-​a​g​a​i​n​s​t​-​t​h​e​-​i​m​p​e​r​i​a​l​i​s​t​-​i​n​s​t​i​g​a​t​o​r​s​-​o​f​-​w​a​r​-​p​e​o​p​l​e​-​d​o​-​n​o​t​-​n​e​e​d​-​p​r​o​t​e​c​tors/

  • The bonds of the third Memo­ran­dum are being pre­pa­red

http://​www​.kkeml​.gr/​t​h​e​-​b​o​n​d​s​-​o​f​-​t​h​e​-​t​h​i​r​d​-​m​e​m​o​r​a​n​d​u​m​-​a​r​e​-​b​e​i​n​g​-​p​r​e​p​ared/

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Noch ein paar Statements aus Griechenland

Ich habe jetzt noch eine schon etwas ältere Bro­schüre über Grie­chen­land gele­sen. Da die Inter­views schon Mitte Feb. (S. 1: ca. drei Wochen nach der Wahl) geführt wur­den und die Zeit gewis­ser­ma­ßen schon über sie hin­weg­ge­gan­gen ist, ver­zich­tete ich auf eine umfas­sende Rezen­sion und bringe nur ein paar Zitate:

1. Was schon vor einem hal­ben Jahr gewußt wer­den konnte

„ich erwarte, dass SYRIZA in den euro­päi­schen Ver­hand­lun­gen schei­tern wird, da SYRIZA ein Spiel spielt, des­sen Regeln von ihren Gegner*innen geschrie­ben wur­den und des­sen Ergeb­nis bereits fest­steht.“ (S. 6, Makis – u.a. Mit­glied beim Street Art Kol­lek­tivs „Poli­ti­cal Sten­cil“)

„SYRIZA ist keine revo­lu­tio­näre, son­dern eine sozi­al­de­mo­kra­tisch fort­schritt­li­che Par­tei. Die Sozi­al­de­mo­kra­tie, selbst ein fort­schritt­li­che, bewegt sich unter dem Druck bür­ger­li­cher Kräfte nach rechts. Das beweist die Geschichte. Nur eine mas­sen­hafte Bewe­gung – fort­schritt­lich, kom­mu­nis­tisch, radi­kal, links, wie auch immer – kann das auf­hal­ten“ (S. 10, Achim – aktiv im Netz­werks für poli­ti­sche und soziale Rechte, Dik­tyo)

„Der neo-​​keynesianische Ansatz SYRI­ZAs war von vorne her­ein zum Schei­tern ver­ur­teilt. Sie hal­ten an einer Idee fest, die vor allem in den 60er und 70er Jah­ren in den USA und Europa für eine Zeit­lang funk­tio­niert hat, weil der Staat noch eine wesent­lich zen­tra­lere Rolle gespielt hat. Heute – und das sieht man auch in jedem State­ment der SYRIZA-​​Regierung – ist der Markt, der hei­lige Markt, der Refe­renz­punkt aller Argu­mente. In dem Moment, in dem sie ver­su­chen den star­ken Staat wie­der auf­zu­bauen, wird das Kapi­tal auf der Suche nach ‚bes­se­ren Bedin­gun­gen‘ das Land ver­las­sen.“ (S. 21, Yavor – Alpha Kappa – Anti­au­to­ri­täre Bewe­gung)

2. Die Bewe­gun­gen sind nicht wegen des Wahl­er­fol­ges von SYRIZA abge­flaut, son­dern schon seit dem Februar 2012 (mehr…)

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Die griech. SAV-Schwester Xekinima zur Frage: Wie weiter mit der Linken in Griechenland? – nebst kritischen Anmerkungen von TaP

Zu einem Inter­view von Lucy Red­ler von der Sozia­lis­ti­sche Alter­na­tive (CWI in Ger­many) mit And­ros Pay­iat­sos from Xeki­nima (the Greek sec­tion of the CWI)

1. Nicht, daß es nicht schön wäre, dann das Fol­gende pas­sie­ren und anschlie­ßend funk­tio­nie­ren würde:

Through the expe­ri­en­ces of the last five years of cri­sis and the Troika’s dra­co­nian poli­cies, the radi­cal sec­tions of the Greek Left, in gene­ral, came to very simi­lar con­clu­si­ons about the need for a ‘tran­si­tio­nal pro­gramme’ which breaks with the capi­ta­list sys­tem and the EU. There is wides­pread basic agree­ment about the fol­lo­wing points:

1. The sov­eign debt must not be paid 2. Banks must be natio­na­li­sed, 3. Capi­tal con­trols and public con­trol of for­eign trade must be esta­blis­hed 4. Exit from the euro and esta­blish a natio­nal cur­rency, 5. Natio­na­lise all com­pa­nies which have clo­sed down or have sabo­ta­ged the eco­nomy and put them under workers’ manage­ment 6. Natio­na­lise the com­man­ding heights of eco­nomy and put them under the con­trol and manage­ment of workers and society, in order to demo­cra­tise the pro­cess of pro­duc­tion and dis­tri­bu­tion of goods of the eco­nomy, as a whole. 8. It is import­ant to link the struggle of Greek workers to workers’ strugg­les against aus­te­rity and capi­ta­lism across the whole of Europe.

http://​www​.socia​list​world​.net/​d​o​c​/7289

2. Noch schö­ner wäre frei­lich, wenn auch noch gesagt wer­den würde, mit wel­cher Stra­te­gie es erreicht wer­den soll. – Da kommt aber in dem Inter­view erst ein­mal nicht mehr als:

to build a new mass left for­ma­tion

3. Nicht, daß ich das Fol­gende nicht tei­len würde: (mehr…)

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Zum aktuellen Massenbewußtsein in Griechenland – Ein Artikel aus der „Zeit“ mit Zitaten eines ANTARSYA-Mitgliedes

Also, ich habe keine eige­nen Ein­druck von vor Ort und kann auch kein Grie­chisch, aber mein poli­ti­scher Ver­stand und meine poli­ti­sche Erfah­rung brin­gen mich dazu, das, was die Zeit schreibt für sehr rea­lis­tisch – und das zitier­ten ANTARSYA-​​Mitglied für zu opti­mis­tisch – zu hal­ten:

die, die ihm [Tsi­pras] gefolgt sind, ste­hen allein da. Ent­täuscht, auf­ge­wühlt. Und, zumin­dest jetzt noch: rat­los. Am spä­ten Mitt­woch­abend saß die Stu­den­tin Stella mit zwei Freun­din­nen am Rande des zen­tra­len Syntagma-​​Platzes in Athen auf einer Bord­stein­kante. Sie war oft hier in den ver­gan­ge­nen Mona­ten um gegen die euro­päi­sche Spar­po­li­tik zu demons­trie­ren, aber dies­mal war alles anders, dies­mal demons­trierte sie erst­mals auch gegen die, die sie selbst gewählt hat. […]. Die Stim­mung auf dem Platz war anders als bei den vor­he­ri­gen Demos. Ver­ein­zelt erklan­gen zwar Pro­test­rufe, doch die große Mehr­heit starrte nur hoch zum Par­la­ment, wo zu die­ser Stunde Alexis Tsi­pras für ein Ja zum Spar­pakt warb.

Mas­sen sind bis­her aller­dings noch nicht auf den Stra­ßen, weder an die­sem Abend noch in den Tagen davor oder danach. Von den 62 Pro­zent Nein­sa­gern sind die meis­ten still. Viele haben auch ihre Mei­nung geän­dert. 70 Pro­zent spra­chen sich in einer Umfrage für ein Ja zum aktu­el­len Memo­ran­dum aus. Wie kann das sein? Die meis­ten erklä­ren es so: Das Nein in der Volks­ab­stim­mung war ein Nein zur Poli­tik der Euro­gruppe und zur Fremd­be­stim­mung. Nach­dem dann am Sonn­tag, vor allem durch Wolf­gang Schäu­ble, der Raus­wurf aus dem Euro bedroh­lich real wurde, stimm­ten sie für das klei­nere Übel, das Memo­ran­dum. Ein Ja aus Not­wehr.

Anm.:
Ob sich das Memo­ran­dum wirk­lich als das klei­nere Übel erwei­sen wird, ist aller­dings noch sehr die Frage – und vor allem: im Ver­gleich zu wel­chem tat­säch­lich mög­li­chen oder zumin­dest wünsch­ba­ren Ande­ren? – Aber daß das die viele Men­schen in Grie­chen­land so sehen, scheint mir sehr wahr­schein­lich zu sein – ansons­ten hät­ten sie ja bis­her nicht SYRIZA, son­dern KKE oder ANT­AR­SYA gewählt.

In einem Vor­ort von Athen sitzt Tha­nos Andrit­sos an einem Café­tisch, die hel­len, locki­gen Haare zurück­ge­bun­den, und sagt: „Ich war nie sehr opti­mis­tisch, dass Syriza das wirk­lich durch­hält, des­we­gen bin ich jetzt auch nicht allzu ent­täuscht.“ Andrit­sos ist 30 Jahre alt, Archi­tekt und Akti­vist der klei­nen Par­tei Ant­ar­sya, die links von Syriza steht. (mehr…)

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Leider enttäuschend – noch ein neuer RSO-Text zu Griechenland

Ich finde die Texte der Revo­lu­tio­när Sozia­lis­ti­schen Orga­ni­sa­tion (RSO), die ich lese, ja in der Regel ziem­lich gut, so auch den Text zu Grie­chen­land, auf den ich vor gut zehn Tagen hin­wies. Ges­tern hat die RSO nun einen wei­te­ren Text zu Grie­chen­land ver­öf­fent­licht – und zwar eine „Pole­mik“ (wie aus­drück­lich gesagt wird) gegen den Text von Tho­mas Sei­bert (IL/​ISM) vom Wochen­ende zum glei­chen Thema, der auch schon Gegen­stand der Kri­tik des Lower Class Maga­zine und mei­ner Anti-​​Kritik war.

Zunächst wird in dem Arti­kel dar­ge­stellt:

Tho­mas Sei­bert führt aus: „Das linke Grexit-​​Griechenland würde im 21. Jahr­hun­dert den Sozia­lis­men des 20. Jahr­hun­derts ein Nach­zugs­pro­jekt hin­zu­fü­gen: die autoritär-​​sozialistische Ver­wal­tung eines Elends­zu­stands, des­sen Befürworter*innen eine ideo­lo­gi­schen Divi­dende (»sozia­lis­ti­sches Grie­chen­land, voran, voran, die Zukunft wird strah­lend sein!«) aus­ge­zahlt wird, die immer weni­ger Leute zufrie­den­stellt, je län­ger der Zustand andau­ert. Alle Erfah­rung des 20. Jahr­hun­derts lehrt, dass ein Kampf um radi­kale Eman­zi­pa­tion dann unter schlech­test­mög­li­chen Bedin­gun­gen zu füh­ren sein wird: die poli­ti­sche und mora­li­sche Ver­wüs­tung der ex-​​realsozialistischen Gesell­schaf­ten und die Aus­strah­lung die­ser Ver­wüs­tung auf die ganze Welt lässt da keine Illu­sion zu: Sie war und ist die erste Bedin­gung der neo­li­be­ra­len Hege­mo­nie“
Was folgt dar­aus? „Auf den lin­ken Grexit zu ver­zich­ten, heißt für die aktu­elle SYRIZA-​​Regierung offen­sicht­lich, die Schäuble-​​Forderungen hin­zu­neh­men und den Akzent auf die Schul­den­frage zu set­zen. Das ist kein »Ver­rat«, son­dern schlicht die Aner­ken­nung der herr­schen­den Macht­ver­hält­nisse und ihrer Exe­ku­tion durch die Schäuble-​​Partei…“

Und? Gegen­ar­gu­ment? Kei­nes. – Wäre ja wohl auch schwie­rig… – Was könnte ein Argu­ment dage­gen sein?

Statt ein Gegen­ar­gu­ment gegen die von Sei­bert ange­führ­ten Argu­mente vor­zu­brin­gen, wech­selt Cars­ten Bodo dann zu zwei ande­ren Punk­ten:

Nun hat es aber erst letz­ten Sonn­tag eine Volks­ab­stim­mung gege­ben, bei der über 61% der Wäh­ler expli­zit die Kürzungs-​​Vorschläge Schäu­bles und der Troika abge­lehnt haben. Wenn die grie­chi­sche Regie­rung die­ses Votum, wel­ches sie sel­ber erbe­ten hat, ein­fach igno­riert, dann erkennt sie nach Mei­nung von Sei­bert schlicht die „herr­schen­den Macht­ver­hält­nisse“ an und die wer­den in Euro-​​Griechenland halt nicht von der grie­chi­schen Bevöl­ke­rung, son­dern von Wolf­gang Schäu­ble bestimmt. Das sei aber an sich kein Ver­rat, denn es gebe halt eine his­to­ri­sche Wahr­heit (siehe die Aus­füh­run­gen über den Real­so­zia­lis­mus wei­ter oben) und die wäre halt gewich­ti­ger als der Wunsch der Mehr­heit der Grie­chen mit dem Austeritäts-​​Regime zu bre­chen.

Ja, die 61 Pro­zent hat­ten sie abge­lehnt; aber die Frage war nicht, ob sie sie um jeden Preis ableh­nen. Tsprias hatte schon vor der Abstim­mung gesagt, daß es ihm darum gehe, nach der Abstim­mung schnell zu einer Eini­gung zu kom­men (nur fiel das in der Lin­ken zu der Zeit – außer der KKE – kaum jemandem/​r auf…!). (mehr…)

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Zwei (+ 7 + 8) von 149… – die SYRIZA-Linke

251 der 300 Mit­glie­der des grie­chi­schen Par­la­ments stimm­ten am frü­hen Sonn­abend Mor­gen (11. Juli 2015) für die neu­es­ten Spar­vor­schläge der grie­chi­schen Regie­rung an die inter­na­tio­na­len Gläu­bi­ger. 32 Parlamentarier(innen?) stimm­ten mit „Nein“1; die rest­li­chen 17 ent­hiel­ten sich oder waren abwe­send.

Bei der Par­la­ments­wahl im Jan. hat­ten ND (76), Potami (17) und PASOK (13) zusam­men 106 Sitze errun­gen; auf Gol­dene Mor­gen­röte (17) und KKE (15) ent­fie­len zusam­men 32 Sitze. SYRIZA (149) und ANEL (13) gewan­nen zusam­men 162 Sitze.2

Obwohl auch (aller­dings: nur) zwei SYRIZA-​​Abgeordnete mit „Nein“ stimm­ten3, war die Zahl der Nein-​​Stimmen also nicht höher als die Summe von Morgenröte-​​ und KKE-​​Abgeordneten. Also waren viel­leicht zwei Abge­ord­nete aus Morgenröte-​​ oder KKE-​​Reihen ver­hin­dert (oder ent­hiel­ten sich, was jeden­falls für KKE-​​Abgeordnete eher unwahr­schein­lich sein dürfte).

Zu den 32 „Nein“-Stimmen kom­men also noch 17 Abwe­sen­hei­ten und Ent­hal­tun­gen hinzu; davon stam­men 15 aus den SYRIZA-​​Reihen4.

Dadurch, daß 7 Abge­ord­nete aus den Rei­hen von SYRIZA – und wahr­schein­lich 2 Abge­ord­nete aus KKE-​​ und Morgenröte-​​Reihen (s. vor­ste­hend) und viel­leicht noch wei­tere Abge­ord­nete5 – abwe­send waren, redu­zierte sich die abso­lute Mehr­heit der abge­ge­be­nen Stim­men auf maxi­mal 147 Stim­men (293/​2 = 146,5). Zie­hen wir nun also von 251 Ja-​​Stimmen die mut­maß­li­chen 106 Ja-​​Stimmen aus den Rei­hen von ND, Potami und POSAK ab, so ver­blei­ben immer noch 145 Ja-​​Stimmen aus den Regie­rungs­par­teien.

Dies ver­fehlte zwar die abso­lute Mehr­heit der abge­ge­be­nen Stim­men even­tu­ell um 2 Stim­men, wäre aber – ange­sichts der Ent­hal­tun­gen – auf alle Fälle immer noch eine sichere rela­tive Mehr­heit gewe­sen, auch wenn ND, Potami und PASOK aus tak­ti­schen Anti-​​SYRIZA-​​Gründen mit „Nein“ gestimmt hät­ten (106 hypo­the­ti­sche Nein-​​Stimmen + 32 tat­säch­li­che Nein-​​Stimmen = 138). -

Soviel zur Rele­vanz der SYRIZA-​​Linken… – unge­fähr so groß, wie die von Chris­tian Strö­bele bei den GRÜ­NEN.

  1. http://​www​.faz​.net/​a​k​t​u​e​l​l​/​w​i​r​t​s​c​h​a​f​t​/​e​u​r​o​k​r​i​s​e​/​g​r​i​e​c​h​e​n​l​a​n​d​/​k​o​m​m​t​-​d​e​r​-​g​r​e​x​i​t​-​n​a​c​h​-​d​e​m​-​r​e​f​e​r​e​n​d​u​m​-​l​i​v​e​-​b​l​o​g​-​g​r​i​e​c​h​e​n​l​a​n​d​-​1​3​6​7​1​3​4​9​.html (11. Juli 2015 2:59 – Fre­de­ric Spohr). SZ dage­gen: 250 (http://​www​.sued​deut​sche​.de/​w​i​r​t​s​c​h​a​f​t​/​s​c​h​u​l​d​e​n​k​r​i​s​e​-​g​r​i​e​c​h​i​s​c​h​e​s​-​p​a​r​l​a​m​e​n​t​-​b​i​l​l​i​g​t​-​r​e​f​o​r​m​p​l​a​e​n​e​-​1​.​2​5​59884) [zurück]
  2. https://​en​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​G​r​e​e​k​_​l​e​g​i​s​l​a​t​i​v​e​_​e​l​e​c​t​i​o​n​,​_​2​0​1​5​#​R​e​sults [zurück]
  3. http://​www​.sued​deut​sche​.de/​w​i​r​t​s​c​h​a​f​t​/​s​c​h​u​l​d​e​n​k​r​i​s​e​-​g​r​i​e​c​h​i​s​c​h​e​s​-​p​a​r​l​a​m​e​n​t​-​b​i​l​l​i​g​t​-​r​e​f​o​r​m​p​l​a​e​n​e​-​1​.​2​5​59884 [zurück]
  4. http://​www​.sued​deut​sche​.de/​w​i​r​t​s​c​h​a​f​t​/​s​c​h​u​l​d​e​n​k​r​i​s​e​-​g​r​i​e​c​h​i​s​c​h​e​s​-​p​a​r​l​a​m​e​n​t​-​b​i​l​l​i​g​t​-​r​e​f​o​r​m​p​l​a​e​n​e​-​1​.​2​5​59884 (8 Ent­hal­tun­gen und 7 Abwe­sen­hei­ten) [zurück]
  5. Die SZ spricht von zehn Abwe­sen­den insg. (http://​www​.sued​deut​sche​.de/​w​i​r​t​s​c​h​a​f​t​/​s​c​h​u​l​d​e​n​k​r​i​s​e​-​g​r​i​e​c​h​i​s​c​h​e​s​-​p​a​r​l​a​m​e​n​t​-​b​i​l​l​i​g​t​-​r​e​f​o​r​m​p​l​a​e​n​e​-​1​.​2​5​59884), also drei außer­halb von SYRIZA. [zurück]
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Ungute Erinnerung an die kommunistische Geschichte

Zur Erklä­rung der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Grie­chen­lands (KKE) zu den Ereig­nis­sen in Athen

Die Erklä­rung ver­mengt unbe­grün­det zwei ver­schie­dene Vor­fälle.

Über einen Vor­fall vor dem Par­la­ment heißt es:

„Als die Demons­tra­tion der PAME vor dem Par­la­ment ange­kom­men ist, waren Mit­glie­der der Chrisi Avgi vor Ort (es han­delt sich um eine rechts­ra­di­kale natio­na­lis­ti­sche Gruppe), ‚bekannte Unbe­kannte‘, die 1994 die Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät in Brand gesetzt hat­ten und eine Gruppe, die tat­säch­lich schrie ‚Das Par­la­ment soll bren­nen‘. Wir sind hin­ge­gan­gen, haben sie ent­waff­net und haben ihnen zwei Fah­nen von PAME weg­ge­nom­men.“

Chrysi Avgi (so die Wiki-​​Transkription) ist tat­säch­lich eine Orga­ni­sa­tion, die von der dt. Wiki­pe­dia als „natio­nal­so­zia­lis­tisch und ras­sis­tisch“ bezeich­net wird (http://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​C​h​r​y​s​i​_Avgi). Wenn Mit­glie­der einer sol­chen Orga­ni­sa­tion in einer lin­ken Demons­tra­tion zu Gewalt auf­ru­fen („Das Par­la­ment soll bren­nen“) ist die Bezeich­nung Pro­vo­ka­teure gerech­tigt.

Gleich­zei­tig wer­den aber auch – ohne jede nähere Erläu­te­rung – die­je­ni­gen, die die Mol­lis in die Mar­fin Bank war­fen, als Pro­vo­ka­teure bezeich­net:

„Aleka Papa­riga, Gene­ral­se­kre­tä­rin des ZK der KKE hob die Bedeu­tung des orga­ni­sier­ten poli­ti­schen Kamp­fes her­vor und ver­ur­teilte aus dem grie­chi­schen Par­la­ment die Ver­su­che der Pro­vo­ka­teu­ren, die mit Brand­fla­schen in einer Bank, den Tod von drei Men­schen ver­ur­sacht haben.“

Solange es keine kon­kre­ten Anzei­chen für das Gegen­teil gibt, kann und muß aber zwangs­los davon aus­ge­gan­gen wer­den, daß diese Mol­lis – wie Dut­zende andere Mol­lis auch – von mili­tan­ten Lin­ken gewor­fen wur­den (und sie auf­grund spe­zi­fi­scher örtli­cher Umstände1 Fol­gen hat­ten, die nor­ma­ler­weise mit dem Wer­fen von Mol­lis bei Demons­tra­tio­nen nicht beab­sich­tigt sind und auch nicht ein­tre­ten).

Andere Linke mögen daran eine Kri­tik haben. Diese Dif­fe­renz hin­sicht­lich der ein­zu­set­zen­den Mit­tel recht­fer­tigt aber nicht die Unter­stel­lung feind­li­cher Ziele, wie dies im Provokateurs-​​Begriff impli­ziert ist.
Wenn es dann auch noch heißt, „Wir sagen, dass das Volk […] alle not­wen­di­gen Maß­nah­men ergrei­fen soll, um seine Kämpfe zu schüt­zen.“, dann erweckt das schlech­ter­dings ungute Erin­ne­run­gen daran, wie in der Ver­gan­gen­heit von Kom­mu­nis­ti­schen Par­teien mit inner-​​linken Geg­ne­rIn­nen umge­gan­gen wor­den ist.
(mehr…)

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