Tag-Archiv für 'gramsci'

Und noch ein kleiner samstäglicher Versuch die trotzkistische FT-CI (‚RIO-Internationale‘) für den struktualen Maoismus Althussers zu gewinnen…

Ich selbst hatte bei FB die Frage auf­ge­wor­fen:

„Weißt Du dann, warum aus­ge­rech­net die Alt­hus­se­ris­tIn­nen, die bis­her bei ANT­AR­SYA waren, auf LAE abfah­ren? – Hat das etwas mit deren Althusser-​​Lesart zu tun? Oder liegt das nur (via Alt­hus­ser) an Maos manch­ma­li­ger Volks­tü­me­lei (die ja aber bei Alt­hus­ser keine spielte)? Oder ist das gar nicht theo­re­tisch moti­viert?“

Dort konnte mir aber bis­her nie­mandE wei­ter­hel­fen – statt des­sen fand ich ges­tern bei der FT-​​CI:

Ich habe jetzt gefun­den: „They are stron­gly influ­enced by the theo­ries of Alt­hus­ser, Pou­lant­zas and Gramsci.“ (http://​www​.left​voice​.org/​W​h​o​-​s​-​W​h​o​-​i​n​-​t​h​e​-​G​r​e​e​k​-Left)

Ich habe das gleich mal mit einem klei­nem theo­re­ti­schen Agi­ta­ti­ons­ver­such beant­wor­tet:

Dann gibt es viel­leicht ja tat­säch­lich theo­re­ti­sche Gründe – wenn sie die drei zusam­men­mi­xen, statt Alt­hus­ser von den ande­ren bei­den abzu­set­zen, wie ich es vor­zie­hen würde.

Die TF-​​CI scheint jeden­falls einen Zusam­men­hang zu sehen – gleich nach dem bereits zitier­ten Satz geht es wie folgt wei­ter: „ARAN was part of the right wing of ANT­AR­SYA. Most of this group has deci­ded to join the elec­to­ral cam­paign of Popu­lar Unity.“ -

Ich würde dage­gen als Ein­stieg in eine revo­lu­tio­näre Althusser-​​Lesart emp­feh­len:

  • Reply to John Lewis

http://​mar​x2​mao​.net/​O​t​h​e​r​/​E​S​C​7​6​i​.html

Und als Parallel-​​Lektüre statt des spä­ten Pou­lant­zas‘ und so man­cher zwei­deu­ti­ger Äuße­run­gen Gramscis lie­ber:

  • Balibar: On the Dic­ta­tor­ship of the Pro­le­ta­riat (mit in der dt. Aus­gabe nicht ent­hal­te­nen, aber auf Dt. als Zeitschriften-​​Artikel exis­tie­ren­dem Vor­wort von Gra­hame Lock1)

http://​mar​x2​mao​.net/​O​t​h​e​r​/​O​D​P​7​7​N​B​.html

und

  • Bet­tel­heim: Class Strugg­les in the USSR

http://​mar​x2​mao​.net/​O​t​h​e​r​/​C​S​S​U​i​7​6​N​B​.html

Vgl. auch noch:

„Das Kapi­tal lesen“ von Althusser/​Balibar/​Establet /​Macherey/​Rancière erst­mals voll­stän­dig auf Deutsch

http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​5​/​0​7​/​2​8​/​d​a​s​-​k​a​p​i​t​a​l​-​l​e​s​e​n​-​v​o​n​-​a​l​t​h​u​s​s​e​r​b​a​l​i​b​a​r​e​s​t​a​b​l​e​t​-​m​a​c​h​e​r​e​y​r​a​n​c​i​e​r​e​-​e​r​s​t​m​a​l​s​-​v​o​l​l​s​t​a​e​n​d​i​g​-​a​u​f​-​d​e​u​tsch/

  1. http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​1​1​/​1​2​/​s​t​a​l​i​n​-​a​l​s​-​v​e​r​f​e​c​h​t​e​r​-​d​e​s​-​s​t​a​a​t​e​s​-​d​e​s​-​g​a​n​z​e​n​-​v​o​l​k​e​s​/​#​f​n​1​2​5​8​0​5​7​9​5​9799n.[zurück]
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Staaten – Staatsgewalt – Kräfteverhältnisse

Eine Ant­wort auf Ben Richards (03. Februar 2014 um 7:11 Uhr):

TaP1 muss sich mal ent­schei­den, ob der Staat die Gewalt der kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­weise ist, mit­hin einen Zweck hat oder ein Kräf­te­ver­hält­nis (dann offen­bar von ver­schie­de­nen Zwe­cken? wovon? wer ver­hält sich da zu wem wie?) ist. Bei­des geht gleich­zei­tig nicht.

Daß bei­des nicht gleich­zei­tig geht, mag sein – nur ver­trete ich keine von bei­den Behaup­tun­gen, die Du mir unter­zu­schie­ben ver­suchst:

a) „Der Staat“ „ist“ nicht Gewalt, son­dern wen­det Gewalt an, um ’seine‘ Ent­schei­dun­gen durch­zu­set­zen, wenn sie nicht frei­wil­lig befolgt wer­den.

b) „Der Staat“ „ist“ auch kein Kräf­te­ver­hält­nis, aber ’seine‘ Ent­schei­dun­gen sind Resul­tat von Kräf­te­ver­hält­nis­sen.

c) „Der Staat“ ist auch kein Sub­jekt, das sich einen „Zweck“ setz­ten würde; und er wurde auch nicht von einer Ver­schwö­rung böser Sub­jekt, die ihn mit einem bestimm­ten „Zweck“ in die Welt gesetzt hät­ten, erschaf­fen.

d) Viel­mehr sind Staa­ten – als Resul­tat von his­to­ri­schen Pro­zes­sen – in bestimm­ter Weise in die Struk­tur der Gesell­schaft (Basis + Über­bau) ein­ge­baut und selbst in bestimm­ter Weise struk­tu­riert. Diese bestimmte Art der Struk­tu­rie­rung und des Ein­ge­baut­seins bewirkt, daß die Ent­schei­dungs­fin­dung eines jeden Staa­tes in sys­te­ma­ti­scher Weise zuguns­ten die­ser oder jener gesell­schaft­li­chen Grup­pen ‚ver­zerrt‘ ist.

e) Des­sen unge­ach­tet funk­tio­nie­ren Staa­ten in unter­schied­li­chem Aus­maß (je nach ihrer demo­kra­ti­schen oder nicht-​​demokratischen Form) nicht in der Weise, daß sie linear und ein­sei­tig nur die Inter­es­sen einer gesell­schaft­li­chen Gruppe (die im übri­gen auch nicht homo­gen sind) durch­set­zen wür­den, son­dern in der Weise, daß sie – wie gesagt: im unter­schied­li­chen Aus­maß und je nach Kräf­te­ver­hält­nis – auch die Inter­es­sen der ande­ren gesell­schaft­li­chen Grup­pen berück­sich­ti­gen.

f) Staa­ten sind näm­lich nicht nur eine Ver­dop­pe­lung der ohne schon exis­tie­ren­den gesell­schaft­li­chen Herr­schaft und Aus­beu­tung, son­dern haben die­ser gegen­über eine spe­zi­fi­sche sowohl Zwangs-​​ als auch Hegemonie-​​ (manch­mal sogar: Konsens-​​) Funk­tion: http://​www​.nao​-pro​zess​.de/​b​l​o​g​/​l​a​t​e​s​t​/​w​o​r​d​p​r​e​s​s​/​w​p​-​c​o​n​t​e​n​t​/​u​p​l​o​a​d​s​/​2​0​1​3​/​0​9​/​D​i​e​_​G​A​M​_​s​a​g​t​_​d​e​m​_​L​e​n​i​n​i​s​m​u​s​_​A​d​e.pdf, S. 11, FN 4.

g) Bei dem Gan­zen domi­niert aber die Struk­tur in letz­ter Instanz über die kon­junk­tu­rel­len Kräf­te­ver­hält­nisse, wes­halb für den Bruch mit der Herr­schaft der kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­weise kein Weg an der Zer­schla­gung der bür­ger­li­chen Staats­ap­pa­rate vor­bei­führt. – Dies heißt aber wie­derum nicht, daß es ‚unter­halb‘ des Bruchs mit der Herr­schaft der kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­weise kein Spiel­raum für poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen und Kom­pro­misse gibt oder daß es – nach dem Motto „Um so schlim­mer desto bes­ser“ – aus Sicht der Lohn­ab­hän­gi­gen und/​oder Kom­mu­nis­tIn­nen falsch wäre, sie zu nut­zen.

Anmer­kun­gen: (mehr…)

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Wer war Amadeo Bordiga?

Hier noch ein paar Lese­mög­lich­kei­ten zur Vor­be­rei­tung auf den Demokratie-​​Workshop der Inter­Komms (s. z.B.: 1, 2, 3, 4) am Sonn­tag (26.1.):

In der deutsch­spra­chi­gen Wiki­pe­dia gibt es einen Arti­kel über den ita­lie­ni­schen Links­kom­mu­nis­ten Bordiga:

http://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​A​m​a​d​e​o​_​B​o​rdiga


(Quelle: https://​it​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​F​i​l​e​:​B​o​r​d​i​g​a.gif; Datei­for­mat umge­wan­delt)

Der aus­führ­li­chere Arti­kel in der eng­lisch­spra­chige Wiki­pe­dia ent­hält auch einen Abschnitt zur Posi­tion von Bordiga zur Demo­kra­tie:

Bordiga proudly defined him­self as „anti-​​democratic“ and belie­ved him­self at one with Marx and Engels on this. Bordiga’s hos­ti­lity toward demo­cracy had not­hing to do with Sta­li­nist idea­lism. Indeed, he saw fascism and Sta­li­nism as the cul­mi­na­tion of bour­geois demo­cracy. Demo­cracy to Bordiga meant above all the mani­pu­la­tion of society as a form­less mass. To this he coun­ter­po­sed the „dic­ta­tor­ship of the pro­le­ta­riat“, imple­men­ted by the com­mu­nist party foun­ded in 1847, based on the prin­ci­ples and pro­gram enun­cia­ted in the mani­festo. He often refer­red to the spi­rit of Engels‘ remark that „on the eve of the revo­lu­tion all the forces of reac­tion will be against us under the ban­ner of ‚pure demo­cracy“. (As, indeed, every fac­tio­nal oppo­nent of the Bols­he­viks in 1921 from the mon­ar­chists to the anar­chists cal­led for „soviets wit­hout Bolsheviks“--or soviet workers coun­cils not domi­na­ted by Bols­he­viks.) Bordiga oppo­sed the idea of revo­lu­tio­nary con­tent being the pro­duct of a demo­cra­tic pro­cess of plu­ra­list views; wha­te­ver its pro­blems, in light of the history of the past 70 years, this per­spec­tive has the merit of unders­co­ring the fact that com­mu­nism (like all social for­ma­ti­ons) is above all about pro­gram­ma­tic con­tent expres­sed through forms. It unders­cores the fact that for Marx, com­mu­nism is not an ideal to be achie­ved but a „real move­ment“ born from the old society with a set of pro­gram­ma­tic tasks.
http://​en​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​A​m​a​d​e​o​_​B​o​rdiga

Bordi­gas Arti­kel Das demo­kra­ti­sche Prin­zip fin­det sich auf der Seite http://​www​.sinis​tra​.net/:

http://​www​.sinis​tra​.net/​l​i​b​/​u​p​t​/​k​o​m​p​r​o​/​c​i​p​o​/​c​i​p​o​b​f​i​b​u​d​.html

Lenin hat sich in (mehr…)

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Kapitalismus abschaffen – geht das demokratisch?

Gen. sys­tem­crash und ich haben eine kleine Bro­schüre geschrie­ben:

Vgl. dazu:
http://​www​.nao​-pro​zess​.de/​b​l​o​g​/​e​i​n​e​-​n​e​u​e​-​t​o​l​l​e​-​n​a​o​-​i​d​e​e​-​d​e​n​-​k​a​p​i​t​a​l​i​s​m​u​s​-​d​e​m​o​k​r​a​t​i​s​c​h​-​a​b​s​c​h​a​ffen/.

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Kommunismus ohne Prophetie

[Die­ser Text als .pdf-Datei]

Ein Nach­trag zum Kon­greß „Die Idee des Kom­mu­nis­mus“ in der Volks­bühne in Ber­lin1

„Hin­ter die­sen Aus­drü­cken [‚gesamt­heit­lich’, ‚das Umfas­sende’, ‚die All­ge­mein­heit’ und ‚das all­ge­meine Moment’] […] scheint mir die Vor­stel­lung zu ste­hen, daß die Marx­sche Theo­rie fähig sei, die Gesamt­heit des Pro­zes­ses, der vom Kapi­ta­lis­mus zum Kom­mu­nis­mus füh­ren wird, zu ‚umfas­sen’ (d’englober), wäh­rend sie tat­säch­lich nur die wider­sprüch­li­chen Ten­den­zen, die im gegen­wär­ti­gen Pro­zeß wir­ken, angibt. Ein­mal befreit von dem pro­phe­ti­schen Zug, den sei­nen Jugend­wer­ken und uto­pi­schen Sozia­lis­mus anhaf­tet […], denkt Marx den Kom­mu­nis­mus als eine in der kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schaft ange­legte Ent­wick­lungs­ten­denz. […]. Sie exis­tiert bereits kon­kret, in den ‚Zwi­schen­räu­men der kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schaft’ (inter­sti­ces de la société capi­ta­liste) (ein wenig so wie der Waren­han­del ‚in den Zwi­schen­räu­men’ der Sklavenhalter-​​ oder feu­da­len Gesell­schaft exis­tierte); […]. Ich glaube, daß die Marx­sche Theo­rie ‚end­lich’ und begrenzt ist (‚finie’ et limitée). […]. Zu sagen, daß sie begrenzt ist, heißt im wesent­li­chen, daß die Marx­sche Theo­rie etwas ande­res ist als eine Geschichts­phi­lo­so­phie, die im eigent­li­che Sinne, die Zukunft der Mensch­heit ‚umfas­sen’ (englober) würde und also fähig wäre, von vorn­her­ein den Begriff des Kom­mu­nis­mus posi­tiv zu defi­nie­ren. […].
Mir scheint, daß es in der Pro­blem­stel­lung der ita­lie­ni­schen Dis­kus­sio­nen einen Zusam­men­hang gibt zwi­schen den Begrif­fen der ‚società poli­tica’, des Staa­tes und der Ver­wen­dungs­weise der ‚All­ge­mein­heit’ als Gegen­teil der ‚Pri­vat­heit’, […]. Ich glaube, daß diese Samm­lung von Begrif­fen, die unter­ein­an­der zusam­men­hän­gen, […] auf das bür­ger­li­che Poli­tik­ver­ständ­nis und die dahin­ter­ste­hende Ideo­lo­gie ver­weist, ob nun auf den laten­ten Idea­lis­mus einer ‚Uni­ver­sa­li­tät des Staa­tes’, der ‚das Uni­ver­selle’ rea­li­siert, oder einer ‚All­ge­mein­heit’ einer end­lich von Aus­beu­tung, Arbeits­tei­lung und Unter­drü­ckung (‚Führer/​Geführte’) befrei­ten Mensch­heit, den Marx lange Zeit mit­schleppt, in sei­nen Jugend­schrif­ten, wo er ihn von Feu­er­bach erbt, aber selbst danach noch: Im Grunde liegt das mensch­li­che Wesen im Staat, der des­sen Uni­ver­sa­li­tät in ent­frem­de­ter Form aus­drückt; es genügt also, das zu erken­nen und sodann eine gute ‚Uni­ver­sa­li­tät’ in nicht ent­frem­de­ter Form zu ver­wirk­li­chen. Am Ende die­ses Weges steht der Refor­mis­mus. Das ist nun der Punkt, der mir wesent­lich erscheint: Daß der Klas­sen­kampf (der bür­ger­li­che und der pro­le­ta­ri­sche) um die Staats­macht geführt wird (hic et nunc), heißt kei­nes­wegs, daß man die Poli­tik in Bezug auf den Staat defi­nie­ren muß. […].“ (42 f., 44 f.)
„Es [Ein idea­lis­ti­sches Kom­mu­nis­mus­bild] kann mes­sia­ni­sche Illu­sio­nen näh­ren, […]; es kann sie [die For­men des Han­delns] vom prak­ti­schen Mate­ria­lis­mus der ‚kon­kre­ten Ana­lyse der kon­kre­ten Situa­tion’ weg­füh­ren; es kann die leere Vor­stel­lung einer ‚Uni­ver­sa­li­tät’ unter­stüt­zen, die sich in zwei­deu­ti­gen Ersatz­for­meln aus­drückt, wie dem ‚all­ge­mei­nen Moment’, wo eine gewisse ‚Gemein­sam­kei­ten’ all­ge­mei­ner Inter­es­sen befrie­digt wer­den muß, als grobe Skizze des­sen, was eines Tages die Uni­ver­sa­li­tät eines wah­ren ‚Gesell­schafts­ver­tra­ges’ in einer ‚gere­gel­ten Gesell­schaft’ (Gramsci) sein könnte.“ (50).
„Auch wenn diese Gesell­schaft end­lich vom Staat befreit ist, kann man doch nicht sagen, daß sie das Ende der Poli­tik brin­gen wird“ (50).
(Louis Alt­hus­ser, Der Mar­xis­mus als eine end­li­che Theo­rie, in: ders. u.a., Den Staat dis­ku­tie­ren. Kon­tro­ver­sen über eine These von Alt­hus­ser hrsg. von Elmar Alt­va­ter /​ Otto Kall­scheuer, Ästhe­tik und Kom­mu­ni­ka­tion: [West]berlin, 1979, 42 – 52 (zuerst auf Ital. zwi­schen April und Sept. 1978 in der Tages­zei­tung il mani­festo und dann in: Dis­cu­tere lo Stato. Posi­zioni a con­fronto su una tesi di Louis Alt­hus­ser. Bari, 1978 erschie­nen).

Ergän­zende Anmer­kun­gen: (mehr…)

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Konvergenzen des wissenschaftstheoretischen Relativismus

[Ich hatte kürz­lich meine Diplom­ar­beit aus dem Jahre 1996 zum Thema „Plu­ra­lis­mus und Ant­ago­nis­mus. Eine Rekon­struk­tion post­mo­der­ner Les­wei­sen“ online zugäng­lich gemacht. Ich bringe hier einen remix einer Pas­sage von S. 86 f. Ich setze hier die Fuß­note 123, die dort hin­ter dem Dop­pel­punkt am Ende des ers­ten Sat­zes und vor dem fol­gen­den Poulantzas-​​Zitat steht, in den Haupt­text ans Ende der frag­li­chen Pas­sage. In der ursprüng­li­chen Fas­sung ging es dort statt des­sen mit Über­le­gun­gen zu ande­ren Aspek­ten wei­ter. Dies war der Grund dafür, daß der hier ‚auf­ge­wer­tete’ Text dort in die frag­li­che Fuß­note ver­bannt wurde.
Anzu­mer­ken ist noch, daß der hier kri­ti­sierte Rela­ti­vis­mus in Erkennt­nis­fra­gen strikt vom – ange­sichts wider­sprüch­li­cher gesell­schaft­li­cher Ver­hält­nisse: not­wen­di­gen – Rela­ti­vis­mus in poli­ti­schen Bewer­tungs­fra­gen zu unter­schei­den ist.]

Es macht zwar poli­tisch einen bedeu­ten­den Unter­schied, ob man/​frau sich auf den historizistisch-​​relativistischen Wahrheits-​​Begriffs von Bog­da­now, Sta­lin oder auch Lukács einer­seits oder Gramscis ande­rer­seits bezieht; die zugrun­de­lie­gende theo­re­ti­sche Kon­zep­tion bleibt aber (schließ­lich auch in Fou­caults Ver­sion des wis­sen­schafts­theo­re­ti­schen Rela­ti­vis­mus) die glei­che: „Die his­to­ri­zis­ti­sche Ideo­lo­gie­auf­fas­sung ist […] noch kla­rer [als bei Mar­cuse, d. Vf.] bei dem typi­schen Bei­spiel von Lukács und sei­ner Theo­rie von ‚Klas­sen­be­wußt­sein’ und ‚Welt­an­schau­ung’. Es lohnt sich, dabei zu ver­wei­len, da sie klar das Pro­blem der erkennt­nis­theo­re­ti­schen Prä­mis­sen einer his­to­ri­zis­ti­schen Betrach­tungs­weise der Ideo­lo­gie erken­nen läßt. Sie ist um so wich­ti­ger, als infolge Gramscis His­to­ri­zis­mus, […] die Mehr­zahl der mar­xis­ti­schen Theo­re­ti­ker den Begriff der Hege­mo­nie in einer Bedeu­tung gebrau­chen, die mit der Pro­ble­ma­tik Lukács’ ver­wandt ist.“ (Pou­lant­zas 1968, 195 – Hv. d. Vf.).
Diese Posi­tion leug­net die die Rea­li­tät der objek­ti­ven Außen­welt1 und kann des­halb kei­nen Unter­schied zwi­schen ideo­lo­gi­schen und wis­sen­schaft­li­chen Dis­kur­sen machen kann (Alt­hus­ser 1966/​68, 174, 176-​​180); die „beson­dere Geschichte der Wis­sen­schaft [wird] auf die Geschichte der orga­ni­schen Ideo­lo­gien und die ökonomisch-​​politische Geschichte zurück[ge]führt“ (Alt­hus­ser 1966/​68, 178; ähnlich Pou­lant­zas 1968, 195 f. mit FN 5).
Die his­to­ri­zis­ti­sche Ideo­lo­gie­auf­fas­sung beinhal­tet eine „Iden­ti­fi­zie­rung der Ideo­lo­gie und der Wis­sen­schaft, d.h. die Auf­fas­sung, daß sie [die Ideo­lo­gie, d. Vf.] die Wis­sen­schaft umfaßt“. Der „Cha­rak­ter der Ideo­lo­gie als Aus­druck des Sub­jekts“ umfasst nach his­to­ri­zis­ti­scher Auf­fas­sung „in dem Falle die Objek­ti­vi­tät der Wis­sen­schaft, wo die sub­jek­tive Welt­an­schau­ung einer ‚auf­stei­gen­den Klasse’ die Tota­li­tät der Gesell­schafts­for­ma­tion ein­schließt. Bekannt ist der Aspekt des Argu­ments, den Lukács, Korsch u.a. auf das Pro­le­ta­riat und die ‚pro­le­ta­ri­sche Wis­sen­schaft’ anwand­ten: Da das Pro­le­ta­riat sei­nem Wesen nach eine uni­ver­sale Klasse ist, hat sein sub­jek­ti­ves Bewußt­sein uni­ver­sa­len Cha­rak­ter; aber ein uni­ver­sa­les sub­jek­ti­ves Bewußt­sein ist zwangs­läu­fig objek­tiv, also wis­sen­schaft­lich“ – so Lukács, Korsch und andere (Pou­lant­zas 1968, 196, FN 5).
In Ruß­land bzw. der Sowjet­union wurde diese Auf­fas­sung sowohl von dem ‚Links’kommunisten Bog­da­now wie auch von Sta­lin ver­tre­ten:
„Es ist nicht unin­ter­es­sant, daß die Gegen­über­stel­lung von bür­ger­li­cher und pro­le­ta­ri­scher Wis­sen­schaft […] die unbe­wußte, ver­steckte oder ver­leug­nete Rück­kehr eines The­mas ist, daß bereits bei Bog­da­now, […] prä­sent ist und dann in ver­schie­de­nen Publi­ka­tio­nen des Pro­let­kult ent­fal­tet wird. Der Aus­schluß, mit dem der Sta­li­nis­mus diese Strö­mung bestraft hat, aber auch die hef­tige Kri­tik von Lenin und Ple­ch­a­now an Bog­da­now schei­nen nur zum Ver­schwin­den des Wor­tes ‚pro­le­ta­ri­sche Wis­sen­schaft’ geführt zu haben, ohne an der Grund­these zu rüt­teln: […] Die sowje­ti­schen Texte bewe­gen sich dann tat­säch­lich in einer Oppo­si­tion zwi­schen ‚bür­ger­li­cher’ und ‚rei­ner’ Wis­sen­schaft und ent­wi­ckeln dabei die These eines Ver­falls der Wis­sen­schaft wie der Kul­tur im impe­ria­lis­ti­schen Sta­dium des Kapi­ta­lis­mus. […]. Der Kern der Argu­men­ta­tion bleibt dabei in Fäl­len der glei­che. […]: Die Wis­sen­schaft ist his­to­risch rela­tiv, weil das Bewußt­sein der Men­schen sich fort­ent­wi­ckelt […]. […] die his­to­ri­sche Rela­ti­vi­tät der Wis­sen­schaft [spie­gelt] deren Klas­sen­in­halt wider. […]. Die gesellschaftlich-​​historischen Umstände, unter denen eine wis­sen­schaft­li­che Theo­rie ent­stand, wer­den dann als letzte Ursa­che die­ser Theo­rie behan­delt, […]. Die Wis­sen­schaft würde also der ‚auf­stei­gen­den’ Klasse gehö­ren, deren Inter­esse mit der pro­me­t­hei­schen Bestim­mung des Men­schen zusam­men­fällt.“ (Bras 1985, 1083, 1984 – Hv. i.O.; vgl. auch Lecourt 1976, 126 oben, 130, 140-​​142, FN 21).
Schließ­lich folgt auch die Wis­sens­so­zio­lo­gie dem glei­chen Modell. Sie ver­or­tet die ver­meint­li­che Wahr­heit aller­dings nicht bei einer (‚auf­stei­gen­den’) Klasse, son­dern bei der „frei­schwe­ben­den Intel­li­genz, die ‚rela­tiv unre­la­tiv’, d.h. nicht haut­eng mit Klas­sen­in­ter­es­sen ver­floch­ten“ sei (Hau­ser 1987, 74; vgl. Eagle­ton 1991, 129 oben; s.a. außer­dem zum Ver­hält­nis: Lukács – Wis­sens­so­zio­lo­gie: Hau­ser 1987, 74; Eagle­ton 1991, 128, Abs. 2).
S. schließ­lich zur Bedeu­tung von Lukács bzw. des Hegel-​​Marxismus für femi­nis­ti­sche Stand­punkt­theo­rien: Sei­fert 1992, 258; Grimm 1994b, 156 f.; zur Bedeu­tung der Wis­sens­so­zio­lo­gie (Mann­heim, Berger/​Luckmann) für (femi­nis­ti­sche und afro­zen­tri­sche) Standpunkt-​​Epistemologien: Collins, 1989, 20-​​23; 46, FN 16; 47 f., FN 22, 28. (mehr…)

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Vier Zitate zum Krisen-Begriff

1. Eine Krise für die Arbei­te­rIn­nen­klasse oder für das Kapi­tal?

„[…] erlaubt, die Frage des Übergangs zu einer Gesell­schaft ohne Aus­beu­tung und des Bruchs mit dem Kapi­ta­lis­mus end­lich von der Frage der Gren­zen der kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­weise zu tren­nen. Soll­ten der­ar­tige ‚Gren­zen’ exis­tie­ren – was zwei­fel­haft ist, da es, wie man gese­hen hat, eine unauf­hör­li­che Dia­lek­tik zwi­schen den For­men der sozia­len Inte­gra­tion der Arbeit und ihrer Pro­le­ta­ri­sie­rung, den tech­no­lo­gi­schen Inno­va­tio­nen und der Inten­si­vie­rung der Mehr­ar­beit gibt –, so haben sie nicht direkt etwas mit dem revo­lu­tio­nä­ren Bruch zu tun, der nur dann ein­tre­ten kann, wenn die Desta­bi­li­sie­rung des Klas­sen­ver­hält­nis­ses selbst, d.h. des ökonomisch-​​staatlichen Kom­ple­xes, eine güns­tige poli­ti­sche Gele­gen­heit für Ver­än­de­run­gen bie­tet. Wie­der muß also die Frage gestellt wer­den, für wen es eine ‚Krise’ gibt und was in der ‚Krise’ ist.“
(Eti­enne Balibar, Vom Klas­sen­kampf zum Kampf ohne Klas­sen?, in: ders. /​ Imma­nuel Wal­ler­stein, Rasse. Klasse. Nation. Ami­va­lente Iden­ti­tä­ten, Argu­ment: [West]berlin, 1990, 190 – 224 [220 f.]).

2. Wachstums-​​ oder Zusam­men­bruchs­krise?

a) „Mor­pho­lo­gie des ent­wi­ckel­ten Kapi­ta­lis­mus“ = „ein bestimm­tes Anpas­sungs­ver­mö­gen, wel­ches der Ent­wick­lung der Pro­duk­tiv­kräfte eigen ist, eine bestimmte Plas­ti­zi­tät, die es ihnen in Kri­sen­zei­ten ermög­licht, ihre eigene Neu­struk­tu­rie­rung zu leis­ten“
(Chris­tine Buci-​​Glucksmann, Über die poli­ti­schen Pro­bleme des Übergangs: Arbei­ter­klasse, Staat und pas­sive Revo­lu­tion, in: SOPO. Sozia­lis­ti­sche Poli­tik [das euro­päi­sche buch: West­ber­lin], Vol. 41, Sept. 1977, 13 – 35 [15, anknüp­fend an Gramscis Begriff der „pas­si­ven Revo­lu­tion“]).

b) „Das Wort ‚Krise’, ein medi­zi­ni­scher Aus­druck, der die akute Phase eines Krank­heits­ver­laufs bezeich­net, wo über Hei­lung, Tod oder Auf­schub ent­schie­den wird, wurde nicht erst von Mar­xis­ten auf Poli­tik und Ökono­mie ange­wen­det. Der mar­xis­ti­sche Bei­trag dazu ist eine mate­ria­lis­ti­sche und dia­lek­ti­sche Kon­zep­tion der Geschichte, die es ermög­licht, sie als einen Pro­zeß zu den­ken, wo Pha­sen struk­tu­rel­ler Sta­bi­li­tät (in denen sich die gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nisse mit nur quan­ti­ta­ti­ven Ver­än­de­run­gen repro­du­zie­ren) und durch Kri­sen ein­ge­lei­tete Pha­sen qua­li­ta­ti­ver Ver­än­de­rung ein­an­der ablö­sen. […]. Man kann ‚nicht mehr in der alten Weise wei­ter­ma­chen’. Es eröff­nen sich dann ver­schie­dene mög­li­che Aus­wege: Wie­der­her­stel­lung der Ver­hält­nisse in mehr oder weni­ger modi­fi­zier­ter Form, und sei es durch Kon­ter­re­vo­lu­tion und Krieg, oder revo­lu­tio­näre Ein­rich­tung neuer gesell­schaft­li­cher Ver­hält­nisse.“
(Alain Lipietz, Stich­wort „Krise“, in: Geor­ges Labica /​ Gér­ard Bensus­san (Hg.), Kri­ti­sches Wör­ter­buch des Mar­xis­mus. Dt. Fas­sung hrsg. von Wolf­gang Fritz Haug, Bd. 8, Argu­ment, [West]berlin, 1986 [frz. Ori­gi­nal­aus­gabe: 1982: 1. Auf­lage, 1984/​85: 2. Auf­lage], 712 – 719 [712 f.]).

Anmer­kung:
Diese begriff­li­chen Dif­fe­ren­zie­run­gen haben zwar den Vor­teil, daß sie Krise und Zusam­men­bruch des Kapi­ta­lis­mus nicht gleich­set­zen. Gleich­zei­tig löschen sie aber damit aber unter den Ober­be­grif­fen „Krise“ und „qua­li­ta­tive Ver­än­de­rung“ (statt „Sta­bi­li­tät“ und „quantitative[r] Ver­än­de­rung“) ten­den­zi­ell den Unter­schied zwi­schen einer modi­fi­zier­ten „Wie­der­her­stel­lung“ (Erneue­rung, Moder­ni­sie­rung) der gege­be­nen gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nisse und deren revo­lu­tio­nä­ren Umsturz – zwi­schen ‚pas­si­ver’ und ‚akti­ver’ Revo­lu­tion – aus. Wel­chen ana­ly­ti­schen Wert hat dann der Begriff „Krise“ noch? Ist der Kapi­ta­lis­mus dann nicht immer in der ‚Krise’? Modi­fi­ziert er sich nicht stän­dig „mehr oder weni­ger“?

3. Krise – immer nur Krise? – eine Ana­lo­gie (zwi­schen moral eco­nomy und Kapi­ta­lis­mus)

„Auch der Begriff ‚moral eco­nomy’ scheint mir gefähr­lich, weil er dazu füh­ren kann, einen unver­än­der­li­chen Tra­di­tio­na­lis­mus zu unter­stel­len; in Wirk­lich­keit han­delt es sich um eine Art bauch­red­ne­ri­sche Kate­go­rie, die sich nie genau fest­ma­chen läßt und sofort ver­schwin­det, wenn man ihr näher tritt: Die ‚moral eco­nomy‘ hat sozu­sa­gen immer 20 Jahre oder 50 Jahre Vor­sprung, und ist immer gerade ‚am Zusam­men­bre­chen’.“
(Gareth Sted­man Jones, in: Peter Schött­ler, Inter­view mit Gareth Sted­man Jones, in: G. St.J., Klasse, Poli­tik und Spra­che. Für eine theo­rie­ori­en­tierte Sozi­al­ge­schichte, West­fä­li­sches Dampf­boot: Müns­ter, 1988, 277 – 317 [299]).

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Zivilgesellschaft oder ideologische Staatsapparate?

[Die­ser Text ent­stand 1991 im Zusam­men­hang mit mei­nen Rezen­sio­nen zur Geschichte von DKP/​KPD, DS und SAP, blieb damals aber unver­öf­fent­licht. Er wurde zuerst 2009 von mir bei links­ak­tiv ver­öf­fent­licht und dann von scharf-​​links über­nom­men. Vgl. auch dort und dort.]

Louis Alt­hus­ser zu Anto­nio Gramscis Zivilgesellschafts-​​Begriff

Neu­er­dings wird sich in der Lin­ken posi­tiv auf das, was Anto­nio Gramsci die „Zivil­ge­sell­schaft“ nannte bezo­gen. Meis­tens – und das ist dann wenigs­tens kon­se­quent – ist damit gleich noch ein posi­ti­ver Bezug auf den Staat im enge­ren Sinne, von Gramsci „poli­ti­sche Gesell­schaft“ genannt, ver­bun­den. Dies tut nun sicher­lich dem ita­lie­ni­schen Kom­mu­nis­ten unrecht. Denn ihm ging es nicht um Affir­ma­tion, son­dern um Ana­lyse der Kampf­be­din­gun­gen – sowohl in der sog. Zivil­ge­sell­schaft als auch der sog. poli­ti­schen Gesell­schaft.

Trotz­dem hat Gramsci – so die schon 1977 vom fran­zö­si­schen Revo­lu­tio­när und Phi­lo­so­phen Louis Alt­hus­ser auf­ge­stellte These – die Ent­wick­lung zur Affir­ma­tion des Staa­tes begüns­tigt. Denn Gramscis Begriff­lich­keit führt – in ande­ren Wor­ten (Zivil­ge­sell­schaft /​ poli­ti­sche Gesell­schaft) – wie­der die bür­ger­li­che Unter­schei­dung zwi­schen bür­ger­li­cher Gesell­schaft und Staat in den Mar­xis­mus ein. ‚Die Gesell­schaft’ wird in die­ser – heute als „links“ aus­ge­ge­be­nen – Vor­stel­lung (unge­ach­tet aller dort vor­han­de­nen klas­sen­mä­ßi­gen und sons­ti­gen Ver­mach­tun­gen) als Ort der freien und glei­chen Ent­fal­tung der wider­sprüch­li­chen Inter­es­sen gedacht. Der Staat ver­kör­pert das dar­über ste­hende All­ge­meine. Soweit, so bekannt – und bereits vor der heu­ti­gen Zivilgesellschafts-​​Mode hin­läng­lich wider­legt.

Louis Alt­hus­ser (Zu eini­gen Vor­aus­set­zun­gen der Staats­frage in der mar­xis­ti­schen Theo­rie, in: ders., Krise des Mar­xis­mus, VSA: Ham­burg, 1978, 69 ff.) hat des­halb vor­ge­schla­gen, statt Zivil­ge­sell­schaft den Begriff „ideo­lo­gi­sche Staats­ap­pa­rate“ zu ver­wen­den. Die­ser Begriff mache deut­lich, daß Staat und Gesell­schaft nicht getrennt seien. Viel­mehr unter­strei­che er, „daß die Hege­mo­nie sich in For­men ent­fal­tet, die – auch wenn ihr ‚Ursprung‘ spon­tan ist – in ideo­lo­gi­sche For­men inte­griert und trans­for­miert sind, die in orga­ni­scher Ver­bin­dung zum Staat ste­hen: zwar kann der Staat diese For­men bereits ‚vor­fin­den’ (…), aber sie wer­den unauf­hör­lich inte­griert und ver­ein­heit­licht in For­men, die die Hege­mo­nie (der herr­schen­den Klasse, d. Verf.) sichern.“ (ebd. 73 f.).

Mit die­ser Begriff­lich­keit wird eine dop­pelte Illu­sion ver­mie­den: 1. die der Macht-​​ und Herr­schafts­frei­heit der Zivil­ge­sell­schaft 2. die, daß Poli­tik nur in der Sphäre des Staa­tes statt­finde. Dies sei ganz im Sinne von Anto­nio Gramsci, der begrif­fen hätte, daß es keine beson­dere „Sphäre der Poli­tik“ gebe, son­dern für den „alles Poli­tik“ gewe­sen sei (74). Der Begriff „ideo­lo­gi­sche Staats­ap­pa­rate“ treffe also das, was Gramsci sagen wollte, bes­ser als Gramscis eige­ner Aus­druck „Zivil­ge­sell­schaft“.

Alt­hus­ser kri­ti­sierte – im Gegen­satz zu sei­ner euro­kom­mu­nis­ti­schen ‚Regie­rungs­par­tei im War­te­stand’, der Fran­zö­si­schen Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei, der er ange­hörte, – die Redu­zie­rung revo­lu­tio­nä­rer Poli­tik auf die „offi­zi­ell aner­kann­ten For­men“ (ebd.) und die Über­nahme des (reprä­sen­ta­ti­ven) „Modells des bür­ger­li­chen poli­ti­schen Appa­ra­tes“ durch die meis­ten kom­mu­nis­ti­schen Par­teien. Er ver­trat die These, „daß diese grund­sätz­lich Beein­flus­sung der kom­mu­nis­ti­schen Kon­zep­tion der Poli­tik durch die bür­ger­li­che Ideo­lo­gie genau der Punkt ist, an sich die Zukunft der Arbei­ter­be­we­gung ent­schei­den wird“ (75). Für Ost­eu­ropa hat er vor­läu­fig – im Nega­ti­ven – Recht bekom­men.

Im Anschluß an Alt­hus­ser sind ver­schie­dene spe­zi­fi­sche Unter­su­chun­gen ein­zel­ner ideo­lo­gi­scher Staats­ap­pa­rate ent­stan­den: zur Schule, zum Recht, zur Reli­gion, zur Kunst. Einige die­ser Arbei­ten sind nach­ge­wie­sen bei: Kamm­ler /​ Plumpe /​ Schött­ler, Phi­lo­so­phie der Ideo­lo­gie oder Theo­rie des ideo­lo­gi­schen Klas­sen­kamp­fes, in: Alter­na­tive (West­ber­lin) Heft. 118, Feb. 1978, 2 ff. FN 32 – 39; Kolkenbrock-​​Netz /​ Schött­ler, Für eine mar­xis­ti­sche Althusser-​​Rezeption in der BRD, in: Thieme, Alt­hus­ser zur Ein­füh­rung, SOAK: Han­no­ver, 1982, 119 ff., FN 69, 87, S. 165 – 167.

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