Tag-Archiv für 'ebermann'

Eine Antwort an die „Proletarische Plattform“

Wie neu­lich schon erwähnt, hat die trend-Redak­tion einen Text zum Thema Klasse & Poli­tik heute der – anschei­nend neu­ge­grün­dete – „Pro­le­ta­ri­sche Platt­form“ in der Links­par­tei in den Kon­text der aktu­ell anlau­fen­den Orga­ni­sie­rungs­de­batte gestellt.

Die von der Platt­form vor­ge­nom­mene drei­fa­che Abgren­zung ist mir durch­aus sym­pa­thisch:

„• Der demo­kra­ti­sche Sozia­lis­mus steht für sozia­lis­ti­sche Markt­wirt­schaft, d.h. einen demo­kra­tisch gebän­dig­ten Kapi­ta­lis­mus, eine so genannte ‚gesell­schaft­li­che Kon­trolle‘ der Pri­va­ten: die Qua­dra­tur des Krei­ses.
• Der pla­to­ni­sierte Sta­li­nis­mus steht für ein auch künf­tig in natio­na­ler Beschrän­kung sich ver­ewi­gen­des und damit als Waffe gegen das Kapi­tal ent­schärf­tes Staats­mo­no­pol, mit der Maß­gabe, ein (aller­dings nie­mals begrif­fe­nes) ‚Wert­ge­setz‘ und noch ein paar andere Errun­gen­schaf­ten sozia­lis­ti­scher Wis­sen­schaft darin stär­ker zu berück­sich­ti­gen; für (im Falle des Fal­les) neu­er­li­che Koexis­tenz also mit dem Kapi­ta­lis­mus und Wett­be­werb, dies­mal aber nicht so sehr um die grö­ßere Por­tion Gulasch, son­dern haupt­säch­lich um die bes­sere Moral oder ‚Welt­an­schau­ung‘.
• Der hedo­nis­ti­sche Kom­mu­nis­mus der rei­nen Ver­nunft steht für die sofor­tige Abschaf­fung ‚der Arbeit‘, damit des Staa­tes; alle Men­schen wer­den ihrer puren Lust frö­nende Brü­der oder Schwes­tern – dar­un­ter geht gar nichts mehr. Für den Kapi­ta­lis­mus, ‚das Beste­hende‘ als das schlecht­hin Nega­tive, lasse man sich am bes­ten auf kei­ner­lei bestimmte Nega­tion ein, beschränke sich viel­mehr auf die Nega­tion schlecht­hin (‚nega­tive Kri­tik‘ gehei­ßen).“ (S. 2 – Hv. i.O.)

Was ich aber nicht ver­stehe, ist, warum es mit die­ser drei­fa­chen Abgren­zung sinn­voll sein soll, sich in der Links­par­tei zu orga­ni­sie­ren. Die Platt­form schreibt dazu:

„Seit der Bil­dung der WASG ab 2004, in deren Folge 2007 die Par­tei die Linke gegrün­det wurde, tut sich für Kom­mu­nis­ten eine Option auf, wie es sie seit der Tren­nung der USPD von der SPD im Ver­lauf des ers­ten Welt­krie­ges auf deut­schem Boden nicht mehr gege­ben hat. Eine von ihrem Selbst­ver­ständ­nis her sozia­lis­ti­sche, ihrem politisch-​​programmatischen Inhalt nach links­keyne­sia­nis­ti­sche Par­tei ermög­licht, zumin­dest for­mal, von ihrem plu­ra­lis­ti­schen Selbst­ver­ständ­nis her, die Orga­ni­sie­rung von Kom­mu­nis­ten in einer ent­ste­hen­den Mas­sen­par­tei.“ (S. 3)

Mit ziem­lich genau der glei­chen Stoß­rich­tung inter­ve­nier­ten ich und einige Genos­sen 1990/​91 in die Links­par­tei Vor­gän­ge­rin­or­ga­ni­sa­tion PDS: „Für eine femi­nis­ti­sche USPD mit revo­lu­tio­nä­rem Flü­gel“ – und wir sind kläg­lich geschei­tert (siehe unsere dama­lige – aus Anlaß des Plattform-​​Textes jetzt von mir wie­der­ver­öf­fent­lichte – Bilanz).

Und mir scheint heute, nach­dem sich ins­be­son­dere in Ber­lin ein neo-​​liberaler Regie­rungs­flü­gel in der Links­par­tei her­aus­ge­bil­det hat, sind die Chan­cen für ein der­ar­ti­ges Pro­jekt eher noch schlech­ter als Anfang der 90er Jahre:
-- Auch die Kom­mu­nis­ti­sche Platt­form ist gegen­über damals nicht kom­mu­nis­ti­scher gewor­den.
-- Und die eher bewegungs-​​orientierten Teile der Links­par­tei sind heute eher wei­ter vom lin­ken Flü­gel der sog. Neuen Sozia­len Bewe­gun­gen der 1980er Jahre ent­fernt als diese vor rund 20 Jah­ren der Fall war.

Und vor allem eine Prä­misse schon unse­rer dama­li­gen ‚PDS-​​Intervention‘, die ich kürz­lich im Kon­text der aktu­el­len Orga­ni­sie­rungs­de­batte wie folgt refor­mu­lierte, scheint mir auch heute noch zutref­fend zu sein: „Was sich jeden­falls aus dem Schick­sal der Z-​​Fraktion um Rai­ner Tram­pert und Tho­mas Eber­mann in den Grü­nen der 80er Jahre ler­nen läßt, ist, daß sich Revo­lu­tio­nä­rIn­nen auf ein sol­ches Bündnis-​​Projekt mit Gra­dua­lis­tIn­nen (und viel­leicht sogar Radi­kal­re­for­mis­tIn­nen) nur ein­las­sen soll­ten, wenn sie eigene Struk­tu­ren außer­halb des Bünd­nis­pro­jek­tes behal­ten und nicht voll und ganz in dem dor­ti­gen Frak­ti­ons­kampf auf­ge­hen.“

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Hin­ge­wie­sen sei außer­dem noch auf die Pro­gram­ma­ti­sche Eck­punkte der pro­le­ta­ri­schen Platt­form.

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In den letzten Tagen gelesen

1.a) bei Just noch einen Nach­trag zu den Ter­min­hin­wei­sen von heute mor­gen: „Ab dem 6. Okto­ber gibts jede menge schoener Pla­kate, Comix & Skiz­zen von Trou­ble X bei Tante Horst (O-​​Strasse 45) in Kreuz­berg zu bestau­nen! Hier die Flyer 1 /​ 2.“
Dazu noch ein ergän­zen­der Hin­weis – Trou­ble X bei blog­sport: http://​trou​blex​.blog​sport​.de/ – zuletzt mit einem „Wir Frauen“ gege­be­nen Inter­view.
b) bei der Mäd­chen­mann­schaft einen Hin­weis auf das Femi­nis­ti­sche Musik­fes­ti­val vom 24. – 29.09. in Wien

2. bei Crull. Für die Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats wurde auf Texte zu Klas­sis­mus hin­ge­wie­sen und ansatz­weise über sie dis­ku­tiert. l bringt dort eine tref­fende Kri­tik an Standpunkt-​​Epistemologien:

„schon am anfang des buches wird ange­pran­gert, dass marx aus ner bür­ger­li­chen fami­lie kam – und daher sei wohl auch seine theo­rie arg davon beein­flusst. – AUCH DAS IST KLAS­SEN­RAS­SIS­MUS (von unten) :P
ich bin ja etwas skep­tisch. „

3. Bei scharf-​​links gibt es eine „Mar­xis­ti­sche Kri­tik an Judith But­ler“ – habe ich bis­her nur ein­mal durch­ge­scrollt. Hin­ge­wie­sen sei zumin­dest schon mal auf But­lers Auf­satz in der New Left ReviewMerely Cul­tu­ral“ (aus Netz­wer­ken von Universitäts-​​ und Staats­bi­blio­the­ken kos­ten­los), bevor 2009 ‚vor­schnell‘ allein anhand ihrer Bücher von Anfang der 90er Jahre geur­teilt wird.
4.a) indy­me­dia löscht mal wie­der: den von mir doku­men­tier­ten Bei­trag zu einer Aktion von Anar­chos gegen Pira­ten­par­tei­büro.
b) der Mäd­chen­blog hat sich im übri­gen auch kri­tisch zur Pria­ten­par­tei geäu­ßert („Frau­en­po­li­tik egal“) – das hatte ich bis ver­ges­sen, in mei­ner Wahl­über­sicht zu erwäh­nen.
5. Der Revo­lu­tio­när Sozia­lis­ti­sche Bund (RSB) ver­öf­fent­lichte einen „Leser“brief von mir zu einem Arti­kel in des­sen Zeit­schrift Avanti nebst Ant­wort des Autors. Thema: Rich­tige und fal­sche Kapitalismus-​​Kritik. Der Autor weist auf das Avanti-Schwerpunkt-​​Heft von 2005 „Marx statt Münte“ (Avanti 123, Juli/​August 2005) hin – habe ich aber auch noch nicht gele­sen.
6.a) die aus trotz­kis­ti­scher Tra­di­tion kom­mende SoZ rezen­siert das Buch von Felix Wem­heuer „Mao­is­mus. Ide­en­ge­schichte und revo­lu­tio­nä­rer Geist“
b) ergän­zend sei noch auf das Maoismus-​​Buch von Hen­ning Böke hin­ge­wie­sen.
7. Ent­ding­li­chung wies aus Anlaß mei­ner Wie­der­ver­öf­fent­li­chung der Kri­tik der Nr. 25 der Zeit­schrift Okto­ber („Das refor­mis­ti­sche Schaf im auto­no­men Wolfs­pelz“) an der Auto­no­mie Nr. 14 auf die bei Ent­ding­li­chung wie­der­ver­öf­fent­lichte Nr. 14 von Okto­ber mit frü­her Kri­tik an den Grü­nen hin:
++ ein Über­blicksar­ti­kel: „Die Par­la­men­ta­ri­sie­rung der Grü­nen“ (S. 1 – 4)
++ eine Kri­tik an Buch „Die Zukunft der Grü­nen“ (S. 4 – 11) der sei­ner­zei­ti­gen Partei-​​Linken Rai­ner Tram­pert und Tho­mas Eber­mann (mir scheint, die Wich­tig­keit auch einer Ände­run­gen der Kon­sum­weise wurde in der Rezen­sion zu sehr unter­schätzt, aber im Gro­ßen und Gan­zen wurde gut auf­ge­zeigt, wie auch die Ham­bur­ger Ökoso­zia­lis­ten dahin ten­die­ren, den Rechts-​​Links-​​Gegensatz einem vagen Pri­mat der Ökolo­gie als ‚Mensch­heits­frage‘ unter­zu­ord­nen)
und
++ eine Text „Die Grü­nen und ihre Nation“ (S. 18 + 12 – 17), der wie­der ein­mal beweist, daß nicht nur Anti­deut­sche in der Lage sind und waren, lin­ken deut­schen Nationalismus-​​Kritik zu kri­ti­sie­ren.
8. Das Ende des Sex weist auf mei­nen – ursprüng­lich als Kom­men­tar bei der Mäd­chen­mann­schaft gepos­te­ten – Bei­trag „Gibt es AUS­SCHLIESS­LICH zwei Geschlech­ter?“ hin und merkt dazu an: „Diese Frage wäre zu ergän­zen und in Zwei­fel zu zie­hen, dass es über­haupt zwei Geschlech­ter gibt.“ – Ich hoffe, ich schaffe es in den nächs­ten Tagen, dar­auf noch ein­mal zurück­zu­kom­men.
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