Tag-Archiv für 'ak-und-kb'

Zum Stand der Organisierungs- und Programmdebatte

Ende März hatte die Sozialistische Initiative Berlin (damals noch mit dem Zusatz: „-Schöneberg“) mit ihrem Papier „Neue antikapitalistische Organisation? Neue antikapitalistische Organisation? Na endlich!“ eine – auch hier schon öfters Thema gewesene – Programm- und Organisierungsdebatte ausgelöst. Mittlerweile hat die Debatte – insbesondere durch die Beiträge des Kreises der AutorInnen eines „Bochumer Programm“-Entwurfes – deutlich an Fahrt aufgenommen.
Strittig ist im Moment insbesondere, ob das Konzept des „revolutionären Bruchs“ tatsächlich zur Grundlage der Arbeit der eventuell zu gründenden Organisation gemacht werden soll (wie in dem „Na endlich“-Papier vorgeschlagen und sogar als „unverhandelbar“ bezeichnet wurde) oder ob die Organisation auch für gradualistische Konzeptionen, die eine schrittweise Änderung der Gesellschaftsstruktur ohne revolutionären Bruch anstreben, offen sein soll, und ob das „Bochumer Programm“ in die zweitgenannte Kategorie fällt.

Meine letzten Beiträge zu diesem Thema finden sich dort:

und

sowie
schon etwas älter:

Außerdem gibt es eine Übersicht über dieses und 19 weitere Themen, die bisher strittig diskutiert wurden und weiter diskutiert werden sollen:

.

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Zehn Punkte, über die wir diskutieren sollten

Noch einmal zum Thema Neue Antikapitalistische / Revolutionäre Organisation

Mein so betiteltes Diskussionspapier erschien gestern in „trend. onlinezeitung“ 6/2011:

http://www.trend.infopartisan.net/trd0611/t030611.html.

Inhaltsverzeichnis:

1. Warum „Organisation“?

2. Nur antikapitalistisch? Oder allgemein revolutionär? (Zum Verhältnis von Kapitalismus, Patriarchat und Rassismus)

3. Verhältnis zu bestehenden linken Organisationen

    a) Linkspartei
    b) DKP, MLPD u.a.
    c) SPD, Grüne
    d) Aktionseinheit – Einheitsfront

4. Wer/welche soll/en mitmachen?

    a) Aus dem feministischen Spektrum
    b) Aus dem Bereich antirassistischer sowie migrantischer und Flüchtlings-Organisierung
    c) Aus dem trotzkistischen Bereich
    d) Aus dem Bereich der (post-)autonomen, (post-)antiimperialistischen Szene
    e) Gruppen, die in Tradition der sog. „rechten“ Opposition gegen die „Sozialfaschismus“-These der KomIntern stehen
    f) Linkspartei-KritikerInnen, insb. aus dem ehemaligen WSAG-Spektrum
    g) Reste der maoistischen ML-Bewegung

5. Für eine Organisation von RevolutionärInnen? Oder für eine gemeinsame Organisation von RadikalreformerInnen/GradualistInnen und RevolutionärInnen? (Verhältnis zu IL und isl)

6. Revolutionär oder speziell marxistisch? / Verhältnis zum Anarchismus

7. Zu Lageanalyse und Strategie

    a) Wessen Krise?
    b) Kein zurück zum Fordismus! – Vorwärts zum Sozialismus jetzt?!
    c) Die Volksbewegungen im Mittelmeerraum
    d) Zum Problem der ökonomischen und politischen Spaltung der Lohnabhängigen

8. Reizwörter und Reizthemen

    a) „Antideutsche“ – „Antiimperialisten“
    b) Stalin
    c) Diktatur des Proletariats
    d) Avantgarde
    e) Demokratischer Zentralismus
    f) Gewaltfrage
    g) Kopftuch

9. Aktive Mitarbeit / Organisationsstrukturen / Arbeitsweise

    a) AktivistInnen- oder Karteileichen-Organisation?
    b) Das Private ist politisch: Organisation – Szene/Milieu – Bewegung
    c) Nicht-klandestin oder halb-klandestin
    d) Inner-organisatorische Demokratie

10. Zum weiteren Vorgehen

Zitat aus dem Text:

„Im Gegensatz zu gewissen ‚stil-diktierenden’ Tendenzen (der berühmte ‚proletarische’ Kurzhaarschnitt im Ggs. zu den langen Hippie-Haaren, teilweise wohl auch Verbot von partei-externen Liebesbeziehungen usw.) bei den K-Gruppen der 70er Jahren sollten zwar Freizeit, Wohnen usw. von organisierter Praxis unterschieden werden. Auch hinsichtlich des politischen Verhaltens am Arbeitsplatz, von dem die Existenzsicherung abhängt, sollte nichts Unmögliches verlangt werden. Die politische Linie einer Organisation muß immer auch die persönlichen Kräfte und Möglichkeiten der einzelnen Mitglieder in Rechnung stellen.
Aber: Das heißt nicht, daß Leben, Arbeit und Politik von einander getrennt sind; auch Leben und Arbeiten, ‚das Private’ – wie die Frauenbewegung und viele andere 68er sagten –, sind politisch. M.E. gibt es keine revolutionäre Praxis, die hinter diese Einsicht zurückfällt.“

Vgl. dazu ergänzend:
http://entdinglichung.wordpress.com/2010/10/12/kommunistische-partei-deutschlandsmarxisten-leninisten-kpdml-sind-lange-haare-fortschrittlich-1974/.

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Antikapitalistisch ist nicht revolutionär genug!

[Der folgende Text als .pdf-Datei]

Vor kurzem wurde an verschiedenen Stellen im Netz ein Papier eines Diskussionskreises um Michael Prütz (1, 2, 3, 4; vgl. 5) veröffentlicht – Titel: Neue Antikapitalistische Organisation? Na endlich! Worüber müssen wir uns verständigen und worüber nicht. Plädiert wird für eine „solidarische und kontroverse, ergebnisoffene und zielgerichtete Debatte“ zwischen „‚Marxismus’ und ‚Autonomie’, Links-Sozialisten / Links-Kommunisten und Bewegungslinke“. Veröffentlicht wurde der Text von den online-Zeitschriften trend, Linke Zeitung (wo es in den Kommentaren eine LeserIn-Diskussion zu dem Text gibt) sowie scharf-links (wo auch zwei daran anschließende Texte veröffentlicht wurden) und den blogs Rappelkiste (bei blogsport.de) und Rote Predigt (bei over-blogs, die zu dem social bookmark-Dienst wikio gehören) sowie auf der homepage der Sozialistischen Kooperation; Entdinglichung verlinkte den Text.
Diese paar Veröffentlichungsorte und Antworten sind zwar bei weitem nicht die Resonanz auf das Papier, die notwendig wäre, um jene Idee mehr als eine Idee sein zu lassen. Ich will mir aber trotzdem nicht zu schade dafür sein, fünf Anmerkungen zu dem Text zu machen. Denn die generelle Überzeugung, daß es einer linken Struktur bedarf, die programmatisch links von der Linkspartei (m.E. auch links von der Interventionistischen Linken [IL]) steht, die verbindlicher organisiert ist als die autonome Szene (und ebenfalls verbindlicher als die IL), aber im Gegensatz zu der Revolutionären Linken um die Zeitschrift radikal nicht klandestin organisiert, sondern in Demonstrationen, Veranstaltungen und Bündnissen auch persönlich (in Form von für sie einstehenden Mitgliedern) sicht- und ansprechbar ist, würde ich teilen. Was die inhaltliche Ausrichtung anbelangt, hört sich, „die eigenen revolutionären Positionen wieder mit ein wenig mehr Selbstbewusstsein zu vertreten“ (Hv. hinzugefügt), für meinen Geschmack allerdings noch zu zaghaft an. –
Hier also meine fünf Anmerkungen: (mehr…)

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„Ich sag‘, wie’s ist!“-Papier und Interventionistische Linke

Ich hatte kürzlich eine .pdf-Bild-Datei des Szene-Klassikers „Ich sag‘, wie’s ist!“, der 1988 in den interim Nr. 26, 27 und 28 erschien, online gestellt und dabei die Hoffnung ausgedrückt, daß sich vielleicht jemandE die Mühe macht, die Datei OCR zu behandeln und Korrektur zu lesen. Tatsächlich bekam ich am Wochenende eine word-Datei im erstklassigen Zustand zugeschickt. Vielen Dank!

Ich habe die Datei nun meinerseits noch einmal am Bildschirm Korrektur gelesen (aber nicht Zeile für Zeile mit dem Original vergleichen) und dabei
++ noch die Seitenzahlen der Erstveröffentlichung eingefügt (der Text selbst war mit durchgehender Seitenzählung über alle drei Teile hinweg versehen, während die interim-Hefte keine eigene Seitenzählung hatten)
++ eine handvoll verbliebener Scanfehler entdeckt und beseitigt
und
++ – im Interesse der besseren Lesbarkeit – ebenfalls ungefähr eine handvoll Fehler, die bereits im Original enthalten waren, korrigiert.1
Die Bebilderung des Originals ist der Einfachheit halber nicht in die Textdatei übernommen. Das Ergebnis findet Ihr hier – jetzt als .pdf-Text-Datei.

Die Zusendung wurde mit der Anregung verbunden, auf dem Blog eine Diskussion darüber anzustossen, ob a) die von den AutorInnen des „Ich sag‘, wie’s ist!“-Papieres geforderte festere Organisierung überhaupt der richtige Weg ist und b) ob die Interventionistische Linke perspektivisch diese Organisierung darstellen kann.

Uff. Ich will es versuchen – ob daraus etwas wird, hängt dann allerdings von den LeserInnen ab:

zu a): Ich würde den AutorInnen im Kern Recht geben – auch wenn die Begrifflichkeit von „Kaderorganisation“, „demokratischer Zentralismus“, „Zellenprinzip“ und „Avantgardeanspruch“ schon damals – und heute erst recht – einen etwas altbackenen Klang hat(te). Mit der angeratenen sprachlichen Modernisierung würde ich sagen: Auch heute ist eine Organisation zumindest potentiell politisch wirksamer als bloße autonome Kleingruppen. Sie kann – (eine entsprechende Praxis vorausgesetzt) Wirksamkeitsgrenzen überschreiten, die Kleingruppen oder spontane Bewegungen per se (auch bei der besten Praxis) nicht überschreiten können. Eine kollektive, übergreifende und kontinuierliche Weiterentwicklung von theoretischer und politischer Praxis beinhaltet die Chance, zu besseren Ergebnissen zu kommen. Dies zu erreichen, sollte in der Tat der Anspruch einer solchen Organisation sein – und damit ist dann auch verbunden, in Bewegungen nicht einfach nur mitzuschwimmen, sondern zu versuchen, orientierend zu wirken. Ob derartige Vorschläge dann auch akzeptiert werden – ob also die prätendierte Avantgarde auch tatsächlich Avantgarde ist –, steht dann allerdings auf einem anderen Blatt (wie in dem dokumentierten Text auch schon erkannt wurde). Und eine solche Organisation bedarf auch demokratisch strukturierter verbindlicher Entscheidungsfindung.

zu b): Diese Frage zu beantworten, fällt mir deutlich schwerer. Da ich mich die letzten Jahre überwiegend im Ausland aufgehalten habe, habe ich von IL in erster Linie das mit bekommen, was im ak steht (und auch davon eher nur den kleineren Teil gelesen) und das Hickhack um die – auch m.E. stark verunglückte – Pressearbeit nach der Anti-G8-Demo in Rostock.
Auf dieser völlig unzureichend Informationsgrundlage will ich – ausgehend von dem Anfang des „Ich sag‘, wie’s ist!“-Textes – trotzdem mal versuchen, eine These zur gewünschten Diskussionsanregung zu formulieren:
Das dokumentierte Papier beginnt wie folgt: „Wir, aus der autonomen und antiimperialistischen Szene kommend, haben dieses Papier geschrieben, um eine grundsätzliche politische Diskussion zu führen. Wir sind nämlich der Ansicht, daß unsere eigene politische Arbeit und die der Szene von einer Reihe von Fehlern, Schwächen und Lücken gekennzeichnet war und ist. Diese müssen dringend überwunden werden, wenn wir hier eine wirksame revolutionäre Bewegung aufbauen wollen. Es handelt sich um den fehlenden Klassenstandpunkt, militaristische Tendenzen, Ghetto-Mentalität, freiwillige Desorganisation, zu kurzes und inkonsequentes politisches Denken und eine weitgehende Ignoranz gegenüber dem Marxismus-Leninismus.“
Mir scheint, die IL bemüht sich am effektivsten um Überwindung von „militaristische[n] Tendenzen, Ghetto-Mentalität“ und „freiwillige[r] Desorganisation“. Der Anspruch, eine „revolutionäre Bewegung aufbauen [zu] wollen“, ein „Klassenstandpunkt“ und der „Marxismus-Leninismus“ ist dagegen bei der IL für mich deutlich weniger zu erkennen.
Nun ist es um den – von Stalin, wenn nicht erfundenen, so doch maßgeblich verbreiteten – Ausdruck „Marxismus-Leninismus“ und zumal um die von Stalin dem Ausdruck beigelegten Inhalte (um die ging es auch den Papier-AutorInnen wohl nicht) nicht besonders schade. Und auch zum „Klassenstandpunkt“ wären zahlreiche komplizierende Anmerkungen zu machen. – Nur scheint mir, daß alldas von der IL unkritisiert und ersatzlos einfach fallen gelassen wird – wie sich auch in dem ziemlich unspezifischen Namen (Intervention. Ja, aber wofür?) ausdrückt.
Also: Mir fällt es – abgesehen davon, NSB-/NGO-näher zu sein und sein zu wollen, als die autonome Szene – schwer, eine politische Linie zu erkennen. Der Interventionismus des Kommunistischen Bundes (KB) der 70er und 80er Jahre bspw. in die Anti-AKW-Bewegung oder den grünen Parteibildungsprozeß war da schon spezifischer.
Oder noch mal anders gesagt: „Militarismus“ weg, ohne daß statt dessen besonders viel inhaltliche Butter bei Fische dazukommt – das erweckt bei mir den Eindruck von ‚Entradikalisierung‘, die von den AutorInnen des 1988er Papieres vermutlich nicht intendiert war.

Erinnert sei in dem Zusammenhang noch einmal an den Autonomen Kongress, der vom 8. – 11.10. in Hamburg stattfinden wird, (1, 2 3, 4)
und meine Rezension der Organisierungsdebatte in der radikal:
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/08/25/radikal-interview-mit-der-militanten-gruppe-zu-organisierung-des-revolutionaeren-widerstandes-teil-iv-der-rezension-zu-radikal-nr-161/
und
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/08/07/auf-papier-gelesen-radikal-nr-161-t_i/
sowie diese Kommentar-Diskussion:
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/09/27/was-waehlen-teil-iv-ein-sieg-von-schwarz-geld-waere-ein-schritt-zurueck-hinter-seattle/#comment-454
(Mephisto – 27. September 2009 um 15:40 Uhr) + nachfolgende Antwort. -

Ich fände es auch sinnvoll, wenn eine Diskussion zustandekommt; die Kommentarfunktion steht ohnehin zur Verfügung. Wer/welche etwas längeres schreiben will, kann sich gerne auch als BenutzerIn anmelden und einen eigenen, neuen Beitrag schreiben.
Interessant fände ich auch, falls die seinerzeitigen Papier-AutorInnen, falls sie das hier lesen, mitteilen würde, warum dem seinerzeitigen Papier anscheinend nie etwas Weiteres folgte – weder ein weiteres Papier noch ein Umsetzungsversuch. Und was für ein Grüppchen war eigentlich die in dem Papier zwei- oder dreimal zitierte Proletarische Aktion mit der Zeitung Partisan?

  1. Es handelt sich durchweg um Kleinigkeiten: fehlende Kommata; (richtiges) „daß“ statt (falsches) „das“, ein Buchstabendreher, eine Ersetzung von „m“ durch „n“ (oder was es umgekehrt?), Einfügung eines fehlenden Buchstabens. – Im Original stehen am Satzende vor Fragezeichen immer Leerzeichen. Die haben wir beseitigt. [zurück]
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(Was) wählen?

Die Frage scheint diesmal so müßig, wie seit 20 Jahren nicht mehr, zu sein – wenn nicht sogar so, wie seit dem KPD-Verbot.

Übersicht über den folgenden Text:

I. Ein Blick zurück

1. Als Wahlen spannend waren
2. Die ‚Rückkehr‘ der späten 50er und frühen 60er Jahre war nicht von Dauer

II. Der Stand der Dinge

III. Was die anderen sagen – kritisch kommentiert
1. Ofenschlot contra Dath
2. Bundeswahlstreik: Masse statt Klasse
3. Mannheim: „Klassenkampf statt Wahlkampf“?
4. Angel of Neukoelln: Für Grundrechte, gegen Lohndumping und Sozialabbau – und gegen deutsche Kriegseinsätze
5. Mädchenmannschaft: Elections are a gender issue!
6. Diverse zu den Irrwegen der Piratenpartei
7. Avanti: „Unsere Wahl heißt Widerstand“
8. VSP: Bitte noch mehr Weichspüler
9. Von den Ex-TrotzkistInnen zu den Ex-MaoistInnen (analyse & kritik)…
10. …zu Ex-blogsport-lerInnen (Kritische Schriften)
11. Mnementh & TSP: Die Tücken des Wahlrechts
12. Wahlprüfsteine und andere Wahlhilfen
13. Gewerkschaftlich organisierte SPD-Mitglieder sagen: SPD-Führung stürzen ist dringlicher als SPD wählen
14. Alternativen zur Linkspartei?
a) DKP – ohne Aussicht auf wahrnehmbaren Erfolg
b) PSG – unter irreführender Flagge
c) MLPD: Stalins „echten Sozialismus“ wählen
d) Nicht auf dem Stimmzettel: Frauenparteien
15. Was die von mir regelmäßig gelesenen Blätter „Arbeiterstimme“ (Nürnberg) und „Arbeiterpolitik“ (Hamburg) sagen

IV. Eigene Stellungnahme

(mehr…)

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radikal-Interview mit der militanten gruppe zu „organisierung des revolutionären widerstandes“ (Teil IV der Rezension zu radikal Nr. 161)

Fortsetzung der Rezensions-Reihe vom 07.08., 09.08. und 10.08.

Das Interview mit der militanten gruppe (mg) (S. 28 – 54) macht fast die Hälfte des aktuellen radikal-Heftes (60 Seiten + Tarnumschlag) aus. Es ist ein ungewöhnliches Interview: Es besteht aus 14 Fragen und den jeweiligen Antworten – also im Durchschnitt fast zwei Druckseiten Antwort pro Frage, wobei sich tendenziell sagen läßt, daß die Antworten auf die ersten Fragen kürzer und die späteren Antworten länger ausfallen.
Inhaltlich und formell lassen sich drei – unterschiedlich lange – Teile unterscheiden: Der erste Teil beschäftigt sich mit dem inneren Gruppenzustand der mg (soweit dies für den vor dem Berliner Kammergericht stattfindenden Prozeß gegen vermeintliche mg-Mitglieder relevant ist, wurde darauf bereits in Teil II dieser Rezensionsreihe eingegangen). Die Teile 2 und 3 des Interviews befassen sich mit weiterführenden strategischen Fragen, wobei die ersten Fragen von der militanten gruppe ziemlich klar beantwortet werden, während späteren Fragen eher über Lektüreerfahrungen berichten, denen die Schlußfolgerungen noch weitgehend fehlen. Mir scheint, das Interview hätte an Lesbarkeit gewonnen, wenn sich die mg dort deutlich kürzer gefaßt und auf noch zu schreibende Papiere verwiesen hätten. (mehr…)

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Wessen Gewalt hat die Macht sexy zu sein?!

[Der folgende Text ist die Langfassung einer Replik, die am 31.08.2000 auf S. 23 in ak. analyse & kritik, Nr. 441 auf den Aritkel von Michel Gümbel „Christopher Street Day und SM. Manifest der Schlagwerker“, der in der vohergehenden Ausgabe erschienen war, antwortet. In den beiden folgenden Ausgaben (ak 442 und 443) erschienen drei weitere Texte zu der Debatte; in Nr. 445 eine weitere Antwort von mir, die sich u.a. mit der Kritik, mein erster Text sei „moralisierend“, auseinandersetzt.]

Wider den „gesunden Menschenverstand“!

Wessen Gewalt hat die Macht sexy zu sein?!
„Selbstbestimmung“ ist in einer durch Herrschaft und Ausbeutung strukturierten Gesellschaft eine idealistische Phrase, welche die Existenz von Herrschaft und Ausbeutung negiert

Die LeserInnen einer Zeitung, die einmal Arbeiterkampf hieß und seinerzeit vom Kommunistischen Bund herausgegeben wurde, dürften sich vielleicht noch erinnern, wie Marx die Freiheit und Selbstbestimmung der freien LohnarbeiterInnen analysierte:
„Die Sphäre der Zirkulation oder des Warentauschs […] war in der Tat ein wahres Eden der angebornen Menschenrechte. […]. Beim Scheiden von dieser Sphäre der Zirkulation, […], verwandelt sich, so scheint es, schon in etwas die Physiognomie unsrer dramatis personae. Der ehemalige Geldbesitzer schreitet voran als Kapitalist, der Arbeitskraftbesitzer folgt ihm nach als sein Arbeiter; der eine bedeutungsvoll schmunzelnd und geschäftseifrig, der andre scheu, widerstrebsam, wie jemand, der seine eigene Haut zu Markt getragen und nun nichts andres zu erwarten hat als die – Gerberei.“ (Marx 1867/90, 189, 190 f.).

Grenzerfahrungen in der Gerberei

Nun ist es erfreulicherweise noch nicht soweit gekommen, daß ak sein Herz für die „Minderheit“ der KapitalistInnen entdeckt hat. Aber das Feld der Sexualität – bisher nicht gerade ein Spezialgebiet der Analysen und Kritik in ak – scheint der Redaktion wohl ein geeignetes Experimentierfeld für neue „Grenzerfahrungen“ (G IV) [1] zu sein, die dann demnächst vielleicht auch auf anderen Feldern bewundert werden können.

Vollständiger Text als .pdf-Datei.

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Rez. zu Fülberth: KPD und DKP 1945 – 1990

[Erschien ursprünglich – redaktionell leicht bearbeitet und gekürzt – unter der Überschrift „Geschichte kommunistischer Parteien. Radikale linke DKP-Kritik“ im Neuen Deutschland vom 14.07.1991, S. 14; die gedruckte Fassung gibt als .pdf-Datei hier; es folgt dann mein ursprünglicher Text.]

Georg Fülberth

KPD und DKP 1945 – 1990

Zwei kommunistische Parteien in der vierten Periode kapitalistischer Entwicklung

Distel Verlag: Heilbronn, 1990

215 Seiten, 22,80 DM

Fülberth, für die DKP Mitglied im Marburger Stadtrat, wiederholt und belegt mit umfangreichem Material im einzelnen seine Thesen zur Kritik der politischen Praxis der offiziellen westeuropäischen kommunistischen Parteien, die er Ende der 80er Jahre in der Hamburger Zeit­schrift KONKRET, in der Zeitung des Kom­munistischen Bundes „Arbeiterkampf“ (Hamburg), in der Westberliner PROWO und im DKP-Theorieorgan „Marxistische Blätter“ geübt hat. (mehr…)

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Plädoyer für die Herausbildung einer neuen Linken Formation.

erschien in: Neues Deutschland, 15./16.12.1990. S. 10.

Eine .pdf-Bild-Datei des gedruckten Artikels gibt es hier.

So etwas ähnliches, wie von mir am Ende des Artikels vorgeschlagen, fand – im deutlich kleineren Rahmen und mit kleinerem Anspruch – dann am 06.01.1991 tatsächlich statt – ansonsten hörte der Weltgeist bekanntlich nicht auf mich.
Der AK berichtete über meinen Redebeitrag bei jenem Treffen:

„Detlev Schulze (PROWO-Redaktion) sprach ebenfalls nur für sich – und machte erstmal reinen Tisch: die Radikale Linke sei ein Haufen abgewrackter Funktionäre, die Grüne hätten sich mit ihrem Gründungskonsens (gewaltfrei, nicht antistaatlich usw.) von Anfang an selbst erledigt, die PDS versuche sich durch opportunistische Anpassung durchzulavieren, außerparlamentarisch sei nichts los, einzig die Autonomen verfügten ab und zu über eine gewisse Mobilisierungsfähigkeit. Er visiere langfristig ‚eine neue Organisation‘ an, zunächst solle aber eine Konferenz durchgeführt werden, die ‚der Selbstdefinition als nicht sektiererische Opposition zum BRD-Imperialismus‘ dienen, einige gemeinsame praktische Arbeitsfelder und demnächst anzupackende theoretische Probleme bestimmen solle. ‚Gegen Reformillusionen und Sektiererei‘ solle sich diese Opposition ansiedeln. […]. Claudia Roth (Europagrüne) sah eine mögliche Zusammenarbeit an ‚den konkreten Fragen, die gesellschaftliche Probleme stellen.‘ Ein Konzept, wie das der PROWO, wonach die Zusammenarbeit erstmal mit einer Aus- und Abgrenzung gegen andere beginne, lehne sie zutiefst ab.“
(mi. / Berlin, Auftakt zu einem neuen Oppositionsbündnis? Linken-Treffen am 6.1. in Berlin, in: Arbeiterkampf. Zeitung des Kommunistischen Bundes Nr. 326 v. 14.1.1991).

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