Neben vielen anderen berichten auch die Meinungsführerinnen des ‚antideutschen’ Spektrums, die Hamburger Zeitschrift Konkret, sowie des ‚anttimperialistischen’ Spektrums, die Berliner Zeitung junge Welt, über die Slutwalks. Beide Berichte zeigen wieder einmal, daß das Verhältnis zwischen vielen Linken und dem Feminismus mit „unglücklicher Ehe“ (so die Formulierung im Titel eines bekannten Aufsatzes und Sammelbandes von der Wende von den 70er zu den 80er Jahren) noch euphemistisch umschrieben ist.
junge Welt – eine schlechte Leserin
Die junge Welt scheint den Slutwalk-Aufruf schlecht gelesen zu haben – oder ist der Einfachheit halber der mainstream-Presse auf den Leim gegangen sein: „Für den morgigen Samstag sind in mehreren deutschen Städten ‚Schlampenmärsche’ geplant. Auch hier wollen sich die Teilnehmerinnen bewußt sexy kleiden und dabei deutlich machen, daß dies kein Freibrief für sexuelle Übergriffe ist.“ –
Es gab aber bei den Slutwalks gar keinen dress code: „Bei der SlutWalk Bewegung geht es nicht darum, endlich mal halbnackt durch die Stadt laufen zu dürfen. Es geht darum, Menschen nicht die Schuld an sexuellen Übergriffen zu geben – selbst wenn sie halbnackt durch die Stadt laufen. Es geht darum, sich ein Klima zu erkämpfen, in dem ein selbstbestimmtes Leben hinsichtlich Körper, Begehren, Aussehen, Sexualität und Geschlecht möglich ist.“ (http://slutwalkhamburg.blogsport.de/faq/)
Nach dem die Slutwalks in jener Weise falsch eingeführt wurden, werden dann ausgiebig kritische Stellungnahmen von Vertreterinnen der parlamentarischen Linken zitiert – die auf der Grundlage der Falschdarstellung der Slutwalks, als auf sexy Kleidung fixiert, irgendwie plausibel klingt:
„Zu viele Frauen seien es, [so die Grüne Katrin Rönicke] die ‚sich selbst seit Jahrzehnten bekriegen (mit Hungern, Essen, ständiger Arbeit am Körper, oder: indem sie ebendiesen verstecken, aus Angst)’, […]. ‚Im Grunde wollen wir alle, daß das aufhört. Wir haben nur noch nicht begriffen, daß wir dafür mehr tun müssen, als auf Slutwalks zu gehen und Schönwetterreden zu schwingen.’“ – Genau darum (Schönheitsnormen und Schlankheitsdiktate) geht es allerdings bei dem in dem Slutwalk-Aufruf erwähnten: „selbstbestimmte[n] Leben hinsichtlich Körper, Begehren, Aussehen“.
Auch bei dem Solikonzert am Donnerstag voriger Woche (11.08.2011) für den Berliner Slutwalk gab es von der Rapperin Sookee ein Stück gegen von der Werbung diktierte Schönheitsnormen („Welche Werbung sagt Dir, dass Du nicht schön bist?“ [11 // MILADY] – allerdings eine deutlich andere Version, wenn ich mich recht erinnere) und eines der Transpis, das dort hing lautete: „Kurze Röcke, fette Bässe, Macker kriegen auf die Fresse“ – dagegen dürfte das ganze grüne Konzept von „Geschlechterdemokratie“ (und auch das der Linkspartei von „Geschlechtergerechtigkeit“) und jede grüne Rede zum Geschlechterverhältnis seit Verena Krieger nicht mehr Bundessprecherin der Grünen ist (was mehr als 15 Jahre her ist), eine einzige endlose „Schönwetterrede“ sein.

(Quelle: http://mattwilcox.info/demos/instagram-atom-feed/?hashtag=slutwalk)
Berichterstattung sollte stimmen – und nicht so selektiv sein, daß am Ende ausgerechnet die Kritik der Vereinigten Parlamentarischen Linken von JuSos über Grünen bis Linkspartei an einer außerparlamentarischen Aktion als berechtigt erscheint. – Is doch sonst auch nicht gerade die Linie jungen Welt, oder? –
Konkret: Lustgewinn durch Lästerei
Die Autorin des – bereits vor den Slutwalks erschienenen – Konkret-Artikel wird wie folgt vorgestellt: „war Mitorganisatorin des Berliner Slutwalks“. – Anscheinend war sie bei ein paar Vorbereitungstreffen, um Notizen für ein paar lästernde Bemerkungen in dem Artikel zu machen: (mehr…)
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