Archiv der Kategorie 'Rechtstheorie / Juristisches / Antirep'

Neues (von mir) bei Radio FSK

► Die Juli-​​Ausgabe von trans­mit­ter, der Pro­gramm­zeit­schrift des Freien Sen­der Kom­bi­nats (FSK) Ham­burg steht jetzt online zur Ver­fü­gung. Dort ist eine von mir geschrie­bene Rezen­sion

Neue Bro­schü­ren: Stra­te­gien der Antirep-​​Arbeit
http://​www​.fsk​-hh​.org/​f​i​l​e​s​/​t​m​0​7​1​1.pdf, S. 9 – 12

ver­öf­fent­licht. Die Rezen­sion ent­stand im zeit­li­chen und viel­leicht auch gedank­li­chen Zusam­men­hang mit mei­nem Vor­trag bei der Ver­an­stal­tung des Ein­stel­lungs­bünd­nis­ses am 18.05.2011 in Ber­lin.

► Außer­dem gab ich FSK am Frei­tag, den 24.06.2011, also am Tag vor dem Ber­li­ner (t)CSD-Wochenende, ein Inter­view zum Thema

trans­gen­der und femi­nis­ti­sche Orga­ni­sie­rung.
http://​www​.freie​-radios​.net/​41775

Der Mit­schnitt des – recht spon­tan zustande gekom­me­nen und teil­weise mei­ner­seits etwas chao­tisch abge­lau­fe­nen – Inter­views steht mitt­ler­weile online zur Ver­fü­gung. Vgl. zum Kon­text des Interview-​​Themas und -Anlas­ses auch noch:

--- Erneut: Dies­seits der Geschlech­ter­gren­zen – Die Kul­tu­ra­li­sie­rung des Femi­nis­mus als Natu­ra­li­sie­rung der Geschlech­ter­dif­fe­renz

--- De-​​konstruktiv oder destruk­tiv? – queer Les­bia­nis­mus

--- The­men­über­sicht – Kri­tik an der linksliberal-​​antifeministischen poli­ti­schen Linie des trans­ge­nia­len CSD (tCSD) in Ber­lin und des quee­ren main­streams in der BRD über­haupt

und

--- Ter­mine und andere Hin­weise (2).

Angeklagter Oliver R.: Widerstand bleibt trotz Verurteilung legitim

Der BGH hat die Revi­sion gegen das Urteil des Kam­mer­ge­richts Ber­lin im sog. mg-Pro­zeß ver­wor­fen:

„Oli­ver R., einer der drei Betrof­fe­nen, äußert sich anläss­lich der BGH-​​Entscheidung: ‚Wider­stand, der sich gegen die Gewalt des Krie­ges, die Kriegs­wirt­schaft sowie das Mili­tär rich­tet, um eine Situa­tion der Besat­zung, die Ermor­dung von Zivi­lis­ten und Zivi­lis­tin­nen und die Zer­stö­rung ihrer Lebens­grund­la­gen zu unter­bin­den, bleibt nach wie vor legi­tim.‘“

Die Ein­le­gung wei­te­rer Rechts­mit­tel, die aber keine auf­schie­bende Wir­kung in Bezug auf die Voll­stre­ckung der Strafe haben, sind ange­kün­digt.

Auf den Rest der Pro­ze­ßer­klä­rung des Ein­stel­lungs­bünd­nis­ses wird bei Gele­gen­heit ein­zu­ge­hen sein.

Neue Zweifel an den „Wundern von Stammheim“

„‚Baa­der Mein­hof Kom­plex‘ von Ste­fan Aust […] kam mir sehr unglaub­wür­dig vor, keine Fuß­no­ten, keine Quel­len­an­ga­ben. Das wollte ich dann doch genauer wis­sen. Bis 2011 ent­stand dann mein Buch, das sich auf eine Viel­zahl von Quel­len und Akten, kri­mi­na­lis­ti­sche Unter­su­chun­gen und diverse Test­auf­bau­ten stützt. Mein Buch ‚Die Nacht von Stamm­heim‘ beschreibt keine Ver­schwö­rung und ist schon gar keine Theo­rie, es sind Indi­zien und Beweise mit für den Leser nach­voll­zieh­ba­ren Quel­len und deren Aus­wer­tung.“

In der Jun­gen Welt von heute ist ein Inter­view mit dem Betriebs­rat und IT-​​Spezialisten Helge Leh­mann, dem Autor des Buches „Die Todes­nacht in Stamm­heim. Eine Unter­su­chung. Indi­zi­en­pro­zeß gegen die staats­of­fi­zi­elle Dar­stel­lung und das Todeser­mitt­lungs­ver­fah­ren“ (Pahl-​​Rugenstein: Bonn, 2011, 237 S., 19,90 Euro).


(Quelle: http://​cgi​.ebay​.ch/​w​s​/​e​B​a​y​I​S​A​P​I​.​d​l​l​?​V​I​S​u​p​e​r​S​i​z​e​&​a​m​p​;​i​t​e​m​=​3​8​0​3​1​6​6​26545)

Vgl.:
Nor­bert Coba­bus Archi­ves beim Inter­na­tio­nal Insti­tute of Social History Ams­ter­dam, Archiv­be­stand Nr. VII.28:
„Haupt­thema: Ein­griffe im Verlags-​​ und Buch­han­dels­be­reich
Jahr: 05.01.1979 – 14.12.1979
Ereig­nis: Zen­sur­pro­zeß gegen den Ver­lag J. Reents (Prozeß-​​Info Nr. 1-​​4)
Bro­schü­ren: Die ‚Wun­der von Stamm­heim und Sta­del­heim‘ vor Gericht.
Bro­schü­ren: §90a Ver­fah­ren wegen Stamm­heim Bericht­er­stat­tung gegen den Arbei­ter­kampf Doku­mente: Briefe, Pres­se­in­for­ma­tio­nen, Pho­to­ko­pien, Zei­tungs­aus­schnitte“.

Folien: Über die Probleme des juristischen Politisierens und der politizistischen Juristerei

Hier gibt es die Folien zum Vor­trag von ges­tern; ein Mit­schnitt der gesam­ten Ver­an­stal­tung wird dem­nächst von FSK Ham­burg gesen­det und danach bei den Freien Radios online zur Ver­fü­gung ste­hen.
Eine schrift­lich aus­for­mu­lierte und deut­lich erwei­terte Fas­sung mit tip­top und garan­tiert nicht geschum­mel­ten Fuß­no­ten wird es dem­nächst – wahr­schein­lich beim Ein­stel­lungs­bünd­nis – eben­falls online geben.

Meine bis­he­ri­gen Stel­lung­nah­men zum Thema:
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​3​/​2​0​/​p​r​o​b​l​e​m​e​-​d​e​r​-​s​o​l​i​d​a​r​i​t​a​e​t​s​a​r​b​e​i​t​-​u​n​d​-​d​e​r​-​r​e​c​h​t​s​p​o​l​i​t​i​k​-​o​d​e​r​-​w​a​r​u​m​-​g​u​t​e​r​-​w​i​l​l​e​-​a​l​l​e​i​n​-​n​i​c​h​t​-​r​e​icht/
.

Noch eine Ankündigung für kommenden Mittwoch (18.5., Südblock)

„Ver­an­stal­tung zu Soli­da­ri­tät und Anti­re­pres­si­ons­ar­beit

18. Mai | 19.30 Uhr | Süd­block | Admi­ral­straße 1-​​2 | U-​​Bhf. Kott­bus­ser Tor | Berlin-​​Kreuzberg

Anläss­lich der Buch-​​Neuerscheinung »Das zarte Pflänz­chen der Soli­da­ri­tät gegos­sen« lädt das Ber­li­ner Ein­stel­lungs­bünd­nis zu einer Podi­ums­dis­kus­sion über Soli­da­ri­tät und Anti­re­pres­si­ons­ar­beit ein. An dem Gespräch neh­men teil:

· Phi­lip Scheff­ner, Regis­seur des Films »Der Tag des Spat­zen«
· Det­lef Geor­gia Schulze, Politolog_​in und Rechtstheoretiker_​in
· Ver­tre­ter des freien Radio FSK Ham­burg
· Ver­tre­ter des Ein­stel­lungs­bünd­nis­ses

Die Podi­ums­teil­neh­mer haben die Soli­da­ri­täts­ar­beit zu den §129(a)-Verfahren und dem Pro­zess wegen Mit­glied­schaft in der mili­tan­ten gruppe (mg) kri­tisch beglei­tet. Im gemein­sa­men Gespräch wer­den sie sich über ihre ver­schie­de­nen Gründe für poli­ti­sches Enga­ge­ment und Soli­da­ri­tät aus­tau­schen sowie Stär­ken und Schwä­chen des Ein­stel­lungs­bünd­nis­ses resü­mie­ren.

Ver­an­stal­tungs­ter­min: Mitt­woch 18. Mai 2011 | 19.30 Uhr
Süd­block | Admi­ral­str. 1-​​2 | U-​​Bhf. Kott­bus­ser Tor | Berlin-​​Kreuzberg

Die Ver­an­stal­tung fin­det anläss­lich einer Buch­ver­öf­fent­li­chung, in der die drei­jäh­rige Arbeit des Ein­stel­lungs­bünd­nis­ses doku­men­tiert wird, statt:

»Das zarte Pflänz­chen der Soli­da­ri­tät gegos­sen.
Zu den Ver­fah­ren und dem Pro­zess wegen Mit­glied­schaft in der mili­tan­ten gruppe (mg).«
Autor: Bünd­nis für die Ein­stel­lung der §129(a)-Verfahren.
ISBN 978-​​3-​​942885-​​00-​​3, edi­tion assem­blage, 86 Sei­ten, 4.80 Euro

Wei­tere Ver­an­stal­tun­gen fin­den am 4. Juni in Ber­lin und am 17. Juni 2011 in Müns­ter statt.

Infor­ma­tio­nen: http://​ein​stel​lung​.so36​.net/​d​e​/1815″

(Quelle: https://​ein​stel​lung​.so36​.net/​d​e​/​p​m​/1828)

Meine bis­he­ri­gen Stel­lung­nah­men zum Thema:
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​3​/​2​0​/​p​r​o​b​l​e​m​e​-​d​e​r​-​s​o​l​i​d​a​r​i​t​a​e​t​s​a​r​b​e​i​t​-​u​n​d​-​d​e​r​-​r​e​c​h​t​s​p​o​l​i​t​i​k​-​o​d​e​r​-​w​a​r​u​m​-​g​u​t​e​r​-​w​i​l​l​e​-​a​l​l​e​i​n​-​n​i​c​h​t​-​r​e​icht/

Was der FAZ auf einmal auffällt… – RAF-Prozesse in den 70ern

„In den sieb­zi­ger Jah­ren, als die Anfüh­rer der RAF gefasst wor­den waren, wurde von Straf­ju­ris­ten nach den Prin­zi­pien des Rechts­rea­lis­mus gehan­delt. Die Jus­tiz sah sich als ein Mit­tel zur Her­bei­füh­rung eines poli­ti­schen Zwecks: Die Ter­ro­ris­ten soll­ten so schnell und so lange wie mög­lich hin­ter Git­ter. Nur auf diese Weise könn­ten wei­tere Ver­bre­chen ver­hin­dert wer­den, glaubte man (neben­bei sei erwähnt, dass das Gegen­teil erreicht wurde). Die Pro­zesse soll­ten so kurz wie mög­lich dau­ern. Es gab aber oft keine aus­rei­chen­den Beweise, mit denen den ein­zel­nen Ange­klag­ten ihre indi­vi­du­el­len Taten nach­ge­wie­sen wer­den konn­ten. Man schuf des­halb die umstrit­tene juris­ti­sche Hilfs­kon­struk­tion mit­tel­ba­rer Mit­tä­ter­schaft, nach dem alten Sprich­wort ‚mit­ge­gan­gen, mit­ge­fan­gen, mit­ge­han­gen‘.“

(Quelle: http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E38B87317877C4CB49BA1584645629B3D~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

Bilanz der Arbeit des Einstellungsbündnisses

Mi., 18.5.; 19:30 h:

„Süd­block (Admi­ral­str. 1-​​2): Podi­ums­ver­an­stal­tung
‚Das zarte Pflänz­chen der Soli­da­ri­tät gie­ßen‘. Podi­ums­ver­an­stal­tung zur Soli­da­ri­täts­ar­beit im §129(a)-Verfahren wegen Mit­glied­schaft in der mili­tan­ten gruppe (mg). Das Ein­stel­lungs­bünd­nis hat sein Resü­mee in Buch­form vor­ge­legt und lädt zu einer Ver­an­stal­tung in Ber­lin ein.
Nach drei Jah­ren Soli­da­ri­täts­ar­beit und der Ver­ur­tei­lung von Axel, Flo­rian und Oli­ver wegen ver­such­ter Brand­stif­tung an Bundeswehr-​​LKW im Ber­li­ner mg-​​Prozess legt das Ein­stel­lungs­bünd­nis sein Resü­mee vor. Die Soli-​​Gruppe beschreibt unter ande­rem die ver­schie­de­nen Linien und Fall­stri­cke der Soli-​​Arbeit, die Mög­lich­kei­ten und Schwie­rig­kei­ten, einen poli­ti­schen Pro­zess zu füh­ren und die Wahr­neh­mung durch die Linke und die Medien. Die Aus­wer­tung ver­steht sich als Hand­rei­chung für alle, die sich mit Repres­sion aus­ein­an­der­set­zen, von ihr betrof­fen sind oder sein könn­ten.“

(Quelle: http://​www​.stress​fak​tor​.squat​.net/​t​e​r​m​i​n​e​.​p​h​p​?​t​a​g​=​1​8​0​52011)

Vor­stel­lung des Resümee-​​Büchleins:
http://​ein​stel​lung​.so36​.net/​d​e​/1815

PS.:
Die Admi­ral­straße geht in Südwest-​​Richtung vom Kott­bus­ser Tor ab.

PPS.:
Ich bin auch ein­ge­la­den wor­den, etwas zu erzäh­len – und es wird auch etwas Neues gegen­über dem bis­her schon Gesag­ten:
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​3​/​2​0​/​p​r​o​b​l​e​m​e​-​d​e​r​-​s​o​l​i​d​a​r​i​t​a​e​t​s​a​r​b​e​i​t​-​u​n​d​-​d​e​r​-​r​e​c​h​t​s​p​o​l​i​t​i​k​-​o​d​e​r​-​w​a​r​u​m​-​g​u​t​e​r​-​w​i​l​l​e​-​a​l​l​e​i​n​-​n​i​c​h​t​-​r​e​icht/
wer­den.

Nachtrag @ Guttenberg – FAZ: Unkritische Gutachter werden wahrscheinlich geschont

„Auf­schluss­reich bleibt, inwie­fern die Kom­mis­sion die Mit­ver­ant­wor­tung von Gut­ten­bergs Dok­tor­va­ter Peter Häberle bedenkt, der schließ­lich der Uni­ver­si­tät Bay­reuth ange­hört. Die Dienst­auf­sicht im beam­ten­recht­li­chen Sinne besitzt sie zwar nicht, aber sie könnte die offen­kun­di­gen Ver­säum­nisse benen­nen. Wis­sen­schafts­recht­ler rech­nen aller­dings damit, dass es dazu kaum kom­men dürfte. In den meis­ten Fäl­len wer­den die betei­lig­ten Pro­fes­so­ren aus nahe­lie­gen­den Grün­den geschont.“

http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E227BC962619E44A297070EF30304A0D8~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Pragmatism rules: Sozialforum gegen Land Berlin vor dem Oberverwaltungsgericht

Vor mitt­ler­weile län­ge­rer Zeit wurde bekannt, daß das Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz Infor­ma­tio­nen über Mit­glie­der des Ber­li­ner Sozi­al­fo­rums gesam­melt hatte. Dar­auf hin bean­tragte eine ganze Reihe von Sozialforums-​​Mitgliedern beim Lan­des­amt Aus­kunft über die über sie gesam­mel­ten Infor­ma­tio­nen. (Der Begriff „Aus­kunft“ wird im fol­gen­den der Ein­fach­heit hal­ber zusam­men­fas­send sowohl für die „Aus­kunft“ im enge­ren Sinne [§ 31 Bln­VerfSchG] als auch die Akten­ein­sicht i.S.d. § 32 Bln­VerfSchG ver­wen­det.)
Das Lan­des­amt ver­wei­gerte mit flos­kel­haf­ter Begrün­dung die Aus­kunfts­er­tei­lung, wor­auf hin wie­derum einige Mit­glie­der des Sozi­al­fo­rums Klage vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt erho­ben. Die meis­ten Klä­ge­rIn­nen klag­ten auf Aus­kunfts­er­tei­lung.
In einem Fall hatte das Ver­wal­tungs­ge­richt die Klage auf Aus­kunfts­er­tei­lung abge­wie­sen und das Lan­des­amt statt des­sen zunächst ein­mal zu einer Neu­be­schei­dung des Antra­ges (auf Aus­kunfts­er­tei­lung) mit aus­führ­li­che­rer Begrün­dung ver­ur­teilt (Voll­text des Urteils). Die ande­ren Ver­fah­ren wur­den bis zum Abschluß des ers­ten Pro­zes­ses aus­ge­setzt.
Auf Beru­fung des Lan­des Ber­lin ging der Pro­zeß nun am Mitt­woch vor dem Berlin-​​Brandenburger Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in die zweite Runde.

Diese münd­li­che Ver­hand­lung war unter meh­rer­lei Gesichts­punk­ten para­dox; genauso wie im übri­gen die Geset­zes­lage.

Der gericht­li­che Prag­ma­tis­mus: §§ 128, 129 VwGO über­se­hen

(mehr…)

Gegen Bildungselitismus, für POLITISCHE Kritik an Guttenberg und für SELBSTkritik des Wissenschaftsbetriebs

Über­sicht über meine Texte der letz­ten Tage und einige ‚pas­sende‘, ältere Texte

Glie­de­rung:

I. Hauptext
II. Zum poli­ti­schen Kon­text
III. Zur wis­sen­schaft­li­chen Seite des Pro­blems
IV. Zur straf­recht­li­chen Seite des Pro­blems
V. Klei­nere Neben-​​Texte
VI. Ältere Texte (mehr…)

Akademiker und Politik – Erinnerung an einen anderen Fall problematischer Berufung auf den Akademiker-Status

„Die Argumentations-​​Strategie ‚Ohne intel­lek­tu­elle Hin­ter­män­ner keine ter­ro­ris­ti­sche Ver­ei­ni­gung und kein §129a-​​Verfahren gegen die drei in Bran­den­burg Fest­ge­nom­me­nen‘ war von Anfang an kurz­schlüs­sig; sie mußte eine bestimmte Arbeits­tei­lungs­hy­po­these unter­stel­len; sie mußte unter­stel­len, gegen die in Bran­den­burg Fest­ge­nom­me­nen könne es keine ‚intel­lek­tu­el­len Beweise’ geben, da sie keine Aka­de­mi­ker sind. Die Domino-​​Theorie konnte als rea­lis­ti­sche Stra­te­gie nur vor­schla­gen, wer selbst an eine sol­che Kari­ka­tur von mili­tan­ter Poli­tik glaubt. Wer/​welche dage­gen davon aus­ging, daß auch die drei in Bran­den­burg Fest­ge­nom­me­nen den­kende, poli­ti­sche Akti­vis­ten sind, der/​die mußte davon aus­ge­hen, daß es der BAW ein Leich­tes ist, auch die ‚Bran­den­bur­ger’ in einen vagen intel­lek­tu­el­len Zusam­men­hang zur mg zu rücken – und folg­lich davon aus­ge­hen, daß die Glei­chung ‚keine Hin­ter­män­ner = kein mg-Vor­wurf’ naiv ist.
Wir müs­sen also resü­mie­ren: Es war die linke Öffent­lich­keits­ar­beit selbst, die die gerade erwähnte Kari­ka­tur mili­tan­ter Poli­tik (die einen schrei­ben die Erklä­run­gen, und die ande­ren zün­den Autos an) eine aktu­elle Rele­vanz für das Ver­fah­ren zuge­spro­chen hat, wäh­rend sie sich in den BAW-​​Akten wohl allen­falls für die Zeit vor den Fest­nah­men fin­det. Für die BAW gab es nur die Situa­tion, daß sie keine Tat­be­tei­li­gungs­be­weise gegen die Aka­de­mi­ker hatte (und hat). Und weil die Arbeits­tei­lungs­hy­po­these – wohl spä­tes­tens seit Anfang August – nicht (mehr) die tat­säch­li­che Theo­rie der BAW war, jeden­falls wei­tere Indi­zien hin­zu­ge­kom­men sind, die die BAW von einer Arbeits­tei­lungs­hy­po­these unab­hän­gig mach­ten, konnte die Domino-​​Strategie gegen den mg-Vor­wurf gegen die drei ‚Bran­den­bur­ger’ nichts aus­rich­ten.“

„Das ent­schei­dende Pro­blem ist, daß der Arbeits­tei­lungs­theo­rie an dem poli­tisch ent­schei­den­den Punkt (an der hier­ar­chi­schen, klas­sis­ti­schen Poli­tik­vor­stel­lung, die dahin­ter­steht; an einer Vor­stel­lung, die igno­riert, daß nicht nur Aka­de­mi­ker, son­dern alle Men­schen Intel­lek­tu­elle sein kön­nen; daß alle Men­schen den­ken kön­nen, daß alle Men­schen Anschlags­er­klä­run­gen schrei­ben kön­nen) nicht wider­spro­chen wurde – weil man ver­suchte – ich wie­der­hole mich –, blind (oder viel­leicht sogar wis­send um den poli­ti­schen Preis) einen juris­ti­schen Erfolg zu erzie­len.“

Zitate aus:
http://​inter​komm​.so36​.net/​a​r​c​h​i​v​/​2​0​0​8​-​0​8​-​3​0​/​n​s​e.pdf, S. 29 und 33,

siehe dort die Abschnitte (mehr…)

Leitlinien / Grundsätze / Prinzipien – die „wissenschaftlichen“ Sprechblasen des Bundesverfassungsgerichts

Wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt das Rechts­staats­prin­zip erfand

Anfangs hatte auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt deut­lich benannt, daß ein Rechts­staatsprin­zip nicht Bestand­teil der geschrie­be­nen Ver­fas­sung ist – aller­dings ein sol­ches den­noch bereits damals sei­ner Recht­spre­chung zugrunde gelegt: „Das Ver­fas­sungs­recht besteht nicht nur aus den ein­zel­nen Sät­zen der geschrie­be­nen Ver­fas­sung, son­dern auch aus gewis­sen […] Grund­sät­zen und Leit­ideen, die der Ver­fas­sungs­ge­setz­ge­ber […] nicht in einem beson­de­ren Rechts­satz kon­kre­ti­siert hat. Zu die­sen“ – d.h.: den unge­schrie­be­nen! – „Leit­ideen gehört, […], das Rechts­staats­prin­zip.“ (BVerfG 2, 380-​​406 [381] – Haft­ent­schä­di­gung).

Zur Begrün­dung schreibt das Gericht: Der Ver­fas­sungs­ge­ber sei von einem „vor­ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Gesamt­bild […] aus­ge­gan­gen“, das wie­derum von „Grund­sät­zen und Leit­ideen“ wie dem Rechts­staats­prin­zip „geprägt“ wor­den sei (ebd.). Die Her­lei­tung die­ser Auf­fas­sung bleibt unge­klärt, denn es wer­den weder Mate­ria­lien aus den Bera­tun­gen des Par­la­men­ta­ri­schen Rates noch sons­tige Äuße­run­gen von Mit­glie­dern des Rates, bspw. in der Presse oder in wis­sen­schaft­li­chen Ver­öf­fent­li­chun­gen zitiert. Wie anders ließe sich aber klä­ren, wovon der Ver­fas­sungs­ge­ber aus­ge­gan­gen ist?! Das BVerfG bekräf­tigt ledig­lich, daß das Rechts­staats­prin­zip zu die­sen Leit­ideen gehöre, ergebe „sich aus einer Zusam­men­schau der Bestim­mun­gen des Art. 20 Abs. 3 GG über die Bin­dung der Ein­zel­ge­wal­ten und der Art. 1 Abs. 3, 19 Abs. 4, 28 Abs. 1 Satz 1 GG sowie der Gesamt­kon­zep­tion des Grund­ge­set­zes.“

Dies ist aber nur die eigene Auf­fas­sung des BVerfG. Dafür, daß auch der Ver­fas­sungs­ge­setz­ge­ber – wie das BVerfG behaup­tet1 – von die­ser Auf­fas­sung aus­ge­gan­gen ist, führt das Gericht weder ein Argu­ment noch einen Anhalts­punkt an. Warum soll der Grund­ge­setz­ge­ber ein ‚Prin­zip’ gemeint haben, obwohl er kon­krete Nor­men sta­tu­iert hat? Allen­falls die Alli­ier­ten hät­ten ihn hin­dern kön­nen, bspw. in Art. 20 I GG zu for­mu­lie­ren, ‚Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ist ein demo­kra­ti­scher und sozia­ler Rechts-​​ und Bun­des­staat.“, oder in Art. 20 II 2 GG zu schrei­ben: „Sie [die Staats­ge­walt] wird […] unter Beach­tung des Rechts­staats­prin­zips [oder der Grund­sätze des Rechts­staats o.ä.] aus­ge­übt.“ Bei­des ist nicht gesche­hen.

Im übri­gen zeugt der zitierte Satz des BVerfG über die „Leit­ideen“ etc. von argu­men­ta­ti­ver Kon­fu­sion: Die ver­wen­de­ten Begriffe wer­den nicht defi­niert; warum das eine (Prin­zi­pien) aus dem ande­ren (Grund­sätze und Leit­ideen) und nicht das andere (Grund­sätze) aus dem einen (Prin­zi­pien) fol­gen soll, wird nicht begrün­det; ob das BVerfG deduk­tiv, induk­tiv oder noch anders argu­men­tiert, bleibt unklar.

Ø Zur Erin­ne­rung – das BVerfG sagt: (mehr…)

Rubbish und Rechtswissenschaft

Aus aktu­el­lem Anlaß, aus mei­nem dort1 genann­ten Auf­satz in der Fest­schrift für Frie­der Otto Wolf:

Nach John Locke soll die Phi­lo­so­phie nicht eine Wahr­heit über den Wis­sen­schaf­ten bean­spru­chen, son­dern sich bes­ser als deren ‚under-​​labourer’ ver­ste­hen. Eine Phi­lo­so­phie, die radi­kal sein will, müsste sich in die­sem Sinne auch radi­kal über ihre Gren­zen Rechen­schaft able­gen. Locke beschreibt sein Vor­ha­ben in dem Epistle to the Rea­der, der sei­nem Essay Con­cerning Human Under­stan­ding vor­an­ge­stellt ist, beschei­den als „remo­ving some of the rub­bish that lies in the way of our know­ledge“ (1690, 13) […].

I. Weg mit dem ‚nutz­lo­sen Bal­last son­der­ba­rer, eit­ler oder unver­ständ­li­cher Aus­drü­cke’ (Locke)

Wenn die Auf­gabe der Phi­lo­so­phie nach Witt­gen­stein darin besteht, „Miß­ver­ständ­nisse, die den Gebrauch von Wor­ten betref­fen“ (1949, 292, Nr. 90), aus dem Weg zu räu­men, so schei­nen es vor allem zwei (mit ein­an­der zusam­men­hän­gende) ‚Miss­ver­ständ­nisse’ zu sein, die mas­sive Erkennt­nis­hin­der­nisse dar­stel­len und in Deutsch­land bis­her die Kon­sti­tu­ie­rung einer Wis­sen­schaft vom Juri­di­schen ver­hin­dert haben: zum einen das Nicht-​​Sehen (oder Ver­wi­schen) des Unter­schie­des zwi­schen der Pro­duk­tion von Erkennt­nis und der Pro­duk­tion eines Erkennt­nisobjek­tes (eines Objek­tes, das erkannt wer­den kann); zum ande­ren der unklare Sta­tus des Wor­tes ‚nor­ma­tiv’ in der deut­schen Rechts­wis­sen­schaft. In einem vagen Sinn lässt sich sicher­lich sagen, dass die Rechts­wis­sen­schaft ‚nor­ma­tiv’ ist, weil sie sich mit Nor­men beschäf­tigt; sie beschäf­tigt sich – von Rand­dis­zi­pli­nen wie Rechts­so­zio­lo­gie und Kri­mi­no­lo­gie abge­se­hen – nicht damit, wie die gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nisse sind oder wie sich die Men­schen tat­säch­lich ver­hal­ten, son­dern damit wie sie sein sol­len bzw. wie sie sich ver­hal­ten sol­len. Im Rah­men jenes wei­ten Ver­ständ­nis­ses von ‚nor­ma­tiv’ wird aber über­se­hen, dass aus der nor­ma­ti­ven Beschaf­fen­heit eines Gegen­stan­des nicht schon folgt, dass auch des­sen Erkennt­nis nor­ma­tiv statt ana­ly­tisch zu sein hat. In dem Maß, in dem die deut­sche Rechts­wis­sen­schaft den Unter­schied zwi­schen Erkennt­nis und Gegen­stand ver­wischt, ist sie tat­säch­lich selbst nor­ma­tiv, normen-​​produzierend – statt normen-​​erkennend.2 Sie ist nicht Wis­sen­schaft (vom Juri­di­schen), son­dern eine idea­lis­ti­sche (Rechts-)Philosophie. Sie stellt ein Hin­der­nis für die Erkennt­nis der tat­säch­li­chen Nor­men, des Jus­tiz­sys­tems sowie ihrer eige­nen Pra­xis und Funk­tion dar. Sie pro­du­ziert (an Stelle des Gesetz­ge­bers) Nor­men und behaup­tet den­noch, dass ihre Sätze gel­tende Nor­men sind, dass ihre Sätze Rechtserkennt­nis, das wahre Recht, sind. Aber wie soll es mög­lich sein, etwas zu ‚erken­nen’, was dem ver­meint­li­chen Erkennt­nis­akt gar nicht vor­aus­ging?! Was hier allen­falls erkannt wer­den könnte (wenn das Real­ob­jekt und des­sen Erkennt­nis nicht ver­wech­selt wür­den), ist der Pro­zess der Pro­duk­tion einer Norm durch eine unzu­stän­dige Instanz, eben durch die Rechts‚wissenschaft’ statt dem Gesetz­ge­ber; was erkannt wer­den könnte, ist die Pro­duk­tion einer Norm unter dem Deck­man­tel ihrer Erkennt­nis.

Lite­ra­tur:
John Locke, An Essay con­cerning Humane Under­stan­ding (1690), Lon­don, 1997.
Wolf-​​Dieter Narr, Theo­rie­be­griffe und Sys­tem­theo­rie, Mainz, 1969.
Det­lef Geor­gia Schulze, , Leh­ren und Leer­stel­len, in: ders./dies. /​ Sabine Berg­hahn /​ Frei­der Otto Wolf (Hg.), StaR P. Neue Ana­ly­sen zu Staat, Recht und Poli­tik. Serie W: working papers des DFG-​​Projektes „Der Rechts­staat in Deutsch­land und Spa­nien“. Bd. 3, Ber­lin, 2006, 211-​​275; im Inter­net unter der Adresse: http://​edocs​.fu​-ber​lin​.de/​d​o​c​s​/​r​e​c​e​i​v​e​/​F​U​D​O​C​S​_​d​o​c​u​m​e​n​t​_​0​0​0​0​0​0​0​04705.
Lud­wig Witt­gen­stein, Phi­lo­so­phi­sche Unter­su­chun­gen (1949), Frankfurt/​M., 10. Aufl.: 1995, 225-​​580.

  1. ‚Remo­ving some rub­bish’. Radi­kale Phi­lo­so­phie und die Kon­sti­tu­ie­rung einer Wis­sen­schaft vom Juri­di­schen. in: Pia Paust Las­sen /​ Jörg Nowak /​ Urs Lind­ner (Hg.), Phi­lo­so­phie­ren unter ande­ren. Bei­träge zum Pala­ver der Mensch­heit (Fest­schrift für Frie­der Otto Wolf), West­fä­li­sches Dampf­boot: Müns­ter, 2008, 332 – 352 (332, 334 f. mit FN 4; wei­tere FN zu die­ser Pas­sage fin­den sich in der Druck­fas­sung die­ses Tex­tes).

    Abschnitts-​​Überschriften mei­nes Auf­sat­zes:

    I. Weg mit dem ‚nutz­lo­sen Bal­last son­der­ba­rer, eit­ler oder unver­ständ­li­cher Aus­drü­cke’ (Locke)
    1. Rechts‚erkenntnis’ als rub­bish pro­duc­tion
    a) Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt
    b) Die Lehre
    2. Kann die Pro­duk­tion einer Erkennt­nis genauso funk­tio­nie­ren wie die Pro­duk­tion einer Ent­schul­di­gung oder Ehe? Oder: Über die Vor­aus­set­zun­gen des Glü­ckens per­for­ma­ti­ver Sprech­akte
    3. Rechts­wis­sen­schaft als Pseu­do­wis­sen­schaft ohne Gegen­stand
    4. Was radi­kale Phi­lo­so­phie für wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nisse leis­ten kann
    II. Zu den poten­ti­el­len poli­ti­schen Wir­kun­gen der Kri­tik des Rechts­idea­lis­mus und der even­tu­el­len Kon­sti­tu­ie­rung einer Wis­sen­schaft vom Juri­di­schen.

    Inhalts­ver­zeich­nis des gesam­ten Buches: http://​dampf​boot​-ver​lag​.de/​d​o​w​n​l​o​a​d​/​i​n​h​a​l​t​-​7​5​2​-​2.pdf [zurück]

  2. (mehr…)

Ein rechtsstaatlicher Sehtest

„Der Begriff R[echtsstaat] ist eine Legi­ti­ma­ti­ons­for­mel […] höchs­ten Ran­ges für die Begrün­dung und Begren­zung von Herr­schaft in Staa­ten und ver­gleich­ba­ren Ver­bän­den. […]. Im Grund­ge­setz wird er in Art. 20 Abs. 2 S. 2 und Abs. 3 GG gese­hen, […].“

(Katha­rina Grä­fin von Schlie­fen, Arti­kel „Rechts­staat (J)“, in: Wer­ner Heun /​ Mar­tin Hone­cker /​ Mar­tin Mor­lok /​ Joa­chim Wie­land [Hg.], Evan­ge­li­sches Staats­le­xi­kon, 4. Aufl.: Kohl­ham­mer: Stutt­gart, 2006, Sp. 1926 – 1934 [1926])

Sehen Sie dort und zei­gen Sie auf den Begriff „Rechts­staat“:

Art. 20 II 2 GG: „Sie [Die Staats­ge­walt] wird vom Volke in Wah­len und Abstim­mun­gen und durch beson­dere Organe der Gesetz­ge­bung, der voll­zie­hen­den Gewalt und der Recht­spre­chung aus­ge­übt.“
Art. 20 III GG: „Die Gesetz­ge­bung ist an die ver­fas­sungs­mä­ßige Ord­nung, die voll­zie­hende Gewalt und die Recht­spre­chung sind an Gesetz und Recht gebun­den.“

PS.:
Eine weni­ger phan­ta­sie­rei­che Seh­pra­xis legte in der Vor­auf­lage von 1987 auf den Sp. 2806 – 2818 Richard Bäum­lin an den Tag.

Die Grünen – Die neue Rechtsstaats-Partei: auch illegal ist legitim

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt berei­tet wie­der ein­mal allen Spon­tis Freude: Legal, ille­gal, sch… – was sich bei links­ra­di­ka­len Spon­tis auf die Metho­den des Wider­stands gegen die herr­schen­den Ver­hält­nisse bezieht (und auch dies­bzgl. etwas arg ver­ein­facht), bezieht sich bei dem Grü­nen Karlsruhe-​​Fanclub auf das Agie­ren der Staats­ge­walt:
Die heu­tige Ent­schei­dung des BVerfG zu einer „Woh­nungs­durch­su­chung auf Grund­lage von Daten einer soge­nann­ten Steuer-​​CD […] bestä­tigt uns in unse­rer Auf­fas­sung, dass die ange­bo­te­nen Daten ein legi­ti­mes Mit­tel sind, um Steu­er­ver­ge­hen zu bekämp­fen. Die Poli­zei han­delt recht­mä­ßig, wenn sie“ – ille­gal erlangte – „Beweis­mit­tel auf­kauft und aus­wer­tet. […]. Weil Steu­er­hin­ter­zie­hung eine gemein­schäd­li­che Straf­tat mit hoher Straf­an­dro­hung ist, sollte die Abwä­gung klar sein – dies wird nun vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt so bestä­tigt.“
Anders als die Grü­nen mei­nen („Die FDP ent­deckt den Daten­schutz immer dann, wenn es um den Vor­teil ihrer eige­nen Kli­en­tel geht.“), liegt der ‚Skan­dal‘ nicht darin, daß sich die FDP in die­sem Fall auf Sei­ten der Lega­li­tät schlägt, son­dern darin, daß im deut­schen Rechts­staat die Lega­li­tät des staat­li­chen Han­delns – von BVerfG wegen – immer nur nach Maß­gabe gründ­li­cher Einzelfall-​​Abwägung gebot ist. -
Alles wei­tere – sowohl zur juris­ti­schen als auch poli­ti­schen Seite – die­ser Ange­le­gen­heit war bereits im März an die­ser Stelle gesagt.

PS.:
Zur Erin­ne­rung Art. 20 III HS 2 und 97 GG lau­ten: „die voll­zie­hende Gewalt und die Recht­spre­chung sind an Gesetz und Recht gebun­den.“ und „Die Rich­ter sind […] nur dem Gesetze unter­wor­fen.“.
Das BVerfG ist dage­gen der Ansicht: „Unab­hän­gig davon besteht von Ver­fas­sungs wegen kein Rechts­satz des Inhalts, dass im Fall einer rechts­feh­ler­haf­ten Beweis­er­he­bung die Ver­wer­tung der gewon­nen Beweise stets unzu­läs­sig wäre.“ – was nichts ande­res bedeu­tet, als daß im Ein­zel­fall eben keine Bin­dung „Gesetz und Recht“ besteht.