Archiv der Kategorie 'Politische Theorie (Postmoderne/Marxismus)'

Gibt es vielleicht wieder Bedarf? – Geamtverzeichnis der Zeitschift „alternative“ (1963-1982)

Ich stelle hier mit das Gesamtverzeichnis der von 1964 bis 1982 von Hildegard Brenner verantworteten Westberliner Zeitschrift alternative als .pdf-Bild-Datei zur Verfügung. Die Zeitschrift spielte u.a. eine wichtige Rolle für die deutschsprachige Rezeption des französischen strukturalen Marxismus (Louis Althusser u.a. [1, 2, 3]) und des französischen Strukturalismus.

alternative-cover, H. 117, 1977

„Als Ansgar Skriver 1963 Berlin verlassen hatte, übernahm Anfang 1964 Hildegard Brenner den Verlag und die Herausgabe der Zeitschrift [alternative], nunmehr unter dem Titel [lies: nunmehr mit dem Untertitel] ‚Zeitschrift für Literatur und Diskussion‘. Die Jahrgänge zählten mit Jahrgang 7 weiter. Der Verlag erhielt den Namen der Zeitschrift. Redaktionsmitglieder waren neben Hildegard Brenner u.a. Georg Fülberth, Helga Gallas, Klaus Laermann, Helmut Lethen, Hartmut Rosshof, Peter B. Schumann; Gestaltung: Ulrich Harsch.
Das erste von Hildegard Brenner verantwortete Heft ‚Schriftsteller in der DDR‘ enthielt als Erstveröffentlichungen Texte von Volker Braun, Peter Hacks, Hartmut Lange, Christa Reinig, Johannes Bobrowski, Wolf Biermann, Günter Kunert, Heiner Müller, Franz Fühmann, Bernd Jentzsch u. a.
Themen waren u.a.: Was ist ein nationalsozialistischer Roman? (Heft 36); die Sammlung tschechoslowakischer Lyrik, Prosa und Dramatik mit Texten von Milan Kundera, Václav Havel u. a. (Heft 42/43); eine Dokumentation zur Strukturalismusdiskussion mit Beiträgen u. a. von Louis Althusser, Roland Barthes, Michel Foucault, Lucien Goldmann, Jacques Lacan, Claude Lévi-Strauss und Jean-Paul Sartre (Heft 54); und die Ausgabe ‚Der andere Blick – feministische Wissenschaft?‘ (Heft 120/121)
Mit dem Heft 145/146 ‚Im Aufriß‘ stellte die Zeitschrift 1982 ihr Erscheinen ein. Dazu die Redaktion: ‚Die linke Theorie, wie ‚Alternative‘ sie mitgetragen hat, hat … keinen Ort und keinen Reflexionsraum mehr. … Und die sich innerhalb der sozialen Protestbewegungen zur Wehr setzen, machen keinen Gebrauch von dem, was wir produzieren. Damit verliert eine Zeitschrift wie ‚Alternative‘ nicht nur ihr Publikum, sondern auch ihre Funktion.‘“

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Alternative_%28Zeitschrift%29)

Warum heute noch KommunistIn sein? Und: Was wir am Kommunismus ändern müssen?

Im April hatte ich mein Papier „Worum geht es dem transgenialen CSD eigentlich? Eine feministisch-kommunistische Kritik“ vorgelegt. Damals fragte mich eine Genossin per mail: „Was kommunistisch Heute meinen könnte, […], weil es mich interessiert und ich nach Zugängen suche…
Zugänge, die allgemeinverständlich sind und die NICHt einfach ignorieren, das mit dem Wort geschichtlich schon autoritäre Irrtümer vertreten wurden.“
Ich sah mich zwar im April nicht und ich sehe mich auch jetzt nicht als verpflichtet an, jedesmal, wenn ich das Wort „kommunistisch“ verwende, eine Distanzierung von den mit dessen Wortgeschichte verbundenen „autoritäre Irrtümer[n]“ beizufügen. – Daß mein Kommunismus-Verständnis ein anderes als das realsozialistische ist, ergab sich damals allein schon aus dem damaligen gleichzeitigen Bezug auf den Feminismus. Und auch in den meisten anderen Texten, in denen ich von „Kommunismus“ spreche, dürften sich derartige Unterschiede jeweils erschließen lassen. Von einer Gesamtlektüre meiner diesbgl. Textproduktion (1 und 2) ganz abgesehen. ;-)
Indem heute aber ein Genosse im Rahmen der aktuell laufenden Programm- und Organisierungsdebatte die 21 Aufnahmebedingungen der KomIntern in Erinnerung brachte, brachte er mir in Erinnerung, daß ich mich – vor rund 20 Jahren – auch bereits einmal mit dem KomIntern-Dokument befaßt hatte.
Ich schrieb damals ein Papier „Warum heute noch KommunistIn sein? Und: Was wir am Kommunismus ändern müssen?“. Das Papier war für einen Diskussionszirkel bestimmt, der damals eine Veranstaltung plante, die aber schließlich nicht realisiert wurde. Das Papier blieb damals unveröffentlicht. – Es sei nunmehr als nachträgliche Antwort auf die mir im April gestellte Frage veröffentlicht. (Für die jetzige Veröffentlichung habe ich damalige Tippfehler korrigiert, das Literaturverzeichnis um
links ergänzt, die Fußnote 5 hinzugefügt und in These II.8 eine kleine – gekennzeichnete – inhaltliche Korrektur vorgenommen. Zur damaligen These II.4. sei mittlerweile auf diese beiden [1 und 2] Präzisierungen hingewiesen.)

[der folgende Text als .pdf-Datei]

I. Methodisches

1. Engels sagt: „Es wird die Pflicht (…) sein, sich über alle theoretischen Fragen mehr und mehr aufzuklären (…) und stets im Auge zu behalten, daß der Sozialismus, seitdem er eine Wis­senschaft geworden ist, auch wie eine Wissenschaft betrieben, d.h. studiert werden will“ (Engels 1874, 517). Und Lenin sagt: „Wir betrachten die Theorie von Marx keineswegs als et­was Abge­schlossenes und Unantastbares; wir sind im Gegenteil davon überzeugt, daß sie nur das Funda­ment der Wissenschaft gelegt hat, die die Sozialisten nach allen Richtungen wei­terentwickeln müssen, wenn sie nicht hinter dem Leben zurückbleiben wollen.“ (Lenin 1899, 205 f.1).
Diese Bestimmung der revolutionären Theorie auch als Wissen­schaft bedeutet die Abgrenzung von jedem Dogmatismus und eröff­net die Möglichkeit zur Selbstkorrektur und zur immanent Wei­terentwicklung. Mit dieser Bestimmung der revolutionären Theo­rie ist zum zweiten eine doppelte Abgrenzung abgenommen: 1. ge­genüber jenen, die revolutionäre Theorie ausschließ­lich als Phi­losophie (‚Kritische Theorie’) auffassen und 2. gegenüber je­nen, die revolutionäre Theorie als angeblich wissenschaftliche Weltanschauung, also letztlich ebenfalls Philosophie, (Stalinismus) ausgeben. (Da eine Weltanschauung gerade keine Wissenschaft ist, bedeutet die ge­nannte Wortkombination die Unterordnung der Theorie unter die pragmatischen [Macht]-Notwendigkeiten des politischen Alltags. Wohin dies führt, haben wir alle die letzten Jahr­zehnte gesehen – mit dem schließlichen Er­gebnis des Zusammenbruchs.)2
(Die RAF steht mit ihrer praktizi­stischen (pragmatischen) Auslegung, die sie der marxistischen These vom „Primat der Praxis“ gegeben hat, ebenfalls in dieser wissenschaftsfeindlichen Tradition. Diese Wissenschaftsfeind­lichkeit hat es ihr unmöglich gemacht, die produktiven Ansätze aus dem „Konzept Stadtguerilla“ und aus „Stadtguerilla und Klassenkampf“, auf die Ali Jansen / Bern­hard Rösenkötter und Michi Dietiker jüngst in ihrem „Messerrücken“-Text erneut auf­merksam gemacht haben, weiterzuentwickeln als sich die politi­schen Bedingungen u.a. mit dem Schei­tern der Mai-Offensive 1972 verändert hatten. Statt zu einer solchen produktiven Weiterent­wicklung kam es zu dem bekannten militaristischen Subjektivis­mus, dessen Scheitern im ver­gangenen Jahr nun auch die RAF er­kannt hat. Dieses Mal scheint ihr – mangels der theoreti­schen Waffen der Revolution – nur der Weg in den subjektivistischen Neo-Reformismus zu bleiben.)

2. Rosa Luxemburg sagt: „Es kann keine gröbere Beleidigung, keine ärgere Schmähung gegen die Arbeiterschaft ausgesprochen werden als die Behauptung: theoretische Auseinandersetzun­gen seien lediglich eine Sache der ‚Akademiker‘. (…). Solange die theoretische Erkenntnis bloß das Privilegium einer Handvoll ‚Akademiker’ in der Partei bleibt, droht ihr immer die Gefahr, auf Abwege zu geraten.“ (Luxemburg 1899, 371).
Diesen Ausgangspunkt wählend, sollen im folgenden einige Punkte aufgezeigt werden, in denen der traditionelle Marxismus weiter­hin Recht hat (II.) und einige Punkte, in denen der Marxismus revidiert werden muß (III.). Dabei wird sich dann zeigen, daß auch die ‚Wahrheiten’ unter II. nur die halbe bzw. vielmehr eine Drittel-Wahrheiten sind.

II. Warum heute noch KommunistIn sein?

1. Nach wie vor richtig ist die Erkenntnis, daß die Herrschen­den ihre Macht nicht freiwillig abgeben werden, und daß wir nicht in der Lage sein werden, ihren Widerstand zu brechen, wenn wir abwarten bis uns die Machtfrage von den Herrschenden gestellt wird. Kommuni­stInnen unterlassen es deshalb „keinen Au­genblick, bei den Arbeitern ein möglichst klares Be­wußtsein über den feindlichen Gegen­satz zwi­schen Bour­geoisie und Prole­tariat herauszuar­beiten, (…). Die Kommuni­sten ver­schmähen es, ihre An­sichten und Absichten zu ver­heimlichen. Sie erklären of­fen, daß ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsa­men Umsturz aller bishe­rigen Gesellschafts­ordnung.“ (Marx/Engels 1848, 492 f.). „Zwischen der kapitalistischen und der kommunistischen Gesellschaft liegt die Periode der revolu­tionären Umwandlung der einen in die andre. Der entspricht auch eine politische Über­gangsperiode, deren Staat nichts andres sein kann als die revolutionäre Diktatur des Proletari­ats.“ (Marx 1875, 28). Anders als in Stalins Konzeption ist der So­zialismus also keine eigen­ständige Produktionsweise, in der Klas­senkampf abstirbt; vielmehr ist in ihm der Klassen­kampf für den Kommunismus, für die staats- und herrschaftslose Gesell­schaft „in neuer Form und mit neuen Mitteln (fortzusetzen)“ (Lenin 1921, 482). (mehr…)

Mal wieder: Queer contra Feminismus – Offener Brief an das Lesbenarchiv „Spinnboden“

In Nachbereitung zur Veranstaltung vom Montag zum Thema „Perspektiven der feministischen Organisierung nach dem Slutwalk“ (vgl. dazu: 1, 2 und 3) sollte am Freitag im Lesbenarchiv „Spinnboden“ ein Nachbereitungs-Treffen stattfinden. Nachdem bei Facebook gegen die Veranstaltungsankündigung Transphobie-Vorwürfe erhoben wurden, weil dort die Frage aufgeworfen wurde, ob das Treffen mit oder ohne Beteiligung von Trans* stattfinden soll, entschloß sich der „Spinnboden“ die Raumzusage zurückzuziehen.
Darauf antwortete ich mit untenstehendem Offener Brief.
Das Treffen wird nun statt dessen im Hinterzimmer des Restaurants Nepal-Mandal (Brunnenstr. 164) stattfinden, was immerhin den Vorteil hat u-bahn-näher gelegen zu sein (alternativ zum U-Bhf. Rosenthaler Plart kommt im übrigen auch der U-Bhf. Bernauer Str. in Betracht).
Das Treffen wird nun u.a. der Vorbereitung einer Veranstaltung zum Thema „Ist Cis-FrauenLesben-Separatismus transphob?“ dienen. Personen, die eine Veranstaltung mit diesem Thema für illegitim halten, sind zu dem Treffen genauso wenig eingeladen, wie Leute, deren politischer Horizont bis zum – bei Facebook gepflegten – um das Wort „Kackscheisse“ kreisenden Fäckaljargon reicht.

[Der folgende Offene Brief als .pdf-Datei]

Liebe Gabriele,
liebe Spinnboden-Geschäftsführung,

wenn dies meine Ebene der politischen Auseinandersetzung wäre, würde ich als erstes den Transphobie-Vorwurf an Euch zurückgeben.
Nach den in der Berliner queer-Szene etablierten Maßstäben ist, mich als Trans- oder Indergender-Wesen, das einen weiblichen und einen männlichen Vornamen führt, ausschließlich mit meinem männlichen Vornamen anzureden, „transphob“, weil eine derartige Adressierung angeblich in mein Recht auf Selbstbezeichnung eingreift.
Da ich aber nicht zu denen gehöre, denen der Unterschied zwischen Selbstverständnis und Fremdwahrnehmung unbekannt ist, könnt Ihr mich gerne weiterhin so anreden, wie es Euch beliebt.

Was den Transphobie-Vorwurf wegen der Ankündigung des Treffens und der zugehörigen Facebook-Diskussion betrifft, so weise ich ihn zurück:

1. Das Treffen ist nicht einmal als Cis-FrauenLesben-Treffen angekündigt (wäre ja auch absurd, wenn ich selbst zu den Einladenden gehöre…).
Was wir allein machen, ist: Bekannt geben, daß wir für zulässig halten, daß Cis-FrauenLesben ihren etwaigen Wunsch, sich ohne Trans*-Beteiligung zu treffen, bekunden, und ich selbst mich diesem Wunsch beugen würde.
Daß allein das Zulassen des Bekundens eines solchen Wunsches zu Transphobie-Vorwürfen führt und Euch zur Rückname der Raumzusage veranlaßt, zeigt allein, welch undemokratische Diskussionsstruktur zu Lasten von (bestimmten) Cis-FrauenLesben in der Berliner queer-Szene mittlerweile Standard geworden ist.
Queer wirkt hier alles anderes als eine Abschwächung des Patriarchats, sondern als eine Verstärkung des Patriarchats – als Hinderung für Cis-FrauenLesben, ihre ggf. bestehenden Bedürfnisse und politischen Ansichten auszusprechen.

2. Für jeden und jeder, der/die nicht völlig von individualistisch-idealistischer, queerer Ideologie verbohrt ist, liegt auf der Hand, daß (mehr…)

Von der Philosophie zur Politik

Noch mal zu Postmoderne und Leninismus –

oder: Antwort1 auf das „Quietscheentchen“-Papier (SIBS v. 28.7.)

Dieser wie folgt gegliederte Text wird ab morgen Mittag im „Arsch hoch“-blog zur Organisierungs- und Programmdebatte zur Verfügung stehen: http://arschhoch.blogsport.de/2011/08/20/von-der-philosophie-zur-politik/.

Überblick:

I. Von der ‚postmodernen’ Philosophie …

1. Historischer Materialismus und idealistische Geschichtsphilosophie
2. Die Frage nach dem Gehalt von Theorie
3. Begriff und Wirklichkeit
4. Die Vernunft, die Macht und der Irrationalismus
5. Wertkritik und Postmoderne

II. … zum historischen Materialismus …

1. sex und gender
2. Vom wissenschaftlichen und politischen Nutzen der De-Konstruktion
3. Hauptwidersprüche, Nebenwidersprüche, Grundwidersprüche – und die Perspektiven einer Weltrevolution

III. … zur revolutionären Organisierung

1. Für revolutionäre Politik ohne geschichtsphilosophische Durchhalteparolen
2. Selbstkritisches zum Zeitplan
3. Arbeitskonferenz, Debattenverlauf und Spektrenerweiterung

Slutwalk – noch eine Antwort auf Kritik an unserem Transpi

Antwort auf einen persiflierenden Kommentar bei lesarion1

Also – neuer Versuch:

Wir leben in einem System, das – unter Berufung auf die Biologie, die aber selbst gar nicht so eindeutig binär ist, wie der Gesetzgeber behauptet und der Alltagsverstand meint2 – alle Individuen einem von zwei Geschlechtern zuordnet. Die binäre Zweigeschlechtlichkeit wird durch diesen Zuordnungsprozeß überhaupt erst geschaffen.

Der Zuordnungsvorgang geht zugleich mit der ungleichen Zuweisung von Arbeit, Einkommen, Lebensqualität und Verhaltensanforderungen (beim Sex, auf Arbeit, auf dem Sportplatz, beim Politik machen, beim Konzertbesuch etc.) einher. Dies ist der gesellschaftlich ‚Sinn’ jener Zuordnung aller Individuen zu einem von zwei Geschlechtern. (Ob die Leute blaue oder grüne Augen haben, ist dagegen unter heutigen gesellschaftlichen Verhältnissen egal.)

++ Eine ‚richtige Frau zu sein’, heißt nicht, eine Vulva und xx-Chromosomen zu haben, sondern die für Frauen geltenden Zuweisungen hinzunehmen und die entsprechenden Verhaltensanforderungen zu erfüllen. Anderenfalls ist sie eine „Schlampe“, ein „Mannweib“ oder ähnliches.
++ Und: Ein ‚richtiger Mann zu sein’, heißt nicht einen Schwanz und xy-Chromosomen zu haben, sondern die für Männer geltenden Zuweisungen zu genießen und sich gemäß der entsprechenden Verhaltensregeln zu verhalten. Anderenfalls ist er ein „Weichei“, „schwul“ (auch wenn er noch nie mit einem Mann Sex hatte und auch niemals haben will) oder ähnliches.

Konkret erfolgen jene ungleichen Zuweisungen in der Weise, daß Männer das herrschende und ausbeutende Geschlecht und Frauen das beherrschte und ausgebeutete Geschlecht sind. (mehr…)

Schwierigkeiten mit der Papst-Kritik

Der Papst kommt am 22./23.9. nach Berlin. Aus Anlaß eines schlichten Terminhinweises kam ich in die Verlegenheit, mich mit der Textproduktion der beiden existierenden Protestbündnisse zu befassen.

Das eine Bündnis ist jedenfalls eindeutig reformistisch dominiert (u.a. LSVD, Die Linke Berlin, Untergliederungen von SPD und Grünen, Humanistische Union), und auch dessen „Resolution“ ist entsprechend festgelegt und nicht etwa offen für andere politische Orientierungen: Jede politische Parteilichkeit wird vermieden und sich statt dessen auf die reine Menschlichkeit berufen: „Der Papst steht für eine menschenfeindliche Geschlechter- und Sexualpolitik. Sie grenzt Menschen aus und diskriminiert.“ Demgegenüber wußte Karl Marx: „Dies sogenannte ‚Unmenschliche’ ist ebensogut ein Produkt der jetzigen Verhältnisse wie das ‚Menschliche’“ (S. 267).
Das zweite Bündnis, von Gruppen aus der (post)autonomen Szene gebildet, zitiert immerhin Marx (mehr…)

Zwischenbilanz / Organisierungsdebatte – jetzt mit Inhaltsverzeichnis

Die Schöneberger haben versucht, eine erste Zwischenbilanz der Organisierungsdebatte zu formulieren:

Von Quietscheenten, Liebesbeziehungen und »Fidelio« – zum Stand der ökumenischen Initiative aus dem Ratskeller Schöneberg:

Irgendwo zwischen Schlammschlacht, Skepsis und ernsthaftem Anlauf
Lenin als erster Postmoderner?
Dekonstruktivistischer Marxismus?
Kapitalismus- und Patriarchatskritik wieder zusammenbringen …
… aber wie ?

    1. Basis und Überbau
    2. »Dual«- oder Triple-Oppression?
    3. Tendenz kapitalistischer Vergesellschaftung
    4. Kombinierte und ungleichzeitige Entwicklung
    5. Verschränkung
    6. Wenn’s konkret wird, werden wir uns schon einigen!

Kompromisse und Schmerzgrenzen

    (1) Konzept des revolutionären Bruchs
    (2) Keine Mitverwaltung der kapitalistischen Krise
    (3) Klassenorientierung
    (4) Einheitsfront-Methode
    (5) Eine (gewisse) organisatorische Verbindlichkeit

Verabreden wir uns verbindlich …,

und ich habe eine erste Antwort geschrieben:

Kommentar vom 29.07.2011; 17:09 h:

1. Hausfrauen und Lohnabhängigenklasse
2. Frauenlohndiskriminierung

    a) Im Fordismus
    b) Im Neoliberalismus

3. Rassismus und Patriarchat
4. Hauptlinien der Programmatik und Mobilisierung
5. Reform und Revolution.

SIBS: Zwischenbilanz der Organisierungsdebatte vorgelegt

[Siehe statt des hiesigen Artikels obenstehendes Update mit Inhaltsverzeichnisse.] (mehr…)

Die Lage der Linken in der BRD und die Aufgaben einer revolutionären Organisation

Heute erschien unter der auch hier gewählten Überschrift ein Beitrag von mir bei trend. onlinezeitung mit folgenden Abschnitten:

I. Die Lage der Linken in der BRD

II. Die Aufgabe einer revolutionären Organisation

III. Nächste Schritte.

Doku IV: Von der sozialistischen Frauenfrage zum sozialistischen Feminismus

Gestern dokumentierte ich an anderer Stelle einen Auszug aus einem Aufsatz, den Frigga Haug 1981 in der Zeitschrift Argument (H. 129, 649-664) unter der Überschrift „Männergeschichte, Frauenbefreiung, Sozialismus. Zum Verhältnis von Frauenbewegung und Arbeiterbewegung“ veröffentlichte. Dieser Auszug sei hiermit als Teil IV meiner Doku-Serie klassischer, politischer feministischer Texte klassifiziert.

► Teil I: „frauen […] aus verschiedenen politischen bereichen“, Zur Politik der Frauen aus dem Antirassistischen Zentrum und grundsätzliche Überlegungen zur antirassistischen Politik
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2010/07/06/doku-serie-revolutionaerer-feminismus-teil-i/

► Teil II: Rote Zora, in der Emma veröffentlichtes Selbstinterview
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2010/07/20/doku-serie-revolutionaerer-feminismus-teil-ii/

► Teil III: Eine feministische Kritik
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2011/04/21/doku-eine-feministische-kritik/

Revolutionäre Politik heute: gegen Klassenreduktionismus und diversity management

Der blog LAFONTAINES LINKE zum gleichnamigen Buch von Wolfgang Hübner und Tom Strohschneider veröffentlicht von mir einen Text mit der Überschrift „Noch mal: Diversity-Management statt Klassenkampf?“ und schreibt zur Einleitung:

„Die Debatte über das Papier ‚Neue Antikapitalistische Organisation? Na endlich!‘ geht weiter. Diversity-Management statt Klassenkampf?, hatten Michael Prütz und Michael Schilwa von der Sozialistischen Initiative Berlin-Schöneberg gefragt. Und Thomas Seibert antwortete. Die Kontroverse nimmt Detlef Georgia Schulze (mehr hier) auf: Revolutionäre Politik lasse sich nur in doppelter Opposition gegen “traditionalistischen” Klassenreduktionismus und “postmodernes” diversity management wiedergewinnen.“ (mehr).

Themenübersicht – Kritik an der linksliberal-antifeministischen politischen Linie des transgenialen CSD (tCSD) in Berlin und des queeren mainstreams in der BRD überhaupt

I. Zur Programmatik des transgenialen CSD

Eine radikale Geste mit schalem Nebengeschmack:

„Auch der Aufruf zum transgenialen CSD, der am kommenden Samstag (26.6.[2010]) stattfindet […], kommt ohne die Wörter ‚feministisch‘ und ‚Feminismus‘ aus, […]. Der A-, wenn nicht sogar Anti-Feminismus scheint der heimliche Konsens von kommerziellem und transgenialem CSD zu sein. Derartigen Entwicklungen zuzuarbeiten war keinesfalls das Anliegen von Judith Butler, als sie vor rund 20 Jahren gender trouble schrieb“.

Worum geht es eigentlich dem transgenialen CSD?

queere Globalisierung & imperialen Begehrens

„Ich hätte ja nun wirklich gedacht, daß die linke Diskussion – zumal bei Leuten, die im vergangenen Jahr den mainstream-CSD noch als ‚rassistisch‘ kritisierten – über rassistische Strukturen und deren Reproduktion auch in der Linken längst über den psychologisierenden und individualisierenden Begriff der ‚Vorurteile‘ hinaus ist; und daß in Zusammenhängen, die irgendeine Affinität (und sei es bloß als BündnispartnerInnen) zur autonomen Szene haben, nicht nur die Frage gestellt wird ‚Wie lassen sich Konflikte friedlich lösen?‘, sondern auch die Fragen: ‚Ist es immer möglich und wünschenswert Konflikte ‚friedlich’ zu lösen?‘ und: ‚Sind ‚Gewaltsituationen’ immer etwas, in das wir anscheinend irgendwie passiv hineingeraten und wo wir dann Orientierungsschwierigkeiten haben und dann erst fragen müssen was wir ‚in’ ihnen tun können?‘, ‚Kann sich Widerstand auf das Dogma der ‚gewaltfreien Kommunikation’ festlegen lassen?‘
Zu dieser ganzen Fehlorientierung, die den Radikalitätsanspruch des tCSD weder analytisch noch strategisch ausweisen kann, sondern untergräbt und praktisch auf eine Differenz des kulturellen Ausdrucks (Schmuddel-look statt Schickimicki) und des besseren Wollens reduziert, paßt auch noch, daß bei besagtem tCSD-Treffen als Aufgabe der – nach den sexuellen Belästigungen des Vorjahres – für dieses Mal zu schaffenden awareness-Struktur ‚Deeskalation‘ (!) genannt wurde. Deeskalation statt Parteilichkeit! – aber: ach wie radikal sind wir und was für eine Spießer-Organisation ist der LSVD, der nur in der Mitte der Gesellschaft ankommen will.“
Kommentar vom 06. Mai 2011; 17:54 Uhr

Transgenialer CSD 2011 in Berlin ohne offiziellen Aufruf?

„Der strukturelle Begriff ‚Patriarchat‘ ist also weggefallen, und allein der auf einzelne Äußerungen und Handlungen fokussierende Ausdruck ‚Sexismus‘ stehengeblieben. [5] ‚Kapitalismus‘ wurde durch den aus gleichem Grund zweideutigen Ausdruck ‚Klassismus‘ ersetzt. [6] Der immerhin konkrete, materielle Handlungen benennende Begriff ‚Heterosexismus‘ wurde weggelassen; statt dessen wird jetzt mit dem Begriff ‚Heteronormativität‘ allein auf ‚Normen‘ fokusiert.“

Selektive Wahrheiten?

Als queer noch revolutionär, aggressiv und männerfeindlich war – und sein durfte (bisher 27 Kommentare)

Eine „Revolution“, bei der ich nicht denken darf, ist nicht meine – Einige Worte zum Berliner CSD-Wochenende 2011

Für einen feministischen Anti-Humanismus!

II. Zur Praxis des tCSD

Sexuelle Belästigungen beim transgenialen CSD in Berlin (erschienen beim mädchenblog am 28.06.2010)

Umgang bei sexuellen Belästigungen auf transgenialen CSD (erschienen bei scharf-links am 24.06.2011 [!])

► Kommentar bei indymedia (Wo bleiben die Argumente? – TaP 26.06.2011; 00:00 h)

„Wer/welche beansprucht denn auch nur feministisch zu sein?! In den Aufrufen für den transgenialen CSD ist das doch das große Tabu-Wort. Und deshalb kommt es dann nämlich zu solchen Dingen, wie dem laxen Umgang mit sexuellen Belästigungen. Da zeigen sich die ganz praktischen Konsequenzen der politischen Linie des queeren mainstreams.
Und darüber sollten auch diejenigen – wenigen – ins Erschrecken geraten, die nicht feministisch durch queer ersetzen, sondern von ‚queer-feministisch‘ sprechen: Wie feministisch bzw. anti-feministisch die gängige queere Praxis in der BRD ist, ist eine Debatte, die überfällig ist.“

III. Vorschlag für eine feministisch-revolutinäre Ausrichtung

Back to the future: Für einen femo-genialen tCSD 2012!

IV. Zum theoretischen und politichen Kontext der Debatte (mehr…)

Transgenialer CSD 2011 in Berlin ohne offiziellen Aufruf?

-- Dieser Text jetzt als .pdf-Datei und mit einer Korrektur der Fußnote 7 --

Für den heutigen transgenialen CSD (tCSD) [0] scheint [1] es keinen gemeinsam getragenen Aufruf zu geben. Gestern wurde im blog des tCSD in der Rubrik „Presse“ ein „Beitrag zum Motto des Transgenialen CSD 2011“ überschriebener Text veröffentlicht (siehe dort oder auch dort – meine Hv.). Dieser Text weicht an einigen Stellen in inhaltlicher und stilistischer Hinsicht erheblich von dem zuletzt als Aufruf-Entwurf diskutierten Text ab.

Soweit ich direkt an der Formulierung der nun weggelassenen oder umformulierten Stellen beteiligt war, so seien diese hier vermerkt:

► Im Abschnitt „Daten helfen da auch nicht weiter!“ heißt es jetzt – in Bezug auf den Zensus 2011 – „Auf Grundlage der Kategorien wird weiterhin diskriminierende Politik gemacht.“ Zuvor waren an dieser Stelle – statt der vage Rede von „diskriminierende[r] Politik“ [2] – beispielhaft einige gesellschaftliche Gruppen genannt, gegen die in der BRD Politik gemacht wird. In der Aufruf-Diskussion hatte ich in Bezug auf andere Textstellen vorgeschlagen gehabt, den individualisierenden Begriff „Diskriminierung“ durch die strukturelleren Begriffe „Herrschaft und Ausbeutung“ zu ersetzen.

► Im Abschnitt der jetzt die Überschrift „Zwei-Geschlechter-Ordnung abschaffen!“ trägt, steht nun: „Wir stellen uns gegen eine Ordnung, die nur zwei Geschlechter kennt und alle Menschen, die sich nicht einem Geschlecht zuordnen wollen und_oder können, stigmatisiert!“ (meine Hv.) Zuvor stand an dieser Stelle: „Wir stellen uns gegen die Zwei-Geschlechter-Ordnung, welche alle Menschen, die sich nicht einem Geschlecht zuordnen wollen und_oder können, stigmatisiert!“

Die neue Formulierung („die nur zwei Geschlechter kennt“) impliziert im Gegensatz zur alten eine Strategie der Vervielfachung der Geschlechter. Ich plädiere dagegen in Anschluß an Überlegungen von Judith Butler und Monique Wittig für die Anstrebung einer Aufhebung aller Geschlechter.

(mehr…)

Eine „Revolution“, bei der ich nicht denken darf, ist nicht meine – Einige Worte zum Berliner CSD-Wochenende 2011

.

Als queer noch revolutionär, aggressiv und männerfeindlich war – und sein durfte

.

(Quelle: http://einblog.blogsport.de/)

und

Zwei Orte, zwei Länder, zwei Themen, eine Zeit, eine These: Für einen feministischen Anti-Humanismus in der Theorie!

sowie

Gegen den Kult vermeintlich authentischer „Erfahrungen“ und vermeintlich reiner, theorieloser „Fakten“

Die Einzelnen sind Geschöpfe der gesellschaftlichen Verhältnisse (NICHT authentische SUBJEKTE), und die gesellschaftlichen Verhältnisse sind widersprüchlich

Widerstand und Lernen aus „Erfahrungen“ kommt NICHT aus dem Inneren von SUBJEKTEN, sondern aus der Konfrontation von widersprüchlichen Erfahrungen von sub-jekten mit gesellschaftlich produzierten Begriffen und Diskursen

Kritik essentialistischer Identitätspolitik

PS.:

Wahr gesprochen:

http://www.myspace.com/ravepiet/blog/489258676

Wenn ich nicht Tanzen kann ist es nicht meine Revolution

Und die Band spielt weiter

Sind Partys bessere Demos oder tanzen wir uns ins Ecstasy-Exil? Von Ivo Bozic

„Wenn ich nicht tanzen kann, ist es nicht meine Revolution“, sagte die Anarchistin Emma Goldman einst; ein Sprüchlein, das speziell von Autonomen gerne zitiert wird, um dem Klassenkampfmachismo der MLer etwas entgegenzusetzen. Aber ist jeder Tanz gleich eine Revolution? Oder anders gefragt: Kann sich die Linke zum Sieg feiern? Was ist überhaupt politisch an einer Party? Und muß oder kann Politik eigentlich amüsant sein? (mehr…)

Kritik essentialistischer Identitätspolitik

I. Die queer-dekonstruktivistische Kritik essentialistischer Identitätskonzeptionen

„[…], gender is always a doing, though not a doing by a subject who might be said to preexist the deed. […]. There is no gender identity behind the expressions of gender; that identity is performatively constituted by the very ‚expressions’ that are said to be its results.”
(Judith Butler, Gender trouble, New York / London, 1990, 25).

„[…] gender ist ein Tun, wenn auch nicht das Tun eines Subjekts, von dem sich sagen ließe, daß es bereits vor der Tat existierte. […]. Hinter den Äußerungen von Geschlecht* liegt keine Geschlechtsidentität, vielmehr wird diese Identität gerade performativ durch diese ‚Äußerungen’ konstituiert, von denen gesagt wird, daß sie das Resultat jener Identität seien.“ (eigene Übersetzung)
* gemeint sind: vergeschlechtliche Handlungen, kulturelle Codes etc.

„If gender attributes, however, are not expressive but performative*, then theses attributes effectively constitute the identity they are said to express or reveal. The distinction between expression and performativiness is crucial. If gender attributes and acts, the various ways, in which a body shows or produces its cultural signification, are performative, then there is no preexisting identity by which an act or attribute might be measured; […]“
(Judith Butler, Gender Trouble, Routledge: New York, 1990, 141).

* performative (≈ hervorbringend) ‹ lat. per- (= durch und durch, völlig, von Grund auf) + lat. formare (= gestalten, bilden).

„Wenn die Eigenschaften der Geschlechter nicht ausdrückend, sondern hervorbringend [präziser: hervorgebracht, TaP] sind, dann konstituieren diese Eigenschaften die Identität, von der behauptet wird, daß sie sie ausdrücken oder offenbaren würden. Die Unterscheidung zwischen Ausdruck und Performativität [Hervorbringung] ist zentral: Wenn die Eigenschaften der Geschlechter und die geschlechtlichen Handlungen, die verschiedenen Formen, in denen ein Körper seine kulturelle Bedeutung zeigt oder produziert, performativ sind, dann gibt es keine vorgängig existierende Identität, an der diese Eigenschaften oder Handlungen gemessen werden könnten, […].“ (eigene Übersetzung)

„[…] das Politische besteht […] gerade darin, […] Identitäten immer wieder neu zu konstituieren.“
(Sabine Hark, S. 107; s. genaue Lit.angabe in der FN)

II. queer avant la lettre – Jenny Bournes Kritik am identitätspolitischen mainstream der 1980er Jahre

Jenny Bourne, Homelands of the minds, Jüdischer Feminismus und Identitätspolitik (1987 oder später, aber vor 1992) (mit einer Vorbemerkung von 1992)
in: dies. / A. Sivanandan / Fiz Fekete
From Resistance to Rebellion. Texte zur Rassismus-Diskussion
Schwarze Risse / Rote Straße: Berlin/Göttingen, 1992, 109 – 145.

„Die Politik der Identitätsfindung betrachtet das Erkennen und das Entdecken der eigenen Identität als oberstes Ziel. […]. Der große Fehler besteht darin, Identitätsfindung als ein Ziel und nicht so sehr als Mittel zu begreifen. […]. Identität ist [aber im Gegensatz dazu, TaP] nicht so sehr eine Voraussetzung für politisches Handeln, sondern sie entsteht oft erst daraus.“ (144).1

„Identitätspolitik ist zur Zeit der große Renner. Ausbeutung ist ‚out’ und gilt als von außen her determiniert. Unterdrückung ist ‚in’ und gilt als von innen heraus persönlich. Die Frage nach dem richtigen Handeln wurde durch die Frage nach dem richtigen Sein ersetzt. Wer bin ich? Die politische Kultur ist von einer Politik des Kulturellen abgelöst worden. Die materielle Welt hat sich ins Metaphysische verflüchtigt. Die Schwarzen, die Frauen, die Lesben und Schwulen, alle haben sich auf die Suche nach ihrer Identität begeben.“ (110, s.a. 112, 114). (mehr…)