Archiv der Kategorie 'Ökonomie'

Letzte Möglichkeiten, am Samstag (von Berlin) aus zur antikapitalistischen Demonstration nach Frankfurt zu reisen

Nachdem alle Fahrkarten für die Berliner Busse ausverkauft sind, bestehen nun noch folgende Möglichkeiten, von Berlin aus am Samstag zur antikapitalistischen Demonstration nach Frankfurt zu kommen:

1.

40 Euro für bis zu 5 Personen (also im günstigesten Fall: 8 Euro/Person):

„Schöner Wochenend“-Ticket:

Berlin Hbf – Sa. ab 5:55
FfM Hbf – Sa. an 14:34

Dauer: 8:39 Stunden.

2. (nicht nur von Berlin aus!)

50 Euro/Person:

ICE-Tickets bei ltur.com:

http://bahn.ltur.com/?omnin=DB-DE

z.B.:

Abfahrt Bln.: 9:34 h; Ankunft FfM.: 13:44 h;

Rückfahrt: FfM 19:34 – Bln. 23:25 h.

3.

Leihwagen -

am günstigsten wahrscheinlich: 9-Sitzer.

Bei einer bekannten Berliner Autovermietung kostet ein 9-Sitzer im Wochenendtarif (einzelne Tagen gehen am WE nicht) incl. 1.200 Frei-km 194 Euro.

Benzinverbrauch pro 100 km: 10 Liter.

ergibt bei 1.200 km und 1,70 €/l: 204 €

Reine Fahrtdauer Bln. – FfM lt. google: ca. 5 1/2 Std.

+ Pausen und Parkplatzsuche.

Würde also pro Person ca. 45 Euro kosten.

Die Sozialistische Initiative Berlin (SIB) ist bereit, den Kontakt zwischen GenossInnen, die Kleingruppen für Möglichkeit 1. oder 3. bilden wollen, zu vermitteln. – Bitte bis spätestens Freitag, 16 h, eine mail an:

nao(at)gmx.net

senden (mehr…)

Reformistischer Voluntarismus – Zum Grundsatzprogramm-Entwurf der Linkspartei

Gestern wurde im blog Lafontaines Linke eine von mir verfaßte ausführliche Auseinandersetzung mit dem Grundsatzprogramm-Entwurf der Linkspartei (mit bisher 7 LeserInnen-Kommentaren) veröffentlicht:

http://www.lafontaines-linke.de/2011/10/das-blaue-vom-himmel-schulze-programm-debatte/.

Vgl. zum gleichen Themenkreis auch noch von mir bzw. unter meiner Beteiligung entstanden:

zur vorhergehenden Fassung des Grundsatzrogramm-Entwurfes:

Verschiedene Geschmäcker
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2010/05/11/verschiedene-geschmaecker/

zum Linkspartei-Wahlprogramm von 2009:

Linke Kapitalismuskritik muss treffender werden – Geht eine Kritik an Geiz, Gier und Verantwortungslosigkeit wirklich an die Wurzel – oder am Ziel vorbei?
http://www.trend.infopartisan.net/trd7809/t107809.html

eine Diskussion von Anfang der 1990er Jahre:

Moderner Kapitalismus – ArbeiterInnenklasse – politisches Subjekt
http://theoriealspraxis.blogsport.de/koproduktionen/moderner-kapitalismus-arbeiterinnenklasse-politisches-subjekt/

Hehre Ansprüche, naive Strategie
http://theoriealspraxis.blogsport.de/koproduktionen/hehre-ansprueche-naive-strategie/

Transformation oder Revolution?
http://theoriealspraxis.blogsport.de/koproduktionen/transformation-oder-revolution/

ansonsten zur Linkspartei:
http://theoriealspraxis.blogsport.de/tag/linkspartei

von anderen:

a)

Lucy Redler
Sozialismus statt Marktwirtschaft. Eine Auseinandersetzung mit Sahra Wagenknechts „Freiheit statt Kapitalismus“
Broschüre, A5, 44 Seiten
3 Euro
http://shop.sozialismus.info/shop/article_662/Sozialismus-statt-Marktwirtschaft.html?sessid=LWnGL8ViKOpke5IRqIEpsTMkKHz12RfLYwFUyGJi00hkM73LFxBO6QYbY6TicfzY&shop_param=cid%3D1%26aid%3D662%26

Diskussionsveranstaltung über das Buch „Freiheit statt Kapitalismus“ von Sarah Wagenknecht
Montag, 10. Oktober, 19 Uhr im Ver­an­stal­tungs­raum DIE LINKE, Schwanenstr. 30, Dortmund
http://sav-ruhr.blogspot.com/2011/09/sozialismus-statt-marktwirtschaft-mit.html

b)

Guenther Sandleben
Finanzmarktkrise – Mythos und Wirklichkeit. Wie die ganz reale Wirtschaft die Krise kriegt
(proletarischen Texte Band 1)
121 Seiten. 7,90 €
ISBN 978-3-8423-3654-4
http://www.proletarische-plattform.org/proletarische-texte/

c)

August Thalheimer (vgl. zu diesem: http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei-Opposition)
Über die sogenannte Wirtschafts-Demokratie
http://www.marxists.org/deutsch/archiv/thalheimer/1928/xx/wirtdem.html

Zehn Punkte, über die wir diskutieren sollten

Noch einmal zum Thema Neue Antikapitalistische / Revolutionäre Organisation

Mein so betiteltes Diskussionspapier erschien gestern in „trend. onlinezeitung“ 6/2011:

http://www.trend.infopartisan.net/trd0611/t030611.html.

Inhaltsverzeichnis:

1. Warum „Organisation“?

2. Nur antikapitalistisch? Oder allgemein revolutionär? (Zum Verhältnis von Kapitalismus, Patriarchat und Rassismus)

3. Verhältnis zu bestehenden linken Organisationen

    a) Linkspartei
    b) DKP, MLPD u.a.
    c) SPD, Grüne
    d) Aktionseinheit – Einheitsfront

4. Wer/welche soll/en mitmachen?

    a) Aus dem feministischen Spektrum
    b) Aus dem Bereich antirassistischer sowie migrantischer und Flüchtlings-Organisierung
    c) Aus dem trotzkistischen Bereich
    d) Aus dem Bereich der (post-)autonomen, (post-)antiimperialistischen Szene
    e) Gruppen, die in Tradition der sog. „rechten“ Opposition gegen die „Sozialfaschismus“-These der KomIntern stehen
    f) Linkspartei-KritikerInnen, insb. aus dem ehemaligen WSAG-Spektrum
    g) Reste der maoistischen ML-Bewegung

5. Für eine Organisation von RevolutionärInnen? Oder für eine gemeinsame Organisation von RadikalreformerInnen/GradualistInnen und RevolutionärInnen? (Verhältnis zu IL und isl)

6. Revolutionär oder speziell marxistisch? / Verhältnis zum Anarchismus

7. Zu Lageanalyse und Strategie

    a) Wessen Krise?
    b) Kein zurück zum Fordismus! – Vorwärts zum Sozialismus jetzt?!
    c) Die Volksbewegungen im Mittelmeerraum
    d) Zum Problem der ökonomischen und politischen Spaltung der Lohnabhängigen

8. Reizwörter und Reizthemen

    a) „Antideutsche“ – „Antiimperialisten“
    b) Stalin
    c) Diktatur des Proletariats
    d) Avantgarde
    e) Demokratischer Zentralismus
    f) Gewaltfrage
    g) Kopftuch

9. Aktive Mitarbeit / Organisationsstrukturen / Arbeitsweise

    a) AktivistInnen- oder Karteileichen-Organisation?
    b) Das Private ist politisch: Organisation – Szene/Milieu – Bewegung
    c) Nicht-klandestin oder halb-klandestin
    d) Inner-organisatorische Demokratie

10. Zum weiteren Vorgehen

Zitat aus dem Text:

„Im Gegensatz zu gewissen ‚stil-diktierenden’ Tendenzen (der berühmte ‚proletarische’ Kurzhaarschnitt im Ggs. zu den langen Hippie-Haaren, teilweise wohl auch Verbot von partei-externen Liebesbeziehungen usw.) bei den K-Gruppen der 70er Jahren sollten zwar Freizeit, Wohnen usw. von organisierter Praxis unterschieden werden. Auch hinsichtlich des politischen Verhaltens am Arbeitsplatz, von dem die Existenzsicherung abhängt, sollte nichts Unmögliches verlangt werden. Die politische Linie einer Organisation muß immer auch die persönlichen Kräfte und Möglichkeiten der einzelnen Mitglieder in Rechnung stellen.
Aber: Das heißt nicht, daß Leben, Arbeit und Politik von einander getrennt sind; auch Leben und Arbeiten, ‚das Private’ – wie die Frauenbewegung und viele andere 68er sagten –, sind politisch. M.E. gibt es keine revolutionäre Praxis, die hinter diese Einsicht zurückfällt.“

Vgl. dazu ergänzend:
http://entdinglichung.wordpress.com/2010/10/12/kommunistische-partei-deutschlandsmarxisten-leninisten-kpdml-sind-lange-haare-fortschrittlich-1974/.

Wider den ‚physikalistischen’ Klassenbegriff des Werner Seppmann

Am 01.06.2001 referierten Werner Seppmann und Willi Hajek beim Roten Abend (Grünberger Str. 73, Berlin-Friedrichshain) zum Thema „Klassenkampf – Kalter Kaffee oder aktuell wie nie?“.1

[Eingeschobener Nachtrag: Audio-Mitschnitte der Veranstaltungsreferate]

[Der folgende Text als .pdf-Datei.]

Werner Seppmann publizierte kürzlich in der jungen Welt einen Artikel zu einem verwandten Thema „Die Arbeiterklasse hat sich verändert – und ist doch keineswegs verschwunden“. Am Ende läuft der Text freilich auf eine ganz andere Behauptung hinaus – nämlich nicht auf die analytische und zutreffende Behauptung: „Die ArbeiterInnenklasse existiert weiterhin.“, sondern auf die strategische und falsche Behauptung, klassenkämpferische Praxis sei auf den „Kern der Lohnabhängigenklasse“ (Hv. d TaP) zu fokussieren. Dieser umfasse „die industriell Beschäftigten in ihren überwiegenden Teilen, die übrigen Klassensegmente jedoch nur, insofern die Struktur ihrer Arbeitsplätze durch ein Mindestmaß an Kollektivität, als Voraussetzung ihrer Handlungsfähigkeit, geprägt ist“.
Im Hintergrund scheint die implizite These zu stehen, daß der Streik die wichtigste Form des antikapitalistischen Klassenkampfes ist: „Ihnen [Den „industriellen Kernbereichen“ der Lohnabhängigen] zugeordnet sind die Lohnabhängigen in den Reproduktionsbereichen, die aufgrund ihrer objektiven beruflichen Existenzbedingungen nicht nur ebenfalls in einem strukturellen Gegensatz zum Kapital stehen, sondern auch in der Lage sind, wirksam zu streiken und so nach dem alten Motto der Arbeiterbewegung ‚Alle Räder stehen still’ in Konfliktsituationen Sand ins Getriebe der Kapitalverwertung zu streuen.“
Diese Fokussierung auf die Streikfähigkeit übersieht zweierlei:
Erstens war die Wirksamkeit von Streiks schon immer durch die weitgehende Eigentumslosigkeit der Lohnabhängigen beschränkt. Jeder Streik konnte nur zeitlich begrenzt durchgehalten werden. Die Hoffnung Rosa Luxemburgs, ein Massenstreik könne ein Mittel des revolutionären Umsturzes werden, ist schon damals von Lenin kritisiert worden und auch danach niemals Wirklichkeit geworden.
Zweitens verschärft sich dieses grundsätzliche Problem, wenn a) der Anteil jener „industriellen Kernbereiche“ an der gesamten Mehrwertproduktion abnimmt und b) auch die Beschäftigten jener Kernbereich durch Phänomene wie Leiharbeit und outsourcing in vielfältiger Weise gespalten sind.
In dieser Situation ist vielmehr nach neuen, zusätzlichen Kampfformen zu suchen statt, wie Werner Seppmann, – abgesehen von einigen rein verbalen, konsequenzlos bleibenden Zugeständnissen – an einem „traditionelle[n] Begriffsschema“ festzuhalten.

Dieses Festhalten gelingt Seppmann in dem genannten Artikel nur, weil er beständig, zwischen seiner analytischen und seiner strategischen Behauptung hin- und herspringt und den – unzutreffenden – Eindruck erweckt, die zutreffende analytische Behauptung (Die Klasse der Lohnabhängigen existiert noch.)2 sei ein Argument für seine falsche strategische Behauptung (Die Fokussierung auf „industrielle Kernbereich“ + etwas Drumherum sei richtig.)
Dem zugrunde liegt eine ‚physikalistische’ (‚stoffliche’) Umdeutung der marxistischen Klassenanalyse. Seppmanns Bedürfnis gegen „soziologische Lehrbücher“ (die er mit den Postoperaisten Hardt und Negri, denen er eine „intellektualistischen Negation des Industriesystems“ vorwirft, und DekonstruktivistInnen, denen er pauschal unterstellt, sie seien um „Verhinderung eines realistischen Verständnisses der gesellschaftlichen Verhältnisse bemüht“, in einen Topf wirft3) verführt Seppmann dazu, einen losen Begriff von „Industriekapitalismus“ und den marxistischen Begriff der kapitalistischen Produktionsweise zu verwechseln.
Seppmann übersieht das Entscheidende: (mehr…)

Vortrag Berlin: Mi., 4.5., 20 h – Abwertung reproduktiver Arbeit in der frühen SU

Zur Abwertung reproduktiver Arbeit und der Fortschreibung kapitalistischer Geschlechterarrangements in der Sowjetunion

Mit dem Namen der russischen Marxistin und Ministerin in der frühen Sowjetunion Alexandra Kollontai sind bedeutende der kurze frauenpolitische Aufbruch nach der Oktoberrevolution verbunden.
Die Liberalisierung des Scheidungsrechts, das Recht auf Abtreibung, die Einrichtung von Gemeinschaftsküchen, die die individuelle Hausarbeit ersetzen sollten, gehören zu den Elementen ihrer Politik.

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Am Roten Abend wird sich die Autorin und Kuratorin Felicita Reuschling mit den praktischen und theoretischen Interventionen von Kollontai kritisch untersuchen. Dabei setzt sie sich nicht nur mit Kollontais Bewertung der Hausarbeit als unproduktiv auseinander. Sie hinterfragt mit dem Begriff der produktive Arbeit eine zentrale Kategorien des Marxschen Denkens. Das schließt die Kritik der Arbeitswertlehre bei ein, wo Ausbeutungs- und Hierarchieverhältnisse nur bei bezahlter und damit auch quantifizierbarer Arbeit festgestellt werden können und damit eine nationalökonomische Perspektive reproduziert wird.
In einer Zeit, wo der Care-Sektor wächst, der nach dieser Definition zur unproduktiven Arbeit gezählt wird, ist eine solche Kritik besonders wichtig bei allen, die weiterhin an die Perspektive einer kommunistischen Vergesellschaftung festhalten.
Roter Abend: Mittwoch, 04. Mai 2011 ab 20 Uhr im Stadtteilladen Zielona Gora, Grünberger Str. 73, Berlin-Friedrichshain.“

Quelle: http://interkomm.so36.net/archiv/roterabend.php

google-maps

Bericht aus dem Wolkenkuckucksheim

Wie angekündigt, saß ich am vergangenen Mittwoch bei einer Diskussionsveranstaltung zum Thema Bürger- und Existenzgeld auf dem Podium. Scharf-links hat einen Rückblick von mir auf die Veranstaltung veröffentlicht1:
http://www.scharf-links.de/88.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=12075&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=06b96c0827
und im ND berichtet Peter Nowak über die Veranstaltung.

  1. Die links, mit denen einige Stellen im Text hinterlegt waren, sind dort leider verloren gegangen:

    Absatz 1:
    Wie angekündigt, saß ich …“

    Negative Einkommenssteuer“ bedeutet, daß …“

    „‘Bürgergeld‘ gegen ‚Bürgerarbeit‘ wird das dann euphemistisch genannt“

    Absatz 2:
    „‚Hartz IV‘: für Alleinstehende 359 Euro + maximal 378 Euro Miete“

    Absatz 4:
    „Das wären nach seinen Angaben 50 % von 1.432 Euro/Person/Monat.“

    In etwa am Ende des ersten Drittels des Textes:
    „die DDR ein Gesetz gegen „Asoziale“ hatte, die nicht arbeiteten“

    Das Marx‘ Zitat aus dem Kapital in etwa am Ende des zweiten Drittels:
    „MEW Bd. 25, 828

    Der Verweis auf Marx und das Fische fangen in etwa am Anfang der dritten Drittels:
    „MEW 3, 33Deutsche Ideologie

    In FN 3:
    „Das durchschnittliche Haushaltseinkommen betrug 2003 2.885 Euro; durchschnittlich leben in jedem Haushalts rund 2 Personen. (Für die Zeit von 2007 bis 2020 wird mit einem Sinken um rund 0,1 Personen/Haushalt gerechnet, wobei …“ [zurück]

Existenzgeld – Bürgergeld: Vortrag am Mi., 01.09. in Berlin

Die Gruppe Internationale KommunistInnen hat mich und zwei weitere ReferentInnen eingeladen, am Mittwoch die Frage, „Ist das Existenzgeld unter die Bürger gefallen?“, zu beantworten:

Seit den 90er Jahren wird die Idee eines Bürgergeldes gegen Bürgerarbeit für Langzeitarbeitslose aktiv von der FDP, weniger öffentlich aber auch von Teilen der CDU/CSU und Bündnis 90/Grüne sowie der SPD propagiert. In unterschiedlichen Erscheinungsformen wird es auch von Mitgliedern des Netzwerkes Grundeinkommen vertreten. Im Kontext der weiteren Reform von Hartz IV steht die Einführung der Bürgerarbeit hervor.
Ansinnen der Veranstaltung ist es, herauszuarbeiten, welche sozial- resp. gesellschaftspolitischen Entwicklungen dies einleitet und in welchem Kontext dies zu nationalen und europaweiten Deregulierungen von Löhnen und sozialen Absicherungen steht. Wir wollen diskutieren, welche Alternativen dazu aus Sicht der Ausgebeuteten und Ausgegrenzten politisch richtig sind.
Kann angesichts einer solchen Entwicklung eine Debatte um ein bedingungsloses Grundeinkommen/Existenzgeld einen realen Ausweg aufzeigen, ist sie derzeit utopistische Spielerei ohne Mobilisierungspotential, oder macht sie sich vielmehr ungewollt zum Türöffner neoliberaler Vorstellungen in die Linke hinein?
Dazu haben wir folgende Gäste eingeladen:
Anne Allex ist Sozialpolitikerin und nimmt am Runden Tisch gegen Erwerbslosigkeit und soziale Ausgrenzung teil.
Michael Klockmann ist prekärer Selbständiger und Mitglied des Netzwerk Grundeinkommens, dessen bedingungslose Variante ohne Arbeitszwang er vertritt.
Detlef Georgia Schulze ist PolitikwissenschaftlerIn und hält Existenzgeld nicht für eine zielführende „Tagesutopie“ auf dem Weg in eine emanzipierte, solidarische Gesellschaftsformation.

Roter Abend: Mittwoch, 1. September 2010 ab 20 Uhr im Stadtteilladen Zielona Gora, Grünberger Str. 73, Berlin-Friedrichshain.

Vgl. zur Vorbereitung Das bedingungslose Grundeinkommen: Chancen und Risiken aus feministischer Sicht von Christine Görn bei der Mädchenmannschaft sowie meinen Text Existenzgeld – Mindestlöhne und ‚Politisierung‘ / richtige und falsche Reformforderungen.

Nachtrag – noch mehr Texte:
http://spatico.de/wiki/index.php?Diskussionen.

Luxemburg und Lenin – Arm in Arm gegen die Kritik des Kapitalismus als „ungerecht“

1918 schrieb Rosa Luxemburg, in einem Kapitel, das sie zu Mehrings Karl Marx. Geschichte seines Lebens (Leipziger Buchdruckerei) beisteuerte: „[…] die Schulen der Sozialisten, die vor Marx auftraten, [erklärten] die Bereicherung der Kapitalisten zu allermeist als glatte Prellerei, ja als Diebstahl an den Arbeitern, der durch die Dazwischenkunft des Geldes oder durch Mangel an Organisation des Produktionsprozesses ermöglicht werde. Von hier aus kamen jene Sozialisten zu verschiedenen utopischen Plänen, wie man durch Abschaffung des Geldes, durch ‚Organisation der Arbeit’ und dergleichen mehr die Ausbeutung beseitigen könne. Marx deckt nun im ersten Band des ‚Kapitals’ die wirkliche Wurzel der kapitalistischen Bereicherung auf. Er befaßt sich weder mit Rechtfertigungsgründen für die Kapitalisten noch mit Anklagen gegen ihre Ungerechtigkeit: […]. Marx erklärt also die kapitalistische Bereicherung nicht als irgendeine Vergütung des Kapitalisten für eingebildete Opfer und Wohltaten und ebensowenig als Prellerei und Diebstahl im landläufige Sinne des Wortes, sondern als ein im Sinne des Strafrechts völlig rechtmäßiges Austauschgeschäft zwischen Kapitalisten und Arbeiter, das sich genau nach denselben Gesetzen abwickelt wie jeder andere Warenkauf und Warenverlauf auch. […]. Er [Marx] hat dargetan, daß die Ausbeutung erst dadurch und lediglich dadurch beseitigt werden kann, daß der Verkauf der Arbeitskraft, will sagen das Lohnsystem, aufgehoben wird.“
(378 – 387 [379, 380; vgl. S. XII zur Autorschaft Luxemburgs] = Rosa Luxemburg, Gesammelte Werke. Bd. 4, Dietz: Berlin/DDR, 1974, 291 – 301 [292, 293; vgl. zur Erstveröffentlichung: S. 301]).

Und Lenin schrieb 1912 in Zwei Utopien: „Dieser [der utopische] Sozialismus war ‚falsch’, da er den Mehrwert als Ungerechtigkeit der Gesetze des Warenaustauschs erklärte. Gegen diesen Sozialismus hatten die Theoretiker der bürgerlichen politischen Ökonomie im formell ökonomischen Sinn recht, denn aus den Gesetzen des Austauschs ergibt sich der Mehrwert ganz ‚natürlich’, ganz ‚gerecht’.“
(in: ders., Werke. Bd. 18, Dietz: Berlin/DDR, 1962, 347 – 351 [350]).

„scharfe Systemkritik“ – wow!

Tagesschau: „Auch sie [Gesine Lötzsch] übt in ihrer Rede scharfe Systemkritik: [O-Ton G. L.:] ‚Es ist doch so, daß wir von Spekulanten terrorisiert werden und die Kanzlerin und ihr Kabinett völlig überfordert sind.‘“
(http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video705292.html, 1:11 – 1:20 Min.).>

Seit wann ist Kritik an der vermeintlichen Unfähigkeit von AkteurInnen „Systemkritik“?! Eine solche personalisierende Kritik nimmt ‚das System‘ vielmehr aus der Schußlinie.

Vgl. auch noch meine Texte:

Linke Kapitalismuskritik muss treffender werden – Geht eine Kritik an Geiz, Gier und Verantwortungslosigkeit wirklich an die Wurzel – oder am Ziel vorbei?
http://www.trend.infopartisan.net/trd7809/t107809.html

und

Von der Ausschließung zum Klassenkampf?
http://www.attac.de/fileadmin/user_upload/Kampagnen/KapiKon/Texte/Schulze.pdf

Nicht für „linke“ Luftschlösser, sondern für die soziale Emanzipation kämpfen! – Veranstaltungshinweis

Sonntag: 25. April 2010 um 18.00 Uhr im Café Größenwahn, Kinzigstr. 9, 10245 Berlin

Vortrag mit Diskussion und Musik

Nicht für „linke“ Luftschlösser sondern für die soziale Emanzipation kämpfen!

Robert Schlosser diskutiert seinen Vortrag mit Aktiven aus Betrieb und Stadtteil.
Klassenkämpferische Lieder werden von DetlevK moderiert und vorgetragen.

In der Diskussion soll es darum gehen, die Klassenauseinandersetzungen in Betrieb und Stadtteil in Bezug zu setzen und eine politische Perspektive aufzuzeigen, die die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise zum Ziel hat. Ferner soll diese Veranstaltung ermöglichen, dass unterschiedliche Strömungen in einen gemeinsamen Diskurs über ihre politische Praxis und ihre Zielvorstellungen treten. Es geht um einen solidarischen Meinungsstreit, der die Spaltungen innerhalb der Linken, wie sie sich wieder in den 1. Mai-Aktivitäten abbilden, versucht zu überwinden. Es sollen Schnittstellen für eine gemeinsame politische Praxis gefunden werden. Dazu soll im 2. Teil die Diskussion auch für das Plenum aufgemacht werden.

mehr Infos und weitere Veranstaltungshinweise unter: http://www.trend.infopartisan.net/trd0410/t160410.html.

Idealistische „Muße für alle“ oder Re-Artikulation des Klassenwiderspruchs?

Vorbemerkung: Theorie als Praxis hat seit einiger Zeit auch ein Facebook-Profil. Ohne für Facebook-Werbung machen zu wollen: Wer/welche eh bei Facebook ist, kann Theorie als Praxis gerne seiner/ihrer FreundInnen-Liste hinzufügen.
Heute wurde ich dort auf den Text Dein Feind: Der Sozialschmarotzer von Rainer Trampert (in den 80er Jahren Sprecher der Grünen) in der Jungle World vom 08.04.2010 aufmerksam gemacht.
Hier mein Spontan-Kommentar dazu:

Schön geschriebener Text, mit einigen richtigen Argumenten, aber die grundsätzliche Linie, die er vorschlägt – sich Westerwelles und Co. Dekadenz-Vorwurf positiv zu eigen zu machen und „Muße für alle“ zu fordern, ist linksradikaler Idealismus.

„Wie der Wilde mit der Natur ringen muß, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, um sein Leben zu erhalten und zu reproduzieren, so muß es der Zivilisierte, und er muß es in allen Gesellschaftsformen und unter allen möglichen Produktionsweisen. Mit seiner Entwicklung erweitert sich dies Reich der Naturnotwendigkeit, weil die Bedürfnisse; aber zugleich erweitern sich die Produktivkräfte, die diese befriedigen. Die Freiheit in diesem Gebiet kann nur darin bestehn, daß der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen vollziehn. Aber es bleibt dies immer ein Reich der Notwendigkeit.“
[Marx: Das Kapital, S. 4076 f. Digitale Bibliothek Band 11: Marx/Engels, S. 7390 f. (vgl. MEW Bd. 25, S. 828) – meine Hv.]

Auch wenn die Forderung nach radikaler Erwerbsarbeitszeitverkürzung (mit Lohn- und Personalausgleich) richtig ist – das ist immer noch etwas anderes als „Muße für alle“.

Und die (Reste der) sozialen Sicherungssysteme lassen sich weder verteidigen noch gar ausbauen auf der Grundlage eines links-intellektuellen Programms des ‚Ich will philosophieren – und wer/welche das Essen produziert, die Bücher druckt und die Computer baut, interessiert mich nicht‘.

Soziale Sicherungssysteme lassen sich selbst in einer post-kapitalistischen Gesellschaft nicht von ihrer Funktion der (Re)produktion der Arbeitskraft (Krankheit, Ausbildung, Umschulung, Flankierung von industriellen Umstruktuierungen usw.) ablösen.

Und in kapitalistischen Gesellschaft kommt (aus linker Perspektive) noch die Funktion der Verbesserung der Bedingungen für den Verkauf der Arbeitskraft hinzu: Sozialleistungen als Aufhebung des unbedingten Zwangs, die Arbeitskraft zu verkaufen.

Ein bedingter Zwang zum Verkauf der Ware Arbeitskraft ist aber in einer kapitalistischen Gesellschaft und ein bedingter Zwang zum Arbeiten ist in einer post-kapitalistischen Gesellschaft nicht zu vermeiden.

Eine Aufhebung des unbedingten Zwangs zum Arbeiten ist etwas anderes als eine unbedingte Aufhebung des Zwangs zum Arbeiten.

Die Forderung nach einer unbedingte Aufhebung des Zwangs zum Arbeiten ist ein idealistischer Schmarren, der weder realiserbar ist, noch zum dringend notwendigen Bündnis von Erwerbstätigen und Erwerbsarbeitslosen beitragen kann.

Die intellektuelle Linke sollte der Tatsache ins Auge sehen, daß auch ihre Existenz von Arbeit abhängt (wenn nicht von ihrer eigenen Arbeit, dann von der Arbeit anderer Leute).

Und Westerwelles Dekadenz-Vorwurf läßt sich – außer in voluntaristischen Blütenträumen – nicht ‚offensiv‘ annehmen, sondern nur defensiv abwehren:

Die sozialen Sicherungssysteme in der BRD bedeuten alles andere als Dekadenz; und auch deren Wiederausbau würde alles andere als Dekadenz bedeuten.
Und auch in einer kommunistischen Gesellschaft wird das Überleben vom „Stoffwechsel mit der Natur“ (sei es in Form ‚unberührter‘ Rohstoffe oder sei sie ihrerseits schon durch vorhergehende Arbeit umgeformt), d.h. vom Arbeiten, abhängen.

Mehr Marxismus bitte. Schluß mit dem ständischen Gegeneinander von kulturalistisch-intellektueller und gewerkschaftlich-traditionalistischer Linker!

Sowohl der verengte, handarbeitszentrierte, maskulinistische usw. Klassenbegriff der traditionalistischen Linken als auch kulturalistischer Elitismus der ‚undogmatischen‘, ‚postmodernen‘, ‚intellektuellen‘ oder was auch immer Linken sind fehl am Platze.

Für eine Reartikulation linker Gemeinsamkeiten aufgrund des Widerspruchs zwischen

++ einerseits denen, die die große Masse der Produktionsmittel besitzen und andere daran arbeiten lassen,

und

++ andererseits denen, die keine Produktionsmittel oder nur die wenigen, für ihr ‚SelbstunternehmerInnentum‘ erforderlichen Produktionsmittel besitzen.

Für den Kommunismus. Gegen Idealismus und Standesdenken.

Vgl. die Debatte zum Thema: Verschiedene Proletariate? beim Institut Solidarische Moderne:

und meinen Text:

Existenzgeld – Mindestlöhne und ‚Politisierung‘ / richtige und falsche Reformforderungen

Die hohe Schule des Argumentierens: Geldkritik

Zu der hiesigen Auseinandersetzung, ob es in einer sozialistischen Übergangsgesellschaft möglich ist, auf Geld als universellem Äquivalent zu verzichten (l – 06. September 2009 um 17:28 Uhr [zu TaP – 06.09.2009; 17:17 h: „Geld (gibt’s im Sozialismus noch)“] und folgende Kommentare), gab es kürzlich beim Mädchenblog einen Nachschlag.

Ich dokumentiere hier die entsprechenden Kommentare:

►► star wars – 26. Oktober 2009 um 19:28 Uhr

@TaP

1. Hartz IV liegt deutlich unterhalb des soziokulturellen Existenzminimums. Wieviel erträumen sich die Existenzgeld-Fans? 1.000 Euro? 1.500 Euro? + Miete? – und das alles bedingungslos? Schwachsinn, der auch im Sozialismus nicht möglich sein wird. Kam damals ein Gegenargument? Nein. Kam jetzt eins? Nein.

Was nötig ist wird im Kommunismus hergestellt. (mehr…)

Vier Zitate zum Krisen-Begriff

1. Eine Krise für die ArbeiterInnenklasse oder für das Kapital?

„[…] erlaubt, die Frage des Übergangs zu einer Gesellschaft ohne Ausbeutung und des Bruchs mit dem Kapitalismus endlich von der Frage der Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise zu trennen. Sollten derartige ‚Grenzen’ existieren – was zweifelhaft ist, da es, wie man gesehen hat, eine unaufhörliche Dialektik zwischen den Formen der sozialen Integration der Arbeit und ihrer Proletarisierung, den technologischen Innovationen und der Intensivierung der Mehrarbeit gibt –, so haben sie nicht direkt etwas mit dem revolutionären Bruch zu tun, der nur dann eintreten kann, wenn die Destabilisierung des Klassenverhältnisses selbst, d.h. des ökonomisch-staatlichen Komplexes, eine günstige politische Gelegenheit für Veränderungen bietet. Wieder muß also die Frage gestellt werden, für wen es eine ‚Krise’ gibt und was in der ‚Krise’ ist.“
(Etienne Balibar, Vom Klassenkampf zum Kampf ohne Klassen?, in: ders. / Immanuel Wallerstein, Rasse. Klasse. Nation. Amivalente Identitäten, Argument: [West]berlin, 1990, 190 – 224 [220 f.]).

2. Wachstums- oder Zusammenbruchskrise?

a) „Morphologie des entwickelten Kapitalismus“ = „ein bestimmtes Anpassungsvermögen, welches der Entwicklung der Produktivkräfte eigen ist, eine bestimmte Plastizität, die es ihnen in Krisenzeiten ermöglicht, ihre eigene Neustrukturierung zu leisten“
(Christine Buci-Glucksmann, Über die politischen Probleme des Übergangs: Arbeiterklasse, Staat und passive Revolution, in: SOPO. Sozialistische Politik [das europäische buch: Westberlin], Vol. 41, Sept. 1977, 13 – 35 [15, anknüpfend an Gramscis Begriff der „passiven Revolution“]).

b) „Das Wort ‚Krise’, ein medizinischer Ausdruck, der die akute Phase eines Krankheitsverlaufs bezeichnet, wo über Heilung, Tod oder Aufschub entschieden wird, wurde nicht erst von Marxisten auf Politik und Ökonomie angewendet. Der marxistische Beitrag dazu ist eine materialistische und dialektische Konzeption der Geschichte, die es ermöglicht, sie als einen Prozeß zu denken, wo Phasen struktureller Stabilität (in denen sich die gesellschaftlichen Verhältnisse mit nur quantitativen Veränderungen reproduzieren) und durch Krisen eingeleitete Phasen qualitativer Veränderung einander ablösen. […]. Man kann ‚nicht mehr in der alten Weise weitermachen’. Es eröffnen sich dann verschiedene mögliche Auswege: Wiederherstellung der Verhältnisse in mehr oder weniger modifizierter Form, und sei es durch Konterrevolution und Krieg, oder revolutionäre Einrichtung neuer gesellschaftlicher Verhältnisse.“
(Alain Lipietz, Stichwort „Krise“, in: Georges Labica / Gérard Bensussan (Hg.), Kritisches Wörterbuch des Marxismus. Dt. Fassung hrsg. von Wolfgang Fritz Haug, Bd. 8, Argument, [West]berlin, 1986 [frz. Originalausgabe: 1982: 1. Auflage, 1984/85: 2. Auflage], 712 – 719 [712 f.]).

Anmerkung:
Diese begrifflichen Differenzierungen haben zwar den Vorteil, daß sie Krise und Zusammenbruch des Kapitalismus nicht gleichsetzen. Gleichzeitig löschen sie aber damit aber unter den Oberbegriffen „Krise“ und „qualitative Veränderung“ (statt „Stabilität“ und „quantitative[r] Veränderung“) tendenziell den Unterschied zwischen einer modifizierten „Wiederherstellung“ (Erneuerung, Modernisierung) der gegebenen gesellschaftlichen Verhältnisse und deren revolutionären Umsturz – zwischen ‚passiver’ und ‚aktiver’ Revolution – aus. Welchen analytischen Wert hat dann der Begriff „Krise“ noch? Ist der Kapitalismus dann nicht immer in der ‚Krise’? Modifiziert er sich nicht ständig „mehr oder weniger“?

3. Krise – immer nur Krise? – eine Analogie (zwischen moral economy und Kapitalismus)

„Auch der Begriff ‚moral economy’ scheint mir gefährlich, weil er dazu führen kann, einen unveränderlichen Traditionalismus zu unterstellen; in Wirklichkeit handelt es sich um eine Art bauchrednerische Kategorie, die sich nie genau festmachen läßt und sofort verschwindet, wenn man ihr näher tritt: Die ‚moral economy‘ hat sozusagen immer 20 Jahre oder 50 Jahre Vorsprung, und ist immer gerade ‚am Zusammenbrechen’.“
(Gareth Stedman Jones, in: Peter Schöttler, Interview mit Gareth Stedman Jones, in: G. St.J., Klasse, Politik und Sprache. Für eine theorieorientierte Sozialgeschichte, Westfälisches Dampfboot: Münster, 1988, 277 – 317 [299]).

Doku: Das reformistische Schaf im autonomen Wolfspelz [Kritik an der Autonomie Nr. 14]

Autonome Theorie(n) zwischen vorkapitalistischer Idylle und spätkapitalistischem Reformismus

Aus Anlaß des Autonomen Kongresses vom 9. – 11.10.2009 in Hamburg mache ich die Kritik der Gruppe Revolutionäre Sozialisten an der Autonomie Nr. 14 wieder zugänglich – leider nur als .pdf-Bild-Datei (vielleicht hat ja jemandE Zeit und Lust, die Datei OCR zu behandeln und dann Korrektur zu lesen).

Vgl. auch noch meine Anmerkungen unter: http://theoriealspraxis.blogsport.de/koproduktionen/anmerkungen-zum-reader-autonomie-organisierung/.

Ein paar Termine

1. Arbeitskampf auf eigene Faust – 40 Jahre „Septemberstreiks“
Betriebskämpfe, Gewerkschaften, spontane Streiks

Hallo liebe GenossInnen und FreundInnen,
wir möchten euch zu folgender Veranstaltung im Oktober einladen:

Arbeitskampf auf eigene Faust
40 Jahre „Septemberstreiks“

Betriebskämpfe, Gewerkschaften, spontane Streiks

Wenn die Profite einbrechen, bekommen das zuerst die Beschäftigten zu spüren. In der Wirtschaftskrise sehen sich die Konzerne gezwungen, ihre Stellung auf dem Weltmarkt zu behaupten und auszubauen – auf Kosten der Belegschaften. Nicht nur in der Bundesrepublik, sondern rund um den Globus verschärfen sich die Angriffe auf den Lohn, die Arbeitsbedingungen und die sozialen Sicherungssysteme. Zugleich wächst das Heer der Erwerbslosen und schürt die Angst vor dem sozialen Abstieg – Rausschmiss, Arbeitsamt, Hartz IV.
Zur Wut auf die Selbstherrlichkeit der Konzernchefs und -manager gesellt sich in vielen Belegschaften deshalb die Furcht vor der Vernichtung von Arbeitsplätzen oder des gesamten Standortes. Die KollegInnen hoffen, dass ihre Gewerkschaft das Schlimmste abwenden kann.
Die Gewerkschaftsvorstände und die Betriebsratsspitzen verharren in den Grenzen der traditionellen Tarifpolitik. Eine Perspektive sehen sie nur in der Zusammenarbeit mit den Unternehmensführungen – „wir sitzen alle im selben Boot“. Die Zugeständnisse bei Lohn- und Arbeitsbedingungen und den „sozialverträglichen“ Abbau von Arbeitsplätzen betrachten sie als ihren Beitrag zur Rettung von Betrieben und Standorten. Ob diese Rechnung aufgeht, das können weder Betriebsräte noch Gewerkschaftsinstanzen garantieren oder wirklich beeinflussen.
Die Belegschaften vertrauen in ihrer Mehrheit noch den aus vergangenen Jahrzehnten bekannten Instrumenten und Methoden sozialpartnerschaftlicher Interessenvertretung. Sie folgen – wenn auch zunehmend skeptischer – ihren Gewerkschaftsvorständen. Das war nicht immer so.
Im September 1969 erfasste eine Welle spontaner Arbeitskämpfe die BRD. Die Streikwelle begann in der Stahlindustrie, dehnte sich aber auch auf andere Bereiche wie Bergbau, Metallverarbeitung und Schiffsbau aus. Über 140 000 Menschen beteiligten sich bundesweit an den Streiks, in denen es zumeist um die Durchsetzung einer Festgeldforderung ging.
Auslöser der Streikwelle war die Unzufriedenheit mit den Tarifabschlüssen durch die Gewerkschaften. Deren Vorstände setzten in der ersten Nachkriegsrezession von 1966/67 auf Zurückhaltung bei den Lohnabschlüssen. Sie handelten 1968 nur geringe Erhöhungen aus, die übliche Laufzeit des Tarifvertrages wurde von 12 auf 18 Monate ausgedehnt. Vom Aufschwung, der 1969 einsetzte, kam bei den ArbeiterInnen nichts an. Da die Gewerkschaften, gebunden an die „Friedenspflicht“, auf den wachsenden Unmut nicht reagierten, nahmen die Belegschaften vielerorts den Kampf in die eigenen Hände.
Die gesellschaftliche Unruhe – Stichwort Studentenbewegung 68 – erfasste auch Teile der Arbeiterjugend und der Auszubildenden. Mit den Septemberstreiks schlug sie sich erstmals in den Betrieben nieder. Eine weitere Welle wilder Streiks fand Anfang der 70er Jahre unter starker Beteiligung von ArbeitsemigrantInnen (aus Italien, Spanien, Griechenland, Jugoslawien, der Türkei usw.) statt. Es war zugleich die Zeit, in der Betriebsgruppen der vielfältigen politischen Linken und oppositionelle Betriebsratslisten den sozialdemokratisch dominierten Gewerkschaftsapparaten und Betriebsräten Konkurrenz machten.
Es geht uns bei der Beschäftigung mit den historischen Streikwellen nicht allein um die Vermittlung vergangener Kämpfe, sondern auch um eine Debatte über die heutigen Ausgangsbedingungen für betriebliche Konflikte. In den Workshops wollen wir deshalb darüber diskutieren welche Erfahrungen von damals uns heute weiterhelfen können, die Unsicherheiten und Ängste in den Belegschaften und die hemmende Rolle der gewerkschaftlichen Apparate zu überwinden.

Veranstaltung | 3. Oktober | 16 Uhr | Mediengalerie, Dudenstr. 10, 10965 Berlin

Referenten: Peter Birke (Historiker, Universität Hamburg)
Bonno Schütter (oppositioneller Betriebsrat, Klöckner-Hütte, Bremen) und Peter Bach (Montagearbeiter am Band, 1973 bei Ford)

Workshops | 4. Oktober | 11 Uhr | Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin

Themen der Workshops:

Möglichkeiten und Grenzen einer klassenkämpferischen
Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit

Wie sind damals oppositionelle Betriebsgruppen entstanden und aufgebaut worden, wie sehen die Ausgangsbedingungen für eine kämpferische Organisierung heute aus?

Unterstützungsmöglichkeiten durch außerbetriebliche politische Interventionen bei Streiks

Damit wir besser planen können, bitten wir alle, die Lust haben an den Workshops teilzunehmen, sich per klassenkampfblock@gmx.net anzumelden und mitzuteilen an welchem Thema besonderes Interesse besteht.
Veranstaltet vom Forum, Betrieb, Gewerkschaft und soziale Bewegung

weitere Infos unter: www.klassenkampfblock.blogsport.de

[per mail eingegangen]

2. Aktionstag der Krisenproteste am 17.9.

Liebe FreundInnen und GenossInnen,
Mit diesem newsletter wollen wir euch über den dezentralen bundesweiten Aktionstag am 17. September informieren. Der Aktionstag richtet sich gegen die Krisenlösungen von Staat und Kapital, gegen Sozialabbau, Entlassungen, gegen Krieg und Umweltzerstörung. Im folgenden wollen wir euch auf die Aktionen in Berlin an diesem Tag aufmerksam machen und hoffen auf eine rege Beteiligung.

Solidarische Grüße Revolutionäre Perspektive Berlin
www.perspektive.nostate.net

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Aktionstag der Krisenproteste am 17.9.

Am Donnerstag, den 17. September findet ein Aktionstag gegen die Krisenlösungen des Kapitals und für eine Perspektive jenseits von Ausbeutung, Kriegen und Umweltzerstörung statt. Bundesweit wird es an diesem Tag zahlreiche dezentrale Protestaktionen geben. Informationen
zum Aktionstag gibt es unter www.kapitalismuskrise.org
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Aktionstag in Berlin

In Berlin werden den ganzen Tag über verschiedene Aktionen stattfinden. Wir organisieren im Rahmen des Aktionstages zusammen mit der Antifaschistischen Revolutionären Aktion Berlin und der DKP Neukölln eine Video-Kundgebung zu den aktuellen internationalen Arbeitskämpfen gegen Entlassungen und Fabrikschließungen. Bei der Kundgebung werden kurze Video-Clips zu Arbeitskämpfen unter anderem in
der BRD, Italien und Frankreich gezeigt und es wird über die Kämpfe der ArbeiterInnen informiert. Thematisert werden beispielsweise die erfolgreichen Arbeitskämpfe bei der INNSE in Mailand, bei der Officine im schweizerischen Bellinzona und die militant geführten Arbeitskämpfe der Continental-Arbeiter im nordfranzösischen Clairoix.

Video-Kundgebung | 17. September | 20 Uhr | Rathaus Neukölln
bei schlechtem Wetter in der Galerie Olga Benario, Richardstr. 104, 12043 Berlin-Neukölln

Im Berliner Bündnis “Wir zahlen nicht für eure Krise!” arbeiten schon seit einiger Zeit verschiedene Organisationen, Gruppen und Initiativen
zusammen. Für den 17. September wird zu verschiedenen Aktionen und Kundgebungen mobilisiert:

9 Uhr | Jobcenter Mitte | Sickingenstr. 70
Aktion vorm Jobcenter: “KeineR muss allein zum Amt”

13 Uhr | Senatsverwaltung | Fehrbelliner Platz
Stadtpolitische Aktion: “Die Krise findet Stadt – Wir übernehmen den Laden”

16 Uhr | Wittenbergplatz
Zentrale Kundgebung: Rettungspakete für die Menschen statt Milliarden für die Banken!
Aktion Banküberfall: Sozialer Ungehorsam bei Profiteuren der Krise

20 Uhr | Rathaus Neukölln
Videokundgebung: Internationale Arbeitskämpfe gegen die Krise

Zwischen den Aktionen:
Aktion “Kostenloser Nahverkehr für alle”: Umsonst fahren zwischen den Aktionen. Klimagerechte Mobilität für alle!

[ebenfalls per mail eingegangen]

3. Zum 75. Geburtstag von Ulrike Meinhof

Am 7. Oktober 2009 wäre Ulrike Meinhof 75 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass ist Jutta Ditfurth von Oktober bis Dezember mit neuem Programm auf Tour:

»Zum 75. Geburtstag von Ulrike Meinhof:

Szenische Lesung – Ermittlungen über Ulrike Meinhof von Jutta Ditfurth

(mit Bildern und Fundsachen)«

Programmtext im Anhang

Mi. 30.9.2009, WUPPERTAL, Rex-Theater

Mo. 5.10.2009, HAMBURG, Theater »Polittbüro«

Di. 6.10.2009, BERLIN, Berliner Ensemble (Theater am Schiffbauerdamm)

Mi. 7.10.2009, STUTTGART, Theaterhaus Stuttgart

Do. 8.10.2009, KARLSRUHE

Fr. 9.10.2009, FREIBURG

Weitere Veranstaltungen und Details auf: www.jutta-ditfurth.de

Jutta Ditfurth freut sich über weitere Einladungen zu Veranstaltungen.

[Quelle: http://scharf-links.de/48.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=6594&tx_ttnews[backPid]=49&cHash=5f1476a29e]

4. Bandito Rosso im September

u.a.:

Sonntags, 06., 13., 20., 27. (Konserve) 09.2009
20:15 Uhr Bandito Rosso: Tatort-Tresen

Samstag, 19.09.2009
19.00 Uhr Bandito Rosso: Infoveranstaltung
Mobilisierungsveranstaltung „1000 Kreuze in die Spree“. Am kommenden Samstag wollen christliche Fundamentalist_innen und selbsternannte Lebensschützer durch Berlin ziehen. Wir wollen dies nicht zulassen und geben Euch heute abend die letzten Infos.

[Quelle: http://bandito.blogsport.de/?p=89]