Archiv der Kategorie 'Moral, Ethik, Humanismus'

Zwei neue Texte bei linksunten.indymedia

Am Mon­tag erschien von sys­tem­crash und mir:

Ein feministisch-​​trotzkistischer Dia­log über „Per­spek­tive Kom­mu­nis­mus

https://​links​un​ten​.indy​me​dia​.org/​d​e​/​n​o​d​e​/​1​76133

und gerade eben erschien von mir allein:

Kapi­ta­lis­mus bekämp­fen, indem wir Blu­men pflan­zen? – Einige Anmer­kun­gen zu den Anmer­kun­gen von Knews vom 17. April zu dem *aze-​​Text „Immer diese Wider­sprü­che – Anti­mus­li­mi­scher Ras­sis­mus, Anti­se­mi­tis­mus und die radi­kale Linke in Deutsch­land“

Zur Kri­tik der anarchistisch-​​klassenkämpferischen Vari­ante des Neben­wi­der­spruchs­den­kens

https://​links​un​ten​.indy​me​dia​.org/​d​e​/​n​o​d​e​/​1​76357

Eine „Revolution“, bei der ich nicht denken darf, ist nicht meine – Einige Worte zum Berliner CSD-Wochenende 2011

.

Als queer noch revo­lu­tio­när, aggres­siv und män­ner­feind­lich war – und sein durfte

.

(Quelle: http://​ein​blog​.blog​sport​.de/)

und

Zwei Orte, zwei Län­der, zwei The­men, eine Zeit, eine These: Für einen femi­nis­ti­schen Anti-​​Humanismus in der Theo­rie!

sowie

Gegen den Kult ver­meint­lich authen­ti­scher „Erfah­run­gen“ und ver­meint­lich rei­ner, theo­rie­lo­ser „Fak­ten“

Die Ein­zel­nen sind Geschöpfe der gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nisse (NICHT authen­ti­sche SUB­JEKTE), und die gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nisse sind wider­sprüch­lich

Wider­stand und Ler­nen aus „Erfah­run­gen“ kommt NICHT aus dem Inne­ren von SUB­JEK­TEN, son­dern aus der Kon­fron­ta­tion von wider­sprüch­li­chen Erfah­run­gen von sub-​​jekten mit gesell­schaft­lich pro­du­zier­ten Begrif­fen und Dis­kur­sen

Kri­tik essen­tia­lis­ti­scher Iden­ti­täts­po­li­tik

PS.:

Wahr gespro­chen:

http://​www​.mys​pace​.com/​r​a​v​e​p​i​e​t​/​b​l​o​g​/​4​8​9​2​58676

Wenn ich nicht Tan­zen kann ist es nicht meine Revo­lu­tion

Und die Band spielt wei­ter

Sind Par­tys bes­sere Demos oder tan­zen wir uns ins Ecstasy-​​Exil? Von Ivo Bozic

„Wenn ich nicht tan­zen kann, ist es nicht meine Revo­lu­tion“, sagte die Anar­chis­tin Emma Gold­man einst; ein Sprüch­lein, das spe­zi­ell von Auto­no­men gerne zitiert wird, um dem Klas­sen­kampf­ma­chismo der MLer etwas ent­ge­gen­zu­set­zen. Aber ist jeder Tanz gleich eine Revo­lu­tion? Oder anders gefragt: Kann sich die Linke zum Sieg fei­ern? Was ist über­haupt poli­tisch an einer Party? Und muß oder kann Poli­tik eigent­lich amü­sant sein? (mehr…)

Zwei Orte, zwei Länder, zwei Themen, eine Zeit, eine These: Für einen feministischen Anti-Humanismus in der Theorie!

Tovi Vail fragte in ihrem Fan­zine Jigsaw „die Frauen in Inter­views, wie sich als Musi­ke­rin­nen füh­len und sol­che Sachen. Für mich war das ein­zig­ar­tig, denn in allen Semi­na­ren am Col­lege, die ich besuchte hieß es immer: ‚Weißt Du, Men­schen sind Men­schen, wir sind alle gleich. Ganz egal, ob du ein Junge oder ein Mäd­chen bist.’ Und sie merkte an, dass es sehr wohl einen Unter­schied gibt, den du vor allem als Mäd­chen zu spü­ren bekommst.“

Cover: Peglow/Engelmann (Hg.), Riot Grrrl Revisited

Interview-​​Zitat in:
Julia Dow­nes, There’s A Riot Going On. Geschichte und Ver­mächt­nis von Riot Grrrl, in: Katja Peg­low /​ Jonas Engel­mann (Hg.), Riot Grrrl Revi­si­ted. Geschichte und Gegen­wart einer femi­nis­ti­schen Bewe­gung, Ven­til Ver­lag: Mainz, 2011, 18 – 50 (24).

„von ‚men­schen’ zu spre­chen, negiert die gesamte ausbeutungs-​​ und gewalt­hier­ar­chie im impe­ria­lis­ti­schen patri­ar­chat.“
Femi­nis­ti­sche Kri­tik (1993)
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​1​/​0​4​/​2​1​/​d​o​k​u​-​e​i​n​e​-​f​e​m​i​n​i​s​t​i​s​c​h​e​-​k​r​itik/

Raus aus der Sackgasse des festgefahrenen Konflikts zwischen „Antideutschen“ und „AntiimperialistInnen“

I.

„Man lese dazu ein­mal anti­deut­sche Texte. […]. Wo eine Kri­tik an der ein­sei­ti­gen und unsen­si­blen (weil unter Außer­acht­las­sen des eige­nen Stand­orts, näm­lich dem Land der Shoah) Palästina-​​Solidarität drin­gend ist, keh­ren sie deren Argu­men­ta­ti­ons­mus­ter um und ver­lan­gen eine unkri­ti­sche Soli­da­ri­tät mit Israel als der Zufluchts­stätte für die Opfer des Anti­se­mi­tis­mus. Sie blen­den dabei aus, daß Israel eben nicht nur Refu­gium für Juden und Jüdin­nen ist, son­dern auch ein ganz nor­ma­ler Natio­nal­staat und des­wei­te­ren ein Staat, der einen Anteil daran hat (aber kei­nes­wegs allein dafür ver­ant­wort­lich zu machen ist), daß er immer noch nicht in Frie­den mit sei­nen Nach­barn lebt. Israel ist eine his­to­ri­sche Not­wen­dig­keit, es besteht jedoch keine Ursa­che Israel zu glo­ri­fi­zie­ren. […].
Aber auch ihr selbst erwähl­ter Con­tre­part (selbst­ge­wählt von bei­den Sei­ten), die sog. Anti­imps (nach der gegen­wär­ti­gen Ver­wen­dung die­ses Begriffs für Anhän­ge­rIn­nen einer sehr tra­di­tio­nel­len und zumeist unkri­ti­schen Soli­da­ri­tät mit den ver­schie­dens­ten anti­im­pe­ria­lis­ti­schen Bewe­gun­gen welt­weit), ist wenig mehr als die andere Seite die­ser Medaille: […]. Die­ses Spek­trum steht moder­ne­ren For­men des Anti­se­mi­tis­mus hilf­los gegen­über: Der hier immer wie­der ange­führte Ver­gleich ein­zel­ner Facet­ten der israe­li­schen Besat­zungs­po­li­tik mit den Ver­bre­chen des deut­schen Faschis­mus bestärkt let­zend­lich all jene, die die deut­schen Ver­bre­chen mit der ‚Erkennt­nis‘ ver­harm­lo­sen möch­ten, wo anders gehe es doch eben­falls recht übel zur Sache. Nie­mals wurde in die­sen Krei­sen zur Kennt­nis genom­men, wie sehr die NS-​​Vergleicherei in der deut­schen Bevöl­ke­rung einer Schuld­ab­wehr dient. […].
Beide Sei­ten sind in ihren Äuße­run­gen und ihrem Han­deln stark mora­lisch und weit weni­ger als sie sel­ber sich gern dar­stel­len von einer kri­ti­schen Gesell­schafts­ana­lyse geprägt. Hin­ter ihrer Par­tei­nahme für jeweils eine Seite des Israel-​​Palästina-​​Konflikts ver­schwin­den Aus­ein­an­der­set­zun­gen in unse­rer Gesell­schaft zwar nicht voll­stän­dig, wer­den aber zur Rand­er­schei­nung. Die mora­lisch fun­dierte Par­tei­nahme ent­we­der für „die“ Paläs­ti­nen­se­rIn­nen oder „die“ Israe­lis führt zu einem Aus­trag eines stell­ver­tre­ten­den Nahost-​​Konflikts in der BRD, wie er absur­der nicht sein könnte. Beide Sei­ten ver­ste­cken sich hin­ter Natio­nal­staa­ten resp. Natio­nal­staats­grün­dungs­or­ga­ni­sa­tio­nen und sind in derem bür­ger­li­chen Den­ken gefan­gen. Auf der einen Seite Ver­herr­li­chung der impe­ria­lis­ti­schen Staa­ten als „Zivi­li­sa­tion“, auf der ande­ren Seite ein völ­lig ver­lot­ter­ter Halb­mar­xis­mus, der bes­ten­falls auf die Unter­stüt­zung staats­ka­pi­ta­lis­ti­scher Elends­ver­wal­tung hin­aus­läuft. […].
Beide Sei­ten der Medaille sind auch ein Aus­fluß der der­zei­ti­gen Per­spek­tiv­lo­sig­keit links­ra­di­ka­ler Poli­tik. Die Anti­deut­schen haben dar­aus den Schluß gezo­gen, daß, wenn es mit der (welt)revolutionären Ver­än­de­rung schon kei­nen Zweck mehr habe, mensch wenigs­tens ver­hin­dern solle, daß sich das schlimmste Mensch­heits­ver­bre­chen der Moderne – der Holo­caust – wie­der­hole. Die­ses ehren­werte Anlie­gen wurde von eini­gen Akteu­rIn­nen im Laufe der Zeit in eine Lob­by­ar­beit für die israe­li­sche Regie­rungs­po­li­tik über­führt und damit der Lächer­lich­keit preis­ge­ge­ben. Eine ernst­hafte Ana­lyse und Bekämp­fung des real exis­tie­ren­den Anti­se­mi­tis­mus hier­zu­lande fin­det in die­sen Krei­sen längst nicht mehr statt. […]. Aber auch die Anti­imps haben ihre Kom­pen­sa­tion der hie­si­gen uner­freu­li­chen Zustände durch die Pro­jek­tion ihres roman­tisch ver­klär­ten bewaff­ne­ten Kamp­fes auf alles, was irgendwo in der Welt knallt und schießt, gefun­den. Dabei las­sen sie all­zu­gern außer acht, was da für Akteu­rIn­nen auf dem Platz ste­hen. Es sollte doch eigent­lich selbst­ver­ständ­lich sein, daß, wenn man sich irgend­wie auf Paläs­tina bezieht, mit­ge­dacht wer­den muß, daß die dor­ti­gen Haupt­be­tei­lig­ten des ‚Wider­stands‘ eben die faschis­to­iden Isla­mis­tIn­nen der Hamas sind. Wer das unter­schlägt oder gar mit der Parole ver­tei­digt, diese seien ‚objek­tiv anti­im­pe­ria­lis­tisch‘, weil sie eben gegen Israel und die USA kämpf­ten, hat das Ziel einer befrei­ten Gesell­schaft aus den Augen ver­lo­ren.“

[Quelle:
Anar­chis­ti­sche Gruppe/​Rätekommunisten (AG/​R), Sze­ne­pe­ris­tal­tik. Gegen lin­ken Kon­ser­va­tis­mus – zum stän­di­gen Gezänk zwi­schen Anti­deut­schen und Anti­imps [Jan. 2010])

II. (mehr…)

RUMMOTZEN stellt Fragen zur Feministischen Kritik

Rum­mot­zen zitiert einige Absätze aus der Femi­nis­ti­schen Kri­tik und wirft dann fol­gende Fra­gen auf:

„Wie ste­hen wir Frauen zur Gewalt?
Kön­nen wir eine neue Gewalt­de­batte eröff­nen?
Was heißt ,,Gewalt“ als Rebel­lion von unten, wel­che Kon­se­quen­zen wür­den wir zie­hen?
Wenn die ,,Frau“ oder die ,,Klasse“ als solche,,abgeschafft“ wird und statt­des­sen der Mensch in sei­ner Sub­jek­ti­vi­tät ver­bleibt und einen Ein­zel­kampf füh­ren muss, ist es eine Negie­rung aller Gewalt, die immer­noch an dem Kol­lek­tiv der Frauen bzw. der Klasse geschieht?“

(http://​baum​derg​lu​eck​se​lig​keit​.blog​sport​.de/​2​0​1​1​/​0​4​/​2​8​/​e​i​n​e​-​f​e​m​i​n​i​s​t​i​s​c​h​e​-​k​r​i​t​i​k​-​a​u​s​z​uege/)

Vgl. zu dem Thema auch mei­nen Text:
Gegen den Strom. Ver­such einer Aktua­li­sie­rung der „Feministische[n] Kri­tik“ von 1993.

Moral, Politik und Wissenschaft

- aus einer Face­book-Dis­kus­sion -

zu http://​www​.fr​-online​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​-​w​i​c​h​t​i​g​-​f​u​e​r​-​d​i​e​-​m​o​r​a​l​-​/​-​/​1​4​7​2​5​9​6​/​7​5​0​8​9​7​2​/​-​/​i​n​d​e​x​.html (Inter­view mit dem „Moral-Experte[n] Richard David Precht“)

Theo­rie Als Pra­xis: Wo liegt denn nun das Argu­ment in die­sem Text?

„Es gibt aus­ge­spro­chene und manch­mal unaus­ge­spro­chene Anstands­re­geln der Poli­tik, die man unter ande­rem daran able­sen kann, aus wel­chen Grün­den in Deutsch­land Minis­ter zurück­tre­ten muss­ten. Ich denke an Jür­gen Möl­le­mann, der wegen eines Emp­feh­lungs­schrei­bens für Plas­tik­chips in Ein­kaufs­wa­gen zurück­ge­tre­ten war. Und wenn jetzt ein viel gra­vie­ren­de­rer Ver­stoß gegen die guten Sit­ten und das Recht nicht geahn­det wird, dann ver­schiebt sich die Grenze des­sen, was man für NOR­MAL hält. Kanz­le­rin Mer­kels Hin­weis, sie habe kei­nen wis­sen­schaft­li­chen Assis­ten­ten ein­ge­stellt, bedeu­tet also, sie beur­teilt NICHT MEHR DIE GANZE PER­SON, son­dern nur noch eine Ein­zel­qua­li­fi­ka­tion. Das aber öffnet der Unmo­ral Tür und Tor. Angela Mer­kel hat damit den Ver­such unter­nom­men, eine mora­li­sche Grenze deut­lich zu ver­schie­ben. Und es ist gut, dass das nicht unge­ahn­det geblie­ben ist.“

-- Ist „nor­mal“ ein Argu­ment? Ist das, was nor­mal ist, auch das Gute?

-- Ist „Moral“ und „Unmo­ral“ etwas Ein­deu­ti­ges.? Nein, Precht müßte über­haupt erst ein­mal sei­nen Ver­ständ­nis von Moral und Unmo­ral expli­zie­ren und begrün­den – und dann könnte dis­ku­tiert wer­den, wie gemes­sen daran der Fall Gut­ten­berg zu beur­tei­len ist.

-- Recht hat Precht aber mit: „Sie hat dem Druck der öffent­li­chen Mei­nung nach­ge­ge­ben, ins­be­son­dere dem Druck, der von der Intel­li­genz kam, aus den Uni­ver­si­tä­ten und der Wis­sen­schaft.“ – Aber das ist genau das Pro­blem an der gan­zen der Geschichte, ein aka­de­mi­scher Abschluß ist KEIN poli­ti­sches Argu­ment:
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​1​/​0​3​/​0​3​/​w​e​i​l​-​l​e​s​e​n​-​b​i​l​d​e​n​-​kann/
und
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​1​/​0​3​/​0​1​/​n​a​c​h​-​d​e​m​-​a​b​g​a​n​g​-​d​e​s​-​s​y​m​p​t​o​m​s​-​e​i​n​e​-​o​f​f​e​n​h​e​r​z​i​g​e​-​a​n​t​w​o​r​t​-​a​n​-​3​0​-​0​0​0​-​d​t​-​a​k​a​d​e​m​i​k​e​r​i​nnen/

Theo­rie Als Pra­xis: ‎“Was spricht eigent­lich gegen Moral, ethi­sche Begriffe, Huma­ni­tät usw.?“

http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​1​9​9​1​/​1​2​/​0​1​/​s​o​z​i​a​l​i​s​t​i​s​c​h​e​r​-​h​u​m​a​n​i​s​m​u​s​-​a​u​t​o​n​o​m​e​r​-​h​u​m​a​n​i​s​m​u​s​-​o​d​e​r​-​g​a​r​-​k​e​i​n​-​h​u​m​a​n​i​smus/

use­rin 1, die FR-​​Interview ver­linkte: sorry, aber eure Fra­gen sind teil­weise ein­fach dumm, indem sie ver­su­chen zu negie­ren, dass es so etwas wie gesell­schaft­li­chen Kon­sens gibt. Was als „nor­mal“ erach­tet wird, ver­schiebt sich inner­halb einer Gesell­schaft auf der Zeit­schiene – trotz­dem gibt es immer einen Kon­sens dar­über, wel­ches Spek­trum gerade als nor­mal betrach­tet wird. Durch beson­ders gra­vie­rende Ereig­nisse (oder erfolg­rei­che Tabu­brü­che) kann „nor­mal“ auch mal schnel­ler als im Lauf der Zeit ver­scho­ben wer­den – was dem Zusam­men­le­ben der Gesell­schaft nicht unbe­dingt hilft, trotz­dem manch­mal wich­tig sein kann. Ihr wollt aber jetzt nicht behaup­ten, dass die Auf­nahme von Betrü­gen, Täu­schen und Lügen ins „Nor­male“ wich­tig wäre?

Theo­rie Als Pra­xis: Nein, letz­te­res selbst­ver­ständ­lich nicht.
Aber:
-- Es muß doch mal gefragt wer­den, ob Gut­ten­bergs Poli­tik oder viel­mehr – wie viele zu mei­nen schei­nen – seine Abschrei­be­rei bei sei­ner Diss. poli­tisch kri­ti­sie­rens­wer­ter ist.
-- Und eine auto­ri­täre Beru­fung auf inhalt­lich nicht aus­ge­wie­sene Nor­ma­li­tät oder Moral wird doch als METHODE nicht des­halb rich­tig, weil sie in einem Ein­zel­fall ange­wen­det wird, wo es viel­leicht durch­aus mög­lich wäre, Argu­mente zu nen­nen. – Nur macht das Precht nicht. Precht stellt sich als Moral-​​EXPERTE hin und behaup­tet irgend­et­was, sei unmo­ra­lisch.
-- Die Methode, Behaup­tun­gen als selbst­ver­ständ­lich oder unter Ver­weis auf Experten-​​Status der Dis­kus­sion zu ent­zie­hen, muß doch unab­hän­gig davon kri­ti­siert wer­den, ob einem/​r Gut­ten­berg nun sym­pa­thisch ist oder nicht /​ poli­tisch nahe­steht oder nicht.

user 2: Natür­lich ist ein aka­de­mi­scher Titel kein poli­ti­sches Argu­ment. Von den Kri­ti­kern kann auch kei­ner etwas dage­gen haben, wenn ein Mit­glied der Regie­rung kein Aka­de­mi­ker ist. Die­sen Zusam­men­hang haben auch nicht die Kri­ti­ker, son­dern Frau Mer­kel und der Bou­le­vard her­vor­ge­bracht.
Dies war auch nie der Punkt der Kri­tik. Gut­ten­berg hat fort­ge­setzt gelo­gen, betro­gen, Infor­ma­tio­nen zurück­ge­hal­ten, falsch infor­miert und stets andere geop­fert, wenn der Druck auf ihn – auf­grund eige­ner poli­ti­scher Fehl­leis­tun­gen – zu groß wurde. Für einen Minis­ter, einen Ade­li­gen zumal, dür­fen keine ande­ren Maß­stäbe gel­ten, als für jeden ande­ren sonst auch.

Theo­rie Als Pra­xis: Ja, aber es sagt doch etwas über die ent-​​politisierende Wir­kung der­ar­ti­ger per­so­na­li­sie­ren­der Skandal-​​Diskussionen aus, wenn nicht die Regie­rung wegen ihrer hoch offi­zi­el­len und all­ge­mein bekann­ten Kriegs-​​ und sons­ti­gen Poli­tik gestürzt wird, wenn Gut­ten­berg nicht ein­mal wegen sei­ner Infor­ma­ti­ons­po­li­tik zu Kun­dus usw., son­dern wegen die­ser aka­de­mi­schen Ange­le­gen­heit gestürzt wird.
Und:
Die (wis­sen­schaft­li­chen) Maß­stä­ben sind ja im all­ge­mei­nen gar nicht so streng (was selbst­ver­ständ­lich kri­ti­sie­rens­wert ist), wie jetzt im Fall von Gut­ten­berg getan wird.
DIESE tat­säch­li­che Dop­pel­mo­ral (und viel­leicht auch jene Ver­schie­bung – aber das wohl weni­ger) bringt den Bou­le­vard so gegen die Guttenberg-​​KritikerInnen auf.
Siehe auch noch:
„Und jetzt bitte eine offi­zi­elle Ent­schul­di­gung an die Welt der Wis­sen­schaft, Frau Mer­kel!“,
Abschnitt „Gegen Bil­dungs­eli­tis­mus, für poli­ti­sche Kri­tik an Gut­ten­berg und für Selbst­kri­tik des Wis­sen­schafts­be­triebs“:
http://​de​.gut​ten​plag​.wikia​.com/​w​i​k​i​/​F​o​r​u​m​:​U​n​d​_​j​e​t​z​t​_​b​i​t​t​e​_​e​i​n​e​_​o​f​f​i​z​i​e​l​l​e​_​E​n​t​s​c​h​u​l​d​i​g​u​n​g​_​a​n​_​d​i​e​_​W​e​l​t​_​d​e​r​_​W​i​s​s​e​n​s​c​h​a​f​t​,​_​F​r​a​u​_​M​e​r​k​e​l​!​#​G​e​g​e​n​_​B​i​l​d​u​n​g​s​e​l​i​t​i​s​m​u​s​.​2​C​_​f​.​C​3​.​B​C​r​_​p​o​l​i​t​i​s​c​h​e​_​K​r​i​t​i​k​_​a​n​_​G​u​t​t​e​n​b​e​r​g​_​u​n​d​_​f​.​C​3​.​B​C​r​_​S​e​l​b​s​t​k​r​i​t​i​k​_​d​e​s​_​W​i​s​s​e​n​s​c​h​a​f​t​s​b​e​t​riebs

use­rin 3: ‎@Theorie: die gefälschte Dok­tor­ar­beit war keine Lap­pa­lie und auch keine Neben­sa­che. Außer­dem warte ich immer noch auf eine Auf­ar­bei­tung der Kun­dus und Gorch-​​Fock Affäre! Hier ging es näm­lich um mili­tä­ri­sche Fehl­ent­schei­dun­gen die Men­schen­le­ben for­der­ten! Gut­ten­berg hat es immer wie­der geschafft sich aus den Affä­ren her­aus zu zie­hen indem er sie auf die lange Bank schob. Im gehei­men dachte er, dass die Leute es mit der Zeit ver­ges­sen wer­den! Auch er wollte dem Volk ein „Dummheits-​​Koeffizient“ zuschrei­ben. Mit sei­ner geklau­ten bzw. gekauf­ten Dr. Arbeit war dann aber Schluss!
vor 6 Stun­den · Gefällt mir · 2 Per­so­nen

user 4: Was ist Moral? Gesell­schaft­li­cher Kon­sens oder aber eine tief im Mensch­li­chen ver­wur­zelte Größe, deren Wert, Rele­vanz und Halt­bar­keit zwar nicht wirk­lich zur Dis­po­si­tion ste­hen, sehr wohl aber durch die täg­li­chen Ereig­nisse, den soge­nann­ten Zeit­geist oder durch metho­di­sche Unter­wan­de­rung aus­ge­höhlt und abge­schlif­fen wer­den, um nach­träg­lich in apo­lo­gis­ti­scher Absicht in ihrer atro­phier­ten Form zum Kon­sens sti­li­siert zu wer­den?

Theo­rie Als Pra­xis:„die gefälschte Dok­tor­ar­beit war keine Lap­pa­lie und auch keine Neben­sa­che.“
Ja, wis­sen­schaft­lich war es kein Lap­pa­lie – ver­gli­chen mit der in fast aller Offen­her­zig­keit ver­tre­te­nen offi­zi­el­len Regie­rungs­po­li­tik schon.

„Außer­dem WARTE ich immer noch auf eine Auf­ar­bei­tung der Kun­dus und Gorch-​​Fock Affäre!“
Diese The­men dürf­ten aller­dings FAK­TISCH mit dem Rück­tritt Gut­ten­bergs ent­we­der end­gül­tig vom Tisch sein oder aber – mit der­sel­ben zyni­schen Logik, mit der der Wes­ten mit Mili­tär­dik­ta­to­ren wie Pino­chet abrech­net, NACH­DEM sie ihre pro-​​westliche Schul­dig­keit getan haben – erfol­gen, was auch nicht bes­ser wäre.

„Gut­ten­berg hat es immer wie­der geschafft sich aus den Affä­ren her­aus zu zie­hen indem er sie auf die lange Bank schob.“
Aber wie gesagt: Zum Rück­tritt führte nicht die poli­ti­sche Kri­tik an sei­ner Poli­tik, son­dern Kri­tik auf einem Neben­kriegs­schau­platz.

„Auch er wollte dem Volk ein ‚Dummheits-​​Koeffizient‘ zuschrei­ben. Mit sei­ner geklau­ten bzw. gekauf­ten Dr. Arbeit war dann aber Schluss!“
Nur ist es ten­den­zi­ell das gemeine Volk, das zu Gut­ten­berg hält, wäh­rend es die sich selbst so bezeich­nende „Bil­dungs­elite“* ist, die Gut­ten­bergs Agie­ren auf dem aka­de­mi­schen Feld zum Anlaß einer poli­ti­schen Kam­pa­gne machte.

* http://​de​.gut​ten​plag​.wikia​.com/​w​i​k​i​/​F​o​r​u​m​:​U​n​d​_​j​e​t​z​t​_​b​i​t​t​e​_​e​i​n​e​_​o​f​f​i​z​i​e​l​l​e​_​E​n​t​s​c​h​u​l​d​i​g​u​n​g​_​a​n​_​d​i​e​_​W​e​l​t​_​d​e​r​_​W​i​s​s​e​n​s​c​h​a​f​t​,​_​F​r​a​u​_​M​erkel!

Siehe auch noch zu wei­te­rer Kri­tik an mei­ner Posi­tion:
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​1​/​0​3​/​0​1​/​n​a​c​h​-​d​e​m​-​a​b​g​a​n​g​-​d​e​s​-​s​y​m​p​t​o​m​s​-​e​i​n​e​-​o​f​f​e​n​h​e​r​z​i​g​e​-​a​n​t​w​o​r​t​-​a​n​-​3​0​-​0​0​0​-​d​t​-​a​k​a​d​e​m​i​k​e​r​i​n​n​e​n​/​#​c​o​m​m​e​n​t​-4619 + Ant­wort

Theo­rie Als Pra­xis: ‎@ Wolf­gang Grün­wald: Wenn Du die Frage SO stellst, eher das ers­tere, als das zwei­tere.
Tat­säch­lich ist Moral aber weder ein bloß aktu­el­ler „gesell­schaft­li­cher Kon­sens“ noch eine „tief im Mensch­li­chen ver­wur­zelte Größe“, son­dern immer zwi­schen den ver­schie­de­nen gesell­schaft­li­chen Grup­pen und poli­ti­schen Grup­pie­run­gen UMSTRIT­TEN.
„Moral“ ist also keine Begrün­dung, son­dern selbst begründungs-​​ (argumentations-​​) -bedürf­tig.

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Ergän­zen­der Hin­weis zu stra­te­gi­schen Fra­gen:

http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​1​/​0​3​/​0​1​/​n​a​c​h​-​d​e​m​-​a​b​g​a​n​g​-​d​e​s​-​s​y​m​p​t​o​m​s​-​e​i​n​e​-​o​f​f​e​n​h​e​r​z​i​g​e​-​a​n​t​w​o​r​t​-​a​n​-​3​0​-​0​0​0​-​d​t​-​a​k​a​d​e​m​i​k​e​r​i​n​n​e​n​/​#​c​o​m​m​e​n​t​-4625:

„Ich hatte mich hier ja schon mehr­fach als vehe­mente Ver­tei­di­ge­rIn von Bünd­nis­po­li­tik und Kom­pro­mis­sen geou­tet, aber ich hatte auch immer dazu­ge­sagt: bei vol­ler Wah­rung der Frei­heit der eige­nen Agi­ta­tion und Pro­pa­ganda.
Viel bes­ser wäre gewe­sen, einen gemein­sa­men Brief zu ver­fas­sen, der sich auf die schlichte Rück­tritts­for­de­run­gen beschränkt (dann wäre ich sogar als 30.001. hin­zu­ge­kom­men) – und dann gibt es dazu je unter­schied­li­che indi­vi­du­elle oder frak­tio­nelle Begrün­dun­gen.“

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Als refer­rer gefun­den:

http://​www​.for​schungs​ma​fia​.de/​b​l​o​g​/​2​0​1​1​/​0​3​/​0​2​/​g​u​t​t​e​n​b​e​r​g​-​f​a​u​l​e​s​-​z​w​e​i​t​g​u​t​a​c​h​t​e​n​/​#​c​o​m​m​e​n​t​-3478:

„Hier trägt jemand, der noch läng­li­cher schreibt als du ;-) , inter­es­sante Kri­tik an den brie­fe­schrei­ben­den Dok­to­ran­den und am Wis­sen­schafts­be­trieb vor:
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​1​/​0​3​/​0​1​/​n​a​c​h​-​d​e​m​-​a​b​g​a​n​g​-​d​e​s​-​s​y​m​p​t​o​m​s​-​e​i​n​e​-​o​f​f​e​n​h​e​r​z​i​g​e​-​a​n​t​w​o​r​t​-​a​n​-​3​0​-​0​0​0​-​d​t​-​a​k​a​d​e​m​i​k​e​r​i​nnen/“ (link hin­ter „du“ hin­zu­ge­fügt, TaP)

Bombard the Headquarters of the Philosopher Kings, or: Do we leave them their old age home in the Ivory tower of universalism?

What’s the deal with “The Idea of Com­mu­nism”? – that’s the ques­tion you might want to ask after the con­clu­sion of the com­mu­nism con­fe­rence that met under that very name at the Volks­bűhne in Ber­lin. One thing is for sure: at the con­gress the uni­ver­sal in con­tra­dis­tinc­tion to the par­ti­cu­lar was ever pre­sent. And some­thing struc­tu­ral was evi­dent too: among 17 pre­sen­ters there was only one woman.

In the fol­lo­wing I docu­ment my – slightly revi­sed and expan­ded – state­ment in the clo­sing dis­cus­sion of the con­gress.

The uni­ver­sal was the domi­nant theme of the con­gress. In that con­nec­tion, most of the pre­sen­ters plead for the uni­ver­sal, com­mo­na­lity, equa­lity and dis­played a dis­dain of the par­ti­cu­lar. There was cri­ti­cism [… more at: http://​qli​poth​.blog​spot​.de/​2​0​1​0​/​0​7​/​i​d​e​a​-​o​f​-​c​o​m​m​u​n​i​s​m​-​f​r​o​m​-​t​o​-​z​.html]

Bombardiert das Hauptquartier der Philosophen-Könige

English ver­sion: http://​qli​poth​.blog​spot​.com/​2​0​1​0​/​0​7​/​i​d​e​a​-​o​f​-​c​o​m​m​u​n​i​s​m​-​f​r​o​m​-​t​o​-​z​.html

oder: Las­sen wir ihnen ihren Alters­sitz im Elfen­bein­turm des Uni­ver­sa­lis­mus?

Was hat es auf sich mit der „Idee des Kom­mu­nis­mus“? – so läßt sich nach Abschluß der Kommunismus-​​Konferenz in der Ber­li­ner Volks­bühne, die unter eben die­sem Titel tagte, fra­gen. Fest­stel­len läßt sich eines: Beim Kon­greß war das Uni­ver­selle gegen­über dem Par­ti­ku­la­ren stets prä­sent. Und etwas Struk­tu­rel­les fiel auf: Unter 17 Refe­ren­tIn­nen gab es nur eine Frau.1

Ich doku­men­tiere im Fol­gen­den mein – leicht über­ar­bei­te­tes und erwei­ter­tes – State­ment in der Abschluß­dis­kus­sion des Kon­gres­ses.

Das Uni­ver­selle war das beherr­schende Thema des Kon­gres­ses. Dabei plä­dier­ten die meis­ten Refe­ren­tIn­nen für das Uni­ver­selle, die Gemein­schaft, die Gleich­heit und zeig­ten eine Gering­schät­zung des Par­ti­ku­la­ren. Aus dem Publi­kum gab es Kri­tik, und ande­ren unter ande­rem mit dem Ver­weis auf Marx’ Kri­tik des Gothaer Pro­gramms, wo Marx den Kom­mu­nis­mus nicht durch die Gleich­heit, son­dern durch die Befrie­di­gung der unter­schied­li­chen Bedürf­nisse cha­rak­te­ri­siert sah (‚Jedem nach sei­nen Bedürf­nis­sen.’). Lenin stimmte dem in Staat und Revo­lu­tion vehe­ment zu, und erklärte die Gleich­set­zung von Kom­mu­nis­mus und Gleich­heit für eine Ver­zer­rung des Kom­mu­nis­mus durch „bür­ger­li­che Pro­fes­so­ren“. Waren die Refe­ren­tIn­nen der Kon­fe­renz eben sol­che? (mehr…)

Antifranquismus mittels Recht? – Die neuste publicity für Richter Garzón

Die fol­gende Erklä­rung mit dem Titel „Das Pro­blem ist nicht Gar­zón. Das Pro­blem war die Tran­si­tion“ wurde mit Datum von Mitt­woch (21.04.2010) auf der home­page der spa­ni­schen, in trotz­kis­ti­scher Tra­di­tion ste­hen­den Par­tei Anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Linke ver­öf­fent­licht.

Sie beschäf­tigt sich mit fol­gen­dem Vor­gang:

„Im Sep­tem­ber 2008 eröff­nete Gar­zón [aus dem Pinochet-​​Verfahren von Ende der 1990er Jahre und zahl­rei­chen ETA-​​Verfahren auch inter­na­tio­nal bekann­ter Ermitt­lungs­rich­ter an der als Son­der­ge­richt für poli­ti­sche Straf­sa­chen geschaf­fe­nen Audi­en­cia Nacio­nal, TaP] ein Ver­fah­ren wegen Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit gegen zahl­rei­che hohe Ent­schei­dungs­trä­ger des Franco-​​Regimes […]. Ein gro­ßes und kon­tro­ver­ses Medi­en­echo fand dabei ins­be­son­dere seine Anord­nung, 19 über das ganze Land ver­teilte Mas­sen­grä­ber aus der Früh­phase des Fran­quis­mus zu öffnen, […]. Diese Maß­nahme wurde jedoch vom Ple­num der Audi­en­cia Nacio­nal in einer Mehr­heits­ent­schei­dung gestoppt. Gar­zón selbst hatte zuvor seine Unzu­stän­dig­keit erklärt, da alle Tat­ver­däch­ti­gen bereits ver­stor­ben seien, und die Fort­set­zung von Unter­su­chun­gen über die Ver­schwun­de­nen des Fran­quis­mus den loka­len und regio­na­len Gerich­ten über­las­sen. Den­noch erhob die rechts­ex­treme Beam­ten­ge­werk­schaft Manos Lim­pias 2009 Klage [es dürfte sich viel­mehr um eine Straf­an­zeige han­deln; nicht um eine Zivil­klage, da von ‚Rechts­beu­gung’ gespro­chen wird; TaP] wegen Rechts­beu­gung gegen Gar­zón, da die­ser mit der Ein­lei­tung von Ermitt­lun­gen gegen bereits ver­stor­bene Per­so­nen seine Kom­pe­ten­zen über­schrit­ten habe. Obwohl die Staats­an­walt­schaft sich dage­gen aus­ge­spro­chen hatte, wurde diese Klage [s.o, TaP]1 Ende Mai 2009 vom obers­ten spa­ni­schen Gerichts­hof zuge­las­sen. Spä­ter schloss sich ihr auch die Falange Española an, eine rechts­ex­treme Klein­par­tei, die den Namen der fran­quis­ti­schen Staats­par­tei über­nom­men hat. Anfang April 2010 beschloss Ermitt­lungs­rich­ter Luciano Varela die Ein­lei­tung des Haupt­ver­fah­rens, das gege­be­nen­falls mit einem Berufs­ver­bot für Gar­zón enden könnte. Dies führte sowohl inner­halb als auch außer­halb Spa­ni­ens zu hef­ti­ger Kri­tik von links­li­be­ra­len Medien, etwa der New York Times oder der Süd­deut­schen Zei­tung. Spa­ni­sche Opfer­ver­bände erho­ben ihrer­seits Klage wegen Rechts­beu­gung gegen Varela.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Baltasar_Garzón#Franquismus)

Mit Hilfe eini­ger Hin­weise von Mit­glie­dern der Facebook-​​Gruppe der Anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Lin­ken Cádiz konnte ich eine Rohüber­set­zung der Erklä­rung erstel­len (s. unten). Etwaige Hin­weise von Lese­rIn­nen auf Feh­ler oder sti­lis­ti­sche Ver­bes­se­rungs­mög­lich­kei­ten würde ich gerne noch berück­sich­ti­gen.

Im Anschluß an die Erklä­rung fin­den sich einige Anmer­kun­gen von mir zu dem Ver­fah­ren; in die­ser .pdf-​​Datei befin­det sich eine zwei­spal­tige Syn­opse der Erklä­rung der Anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Lin­ken mit dem kas­ti­li­schen Ori­gi­nal­text und mei­ner Rohüber­set­zung.

Ich stimme der Erklä­rung grund­sätz­lich zu, denke aber, daß es not­wen­dig ist, an eini­gen Punk­ten die Vor­be­halte gegen­über Gar­zón und der Unter­stüt­zung wei­ter Teile der libe­ra­len und lin­ken Öffent­lich­keit für ihn noch deut­li­cher zu for­mu­lie­ren.

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Wissenschaft – Ethik – Politik


- aus Anlaß der Dis­kus­sion über Inter­se­xua­li­tät und die angeb­li­che aus­schließ­li­che Exis­tenz zweier Geschlech­ter -
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Mathilde antwortete neuer Bürgersorte

Der Text:

Spät, aber nicht zu spät? Über­le­gun­gen zum Interview-​​Buch zum Autonomie-​​Kongreß

Junge, leni­nis­ti­sche Maus ant­wor­tet altern­dem, auto­no­men Ele­phan­ten

erschien in: inte­rim Nr. 329, 27.04.1995, 4 – 8.

Ich stelle nun – u.a. aus Anlaß des Auto­no­men Kon­gres­ses, der vom 09. – 11.10.2009 in Ham­burg fin­det, – eine .pdf-​​Bild-​​Datei des Tex­tes im Original-​​Layout zur Ver­fü­gung; außer­dem eine durch­such­bare .pdf-​​Text-​​Datei, bei der alle Sei­ten­um­brü­che sowie – mit zwei Aus­nah­men (S. 3 von Sp. 2 zu Sp. 3 und S. 4 von Sp. 2 zu Sp. 3) – fast alle Spal­ten­um­brü­che mit dem Ori­gi­nal überein­stim­men (dafür mußte ich aller­dings ca. eine hand­voll Wör­ter zusätz­lich abkür­zen)

Auf S. 9 des Tex­tes heißt es:

„In die­sem Punkt sind sich alle Auto­no­men einig, eine Kri­tik der Waren, ein Lob des Men­schen und die These von der Herr­schaft durch (Medien)manipulation.“

Die­je­ni­gen, die immer noch humanistisch-​​philosophischen Posi­tio­nen anhän­gen, seien auf mei­nen alten Text „‚Sozia­lis­ti­scher Huma­nis­mus‘, auto­no­mer Huma­nis­mus oder gar kein Huma­nis­mus? Kri­ti­sche Anmer­kun­gen zur Renais­sance des Huma­nis­mus in der lin­ken Debatte“ ver­wie­sen; die­je­ni­gen, die immer noch der These von der Herr­schaft durch (Medien)manipulation anhän­gen, auf mei­nen neuen Text „Warum Ideo­lo­gie kein ‚not­wen­dig fal­sches Bewußt­sein‘ ist und aus einer Erkennt­nis nicht auto­ma­tisch eine bestimmte poli­ti­sche Hal­tung folgt“.

Ange­merkt sei noch, daß das Pseud­onym „Pro Kom­mu­nis­mus“ mei­ner Erin­ne­rung nach in den 90er Jah­ren von unter­schied­li­chen Auto­rIn­nen ver­wen­det wurde. -

Aus Anlaß des Auto­no­men Kon­gres­ses sei auch noch ein­mal auf den Rea­der „Auto­no­mie --- Orga­ni­sie­rung“ ver­wie­sen.

„Sozialistischer Humanismus“, autonomer Humanismus oder gar kein Humanismus?


Kri­ti­sche Anmer­kun­gen zur Renais­sance des Huma­nis­mus in der lin­ken Debatte

[Die Text wurde zuerst im Dez. 1991 in der PROWO. Linke Monats­zei­tung gegen die Ver­hält­nisse, Nr. 20, S. 6 ver­öf­fent­licht. Bleibt noch anzu­mer­ken, daß ich heute in kon­se­quen­te­rer Umset­zung der dama­li­gen Über­le­gun­gen statt „mensch“ bzw. – bei Ein­griff in Zita­ten „mensch“ – nun viel­mehr „man/​frau/​lesbe“ schreibe. S. dazu: 1. Bei­trag: Zum Namen und zur Funk­tion von „Theo­rie als Pra­xis“. Mich selbst würde ich mitt­ler­weile nicht mehr als „Ver­fas­ser“, son­dern als „Ver­fas­se­rIn“ adres­sie­ren. Auch ansons­ten könnte an ein paar Stel­len noch leicht nach­ge­bes­sert wer­den, wor­auf ich aber im Moment aus Zeit­grün­den ver­zichte.
Zu Res Strehle, von dem das erste vor­ge­stellte Zitat stammt, s. auch noch:
-- http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​1​9​9​1​/​0​9​/​2​0​/​a​u​t​o​n​o​m​e​-​p​o​l​i​t​o​e​k​o​k​o​n​omie/
-- http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​1​9​9​1​/​1​1​/​1​6​/​w​o​-​v​i​e​l​-​l​i​c​h​t​-​i​s​t​-​i​s​t​-​a​u​c​h​-​v​i​e​l​-​s​c​h​a​tten/
und
-- http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​1​9​9​1​/​1​0​/​1​5​/​d​e​f​i​z​i​t​e​-​s​i​n​d​-​d​a​z​u​-​d​a​-​u​m​-​b​e​h​o​b​e​n​-​z​u​-​w​e​rden/. Fol­gen­den Text gibt es dar­über hin­aus hier als .pdf-​​Text-​​Datei und hier als .pdf-​​Bild-​​Datei.]

„(…) es gibt doch eine huma­nis­ti­sche Posi­tion, die des­halb fun­da­men­tal gegen den Kapi­ta­lis­mus ist, weil Kapi­ta­lis­mus alles, also mensch­li­ches Leben, Sub­jek­ti­vi­tät, Natur, Sinn usw. auf Kapi­tal­ver­wer­tung hin faßt.“
Res Strehle in: PROWO 18, 8

„Unsere Vor­schläge für die alter­na­ti­ven Vor­stel­lun­gen der PDS und für ihre prak­ti­sche Poli­tik bezie­hen sich auf die Inhu­ma­ni­tät vie­ler Aspekte des kon­kre­ten All­tags in der kapi­ta­lis­ti­schen Bun­des­re­pu­blik (…).“
André Brie u.a. in: ND, 30.09.1991, 9

Diese bei­den Zitate sind nur zwei Bei­spiele für die jüngste Renais­sance des Huma­nis­mus in der Lin­ken. Viele wer­den fra­gen: Wor­auf soll denn diese Kri­tik hin­aus lau­fen? Was spricht eigent­lich gegen Moral, ethi­sche Begriffe, Huma­ni­tät usw.? Ist das nicht genau das, was wir als Linke wol­len – zumal mit dem „real exis­tie­ren­den Sozia­lis­mus“ gerade ein inhu­ma­nes, pseudo-​​linkes Sys­tem zusam­men­ge­bro­chen ist? Schreibt nicht Marx in der Kri­tik der Hegel­schen Rechts­phi­lo­so­phie, daß „alle Ver­hält­nisse umzu­wer­fen (sind), in denen der Mensch ein ernied­rig­tes, ein geknech­te­tes, ein ver­las­se­nes, ein ver­ächt­li­ches Wesen ist“[1]? Haben wir die­sen Satz nicht sel­ber schon zitiert?

Der Weg zur Hölle

Ja, und auch der Ver­fas­ser hat die­sen Marx-​​Satz schon ver­schie­dent­lich zitiert. Und es war falsch! Denn der „Weg zur Hölle ist“ bekannt­lich „breit, bequem und mit den bes­ten Vor­sät­zen gepflastert“[2]. Dafür nur zwei Bei­spiele: Die Zeit des Sie­ges­zu­ges von bür­ger­li­cher Auf­klä­rung und Huma­nis­mus war gleich­zei­tig eine Zeit bru­ta­ler Frau­en­un­ter­drü­ckung und die Zeit der Kolo­nia­li­sie­rung: So betei­ligte sich bspw. der fran­zö­si­sche Huma­nist und Rechts­ge­lehrte Jean Bodin (1529 – 1596) „selbst an den Fol­te­run­gen der Hexen“[3]. Und Vol­taire meinte: „Es gibt in jeder Men­schen­rasse wie bei Pflan­zen ein Prin­zip, das sie dif­fe­ren­ziert. Des­halb sind Neger Skla­ven der ande­ren Menschen.“[4] Das zweite Bei­spiel: „Ab 1935 lanciert(e) Sta­lin den ‚sozia­lis­ti­schen Huma­nis­mus’: (…)“[5]. Er sah die Klas­sen­ge­gen­sätze in der Sowjet­union sich „ver­wi­schen“. Dies sei „die Grund­lage der moralisch-​​politischen Ein­heit der Gesellschaft“[6]. Die Periode der „Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats“ sei been­det, die SU der „Staat gan­zen Volkes“[7]. Zeit­gleich tobte bekannt­lich die Massenrepression.[8]
Aber ist es nicht trotz­dem rich­tig, der­ar­tige mora­li­sche Ansprü­che beim Wort zu neh­men, sie gegen die gegen­tei­lige Pra­xis ein­zu­kla­gen? (mehr…)