Archiv der Kategorie 'Geschichte allg., spez. deutscher und span. Sonderweg'

23 Std. vor Veranstaltungs-/Konzert-Beginn: Ziemlich viel Unklarheit um MaKss Damage

Seit ges­tern wird auf der MaKss Damage-home­page mit­ge­teilt: „Anti­deut­sche Ras­sis­ten haben es anschei­nend geschafft den Gig am 7.8. (Rap ist Klas­sen­kampf) im ‚Fest­saal Kreuz­berg‘ zu unter­bin­den. Die Fest­saal­be­trei­ber haben unter dem Druck der impe­ria­lis­ti­schen Israel­fa­na­ti­ker den Schwanz ein­ge­zo­gen“1. Dies hört sich danach an, daß auf­grund des Wider­stan­des des Fests­saals Kreuz­berg die ganze Ver­an­stal­tung „Rap ist Klas­sen­kampf“ nicht statt­fin­den könne.
Der Fest­saal teilte frei­lich auf Anfrage mit, daß das Kon­zert statt­finde, aber MaKss Damage nach kon­sen­su­el­ler Ent­schei­dung von Fest­saal und den poli­ti­schen Ver­an­stal­ter­grup­pen nicht auf­tre­ten werde. Auf der Seite http://​ers​ter​mai​.nostate​.net/, auf die ARAB ver­weist, und auf der Seite von JANO ist MaKss Damage aber wei­ter­hin ange­kün­digt. Auf eine Anfrage von heute mit­tag haben beide Grup­pen (noch) nicht geant­wor­tet.

  1. http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​8​/​0​5​/​k​e​i​n​-​a​m​-​7​8​-​s​t​e​l​l​u​n​g​n​a​h​m​e​-​v​o​n-md/; http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​8​/​0​5​/​z​u​r​-​s​t​e​l​l​u​n​g​n​a​h​m​e​-​v​o​n-md/ [zurück]

Zur Stellungnahme von MD

Zu dem Text von MD sei fol­gen­des ange­merkt:

‚Ras­sis­ten ver­hin­dern MaKss Damage Gig‘
Anti­deut­sche Ras­sis­ten haben es anschei­nend geschafft den Gig am 7.8. (Rap ist Klas­sen­kampf) im ‚Fest­saal Kreuz­berg‘ zu unter­bin­den.

1. Soweit ersicht­lich hat, nie­mand kri­ti­siert, daß es ein Kon­zert „RAP ist Klas­sen­kampf“ geben soll. Kri­ti­siert wurde viel­mehr ein Teil der ankün­dig­ten Künst­ler. Beson­ders wurde in der Tat MaKss Damage kri­ti­siert. Auf die Kri­tik geht MD nicht ein. Statt des­sen wird der begrün­dungs­lose Gegen­vor­wurf ‚Ras­sis­mus‘ erho­ben.
Mich würde inter­es­sie­ren, an wel­chen Äuße­run­gen der MD-​​KritikerInnen sich die­ser Rassismus-​​Vorwurf fest­macht und gegen wen sich die­ser Ras­sis­mus angeb­lich rich­tet. Gegen Deutschland/​Deutsche?!

2. Zu „ver­hin­dern“ /​ „unter­bin­den“: For­de­run­gen wie „Makks Damage am 7.8. von der Bühne jagen!!“ von antideutsch.with.style blie­ben in der Dis­kus­sion eine abso­lute Rand­er­schei­nung. Der Haupt­strang der Dis­kus­sion war viel­mehr eine Kri­tik an den Künst­lern und den ver­an­stal­ten­den Grup­pen und die For­de­rung an letz­tere sich zu den Posi­tio­nen der Künst­ler poli­tisch zu ver­hal­ten, sofern diese sich von der Kri­tik nicht über­zeu­gen las­sen. Was mich anbe­langt, darf ich noch mal daran erin­nern, was ich am 1. August geschrie­ben hatte:

„Man­gels gruppen-​​übergreifender, ver­bind­li­cher demo­kra­ti­scher Ent­schei­dungs­struk­tu­ren, kann aber nur jede linke Gruppe für sich selbst ent­schei­den, ob sie sol­che Bands ein­lädt oder nicht. Andere linke Grup­pen kön­nen dar­aus wie­derum Kon­se­quen­zen für die Zusam­men­ar­beit mit den frag­li­chen Grup­pen zie­hen. Die Grenze, wo eine eigen­mäch­tige Spren­gung von Kon­zer­ten gebo­ten ist, scheint mir im vor­lie­gen­den Fall aller­dings noch nicht erreicht zu sein.“1

3. Ich darf auch noch mal daran erin­nern, daß ich nicht auf anti-​​deutscher Grund­lage argu­men­tiert habe (da ich sie nicht teile – wenn damit die Posi­tio­nen von Baha­mas & Co. gemeint sind). Von anti­deut­scher Seite bekam ich sogar den freund­li­chen Rat­schlag erteilt:

halt ein­fach die fresse.

Trotz­dem ist die rich­tige Intui­tion an der anti­deut­schen Posi­tion frei­lich, daß der Haupt­feind – wie Lieb­knecht sagte und wie es die Bol­sche­wiki in ihrer Poli­tik vor­bild­lich umge­setzt haben – im eige­nen Land steht und sich des­halb in Deutsch­land die prak­ti­sche Kri­tik am Impe­ria­lis­mus zuvor­derst gegen den deut­schen zu rich­ten hat. Auch, daß die­ses Thema und diese Stoß­rich­tung nach dem Anschluß der DDR an die BRD auf­grund des wach­sen­den Ein­flus­ses der Groß-​​BRD eine ver­stärkte Dring­lich­keit erfährt, war an der ursprüng­li­chen Intui­tion der Anti­deut­schen rich­tig. Falsch an bestimm­ten Anti­deut­schen ist, daß sich deren Ableh­nung des deut­schen Impe­ria­lis­mus mitt­ler­weile in eine Unter­stüt­zung des us-​​amerikanischen und die Auf­for­de­rung an den deut­schen Staat jenen (noch stär­ker als ohne­hin) zu unter­stütz­ten, gewan­delt hat. Auch die ursprüng­li­che War­nung vor einer Unter­schät­zung des Anti­se­mi­tis­mus und anti­se­mis­ti­schen Äuße­run­gen in der Lin­ken ist mitt­ler­weile in einem leicht­fer­ti­gen Umgang mit dem Antisemitismus-​​Vorwurf und damit einer Ver­harm­lo­sung des wirk­li­chen Anti­se­mi­tis­mus umge­schla­gen. Ich darf dazu noch mal auf mei­nen Text 2 × 4 begrifflich-​​logische Vor­schläge, um nicht an ein­an­der vor­bei­zu­re­den ver­wei­sen. (mehr…)

Kein Konzert am 7.8.? – Stellungnahme von MD

Wenn wir MaKss Damage glau­ben kön­nen, schei­tert das Kon­zert am 7.8. daran, daß der Raum (Fest­saal Kreuz­berg) nicht mehr zur Ver­fü­gung steht.

Bleibt zu hof­fen, daß das kein Fake ist, um die Kri­ti­ke­rIn­nen ruhig zu stel­len, und daß sich die ver­an­stal­ten­den Grup­pen nicht durch die Ent­schei­dung des Ver­an­stal­tungs­or­tes von der Not­wen­dig­keit von einer poli­ti­schen Stel­lung­nahme ent­bun­den sehen.

Auf den Sei­ten von ARAB und JANO sowie unter http://​ers​ter​mai​.nostate​.net/ fin­det sich noch keine Konzert-​​Absage; ebenso wenig aus den Sei­ten des Fest­saals Kreuz­berg (1, 2).

Stel­lung­nahme zum Text von MD folgt.

So langsam stellt sich die Frage: Gotteskrieger bei indymedia?

Kurz nach Mit­ter­nacht wurde bei indy­me­dia ein Bei­trag mit den kom­plet­ten lyricseines MaKss Damage-​​Stückes gepos­ted, das bereits bei frü­he­rer Gele­gen­heit aus­zugs­weise zitiert wurde. Als ich mir die Seite heute mor­gen das erste Mal ansah, gab es vier Kom­men­tare. Zwi­schen dem ers­ten Lesen und dem Ver­such, die Seite mit even­tu­el­len wei­te­ren Kom­men­ta­ren neu zu laden, wurde auch diese Seite gesperrt. Ich kann daher hier nur einen screen shut der open pos­ting-Liste mit der Artikel-​​Zusammenfassung pos­ten.

Es folg­ten im Haupt­text der Nach­richt die kom­plet­ten lyrics von der in der Fuß­zeile des Arti­kels genann­ten internet-​​Seite (http://​lyricwiki​.org/​M​a​K​s​s​_​D​a​m​a​g​e​:​T​e​r​r​o​r​_​T​o​uchit) sowie die wohl vier Kom­men­tare. Die ers­ten bei­den waren nach mei­ner Erin­ne­rung kri­tisch zu dem Stück. In einer der bei­den Ergän­zun­gen wurde die Ansicht ver­tre­ten, daß nicht erst die letz­ten bei­den Zei­len, son­dern bereits der Anfang des Stü­ckes die­ses als men­schen­ver­ach­tend erweise.
Die bei­den ande­ren Kom­men­tare ver­such­ten wei­ter­hin Kri­tik an MaKss Damage abzu­weh­ren: Die eine Ergän­zung mit der begrün­dungs­lo­sen Behaup­tung, die Bezug­nahme auf Gott in dem Stück erweise nicht, daß es sich nicht um lin­ken Anti­im­pe­ria­lis­mus han­deln könne. Die andere Ergän­zung dis­qua­li­fi­zierte den Aus­gangs­ar­ti­kel als guerilla-​​marketing.
Dazu sei ange­merkt:

1. Es besteht in der Frage eines Got­tes­be­zu­ges kei­ner­lei Anlaß hin­ter Die Inter­na­tio­nale zurück­zu­fal­len:

Es ret­tet uns kein höh‘res Wesen,
kein Gott, kein Kai­ser noch Tri­bun
Uns aus dem Elend zu erlö­sen
kön­nen wir nur sel­ber tun!

2. Guerilla-​​marketing oder nicht. Das wahre mar­ke­ting für MaKss Damage ist, von lin­ken Grup­pen ein­ge­la­den zu wer­den. Erst dies gibt dem Flirt mit der kom­mu­nis­ti­schen Tra­di­tion einen authen­ti­schen touch. Es dürfte kaum mög­lich sein, diese Debatte zu been­den, wie nicht alle lin­ken Gruppe die­ser Aus­beu­tung der kom­mu­nis­ti­schen Trad­t­ion für wel­che Zwe­cke auch immer – seien es schlicht marekt­ing Inter­es­sen oder tat­säch­lich reli­giöse Inter­es­sen – den Boden ein­zie­hen.

Was indy­me­dia anbe­langt, bleibt mir völ­lig schlei­er­haft, was das heu­tige Redak­ti­ons­kol­lek­tiv ver­an­laßt haben könnte, selbst jene kri­ti­sche Bericht­er­stat­tung über ein Stück, das im Namen Got­tes Anschläge mit ent­führ­ten Zivil­ma­schi­nen pro­pa­giert („Oh Schreck, das kleine Mäd­chen neben mir hat einen Ted­dy­bär und ich hab Dyna­mit in sei­nem Arsch ver­steckt /​ Und ich stürme in das Cock­pit, Sturm­maske Tur­ban und Zündschnur/​ Ich köpf den, der nicht mit dem Kopf nickt /​ Kopf­fick“), zu unter­bin­den. Es dürfte an der Zeit sein, daß indy­me­dia eine ernst­hafte Grundsatz-​​Diskussion über die sehr unter­schied­lich aus­fal­len­den Mode­ra­ti­ons­pra­xen der ver­schie­de­nen Mode­ra­ti­ons­kol­lek­tive führt. – Wenn ein Teil der Kol­lek­tive wei­ter­hin jeden kri­ti­schen Gedan­ken aus Arti­keln ver­bannt, weil diese ‚Szene-​​Diskussionen‘ aus­lö­sen kön­nen, dann dürfte der Infor­ma­ti­ons­wert von indy­me­dia bald hin­ter dem des dpa-​​Nachrichten-​​Tickers zurück­fal­len. Eine Bericht­er­stat­tung, die sich dar­auf redu­ziert, wann wo wie­viel Leute bei einer Demons­tra­tion waren und wie­viel Poli­zei­kräfte da waren und wel­ches Geran­gel es gab, ten­diert vom Infor­ma­ti­ons­wert her gegen Null und ist folg­lich auch poli­tisch nutz­los. Das ent­spre­chende gilt für alle ande­ren ver­meint­lich ‚rein fak­ti­schen‘ Arti­kel, die tat­säch­lich aber den herr­schen­den ideo­lo­gi­schen sta­tus quo repro­du­zie­ren.

„Es geht also nicht darum, alle inter­es­san­ten Infos aus kom­mer­zi­el­len Mas­sen­me­dien zusam­men­zu­tra­gen, son­dern die­sen Medien die eigene Sicht auf Ereig­nisse ent­ge­gen­zu­set­zen, bzw. über Ereig­nisse zu berich­ten, die von die­sen Medien überg­an­gen wer­den. Die Mode­ra­ti­ons­kol­lek­tive ver­su­chen, diese Art von Bericht­er­stat­tung zu unter­stüt­zen. Indy­me­dia ist grund­sätz­lich offen für alle Mei­nun­gen, es sei denn sie haben sexis­ti­schen, ras­sis­ti­schen, anti­se­mi­ti­schen u./o. faschis­ti­schen Inhalt.“
http://​de​.indy​me​dia​.org/​s​t​a​t​i​c​/​m​o​d​e​r​a​t​i​o​n​.​shtml

Hier noch für die­je­ni­gen, die den gesperr­ten Arti­kel bei indy­me­dia bestel­len wol­len, die URL:
http://​de​.indy​me​dia​.org/​2​0​0​9​/​0​8​/​2​5​7​5​7​6​.​shtml.

Unter http://​lyricwiki​.org/​M​a​K​s​s​_​D​amage gibt es im übri­gen die Texte wei­te­rer MaKss Damage-​​Stück. In „Angriff“ heißt es bspw.: „Seine Pei­ni­ger fin­den und stei­ni­gen. /​ Sich befreien und eini­gen“ – allein schon, daß es sich reimt, scheint alles zu recht­fer­ti­gen.

Das Neueste und das Wichtigste zu MaKss Damage / Soli-Konzert am 7.8.

I. Heute neu:

1. bei indy­me­dia Deutsch­land
Infor­ma­tive Zwi­schen­bi­lanz nach 2 Wochen: Poli­ti­sche Ansprü­che an Soli-​​Konzerte
von * und * 04.08.2009 15:07
http://​de​.indy​me​dia​.org/​2​0​0​9​/​0​8​/​2​5​7​5​2​3​.​shtml

- bei indy­me­dia (im Moment noch mit ‚DistanziererInnen-​​Vorspann‘) gedul­det; hier vor­sichts­hal­ber, die dem html-​​Artikel bei indy­me­dia beige­fügte .pdf-​​Version.

3. Bei der Brumm­kreislpi­lo­tin gibt es heute fol­gen­den neuen LeserIn-​​Kommentar (er sei hier zitiert, ohne die Authen­ti­zi­tät über­prü­fen zu kön­nen)

ein teil der jun­gend antifa nord­ost 04. August 2009 um 11:35 Uhr

hey ich wollte nur mal klar stel­len das nicht alle leute/​genosen/​freunde oder wie mensch sie auch immer nen­nen will hin­ter die­sem kon­zert stehn ich für mein teil diztan­zire mich da von weil ich ertenz anrcho bin und zwei­ten weil der dreck auf den misst eini­ger men­schen aus den gen­an­ten grup­pen end­sprun­gen ist ich für mein­teil ver­trete die mei­nen das kon­zert ab bla­sen und da für drei oder vier andere zu machen z.B. mit SGZ oder and­ren künstler_​innen

Mit anar­scho sosia­lis­ti­schen guss eine stimme aus der JANO

Auf der home­page von JANO ist tat­säch­lich eine Unter­stüt­zungs­er­klä­rung für das von „Nord­ost Mafia – Ber­lin, Anti­fa­schis­ti­sche revo­lu­tio­näre Aktion Ber­lin [ARAB]“ prä­sen­tierte Kon­zert.

II. Bis­her über­se­hen gehabt

2. In o.g. Arti­kel (s. I.1.) zitierte Kon­zer­tan­kün­di­gung bei antifa​.de (die acts wer­den mit „u.a.“ auf­ge­zählt – und dann wird MaKss Damage nicht genannt…)

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Das historische Dokument: RZ/Rote Zora: Die BRD – „Geisel“ oder die Nr. 2 der NATO?

Ich will eine – viel­leicht allzu wag­hal­sige – These wagen: Seit dem Erschei­nen des his­to­ri­schen Doku­ments, das im fol­gen­den prä­sen­tiert wird, hat weder die refor­mis­ti­sche noch die revo­lu­tio­näre Linke in der BRD eine tref­fen­dere Ana­lyse der inter­na­tio­na­len Lage vor­ge­legt. Ana­lye meint hier: nicht militär-​​ oder wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­che Erb­sen­zäh­le­rei – son­dern Blick auf das stra­te­gisch Ent­schei­dende.
Wie wag­hal­sig die These ist, zeigt sich daran, daß der Text aus dem Jahr 1983 stammt – und seit­dem ja nun wahr­lich eini­ges die welt­po­li­ti­sche Lage ver­än­dert hat. – Ich lasse mich gerne von der Irr­tüm­lich­keit mei­ner These über­zeu­gen und nehme gerne Belo­bi­gun­gen für seit­dem erschiene Papiere ent­ge­gen.
Es han­delt sich um das Papier „Krieg – Krise – Frie­dens­be­we­gung“ mit dem Unter­ti­tel „In Gefahr und höchs­ter Not bringt der Mit­tel­weg den Tod“, das im Dezem­ber 1983 von der Roten Zora und den Revo­lu­tio­nä­ren Zel­len vor­ge­legt wurde. Es wird hier her­vor­ge­kramt wegen der aktu­el­len Dis­kus­sion über rich­tige und fal­sche Kri­tik an den USA.

Unser his­to­ri­sches Doku­ment zeigt ein­mal mehr, daß es nicht erst der Her­aus­bil­dung einer Strö­mung der ‚Anti-​​Deutschen‘ nach 1989 bedurfte, um eine Imperialismus-​​Kritik, die allein oder nahezu voll­stän­dig auf die USA (und Israel) zuge­spitzt ist, zurück­zu­wei­sen. RZ & Rote Zora kri­ti­sier­ten die Ansicht, die BRD sei eine Gei­sel der USA und zeig­ten auf, daß die BRD viel­mehr schon damals die Nr. 2 der NATO war. Sie wie­sen des wei­te­ren – wenn auch unter Inves­tie­rung über­trie­be­ner links­ra­di­ka­ler Hoff­nun­gen in Hun­ger­re­vol­ten – auf die Gren­zen des Modells natio­na­ler Befrei­ung hin:

„Es geht nicht mehr um trü­ge­ri­sche natio­nale Sou­ve­rä­ni­tät, an die sich so viele Hoff­nun­gen knüpf­ten, die den Mas­sen aber meist nichts ein­brachte außer einem Staat, der nur kos­tete und den sie nicht brau­chen, einer Armee, Ver­wal­tung, Wah­len, Klein­fa­mi­lie usw. alles Dinge, die kein Mensch braucht und eine Bäue­rin oder ein Arbei­ter in der 3. Welt schon gar nicht. Was sie brau­chen, näm­lich die stoff­li­chen Grund­la­gen für ein men­schen­wür­di­ges und gutes Leben, hat ihnen die natio­nale Befrei­ung allein nir­gends gebracht. Die von den natio­na­len Eli­ten betrie­be­nen Ent­wick­lungs­mo­delle sind auf ihrem Rücken und auf ihre Kos­ten orga­ni­siert wor­den.“

Sie kri­ti­sier­ten den Euro-​​Imperialismus und deut­schen Natio­na­lis­mus des main­streams der Frie­dens­be­we­gung:

„Und da in Europa nichts läuft, ohne daß an der deut­schen Frage gerührt wird, ist von links das Pro­blem der Wie­der­ver­ei­ni­gung auf­ge­wor­fen wor­den. Im vor­geb­li­chen Inter­esse der Abrüs­tung wird so an der Fik­tion eines pro­gres­si­ven deut­schen Natio­na­lis­mus gewer­kelt eines Natio­na­lis­mus, in des­sen Namen nicht nur zwei ver­hee­rende Welt­kriege ent­fes­selt, son­dern auch jene End­lö­sung, jener Holo­caust insze­niert wur­den, als deren zukünf­ti­ges Opfer die Frie­dens­be­we­gung heute demons­tra­ti­ves Mas­sen­ster­ben ver­an­stal­tet. Geschichte ver­kehrt!“

Aber auch links­ra­di­kale Grup­pen wur­den nicht von Kri­tik ver­schont:

„Und selbst in links­ra­di­ka­len Grup­pen wurde unter Anti­im­pe­ria­lis­mus vor allem Anti-​​US-​​Imperialismus ver­stan­den, wäh­rend die Auf­rüs­tung der west­eu­ro­päi­schen Staa­ten und ihre zuneh­mende Bedeu­tung auf dem Welt­markt prak­tisch unter den Tisch gefal­len sind. Auf einem sol­chen Boden konnte die Legende von der ‚besetz­ten‘ BRD, konnte der ‚linke Patrio­tis­mus‘ präch­tig gedei­hen.“

Und apo­ka­lyp­ti­sche Argu­men­ta­ti­ons­mus­ter, die die Welt von einem Kampf zwi­schen Gut und Böse geprägt sehen, wurde kri­ti­siert. – Neben­bei ent­hält der Text eine unbe­dingt lesens­werte, gera­dezu ‚leninistisch-​​avangardistische‘ Kri­tik an der spon­ta­n­ei­is­ti­schen Bewe­gungs­hu­be­rei der auto­no­men Szene:

„Wie­der ein­mal hat sich die fal­sche Hoff­nung, daß die Bewe­gung viel­leicht doch alles und das Ziel nur zweit­ran­gig ist, als Trug­schluß erwie­sen, des­sen Fol­gen in ers­ter Linie wir alle aus­zu­ba­den haben. Hin­ter­her ist man meis­tens schlauer: eine fal­sche Poli­tik wird nicht dadurch rich­ti­ger, daß man sie von innen her zu radi­ka­li­sie­ren ver­sucht.“

Kri­tisch sei allein das Kapi­tel „Neue For­men der Reichs­tums­ak­ku­mu­la­tion und Herr­schafts­si­che­rung“, das doch arg sozialrevolutionär-​​operaistisch und – in den auf das Geschlech­ter­ver­hält­nis bezo­ge­nen Pas­sa­gen – arg ‚Bie­le­fel­de­risch‘ aus­fiel, ver­merkt. Es sah einer­seits die seit 1983 erfolgte ‚Post­mo­der­ni­sie­rung‘ des Geschlech­ter­ver­hält­nis­ses in kei­ner Weise vor­aus und lag auch mit sei­ner These vom Ver­schwin­den der Arbeits­kraft daneh­men (statt des­sen erle­ben wir heute eine Poli­tik der mas­si­ven Aus­wei­tung der Erwerbs­be­tei­li­gung [u.a. zum Zwe­cke der Lohn­drü­ckung]). Genau in die­sem Kapi­tel wäre wohl auch die Kapi­ta­lis­mus­ana­lyse von RZ/​Rote Zora unter dem Gesichts­punkt der im hie­si­gen Kon­text inter­es­sie­ren­den Frage (rich­tige und fal­sche Kapitalismus-​​Kritik: angeb­li­cher Gegen­satz von Finanz-​​ und Indus­trie­ka­pi­tal) zu kri­ti­sie­ren; auch an ein­zel­nen ande­ren Halb­sätze ließe herum­ma­ckeln. – Trotz­dem hat der Text einen Qua­li­täts­maß­stab vor­ge­ge­ben, der von heu­ti­gen ‚Anti-​​Deutschen‘ und ‚Anti­im­pe­ria­lis­tIn­nen‘ erst ein­mal zu errei­chen wäre.
Ergän­zend seien noch zwei Pas­sa­gen aus dem RZ-​​Papier „Beet­ho­ven gegen Mac­Do­nald“ aus dem April des glei­chen Jah­res zitiert, das aus Anlaß von Neonazi-​​Anschläge gegen Ange­hö­rige der US-​​Streitkräfte in Deu­sch­land geschrie­ben wurde:

„Nicht wir, son­dern ins­be­son­dere Teile der Frie­dens­be­we­gung erge­hen sich in einem dif­fu­sen Natio­na­lis­mus, ver­brei­ten den Unsinn von der BRD als einem besetz­ten Land, machen die Per­spek­tive eines wie­der­er­wach­ten deut­schen Patrio­tis­mus schmack­haft und ver­las­sen den Boden lin­ker Poli­tik, wenn sie die Frage der Rake­ten­sta­tio­nie­rung zur Frage natio­na­ler Iden­ti­tät hoch­sti­li­sie­ren. Die Gren­zen zwi­schen Anti­im­pe­ria­lis­mus und Mobi­li­sie­rung anti­ame­ri­ka­ni­scher Res­sen­ti­ments müs­sen zwangs­läu­fig zer­flie­ßen, wenn die Mata­dore der Frie­dens­be­we­gung ihren Pro­test gegen Nach­rüs­tung und Pers­hing II dar­auf stüt­zen, daß sie an das deut­sche Ehr­ge­fühl gegen quasi kolo­niale Unter­jo­chung appel­lie­ren. Es macht einen gewal­ti­gen Unter­schied, ob wir Mac­Do­nald als einen US-​​Ernährungskonzern begrei­fen, der Maß­stäbe für die Orga­ni­sa­tion arbeits­in­ten­si­ver Nied­rig­lohn­ar­beit wie auch welt­wei­tes Agro-​​Business gesetzt hat oder aber als Aus­druck einer wie auch immer ver­stan­de­nen Yankee-​​Kultur. Wer Coca-​​Cola hier schon fast als Völ­ker­mord und Haupter­schei­nungs­form eines kul­tu­rel­len Impe­ria­lis­mus aus­macht und auf eine Stufe stellt mit der Unter­stüt­zung fast aller Mili­tär­dik­ta­tu­ren durch die US-​​Regierung, beraubt sich selbst der Mög­lich­keit, den faschis­ti­schen Ursprung natio­na­lis­ti­scher oder anti­ame­ri­ka­ni­scher Aktio­nen zu begrei­fen. Der poli­ti­sche Skan­dal besteht nicht darin, daß die Faschis­ten diese auch in der Frie­den­be­we­gung geläu­fige Posi­tion in mili­tä­ri­sche Aktion umge­münzt haben. Der Skan­dal besteht darin, daß es diese Posi­tion über­haupt gibt und daß sie unter Aus­gren­zung und Bekämp­fung sozi­al­re­vo­lu­tio­nä­rer und anti­im­pe­ria­lis­ti­scher Posi­tio­nen von lin­ken Refor­mis­ten jeg­li­cher Schat­tie­rung, vom Unter­schrif­ten­kar­tell über die TAZ bis zu den Grü­nen durch­ge­setzt wer­den konnte und die Bünd­nis­fä­hig­keit der Frie­dens­be­we­gung damit bis hin zu natio­na­lis­ti­schen oder faschis­ti­schen Posi­tio­nen teils bewußt, teils naiv betrie­ben wurde.“

Im übri­gen erkann­ten die RZ in dem Text den Unter­schied zwi­schen „insti­tu­tio­na­li­sier­ter Herr­schaft und ver­recht­li­cher Gewalt“ einer­seits und „staat­lich insze­nier­ten Ter­ro­ris­mus“ ande­rer­seits (http://​www​.nadir​.org/​n​a​d​i​r​/​a​r​c​h​i​v​/​P​o​l​i​t​i​s​c​h​e​S​t​r​o​e​m​u​n​g​e​n​/​S​t​a​d​t​g​u​e​r​i​l​l​a​+​R​A​F​/​r​z​/​f​r​u​e​c​h​t​e​_​d​e​s​_​z​o​r​n​s​/​z​o​r​n​_​1​_​3​3​.html).


Der Text „Krieg – Krise-​​ Frie­dens­be­we­gung“ vom Dez. 1983 glie­dert sich in fol­gende Abschnitt:

Bewe­gung ist nicht alles!
Die „Pro­bleme“ des US-​​Imperialismus und die „Wun­der­waffe“
Die BRD – „Gei­sel“ oder die Nr. 2 der NATO
Impe­ria­lis­mms und 3. Welt: der Bank­rott natio­na­ler Ent­wick­lungs­mo­delle
Der Ost­block – ein blin­der Fleck in der poli­ti­schen Geo­gra­phie der Lin­ken
Die Ent­span­nungs­po­li­tik – ein Lehr­bei­spiel polit­öko­no­mi­scher Rui­nie­rung
Neue For­men der Reichs­tums­ak­ku­mu­la­tion und Herr­schafts­si­che­rung
Lauer Herbst – und kal­ter Win­ter?
Fra­gen – keine Kon­zepte.

###### (mehr…)

Heute gelesen (04.08.)

1. use­l­ess. meck­len­burg at its worst hat sich heute Nacht mit der „Unfä­hig­keit der deut­schen Lin­ken zur Sache zu dis­ku­tie­ren“ beschäf­tigt. Aus­ge­hend von den indymedia-​​Kommentare zu einer Demons­tra­tion in Ros­tock aus Anlaß des Anschla­ges in Tel Aviv auf ein schwulles­bi­sches Zen­trum kommt der Arti­kel zu dem Ergeb­nis:

Die „Ein­träge sind sym­pto­ma­tisch für die Rezep­tion eines lin­ken Kon­flik­tes, wel­che nicht nur nichts mehr mit ori­gi­när Anti­deut­schen Posi­tio­nen zu tun hat, son­dern auch an Absur­di­tät und Unwis­sen­heit von Jahr zu Jahr und von Kom­men­tar zu Kom­men­tar zunimmt. Beide Kom­men­ta­to­rIn­nen schei­nen nicht nur keine Ahnung davon zu haben, wel­chen Cha­rak­ter die Demons­tra­tion trug, son­dern eben­falls nicht zu wis­sen dass die Schlag­worte ‚Tel Aviv‘ und ‚Demons­tra­tion‘ allein als Grund­lage für einen gehalt­vol­len Kom­men­tar nicht aus­rei­chen. Die in der Kom­men­tar­spalte ver­tre­te­nen Stand­punkte las­sen sich in die­ser oder ähnli­cher Form und in unzäh­li­gen Vari­an­ten auf die­sem und auch auf ande­ren lin­ken Medi­en­por­ta­len wie­der­fin­den. Und ebenso unqua­li­fi­ziert wie die Häu­fig­keit ihrer Ver­brei­tung ist auch ihr Inhalt. Es spricht eine unglaub­li­che Regres­sion aus der Tat­sa­che, dass eine Ver­an­stal­tung mit Israel-​​Bezug in egal wel­cher Weise aus­reicht, um die ver­meint­li­chen Prot­ago­nis­ten der jewei­li­gen Lager her­vor­zu­lo­cken und ihren Bull­s­hit in die Welt hin­aus zu schreien. Die jewei­li­gen Ide­al­ty­pen des ‚Anti­imp‘ und sei­nem Gegen­stück dem ‚Anti­deut­schen‘, wie sie sich in die­sem Fall äußern, stel­len dabei eher eine unglaub­lich pein­li­che Kari­ka­tur der ursprüng­lich sich gegen­über­ste­hen­den Posi­tio­nen dar. Die jewei­li­gen Signal­wör­ter und Codes bil­den das Start­si­gnal sich gegen­sei­tig mit Anti­se­mi­tis­mus­vor­wür­fen und, meist in Reak­tion dar­auf, tat­säch­lich anti­se­mi­ti­scher Abwehr­re­ak­tio­nen zu beschmeis­sen, bis der eigent­li­che Gegen­stand der Nach­richt aus dem Fokus gerät.“
Prä­di­kat: lesens­wert.

2. Auch lysis nimmt die indymedia-​​Kommentare zum Anlaß eines um Dif­fe­ren­zie­rung bemüh­ten und wie es scheint sehr gut infor­mier­ten Arti­kels über die Schwulen-​​ und Les­ben­po­li­tik in Israel und die Instru­men­ta­li­sie­rung von Schwu­len und Les­ben im israelisch-​​palästinensischen Kon­flikt. Lysis endet mit einem Zitat von Les­lie Fein­berg, einer jüdisch-​​amerikanischen Kommunist_​in und Transgender-​​Aktivist_​in:

„Taking the his­to­ric struggle to end opp­res­sion based on sexua­lity, gen­der and sex out of the world con­text of today’s battle of for­merly colo­ni­zed coun­tries against impe­ria­lism will not advance the goal of sexual and trans­gen­der libe­ra­tion […] nor will it build genuine ties of soli­da­rity. In fact, it mis­di­rects the struggle into ali­gn­ment with the world­wide goal of impe­ria­lism.“

und stellt danach selbst noch klar:

Dass das nicht bedeu­tet, sich mit den regres­si­ven For­men des Wider­stands durch die paläs­ti­nen­si­sche reli­giöse Rechte in Gestalt einer solch Ekel erre­gen­den Orga­ni­sa­tion wie der Hamas gemein zu machen, sollte eben­falls klar sein. Sich davon zu dis­tan­zie­ren, bedeu­tet aber noch lange nicht, für das israe­li­sche Apartheids-​​Regime in den besetz­ten Gebie­ten Par­tei zu ergrei­fen.

Soviel Dif­fe­ren­zie­rungs­ver­mö­gen soll­ten sich alle schul­dig sein, die sich zum Thema äußern – auch wenn ich mei­ner­seits Zwei­fel habe, ob es wirk­lich (ana­ly­tisch und poli­tisch) hilf­reich ist, den Begriff der Apart­heid von sei­nem ursprüng­li­chen süd­afri­ka­ni­schen auf den israelisch-​​palästinenischen Kon­text zu über­tra­gen.

3. sei noch dar­auf hin­ge­wie­sen, daß ein anschei­nend sehr eif­ri­ger internet-​​Nutzer in der erwähn­ten Kommentar-​​Spalte von indy­me­dia (zu einem neuen Text von heute nach­mit­tag) sach­kun­dig zu Theo­rie als Pra­xis Stel­lung nimmt („mensch theo­rie als pra­xis, du depp“) und diese Stel­lung­nahme unge­fragt mit einem Foto von mir bebil­dert. Trotz­dem vie­len Dank. Der internet-​​Nutzer nennt sich „u$raöl“ und ver­linkt zu einem Kom­men­tar von „Brül­ler“ bei wendy. Unter dem Namen „Brül­ler“ wur­den auch hier schon einige Kom­men­tare abge­ge­ben, die von einem inten­si­ven Durch­den­ken des The­mas zeu­gen (zuletzt: „ey du voll­spast, […]“). – Bitte mehr davon, daß kann jede Dis­kus­sion nur wei­ter­brin­gen!

Heute gesehen (03.08.) I: MaKss Damage / Soli-Konzert 7.8.

1. Stel­lung­nahme der Auto­no­men Antifa Alt­mark Ost

„Stel­lungs­nahme zu Indymedia-​​Artikel
1. August 2009 in All­ge­mein und Regio­nal

Wir wei­sen hier­mit unmiss­ver­ständ­lich den in einem Indymedia-​​Artikel (http://​de​.indy​me​dia​.org/​2​0​0​9​/​0​8​/​2​5​7​3​4​3​.​shtml) ver­fass­ten Anti­se­mi­tis­mus­vor­wurf in Bezug auf unser Soli-​​Konzert zurück und dis­tan­zie­ren uns von der Wer­bung für das Kon­zert der Gruppe Anti­fa­schis­ti­sche revo­lu­tio­näre Aktion Ber­lin [ARAB] am 7. August 2009. Unsere Gruppe arbei­tet nicht im Sinne der von den Inter­pre­ten pro­pa­gier­ten Anschau­ungs­weise.“

2. Stel­lung­nahme der Gruppe gegen deut­sche Nor­ma­li­tät zu MaKss Damage, zur Sten­da­ler Bewer­bung (vgl. dort) des Ber­li­ner Kon­zerts mit MaKss Damage am 7.8. sowie indy­me­dia:

„Stel­lungs­nahme zu den Indymedia-​​Berichten
3. August 2009 in All­ge­mein und Aktu­ell

Es erschien am 01. August zum zwei­ten Mal ein Text auf Indy­me­dia mit unse­rem Grup­pen­na­men, sogar Home­page und E-​​Mail Adresse wur­den ange­ge­ben.
Wir wol­len klar­stel­len, dass Texte die wir schrei­ben bzw. publi­zie­ren nicht auf Indy­me­dia erschei­nen.
Trotz­dem plä­die­ren wir für eine inhalt­li­che Kri­tik und eine offene Dis­kus­sion über die wider­wär­ti­gen Rap­per Makks Damage und Hol­ger Bur­ner, sowie über das Kon­zert am 07.08 in Ber­lin.“

(mehr…)

Weil Sachkenntnis jeder Diskussion nur gut nun gut


ein paar eher unsys­te­ma­ti­sche Lite­ra­tur­hin­weise:

1.

A.G. Gender-​​Killer Hg.)
Anti­se­mi­tis­mus und Geschlecht
Von „eff­emi­nier­ten Juden“, „mas­ku­li­ni­sier­ten Jüdin­nen“ und ande­ren Geschlech­ter­bil­dern
Unrast Ver­lag: Müns­ter

Bestell­mög­lich­keit unter:
http://​www​.unrast​-ver​lag​.de/​u​n​r​a​s​t​,​2​,​2​1​6​,​1​3​.html
Rezen­sion unter:
http://​www​.que​rel​les​-net​.de/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​/​q​n​/​a​r​t​i​c​l​e​/​v​i​e​w​A​r​t​i​c​l​e​/​4​3​4/442

2.

Wer­ner Berg­mann /​ Mona Körte (Hrsg.)
Anti­se­mi­tis­mus­for­schung in den Wis­sen­schaf­ten

Metro­pol Ver­lag: Ber­lin

Die anti­jü­di­sche Poli­tik der Natio­nal­so­zia­lis­ten und ins­be­son­dere der Völ­ker­mord an den euro­päi­schen Juden gaben den ent­schei­den­den Anstoß für die Her­aus­bil­dung einer moder­nen Anti­se­mi­tis­mus­for­schung, an der ange­sichts der Hete­ro­ge­ni­tät des Phä­no­mens Anti­se­mi­tis­mus eine Viel­zahl wis­sen­schaft­li­cher Dis­zi­pli­nen betei­ligt ist. Nam­hafte Fach­ver­tre­ter stel­len die For­schungs­ge­schichte, den spe­zi­fi­schen metho­di­schen Zugriff, den aktu­el­len For­schungs­stand und die beson­de­ren Pro­bleme ihrer Dis­zi­pli­nen in der Erfor­schung des Anti­se­mi­tis­mus vor. Ver­tre­ten sind Theo­lo­gie und Reli­gi­ons­ge­schichte, die Geschichts­wis­sen­schaft mit eini­gen ihrer Teil­dis­zi­pli­nen wie der Medizin-​​ und der Rechts­ge­schichte, die Sozi­al­wis­sen­schaf­ten, eine Reihe kul­tur­wis­sen­schaft­li­cher Fächer sowie die Sprach-​​ und Lite­ra­tur­wis­sen­schaft. Die Auf­sätze des Ban­des bil­den damit die Viel­falt dis­zi­pli­nä­rer Zugangs­wei­sen ab.

Bestell­mög­lich­keit unter:
http://​www​.metro​pol​-ver​lag​.de/​p​p​/​b​e​s​t​e​l​l​u​n​g​e​n​/​3​-​9​3​6​4​1​1​-​4​8​-​4.htm

Rezen­sion unter:
http://​hsoz​kult​.geschichte​.hu​-ber​lin​.de/​r​e​z​e​n​s​i​o​n​e​n​/​2​0​0​6​-​4​-​0​7​1.pdf

3. Wiki­pe­dia (mit umfang­rei­cher Lite­ra­tur­liste)
http://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​A​n​t​i​s​e​m​i​t​i​s​m​u​s​f​o​r​s​chung

4. Sei­ner­zeit erschien mir diese Bro­schüre – trotz ihres Klas­sen­re­duk­ti­ons­mus – lesens­wert; ich habe sie jetzt nicht noch ein­mal gele­sen:

Auto­nome Nah­ost­gruppe Ham­burg /​ Gruppe Arbei­ter­po­li­tik
Bei­träge zur Dis­kus­sion: Zio­nis­mus, Faschis­mus, Kol­lek­tiv­schuld
Exo­dus – Ein­wan­de­rung in die Wagen­burg /​ Zio­nis­mus und Faschis­mus in Deutsch­land /​ Juden­frage und Juden­ver­nich­tung im deut­schen Faschis­mus /​ Zur Geschichte der Kollektivschuld-​​Ideologie /​ Paläs­ti­nen­si­scher Befrei­ungs­kampf
April 1989
http://​arbei​ter​po​li​tik​.de/​B​r​o​s​c​h​u​e​r​e​n​/​Z​i​o​n​i​s​m​u​s​-​S​o​n​d​e​r​d​r​u​c​k​-​1​9​8​9.pdf

Zur „Gruppe Arbei­ter­po­li­tik“:

„In einer per­so­nel­len und pro­gram­ma­ti­schen Kon­ti­nui­tät zur KPO ste­hen die Gruppe Arbei­ter­po­li­tik (ARPO) und die Gruppe Arbei­ter­stimme, wel­che auch beide Lite­ra­tur der KPO ver­trei­ben. […]. Der KPO gehörte auch der bekannte Kul­tur­his­to­ri­ker Edu­ard Fuchs und zeit­weise die Poli­to­lo­gen Wolf­gang Abend­roth und Richard Löwen­thal, der Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler Hans Mayer und der spä­tere Innen­se­na­tor und zweite Bür­ger­meis­ter Bre­mens Adolf Ehlers an.“

„Auf Wei­sung der Kom­mu­nis­ti­schen Inter­na­tio­nale voll­zog die KPD-​​Führung um Ernst Thäl­mann, Phil­ipp Den­gel und Heinz Neu­mann 1928 eine ‚ultra­linke‘ Wende und kon­zen­trierte ihren Kampf auf den ‚Haupt­feind‘ SPD (Sozi­al­fa­schis­mus­these). Die frü­he­ren KPD-​​Vorsitzenden Hein­rich Brand­ler und August Thal­hei­mer lehn­ten die­sen Kurs ab. Sie kri­ti­sier­ten auch die Poli­tik, eine Revo­lu­tio­näre Gewerkschafts-​​Opposition (RGO) neben den offi­zi­el­len Gewerk­schaf­ten zu bil­den, und all­ge­mein die Unter­ord­nung der KPD unter die KPdSU. Die interne Ent­wick­lung in der Sowjet­union begann man erst spä­ter im Exil mit den Mos­kauer Pro­zes­sen zu kri­ti­sie­ren. Brand­ler und Thal­hei­mer plä­dier­ten für den gemein­sa­men Kampf von SPD und KPD gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus und wur­den des­halb aus der KPD aus­ge­schlos­sen. Sie grün­de­ten dar­auf­hin die KPD-​​Opposition, die aber eine kleine Split­ter­gruppe mit 3000-​​4000 Mit­glie­dern blieb. Die Mit­glied­schaft rekru­tierte sich aus Gewerk­schafts­funk­tio­nä­ren, Kom­mu­nal­po­li­ti­kern und Intel­lek­tu­el­len (bspw. Hein­rich Blü­cher). Es gab Hoch­bur­gen in Sach­sen, Thü­rin­gen – in Neu­haus am Renn­weg und Oels­nitz stellte die Par­tei mit Otto Engert und Otto Karl Bach­mann die Bür­ger­meis­ter –, Hes­sen und Würt­tem­berg). In Ober­hau­sen und anderswo schlos­sen sich aus Pro­test gegen die RGO-​​Politik der KPD etli­che pro­fi­lierte KPD-​​Gewerkschafter der KPO an. […]. Die KPO gehörte mit eini­gen ver­wand­ten Grup­pen u.a. in Schwe­den, den USA, Frank­reich und der Schweiz der Inter­na­tio­nale Ver­ei­ni­gung der Kom­mu­nis­ti­schen Oppo­si­tion (IVKO) an, wel­che jedoch bis 1939/​40 zer­fal­len war. Die KPO gab die mehr­mals in der Woche erschei­nende Zei­tung Arbei­ter­po­li­tik, einige regio­nale Zei­tun­gen und das auf einem hohen Niveau ste­hende Theo­rie­or­gan Gegen den Strom her­aus, die IVKO publi­zierte im Wesent­li­chen unter Feder­füh­rung der KPO die Zeit­schrift Der Inter­na­tio­nale Klas­sen­kampf. Der Jugend­ver­band KJO gab den Jun­gen Kämp­fer her­aus. […]. Im Herbst 1931 schloss sich eine Min­der­heit der KPO-​​Mitglieder um Paul Frölich, Jacob Wal­cher und August End­erle ein­schließ­lich der in Kom­mu­nal­par­la­men­ten ver­tre­te­nen Grup­pen in Offen­bach am Main um Hein­rich Galm und in Geest­hacht um August Ziehl der Sozia­lis­ti­schen Arbei­ter­par­tei Deutsch­lands (SAP) an, einer Links­ab­spal­tung der SPD, wo die ehe­ma­li­gen KPO-​​Mitglieder auf Grund ihrer gro­ßen poli­ti­schen Erfah­run­gen die Poli­tik der Par­tei beein­fluss­ten.“

Quelle: http://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​K​o​m​m​u​n​i​s​t​i​s​c​h​e​_​P​a​r​t​e​i​-​O​p​p​o​s​ition;
vgl. auch:
Die Geschichte der Sozia­lis­ti­schen Arbei­ter­par­tei (SAP)
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​1​9​9​1​/​0​5​/​1​9​/​d​i​e​-​g​e​s​c​h​i​c​h​t​e​-​d​e​r​-​s​o​z​i​a​l​i​s​t​i​s​c​h​e​n​-​a​r​b​e​i​t​e​r​p​a​r​t​e​i​-sap/

5.a)
Cor­ne­lia Eich­horn
Im Dienste des Gemein­wohls. Frau­en­be­we­gung und Natio­nal­staat
in: dies. /​ Sabine Grimm (Hg.)
Gen­der Kil­ler. Texte zu Femi­nis­mus und Poli­tik
Edi­tion ID-​​Archiv: Berlin/​Amsterdam, 1994: 1. Auf­lage, 1995: 2. Auf­lage;
online unter: http://​www​.nadir​.org/​n​a​d​i​r​/​a​r​c​h​i​v​/​F​e​m​i​n​i​s​m​u​s​/​G​e​n​d​e​r​K​i​l​l​e​r​/​g​e​n​d​e​r​_​8​.html

5.b)
dies.
»Frauen sind die Neger aller Völ­ker«. Über­le­gun­gen zu Femi­nis­mus, Sexis­mus und Ras­sis­mus
als .pdf-​​Datei. (S. 95 – 104).

6.a)
Sabine Grimm
Post­ko­lo­niale Kri­tik. Edward Said, Gaya­tri C. Spi­vak, Homi K. Bhabha‘,
in: Die Beute Som­mer 1997, 48 – 61.

6.b)
dies.
Ein­fach hybrid! – Kul­tur­kri­ti­sche Ansätze der Post­co­lo­nial Stu­dies
in: iz3w Nr. 223, Sept. 1997, 39 – 42 und Nr. 224, Okt. 1997, 37 – 39;
online zugäng­lich unter http://​www​.frei​burg​-post​ko​lo​nial​.de/​S​e​i​t​e​n​/​g​r​i​m​m​-​p​o​s​t​k​o​l​o​n​i​a​l​i​s​m​u​s.pdf und http://​Theo​rie​als​Pra​xis​.blog​sport​.de/​i​m​a​g​e​s​/​G​r​i​m​m​_​P​o​s​t​c​o​l​o​n​i​a​l​_​i​Z​3​W.pdf.

6.c)
Sub­jekte des Anti­ko­lo­nia­lis­mus
in: A.N.Y.P. zei­tung für 10 jahre (mini­mal club /​ b_​books) Nr. 9, 1999, 19 – 21.

7. Noch zwei Hin­weise auf Bücher, die ich nicht gele­sen habe:

a)
Klaus Holz /​ Heiko Kauff­mann /​ Jobst Paul (Hg.)
Die Ver­nei­nung des Juden­tums
Anti­se­mi­tis­mus als reli­giöse und säku­lare Waffe
Edi­tion Diss Band: 22
ISBN 978-​​3-​​89771-​​751-​​0
Erscheint im Okto­ber 2009

„Der Band umfasst ein­ge­hende Ana­ly­sen anti­se­mi­ti­scher Posi­tio­nie­run­gen auf den Dis­kurs­ebe­nen der Medien, der Poli­tik, der Wis­sen­schaft, der Reli­gion und des All­tags. The­ma­ti­siert wird die Ent­ste­hung des poli­ti­schen Anti­se­mi­tis­mus in Deutsch­land und des­sen gegen­wär­tige Wie­der­be­le­bung im Isla­mis­mus. Einen Schwer­punkt bil­det die jüdi­sche Per­spek­tive auf das Phä­no­men des Anti­se­mi­tis­mus und auf ihr Gegen­pro­gramm der gerech­ten Gesell­schaft. Vor die­sem Hin­ter­grund wird die Flücht­lings­po­li­tik der Gegen­wart betrach­tet. Dies geschieht anläss­lich des 70. Jah­res­ta­ges der Kon­fe­renz von Evian und deren Umgang mit jüdi­schen Flücht­lin­gen (1938).

Inhalt
Ein­lei­tung

Teil I

His­to­ri­sche Ana­ly­sen

Kurt Lenk
Die Geburt des moder­nen poli­ti­schen Anti­se­mi­tis­mus

Gre­gor Hufen­reu­ter & Uwe Pusch­ner
Anti­se­mi­tis­mus und völ­ki­sche Bewe­gung im wil­hel­mi­ni­schen Kai­ser­reich

Teil II
Jüdi­sche Per­spek­ti­ven

Jobst Paul
Die christ­li­che Über­trump­fung des Juden­tums als Para­digma der Aus­gren­zung. Deutsch-​​jüdische Ana­ly­sen zum Syn­drom der
Juden­feind­schaft

Andreas Dis­seln­köt­ter
Die Bedeu­tung jüdi­scher Medien bei der Bekämp­fung von Anti­se­mi­tis­mus

Yves Kugel­mann im Gespräch mit Jobst Paul
»›Anti­se­mi­tis­mus‹ ist für uns Pflicht und nicht Kür im redak­tio­nel­len All­tag«

Sieg­fried Jäger
Die jüdi­sche Vor­stel­lung einer »gerech­ten Gesell­schaft« zwi­schen reli­giös begrün­de­ter und pro­fa­ner Ethik. Eine dis­kurs­theo­re­ti­sche Spu­ren­su­che

Teil III
Aktu­elle Ana­ly­sen

Moshe Zucker­mann
Ver­ding­lichte Sühne. Von Inter­es­sen und Befind­lich­kei­ten. Anmer­kun­gen zu den deutsch-​​israelischen Bezie­hun­gen

Klaus Holz
Die Para­do­xie der Nor­ma­li­sie­rung. Drei Gegen­satz­paare des Anti­se­mi­tis­mus vor und nach Ausch­witz

Regina Wam­per
Anti­se­mi­tis­mus und Anti­ju­da­is­mus in Dis­kur­sen der Rech­ten. Brü­che und Kon­ti­nui­tä­ten

Jochen Mül­ler
»Warum ist alles so unge­recht?« Anti­se­mi­tis­mus und Israel­hass bei Jugend­li­chen. Die Rolle des Nah­ost­kon­flikts und Optio­nen der
päd­ago­gi­schen Inter­ven­tion

Heiko Kauff­mann
Von Evian nach Brüs­sel. Men­schen­rechte und Flücht­lings­schutz 70 Jahre nach der Kon­fe­renz von Evian

Über die Auto­rin­nen“
(Quelle: http://​unrast​wild​cat​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​8​/​2​0​/​a​n​t​i​s​e​m​i​t​i​s​m​u​s​-​a​l​s​-​r​e​l​i​g​i​o​e​s​e​-​u​n​d​-​s​a​e​k​u​l​a​r​e​-​w​affe/)

b)

Ger­hard Han­lo­ser (Hg.)
„Sie warn die Anti­deut­sches­ten der deut­schen Lin­ken“
Zu Geschichte, Kri­tik und Zukunft anti­deut­scher Poli­tik

ISBN: 3-​​89771-​​432-​​9
Aus­stat­tung: br., 288 Sei­ten

„Bei­träge für eine grund­le­gende Kri­tik anti­deut­scher Ideo­lo­gie

Ange­sichts des ver­hee­ren­den Zustands der lin­ken Bewe­gung hier­zu­lande, schien der ab den neun­zi­ger Jah­ren auf­kom­mende anti­deut­sche Dis­kurs zwei­er­lei mit­ein­an­der zu ver­bin­den: Selbst­kri­tik der oft­mals natio­na­lis­ti­schen und popu­lis­ti­schen Lin­ken auf der einen und eine Schär­fung der Kri­tik des Beste­hen­den auf der ande­ren Seite. Nichts von dem trat ein, viel­mehr steht die anti­deut­sche Linke für einen affir­ma­tive turn inner­halb der Lin­ken gene­rell. Eine radi­kale Kri­tik der herr­schen­den Ver­hält­nisse wird nicht umhin­kom­men, das anti­deut­sche Phä­no­men als Teil des Main­streams im sek­ten­haf­ten Gewand zu erken­nen.

Ver­sam­melt wer­den hier Stim­men von frü­hen Kri­ti­ke­rIn­nen am anti­deut­schen Phä­no­men und von den­je­ni­gen, die eine prak­tisch und theo­re­tisch Beschäf­ti­gung mit ›anti­deut­schen‹ The­men­fel­dern tei­len: Ableh­nung von Deutsch­land als post-​​faschistischer Gesell­schaft, Anti-​​Nationalismus, Kri­tik des (lin­ken) Anti­se­mi­tis­mus… Doch einig sind sich sämt­li­che Ver­fas­se­rIn­nen, dass mit der anti­deut­schen Ideo­lo­gie eine radi­kale Infra­ge­stel­lung des Beste­hen­den nicht zu haben ist, viel­mehr in zuge­spitz­ter Form reine Affir­ma­tion herr­schen­der Ver­hält­nisse ist.

Mit Bei­trä­gen von:
Ilse Bind­seil (Ber­lin), Sek­tie­re­ri­sche Refle­xion und kor­rek­tes Den­ken –
Ver­such einer phi­lo­so­phi­schen Iden­ti­fi­ka­tion

Michael Kol­tan (Frei­burg), »tal­kin’ ‘bout my gene­ra­tion«.
Ein Bei­trag zur Genea­lo­gie des Anti-​​Deutschen-​​Syndroms

Jür­gen Behre/​Thomas Gehrig/​Nadja Rakowitz/​Thomas Schweier,
Avant­garde der Ideo­lo­gie.
Eine Kri­tik der theo­re­ti­schen Vor­aus­set­zun­gen und Impli­ka­tio­nen der ISF

Bern­hard Schmid (Paris), Urlaub von den baha­mas. Vom Pro­dukt der Lin­ken zur anti­to­ta­li­tä­ren Sekte

Det­lef Hart­mann (Köln), »Uname­ri­can«. Die Funk­tion des Anti­ame­ri­ka­nis­mus­dis­kur­ses in der neuen Etappe des Klas­sen­kampfs.

Hol­ger Schatz (Frei­burg), „Die Welt aus­hal­ten ler­nen“.
Neo­li­be­rale For­mie­rung des Selbst und linke Markta­po­lo­ge­tik

Moshe Zucker­mann (Tel Aviv), Was heißt: Soli­da­ri­tät mit Israel?

Mar­cus Mohr/​Sebastian Haunss (Berlin/​Hamburg),
Die Auto­no­men und die (anti)deutsche Frage
Wolf Wet­zel (Frankfurt),Vom lin­ken Bel­li­zis­mus der 90er Jahre bis zur
anti­deut­schen Kriegs­füh­rung

Gazi Caglar (Göt­tin­gen), Islamo-​​Faschismus und kri­ti­sches Unter­schei­dungs­ver­mö­gen.
Über die kapi­ta­lis­ti­sche Zivi­li­sa­tion als Bar­ba­rei und den Kampf der Kul­tu­ren

Ger­hard Han­lo­ser (Frei­burg), Bun­des­re­pu­bli­ka­ni­scher Links­ra­di­ka­lis­mus und Israel – Anti­fa­schis­mus und Revo­lu­tio­nis­mus als Tra­gö­die und als Farce

»Die Gefahr des isla­mi­sier­ten Anti­se­mi­tis­mus« -
Inter­view mit Michael Kie­fer

Auto­rin­nen und Auto­ren:
Jür­gen Behre
wurde 1959 gebo­ren, er stu­dierte Phi­lo­so­phie und Sozio­lo­gie in Frank­furt am Main und ist Mit­glied der Marx Gesell­schaft, 2004 erschien bei VSA: Volks­sou­ve­rä­ni­tät und Demo­kra­tie.

Ilse Bind­seil,
1945 gebo­ren, lebt in Ber­lin als Leh­re­rin und Auto­rin, Redak­teu­rin bei »Ästhe­tik und Kom­mu­ni­ka­tion«. Phi­lo­so­phie, Gesell­schafts­theo­rie und »schö­ner« Lite­ra­tur gilt ihr Inter­esse. Sie ver­öf­fent­lichte u.a.: »Elend der Weib­lich­keit, Zukunft der Frauen«, »Mari­elle und die Revo­lu­tion. Ein uto­pi­scher Schel­men­ro­man« und ist Mit­her­aus­ge­be­rin von »Frauen 1-​​6« (sämt­lich beim ça ira-​​Verlag Frei­burg).

Gazi Caglar
ist Pro­fes­sor für Sozi­al­päd­ago­gik an der Fach­hoch­schule Hil­des­heim /​Holzminden /​Göttingen. Von Gazi Caglar und Hakan Bakar erscheint im Herbst 2004 bei Unrast das Buch »Die USA und der Nahe Osten. Geschichte und Gegen­wart einer impe­ria­lis­ti­schen Bezie­hung«.

Tho­mas Geh­rig,
Mit­glied der Marx Gesell­schaft, lebt in Rüdes­heim am Rhein und ist pro­mo­vie­ren­der Nacht­por­tier.

Ger­hard Han­lo­ser,
Sozio­loge aus Frei­burg, kommt aus einer antideutsch-​​antifaschistischen Fami­lie, die Henry Mor­gent­hau und Ilja Ehren­burg glei­cher­ma­ßen ver­ehrt, den Mau­er­fall in Ber­lin so sehr bedau­erte, wie den jet­zi­gen Zaun­bau in Israel ablehnt. Schon län­ger die­ser Kin­der­stube ent­wach­sen, beschäf­tigt er sich mit ant­ago­nis­ti­schen Bewe­gun­gen und der Geschichte des Links­ra­di­ka­lis­mus.

Det­lef Hart­mann,
sozi­al­re­vo­lu­tio­nä­rer Theo­re­ti­ker und in Köln leben­der Rechts­an­walt, Mit­ar­beit bei den Zeit­schrif­ten­pro­jek­ten »Auto­no­mie. Neue Folge« und »Mate­ria­lien für einen neuen Anti­im­pe­ria­lis­mus«. Poli­ti­siert 1968 durch Poli­zei­knüp­pel im »peo­p­les park« in Ber­ke­ley bei San Fran­cisco.

Sebas­tian Haunss,
Pla­kat­for­scher und Poli­to­loge, ist fest davon über­zeugt, dass sich »Etwas Bes­se­res als die Nation« immer leicht fin­den las­sen wird – etwas Bes­se­res als die Anti­deut­schen aller­dings auch.

Michael Kie­fer
wurde 1961 gebo­ren. Er stu­dierte Islam­wis­sen­schaf­ten, Poli­tik­wis­sen­schaf­ten und Phi­lo­so­phie an der Uni­ver­si­tät Köln. Der­zeit arbei­tet er an einer Stu­die zum Thema Isla­mi­scher Reli­gi­ons­un­ter­richt.

Michael Kol­tan
lebt in Frei­burg. Seine ungu­ten Vor­lie­ben für Bewe­gungs­ge­schichte, Phi­lo­so­phie und Rock’n’Roll finan­ziert er, indem er seine Arbeits­kraft als Soft­ware­ent­wick­ler ver­kauft.

Mar­kus Mohr,
gebo­ren in einer ehe­mals freien Bauern-​​ und Skla­ven­hal­ter­re­pu­blik, die zunächst vom däni­schen König regiert und spä­ter von Preu­ßen kolo­ni­siert wurde, ist also im Grunde gar kein »Deut­scher«, heute einer von über 2 Mil­lio­nen Mit­glie­dern der IG Metall.

Nadja Rako­witz,
gebo­ren 1966, arbei­tet der­zeit am Insti­tut für Medi­zi­ni­sche Soziologie/​Frankfurt am Main und in der Redak­tion des »express. Zei­tung für sozia­lis­ti­sche Betriebs-​​ und Gewerk­schafts­ar­beit«, ist Mit­glied der Marx Gesell­schaft und hat beim ca-​​ira Ver­lag ihre Dis­ser­ta­tion zum Thema: »Ein­fa­che Waren­pro­duk­tion. Ideal und Ideo­lo­gie« ver­öf­fent­licht.

Hol­ger Schatz,
geb. 1967, lebt in Frei­burg. Stu­dium der Sozio­lo­gie und Geschichte. Im Herbst 2004 erscheint seine Dis­ser­ta­tion »Arbeit als Herr­schaft«. Diverse Publi­ka­tio­nen, u.a. »Frei­heit und Wahn deut­scher Arbeit«, Müns­ter 2001 (zusam­men mit Andrea Woel­dike). Mit­ar­beit bei Radio Drey­eck­land, heil­lose Ver­stri­ckung zwi­schen Kapitalismus-​​Ekel, para­si­tär ange­eig­ne­tem Zeit­wohl­stand, Leis­tungs­sport und Pro­duk­ti­vis­mus­kri­tik.

Bern­hard Schmid,
gebo­ren 1971 in Radolf­zell am Boden­see; seit 1987 poli­tisch aktiv, dar­un­ter von 1990 bis 93 bei den frü­hen Anti­deut­schen. Lebt seit 1995 dau­er­haft in Frank­reich. Haupt­be­ruf­lich Jurist, dane­ben Kor­re­spon­dent und Autor lin­ker Zei­tun­gen, u.a. Jungle World und Ana­lyse & Kri­tik. Im Herbst 2004 erscheint von ihm im Unrast Ver­lag das Buch »Alge­rien – Fron­staat im glo­ba­len Krieg? Neo­li­be­ra­lis­mus, soziale Bewe­gun­gen und isla­mis­ti­sche Ideo­lo­gie in einem nord­afri­ka­ni­schen Land.«

Tho­mas Schweier,
Mit­glied der Marx Gesell­schaft, wurde 1959 gebo­ren. Er pro­mo­vierte Ger­ma­nis­tik. Tätig ist er als Lei­ter einer Stadt­teil­bi­blio­thek in Frank­furt am Main.

Wolf Wet­zel
war Autor der ehe­ma­li­gen auto­no­men L.U.P.U.S.- Gruppe, die seit 1986 auto­nome Theo­rie mit prak­ti­schen Fra­gen des All­tags ver­band (Start­bahn­be­we­gung 1980-​​1991, Liber­täre Tage in Frankfurt/​M. 1987, Anti-​​Repressions-​​Kampagne 1987-​​90, Anti-​​Golfkriegskampagne 1991, Bun­des­tags­blo­ckade gegen die Abschaf­fung des Asyl­rechts 1993, Auf­ruf zur Ver­hin­de­rung des grü­nen Son­der­par­tei­tags zum Krieg gegen Jugo­sla­wien 1999). Zuletzt erschien von ihm im Unrast-​​Verlag 2001 das Buch: »Die Hunde bellen…Von A bis (R)Z. Eine Zeit­reise durch die 68er Revolte und die mili­tan­ten Kämpfe der 70er bis 90er Jahre« und 2002 »Krieg ist Frie­den. Über Bag­dad, Sre­bre­nica, Genua, Kabul nach…«.

Moshe Zucker­mann,
Direk­tor des Insti­tuts für Deut­sche Geschichte der Uni­ver­si­tät Tel Aviv. Unter ande­rem ist er Autor der Stu­dien: Zwei­er­lei Holo­caust. Der Holo­caust in den poli­ti­schen Kul­tu­ren Isra­els und Deutsch­lands (1998) und: Geden­ken und Kul­tur­in­dus­trie. Ein Essay über die neue »Nor­ma­li­tät« der Deut­schen (1999).“
(http://​www​.unrast​-ver​lag​.de/​u​n​r​a​s​t​,​2​,​1​8​7​,​5​.html)

Radio-Termin: 08.08. 09 -17.00: Zwischen Wolfsschanze und Hollywood

In der nächs­ten Sen­dung hört ihr den Mit­schnitt der Ver­an­stal­tung vom 20.07.09 im Wild West:

Zwi­schen Wolfs­schanze und Hol­ly­wood. Die Dar­stel­lung des Atten­tats vom 20. Juli 1944 im Spiel­film

Vor 65 Jah­ren schei­terte das Hit­ler­at­ten­tat vom Claus Graf Schenk von Stauf­fen­berg und des Wider­stands­krei­ses des 20. Julis 1944. Zunächst von der Bevöl­ke­rung der jun­gen Bun­des­re­pu­blik als „Vater­lands­ver­rä­ter“ gebrand­markt, setzte sich lang­sam seit den 1950er Jah­ren eine Aner­ken­nung als Wider­stands­kämp­fer durch. Nicht zuletzt hat­ten hieran auch zahl­rei­che Film­do­ku­men­ta­tio­nen und Spiel­filme ihren Anteil. Mit „Ope­ra­tion Wal­küre – Das Stauffenberg-​​Attentat“ (mit Tom Cruise als Stauf­fen­berg) folgte 2009 die erste, viel dis­ku­tierte US-​​Spielfilmproduktion zu die­ser The­ma­tik. Wie die Gescheh­nisse rund um die Ver­schwö­rung des 20. Juli 1944 fil­misch dar­ge­stellt wer­den und wel­che fik­tio­na­len Ele­mente ein­ge­baut wur­den, soll im Rah­men der Ver­an­stal­tung auf­ge­zeigt und dis­ku­tiert wer­den.

Tho­mas Alt­meyer ist wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter beim Stu­di­en­kreis Deut­scher Wider­stand 1933-​​1945 (Frank­furt) und freier Refe­rent in der Jugend-​​ und Erwach­se­nen­bil­dung.

Quelle:
http://​grund​funk​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​8​/​0​2​/​0​8​0​8​-​0​9​-​1​7​0​0​-​z​w​i​s​c​h​e​n​-​w​o​l​f​s​s​c​h​a​n​z​e​-​u​n​d​-​h​o​l​l​y​wood/

„Immer am 2. Sams­tag um 17.00 auf 89,6 Mhz in Mann­heim und auf 105,4 Mhz in Hei­del­berg oder im Livestream auf www​.ber​mu​da​funk​.org “ (ebd., unter „Meta“)

2 × 4 begrifflich-logische Vorschläge, um nicht an einander vorbeizureden

Um in der Debatte über Anti­se­mi­tis­mus zwi­schen ‚Anti­deut­schen‘ und ‚Anti-​​Antideutschen‘ nicht wei­ter­hin anein­an­der vor­bei­zu­re­den, möchte ich 2 × 4 begrifflich-​​logische Vor­schläge unter­brei­ten. Wenn es mög­lich wäre, sich auf diese ins­ge­samt acht (nega­ti­ven) Aus­sa­gen zu ver­stän­di­gen, dann blie­ben noch genug (posi­tive) Aus­sa­gen übrig, über die sich eine sach­li­che Dis­kus­sion loh­nen würde – und über dann eine Aus­ein­an­der­set­zung mög­lich wäre, ohne sich gegen­sei­tig bös­ar­tige Absich­ten zu unter­stel­len oder sich gar gegen­sei­tig die Köpfe ein­schla­gen.

Ich beginne mit vier Punk­ten der Abgren­zung von dem, was einige ‚Anti­deut­sche‘ wohl tat­säch­lich ver­tre­ten, aber jeden­falls viele ‚Anti-Anti­deut­sche‘ als anti­deut­sche Posi­tion wahr­neh­men. Und dann folgt umge­kehrt eine Abgren­zung von Posi­tio­nen, die einige ‚Anti-​​Antideutsche‘ wohl tat­säch­lich ver­tre­ten und jeden­falls viele ‚Anti­deut­sche‘ den ‚Anti-​​Antideutschen‘ zuschrei­ben. Es fol­gen schließ­lich noch 5 Nach­be­mer­kun­gen zu NS-​​Vergleichen.

I. Con­tra Klischee-​​Antideutsche

1. Nicht jede fal­sche Posi­tion ist anti­se­mi­tisch.

2. Nicht jede – sei es falsch oder rich­tige – Kri­tik an Israel ist per se anti­se­mi­tisch.

3. Nicht jede – sei es falsch oder rich­tige – Kri­tik an Juden oder Jüdin­nen ist per se anti­se­mi­tisch.

4. Nicht jede Kri­tik an Israel oder Jüdinnen/​Juden ist falsch.

II. Con­tra Klischee-​​Anti-​​Antideutsche

1. Eine Kapitalismus-​​Kritik, die sich an den Exzes­sen und Skan­da­len des Kapi­ta­lis­mus, sowie an den TrägerInnen-​​Subjekten (Kapi­ta­lis­ten) abar­bei­tet, mag anti­se­mi­tisch (oder ‚latent‘ oder ’struk­tu­rell‘ anti­se­mi­tisch) sein oder nicht – jeden­falls ist die nicht mar­xis­tisch /​ kom­mu­nis­tisch.
Der Mar­xis­mus ist kein ver­bal­ra­di­ka­ler Neu­auf­guß der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen ‚Heuschrecken‘-Rhetorik.

The Kau­tskyites (K. Kau­tsky, Spec­ta­tor and Co.) quote these facts about ‚healthy‘, ‚peace­ful‘ capi­ta­lism, based on ‚peace­ful rela­ti­ons‘, and coun­ter­pose them to finan­cial rob­bery, ban­king mono­po­lies, deals by the banks with the state, colo­nial opp­res­sion, etc.; they coun­ter­pose them as the nor­mal to the abnor­mal, the desi­ra­ble to the undesi­ra­ble, the pro­gres­sive to the reac­tio­nary, the fun­da­men­tal to the acci­den­tal, etc. This is the new Proud­ho­nism. The old Proud­ho­nism on a new basis and in a new form. Petty-​​bourgeois refor­mism: in favour of a clea­nish, sleek, mode­rate and gen­teel capi­ta­lism.“ (Lenin)

Die Gestal­ten von Kapi­ta­list und Grund­ei­gen­tü­mer zeichne ich kei­nes­wegs in rosi­gem Licht. Aber es han­delt sich hier um die Per­so­nen nur, soweit sie die Per­so­ni­fi­ka­tion ökono­mi­scher Kate­go­rien sind, Trä­ger von bestimm­ten Klas­sen­ver­hält­nis­sen und Inter­es­sen. Weni­ger als jeder andere kann mein Stand­punkt, […], den ein­zel­nen ver­ant­wort­lich machen für Ver­hält­nisse, deren Geschöpf er sozial bleibt, sosehr er sich auch sub­jek­tiv über sie erhe­ben mag.“ (Marx)

2. Ent­schei­dend ist in letz­ter Instanz nicht, was eineR beab­sich­tigt, son­dern, was er/​sie tut.1 Dies gilt ent­spre­chend auch für das Sagen: Ent­schei­dend ist weni­ger was eineR sagen will, als viel­mehr, was er/​sie tat­säch­lich sagt.

Zwi­schen­be­mer­kung con­tra Klischee-‘Anti- deut­sche‘ und con­tra Klischee-‘Anti-Antideutsche‘
Folg­lich kann eine Aus­sage objek­tiv anti­se­mis­tisch sein, ohne sub­jek­tiv anti­se­mi­tisch gemeint gewe­sen zu sein.
Der Nach­weis der­ar­ti­ger objek­ti­ver Bedeu­tun­gen hat frei­lich mit ernst­haf­ten Text­ana­ly­se­me­tho­den zu erfol­gen (d.h.: muß sich empi­risch und argu­men­ta­tiv aus­wei­sen) – und nicht mit der Wün­schel­rute.

Die adäquate Kon­se­quenz aus der Ein­sicht unab­sicht­lich etwas Anti­se­mis­ti­sches for­mu­liert zu haben, ist die Kor­rek­tur der eige­nen For­mu­lie­run­gen – nicht das Behar­ren dar­auf, es gar nicht anti­se­mis­tisch gemeint zu haben.

3. Aus den genann­ten Grün­den ist nicht aus­ge­schlos­sen, daß sich eine Aus­sage, die sich sub­jek­tiv als anti­zio­nis­tisch ver­steht, objek­tiv anti­se­mi­tisch ist.

4. Daß nicht jede Kri­tik an Israel oder Jüdinnen/​Juden anti­se­mi­tisch ist, befreit nicht davon, zu prü­fen, ob nicht im jewei­li­gen Einzel-​​ /​ Kon­flikt­fall den­noch eine anti­se­mis­ti­sche Aus­sage vor­liegt.

Nach­be­mer­kung zu NS-​​Vergleichen:

1. Der Natio­nal­so­ziali­mus kann mit ande­ren Herr­schafts­for­men ver­gli­chen wer­den – unzu­tref­fend wäre frei­lich, wenn der Vergleich mit einer Gleichset­zung endet.

2. Eine sol­che unzu­tref­fende Gleich­set­zung des NS mit ande­ren Herr­schafts­for­men kann, aber muß nicht dem Ziel die­nen, den NS schön zu reden. Inten­tion kann viel­mehr auch sein, die Schärfe der Ableh­nung des NS – an der kein Deut gerüt­telt wird – auf andere Herr­schafts­for­men zu über­tra­gen.
Objek­tiv liegt darin frei­lich den­noch eine Ver­harm­lo­sung des NS, denn eine sol­che Gleich­set­zung bedeu­tet eine Negie­rung der Spe­zi­fik des vom NS nicht nur vor­sätz­lich, son­dern mit direk­ter Absicht durch­ge­führ­ten indus­tri­el­len Mas­sen­mor­des an den euro­päi­schen Juden und Jüdin­nen.

3. Die Sozialfaschismus-​​These der Kom­In­tern war schon Ende der 1920er /​ Anfag der 1930er Jahre, als sie for­mu­liert wurde, falsch. Im Lichte der tat­säch­li­chen Erfah­rung des NS erweist sie sich als noch ‚fal­scher‘.

4. Auch eine Gleich­set­zung nicht aus Arbei­te­rIn­nen­be­we­gung her­vor­ge­gan­ge­ner, parlamentarisch-​​repräsentativ-​​demokratischer Par­teien, wie CDU/​CSU in der BRD oder Repu­bli­ka­ner in den USA, mit dem NS wäre unzu­tref­fend.

5. Auf der Grund­lage einer sol­chen unzu­tref­fen­den Gleich­set­zung ließe sich weder eine effek­tiv anti­fa­schis­ti­sche /​ anti­na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Stra­te­gie ent­wi­ckeln (selbst wer/​welche fin­det, daß Kom­mu­nis­tIn­nen im Rah­men der Volksfront-​​Strategie ab Mitte der 30er Jahre zuviel an Pro­fil ver­lo­ren haben [eine Posi­tion, der ich durch­aus zuneige], kommt für eine rich­tige Situa­ti­ons­ein­schät­zung und Stra­te­gie­ent­wick­lung nicht umhin, die Unter­schiede zwi­schen ver­schie­de­nen bür­ger­li­chen und selbst ver­schie­de­nen faschis­ti­schen Herr­schafts­for­men zu berück­sich­ti­gen).
Auch eine effek­tive Stra­te­gie gegen den Impe­ria­lis­mus im all­ge­mei­nen ließe sich auf der Grund­lage einer unzu­tref­fen­den Gleich­set­zung nicht ent­wi­ckeln, da es erfor­der­lich ist, die jeweils spe­zi­fi­schen Stär­ken und Schwä­che der unter­schied­li­chen Herr­schafts­for­men zu berück­sich­ti­gen2.

Nach-​​Nachbemerkung:

Diese The­sen bean­spru­chen – wie gesagt – keine Ori­gi­na­li­tät, son­dern wol­len nur einen Rah­men vor­schla­gen, in dem eine sach­li­che Debatte über viele ernst­hafte Pro­blem mög­lich wäre – und das gegen­sei­tige Abschlach­ten von Papp­ka­me­ra­dIn­nen been­det wer­den könnte.

  1. „Wol­len wir Turati, dem Refor­mis­ten, Turati, dem Anhän­ger Kau­tskys, glau­ben, daß es nicht seine Absicht war, den Krieg zu recht­fer­ti­gen. Wer wüßte aber nicht es in der Poli­tik nicht auf Absich­ten ankommt, son­dern auf Taten? nicht auf fromme Wün­sche, son­dern auf Tat­sa­chen? nicht auf das, was man sich ein­bil­det, son­dern auf das, was wirk­lich ist?“ [LW 23, 187; engl.: http://​www​.mar​xists​.org/​a​r​c​h​i​v​e​/​l​e​n​i​n​/​w​o​r​k​s​/​1​9​1​7​/​j​a​n​/​0​1.htm; Arti­cle (or Chap­ter II)] „Wäh­rend im gewöhn­li­chen Leben jeder Shop­kee­per sehr wohl zwi­schen Dem zu unter­schei­den weiß, was Jemand zu sein vor­gibt, und dem, was er wirk­lich ist, so ist unsre Geschicht­schrei­bung noch nicht zu die­ser tri­via­len Erkennt­nis gekom­men. Sie glaubt jeder Epo­che aufs Wort, was sie von sich selbst sagt und sich ein­bil­det.“ (Marx/​Engels) [zurück]
  2. Vgl. Lenin: „Der Arti­kel von G[eorg] L[ukács] ist ein sehr radi­ka­ler und sehr schlech­ter Arti­kel. […]. Es fehlt die kon­krete Ana­lyse ganz bestimm­ter his­to­ri­scher Situa­tio­nen.“ (LW 31, 153) „the most essen­tial thing in Mar­xism, the living soul of Mar­xism, [is] the con­crete ana­ly­sis of con­crete con­di­ti­ons“ (zit n. http://​www​.mar​xists​.org/​r​e​f​e​r​e​n​c​e​/​a​r​c​h​i​v​e​/​m​a​o​/​s​e​l​e​c​t​e​d​-​w​o​r​k​s​/​v​o​l​u​m​e​-​1​/​m​s​w​v​1​_​1​2.htm, FN 10, dt. wie vor­ste­hend S. 154 [?]). [zurück]

Sahnehäubchen bin ich doch gerne

Die hier schon mehr­fach zitierte Seite „Du bekämpfst stän­dig das Böse…“ meint – unter Ver­lin­kung der hie­si­gen Dis­kus­si­ons­über­sicht zu MaKss Damage und des hie­si­gen Impress­ums -

das sah­ne­häub­chen setzt dann noch die­ser sich selbst so unglaub­lich ernst neh­mende und wis­sen­schaft­lich ver­ste­hende Det­lef auf. […]. …man könnte diese ganze sku­ri­li­tät aber viel­leicht auch ein­fach als das ver­ste­hen, was es ist: die fort­set­zung der anti­deut­schen krab­bel­grup­pen beim ver­such die arab in die kaste der unbe­rühr­ba­ren zu ver­frach­ten.“

Dazu ein paar knappe Anmer­kun­gen in eige­ner und frem­der Sache:

1. „sich selbst so unglaub­lich ernst neh­mende“

Es würde der Debatte wohl nur gut tun, wenn sich alle Betei­lig­ten und ihre Argu­mente ernst­neh­men wür­den, und die Frage nach dem Ver­hält­nis von Lin­ken zum Natio­nal­so­zia­lis­mus (im vor­lie­gen­den Fall: in Form von unzu­tref­fen­den US-​​NS-​​Gleichsetzungen) nicht als „Sku­ri­li­tät“ abtun wür­den.

2. „und wis­sen­schaft­lich ver­ste­hende“

der Sozia­lis­mus [will], seit­dem er eine Wis­sen­schaft gewor­den, auch wie eine Wis­sen­schaft betrie­ben, d.h. stu­diert wer­den“ (F. Engels)

3. „Det­lef“

4. „arab in die kaste der unbe­rühr­ba­ren zu ver­frach­ten“

S. bspw.:

Brumm­krei­sel­pi­lo­tin: „Warum war das denn bitte nicht anders zu erwar­ten? Die JANO und die ARAB haben schließ­lich die „anti­na­tio­nale Parade“ am 23. Mai unter­stützt und wie sich die­ses Enga­ge­ment mit einem Rap­per ver­trägt, der sol­che Tracks und Videos zu ver­ant­wor­ten hat, leuch­tet mir ein­fach nicht ein.

Ace: „Die [arab] hat nicht nur die anti­na­tio­nale Parade vom 23.05.09 unter­stützt, sie hat auch die Anti­na­tio­nale Parade vom 03.10.08 ver­an­stal­tet, dazu einen mar­xis­ti­schen Theo­rie­tag.

Und was mich anbe­langt – ich habe auch kein Hühn­chen mit ARAB zu rup­fen – Du kannst /​ Ihr könnt Euch gerne mal meine mail an ARAB zei­gen las­sen und wenn Ihr wollt und ARAB ein­ver­stan­den ist, ver­öf­fent­li­chen.

5. Und was ist eigent­lich dar­aus gewor­den?

Am 29.7. hieß es bei „Du bekämpfst…“:

eine irgend­wie aus­ge­führte kri­tik an den grup­pen oder den rap­pern fin­det aller­dings nicht statt. wie so oft nur mora­li­sche titel. schade eigent­lich.“ (meine Hv.)

Und Bezug neh­mend dar­auf schrieb „Oompa Loompa“ (wohin­ter sich ein link zur Seite „Du bekämpfst…“ ver­barg) 30. Juli 2009 um 5:18 Uhr auf der Seite der Brumm­kreislpi­lo­tin:

pilo­tin: keine angst, deine kri­tik erkenn ich schon an, aber für taug­lich halte ich sie trotz­dem kei­nes­wegs. und wie kommst du denn auf irgend­wel­che grup­pen­zu­ge­hö­rig­kei­ten und ver­meint­lich feh­lende selbst­kri­tik, wenn ich mei­nem eige­nen bei­trag bzgl rein mora­li­schen ein­wän­den dei­ner­seits mit ’schade eigent­lich.‘ schließe?1

Wo bleibt denn nun die in den Augen von „Oompa Loompa“ /​ „Du bekämpfst…“ ‚nicht-​​moralische‘ Kri­tik an den acts, die am 7.8. spie­len sol­len?

  1. Die Brumm­kreislpi­lo­tin ant­wor­tete dar­auf sehr tref­fend: „Bitte ver­schone mich nun mit dei­nen Aus­flüch­ten und gehe ein­fach mal mit gutem Bei­spiel voran. Wie sieht denn eine ‚taug­li­che‘ Kri­tik an dem Track, dem Rap­per und den Grup­pen aus? Du scheinst so viel Zeit, Moti­va­tion und Fähig­kei­ten zu haben, dass das für dich doch kein Pro­blem sein dürfte.“ [zurück]

Neues aus Stendal und Burg – mal sehen, wie lange das bei indymedia stehen bleibt

Update – 01.08.2009: S. auch die wich­ti­gen Kor­rek­tu­ren (u.a. zur Auto­rIn­nen­schaft des indymedia-​​Artikels) unter: http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​8​/​0​3​/​h​e​u​t​e​-​g​e​s​e​h​e​n​-​0308/, Nr. 1 und 2.
Update – 01.08.2009, 20:35: Zwi­schen halb 8 und halb 9 scheint das indy­me­dia-Mode­ra­ti­ons­team gewech­selt zu haben; unter http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​8​/​0​1​/​n​e​u​e​s​-​a​u​s​-​s​t​e​n​d​a​l​-​u​n​d​-​b​u​r​g​-​m​a​l​-​s​e​h​e​n​-​w​i​e​-​l​a​n​g​e​-​d​a​s​-​b​e​i​-​i​n​d​y​m​e​d​i​a​-​s​t​e​h​e​n​-​b​l​e​i​b​t​/​#​c​o​m​m​e​nt-97fin­den sich die letz­ten von mir gesi­cher­ten Kom­men­tare:

Ursprüng­li­cher Bei­trag: (mehr…)

Neuigkeiten in Sachen MaKss Damage / NS-Vergleiche / Antisemitismus-Vorwürfe

1. unter

http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​7​/​3​0​/​h​e​u​t​e​-​g​e​l​e​s​e​n​-​3​0​0​7​/​#​c​o​m​m​e​nt-80 und http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​7​/​3​0​/​h​e​u​t​e​-​g​e​l​e​s​e​n​-​3​0​0​7​/​#​c​o​m​m​e​nt-88

sowie 2.

http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​7​/​3​1​/​i​n​d​y​m​e​d​i​a​-​d​i​e​-​n​a​e​c​h​s​t​e​-​l​o​e​s​c​h​u​n​g​/​#​c​o​m​m​e​nt-84 und http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​7​/​3​1​/​i​n​d​y​m​e​d​i​a​-​d​i​e​-​n​a​e​c​h​s​t​e​-​l​o​e​s​c​h​u​n​g​/​#​c​o​m​m​e​nt-87 sowie http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​7​/​3​1​/​i​n​d​y​m​e​d​i​a​-​d​i​e​-​n​a​e​c​h​s​t​e​-​l​o​e​s​c​h​u​n​g​/​#​c​o​m​m​e​nt-91.


Eine Über­sicht über die bis­he­rige Dis­kus­sion gibt es im vor­her­ge­hen­den Bei­trag.

Übersicht über die bisherige Diskussion: MaKss Damage / Soli-Konzert 7.8. (aktualisiert am 11.8.)

- Musik und Poli­tik /​ NS-​​Vergleiche /​ Antisemitismus-​​Vorwürfe -

Hin­weise auf wei­tere links zum Thema wer­den dank­bar ent­ge­gen­ge­nom­men.

Die Über­sicht glie­dert sich in fol­gende Abschnitt:

I. Die Vor­ge­schichte bei Theo­rie als Pra­xis: Dis­kus­sion in der Links­par­tei über die Stü­cke von MaKss Damage und die­band­breite zur RAF
II. Die Kon­zer­tan­kün­di­gun­gen
III. Theo­rie als Pra­xis zum Kon­zert mit MaKss Damage am 7.8. in Ber­lin (und die dies­be­züg­li­che Nicht-​​Veröffentlichungs-​​Politik von indy­me­dia)
IV. Woan­ders zu dem Thema
V. zu Hol­ger Bur­ner – eben­falls für den 7.8. ange­kün­digt
VI. Als Hin­ter­grund

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