Archiv der Kategorie 'Geschichte allg., spez. deutscher und span. Sonderweg'

Raus aus der Sackgasse des festgefahrenen Konflikts zwischen „Antideutschen“ und „AntiimperialistInnen“

I.

„Man lese dazu einmal antideutsche Texte. […]. Wo eine Kritik an der einseitigen und unsensiblen (weil unter Außerachtlassen des eigenen Standorts, nämlich dem Land der Shoah) Palästina-Solidarität dringend ist, kehren sie deren Argumentationsmuster um und verlangen eine unkritische Solidarität mit Israel als der Zufluchtsstätte für die Opfer des Antisemitismus. Sie blenden dabei aus, daß Israel eben nicht nur Refugium für Juden und Jüdinnen ist, sondern auch ein ganz normaler Nationalstaat und desweiteren ein Staat, der einen Anteil daran hat (aber keineswegs allein dafür verantwortlich zu machen ist), daß er immer noch nicht in Frieden mit seinen Nachbarn lebt. Israel ist eine historische Notwendigkeit, es besteht jedoch keine Ursache Israel zu glorifizieren. […].
Aber auch ihr selbst erwählter Contrepart (selbstgewählt von beiden Seiten), die sog. Antiimps (nach der gegenwärtigen Verwendung dieses Begriffs für AnhängerInnen einer sehr traditionellen und zumeist unkritischen Solidarität mit den verschiedensten antiimperialistischen Bewegungen weltweit), ist wenig mehr als die andere Seite dieser Medaille: […]. Dieses Spektrum steht moderneren Formen des Antisemitismus hilflos gegenüber: Der hier immer wieder angeführte Vergleich einzelner Facetten der israelischen Besatzungspolitik mit den Verbrechen des deutschen Faschismus bestärkt letzendlich all jene, die die deutschen Verbrechen mit der ‚Erkenntnis‘ verharmlosen möchten, wo anders gehe es doch ebenfalls recht übel zur Sache. Niemals wurde in diesen Kreisen zur Kenntnis genommen, wie sehr die NS-Vergleicherei in der deutschen Bevölkerung einer Schuldabwehr dient. […].
Beide Seiten sind in ihren Äußerungen und ihrem Handeln stark moralisch und weit weniger als sie selber sich gern darstellen von einer kritischen Gesellschaftsanalyse geprägt. Hinter ihrer Parteinahme für jeweils eine Seite des Israel-Palästina-Konflikts verschwinden Auseinandersetzungen in unserer Gesellschaft zwar nicht vollständig, werden aber zur Randerscheinung. Die moralisch fundierte Parteinahme entweder für „die“ PalästinenserInnen oder „die“ Israelis führt zu einem Austrag eines stellvertretenden Nahost-Konflikts in der BRD, wie er absurder nicht sein könnte. Beide Seiten verstecken sich hinter Nationalstaaten resp. Nationalstaatsgründungsorganisationen und sind in derem bürgerlichen Denken gefangen. Auf der einen Seite Verherrlichung der imperialistischen Staaten als „Zivilisation“, auf der anderen Seite ein völlig verlotterter Halbmarxismus, der bestenfalls auf die Unterstützung staatskapitalistischer Elendsverwaltung hinausläuft. […].
Beide Seiten der Medaille sind auch ein Ausfluß der derzeitigen Perspektivlosigkeit linksradikaler Politik. Die Antideutschen haben daraus den Schluß gezogen, daß, wenn es mit der (welt)revolutionären Veränderung schon keinen Zweck mehr habe, mensch wenigstens verhindern solle, daß sich das schlimmste Menschheitsverbrechen der Moderne – der Holocaust – wiederhole. Dieses ehrenwerte Anliegen wurde von einigen AkteurInnen im Laufe der Zeit in eine Lobbyarbeit für die israelische Regierungspolitik überführt und damit der Lächerlichkeit preisgegeben. Eine ernsthafte Analyse und Bekämpfung des real existierenden Antisemitismus hierzulande findet in diesen Kreisen längst nicht mehr statt. […]. Aber auch die Antiimps haben ihre Kompensation der hiesigen unerfreulichen Zustände durch die Projektion ihres romantisch verklärten bewaffneten Kampfes auf alles, was irgendwo in der Welt knallt und schießt, gefunden. Dabei lassen sie allzugern außer acht, was da für AkteurInnen auf dem Platz stehen. Es sollte doch eigentlich selbstverständlich sein, daß, wenn man sich irgendwie auf Palästina bezieht, mitgedacht werden muß, daß die dortigen Hauptbeteiligten des ‚Widerstands‘ eben die faschistoiden IslamistInnen der Hamas sind. Wer das unterschlägt oder gar mit der Parole verteidigt, diese seien ‚objektiv antiimperialistisch‘, weil sie eben gegen Israel und die USA kämpften, hat das Ziel einer befreiten Gesellschaft aus den Augen verloren.“

[Quelle:
Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AG/R), Szeneperistaltik. Gegen linken Konservatismus – zum ständigen Gezänk zwischen Antideutschen und Antiimps [Jan. 2010])

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Antifranquismus mittels Recht? – Die neuste publicity für Richter Garzón

Die folgende Erklärung mit dem Titel „Das Problem ist nicht Garzón. Das Problem war die Transition“ wurde mit Datum von Mittwoch (21.04.2010) auf der homepage der spanischen, in trotzkistischer Tradition stehenden Partei Antikapitalistische Linke veröffentlicht.

Sie beschäftigt sich mit folgendem Vorgang:

„Im September 2008 eröffnete Garzón [aus dem Pinochet-Verfahren von Ende der 1990er Jahre und zahlreichen ETA-Verfahren auch international bekannter Ermittlungsrichter an der als Sondergericht für politische Strafsachen geschaffenen Audiencia Nacional, TaP] ein Verfahren wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen zahlreiche hohe Entscheidungsträger des Franco-Regimes […]. Ein großes und kontroverses Medienecho fand dabei insbesondere seine Anordnung, 19 über das ganze Land verteilte Massengräber aus der Frühphase des Franquismus zu öffnen, […]. Diese Maßnahme wurde jedoch vom Plenum der Audiencia Nacional in einer Mehrheitsentscheidung gestoppt. Garzón selbst hatte zuvor seine Unzuständigkeit erklärt, da alle Tatverdächtigen bereits verstorben seien, und die Fortsetzung von Untersuchungen über die Verschwundenen des Franquismus den lokalen und regionalen Gerichten überlassen. Dennoch erhob die rechtsextreme Beamtengewerkschaft Manos Limpias 2009 Klage [es dürfte sich vielmehr um eine Strafanzeige handeln; nicht um eine Zivilklage, da von ‚Rechtsbeugung’ gesprochen wird; TaP] wegen Rechtsbeugung gegen Garzón, da dieser mit der Einleitung von Ermittlungen gegen bereits verstorbene Personen seine Kompetenzen überschritten habe. Obwohl die Staatsanwaltschaft sich dagegen ausgesprochen hatte, wurde diese Klage [s.o, TaP]1 Ende Mai 2009 vom obersten spanischen Gerichtshof zugelassen. Später schloss sich ihr auch die Falange Española an, eine rechtsextreme Kleinpartei, die den Namen der franquistischen Staatspartei übernommen hat. Anfang April 2010 beschloss Ermittlungsrichter Luciano Varela die Einleitung des Hauptverfahrens, das gegebenenfalls mit einem Berufsverbot für Garzón enden könnte. Dies führte sowohl innerhalb als auch außerhalb Spaniens zu heftiger Kritik von linksliberalen Medien, etwa der New York Times oder der Süddeutschen Zeitung. Spanische Opferverbände erhoben ihrerseits Klage wegen Rechtsbeugung gegen Varela.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Baltasar_Garzón#Franquismus)

Mit Hilfe einiger Hinweise von Mitgliedern der Facebook-Gruppe der Antikapitalistischen Linken Cádiz konnte ich eine Rohübersetzung der Erklärung erstellen (s. unten). Etwaige Hinweise von LeserInnen auf Fehler oder stilistische Verbesserungsmöglichkeiten würde ich gerne noch berücksichtigen.

Im Anschluß an die Erklärung finden sich einige Anmerkungen von mir zu dem Verfahren; in dieser .pdf-Datei befindet sich eine zweispaltige Synopse der Erklärung der Antikapitalistischen Linken mit dem kastilischen Originaltext und meiner Rohübersetzung.

Ich stimme der Erklärung grundsätzlich zu, denke aber, daß es notwendig ist, an einigen Punkten die Vorbehalte gegenüber Garzón und der Unterstützung weiter Teile der liberalen und linken Öffentlichkeit für ihn noch deutlicher zu formulieren.

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Der Deutsche Rechtsstaat: Nationale „Gemeinschaft“ statt Gesetzesbindung der Staatsgewalt – Das Beispiel ‚Steuer-CD‘

Astrid Hölscher hatte vor sechs Wochen in der Frankfurter Rundschau, wenn auch affirmativ, das deutsche Rechtsstaats-Konzept ziemlich treffend auf den Punkt gebracht: „Um solchen Asozialen beizukommen, wäre etwas staatliche Hehlerei“ – es ging damals um den staatlichen Ankauf Schweizer Bankdaten von Personen, die unerlaubt über diese verfügten – „als Recht auslegbar, dafür gibt es Juristen.“ Diesbezüglich „gelten vor deutschen Gerichten andere Regeln als vor US-Jurys, wo der illegal beschaffte Beweis jedes Verfahren torpediert.“
Nun sind zwar der due process, das ordnungsgemäße Verfahren, und die rule of law, die Herrschaft des Gesetzes, auch in den USA längst nicht mehr das, was sie einmal waren – aber traditionell, das heißt: bis zur weltweiten Ausbreitung der deutschen Gerechtigkeitsideologie1, war genau das der Unterschied zwischen der deutschen und südeuropäischen Rechtsstaats-Konzeption einerseits sowie der angelsächsischen Konzeption der rule of law und der französischen des État légal andererseits: Im Bereich der letzteren ist (oder war zumindest) illegal schlicht illegal – und zwar auch dann, wenn die Staatsapparate selbst die Gesetze brachen (was auch dort – genauso wie Fehlurteile von Gerichten im Einzelfall – vorkam und -kommt). Im Rechtsstaat, im Staat des Rechts, sind dagegen „[e]in paar Tricks“ (Hölscher) immer drin, um mittels angeblicher ‚Auslegung’ lllegales in Recht zu transformieren, denn das Konzept des Rechtsstaats baut von vornherein auf der Differenz von (und dem fließenden Übergang zwischen) „Recht“ und „Gesetz“ auf. (mehr…)

JETZT LIEFERBAR: „Rechtsstaat statt Revolution, …?” – Bd. 1: Die historischen Voraussetzungen

Bd. 1 von „Rechtsstaat statt Revolution, …?“ ist jetzt sofort lieferbar, z.B. bei bücher.de (amazon benötigt dagegen 4 bis 5 Tage), direkt beim Verlag (http://dampfboot-verlag.de/form_bestell.php) – oder, noch besser: die Buchhandlung um die Ecke motivieren, mehrere Exemplare zu bestellen und auszulegen:

Infoblatt, um für das Buch und die anderen Bücher der Reihe StaR P – Neue Analysen zu Staat, Recht und Politik Werbung zu machen: http://userpage.fu-berlin.de/~dgsch/wp-content/uploads/Info-Blatt_Reihe_StaR_P.pdf

Ankündigungspolitik, die folgen zeigt:

Lange war es angekündigt – nun geht es Schlag auf Schlag: Diesen Monat erscheint Teil-Bd. 1; im März folgt Teil-Bd. 2:


Detlef Georgia Schulze / Sabine Berghahn / Frieder Otto Wolf (Hg.)
Rechtsstaat statt Revolution, Verrechtlichung statt Demokratie?
Transdisziplinäre Analysen zum deutschen und spanischen Weg in die Moderne.

(StaR  P. Neue Analyen zu Staat, Recht und Politik. Serie A. Bd. 2)
Westfälisches Dampfboot: Münster, Feb. (Teil-Bd.1) und März (Teil-Bd. 2) 2010

Ist die Rede vom „deutschen Sonderweg“ in der Geschichte gerechtfertigt? Müßte dann nicht auch von einem „spanischen Sonderweg“ gesprochen werden? (mehr…)

NS und Demokratie verhalten sich zu einander NICHT wie Rosenkohl und Sauerkraut

10 These gegen die Gleichsetzung von Faschismen und Demokratie sowie zum Verhältnis von Moral und Politik

- Zusammenfassung der Debatte mit der Antidemokratischen Aktion („Gegenstandpunkt“-Freund[inn?]en & Co. KG) –

Der von mir verfaßte angeblich längste Kommentare der blogsport-Geschichte hat zwar für Furore gesorgt (1, 2). Aber ich wurde auch darauf hingewiesen, daß Furore und Länge allein noch keine Rezeption garantieren. Daher hier ein Versuch die Debatte in 10 Thesen (= 2.000 Wörter = 15.000 Zeichen + 8 FN) zusammenzufassen.

Ausgangspunkt (1, 2, 3, 4) der Debatte war das Video zu dem MaKss Damage-Stück KomIntern Flavour mit einer israelischen und einer US-Fahne, in die jeweils Hakenkreuze montiert sind. Aus diesem Anlaß hatte ich folgende These aufgestellt:

„Der Nationalsozialismus kann mit anderen Herrschaftsformen verglichen werden – unzutreffend wäre freilich, wenn der Vergleich mit einer Gleichsetzung endet.1 […]. Objektiv liegt darin […] eine Verharmlosung des NS, denn eine solche Gleichsetzung bedeutet eine Negierung der Spezifik des vom NS nicht nur vorsätzlich, sondern mit direkter Absicht durchgeführten industriellen Massenmordes an den europäischen Juden und Jüdinnen.“

Dem setzte die Antidemokratische Aktion die These entgegen:

Ich sei ein „linksradikale[r Unimethodologe …], welcher der Moral, dass man den Nationalsozialismus zwar mit anderen Herrschaftsformen vergleichen, aber nicht gleichsetzen darf, den Schein von Wissenschaftlichkeit durch Methodengeplapper verleihen will. […]. Und schon ist auch der radikalen Linken als Dienstanweisung für gutes radikales Linkssein die Nationalmoral vom guten demokratischen Nationalismus vs. den schlechten (neo-)nationalsozialistischen mal wieder ins Stammbuch geschrieben – und das diesmal auf voll gebildet, sachlich, neutral etc.“ (Hv. i.O., fehlende Kommata hinzugefügt).

Daß ich nicht gesagt hatte, eine Gleichsetzung dürfe nicht stattfinden, sondern sei unzutreffend, ließ sich noch relativ einfach klären, und, daß es in der BRD-Nationalmoral gar kein Gleichsetzungs-Verbot gibt, sondern die Gleichsetzung in Form der totalitarismustheoretischen Rede von den „zwei deutschen Diktaturen“, von Milosevic und Saddam Hussein als Wiedergängern Hitlers und einer „Wiederholung von Auschwitz“, die im Kosovo angeblich drohte, vielmehr ständig praktiziert wird, fiel der ADA sogar von alleine auf. – Der Moralismus-Vorwurf wurde freilich beibehalten.

Die Debatte, die sich daraus entwickelte, ist in dieser .pdf-Datei (in Form der erwähnten 10 Thesen + 8 Fußnoten) zusammengefaßt; html-Version folgt später.

PS.: Gerade noch gesehen, aber noch nicht gelesen:

  1. Unzutreffend wäre sowohl eine bloße Setzung (Behauptung) der Gleichheit (Identität) von NS und Demokratie, ohne überhaupt vorher einen Vergleich durchzuführen, als auch – nach allem, was wir zur Zeit über die tatsächlichen Unterschiede wissen – die Behauptung einer Gleichheit (Identität) nach Durchführung eines partiellen Vergleichs – z.B. aufgrund der schlicht Tatsache, daß es in beiden Systemen Regierungen gibt oder in beiden Systemen die kapitalistische Produktionsweise herrscht(e). Um etwas zu erkennen, ist erforderlich, nicht zu ermitteln, was dieses Etwas mit anderen Phänomen gemeinsam hat, sondern vielmehr zu ermitteln, welche differentia specifica (welche spezifische Unterschied) dieses Etwas von anderen Phänomen unterscheidet. Zum Inhalt der differencia specifica zwischen NS und allen anderen Herrschaftsformen, imperialistische Demokratie eingeschlossen, s. These 8. [Die FN war nicht Bestandteil des zitierten Textes, sondern wurde hier hinzugefügt. TaP] [zurück]

Luftblase und/oder Aal?

- „Gegenstandpunkt“ de-constructed -

Zugleich Anmerkungen zum Verhältnis von Recht, Moral und Politik, von Faschismen und bürgerlicher Demokratie sowie zum Wert (= Nutzen, bevor es neue Moral-Mißverständnisse gibt) demokratischer Formen

In Reaktion auf meinen Text 2 × 4 begrifflich-logische Vorschläge, um nicht an einander vorbeizureden warf mir die Antidemokratische Aktion (Abschnitt II.) vor, ‚moralisch’ zu argumentieren. Da ich meinen Text nicht im geringsten als „moralisch“ empfand (vielmehr ging es um Begriffsklärungen), und da ich auch ansonsten keinE AnhängerIn des Moralismus bin (s. bspw. hier und hier), fragte ich nach, was denn wohl im vorliegenden Fall mit „moralisch“ gemeint sei. Statt eine Antwort auf die Frage, bekam ich den Hinweis, daß Definitionen eh ‚böse‘ seien, ins Lager der FeindInnen gehören („bürgerliche Wissenschaft“) (+ div. Kommentare).
Nun ja. Mittlerweile ist die Diskussion bei politischeren Themen angekommen. Porada ninfu, der/die der Antidemokratischen Aktion beisprang, vertritt folgende Positionen
a) Er/sie kritisiert, daß ich „der Demokratie im fiktiven Notfall die Stange halten“ will (porada ninfu – 27. August 2009 um 13:34 Uhr, 2. Abs.).
b) „Für Antifa-Arbeit bin ich zum Beispiel gar nicht, weil Nazigrüppchen mir nicht das Leben schwer machen. Das sind der Kapitalismus und die Demokratie.“ (porada ninfu – 27. August 2009 um 13:34 Uhr, 3. Abs.)
Außerdem brachte er die folgenden ‚Moral-Theorie‘ in die Diskussion ein:

„Alle wollen das Eigentum und damit sie ihrem Interesse als Eigentümer nachgehen können, brauchen sie einen Staat der sie gegenseitig auf den Ausschluss vom Reichtum verpflichtet. Weil sie den Staat als Gewaltsubjekt ihres Gemeininteresses wollen, gibt es Moral überhaupt nur.“

Bei diesem Stand der Debatte schrieb ich folgenden Text A. als Zwischenresümee. Danach gab es noch mehrere Antworten der Antidemokratischen Aktion und von porada ninfu. Auch weitere Leute schalteten sich in die Debatte ein. Dann schrieb ich als Antwort meinen anschließenden Text B. Außerdem hatte die Antidemokratische Aktion (FN 1) noch einen Text über einen Vortrag von Peter Decker (vom „Gegenstand“) zur Lektüre empfohlen. Auf diesen antwortet mein untenstehender Text C.

TEXT A.:
ZWISCHENRESÜMEE
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Wer/welche zuletzt lacht, lacht am besten – über die ‚patentierten‘ Marxisten von der Antidemokratische Aktion

- Antwort auf den Text „Pi mal Daumen genau getroffen“ der Antidemokratischen Aktion - (mehr…)

Pi mal Daumen – Für die Antidemokratische Aktion genug?

Zu: „Theorie als Praxis schlägt zurück“ (vom 17.08.2009)

1.

„An­wür­fe der Sorte, ich solle mal ‚Be­griffs­de­fi­ni­tio­nen‘ brin­gen, loh­nen dabei den Kon­ter nicht, denn ist oh­ne­hin of­fen­sicht­lich, was das für ein Blöd­sinn ist. Schließ­lich ist es so ziem­lich das Ge­gen­teil vom Be­grei­fen einer Sache, also sich einen Be­griff von ihr zu ma­chen,“

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Noch einmal: Grüner Rassismus

Im Nachgang zum hiesigen Beitrag von vorgestern (Nr. 2) habe ich mich heute an der Diskussion beim Mädchenblog über die Grünen Wahlplakate in Kaarst beteiligt.

Erst schickte ich den folgenden Kommentar, dann antwortete apostel dreimal und schließlich ich noch zweimal, apostel drei weitenre Male und ich noch einmal: (mehr…)

indymedia wie es leibt und lebt -


nie um ein sachliches Argument verlegen
(es handelt sich um die Kommentare zu dem Artikel http://de.indymedia.org/2009/08/257876.shtml – aber das spielt keine Rolle) und mit jede Menge kompetenten und engagierten ModeratorInnen:

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23 Std. vor Veranstaltungs-/Konzert-Beginn: Ziemlich viel Unklarheit um MaKss Damage

Seit gestern wird auf der MaKss Damage-homepage mitgeteilt: „Antideutsche Rassisten haben es anscheinend geschafft den Gig am 7.8. (Rap ist Klassenkampf) im ‚Festsaal Kreuzberg‘ zu unterbinden. Die Festsaalbetreiber haben unter dem Druck der imperialistischen Israelfanatiker den Schwanz eingezogen“1. Dies hört sich danach an, daß aufgrund des Widerstandes des Festssaals Kreuzberg die ganze Veranstaltung „Rap ist Klassenkampf“ nicht stattfinden könne.
Der Festsaal teilte freilich auf Anfrage mit, daß das Konzert stattfinde, aber MaKss Damage nach konsensueller Entscheidung von Festsaal und den politischen Veranstaltergruppen nicht auftreten werde. Auf der Seite http://erstermai.nostate.net/, auf die ARAB verweist, und auf der Seite von JANO ist MaKss Damage aber weiterhin angekündigt. Auf eine Anfrage von heute mittag haben beide Gruppen (noch) nicht geantwortet.

  1. http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/08/05/kein-am-78-stellungnahme-von-md/; http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/08/05/zur-stellungnahme-von-md/ [zurück]

Zur Stellungnahme von MD

Zu dem Text von MD sei folgendes angemerkt:

‚Rassisten verhindern MaKss Damage Gig‘
Antideutsche Rassisten haben es anscheinend geschafft den Gig am 7.8. (Rap ist Klassenkampf) im ‚Festsaal Kreuzberg‘ zu unterbinden.

1. Soweit ersichtlich hat, niemand kritisiert, daß es ein Konzert „RAP ist Klassenkampf“ geben soll. Kritisiert wurde vielmehr ein Teil der ankündigten Künstler. Besonders wurde in der Tat MaKss Damage kritisiert. Auf die Kritik geht MD nicht ein. Statt dessen wird der begründungslose Gegenvorwurf ‚Rassismus‘ erhoben.
Mich würde interessieren, an welchen Äußerungen der MD-KritikerInnen sich dieser Rassismus-Vorwurf festmacht und gegen wen sich dieser Rassismus angeblich richtet. Gegen Deutschland/Deutsche?!

2. Zu „verhindern“ / „unterbinden“: Forderungen wie „Makks Damage am 7.8. von der Bühne jagen!!“ von antideutsch.with.style blieben in der Diskussion eine absolute Randerscheinung. Der Hauptstrang der Diskussion war vielmehr eine Kritik an den Künstlern und den veranstaltenden Gruppen und die Forderung an letztere sich zu den Positionen der Künstler politisch zu verhalten, sofern diese sich von der Kritik nicht überzeugen lassen. Was mich anbelangt, darf ich noch mal daran erinnern, was ich am 1. August geschrieben hatte:

„Mangels gruppen-übergreifender, verbindlicher demokratischer Entscheidungsstrukturen, kann aber nur jede linke Gruppe für sich selbst entscheiden, ob sie solche Bands einlädt oder nicht. Andere linke Gruppen können daraus wiederum Konsequenzen für die Zusammenarbeit mit den fraglichen Gruppen ziehen. Die Grenze, wo eine eigenmächtige Sprengung von Konzerten geboten ist, scheint mir im vorliegenden Fall allerdings noch nicht erreicht zu sein.“1

3. Ich darf auch noch mal daran erinnern, daß ich nicht auf anti-deutscher Grundlage argumentiert habe (da ich sie nicht teile – wenn damit die Positionen von Bahamas & Co. gemeint sind). Von antideutscher Seite bekam ich sogar den freundlichen Ratschlag erteilt:

halt einfach die fresse.

Trotzdem ist die richtige Intuition an der antideutschen Position freilich, daß der Hauptfeind – wie Liebknecht sagte und wie es die Bolschewiki in ihrer Politik vorbildlich umgesetzt haben – im eigenen Land steht und sich deshalb in Deutschland die praktische Kritik am Imperialismus zuvorderst gegen den deutschen zu richten hat. Auch, daß dieses Thema und diese Stoßrichtung nach dem Anschluß der DDR an die BRD aufgrund des wachsenden Einflusses der Groß-BRD eine verstärkte Dringlichkeit erfährt, war an der ursprünglichen Intuition der Antideutschen richtig. Falsch an bestimmten Antideutschen ist, daß sich deren Ablehnung des deutschen Imperialismus mittlerweile in eine Unterstützung des us-amerikanischen und die Aufforderung an den deutschen Staat jenen (noch stärker als ohnehin) zu unterstützten, gewandelt hat. Auch die ursprüngliche Warnung vor einer Unterschätzung des Antisemitismus und antisemistischen Äußerungen in der Linken ist mittlerweile in einem leichtfertigen Umgang mit dem Antisemitismus-Vorwurf und damit einer Verharmlosung des wirklichen Antisemitismus umgeschlagen. Ich darf dazu noch mal auf meinen Text 2 × 4 begrifflich-logische Vorschläge, um nicht an einander vorbeizureden verweisen. (mehr…)

Kein Konzert am 7.8.? – Stellungnahme von MD

Wenn wir MaKss Damage glauben können, scheitert das Konzert am 7.8. daran, daß der Raum (Festsaal Kreuzberg) nicht mehr zur Verfügung steht.

Bleibt zu hoffen, daß das kein Fake ist, um die KritikerInnen ruhig zu stellen, und daß sich die veranstaltenden Gruppen nicht durch die Entscheidung des Veranstaltungsortes von der Notwendigkeit von einer politischen Stellungnahme entbunden sehen.

Auf den Seiten von ARAB und JANO sowie unter http://erstermai.nostate.net/ findet sich noch keine Konzert-Absage; ebenso wenig aus den Seiten des Festsaals Kreuzberg (1, 2).

Stellungnahme zum Text von MD folgt.

So langsam stellt sich die Frage: Gotteskrieger bei indymedia?

Kurz nach Mitternacht wurde bei indymedia ein Beitrag mit den kompletten lyricseines MaKss Damage-Stückes geposted, das bereits bei früherer Gelegenheit auszugsweise zitiert wurde. Als ich mir die Seite heute morgen das erste Mal ansah, gab es vier Kommentare. Zwischen dem ersten Lesen und dem Versuch, die Seite mit eventuellen weiteren Kommentaren neu zu laden, wurde auch diese Seite gesperrt. Ich kann daher hier nur einen screen shut der open posting-Liste mit der Artikel-Zusammenfassung posten.

Es folgten im Haupttext der Nachricht die kompletten lyrics von der in der Fußzeile des Artikels genannten internet-Seite (http://lyricwiki.org/MaKss_Damage:Terror_Touchit) sowie die wohl vier Kommentare. Die ersten beiden waren nach meiner Erinnerung kritisch zu dem Stück. In einer der beiden Ergänzungen wurde die Ansicht vertreten, daß nicht erst die letzten beiden Zeilen, sondern bereits der Anfang des Stückes dieses als menschenverachtend erweise.
Die beiden anderen Kommentare versuchten weiterhin Kritik an MaKss Damage abzuwehren: Die eine Ergänzung mit der begründungslosen Behauptung, die Bezugnahme auf Gott in dem Stück erweise nicht, daß es sich nicht um linken Antiimperialismus handeln könne. Die andere Ergänzung disqualifizierte den Ausgangsartikel als guerilla-marketing.
Dazu sei angemerkt:

1. Es besteht in der Frage eines Gottesbezuges keinerlei Anlaß hinter Die Internationale zurückzufallen:

Es rettet uns kein höh‘res Wesen,
kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
Uns aus dem Elend zu erlösen
können wir nur selber tun!

2. Guerilla-marketing oder nicht. Das wahre marketing für MaKss Damage ist, von linken Gruppen eingeladen zu werden. Erst dies gibt dem Flirt mit der kommunistischen Tradition einen authentischen touch. Es dürfte kaum möglich sein, diese Debatte zu beenden, wie nicht alle linken Gruppe dieser Ausbeutung der kommunistischen Tradtion für welche Zwecke auch immer – seien es schlicht marekting Interessen oder tatsächlich religiöse Interessen – den Boden einziehen.

Was indymedia anbelangt, bleibt mir völlig schleierhaft, was das heutige Redaktionskollektiv veranlaßt haben könnte, selbst jene kritische Berichterstattung über ein Stück, das im Namen Gottes Anschläge mit entführten Zivilmaschinen propagiert („Oh Schreck, das kleine Mädchen neben mir hat einen Teddybär und ich hab Dynamit in seinem Arsch versteckt / Und ich stürme in das Cockpit, Sturmmaske Turban und Zündschnur/ Ich köpf den, der nicht mit dem Kopf nickt / Kopffick“), zu unterbinden. Es dürfte an der Zeit sein, daß indymedia eine ernsthafte Grundsatz-Diskussion über die sehr unterschiedlich ausfallenden Moderationspraxen der verschiedenen Moderationskollektive führt. – Wenn ein Teil der Kollektive weiterhin jeden kritischen Gedanken aus Artikeln verbannt, weil diese ‚Szene-Diskussionen‘ auslösen können, dann dürfte der Informationswert von indymedia bald hinter dem des dpa-Nachrichten-Tickers zurückfallen. Eine Berichterstattung, die sich darauf reduziert, wann wo wieviel Leute bei einer Demonstration waren und wieviel Polizeikräfte da waren und welches Gerangel es gab, tendiert vom Informationswert her gegen Null und ist folglich auch politisch nutzlos. Das entsprechende gilt für alle anderen vermeintlich ‚rein faktischen‘ Artikel, die tatsächlich aber den herrschenden ideologischen status quo reproduzieren.

„Es geht also nicht darum, alle interessanten Infos aus kommerziellen Massenmedien zusammenzutragen, sondern diesen Medien die eigene Sicht auf Ereignisse entgegenzusetzen, bzw. über Ereignisse zu berichten, die von diesen Medien übergangen werden. Die Moderationskollektive versuchen, diese Art von Berichterstattung zu unterstützen. Indymedia ist grundsätzlich offen für alle Meinungen, es sei denn sie haben sexistischen, rassistischen, antisemitischen u./o. faschistischen Inhalt.“
http://de.indymedia.org/static/moderation.shtml

Hier noch für diejenigen, die den gesperrten Artikel bei indymedia bestellen wollen, die URL:
http://de.indymedia.org/2009/08/257576.shtml.

Unter http://lyricwiki.org/MaKss_Damage gibt es im übrigen die Texte weiterer MaKss Damage-Stück. In „Angriff“ heißt es bspw.: „Seine Peiniger finden und steinigen. / Sich befreien und einigen“ – allein schon, daß es sich reimt, scheint alles zu rechtfertigen.