Archiv der Kategorie 'Online gelesen / Überblicke'

@ Ukraine: Jenseits von Bewegungseuphorie und Panikmache

sys­tem­crash hat Aus­züge aus

und

gespie­gelt.

Bewe­gungs­tü­me­lei bie­tet dage­gen wie­der ein­mal Wal Buchen­berg, der bei neo­prene von Eichen­tal zitiert wird.

RUMMOTZEN stellt Fragen zur Feministischen Kritik

Rum­mot­zen zitiert einige Absätze aus der Femi­nis­ti­schen Kri­tik und wirft dann fol­gende Fra­gen auf:

„Wie ste­hen wir Frauen zur Gewalt?
Kön­nen wir eine neue Gewalt­de­batte eröff­nen?
Was heißt ,,Gewalt“ als Rebel­lion von unten, wel­che Kon­se­quen­zen wür­den wir zie­hen?
Wenn die ,,Frau“ oder die ,,Klasse“ als solche,,abgeschafft“ wird und statt­des­sen der Mensch in sei­ner Sub­jek­ti­vi­tät ver­bleibt und einen Ein­zel­kampf füh­ren muss, ist es eine Negie­rung aller Gewalt, die immer­noch an dem Kol­lek­tiv der Frauen bzw. der Klasse geschieht?“

(http://​baum​derg​lu​eck​se​lig​keit​.blog​sport​.de/​2​0​1​1​/​0​4​/​2​8​/​e​i​n​e​-​f​e​m​i​n​i​s​t​i​s​c​h​e​-​k​r​i​t​i​k​-​a​u​s​z​uege/)

Vgl. zu dem Thema auch mei­nen Text:
Gegen den Strom. Ver­such einer Aktua­li­sie­rung der „Feministische[n] Kri­tik“ von 1993.

HEUTE: Soli-Demo für die Proteste in Griechenland, Mi. (19.5.), Berlin und FfM

1. Ber­lin: 18 h ab Finanz­mi­nis­te­rium (Wilhelmstraße/​Leipziger Straße)

a)

Von Athen nach Ber­lin – Ban­ken und Kon­zerne sol­len zah­len!

Pres­se­mit­tei­lung des Ber­li­ner Bün­dis­ses “Wir zah­len nicht für eure Krise” vom 16.05.2010

Das Ber­li­ner Bünd­nis “Wir zah­len nicht für Eure Krise!”, in dem über drei­ßig gewerk­schaft­li­che und poli­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen zusam­men­ar­bei­ten, ruft auf zur Demons­tra­tion “Von Athen nach Ber­lin – Ban­ken und Kon­zerne sol­len zah­len!”.

Als Spre­cher des Bünd­nis­ses erklärt Michael Prütz:
In der aktu­el­len öffent­li­chen Mei­nung Deutsch­lands hat die grie­chi­sche Bevöl­ke­rung über ihre Ver­hält­nisse gelebt, es wird gemut­maßt, zu hohe Löhne, zu frü­hes Ren­ten­ein­tritts­al­ter, unver­hält­nis­mä­ßig hoher pri­va­ter Kon­sum hät­ten zu der Misere geführt, in der Grie­chen­land jetzt ist. In wider­li­cher Art und Weise hat die Bou­le­vard­presse gegen die ver­meint­lich fau­len Grie­chen und Grie­chin­nen gehetzt. Nicht aber die grie­chi­sche Bevöl­ke­rung hat über ihre Ver­hält­nisse gelebt, son­dern bei­spiels­weise die grie­chi­schen Ree­der, die die größte Flotte der Welt unter­hal­ten und für ihre Geschäfte kei­nen Cent Mehr­wert­steuer an den Staat ent­rich­ten müs­sen. Auch die grie­chi­sche Kir­che als größ­ter Groß­grund­be­sit­zer in Grie­chen­land zahlt kei­nen Cent Grund­steuer, wäh­rend die grie­chi­sche Regie­rung sich erlaubt, jähr­lich für fünf bis acht Mil­li­ar­den Euro Rüs­tungs­gü­ter in Deutsch­land zu kau­fen. Die deut­sche Bun­des­re­gie­rung wei­gert sich beharr­lich, über die Repa­ra­ti­ons­for­de­run­gen für die von der Wehr­macht began­ge­nen Ver­bre­chen in Grie­chen­land zu reden, die Summe die­ser Repa­ra­ti­ons­for­de­run­gen beläuft sich nach heu­ti­gem Wert auf ca. 70 Mil­li­ar­den Euro. Wür­den die genann­ten Begüns­ti­gun­gen und sinn­lo­sen Aus­ga­ben gestoppt und die berech­ti­gen For­de­run­gen begli­chen, wäre der grie­chi­sche Staat nicht in der desas­trö­sen Lage, in der er jetzt ist.

Die wirk­li­chen Ursa­chen der Krise sind hin­rei­chend bekannt und der soge­nannte Ret­tungs­schirm für Grie­chen­land soll ein­zig und allein die Pro­fite der Ban­ken und Kon­zerne sichern. Die Bevöl­ke­run­gen in Grie­chen­land, aber auch in Spa­nien und Por­tu­gal und mor­gen in Eng­land und Deutsch­land, sol­len dafür zah­len, Kanz­le­rin Mer­kel hat dies schon ange­kün­digt. Am Mitt­woch, den 19. Mai 2010 fin­det wie­der­holt ein Gene­ral­streik in Grie­chen­land statt. Wir gehen am glei­chen Tag auf die Straße, um zu for­dern: “Ban­ken und Kon­zerne müs­sen zah­len, Strei­chung der Schul­den Grie­chen­lands, gegen das neo­li­be­rale Spar­dik­tat in Europa, stoppt die Kür­zung von Löh­nen, Ren­ten und Sozi­al­kahl­schlag!”.

Wei­ter­hin sagen wir: “Stoppt die Hetze gegen die grie­chi­sche Bevöl­ke­rung!”. Wir ste­hen am Beginn einer euro­pa­wei­ten Aus­ein­an­der­set­zung um Löhne, Gehäl­ter und Ren­ten, und diese muss kon­se­quent und kämp­fe­risch geführt wer­den. Die Demons­tra­tion am Mitt­woch ist ein ers­ter Schritt zur Mobi­li­sie­rung für die bun­des­weite Mas­sen­de­mons­tra­tion am 12. Juni 2010, mit der ein deut­li­ches Zei­chen gegen die Poli­tik des Sozi­al­ab­baus gesetzt wird.

Die Demons­tra­tion fin­det statt am Mitt­woch, den 19. Mai 2010,
Demons­tra­ti­ons­be­ginn 18 Uhr,
Demons­tra­ti­ons­route vom Finanz­mi­nis­te­rium Wilhelmstraße/​Leipziger Straße zur EU-​​Vertretung Pari­ser Platz.

Kon­takt: presse[at]kapitalismuskrise.org

(Quelle:
http://​www​.kapi​ta​lis​mus​krise​.org/​m​o​b​i​l​i​s​i​e​r​u​n​g​e​n​-​2​0​1​0​/​p​m​_​1​6​-​0​5-10/)

b)
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Ex-RAF-Mitglieder: Entpolitisierung durch Personalisierung und Aussagen – ohne uns!


(mit Dank an mys​pace​.com/​w​i​l​d​b​eeren)

Die Junge Welt doku­men­tiert heute eine Erklä­rung ehe­ma­li­ger, nicht nament­lich genann­ter RAF-​​Mitglieder zu den Ver­su­chen der Bun­des­an­walt­schaft, zu wei­te­ren Ver­ur­tei­lun­gen wegen Aktio­nen der RAF zu kom­men:

Von uns keine Aus­sa­gen

Neue Pro­zesse, Zeu­gen­la­dun­gen und Beu­ge­haftan­dro­hun­gen: Etwas zur aktu­el­len Situa­tion – von eini­gen, die zu unter­schied­li­chen Zei­ten in der RAF waren

Seit nun­mehr drei Jah­ren spe­ku­lie­ren Staats­schüt­zer und Medien dar­über, wer im Ein­zel­nen vor mehr als drei­ßig Jah­ren die Schüsse auf Sieg­fried Buback und Hanns Mar­tin Schleyer abge­ge­ben hat. Ermitt­lungs­be­hör­den bemü­hen sich, wei­tere RAF-​​Aktionen nach Indi­zien zur Täter­schaft abzu­klop­fen. Kaum haben die letz­ten Gefan­ge­nen aus der RAF den Knast hin­ter sich gelas­sen, sehen sich die einen mit neuen Ver­fah­ren kon­fron­tiert, wäh­rend die ande­ren mit Zeu­gen­la­dun­gen und Beu­ge­haftan­dro­hun­gen belegt wer­den. Nach der ers­ten Welle im Som­mer 2007, im Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen Ste­fan Wis­niew­ski, läuft seit Ende 2009 der zweite Ver­such, Aus­sa­gen von uns zu bekom­men, for­mell im Ver­fah­ren gegen Verena Becker. Verena Becker war 1977 in der RAF, 1983 haben wir uns von ihr getrennt. Dem­nächst wird ihr ein neuer Pro­zeß gemacht, offen­sicht­lich nur als Auf­takt zu wei­te­ren Pro­zes­sen. Gegen Ste­fan Wis­niew­ski und Rolf Heiß­ler wird wei­ter­hin ermit­telt.

Vor­der­grün­dig geht es darum, indi­vi­du­elle »Schuld­zu­wei­sun­gen« zu bekom­men, also Betei­ligte unter Druck zu set­zen und zum Reden dar­über zu brin­gen, wer genau was gemacht hat. Über 30 Jahre war es allen ziem­lich egal, wer wofür ver­ur­teilt wurde. Haupt­sa­che, sie ver­schwan­den hin­ter Schloß und Rie­gel. Seit dem Medi­en­spek­ta­kel zum »Deut­schen Herbst« in 2007 ist das »Rin­gen um Klä­rung« plötz­lich zur Gret­chen­frage gewor­den. Es reicht nicht, daß wir uns kol­lek­tiv für die Aktio­nen der RAF ver­ant­wort­lich erklärt haben. Wir sol­len »end­lich« ein­mal aus­pa­cken, um, wie es heißt, »aus der Logik der Kon­spi­ra­tion aus­zu­stei­gen«.

Worum es hier wirk­lich geht, ist, (mehr…)

Marfin Bank Athens: „The fire brigade had never issued an operating license to the building in question.“

In vor­her­ge­hen­dem Bei­trag ist ein auf Indy­me­dia Athen ver­öf­fent­lich­ter Bericht eines Ange­stell­ten der Mar­fin Bank erwähnt, in dem die­ser schwere Vor­würfe erhebt, weil es in der Filiale, in der es ges­tern zu den drei Todes­fäl­len kam, nur unzu­rei­chende Sicher­heits­maß­nah­men für einen Brand­fall gege­ben haben soll. Der bri­ti­sche blog Voices of Resis­tance from Occu­p­ied Lon­don hat eine eng­li­sche Über­set­zung anschei­nend die­ses Indy­me­dia Athen-​​Artikels ver­öf­fent­licht. In einem Auf­ruf zur Mit­ar­beit cha­rak­te­ri­siert sich der bri­ti­sche blog wie folgt: „You don’t have to be an anar­chist to write for us, you just have to be wil­ling to talk to the anar­chists!“

Der dor­tige Arti­kel lau­tet wie folgt:

An employee of the burnt bank speaks out on tonight’s tra­gic deaths in Athens – please spread

Wed­nes­day, May 5, 2010

Tonight’s tra­gic deaths in Athens leave little space for com­ments – we are all very sho­cked and deeply sad­de­ned by the events. To those (on the “Occu­p­ied Lon­don” blog even) who spe­cu­late that the deaths might have been cau­sed pur­po­se­fully by anar­chists, we can only reply the fol­lo­wing: we do not take to the streets, we do not risk our free­dom and our lives con­fron­ting the greek police in order to kill other people. Anar­chists are not mur­de­rers, and no brain­wa­shing attemp­ted by Greek PM Papan­d­reou, the natio­nal or the inter­na­tio­nal media should con­vince anyone other­wise.

That being said, and with deve­lop­ments still run­ning fran­ti­cally, we want to publish a rough trans­la­tion of a state­ment by an employee of Mar­fin Bank – the bank whose branch was set alight in Athens today, where the three employees found a tra­gic death.

Read the let­ter, trans­late it, spread it around to your net­works; grass­roots counter-​​information has a cru­cial role to play at a moment when the greek state and cor­po­rate media are lea­shing out on the anar­chist move­ment over here in Greece.

I feel an obli­ga­tion toward my co-​​workers who have so unjustly died today to speak out and to say some objec­tive truths. I am sen­ding this mes­sage to all media out­lets. Anyone who still bares some con­scious­ness should publish it. The rest can con­ti­nue to play the government’s game.

The fire bri­gade had never issued an ope­ra­ting license to the buil­ding in ques­tion. The agree­ment for it to ope­rate was under the table, as it prac­tically hap­pens with all busi­nes­ses and com­pa­nies in Greece.

The buil­ding in ques­tion has no fire safety mecha­nisms in place, neit­her plan­ned nor instal­led ones – that is, it has no cei­ling sprink­lers, fire exits or fire hoses. There are only some por­ta­ble fire extin­gu­is­hers which, of course, can­not help in dea­ling with exten­sive fire in a buil­ding that is built with long-​​outdated secu­rity stan­dards.

No branch of Mar­fin bank has had any mem­ber of staff trai­ned in dea­ling with fire, not even in the use of the few fire extin­gu­is­hers. The manage­ment also uses the high costs of such trai­ning as a pre­text and will not take even the most basic mea­su­res to pro­tect its staff.

There has never been a sin­gle eva­cua­tion exer­cise in any buil­ding by staff mem­bers, nor have there been any trai­ning ses­si­ons by the fire-​​brigade, to give instruc­tions for situa­ti­ons like this. The only trai­ning ses­si­ons that have taken place at Mar­fin Bank con­cern ter­ro­rist action sce­na­rios and spe­ci­fi­cally plan­ning the escape of the banks’ “big heads” from their offices in such a situa­tion.

The buil­ding in ques­tion had no spe­cial accom­mo­da­tion for the case of fire, even though its con­struc­tion is very sen­si­tive under such cir­cum­stan­ces and even though it was fil­led with mate­ri­als from floor to cei­ling. Mate­ri­als which are very inflamma­ble, such as paper, plas­tics, wires, fur­ni­ture. The buil­ding is objec­tively unsui­ta­ble for use as a bank due to its con­struc­tion.

No mem­ber of secu­rity has any know­ledge of first aid or fire extin­gu­is­hing, even though they are every time prac­tically char­ged with secu­ring the buil­ding. The bank employees have to turn into fire­men or secu­rity staff accor­ding to the appe­tite of Mr Vgeno­pou­los [owner of Mar­fin Bank].

The manage­ment of the bank strictly bared the employees from lea­ving today, even though they had per­sis­tently asked so them­sel­ves from very early this morning – while they also forced the employees to lock up the doors and repea­tedly con­fir­med that the buil­ding remai­ned locked up throug­hout the day, over the phone. They even blo­cked off their inter­net access so as to prevent the employees from com­mu­ni­ca­ting with the outs­ide world.

For many days now there has been some com­plete ter­ro­ri­sa­tion of the bank’s employees in regard to the mobi­li­sa­ti­ons of these days, with the ver­bal “offer”: you eit­her work, or you get fired.

The two under­co­ver police who are dis­patched at the branch in ques­tion for rob­bery preven­tion did not show up today, even though the bank’s manage­ment had ver­bally pro­mi­sed to the employees that they would be there.

At last, gent­le­men, make your self-​​criticism and stop wan­de­ring around pre­ten­ding to be sho­cked. You are responsi­ble for what hap­pened today and in any right­ful state (like the ones you like to use from time to time as lea­ding exam­ples on your TV shows) you would have alre­ady been arres­ted for the above actions. My co-​​workers lost their lives today by malice: the malice of Mar­fin Bank and Mr. Vgeno­pou­los per­so­nally who exp­li­citly sta­ted that whoever didin’t come to work today [May 5th, a day of a gene­ral strike!] should not bother showing up for work tomor­row [as they would get fired].

- An employee of Mar­fin Bank

[greek ori­gi­nal]

In den Kom­men­ta­ren zu dem Arti­kel sind ver­schie­dene Fol­ge­über­set­zun­gen ver­linkt; eine deut­sche Über­set­zung gibt es hier und eine kas­ti­li­sche (’spa­ni­sche‘) hier (Carta de un emp­leado del Banco Mar­fin).

Griechische Gewerkschaft der Bankbeschäftigten (OTOE) gibt Bank-Management und Polizei Schuld am Tod ihrer KollegInnen

Die anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­sche Gewerk­schaft FAU berich­tet:

„Die grie­chi­sche Gewerk­schaft der Bank­be­schäf­tig­ten (OTOE) hat für den 6. Mai 2010 zu einem lan­des­wei­ten Streik wegen des Todes von drei Bank­an­ge­stell­ten in Athen wäh­rend des Gene­ral­streiks am 5. Mai auf­ge­ru­fen. Die Gewerk­schaft gibt der Manage­ment der Bank und der Poli­zei die Schuld am Tod ihrer Kol­le­gIn­nen, die durch gif­tige Dämpfe infolge eines Bran­des in einer Filiale an einer Demons­tra­ti­ons­route ums Leben gekom­men sind. […]. Dass sich zu die­sem Zeit­punkt über­haupt Beschäf­tigte in der Bank befan­den, liegt nach Anga­ben von Gewerk­schaf­te­rIn­nen daran, dass ihnen von der Fir­men­lei­tung mit Kün­di­gung für den Fall gedroht wor­den sei, dass sie nicht zur Arbeit erschei­nen und sich statt­des­sen am Gene­ral­streik betei­li­gen soll­ten. Diese Dro­hung ist umso unge­heu­er­li­cher, als sich die betref­fende Filiale der Bank an einer Demons­tra­ti­ons­route befin­det. In Grie­chen­land ist es üblich, sol­che Ban­ken zu schlie­ßen, da sie jedes Jahr dut­zend­fach aus Demons­tra­tio­nen her­aus ange­grif­fen wer­den.

Dar­über, wie das Feuer im Ein­gangs­be­reich ent­stan­den ist, gibt es unter­schied­li­che Anga­ben. Zwar behaup­tete jemand gese­hen zu haben, wie wäh­rend der Aus­ein­an­der­set­zun­gen eine Blend­schock­gra­nate der Poli­zei in das Gebäude ein­ge­schla­gen sei. Wahr­schein­li­cher ist aber, dass es eine Brand­fla­sche war, die den Ein­gangs­be­reich der Bank in Brand setzte. In einem Blog beschreibt ein Demons­tra­ti­ons­teil­neh­mer, die Schal­ter­räume der Bank seien leer gewe­sen, als die Demons­tra­tion vor­über­zog. Nie­mand habe gewusst, dass die Bank auch über Büro­räume im ers­ten Stock ver­fügt habe, in denen sich Ange­stellte befan­den. Als diese von den obe­ren Fens­ter aus den Demons­tran­tIn­nen zuge­ru­fen hät­ten, dass sich Men­schen im Gebäude befin­den, hät­ten Leute ver­sucht, das Feuer zu ersti­cken und ins Gebäude zu gelan­gen. Alle Ein­gänge seien jedoch ver­schlos­sen gewe­sen. Ein ande­rer Augen­zeuge berich­tete auf Indy­me­dia Athen, dass Demons­tran­tIn­nen ver­sucht hät­ten, die Sicherheitsglas-​​Scheiben ein­zu­schla­gen, um die ein­ge­schlos­se­nen Bank­an­ge­stell­ten zu befreien, dabei aber von der Poli­zei ange­grif­fen wor­den seien und davon, dass der ein­zige mög­li­che Flucht­weg durch ein Fall­git­ter ver­schlos­sen gewe­sen sei, das sich nicht öffnen ließ.

Eben­falls auf Indy­me­dia Athen hat mitt­ler­weile ein Ange­stell­ter der Mar­fin Bank schwere Vor­würfe gegen die Firma erho­ben, weil es in der betrof­fe­nen Filiale nur unzu­rei­chende Sicher­heits­maß­nah­men für einen Brand­fall gege­ben haben soll. So habe es u.a. weder aus­rei­chende Instal­la­tio­nen zur Brand­be­kämp­fung gege­ben, noch einen Flucht­weg aus dem Gebäude. Die Bank­an­ge­stell­ten hät­ten somit im Falle eines grö­ße­ren Bran­des weder die Mög­lich­keit gehabt, eine Feuer zu löschen, noch eine Chance, sich aus dem Gebäude zu befreien. Es habe außer­dem kei­nen hin­ter­leg­ten Brand­schutz­plan gege­ben, so dass die Feu­er­wehr zunächst mit einem Ein­satz­fahr­zeug ange­rückt, sei, des­sen Lei­ter zu kurz gewe­sen sei. […]“

Revolutionäre Aktion Stuttgart: (Nicht) Wählen ändert nicht genug…

Von der Revo­lu­tio­nä­ren Aktion Stutt­gart wurde der fol­gende Text als Kom­men­tar zu dem Bei­trag Wel­che recht hat, hat recht: „Arbei­ter­macht“ con­tra „Gegen­stand­punkt“ gepos­tet. Die fett-​​ und kusiv-​​Setzungen der Zwi­schen­über­schrif­ten wurde von TaP hin­zu­ge­fügt.

Dis­kus­si­ons­pa­pier zur Nach­be­rei­tung der Gemein­de­rats­wah­len im Juni 2009 in Stutt­gart und zum Ver­hält­nis der revo­lu­tio­nä­ren Lin­ken zu Wah­len und Par­la­men­ta­ris­mus

Wir sind anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Linke aus ver­schie­de­nen Orga­ni­sie­run­gen in Stutt­gart und haben gemein­sam Ariane R. bei ihrer Kan­di­da­tur bei der letz­ten Gemein­de­rats­wahl unter­stützt und uns in die­sem Zusam­men­hang auch an ver­schie­de­nen wei­te­ren Akti­vi­tä­ten betei­ligt. Unsere Dis­kus­sio­nen und Erfah­run­gen dazu machen wir mit die­sem Papier zugäng­lich.
Nicht zuletzt die in den Wochen vor dem 27. Sep­tem­ber lau­fende Kam­pa­gne von den Grup­pen Liber­täre Initia­tive Stutt­gart (LIST), Liber­tä­res Bünd­nis Lud­wigs­burg (LB2) und Gegen­stand­punkt hat uns dazu bewo­gen die­ses Papier zu ver­öf­fent­li­chen. Unser Papier streift diese Kam­pa­gne ledig­lich, da es die Akti­vi­tä­ten rund um die Gemein­de­rats­wahl zum Schwer­punkt hat. Wir hal­ten es aber für geeig­net um gene­rell zu einer Debatte zu Wah­len und Par­la­men­ta­ris­mus bei­zu­tra­gen, die sich (not­wen­di­ger­weise) deut­lich über dem Niveau der Bei­träge befin­det, die dazu bis­her von den Grup­pen der Wahlboykott-​​Kampagne ver­öf­fent­licht wur­den.

I. Vor­be­mer­kun­gen

Da die Kan­di­da­tur einer kom­mu­nis­ti­schen Genos­sin aus der außer­par­la­men­ta­ri­schen Lin­ken auf der offe­nen Liste der Links­par­tei, sowie die Unter­stüt­zung auch der ande­ren Kan­di­da­tIn­nen wohl für am meis­ten Dis­kus­si­ons­be­darf sorgt, nimmt dies in die­sem Papier mehr Platz ein als andere Akti­vi­tä­ten.
Des­wei­te­ren ist zu erwäh­nen, dass wir nicht für alle im fol­gen­den dar­ge­stell­ten Akti­vi­tä­ten ver­ant­wort­lich sind, sich die ver­schie­de­nen Akti­vi­tä­ten aber ergänz­ten und die glei­chen Ansprü­che und Ziele hat­ten.

Die­ses Papier ver­steht sich nicht als abge­schlos­sene Posi­tio­nie­rung und hat nicht den Anspruch alle Fra­gen rund um das rich­tige Ver­hält­nis zur Links­par­tei, zu Mög­lich­kei­ten und Pro­ble­men von Kan­di­da­tu­ren revo­lu­tio­nä­rer Akti­vis­tIn­nen und zu effek­ti­ven anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Akti­vi­tä­ten in Zei­ten des Wahl­kamp­fes zu beant­wor­ten. Diese Fra­gen kön­nen erst nach wei­te­ren Dis­kus­sio­nen und ins­be­son­dere prak­ti­schen Erfah­run­gen umfas­send beant­wor­tet wer­den. Da es his­to­risch und inter­na­tio­nal kaum Situa­tio­nen gibt die mit der heu­ti­gen Lage in der BRD direkt ver­gleich­bar sind und daher auf nur wenige kon­krete Erfah­rungs­werte zurück­ge­grif­fen wer­den kann, befin­den wir uns prak­tisch noch im Anfangs­sta­dium der aktu­el­len Klä­rung die­ser Fra­gen. Die rich­ti­gen Ant­wor­ten sind zudem auch immer von sehr spe­zi­fi­schen kon­kre­ten Situa­tio­nen abhän­gig und nur in Grund­zü­gen all­ge­mein zu beant­wor­ten.
Die Grund­la­gen auf denen unsere Debat­ten zu die­ser The­ma­tik und unsere Pra­xis auf­bauen, müs­sen aller­dings mög­lichst klar umris­sen sein, was wir im fol­gen­den Kapi­tel (in der not­wen­di­gen Kürze) ver­su­chen wer­den.
Dog­ma­ti­sche und radi­ka­lis­ti­sche Phra­sen, die der Kom­ple­xi­tät und Dyna­mik des The­mas nicht gerecht wer­den, brin­gen keine Klar­heit, son­dern die­nen ledig­lich der eige­nen Selbst­sti­li­sie­rung – die Ein­gangs erwähnte Kam­pa­gne zur Bun­des­tags­wahl lie­fert hier­für ein ein­drück­li­ches Bei­spiel.

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Welche recht hat, hat recht: „Arbeitermacht“ contra „Gegenstandpunkt“

http://​www​.arbei​ter​macht​.de/​i​n​f​o​m​a​i​l​/​4​4​7​/​g​e​g​e​n​s​t​a​n​d​p​u​n​k​t.htm

Gegen wen steht der GEGEN­STAND­PUNKT?

Karl Olben, Info­mail 447, 28. Sep­tem­ber 2009

Unter dem Motto „Die Linke wäh­len – eine geeig­nete Alter­na­tive?“ ver­an­stal­tete die Liber­täre Initia­tive Stutt­gart kurz vor der Wahl eine Podi­ums­dis­kus­sion. Rund 60 Leute kamen und für die Mehr­zahl die­ser war ganz offen­kun­dig die Wahl der Links­par­tei keine Option. Wozu aller­dings die Wahl der Links­par­tei eine Alter­na­tive sein sollte bzw. was denn die Alter­na­tive zur Wahl der Links­par­tei sein könnte, blieb weit­ge­hend im Dun­keln.

So ver­zich­te­ten die Ver­an­stal­te­rIn­nen auf eine eigene Stel­lung­nahme. Es wurde völ­lig akzep­tiert, als der Spre­cher von Versus/​GEGENSTANDPUNKT expli­zit auf die Frage nach sei­ner Alter­na­tive ant­wor­tete, dass dies ja nicht Thema des Abends sei.

So spielte die Krise des Kapi­ta­lis­mus, die anste­hen­den Angriffe auf die Lebens-​​ und Arbeits­be­din­gun­gen und die ent­spre­chen­den Auf­ga­ben der poli­ti­schen Lin­ken kaum eine Rolle.

Der Spre­cher der Links­par­tei benannte diese Pro­bleme zwar, erklärte die Posi­tion sei­ner Par­tei dazu, konnte aber – klas­sisch refor­mis­tisch – nicht im Ansatz erklä­ren, wie die Wahl der Links­par­tei mit einer anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Stra­te­gie ver­bun­den wer­den könnte. Damit wurde er ein leich­tes Opfer für die Ver­tre­te­rIn­nen des GEGEN­STAND­PUNKTS, die ele­gant bewie­sen, dass die Par­tei DIE LINKE sys­te­mer­hal­tend sei. Aber dabei blie­ben sie nicht ste­hen; für sie ist jeder Kampf gegen Angriffe oder für Ver­bes­se­run­gen pro-​​kapitalistisch, z.B. für Min­dest­löhne oder gegen den Afgha­nis­tan­krieg.

„Hartz IV? Wer den Kapi­ta­lis­mus nicht rich­tig kri­ti­sie­ren kann, braucht gar nicht erst anzu­fan­gen zu kämp­fen.“ So ihr Spre­cher auf dem Podium. Die Kapi­ta­lis­mus­kri­tik kommt noch schein­bar mar­xis­tisch daher, als Aus­beu­tungs­ob­jekt exis­tiert die Arbei­ter­klasse auch für den GEGEN­STAND­PUNKT. Für ihre Inter­es­sen zu kämp­fen, das aber hat sie sein zu las­sen, solange sie es nicht so tut, wie es den Lehr­meis­tern des GEGEN­STAND­PUNKT gefällt.

Dabei haben diese Damen und Her­ren aber kei­ner­lei eigene Vor­schläge, ihre Kri­tik – die im Ein­zel­fall rich­tig sein kann – bleibt somit rein destruk­tiv. Logi­scher­weise inter­es­sie­ren diese Leute der reale Klas­sen­kampf, die aktu­el­len Kampf­ziele der Arbei­ter­klasse wie auch jene der Bour­geoi­sie über­haupt nicht. Tak­ti­ken und Stra­te­gien sind ihnen unbe­kannt. Geschichte ist Geschichte von Klas­sen­kämp­fen – nicht für die Ideo­lo­gen des GEGEN­STAND­PUNKT.

Für viele Teil­neh­me­rIn­nen die­ser denk­wür­di­gen Podi­ums­dis­kus­sion – ver­mut­lich aus dem anar­chis­ti­schen und auto­no­men Milieu – ist diese Posi­tion sicher eine prima Recht­fer­ti­gung, sich auch wei­ter nur um die eigene Befind­lich­keit zu küm­mern und mög­lichst wenig Berüh­rung mit Poli­tik zu haben. Sie spen­de­ten hef­ti­gen Bei­fall für den GEGEN­STAND­PUNKT. Die Ver­an­stal­ter, die ihrer­seits durch­aus als Antifa und Mit­ver­an­stal­ter der Revo­lu­tio­nä­ren 1.Mai – Demo aktiv sind, müs­sen sich über­le­gen, ob sie nicht selbst ihre Posi­tio­nen pro­gram­ma­tisch erar­bei­ten müs­sen, die sicher eher auf der Linie „Klas­sen­kampf statt Wahl­kampf“ lie­gen, als dem GEGEN­STAND­PUNKT das Feld zu über­las­sen.

[…]. Gerade in Stutt­gart ist mit dem loka­len Bünd­nis „Kri­sen­pro­test“ mit 34 Orga­ni­sa­tio­nen der Lin­ken ein­schließ­lich zweier Gewerk­schaf­ten ein wich­ti­ger Schritt in diese Rich­tung gelun­gen. Der GEGEN­STAND­PUNKT hält sich aus die­sem Kampf nicht nur her­aus, er ist im Klas­sen­kampf nicht nur neu­tral (was so viel heißt wie nicht auf Sei­ten der Arbei­ter­klasse) – er steht mit sei­ner Pro­pa­ganda gegen den Kampf objek­tiv auf der ande­ren Seite der Bar­ri­kade!

Gelesen: Weitere Stimmen zur Wahl

[Um die Stel­lung­nahme von Ent­ding­li­chung ergänzt]

Edith Bartelmus-​​Scholich bei scharf-​​links:

„Zwar ist DIE LINKE mit 26% inzwi­schen die meist­ge­wählte Par­tei unter Erwerbs­lo­sen, aber gerade in die­ser Gruppe ist die Ten­denz zur Wahl­ent­hal­tung beson­ders aus­ge­prägt. Ähnli­ches gilt für die Gruppe der Arbei­ter. Es stellt sich schon die Frage, wes­halb DIE LINKE Nicht­wäh­le­rIn­nen kaum mobi­li­sie­ren kann. Die bei­den wich­tigs­ten Gründe hier­für sind das Feh­len eines ermu­ti­gen­den neuen poli­ti­schen Pro­jek­tes und die von den Wäh­le­rIn­nen sehr wohl beob­ach­tete Glaub­wür­dig­keits­lü­cke, die sich im Regie­rungs­han­deln der Par­tei auf­tut.
Wirk­lich schlechte Ergeb­nisse ver­zeich­net die Links­par­tei nach wie vor bei Frauen und jun­gen Leu­ten. Diese bei­den Grup­pen gehö­ren neben dem städ­ti­schen Bil­dungs­bür­ger­tum zu denen, die nicht die Links­par­tei son­dern DIE GRÜ­NEN stark machen. Hier aller­dings könnte sich im links­bür­ger­li­chen Mil­lieu noch ein neuer Akteur her­aus­bil­den. Die Pira­ten­par­tei erzielte mit 2% einen Ach­tungs­er­folg, den DIE GRÜ­NEN deut­lich gespürt haben. Für die Links­par­tei bedeu­tet dies end­lich neue For­de­run­gen in das Pro­gramm auf­zu­neh­men und Habi­tus und Spra­che weib­li­cher und jün­ger zu gestal­ten. […].
Wün­schens­wert und sinn­voll gegen das Regie­rungs­pro­gramm des Klas­sen­kampfs von oben wäre aber weni­ger eine Ein­be­zie­hung der SPD in eine gemein­same Oppo­si­ti­ons­stra­te­gie aller drei Oppo­si­ti­ons­par­teien um den Preis der Zahn­lo­sig­keit, son­dern eine breite gesell­schaft­li­che Mobi­li­sie­rung. Gegen die Regie­rung der pro­fi­tie­ren­den Min­der­heit hilft näm­lich nur noch Eines: Der mas­sive Pro­test und nach­hal­tige Wider­stand der Mehr­heit der Bevöl­ke­rung.“

Die Welt so zu sehen hat Sinn, wenn wir berück­sich­ti­gen, daß Union von FDP die Stim­men von nur 34,3 Pro­zent der Wahl­be­rech­tig­ten erhal­ten haben.1 Ande­rer­seits ist klar, daß die ent­ge­gen­ste­hende Mehr­heit, die sich von NPD bis MLPD auf gegen­sätz­li­che Par­teien und einen gro­ßen Block Nicht-​​WählerInnen auf­teilt, keine Mehr­heit im Gemein­sa­men ist. Ande­rer­seits sollte wohl auch lohn­ab­hän­gige Union-​​WählerInnen in Klas­sen­be­griff nicht umstands­los zur ande­ren Seite gezählt wer­den.
Der Text endet dann wie folgt:

„Und ob mit oder ohne Unter­stüt­zung der SPD wer­den sich die Gewerk­schaf­ten wohl weh­ren müs­sen, wenn die Regie­rung Arbeit­neh­mer­rechte und Mit­be­stim­mung kas­sie­ren will. Um diese und andere Angriffe abzu­weh­ren müs­sen aller­dings poli­ti­sche Streiks geführt und betrieb­li­che Kämpfe als gesell­schaft­li­che Kämpfe geführt wer­den. Geschieht dies, wird schwarz-​​gelb bald an das Ende sei­ner Mög­lich­kei­ten kom­men. In die­sen unab­weis­ba­ren Abwehr­kämp­fen wird sich das poli­ti­sche Spek­trum zudem nach links über die Par­tei DIE LINKE hin­aus ver­schie­ben und neu for­mie­ren.“

Und bei Bar­ri­cada heißt es:

„Gerade in einer sys­tem­im­ma­nen­ten Krise die­ses kapi­ta­lis­ti­schen Sys­tems ist das mit Sozi­al­kür­zun­gen (Kür­zun­gen im Bil­dungs­be­reich, bei den Sozi­al­aus­ga­ben, Lohn­kür­zun­gen und Ent­las­sun­gen im Öffent­li­chen Dienst) ver­bun­den. Gleich­zei­tig wird man ver­su­chen die Kri­sen­las­ten auf die Arbei­ter­klasse und die Armen und Arbeits­lo­sen zu ver­la­gern. Das wird bedeu­ten, dass es auf noch mas­si­vere Art und Weise zu Angrif­fen auf erkämpfte Zuge­ständ­nisse in den oben genann­ten Berei­chen kom­men wird. […]. Unter die­sen Rah­men­be­din­gun­gen wird es für die deut­sche Sozi­al­de­mo­kra­tie die Mög­lich­keit geben ihre völ­lig zurecht zer­störte Repu­ta­tion zu rege­ne­rie­ren. Etwa in Form eines „Links­rucks“ inner­halb der Oppo­si­tion. Das ändert selbst­ver­ständ­lich nichts am grund­sätz­li­chen Cha­rak­ter, den die SPD in den letz­ten Jahr­zehn­ten her­aus­ge­bil­det hat und immer wei­ter fes­tigt. […].
Gerade in die­ser Situa­tion ist es für die Par­tei DIE LINKE extrem wich­tig eine alter­na­tive Posi­tion ein­zu­neh­men. Sie hat die Chance ange­sichts die­ser Kon­stel­la­tion in der herr­schen­den Klasse ein sozia­lis­ti­sches Pro­fil her­aus­zu­ar­bei­ten und die Mög­lich­keit zu nut­zen sich auf die Seite der Arbei­ter­klasse und der Jugend­li­chen zu stel­len, um damit sowohl im Bun­des­tag, als auch außer­halb des Bun­des­ta­ges eine Oppo­si­tion gegen die Bour­geoi­sie und das kapi­ta­lis­ti­sche Sys­tem zu sein. Für diese Auf­gabe muss sie sich aller­dings ver­än­dern. Für diese Auf­gabe müs­sen Per­so­nen wie Oskar Lafon­taine, Gre­gor Gysi oder Bodo Rame­low sich von ihren refor­mis­ti­schen Vor­stel­lun­gen tren­nen und die Illu­sion über­win­den der Kapi­ta­lis­mus sei alter­na­tiv posi­ti­ver und bes­ser zu hand­ha­ben. Die Vor­stel­lung des ‚mensch­li­chen Kapi­ta­lis­mus‘ ist eine Illu­sion. Gerade in Lan­des­re­gie­run­gen, wo die Par­tei DIE LINKE mit bür­ger­li­chen Par­teien Regie­run­gen gebil­det hat, sehen wir ein­deu­tig, wohin diese Stra­te­gie führt. DIE LINKE lässt sich in das bürgerlich-​​parlamentarische Sys­tem inte­grie­ren und trägt die Poli­tik der Herr­schen­den auf eine fatale Weise mit. Mit die­ser Poli­tik ver­liert DIE LINKE aber zurecht an Unter­stüt­zung, wenn man sich die Ergeb­nisse der LIN­KEN in Bun­des­län­dern anschaut, wo sie mit der SPD eine Regie­rung bil­det oder bil­dete. Für einen sol­chen Wech­sel weg von Refor­mis­mus, Illu­sion und dem ‚gerin­ge­ren Übel‘ muss aber vor allem die Basis in der LIN­KEN für einen Wech­sel in der Poli­tik grö­ßer und stär­ker wer­den. Des­halb muss es hei­ßen: ‚Linke wäh­len, Linke ver­än­dern‘. Sie wird es schließ­lich schwer genug haben ihre Posi­tio­nen gegen­über einer sich umori­en­tie­ren­den Sozi­al­de­mo­kra­tie zu behaup­ten.
Man wird in den nächs­ten Mona­ten sehen, ob diese Ver­än­de­rung mög­lich ist, oder ob sich die Linke an die­ser Frage nicht spal­tet, denn eines ist klar: Die Men­schen wol­len keine Ver­spre­chun­gen, keine Mas­ter­pläne, son­dern eine Alter­na­tive und diese Alter­na­tive ist nicht inner­halb des Kapi­ta­lis­mus mög­lich, son­dern nur, wenn die­ses Sys­tem über­wun­den wird.“2

Dem sei hier im Gro­ßen und Gan­zen zuge­stimmt, nur heißt, daß ‚die Men­schen‘ in der Tat ggü. „Ver­spre­chun­gen“ und „Mas­ter­plä­nen“ miß­trau­isch sind, nicht daß sie gleich für Alter­na­ti­ven sind, deren Vor­aus­set­zun­gen eine Sys­tem­über­win­dung ist.

Und Oskar Lafon­taine wird von der FR mit fol­gen­den Wor­ten zitiert:

„Der Spit­zen­kan­di­dat der Lin­ken, Oskar Lafon­taine, hat einen schar­fen Oppo­si­ti­ons­kurs gegen die neue schwarz-​​gelbe Bun­des­re­gie­rung ange­kün­digt. In der Kon­stel­la­tion von SPD, Lin­ken und Grü­nen ‚wird es an uns sein, (…) die schärfste Klinge zu füh­ren, sagte Lafon­taine am Sonn­tag­abend in Ber­lin. ‚Wir sind die Kraft, die gegen das Sys­tem steht.‘ Das Ver­sa­gen der ande­ren Par­teien in der Finanz-​​ und Wirt­schafts­krise habe zur Ver­nich­tung von Mil­lio­nen Arbeits­plät­zen geführt. Nach dem uner­war­tet hohen Zuwachs bei der Bun­des­tags­wahl sei die Linke nun ‚eta­bliert‘. Seine Par­tei habe ‚den Auf­trag, mehr Demo­kra­tie zu wagen‘. Zum Absturz der SPD sagte Lafon­taine, es könne sich ‚nie­mand so recht dar­über freuen. Wir wol­len, dass das linke Lager stär­ker wird. Das ist inhalt­lich bestimmt.‘ Für die Linke bean­spruchte er: ‚Wir haben den Auf­trag, mehr Demo­kra­tie zu wagen.‘ Das gehe nur mit einer neuen Wirtschafts-​​ und Sozi­al­ord­nung. ‚Wir müs­sen noch mehr Wäh­ler gewin­nen‘, gab Lafon­taine als Ziel vor.“

Auch wenn die Rede vom „Sys­tem“ vie­les hei­ßen kann, scheint ihm zumin­dest das Pro­blem bewußt zu sein, daß für die Links­par­tei die Pro­fi­lie­rung neben einer SPD in der Oppo­si­tion schwie­ri­ger wird. Mal sehen, was bei Lafon­taine da kon­kret draus folgt – und wie die ande­ren in der Links­par­tei das sehen.

Und Mnmenth weist auf eine inter­es­sante Kon­tro­verse über die Aus­le­gung des schleswig-​​holsteinischen Lan­des­wahl­rechts hin: Dort gibt es näm­lich Aus­gleichs­man­date zur Kom­pen­sa­tion von Über­hang­man­dat – und die Berech­nung der Anzahl der Aus­gleichs­man­date ist umstrit­ten.
Ent­ding­li­chung berich­tet über ver­schie­dene Wah­len – auch außer­halb der BRD – und schreibt zu den die­sen Wah­len u.a.:
„In der BRD wird nun dank der Par­tei der Bes­ser­ver­die­nen­den weni­ger Zucker in die Scheisse geschüt­tet wer­den, die SPD wird ver­mut­lich auf Grund ihres inter­nen struk­tu­rel­len Wan­dels auch den Auf­ent­halt in der Oppo­si­tion kaum zu irgend­ei­ner Revi­ta­li­sie­rung nut­zen kön­nen, in der LIN­KEN wird das Gewicht von Par­la­ments­frak­tion – und Büro­kra­tie noch wei­ter zuun­guns­ten aus­ser­par­la­men­ta­ri­scher Ten­den­zen anstei­gen. Was jetzt not­wen­dig sein wird, ist sich auf die kom­men­den Angriffe des Kapi­tals vor­zu­be­rei­ten, dabei wird mensch auf kaum Unter­stüt­zung aus SPD, Grü­nen und dem SPD-​​Flügel der DGB-​​Bürokratie rech­nen dür­fen, da diese still hal­ten wer­den, um in eini­gen Jah­ren Wäh­le­rIn­nen in der „Mitte“ gewin­nen zu kön­nen. Ob die LINKE hier­bei nütz­lich sein wird oder ob sie sich eher (was wahr­schein­li­cher ist) auf Grund ihrer Par­la­ments­geil­heit und Invol­vie­rung in Koali­tio­nen auf loka­ler und regio­na­ler Ebene zum Brems­klotz für aus­ser­par­la­men­ta­ri­sche Bewe­gun­gen erwei­sen wird, wird sich zei­gen. Not­wen­dig ist jeden­falls eine breite Debatte dar­über, wie mensch auf die Angriffe des Kapi­tals auf soziale Errun­gen­schaf­ten, auf die Avan­cen der Atom­lobby, ras­sis­ti­sche Mobi­li­sie­run­gen von oben, wei­tere Kriegs­ein­sätze, Repres­sion, etc. nicht nur rea­giert son­dern auch wie­der aus­ser­par­la­men­ta­risch in die Offen­sive kommt. Diese Offen­sive wird schei­tern, wenn sie im Rah­men von Events (Demos, Kon­gresse, „hoch­ka­rä­tig“ besetzte Podi­ums­dis­kus­sio­nen) oder Träu­men von rotrot­grü­nen Regie­run­gen ver­bleibt, not­wen­dig ist der tag-​​ und all­täg­li­che Wider­stand in Betrieb, Schule/​Uni, Stadtteil/​Dorf, etc.), wozu par­ti­zi­pier­bare Basis­or­ga­ni­sa­tio­nen not­wen­dig sind.
[…] Die MLPD hat 15.000 Stim­men und damit rund ein Drit­tel ihrer Wäh­le­rIn­nen ver­lo­ren und fei­ert sich. Der Grund für den Stim­men­ver­lust ist ver­mut­lich fol­gen­der:

„Sie [die MLPD] hat die Chance genutzt, in einem begeis­tern­den Wahl­kampf in tau­sen­den von Ein­sät­zen mit Stän­den, Umzü­gen, Kund­ge­bun­gen, Haus­be­su­chen, mit 40.000 Pla­ka­ten, 1,8 Mil­lio­nen Wahl­zei­tun­gen und immer­hin 6 Mil­lio­nen Fern­seh­zu­schau­ern beim Wahl­spot von sich reden zu machen.“

Je bekann­ter die MLPD wird, desto gerin­ger der Zuspruch zu ihrer Poli­tik.
[…] Die

Reichs­par­tei des Deut­schen IT-​​Mittelstandes

Pira­ten­par­tei hat mit 2% (und 13% der männ­li­chen Jung­wäh­le­rIn­nen­stim­men (gab es als Ver­spre­chen eine kos­ten­lose Play­sta­tion im Falle eines Wahl­sie­ges?)) einen Ach­tungs­er­folg erzielt, es bleibt jedoch frag­lich, ob die Par­tei die Mühen der Ebene und das in ihr inne­woh­nende Que­ru­lanz­po­ten­tial in der kom­men­den Zeit unbe­scha­det über­le­ben wird, wäre ohne­hin kein ver­lust.“

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Doku aus der SZ: „Die gelbe Gefahr“

Die Süd­deut­sche Zei­tung ist ja eigent­lich nicht gerade für eine traditionell-​​sozialdemokratische (geschwiege denn natür­lich mar­xis­ti­sche Wirt­schafts­be­richt­er­stat­tung bekannt), aber damit dürfte sie rich­tig lie­gen:

„Kri­tik an der libe­ra­len Kür­zungs­po­li­tik hält FDP-​​Chef Wes­ter­welle für bös­ar­tig. Dabei ist sein Pro­gramm ein­deu­tig. […].
Seine [Wes­ter­wel­les] Par­tei ist die ein­zige, die den Kün­di­gungs­schutz wei­ter ein­däm­men will1 und offen für eine stär­kere Pri­va­ti­sie­rung der Sozi­al­kas­sen ein­tritt – und damit für eine Pri­va­ti­sie­rung der gro­ßen Lebens­ri­si­ken Krank­heit, Arbeits­lo­sig­keit und Alter. […].
Das Wahl­pro­gramm der Union lässt keine Aus­sage dar­über zu, wie denn so ein Spar­kurs aus­se­hen kann. Das der FDP schon: Sie will mehr pri­vate Ver­ant­wor­tung, was unter dem Strich nur eine Kür­zung der Sozi­al­leis­tun­gen bedeu­tet. Und sie will Hartz IV abschaf­fen zuguns­ten eines pau­scha­len, so genann­ten ‚Bür­ger­gel­des‘, das nach Ansicht von Exper­ten die Pro­bleme noch ver­schär­fen würde. […].
Wes­ter­welle ver­sucht der­weil ein Bild von sich zu zeich­nen, als sei er in Wirk­lich­keit ein Schaf, das die poli­ti­sche Kon­kur­renz von links in ein Wolfs­fell zu zwän­gen ver­su­che. Gera­dezu als ‚bös­ar­tig‘ bezeich­net er Unter­stel­lun­gen, er wolle den Kün­di­gungs­schutz schlei­fen. Das FDP-​​Wahlprogramm ist hier aller­dings recht ein­deu­tig. Da steht glas­klar: Kün­di­gungs­schutz nicht wie bis­her ab zehn, son­dern erst ab 20 Mit­ar­bei­tern und in den ers­ten zwei Jah­ren einer Neu­an­stel­lung gar kein Kün­di­gungs­schutz.
Manch­mal ver­rät sich Wes­ter­welle auch selbst: ‚Es gibt kein Recht auf staat­lich bezahlte Faul­heit‘, wet­terte er kürz­lich. Wenn man­che in Talk­shows erklär­ten, sie leb­ten vom Sozi­al­staat, arbei­te­ten schwarz und gleich­zei­tig das nor­mal arbei­tende Publi­kum beschimpf­ten, sei das uner­träg­lich. ‚Die wer­den bei uns kein Geld bekom­men‘, kün­digte er an. […]
Vor ein paar Wochen hätte das nie­man­den wirk­lich inter­es­siert. Jetzt aber domi­nie­ren die Sozi­al­the­men wie­der den Wahl­kampf. Das hat zu einem Erstar­ken des lin­ken Lagers füh­ren. Schlicht, weil die Nicht­wäh­ler sich jetzt gegen Schwarz-​​Gelb mobi­li­sie­ren las­sen.
Mer­kel ver­sucht zu ret­ten, was zu ret­ten ist. Sie ver­spricht, mit der CDU werde es kei­nen rigi­den Spar­kurs und kei­nen Abbau von Arbeit­neh­mer­rech­ten á la FDP geben. Frag­lich nur, wie sie das ver­hin­dern will. Der ein­fluss­rei­che Wirt­schafts­flü­gel der Union lei­det seit vier Jah­ren unter der gro­ßen Koali­tion. Seine Ver­tre­ter wür­den Teile des FDP-​​Sozialprogramms sofort unter­schrei­ben. Sie haben ein­fach keine Lust mehr, auf einen lin­ken Koali­ti­ons­part­ner Rück­sicht neh­men zu müs­sen.
Die heim­li­che Sozi­al­de­mo­kra­tin Mer­kel kann die­sen Flü­gel in einem schwarz-​​gelben Bünd­nis nicht län­ger igno­rie­ren. Zumal dann nicht, wenn sie ihr schlech­tes Wahl­er­geb­nis von 2005 am Sonn­tag noch unter­bie­tet. Die umstrit­te­nen Leip­zi­ger Beschlüsse der CDU sind nicht ver­ges­sen. Darin gehört der Punkt ‚Kün­di­gungs­schutz auf­wei­chen‘ noch zu den harm­lo­se­ren.“
  1. Es müßte viel­leicht eher gesagt wer­den: Auch ankün­digt, ihn ein­schrän­ken zu wol­len. Aber trotz­dem: Auch, was gesagt oder nicht gesagt wird, hat Ein­fluß auf ideo­lo­gi­sche Kräf­te­ver­hält­nisse und auf das, was poli­tisch durch­setz­bar ist. Anm. TaP [zurück]

(Was) wählen? – Teil III

[Ggü. 20:56 h mit Update ab Abschnitt „Bar­ri­cada zu den Klein­par­teien“]

Über­sicht:

I. Wei­tere Stel­lung­nah­men zur Pira­ten­par­tei
II. Lyzi: Doch DKP wäh­len?
III. Bar­ri­cada: Doch nicht Links­par­tei wäh­len?
IV. Bar­ri­cada zu den Klein­par­teien
V. Die Ein­wände von Race the Breeze
VI. Scheck­kar­ten­punk als Gegen­stand­punkt-Fan
VII. Mne­menth: „Bitte geht wäh­len“
VIII. Bei indy­me­dia wird noch dis­ku­tiert (‚anar­chis­ti­scher‘ Piraten-​​Wähler: „Femi­nis­mus ist eine dog­ma­ti­sche Ideo­lo­gie aus den 70ern, die strikte Geschlech­ter­tren­nung und auto­ri­täre Denk­struk­tu­ren beinhal­tet.“)
IX. Die letz­ten bei­den Umfrage-​​Ergebnisse und die Wahl­bör­sen

I. Wei­tere Stel­lung­nah­men zur Pira­ten­par­tei

Bei Indy­me­dia Schweiz (Schi­ckes Video zum Thema – 26.09.2009 12:43) wird auf einen Pira­ten­spot hin­ge­wie­sen.
Die Pira­ten­par­tei sieht die Frei­heit der NATION, nicht etwa die der BÜR­GE­RiN­NEN bedroht

und endet dann folg­lich mit den Natio­nal­far­ben:

.
Damit paßt sie dann ja schon zur Farb­ge­bung der FDP-​​Werbung – erfreu­lich nur, daß zumin­dest nicht mit einer Mehr­heit eines neoliberalen-​​hard­core-Dreier-​​Bündnisses von FDP, Grü­nen und Pira­ten­par­tei zu rech­nen ist.

Lyzi’s Welt kom­men­tiert die Pira­ten­par­tei (in Anspie­lung auf eines deren Wahl­pla­ka­ten) wie folgt:
„Wer Pla­ka­ten zu ver­trauen pflegt, hat sicher­lich einen an der Waf­fel, wer jedoch hobby-​​politischen Internetfreiheits-​​Flashmob-​​Canaillen und ihrem hirn­lo­sen Separatisten-​​Wahlprogramm ver­traut, hat auf jeden Fall nur noch Brei in der Birne.“,
und ver­weist außer­dem auf den Spie­gel­fech­ter. Der aus­führ­li­che und wohl abge­wo­gen argu­men­tie­rende Text beginnt wie folgt:

„Dies ist mitt­ler­weile mein drit­ter Arti­kel zu die­sem Thema. Wäh­rend ich anfangs noch sehr opti­mis­tisch war und spä­ter – nach der Affäre um Bodo Thie­sen – immer noch dosiert zweck­op­ti­mis­tisch kom­men­tierte, sehe ich die Ent­wick­lung der Pira­ten mitt­ler­weile wesent­lich pes­si­mis­ti­scher“.

Wer/​welche noch über­legt, Pira­ten­par­tei zu wäh­len: Unbe­dingt lesen!

(mehr…)

Doku: Piraten-Wähler gegen Rentner und „Rotes Lumpenproletariat“

Quelle: http://​links​un​ten​.indy​me​dia​.org/​e​n​/​n​o​d​e​/​11504.

Rie­fen Pira­ten die Poli­zei wg. Sprüh-​​Parole?
Crea­ted by: Crea­tor. Crea­ted on: 26.09.2009 – 09:52. Com­ments

In der Nacht von Mitt­woch zu Don­ners­tag kam es zu einem schwer­wie­gen­den Anschlag: Anar­chis­tIn­nen sprüh­ten augen­schein­lich an die Außen­wand (1) eines Piratenpartei-​​Büros mehr­fach – das Beken­ner­schrei­ben ver­wen­det den Plu­ral: „Paro­len“ (2) – die Parole „Gegen Par­teien, Natio­nen und Kapi­tal“ sowie Anarcho/a-A’s. In einer Mel­dung von gulli​.com heißt es: ‚Aus der Pres­se­mit­tei­lung der Pira­ten­par­tei geht her­vor, dass ‚Poli­zei­li­che Ermitt­lun­gen ein­ge­lei­tet wur­den‘.“ (3) Ist die Poli­zei eigent­lich von selbst auf die­sen schwer­wie­gen­den Anschlag auf­merk­sam gewor­den? Oder wurde sie von der frei­heits­freund­li­chen (4) Pira­ten­par­tei geru­fen? Außer­dem kom­bi­nierte die Pira­ten­par­tei ein Foto von dem Resul­tat die­ser Aktion mit einem alten Foto.
Das ist ja auch wirk­lich ein dra­ma­ti­scher Anschlag. Auf der Seite eines Pira­ten (5) (tutsi​.de) wird denn auch mes­ser­scharf geschlos­sen: Anar­chis­tIn­nen sind wie die SA:

„Am heu­ti­gen Don­ners­tag Vor­mit­tag ver­üb­ten Unbe­kannte zusätz­lich einen Angriff auf die Wiki der Pira­ten­par­tei, aber die nächs­ten Tage wer­den hof­fent­lich mehr Klar­heit dar­über brin­gen, wel­chen Par­teien bzw. Grup­pen die Pira­ten­par­tei ein sol­cher Dorn im Auge ist, dass hier mit SA-​​Methoden ver­sucht wird, den poli­ti­schen Gege­ner ein­zu­schüch­tern oder mund­tot zu machen…“ (6)

Die Anar­chis­tIn­nen selbst bezeich­nen ihre Aktion im übri­gen beschei­den und rea­lis­tisch als „sym­bo­li­schen Akt“ (7).
(Die Pira­ten ver­öf­fent­lich­ten außer­dem noch ein zwei­tes Foto mit Ham­mer und Sichel sowie der Parole „Kin­der­schän­der wir krie­gen Euch alle“ [8] – nicht gesprüht, son­dern anschei­nend mit Edding geschrie­ben. Dies ist in der Erklä­rung der Anar­chis­tIn­nen nicht erwähnt. – Auch würde es inhalt­lich nicht pas­sen. Denn Ham­mer und Sichel sind ein kom­mu­nis­ti­sches [kein anar­chis­ti­sches] Sym­bol, und „Kin­der­schän­der“ ist Boulevard-​​Presse-​​Jargon und weder femi­nis­ti­scher noch lin­ker Sprach­ge­brauch. Schließ­lich geht es bei sexu­el­ler Gewalt nicht um die EHRE des Opfers, die dadurch angeb­lich beschä­digt würde.
Tat­säch­lich scheint es sich bei dem zwei­ten Foto um ein älte­res Foto zu han­deln:
++ Die URL des ers­ten Fotos endet wie folgt: „BGS_Sachbeschaedigung_240909_1.JPG“. Das Foto ist also anschei­nend vom 24.09.
++ Die URL des zwei­ten Fotoso endet wie folgt: „BGS_Sachbeschaedigung_120909_1.JPG“. Das Foto stammt also anschei­nend schon vom 12.09.)
Wie, als wenn es noch eine Bestä­ti­gung für die Kri­tik an der Pira­ten­par­tei (9) bedürfte, schreibt ein Karl-​​Friedrich auf der rech­ten (10) Seite Fact-​​Fiction (net-​​Adresse):

„Das Rote Lum­pen­pro­le­ta­riat hat mal wie­der zuge­schla­gen, nun machen Sie auch kei­nen halt mehr vor den Pira­ten, jetzt erst recht, werde ich die Pira­ten wäh­len, ihr ver­kom­me­nen Sub­jekte.“ (11)

(1) http://​wiki​.pira​ten​par​tei​.de/​i​m​a​g​e​s​/​t​h​u​m​b​/​a​/​a​e​/​B​G​S​_​S​a​c​h​b​e​s​c​h​a​e​d​i​g​u​n​g​_​2​4​0​9​0​9​_​1​.​J​P​G​/​1​2​0​p​x​-​B​G​S​_​S​a​c​h​b​e​s​c​h​a​e​d​i​g​u​n​g​_​2​4​0​9​0​9​_​1.JPG

(2) http://209.85.229.132/search?q=cache:9APIPU3BtbsJ:de.indymedia.org/2009/… und http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​9​/​2​4​/​d​o​k​u​-​w​i​d​e​r​-​d​i​e​-​p​i​r​aten/

(3) http://​www​.gulli​.com/​n​e​w​s​/​p​i​r​a​t​e​n​p​a​r​t​e​i​-​a​n​s​c​h​l​a​g​-​a​u​f​-​2​0​0​9​-​0​9-24/

(4) „Gleich­zei­tig geben sie (die Pira­ten) sich betont staats­treu. So heißt es in Kapi­tel 2: ‚Die Bekämp­fung der Kri­mi­na­li­tät ist eine wich­tige staat­li­che Auf­gabe. Sie ist nach unse­rer Über­zeu­gung nur durch eine intel­li­gente, ratio­nale und evi­denz­ba­sierte Sicher­heits­po­li­tik auf der Grund­lage wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nisse zu gewähr­leis­ten‘. (http://​all4one​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​9​/​2​5​/​w​e​r​d​e​-​p​irat/).

(5) http://​www​.tutsi​.de/​t​u​t​s​i​-​s​e​i​t​-​g​e​s​t​e​r​n​-​p​i​r​a​t​-​w​a​r​u​m​-​i​c​h​-​i​n​-​d​i​e​-​p​i​r​a​t​enpar… „Tutsi seit ges­tern Pirat: Warum ich in die Pira­ten­par­tei ein­ge­tre­ten bin… […]. Wem die poli­ti­sche Ent­wick­lung unse­res Lan­des nicht voll­kom­men gleich­gül­tig ist, sollte in jedem Fall von sei­nem Wahl­recht Gebrauch machen, um die gesell­schaft­li­che Mit­be­stim­mung nicht nur den Rent­nern oder poli­ti­schen Extre­mis­ten von NPD und Links­par­tei zu über­las­sen.“ – ‚Rent­ner, Links­par­tei und andere Nazis‘… – da hat die Pira­ten­par­tei ja wirk­lich einen gro­ßen Faschis­mus­theo­re­ti­ker als Mit­glied gewon­nen.

(6) http://​www​.tutsi​.de/​a​n​g​r​i​f​f​e​-​a​u​f​-​p​i​r​a​t​e​n​p​a​r​t​e​i​-​v​a​n​d​a​l​i​s​m​u​s​-​a​n​-​d​e​r​-​b​undes…

(7) wie (2).

(8) http://​wiki​.pira​ten​par​tei​.de/​D​a​t​e​i​:​B​G​S​_​S​a​c​h​b​e​s​c​h​a​e​d​i​g​u​n​g​_​1​2​0​9​0​9​_​1.JPG

(9) S. bspw. http://​maed​chen​blog​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​9​/​1​0​/​p​i​r​a​t​e​n​p​a​r​t​e​i​-​f​r​a​u​e​n​p​o​l​itik-…; http://​refle​xion​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​9​/​2​5​/​r​e​c​h​t​s​-​u​e​b​e​r​-​bord/; http://maedchenmannschaft.net/„jede-diskriminierung-ist-abzulehnen“-das-wahlprogramm-der-piratenpartei/.

(10) Unter „Info /​ About us“ heißt es auf der Seite: „Die­ses Web­log … ist kon­ser­va­tiv, politisch-​​inkorrekt, kapi­ta­lis­tisch, reli­giös neu­tral, anti-​​islamistisch, anti-​​ideologisch, ver­tritt aber die christ­li­chen Wur­zeln des Abend­lan­des und deut­sche Inter­es­sen.“

(11) http://​fact​-fic​tion​.net/​?​p​=2947

PS.: Bei indy­me­dia Deutsch­land war der Text im übri­gen nur kurz ver­linkt:

Quelle:
http://​de​.indy​me​dia​.org/​2​0​0​9​/​0​9​/​2​6​1​9​4​3​.​shtml
.

(Was) wählen? – Teil II

Grüne und FDP: Für Fami­lie statt Sozi­al­staat

Die Süd­deut­sche Zei­tung hat die älteste Bun­des­tags­kan­di­da­tin (von den Grü­nen) und die jüngste (von der FDP) zu einem Gespräch ver­sam­melt – und die ver­stan­den sich wun­der­bar:

sued​deut​sche​.de: Frau Rec­ten­wald, was kann Frau Zecher von Ihnen ler­nen?
Rec­ten­wald [FDP, TaP]: Das ist weni­ger etwas, was ich Frau Zecher erklä­ren kann, son­dern ande­ren älte­ren Men­schen. Die Schul­den­last, die künf­tige Gene­ra­tio­nen auf­ge­bür­det bekom­men. Viele Senio­ren haben große Angst vor der Alters­ar­mut, das ist völ­lig ver­ständ­lich. Das Pro­blem ist, dass es Par­teien wie die Linke gibt, die älte­ren Men­schen Dinge ver­spre­chen, die nur mög­lich sind, wenn wir jun­gen Leute sie finan­zie­ren. Unglaub­lich viele Ältere machen sich über­haupt keine Gedan­ken dar­über, dass eine dras­tisch erhöhte Rente rie­sige Schul­den bedeu­ten wür­den – wir Jun­gen müss­ten sie abbe­zah­len.
Zecher [Grüne, TaP]: Man muss den Leu­ten klar­ma­chen, dass man sel­ber etwas tun muss und nicht alles auf den Staat abwälzt. Ich erhalte übri­gens 450 Euro Rente im Monat und wohne im eige­nen Haus. Und ich habe eine Rente in mei­nen fünf Kin­dern. Mein Mann und ich haben das 1947 beim Haus­bau auch so gemacht: Wir haben unsere Eltern mit zu uns genom­men. Und waren damit Vor­bild für unsere Kin­der.
Rec­ten­wald: Das finde ich rich­tig und wich­tig. Die nach­kom­mende Gene­ra­tion soll ler­nen, soli­da­risch zu han­deln, in der Fami­lie. Im Alter werde ich auch meine Eltern finan­zi­ell unter­stüt­zen. Frei­wil­li­ges Han­deln in der Fami­lie statt hohe Schul­den­berge durch staat­li­che Abga­ben. Was natür­lich auch klar ist: Wenn man jah­re­lang gear­bei­tet hat und in die Ren­ten­kasse ein­ge­zahlt hat, darf es nicht sein, dass man nur noch ver­schwin­dend wenig davon erhält.
sued​deut​sche​.de: Fami­liä­rer Zusam­men­halt – am Ende unse­res Gesprächs klin­gen Sie beide rich­tig kon­ser­va­tiv.
Zecher: Na, in man­chen Sachen muss man eben wer­te­kon­ser­va­tiv sein. (lacht) Nina, blei­ben wir in Kon­takt? Sie kön­nen mir ja mal eine E-​​Mail schrei­ben.
Rec­ten­wald: Das mache ich gerne, Frau Zecher.“

Das Rote Reut­litz über die Grü­nen als Kriegs­par­tei

Auch das Rote Reut­litz ist den Grü­nen abge­neigt – und zitiert Ger­man For­eign Policy:

„‚Der grüne Poli­ti­ker Nacht­wei, der in sei­nem Ber­li­ner Par­la­ments­büro NATO-​​Devotionalien zur Schau stellt, reprä­sen­tiert nicht uner­heb­li­che Teile der grü­nen Mit­glied­schaft. Die Anhän­ger von Bünd­nis 90/​Die Grü­nen unter­stüt­zen das Okku­pa­ti­ons­re­gime der NATO zu rund 50 Pro­zent – und damit in einem deut­lich höhe­ren Umfang als Par­tei­gän­ger von CDU oder FDP, heißt es in einer Umfrage.[4] Die sta­tis­ti­sche Moment­auf­nahme offen­bart, dass sich die Kriegs­be­reit­schaft des grü­nen Lagers seit den Bomben-​​ und Rake­ten­an­grif­fen auf Jugo­sla­wien sta­bi­li­siert hat und auch außer­halb der dama­li­gen Regie­rungs­ver­ant­wor­tung anhält.‘
(aus http://​ger​man​-for​eign​-policy​.com/​d​e​/​f​u​l​l​t​e​x​t​/​5​7​6​2​5​?​P​H​P​S​E​S​S​I​D​=​u​t​l​3​b​6​e​u​t​m​l​v​q​6​b​3​p​u​g​9​2​v8301)“

Sub­ra­di­cal Aschaf­fen­burg: Nazis klein­hal­ten

Ein neues Argu­ment für das Wäh­len­ge­hen bringt Sub­ra­di­cal. Sub­kul­tur & Poli­tik Aschaf­fen­burg:

„Bleibt aber ein bis­her wenig oder gar nicht bedach­ter Fakt: Falls wir wirk­lich wol­len, dass Nazis wenig Stim­men bekom­men, viel­leicht sogar an der Grenze zur Wahl­kampf­kos­ten­rück­er­stat­tung schei­tern, dann dür­fen sie im Ver­hält­nis zu den gül­tig abge­ge­be­nen Stim­men eben nur einen gerin­gen Pro­zent­satz erhal­ten. Das heißt: Jede nicht für Nazis abge­ge­bene gül­tige Stimme senkt die Nazi-​​Prozente. Wenn es kei­nen ande­ren Grund gibt, zur Wahl zu gehen: Wenigs­ten die­sen gibt es.“

Unter die­sem Gesichts­punkt wäre sogar eine Stimme für DKP, MLPD und PSG nicht ver­lo­ren (wenn denn einige par­tout nicht Links­par­tei wäh­len wol­len). Für die­je­ni­gen die ein Rechen­bei­spiel brau­chen:
++ Neh­men wir an, eine Par­tei hätte bei einer Wahl­be­tei­li­gung von 60 % einen Stim­men­an­teil von genau 0,5 Pro­zent.
++ Neh­men wir des wei­te­ren an, es würde gelin­gen 5 wei­tere Pro­zent der Wahl­be­rech­tig­ten zum Wäh­len­ge­hen zu mobi­li­sie­ren, die aus­schließ­lich andere Par­teien als die frag­li­che Par­tei wäh­len wür­den, so würde deren Anteil auf 0,46 Pro­zent sin­ken. -
Zum Thema Wäh­len­ge­hen gab es im übri­gen schon zwei frü­here Bei­träge bei sub­ra­di­cal (1, 2).

Refle­xion und Meta zur Pira­ten­par­tei

All4one hat sich die Mühe gemacht, das Wahl­pro­gramm der Pira­ten zu lesen – und Inter­es­san­tes gefun­den:

„Die Pira­ten­par­tei rich­tet sich gegen ein Ver­bot von Killerspielen/​Ego­shootern. Hier­bei wird als Ers­tes stand­ort­na­tio­na­lis­tisch argu­men­tiert. Wenn in der BRD die Pro­duk­tion von Gewalt-​​Spielen ver­bo­ten würde, wür­den ame­ri­ka­ni­sche Soft­ware­kon­zerne pro­fi­tie­ren: „Deut­sche Börse Frank­furt oder New York Stock Exch­ange“. Es fin­den sich unzäh­lige sol­cher Punkte in der Pro­gram­ma­tik der Pira­ten­par­tei, die für Ver­wir­rung sor­gen. Im ers­ten Kapi­tel ihres Bun­des­tags­wahl­pro­gramms beruft sich die Pira­ten­par­tei auf die Pari­ser Men­schen­rechts­er­klä­rung von 1948 und auf das Grund­ge­setz.“

„Gleich­zei­tig geben sie sich betont staats­treu. So heißt es in Kapi­tel 2: „Die Bekämp­fung der Kri­mi­na­li­tät ist eine wich­tige staat­li­che Auf­gabe. Sie ist nach unse­rer Über­zeu­gung nur durch eine intel­li­gente, ratio­nale und evi­denz­ba­sierte Sicher­heits­po­li­tik auf der Grund­lage wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nisse zu gewähr­leis­ten“.

(Zu mei­ner Über­ra­schung wurde die All­ge­meine Erklä­rung der Men­schen­rechte von 1948 tat­säch­lich in Paris ver­ab­schie­det – zumin­dest lt. Wiki­pe­dia. – Gleich noch was gelernt.)

Unter eher lokal­po­li­ti­schen Gesichts­punk­ten wid­met sich

Bran­nen­burg aktu­ell

den Direkt­kan­di­da­tIn­nen im Wahl­kreis Rosen­heim (1 , 2, 3 usw.), weist aber auch auf eine ganze Reihe von über­ört­li­chen Stel­lung­nah­men hin, die hier noch nicht erwähnt wur­den.

scharf-​​links

brachte ges­tern zum einen von Lars Stöck­ner eine vorab-​​Kritik der Wahl­be­richt­er­stat­tung vom kom­men­den Sonn­tag­abend, die mit fol­gen­dem PS. endet:

„P.S. Dies ist kein Auf­ruf zum nicht wäh­len gehen, im Gegen­teil (bitte wäh­len gehen!!!!), son­dern zum Aktiv wer­den.“

Zum ande­ren wurde dort der erste Teil der hie­si­gen Über­sicht, zu dem es im übri­gen hier eine ganze Reihe Kom­men­tare (ff.) von unter­schied­li­chen Leu­ten gab, über­nom­men.

Zum Schluß noch

►ein Wahl­auf­ruf, an des­sen Erstel­lung ich 1994 betei­ligt war und der damals sogar die Ver­öf­fent­li­chungs­gnade der inte­rim-Redak­tion fand (Nr. und Datum habe ich gerade nicht zur Hand; aber waren – glaube ich – die vierte und dritte Seite von hin­ten – irgend­wann kurz vor der Wahl).
►und was der Meis­ter der poli­ti­schen Theo­rie zum Thema Wäh­len zu sagen hatte:

Soll man sich an den bür­ger­li­chen Par­la­men­ten betei­li­gen?

Die deut­schen ‚lin­ken‘ Kom­mu­nis­ten beant­wor­ten diese Frage mit größ­ter Gering­schät­zung – und mit größ­ter Leicht­fer­tig­keit – ver­nei­nend. Ihre Argu­mente? In dem oben ange­führ­ten Zitat haben wir gele­sen:
‚… jede Rück­kehr zu den his­to­risch und poli­tisch erle­dig­ten Kampf­for­men des Par­la­men­ta­ris­mus … ist mit aller Ent­schie­den­heit abzu­leh­nen …‘
Das ist bis zur Lächer­lich­keit anma­ßend gesagt und offen­kun­dig falsch. ‚Rück­kehr‘ zum Par­la­men­ta­ris­mus! Gibt es in Deutsch­land gar schon eine Sowjet­re­pu­blik? Doch wohl nicht! Wie kann man also von einer ‚Rück­kehr‘ reden? Ist das nicht eine leere Phrase?
Der Par­la­men­ta­ris­mus ist ‚his­to­risch erle­digt‘. Im Sinne der Pro­pa­ganda ist das rich­tig. Aber jeder­mann weiß, daß es von da bis zur prak­ti­schen Über­win­dung noch sehr weit ist. Den Kapi­ta­lis­mus konnte man bereits vor vie­len Jahr­zehn­ten, und zwar mit vol­lem Recht, als ‚his­to­risch erle­digt‘ bezeich­nen, das ent­hebt uns aber kei­nes­wegs der Not­wen­dig­keit eines sehr lan­gen und sehr hart­nä­cki­gen Kamp­fes auf dem Boden des Kapi­ta­lis­mus. Der Par­la­men­ta­ris­mus ist im welt­his­to­ri­schen Sinne ‚his­to­risch erle­digt‘, d.h., die Epo­che des bür­ger­li­chen Par­la­men­ta­ris­mus ist been­det, die Epo­che der Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats hat begon­nen. Das ist unbe­streit­bar. Aber der welt­his­to­ri­sche Maß­stab rech­net nach Jahr­zehn­ten. 10 bis 20 Jahre frü­her oder spä­ter, das ist, mit dem welt­his­to­ri­schen Maß­stab gemes­sen, gleich­gül­tig, das ist – vom Stand­punkt der Welt­ge­schichte aus gese­hen – eine Klei­nig­keit, die man nicht ein­mal annä­hernd berech­nen kann. Aber gerade des­halb ist es eine haar­sträu­bende theo­re­ti­sche Unrich­tig­keit, sich in einer Frage der prak­ti­schen Poli­tik auf den welt­his­to­ri­schen Maß­stab zu beru­fen.
Der Par­la­men­ta­ris­mus ist ‚poli­tisch erle­digt‘? Das ist eine ganz andere Sache. Wäre das rich­tig, dann hät­ten die ‚Lin­ken‘ eine feste Posi­tion. Das müßte jedoch durch eine sehr gründ­li­che Ana­lyse bewie­sen wer­den, die ‚Lin­ken‘ aber ver­ste­hen es nicht ein­mal, an eine sol­che Ana­lyse her­an­zu­ge­hen. In den ‚The­sen über den Par­la­men­ta­ris­mus‘, die in Nr.1 des ‚Bul­le­tins des Pro­vi­so­ri­schen Ams­ter­da­mer Büros der Kom­mu­nis­ti­schen Inter­na­tio­nale‘ (‚Bul­le­tin of the Pro­vi­sio­nal Bureau in Ams­ter­dam of the Com­mu­nist Inter­na­tio­nal, Febru­ary 1920) ver­öf­fent­licht sind und offen­sicht­lich die Ansich­ten der holländisch-​​linken oder links-​​holländischen Rich­tung zum Aus­druck brin­gen, ist die Ana­lyse, wie wir sehen wer­den, eben­falls ganz mise­ra­bel.
Ers­tens. Die deut­schen ‚Lin­ken‘ haben ent­ge­gen der Mei­nung so her­vor­ra­gen­der poli­ti­scher Füh­rer wie Rosa Luxem­burg und Karl Lieb­knecht bekannt­lich schon im Januar 1919 den Par­la­men­ta­ris­mus für ‚poli­tisch erle­digt‘ gehal­ten. Wie bekannt, haben sich die ‚Lin­ken‘ geirrt. Schon das allein stößt sofort und radi­kal die These um, daß der Par­la­men­ta­ris­mus ‚poli­tisch erle­digt‘ sei. Den ‚Lin­ken‘ obliegt es zu bewei­sen, wes­halb ihr unbe­streit­ba­rer Feh­ler von damals jetzt auf­ge­hört hat, ein Feh­ler zu sein. Nicht ein­mal den Schim­mer eines Bewei­ses füh­ren sie an und kön­nen sie anfüh­ren.“

„Solange ihr nicht stark genug seid, das bür­ger­li­che Par­la­ment und alle sons­ti­gen reak­tio­nä­ren Insti­tu­tio­nen aus­ein­an­der­zu­ja­gen, seid ihr ver­pflich­tet, […].“

In den letzten Tagen gelesen

1.a) bei Just noch einen Nach­trag zu den Ter­min­hin­wei­sen von heute mor­gen: „Ab dem 6. Okto­ber gibts jede menge schoener Pla­kate, Comix & Skiz­zen von Trou­ble X bei Tante Horst (O-​​Strasse 45) in Kreuz­berg zu bestau­nen! Hier die Flyer 1 /​ 2.“
Dazu noch ein ergän­zen­der Hin­weis – Trou­ble X bei blog­sport: http://​trou​blex​.blog​sport​.de/ – zuletzt mit einem „Wir Frauen“ gege­be­nen Inter­view.
b) bei der Mäd­chen­mann­schaft einen Hin­weis auf das Femi­nis­ti­sche Musik­fes­ti­val vom 24. – 29.09. in Wien

2. bei Crull. Für die Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats wurde auf Texte zu Klas­sis­mus hin­ge­wie­sen und ansatz­weise über sie dis­ku­tiert. l bringt dort eine tref­fende Kri­tik an Standpunkt-​​Epistemologien:

„schon am anfang des buches wird ange­pran­gert, dass marx aus ner bür­ger­li­chen fami­lie kam – und daher sei wohl auch seine theo­rie arg davon beein­flusst. – AUCH DAS IST KLAS­SEN­RAS­SIS­MUS (von unten) :P
ich bin ja etwas skep­tisch. „

3. Bei scharf-​​links gibt es eine „Mar­xis­ti­sche Kri­tik an Judith But­ler“ – habe ich bis­her nur ein­mal durch­ge­scrollt. Hin­ge­wie­sen sei zumin­dest schon mal auf But­lers Auf­satz in der New Left ReviewMerely Cul­tu­ral“ (aus Netz­wer­ken von Universitäts-​​ und Staats­bi­blio­the­ken kos­ten­los), bevor 2009 ‚vor­schnell‘ allein anhand ihrer Bücher von Anfang der 90er Jahre geur­teilt wird.
4.a) indy­me­dia löscht mal wie­der: den von mir doku­men­tier­ten Bei­trag zu einer Aktion von Anar­chos gegen Pira­ten­par­tei­büro.
b) der Mäd­chen­blog hat sich im übri­gen auch kri­tisch zur Pria­ten­par­tei geäu­ßert („Frau­en­po­li­tik egal“) – das hatte ich bis ver­ges­sen, in mei­ner Wahl­über­sicht zu erwäh­nen.
5. Der Revo­lu­tio­när Sozia­lis­ti­sche Bund (RSB) ver­öf­fent­lichte einen „Leser“brief von mir zu einem Arti­kel in des­sen Zeit­schrift Avanti nebst Ant­wort des Autors. Thema: Rich­tige und fal­sche Kapitalismus-​​Kritik. Der Autor weist auf das Avanti-Schwerpunkt-​​Heft von 2005 „Marx statt Münte“ (Avanti 123, Juli/​August 2005) hin – habe ich aber auch noch nicht gele­sen.
6.a) die aus trotz­kis­ti­scher Tra­di­tion kom­mende SoZ rezen­siert das Buch von Felix Wem­heuer „Mao­is­mus. Ide­en­ge­schichte und revo­lu­tio­nä­rer Geist“
b) ergän­zend sei noch auf das Maoismus-​​Buch von Hen­ning Böke hin­ge­wie­sen.
7. Ent­ding­li­chung wies aus Anlaß mei­ner Wie­der­ver­öf­fent­li­chung der Kri­tik der Nr. 25 der Zeit­schrift Okto­ber („Das refor­mis­ti­sche Schaf im auto­no­men Wolfs­pelz“) an der Auto­no­mie Nr. 14 auf die bei Ent­ding­li­chung wie­der­ver­öf­fent­lichte Nr. 14 von Okto­ber mit frü­her Kri­tik an den Grü­nen hin:
++ ein Über­blicksar­ti­kel: „Die Par­la­men­ta­ri­sie­rung der Grü­nen“ (S. 1 – 4)
++ eine Kri­tik an Buch „Die Zukunft der Grü­nen“ (S. 4 – 11) der sei­ner­zei­ti­gen Partei-​​Linken Rai­ner Tram­pert und Tho­mas Eber­mann (mir scheint, die Wich­tig­keit auch einer Ände­run­gen der Kon­sum­weise wurde in der Rezen­sion zu sehr unter­schätzt, aber im Gro­ßen und Gan­zen wurde gut auf­ge­zeigt, wie auch die Ham­bur­ger Ökoso­zia­lis­ten dahin ten­die­ren, den Rechts-​​Links-​​Gegensatz einem vagen Pri­mat der Ökolo­gie als ‚Mensch­heits­frage‘ unter­zu­ord­nen)
und
++ eine Text „Die Grü­nen und ihre Nation“ (S. 18 + 12 – 17), der wie­der ein­mal beweist, daß nicht nur Anti­deut­sche in der Lage sind und waren, lin­ken deut­schen Nationalismus-​​Kritik zu kri­ti­sie­ren.
8. Das Ende des Sex weist auf mei­nen – ursprüng­lich als Kom­men­tar bei der Mäd­chen­mann­schaft gepos­te­ten – Bei­trag „Gibt es AUS­SCHLIESS­LICH zwei Geschlech­ter?“ hin und merkt dazu an: „Diese Frage wäre zu ergän­zen und in Zwei­fel zu zie­hen, dass es über­haupt zwei Geschlech­ter gibt.“ – Ich hoffe, ich schaffe es in den nächs­ten Tagen, dar­auf noch ein­mal zurück­zu­kom­men.

Doku: Wider die „Piraten“

Quelle: http://​de​.indy​me​dia​.org/​2​0​0​9​/​0​9​/​2​6​1​7​6​5​.​shtml

spreepi­rat 24.09.2009 13:51 The­men: Soziale Kämpfe

In der Nacht vom 23. zum 24.09 wurde das Büro der Pira­ten­par­tei in der Pflug­straße 9a, Nähe U Schwart­z­kopff­straße, besucht und in einem sym­bo­li­schen Akt mit den Paro­len „Gegen Par­teien, Natio­nen und Kapi­tal“ und Anar­chie A´s ver­ziert.

Wider die fal­schen Pira­ten !

Wer hat sie in letz­ter Zeit nicht gese­hen – die Pira­ten­par­tei ist über­all.
Seien es die zahl­rei­chen Pla­kate, auf denen die „Pira­ten“ ihre Liebe zur Frei­heit ver­kün­den oder in popu­lis­ti­scher Manier die Wäh­ler­schaft anhal­ten, ihre „Änder­ha­ken“ zu benut­zen. Ganz im Stile des guerilla-​​marketings ala ogo​.de und Nike bewei­sen die flei­ßi­gen Wahl­kämp­fer mit gesprüh­ten Pira­ten­scha­blo­nen ihr jugend­li­ches, krea­tiv­künst­le­ri­sches Poten­zial und logisch kon­se­quent tau­chen Piraten-​​Fahnen auf anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Demons­tra­tio­nen auf und in den ers­ten Rei­hen des „schwar­zen Blo­ckes“ erblickt mensch über­zeugte Anhän­ge­rIn­nen der Pira­ten­par­tei.
Dies alles im Kon­text des­sen, dass die Pira­ten­par­tei das links-​​rechts Schema als über­holt sieht, sich als ideo­lo­gie­frei bezeich­net und das Ver­ständ­nis von Frei­heit sich aufs Web 2.0 beschränkt, wobei Kri­mi­nelle gemäß der frei­heit­lich demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung natür­lich hin­ter Git­ter gehö­ren.
Mit die­sem sym­bo­li­schen Angriff wol­len wir ein deut­li­ches „Nein“ gegen diese auf­stei­gende Par­tei for­mu­lie­ren, die einen nebu­lö­sen Frei­heits­be­griff pro­pa­giert und sich einen alter­na­ti­ven Habi­tus ver­passt. Ein Nein, dass sich nicht nur gegen die „Pira­ten“ an sich rich­tet, son­dern gegen die ganze ver­lo­gene par­la­men­ta­ri­sche Demo­kra­tie.
Frei­heit­li­ches Leben in unse­rem Sinne, selbst­ver­wal­tet und kol­lek­tiv orga­ni­siert, ist mit die­sem Par­tei­en­sys­tem, dass auf die Unter­drü­ckung von Men­schen durch den Men­schen basiert, nicht mög­lich.
Solange dies der Fall ist geben wir keine Ruhe und kämp­fen wei­ter­hin mit allen Mit­teln auf allen Ebe­nen für ein Ende der par­la­men­ta­ri­schen Demo­kra­tie, ein Ende der kapi­ta­lis­ti­schen Ver­wer­tungs­lo­gik und für ein freies, selbst­be­stimm­tes Leben.
Wir haben keine Wahl
Gegen Staat, Nation und Kapi­tal

Falls die Kri­tik eini­gen zu ober­fläch­lich erscheint, hier einige Quel­len um sich ein eige­nes Bild von der Pira­ten­par­tei zu bil­den.

All­ge­mein
http://​is​.gd/​3BjEp (Indy)
http://​is​.gd/​3Bj2i (Danil­lola)

Thiesen-​​Affäre
http://​is​.gd/​3Biq5 (icke)
http://​is​.gd/​3BiAo (Ruhr­ba­rone)
http://​is​.gd/​3BiCr (Julia See­li­ger)
http://​is​.gd/​3Bimx (piratenwatch.blogsport)

Quer­front in Nie­der­sach­sen
http://​is​.gd/​3Bi5l (pira­ten­watch)
http://​is​.gd/​3Biad (Indy)
http://​is​.gd/​3BjM3 (Indy)

Sons­tige Naziskan­dale
http://​is​.gd/​3Bjnl (Indy)
http://​is​.gd/​3Bkaa (taz)
http://​is​.gd/​3BkAx (MUT)
http://​is​.gd/​3BkKx (tsp)
http://​is​.gd/​3Bl2v (JF)
http://​is​.gd/​3BkQX (JF)
http://​is​.gd/​3Bl3O (JF)

Gen­der
http://​is​.gd/​3BiJg (Maed­chen­mann­schaft)
http://​is​.gd/​3Bjkd (Gen­derblog)
http://​is​.gd/​3BkD5 (ERF)

Anmer­kung TaP:

@

„Wir haben keine Wahl“

siehe:

(Was) wäh­len?