Archiv der Kategorie 'Das historische Dokument'

Doku: Für den Kommunismus! (1986)

Ich doku­men­tiere hier das „Für den Kom­mu­nis­mus!“-Papier für den sog. Wider­stands­kon­greß 1986 in Frank­furt am Main, das ich vor eini­ger Zeit in mei­nem Text „Kul­tu­rell zu eng und inhalt­lich zu unbe­stimmt. Kri­ti­sche Anmer­kun­gen zu allzu eupho­ri­sche Ein­schät­zun­gen des Stan­des der Pro­test­be­we­gun­gen“ zustim­mend zitiert hatte.

Der Text „Für den Kom­mu­nis­mus!“ wurde 1986 im Arbei­terkampf. Zei­tung des Kom­mu­nisti­schen Bun­des (Ham­bur­ger Satz-​​ und Ver­lagskooperative) AK 270, 05.05.1986, S. 38 – 39 und er­neut in der Bro­schüre der Kom­munistischen Bri­ga­den, Bei­trag für die Debat­te in der revolutio­nären Bewe­gung Euro­pas. 1. Aus­gabe, Am­sterdam/​Niederlande, 1991, S. 41 – 45 ver­öf­fent­licht.
Der Text wurde 1994/​95 in den bei­den Auf­la­gen der fol­gen­den Bro­schüre nach­ge­druckt:
Bro­schü­ren­gruppe in Zusam­men­ar­beit mit dem ASTA-​​FU sowie Frigga Haug, Wolf­gang Fritz Haug, Wolf Die­ter Narr, Uwe Wesel, Harald Wolf (Hg.)
Für eine neue revo­lu­tio­näre Pra­xis. Triple opp­res­sion & bewaff­ne­ter Kampf.
Eine Doku­men­ta­tion von anti­im­pe­ria­lis­ti­schen, femi­nis­ti­schen, kom­mu­nis­ti­schen Bei­trä­gen zur Debatte über die Neu­be­stim­mung revo­lu­tio­nä­rer Poli­tik 1986-​​1993
Selbst­ver­lag: Ber­lin, 1. Aufl. 1994, 2. Aufl. 1995, 46 – 50.

drei dort ent­hal­tene Tipp­feh­ler habe ich kor­ri­gierte: „eska­la­tion“ (statt: „eska­li­tion“), „durch­gän­gige“ (statt: „durch­gän­gie“), „dadurch“ (statt: „dad­ruch“) und ein über­flüs­sige Leer­zei­chen gelöscht. Die durch­gän­gige Klein­schrei­bung wurde bei­be­hal­ten.

wir sind uns bewußt, daß die­ses papier nur der anfang unse­rer dis­kus­sion ist; einer diskussi­on, die noch weit­ge­hend auf (aller­dings not­wen­dige) kri­tik beschränkt ist, da diese kri­tik aber vom wil­len zur ver­än­de­rung dik­tiert ist, wird sie nicht auf dauer auf bloße kri­tik beschränkt blei­ben.

„DER REVO­LU­TIO­NÄRE KRIEG IST EIN POLITI­SCHER KRIEG“ (Tupama­ros)

wir wol­len mit die­sem papier hier, mit unse­ren überlegun­gen und argu­men­ten in die ausein­ander­setzung ein­grei­fen, die sich zwar an dem letz­ten angriff der RAF ent­wickelt hat, die aber nicht nur dar­auf (auf die­sen angriff) zu redu­zie­ren ist.
die sich in dem angriff auf die Air Base und den gefrei­ten pimen­tal materialisie­rende poli­tik und pra­xis ist nicht das ergeb­nis eines feh­lers, son­dern sie ist der (vor­läu­fige?) hö­hepunkt einer lan­gen ent­wick­lung, an der die gesamte anti­imperia­listische bewe­gung und nicht nur die RAF anteil hat(te).
die ver­sim­pli­fi­zie­rung von kom­ple­xen, viel­schich­ti­gen und kom­pli­zier­ten zusam­menhängen (z.b. „gesamt­sys­tem“), d.h. die ver­fla­chung der poli­ti­schen ana­lyse, gar keine oder mangel­hafte ausein­andersetzung mit mar­xis­ti­schen grund­lagen, außer acht las­sen des his­to­ri­schen pro­zes­ses, aus dem die aktu­el­len angriffe, kämpfe und pro­jekte auch her­aus ent­wi­ckelt wer­den (was zu brü­chen in der kon­ti­nui­tät der kämpfe führt), sub­jek­ti­vis­mus und wunsch­den­ken wir­ken schon seit lan­gem in un­serer poli­ti­schen arbeit, unse­rem den­ken und füh­len, unse­rem poli­ti­schen kampf. (mehr…)

Doku IV: Von der sozialistischen Frauenfrage zum sozialistischen Feminismus

Ges­tern doku­men­tierte ich an ande­rer Stelle einen Aus­zug aus einem Auf­satz, den Frigga Haug 1981 in der Zeit­schrift Argu­ment (H. 129, 649-​​664) unter der Über­schrift „Män­ner­ge­schichte, Frau­en­be­frei­ung, Sozia­lis­mus. Zum Ver­hält­nis von Frau­en­be­we­gung und Arbei­ter­be­we­gung“ ver­öf­fent­lichte. Die­ser Aus­zug sei hier­mit als Teil IV mei­ner Doku-​​Serie klas­si­scher, poli­ti­scher femi­nis­ti­scher Texte klas­si­fi­ziert.

► Teil I: „frauen […] aus ver­schie­de­nen poli­ti­schen berei­chen“, Zur Poli­tik der Frauen aus dem Anti­ras­sis­ti­schen Zen­trum und grund­sätz­li­che Über­le­gun­gen zur anti­ras­sis­ti­schen Poli­tik
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​7​/​0​6​/​d​o​k​u​-​s​e​r​i​e​-​r​e​v​o​l​u​t​i​o​n​a​e​r​e​r​-​f​e​m​i​n​i​s​m​u​s​-​t​e​il-i/

► Teil II: Rote Zora, in der Emma ver­öf­fent­lich­tes Selbst­in­ter­view
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​0​/​0​7​/​2​0​/​d​o​k​u​-​s​e​r​i​e​-​r​e​v​o​l​u​t​i​o​n​a​e​r​e​r​-​f​e​m​i​n​i​s​m​u​s​-​t​e​i​l-ii/

► Teil III: Eine femi­nis­ti­sche Kri­tik
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​1​/​0​4​/​2​1​/​d​o​k​u​-​e​i​n​e​-​f​e​m​i​n​i​s​t​i​s​c​h​e​-​k​r​itik/

Doku: EINE FEMINISTISCHE KRITIK

Aus Anlaß die­ses Leserin-​​Kommentars:
Der fol­gende Text wurde 1993 von Frau­en­Les­ben bei einem gemisch­ten, bun­des­wei­ten Tref­fen von Leu­ten, die in der Soli­da­ri­täts­ar­beit für die Gefan­ge­nen aus der RAF aktiv waren, vor­ge­tra­gen und danach in der Ber­li­ner lins­kra­di­ka­len Szene-​​Zeitschrift
inte­rim (Nr. 229, 25.02.1993, S. 23 – 27) ver­öf­fent­licht, wo er in spä­te­ren Aus­ga­ben kon­tro­vers dis­ku­tiert wurde1.
Außer­dem wurde der Text 1994/​95 in den bei­den Auf­la­gen der fol­gen­den Bro­schüre nach­ge­druckt:

Bro­schü­ren­gruppe in Zusam­men­ar­beit mit dem ASTA-​​FU sowie Frigga Haug, Wolf­gang Fritz Haug, Wolf Die­ter Narr, Uwe Wesel, Harald Wolf (Hg.)
Für eine neue revo­lu­tio­näre Pra­xis.
Triple opp­res­sion & bewaff­ne­ter Kampf. Eine Doku­men­ta­tion von anti­im­pe­ria­lis­ti­schen, femi­nis­ti­schen, kom­mu­nis­ti­schen Bei­trä­gen zur Debatte über die Neu­be­stim­mung revo­lu­tio­nä­rer Poli­tik 1986-​​1993
Selbst­ver­lag: Ber­lin, 1. Aufl. 1994, 2. Aufl. 1995, S. 76 – 80.

Der Text stammt mit sei­nem Inhalt und Sprach­duk­tus aus einer ‚ande­ren Zeit‘ – noch geprägt vom Zusam­men­bruch des ‚Real’sozialismus und der Stadt­gue­ril­la­grup­pen und bevor die Rezep­tion der Schrif­ten Judith But­lers und ande­rer queer Theo­re­ti­ke­rIn­nen eine poli­ti­sche Brei­ten­wir­kung auch in der links­ra­di­ka­len Szene erlangte. Trotz die­ser ‚Unzeit­ge­mäß­heit‘ scheint mir die­ser Text nicht nur wei­ter­hin eine – mich schon damals, noch als ‚über­zeug­ter Mann‘, fas­zi­nie­rende – klare, revo­lu­tio­näre Hal­tung von Frau­en­Les­ben aus­zu­drü­cken, son­dern auch grund­le­gende Ein­sich­ten zu arti­ku­lie­ren, die auch in der ‚neuen Zeit‘ nicht über­holt sind, wenn auch teil­weise einer theo­re­ti­schen Re-​​Kontextualisierung und poli­ti­schen Aktua­li­sie­rung bedür­fen.

-----

im januar 1992 tritt die soge­nannte ‚kgt-​​initiative‘ (kgt = koor­di­na­ti­ons­gruppe ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung)2 an die öffent­lich­keit, im april ver­kün­det die rote armee frak­tion (raf) die ein­stel­lung mili­tä­ri­scher aktio­nen, am 15. mai wird gün­ther son­nen­berg nach 15 jah­ren haft ent­las­sen, im august bekräf­tigt und begrün­det die raf die grund­sätz­li­che auf­gabe des bewaff­ne­ten kamp­fes, ende okto­ber erklärt ein teil der gefan­ge­nen ihrer­seits die prin­zi­pi­elle abkehr vom bewaff­ne­ten kampf, und daß sie per­sön­lich die­sen im falle ihrer frei­las­sung nicht wie­der auf­neh­men wer­den. mitte novem­ber ist ent­schie­den wor­den, daß bernd röss­ner, der zuvor im knast in kas­sel ein­ge­sperrt war, seine haft für 18 monate in einer the­ra­peu­ti­schen ein­rich­tung unter­bre­chen darf.
zu fra­gen bleibt: was geht hier eigent­lich vor und wie geht es nun wei­ter? und davor noch die frage: warum beschäf­ti­gen sich femi­nis­tin­nen über­haupt damit? zunächst zur zwei­ten frage:
die ereig­nisse des letz­ten jah­res im zusam­men­hang mit der raf, dem bis dahin exis­tie­ren­den bewaff­ne­ten kampf in der brd und den poli­ti­schen gefan­ge­nen in bun­des­deut­schen gefäng­nis­sen sind ein aus­druck der gesam­ten poli­ti­schen ent­wick­lung. gleich­zei­tig bestim­men diese vor­gänge die heu­ti­gen und zukünf­ti­gen poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen rea­li­tä­ten mit, inner­halb derer wir frauen/​lesben leben und uns bewe­gen. dar­über hin­aus ist es not­wen­dig, sich sozu­sa­gen ‚ins innere‘ die­ser aus­ein­an­der­set­zun­gen zu bege­ben und zwar aus ver­schie­de­nen grün­den:
die anti­im­pe­ria­lis­ti­sche bewe­gung und die raf haben lange zeit auf inter­na­tio­na­lis­ti­scher grund­lage gegen staat und kapi­tal gekämpft. gemeint sind hier all die­je­ni­gen bewe­gun­gen, grup­pen, orga­ni­sa­tio­nen, die mit grund­sätz­lich anti­im­pe­ria­lis­ti­schem anspruch gegen staat, kapi­tal und impe­ria­lis­mus vor­ge­hen.
nicht zufäl­lig kämpf­ten viele frauen/​lesben in der anti­im­pe­ria­lis­ti­schen bewe­gung. (mehr…)

Doku-Serie: Revolutionärer Feminismus – Teil II

Auch den fol­gen­den Text habe ich in letz­ter Zeit mehr­fach zitiert (1 und 2). Es han­delt sich um das Selbst­in­ter­view der femi­nis­ti­schen Stadtguerilla-​​Gruppe Rote Zora, das im Juni 1984 von der Emma ver­öf­fent­licht wurde.

Die digi­tale Fas­sung wurde von der Seite

http://​www​.frei​las​sung​.de/​d​i​v​/​t​e​x​t​e​/​r​z​/​z​o​r​n​/​Z​o​r​n​5​0.htm,

die auf fol­gen­dem Buch beruht, über­nom­men:

ID-​​Archiv im IISG/​Amsterdam (Hg.)
Die Früchte des Zorns
Texte und Mate­ria­lien zur Geschichte der Revo­lu­tio­nä­ren Zel­len und der Roten Zora
Edi­tion ID-​​Archiv: Ber­lin, 1993, S. 598 – 605.

Gegen­über der benutz­ten digi­ta­len Fas­sung wurde die kursiv-​​Setzung der Fra­gen, wie sie im Buch besteht, wie­der­her­ge­stellt. „Frage“, „Zora 1″ usw. ist in Überein­stim­mung mit der benutz­ten digi­ta­len Fas­sung und abwei­chend vom Buch fett gesetzt.
Im übri­gen habe ich in die vor­lie­gende digi­tale Fas­sung in ecki­gen Klam­mern eine Kon­kor­danz zu den Sei­ten der gedruck­ten Aus­gabe ein­ge­fügt (= die Zah­len zwi­schen ecki­gen Klam­mern), ansons­ten aber dar­auf ver­zich­tet, die digi­tale Fas­sung im Detail mit der gedruck­ten zu ver­glei­chen; zufäl­lig auf­ge­fal­lene scan-Feh­ler wur­den aber kor­ri­giert. – Die begriffs­er­klä­ren­den FN stam­men vom Her­aus­ge­ber (ID-​​Archiv) der gedruck­ten Aus­gabe.
Auf S. 5 der hie­si­gen Datei (= S. 602 des Buches) habe ich „Ver­ant­wor­li­chen“ in „Ver­ant­wortlichen“ kor­ri­giert.
Hin­weise auf wei­tere kor­rek­tur­be­dürf­tige Stel­len nehme ich dank­bar ent­ge­gen.1

(mehr…)

Ex-RAF-Mitglieder: Entpolitisierung durch Personalisierung und Aussagen – ohne uns!


(mit Dank an mys​pace​.com/​w​i​l​d​b​eeren)

Die Junge Welt doku­men­tiert heute eine Erklä­rung ehe­ma­li­ger, nicht nament­lich genann­ter RAF-​​Mitglieder zu den Ver­su­chen der Bun­des­an­walt­schaft, zu wei­te­ren Ver­ur­tei­lun­gen wegen Aktio­nen der RAF zu kom­men:

Von uns keine Aus­sa­gen

Neue Pro­zesse, Zeu­gen­la­dun­gen und Beu­ge­haftan­dro­hun­gen: Etwas zur aktu­el­len Situa­tion – von eini­gen, die zu unter­schied­li­chen Zei­ten in der RAF waren

Seit nun­mehr drei Jah­ren spe­ku­lie­ren Staats­schüt­zer und Medien dar­über, wer im Ein­zel­nen vor mehr als drei­ßig Jah­ren die Schüsse auf Sieg­fried Buback und Hanns Mar­tin Schleyer abge­ge­ben hat. Ermitt­lungs­be­hör­den bemü­hen sich, wei­tere RAF-​​Aktionen nach Indi­zien zur Täter­schaft abzu­klop­fen. Kaum haben die letz­ten Gefan­ge­nen aus der RAF den Knast hin­ter sich gelas­sen, sehen sich die einen mit neuen Ver­fah­ren kon­fron­tiert, wäh­rend die ande­ren mit Zeu­gen­la­dun­gen und Beu­ge­haftan­dro­hun­gen belegt wer­den. Nach der ers­ten Welle im Som­mer 2007, im Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen Ste­fan Wis­niew­ski, läuft seit Ende 2009 der zweite Ver­such, Aus­sa­gen von uns zu bekom­men, for­mell im Ver­fah­ren gegen Verena Becker. Verena Becker war 1977 in der RAF, 1983 haben wir uns von ihr getrennt. Dem­nächst wird ihr ein neuer Pro­zeß gemacht, offen­sicht­lich nur als Auf­takt zu wei­te­ren Pro­zes­sen. Gegen Ste­fan Wis­niew­ski und Rolf Heiß­ler wird wei­ter­hin ermit­telt.

Vor­der­grün­dig geht es darum, indi­vi­du­elle »Schuld­zu­wei­sun­gen« zu bekom­men, also Betei­ligte unter Druck zu set­zen und zum Reden dar­über zu brin­gen, wer genau was gemacht hat. Über 30 Jahre war es allen ziem­lich egal, wer wofür ver­ur­teilt wurde. Haupt­sa­che, sie ver­schwan­den hin­ter Schloß und Rie­gel. Seit dem Medi­en­spek­ta­kel zum »Deut­schen Herbst« in 2007 ist das »Rin­gen um Klä­rung« plötz­lich zur Gret­chen­frage gewor­den. Es reicht nicht, daß wir uns kol­lek­tiv für die Aktio­nen der RAF ver­ant­wort­lich erklärt haben. Wir sol­len »end­lich« ein­mal aus­pa­cken, um, wie es heißt, »aus der Logik der Kon­spi­ra­tion aus­zu­stei­gen«.

Worum es hier wirk­lich geht, ist, (mehr…)

Heute früh um 2 Uhr wurde vor 92 Jahren der Sturm des Winterpalais erfolgreich beendet

„On 25 Octo­ber (7 Novem­ber GC) 1917, Bols­he­viks led their forces in the upri­sing in Saint Peters­burg (then known as Petro­grad), the capi­tal of Rus­sia, against the inef­fec­tive Kerensky Pro­vi­sio­nal Government.[1] For the most part, the revolt in Petro­grad was blood­less, with the Red Guards led by Bols­he­viks taking over major govern­ment faci­li­ties with little oppo­si­tion before finally launching an assault on the Win­ter Palace on the night of 25/​26 Octo­ber. The assault led by Vla­di­mir Antonov-​​Ovseenko was laun­ched at 9:45 p.m. signa­led by a blank shot from the crui­ser Aurora. (The Aurora was pla­ced in Petro­grad (modern Saint Peters­burg) and still stands there now.) The Win­ter Palace […] was taken at about 2 a.m.“
(http://​en​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​O​c​t​o​b​e​r​_​R​e​v​o​l​u​t​i​o​n​#​E​vents)

GC = Gre­go­ria­ni­scher, heute all­ge­mein übli­cher Kalen­der, der 1918 auch in der Sowjet­union ein­ge­führt wurde.

Aus die­sem Anlaß gibt es hier: Matro­sen von Kron­stadt, gesun­gen von Ernst Busch. -

Hin­sicht­lich des Tex­tes – zumin­dest der deut­schen Über­set­zung – ist kri­tisch der idea­lis­ti­sche Begriff von ‚dem Recht‘, das im Wes­ten noch von Wol­ken ver­hüllt sei, zu ver­mer­ken.

Kurz und bündig: Zwei Einführungen in den Feminismus

aus Anlaß von

Anti­de­mo­kra­ti­sche Aktion – 12. Okto­ber 2009 um 15:10 Uhr
beim Mäd­chen­blog

und

anti­kap – 14. Okto­ber 2009 um 22:41 Uhr bei Theo­rie und Pra­xis:

1. Redak­ti­ons­kol­lek­tiv [der Zeit­schrift Per­spek­ti­ven. Zeit­schrift für sozia­lis­ti­sche Theo­rie (Mar­burg)]
Auf zu neuen Ufern!
in: Per­spek­ti­ven, H. 4: Feminismus/​Marxismus, Nov. 1988, 5 – 14.

Der Text gibt einen knap­pen Über­blick über die Geschichte der neuen Frau­en­be­we­gung in der BRD von ’68 bis Mitte/​Ende der ’80er Jahre sowie über das ‚real’sozialistisch-marxistische Ver­ständ­nis der „Frau­en­frage“, den radi­kalfe­mi­nis­ti­schen Bie­le­fel­der Ansatz von Maria Mies, Vero­nika Bennholdt-​​Thomsen und Clau­dia von Werl­hof sowie den sozia­lis­ti­schen Femi­nis­mus wie er in der BRD und West­ber­lin vor allem von den Frauen in der und um die Redak­tion der phi­lo­so­phi­schen und sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen West­ber­li­ner Zeit­schrift Das Argu­ment ver­tre­ten wurde.
Unter dem Gesichts­punkt des Heft-​​Themas „Feminismus/​Marxismus“ wer­den der in den 70er und 80er Jah­ren vor allem in den USA starke, mitt­ler­weile auch in BRD ange­kom­mene libe­rale Femi­nis­mus sowie – vor allem in BRD und ande­ren west-​​ und nord­eu­ro­päi­schen Län­dern starke – sozialdemokratisch-​​frauenbewegte Posi­tion nicht behan­delt.
Eben­falls nicht behan­delt wer­den laut Auto­rIn­nen „die­je­ni­gen radi­kalfemi­nis­ti­schen Theo­rie­an­sätze, die in letz­ter Kon­se­quenz auf die Über­win­dung des Kapiat­lis­mus ver­zich­ten bzw. sie nicht für wich­tig erach­ten“ (meine Hv.). Auf wel­che das gemünzt war, ist mir nicht klar.

2. Cor­ne­lia Eich­horn
Zwi­schen Dekon­struk­tion und Iden­ti­täts­po­li­tik. Eine Kri­tik zur femi­nis­ti­schen Debatte um Judith But­ler
in: Die Beute. Poli­tik und Ver­bre­chen (Edi­tion ID-​​ArchivAmsterdam/​Berlin), 1/​1994, 40-​​43.

Der zweite Text war rund ein hal­bes Jahr­zehnt spä­ter und damit schon nach Ver­öf­fent­li­chung von Judith But­lers Buch Gen­der Trou­ble /​ Das Unbe­ha­gen der Geschlech­ter erschie­nen.
Der Auf­satz von Cor­ne­lia Eich­horn ver­or­tet But­lers Neu­an­satz im Kon­text des Unter­schie­des zwi­schen Gleichheits-​​ und Dif­fe­renz­fe­mi­nis­mus. Beide doku­men­tier­ten Texte mit ein­an­der ver­knüp­fend wäre zu sagen, daß der Bie­le­fel­der Ansatz eine spe­zi­fi­sche Vari­ante des Dif­fe­renz­fe­mi­nis­mus dar­stellt; der sozia­lis­ti­sche Femi­nis­mus dage­gen eher eine Vari­ante des Gleich­heits­fe­mi­nis­mus.
Frei­lich unter­schei­det sich der sozia­lis­ti­sche Femi­nis­mus dadurch von libe­ra­len und sozi­al­de­mo­kra­ti­schen frau­en­be­weg­ten Posi­tio­nen, daß er nicht nur auf Gleich­be­RECH­Ti­gung und instiutio­nelle Poli­tik fixiert ist, son­dern im Rah­men eines stär­ker bewe­gungs­ori­en­tier­ten Ansat­zes auf eine grund­le­gende Trans­for­ma­tion der gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nisse zielt.
Andere Dif­fe­renz­an­sätze sind neben dem Bie­le­fel­der Ansatz das ita­lie­nie­sche affi­da­mento-Kon­zept, der fran­zö­si­sche Dif­fe­renz­fe­mi­nis­mus von Iri­ga­ray, Kris­t­eva und Cicoux sowie der – gele­gent­lich auch „kul­tu­rell“ genannte – Ansatz von Adri­enne Rich. Als radikal-​​ oder dif­fe­renz­fe­mi­nis­tisch ist auch der Ansatz von Catha­rine A. MacKin­non zu bezeich­nen, die aber anders als die meis­ten ande­ren Dif­fe­renz­fe­mi­nis­tin­nen sehr stark auf staatlich-​​juristische Maß­nah­men setzt.

Ergän­zend sei noch
► bezgl. But­lers Ver­hält­nis zum Mar­xis­mus auf ihren Auf­satz
Merely Cul­tu­ral [aus Uni-​​Netzen kos­ten­los]
in: New Left Review Iss. 227 1998, 33 – 44
(zur dama­li­gen die Debatte in der New Left Review über Iden­ti­täts­po­li­tik, die nach Ansicht eini­ger Dis­kus­san­tIn­nen das cha­rak­te­ris­ti­sche Merk­mal der sog. Neuen sozia­len Bewe­gung ist [But­ler weist dage­gen den Vor­wurf, diese sei­nen merely cul­tu­ral zurück] und Inter­es­sens­po­li­tik, die angeb­lich die Arbei­ter­be­we­gung aus­zeichne, siehe den dor­ti­gen Auf­satz von Frie­der Otto Wolf)

► zum Unter­schied zwi­schen But­lers De-​​Konstruktion des Geschlechts und Ursula Scheus 7er Jahre-​​Buch Wir wer­den nicht als Mäd­chen gebo­ren – wir wer­den dazu gemacht auf
mei­nen dor­ti­gen Text

► Cor­ne­lia Klin­ger,
Libe­ra­lis­mus – Mar­xis­mus – Post­mo­derne
. Der Femi­nis­mus und seine glück­li­chen oder unglück­li­chen ‚Ehen‘ mit ver­schie­de­nen Theo­rie­strö­mun­gen im 20. Jahr­hun­dert, in: Antje Horn­stein /​ Gabriele Jäh­nert /​ Annette Schlich­ter (Hg.), Kri­ti­sche Dif­fe­ren­zen – Geteilte Dif­fe­ren­zen. Zum Ver­hält­nis von Femi­nis­mus und Post­mo­derne, West­deut­scher Ver­lag: Opla­den /​ Wies­ba­den, 1998, 18 – 41.

► als zwei für die linksradikal-​​autonome Dis­kus­sion Ende der 80er /​ Anfang der 90er Jahre wich­tige Texte auf
++ Ingrid Strobl
Die Angst vor den Frös­ten der Frei­heit
und
++ Klaus Vieh­mann u.a.
Drei zu Eins. Klas­sen­wi­der­spruch, Ras­sis­mus und Sexis­mus

► das Emma-Inter­view mit der deut­schen femi­nis­ti­sche Stadt­gue­ril­la­gruppe Rote Zora von 1984

► für eine Unter­schei­dung zwi­schen einem ’spie­le­ri­schen‘ und einem widerständig-​​materialistischen, post­mo­der­nen Femi­nis­mus auf
Teresa L. Ebert
Ludic Femi­nism, the Body, Per­for­mance, and Labor: Brin­ging Mate­ria­lism Back into Femi­nist Cul­tu­ral Stu­dies [aus Uni-​​Netzen kos­ten­los]
in: Cul­tu­ral Cri­ti­que, Iss. 23 Win­ter 1992/​93, 5 – 50

sowie schließ­lich

► auf die wei­te­ren links in der rech­ten Rand­spalte in der Kate­go­rie „Frg­mente klass[ischer] fem[inistische] Texte“ [diese links sind mitt­ler­weile dort hin ver­scho­ben, TaP 06.05.2011]

ver­wie­sen.

Nachtrag zum Staatsfeiertag: Helmut Ridder 1979 zum 30. Jubiläum des Grundgesetzes

aus: Demo­kra­tie und Recht 1979, 123 – 134.

„Das Men­schen­bild des Grund­ge­set­zes“

Zur Staats­re­li­gion der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land

„[…]. Somit muß unsere dem ‚Men­schen­bild des Grund­ge­set­zes‘ gewid­mete Auf­merk­sam­keit zuvör­derst dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und sei­ner Funk­ti­ons­weise gel­ten. Es spielt ja auch in der Vor­stel­lungs­welt des irgend­wie an ihm inter­es­sier­ten, sich Demo­kra­tie gro­ßen­teils frei­lich nur in der kopf­stän­di­schen demo­sko­pi­schen Ver­sion aneig­nen­den bun­des­deut­schen Publi­kums eine ebenso bedeut­same Rolle wie in der­je­ni­gen sei­ner dito beschaf­fe­nen Juris­ten und sei­ner Poli­tik­funk­tio­näre. Allent­hal­ben, in den dürf­tigs­ten Grund­ris­sen wie in den dick­lei­bigs­ten Grundgesetz-​​Kommentaren, in Sonn-​​ wie Werk­tags­re­den von Minis­tern, wird ihm Wich­tig­keit und Unent­behr­lich­keit attes­tiert. Volle Ein­mü­tig­keit besteht bei allen – d. h. bei allen, die im Licht – nicht nur dar­über, daß ‚unsere der­zei­tige Ver­fas­sung den frei­heit­lichs­ten Staat in der deut­schen Geschichte kon­sti­tu­iert‘ (welch ein Jam­mer, daß man den damit impli­zier­ten ergrei­fend schlich­ten Kau­sal­me­cha­nis­mus nicht schon frü­her auf­ge­deckt hat!): Nach (und mit) den eiserns­ten Kanz­lern, nach dem unüber­setz­bars­ten und nach dem tau­send­jäh­rigs­ten Reich nun also, wenn auch nur auf die 250 000 qkm von Deutsch-​​Karthago radi­ziert, ein noch gewal­ti­ge­rer Super­la­tiv, ver­wirk­licht von einer mis­sio­na­ri­schen wirt­schaft­li­chen Groß­macht ers­ten Ran­ges, Kon­sul­ta­tiv­macht für Regie­rungs­bil­dun­gen in Frank­reich, Sprach­reg­ler für US-​​Präsidenten, hin­ter ihr als ökono­mi­scher Wurm­fort­satz das ehe­mals stolze Albion – sollte sie etwa nicht bald in der Lage sein, es den ‚Super­mäch­ten‘ – nota­bene: bei­den! – schon zu zei­gen, wie das in Asien, Afrika, Latein-​​Amerika zu machen ist – und – nicht zu ver­ges­sen – wer es selbst­los selbst machen wird, wenn die Ver­bün­de­ten – sei es aus Schwä­che, sei es aus Irr­tum, der ‚Grund­werte‘ nicht ein­ge­denk – zau­dern, fackeln, ja kapi­tu­lie­ren?“

Voll­stän­di­ger Vor­trags­text als .pdf-​​Datei.

„Ich sag‘, wie’s ist!“-Papier und Interventionistische Linke

Ich hatte kürz­lich eine .pdf-​​Bild-​​Datei des Szene-​​Klassikers „Ich sag‘, wie’s ist!“, der 1988 in den inte­rim Nr. 26, 27 und 28 erschien, online gestellt und dabei die Hoff­nung aus­ge­drückt, daß sich viel­leicht jemandE die Mühe macht, die Datei OCR zu behan­deln und Kor­rek­tur zu lesen. Tat­säch­lich bekam ich am Wochen­ende eine word-Datei im erst­klas­si­gen Zustand zuge­schickt. Vie­len Dank!

Ich habe die Datei nun mei­ner­seits noch ein­mal am Bild­schirm Kor­rek­tur gele­sen (aber nicht Zeile für Zeile mit dem Ori­gi­nal ver­glei­chen) und dabei
++ noch die Sei­ten­zah­len der Erst­ver­öf­fent­li­chung ein­ge­fügt (der Text selbst war mit durch­ge­hen­der Sei­ten­zäh­lung über alle drei Teile hin­weg ver­se­hen, wäh­rend die inte­rim-Hefte keine eigene Sei­ten­zäh­lung hat­ten)
++ eine hand­voll ver­blie­be­ner Scan­feh­ler ent­deckt und besei­tigt
und
++ – im Inter­esse der bes­se­ren Les­bar­keit – eben­falls unge­fähr eine hand­voll Feh­ler, die bereits im Ori­gi­nal ent­hal­ten waren, kor­ri­giert.1
Die Bebil­de­rung des Ori­gi­nals ist der Ein­fach­heit hal­ber nicht in die Text­da­tei über­nom­men. Das Ergeb­nis fin­det Ihr hier – jetzt als .pdf-​​Text-​​Datei.

Die Zusen­dung wurde mit der Anre­gung ver­bun­den, auf dem Blog eine Dis­kus­sion dar­über anzu­stos­sen, ob a) die von den Auto­rIn­nen des „Ich sag‘, wie’s ist!“-Papieres gefor­derte fes­tere Orga­ni­sie­rung über­haupt der rich­tige Weg ist und b) ob die Inter­ven­tio­nis­ti­sche Linke per­spek­ti­visch diese Orga­ni­sie­rung dar­stel­len kann.

Uff. Ich will es ver­su­chen – ob dar­aus etwas wird, hängt dann aller­dings von den Lese­rIn­nen ab:

zu a): Ich würde den Auto­rIn­nen im Kern Recht geben – auch wenn die Begriff­lich­keit von „Kader­or­ga­ni­sa­tion“, „demo­kra­ti­scher Zen­tra­lis­mus“, „Zel­len­prin­zip“ und „Avant­gar­de­an­spruch“ schon damals – und heute erst recht – einen etwas alt­ba­cke­nen Klang hat(te). Mit der ange­ra­te­nen sprach­li­chen Moder­ni­sie­rung würde ich sagen: Auch heute ist eine Orga­ni­sa­tion zumin­dest poten­ti­ell poli­tisch wirk­sa­mer als bloße auto­nome Klein­grup­pen. Sie kann – (eine ent­spre­chende Pra­xis vor­aus­ge­setzt) Wirk­sam­keits­gren­zen über­schrei­ten, die Klein­grup­pen oder spon­tane Bewe­gun­gen per se (auch bei der bes­ten Pra­xis) nicht über­schrei­ten kön­nen. Eine kol­lek­tive, überg­rei­fende und kon­ti­nu­ier­li­che Wei­ter­ent­wick­lung von theo­re­ti­scher und poli­ti­scher Pra­xis beinhal­tet die Chance, zu bes­se­ren Ergeb­nis­sen zu kom­men. Dies zu errei­chen, sollte in der Tat der Anspruch einer sol­chen Orga­ni­sa­tion sein – und damit ist dann auch ver­bun­den, in Bewe­gun­gen nicht ein­fach nur mit­zu­schwim­men, son­dern zu ver­su­chen, ori­en­tie­rend zu wir­ken. Ob der­ar­tige Vor­schläge dann auch akzep­tiert wer­den – ob also die prä­ten­dierte Avant­garde auch tat­säch­lich Avant­garde ist –, steht dann aller­dings auf einem ande­ren Blatt (wie in dem doku­men­tier­ten Text auch schon erkannt wurde). Und eine sol­che Orga­ni­sa­tion bedarf auch demo­kra­tisch struk­tu­rier­ter ver­bind­li­cher Ent­schei­dungs­fin­dung.

zu b): Diese Frage zu beant­wor­ten, fällt mir deut­lich schwe­rer. Da ich mich die letz­ten Jahre über­wie­gend im Aus­land auf­ge­hal­ten habe, habe ich von IL in ers­ter Linie das mit bekom­men, was im ak steht (und auch davon eher nur den klei­ne­ren Teil gele­sen) und das Hick­hack um die – auch m.E. stark ver­un­glückte – Pres­se­ar­beit nach der Anti-​​G8-​​Demo in Ros­tock.
Auf die­ser völ­lig unzu­rei­chend Infor­ma­ti­ons­grund­lage will ich – aus­ge­hend von dem Anfang des „Ich sag‘, wie’s ist!“-Textes – trotz­dem mal ver­su­chen, eine These zur gewünsch­ten Dis­kus­si­ons­an­re­gung zu for­mu­lie­ren:
Das doku­men­tierte Papier beginnt wie folgt: „Wir, aus der auto­no­men und anti­im­pe­ria­lis­ti­schen Szene kom­mend, haben die­ses Papier geschrie­ben, um eine grund­sätz­li­che poli­ti­sche Dis­kus­sion zu füh­ren. Wir sind näm­lich der Ansicht, daß unsere eigene poli­ti­sche Arbeit und die der Szene von einer Reihe von Feh­lern, Schwä­chen und Lücken gekenn­zeich­net war und ist. Diese müs­sen drin­gend über­wun­den wer­den, wenn wir hier eine wirk­same revo­lu­tio­näre Bewe­gung auf­bauen wol­len. Es han­delt sich um den feh­len­den Klas­sen­stand­punkt, mili­ta­ris­ti­sche Ten­den­zen, Ghetto-​​Mentalität, frei­wil­lige Des­or­ga­ni­sa­tion, zu kur­zes und inkon­se­quen­tes poli­ti­sches Den­ken und eine weit­ge­hende Igno­ranz gegen­über dem Marxismus-​​Leninismus.“
Mir scheint, die IL bemüht sich am effek­tivs­ten um Über­win­dung von „militaristische[n] Ten­den­zen, Ghetto-​​Mentalität“ und „freiwillige[r] Des­or­ga­ni­sa­tion“. Der Anspruch, eine „revo­lu­tio­näre Bewe­gung auf­bauen [zu] wol­len“, ein „Klas­sen­stand­punkt“ und der „Marxismus-​​Leninismus“ ist dage­gen bei der IL für mich deut­lich weni­ger zu erken­nen.
Nun ist es um den – von Sta­lin, wenn nicht erfun­de­nen, so doch maß­geb­lich ver­brei­te­ten – Aus­druck „Marxismus-​​Leninismus“ und zumal um die von Sta­lin dem Aus­druck beige­leg­ten Inhalte (um die ging es auch den Papier-​​AutorInnen wohl nicht) nicht beson­ders schade. Und auch zum „Klas­sen­stand­punkt“ wären zahl­rei­che kom­pli­zie­rende Anmer­kun­gen zu machen. – Nur scheint mir, daß all­das von der IL unkri­ti­siert und ersatz­los ein­fach fal­len gelas­sen wird – wie sich auch in dem ziem­lich unspe­zi­fi­schen Namen (Inter­ven­tion. Ja, aber wofür?) aus­drückt.
Also: Mir fällt es – abge­se­hen davon, NSB-​​/​NGO-​​näher zu sein und sein zu wol­len, als die auto­nome Szene – schwer, eine poli­ti­sche Linie zu erken­nen. Der Inter­ven­tio­nis­mus des Kom­mu­nis­ti­schen Bun­des (KB) der 70er und 80er Jahre bspw. in die Anti-​​AKW-​​Bewegung oder den grü­nen Par­tei­bil­dungs­pro­zeß war da schon spe­zi­fi­scher.
Oder noch mal anders gesagt: „Mili­ta­ris­mus“ weg, ohne daß statt des­sen beson­ders viel inhalt­li­che But­ter bei Fische dazu­kommt – das erweckt bei mir den Ein­druck von ‚Ent­ra­di­ka­li­sie­rung‘, die von den Auto­rIn­nen des 1988er Papie­res ver­mut­lich nicht inten­diert war.

Erin­nert sei in dem Zusam­men­hang noch ein­mal an den Auto­no­men Kon­gress, der vom 8. – 11.10. in Ham­burg statt­fin­den wird, (1, 2 3, 4)
und meine Rezen­sion der Orga­ni­sie­rungs­de­batte in der radi­kal:
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​8​/​2​5​/​r​a​d​i​k​a​l​-​i​n​t​e​r​v​i​e​w​-​m​i​t​-​d​e​r​-​m​i​l​i​t​a​n​t​e​n​-​g​r​u​p​p​e​-​z​u​-​o​r​g​a​n​i​s​i​e​r​u​n​g​-​d​e​s​-​r​e​v​o​l​u​t​i​o​n​a​e​r​e​n​-​w​i​d​e​r​s​t​a​n​d​e​s​-​t​e​i​l​-​i​v​-​d​e​r​-​r​e​z​e​n​s​i​o​n​-​z​u​-​r​a​d​i​k​a​l​-​n​r​-161/
und
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​8​/​0​7​/​a​u​f​-​p​a​p​i​e​r​-​g​e​l​e​s​e​n​-​r​a​d​i​k​a​l​-​n​r​-​1​6​1​-t_i/
sowie diese Kommentar-​​Diskussion:
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​9​/​2​7​/​w​a​s​-​w​a​e​h​l​e​n​-​t​e​i​l​-​i​v​-​e​i​n​-​s​i​e​g​-​v​o​n​-​s​c​h​w​a​r​z​-​g​e​l​d​-​w​a​e​r​e​-​e​i​n​-​s​c​h​r​i​t​t​-​z​u​r​u​e​c​k​-​h​i​n​t​e​r​-​s​e​a​t​t​l​e​/​#​c​o​m​m​e​n​t-454
(Mephisto – 27. Sep­tem­ber 2009 um 15:40 Uhr) + nach­fol­gende Ant­wort. -

Ich fände es auch sinn­voll, wenn eine Dis­kus­sion zustan­de­kommt; die Kom­men­tar­funk­tion steht ohne­hin zur Ver­fü­gung. Wer/​welche etwas län­ge­res schrei­ben will, kann sich gerne auch als Benut­ze­rIn anmel­den und einen eige­nen, neuen Bei­trag schrei­ben.
Inter­es­sant fände ich auch, falls die sei­ner­zei­ti­gen Papier-​​AutorInnen, falls sie das hier lesen, mit­tei­len würde, warum dem sei­ner­zei­ti­gen Papier anschei­nend nie etwas Wei­te­res folgte – weder ein wei­te­res Papier noch ein Umset­zungs­ver­such. Und was für ein Grüpp­chen war eigent­lich die in dem Papier zwei-​​ oder drei­mal zitierte Pro­le­ta­ri­sche Aktion mit der Zei­tung Par­ti­san?

  1. Es han­delt sich durch­weg um Klei­nig­kei­ten: feh­lende Kom­mata; (rich­ti­ges) „daß“ statt (fal­sches) „das“, ein Buch­staben­dre­her, eine Erset­zung von „m“ durch „n“ (oder was es umge­kehrt?), Ein­fü­gung eines feh­len­den Buch­sta­bens. – Im Ori­gi­nal ste­hen am Satz­ende vor Fra­ge­zei­chen immer Leer­zei­chen. Die haben wir besei­tigt. [zurück]

Die Revolution ist der höchste Akt der Politik – und trotzdem ist es richtig wählen zu gehen

- Fried­rich Engels über Wah­len als poli­ti­sche Aktion -

1.

Fried­rich Engels

[Über die poli­ti­sche Aktion der Arbei­ter­klasse]

[Rede­dis­po­si­tion für die Sit­zung der Kon­fe­renz am 21. Sep­tem­ber 1871]

|412| 1) Lorenzo Prinzip[ien]frage – dies ent­schie­den.

2) Abstent[ion] unmög­lich. Jour­nal­po­li­tik ist auch Poli­tik; alle abst[inenten] Blät­ter grei­fen d[ie] Reg[ierung] an. Nur fragl[ich] wie und wie weit sich in Pol[itik] mischen. Dies je nach Umst[än]d[en] und nicht vor­zu­schrei­ben.

2) Abst[ention] wider­sin­nig; man soll abst[inieren], weil schlechte Leute gewählt wer­den kön­nen – also keine Kotis[ation] |Bei­trags­kas­sie­rung|, weil d[er] Kas­sier durch­bren­nen kann. Also kein Jour­nal haben, weil der Red[akteur] sich verk[au]f[en] kann eben­so­gut wie der Deput[ierte].

3) D[ie] polit[ische] Frei­heit – bes[onders] Assoz[iations]-, Versamml[ungs]- und Preßfreih[eit] – unsre Agitat[ions]-Mittel; ist es gleich­gül­tig, ob uns diese genom­men oder nicht? Und sol­len wir uns nicht weh­ren, wenn man sie angreift?

4) Abst[ention] gepre­digt, weil man sonst das Besteh[en]de anerk[ennt], Das Best[ehende] besteht und se fiche pas mal |macht sich nicht wenig lus­tig| über uns[re] Aner­ken­nung. Wenn wir die Mit­tel, die uns das Best[ehende] gibt, benut­zer, um geg[en] das Best[ehende] zu pro­tes­tie­ren, ist das Aner­ken­nung?

|Die Punkte 2, 3 und 4 wur­den von Engels als Ergän­zung auf die rechte Seite sei­ner Rede­dis­po­si­tion geschrie­ben|

3) Abst[ention] unmögl[ich]. Die Arb[eiter]partei als polit[ische] Par­tei exis­tiert und will polit[isch] agie­ren, und ihr Abst[ention] pre­di­gen, heißt d[ie] Intern[ationale] rui­nie­ren. Die ein­fa­che Anschau­ung der V[er]h[ä]ltnisse, der polit[ischen] Bedrück[un]g zu soz[ialen] Zwe­cken zwingt d[ie] |415| Arbei­ter in d[ie] Poli­tik; d[ie] Abst[ention]-Prediger trei­ben sie den B[our]g[eoi]spolitikern in d[ie] Arme. Nach der Kom­mune, die d[ie] polit[ische] Aktion der Arbei­ter auf d[ie] Tages­ord­nung gesetzt, Abst[ention] unmög­lich.

4) Wir wol­len d[ie] Absch[affung] der Klas­sen. Ein­zi­ges Mit­tel ist d[ie] polit[ische] Gewalt in d[en] Hän­den des Prolet[ariats] – und wir sol­len keine Polit[ik] machen? Alle Abst[entioni]st[en] nen­nen sich revolut[ionär]. D[ie] Revolut[ion] ist der höchste Akt der Poli­tik, und wer sie will, muß a[uch] d[ie] Mit­tel wol­len, die die Rev[olution] vor­be­rei­ten, die Arbei­ter für sie erzie­hen, und sor­gen, daß er nicht am nächs­ten Tag wie­der von Favre und Pyat geprellt wird. Es kommt nur d[a]r[au]f an, wel­che Poli­tik – die ausschließl[ich] pro­le­ta­ri­sche, nicht als Schwanz der B[our]g[eoi]s[ie].

Quelle:
Karl Marx /​ Fried­rich Engels, Werke. Bd. 7, Dietz: Berlin/​DDR, 5. Auf­lage: 1973, unver­än­der­ter Nach­druck der 1. Auf­lage 1962, 416 – 417, 412-​​415 via http://​www​.mlwerke​.de/​m​e​/​m​e​1​7​/​m​e​1​7​_​4​1​2.htm

2.

Fried­rich Engels

[Über die poli­ti­sche Aktion der Arbei­ter­klasse]

[Eigene Auf­zeich­nung der Rede in der Sit­zung der Kon­fe­renz am 21. Sep­tem­ber 1871]

|416| Die abso­lute Abs­ten­tion in Sachen der Poli­tik ist unmög­lich; alle absti­nen­ten Blät­ter machen auch Poli­tik. Es geht nur darum, wie man sie und was für eine man macht. Im übri­gen ist für uns Abs­ten­tion unmög­lich. Die Arbei­ter­par­tei als poli­ti­sche Par­tei exis­tiert schon in den meis­ten Län­dern. Nicht wir sind es, die sie mit dem Pre­di­gen von Abs­ten­tion rui­nie­ren. Die Pra­xis des wirk­li­chen Lebens, die poli­ti­sche Bedrü­ckung, der die beste­hen­den Regie­run­gen die Arbei­ter aus­set­zen – sei es zu poli­ti­schen, sei es zu sozia­len Zwe­cken –, zwingt die Arbei­ter in die Poli­tik, ob sie wol­len oder nicht. Ihnen Abs­ten­tion von der Poli­tik zu pre­di­gen, hieße, sie der Bour­geois­po­li­tik in die Arme trei­ben. Nament­lich nach der Kom­mune von Paris, die die poli­ti­sche Aktion des Pro­le­ta­ri­ats auf die Tages­ord­nung gesetzt hat, ist poli­ti­sche Abs­ten­tion ganz und gar unmög­lich.
Wir wol­len die Abschaf­fung der Klas­sen. Was ist das Mit­tel, um dahin zu gelan­gen? Die poli­ti­sche Herr­schaft des Pro­le­ta­ri­ats. Und jetzt, wo sich alle dar­über einig sind, ver­langt man von uns, wir sol­len uns nicht in Poli­tik mischen! Alle Abs­ten­tio­nis­ten nen­nen sich Revo­lu­tio­näre, und sogar Revo­lu­tio­näre par excel­lence. Die Revo­lu­tion aber ist der höchste Akt der Poli­tik, und wer sie will, muß auch das Mit­tel wol­len – die poli­ti­sche Aktion, wel­che die Revo­lu­tion vor­be­rei­tet, wel­che die Arbei­ter für die Revo­lu­tion erzieht und ohne die die Arbei­ter am nächs­ten Tage nach dem Kampf stets von den Fav­res und Pyats geprellt sein wer­den. Aber die Poli­tik, auf die es ankommt, muß eine pro­le­ta­ri­sche Poli­tik sein; die Arbei­ter­par­tei darf sich nicht als Schwanz irgend­wel­cher Bour­geois­par­teien, son­dern muß sich viel­mehr als unab­hän­gige Par­tei kon­sti­tu­ie­ren, die ihr eig­nes Ziel, ihre eigne Poli­tik hat.
Die poli­ti­schen Frei­hei­ten, das Versammlungs-​​ und Asso­zia­ti­ons­recht, die Preß­frei­heit, das sind unsre Waf­fen; und wir soll­ten die Arme verschrän-​​ |417| ken und Abs­ten­tion üben, wenn man sie uns neh­men will? Man sagt, jede poli­ti­sche Aktion bedeute, das Beste­hende aner­ken­nen. Aber wenn die­ses Beste­hende uns die Mit­tel gibt, um gegen das Beste­hende zu pro­tes­tie­ren, so ist die Anwen­dung die­ser Mit­tel keine Aner­ken­nung des Beste­hen­den.

Quelle:
Karl Marx /​ Fried­rich Engels, Werke. Bd. 7, Dietz: Berlin/​DDR, 5. Auf­lage: 1973, unver­än­der­ter Nach­druck der 1. Auf­lage 1962, 416 – 417
via http://​www​.mlwerke​.de/​m​e​/​m​e​1​7​/​m​e​1​7​_​4​1​6.htm.

Anmer­kung TaP:

@

„Aber die Poli­tik, auf die es ankommt, muß eine pro­le­ta­ri­sche Poli­tik sein; die Arbei­ter­par­tei darf sich nicht als Schwanz irgend­wel­cher Bour­geois­par­teien, son­dern muß sich viel­mehr als unab­hän­gige Par­tei kon­sti­tu­ie­ren, die ihr eig­nes Ziel, ihre eigne Poli­tik hat.“

Siehe:
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​9​/​2​3​/​w​a​s​-​w​a​e​h​l​e​n​/​#​c​o​m​m​e​n​t-409, @ djal­minho – 24. Sep­tem­ber 2009 um 0:01 Uhr.

Das historische Dokument: Als SPD-Strukturen noch eine Kriminelle Vereinigung waren

[Kor­ri­giert und ergänzt am 23.12.2009]

Aus Anlaß des für mor­gen erwar­te­ten Endes der Beweis­auf­nahme im Pro­zeß gegen drei Ange­klagte, die vor dem Ber­li­ner Kam­mer­ge­richt der mit­glied­schaft­li­chen Betei­li­gung an der als Kri­mi­nelle Ver­ei­ni­gung klas­si­fi­zier­ten mili­tan­ten gruppe beschul­digt wer­den, doku­men­tiere ich hier ein Urteil des Reichs­ge­richts des Deut­schen Rei­ches vom 2. Januar 1885.

Mit dem Urteil wurde die Revi­sion von SPD-​​Funktionären gegen ihre Ver­ur­tei­lung durch das Land­ge­richt Bres­lau wegen Teil­name an einer Kri­mi­nel­len Ver­bin­dung ver­wor­fen. Daß es heu­te­zu­tage „Ver­ei­ni­gung“ heißt, stellt eine rein sprach­li­che Moder­ni­sie­rung dar; der Begriff „Ver­ei­ni­gung“ wird heute vom Bun­des­ge­richts­hof haar­ge­nau so defi­niert, wie „Ver­bin­dung“ durch das Reichs­ge­richt. Auch ansons­ten hat sich seit­dem nicht viel am § 129 Straf­ge­setz­buch geän­dert.1
Daß die Ver­fol­gung von Struk­tu­ren inner­halb der SPD als Kri­mi­nelle Ver­bin­dung (auch die Figur einer Kri­mi­nel­len oder Ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung inner­halb einer Par­tei ist also keine Erfin­dung erst der Pro­zesse der 1990er Jahre gegen die PKK) spä­ter ein­ge­stellt wurde, hat nichts mit einer Ände­rung des § 129 StGB zu tun, son­dern nur damit, daß die Sozia­lis­ten­ge­setze auf­ge­ho­ben wur­den.

Das „Gesetz gegen die gemein­ge­fähr­li­chen Bestre­bun­gen der Sozi­al­de­mo­kra­tie“, so der offi­zi­elle Titel, kom­bi­nierte exe­ku­ti­vi­sches Ver­bot nebst Voll­stre­ckung mit einer Straf­an­dro­hung:

§. 1.
[1] Ver­eine, wel­che durch sozi­al­de­mo­kra­ti­sche, sozia­lis­ti­sche und kom­mu­nis­ti­sche Bestre­bun­gen den Umsturz der beste­hen­den Staats-​​ oder Gesell­schafts­ord­nung bezwe­cken, sind zu ver­bie­ten.
[2] Das­selbe gilt von Ver­ei­nen, in wel­chen sozi­al­de­mo­kra­ti­sche, sozia­lis­ti­sche oder kom­mu­nis­ti­sche auf den Umsturz der beste­hen­den Staats-​​ oder Gesell­schafts­ord­nung gerich­tete Bestre­bun­gen in einer den öffent­li­chen Frie­den, ins­be­son­dere die Ein­tracht der Bevöl­ke­rungs­klas­sen gefähr­den­den Weise zu Tage tre­ten.
[3] Den Ver­ei­nen ste­hen gleich Ver­bin­dun­gen jeder Art.

§. 7.
[1] Auf Grund des Ver­bots sind die Ver­eins­kasse, sowie alle für Zwe­cke des Ver­eins bestimm­ten Gegen­stände durch die Behörde in Beschlag zu neh­men.

§. 9.
[1] Ver­samm­lun­gen, in denen sozi­al­de­mo­kra­ti­sche, sozia­lis­ti­sche oder kom­mu­nis­ti­sche auf den Umsturz der beste­hen­den Staats-​​ oder Gesell­schafts­ord­nung gerich­tete Bestre­bun­gen zu Tage tre­ten, sind auf­zu­lö­sen.
[2] Ver­samm­lun­gen, von denen durch That­sa­chen die Annahme gerecht­fer­tigt ist, daß sie zur För­de­rung der im ers­ten Absatze bezeich­ne­ten Bestre­bun­gen bestimmt sind, sind zu ver­bie­ten.
[3] Den Ver­samm­lun­gen wer­den öffent­li­che Fest­lich­kei­ten und Auf­züge gleich­ge­stellt.

§. 11.
[1] Druck­schrif­ten, in wel­chen sozi­al­de­mo­kra­ti­sche, sozia­lis­ti­sche oder kom­mu­nis­ti­sche auf den Umsturz der beste­hen­den Staats-​​ oder Gesell­schafts­ord­nung gerich­tete Bestre­bun­gen in einer den öffent­li­chen Frie­den, ins­be­son­dere die Ein­tracht der Bevöl­ke­rungs­klas­sen gefähr­dende Weise zu Tage tre­ten, sind zu ver­bie­ten.
[2] Bei perio­di­schen Druck­schrif­ten kann das Ver­bot sich auch auf das fer­nere Erschei­nen erstre­cken, sobald auf Grund die­ses Geset­zes das Ver­bot einer ein­zel­nen Num­mer erfolgt.

§. 14.
[1] Auf Grund des Ver­bots sind die von dem­sel­ben betrof­fe­nen Druck­schrif­ten da, wo sie sich zum Zwe­cke der Ver­brei­tung vor­fin­den, in Beschlag zu neh­men. Die Beschlag­nahme kann sich auf die zur Ver­viel­fäl­ti­gung die­nen­den Plat­ten und For­men erstre­cken; bei Druck­schrif­ten im enge­ren Sinne hat auf Antrag des Bet­hei­lig­ten statt Beschlag­nahme des Sat­zes das Able­gen des letz­te­ren zu gesche­hen. Die in Beschlag genom­me­nen Druck­schrif­ten, Plat­ten und For­men sind, nach­dem das Ver­bot end­gül­tig gewor­den ist, unbrauch­bar zu machen.

§. 17.
[1] Wer an einem ver­bo­te­nen Ver­eine (§. 6) als Mit­glied sich bet­hei­ligt, oder eine Tätig­keit im Inter­esse eines sol­chen Ver­eins aus­übt, wird mit Geld­strafe bis zu fünf­hun­dert Mark oder mit Gefäng­niß bis zu drei Mona­ten bestraft. Eine glei­che Strafe trifft den­je­ni­gen, wel­cher an einer ver­bo­te­nen Ver­samm­lung (§. 9) sich bet­hei­ligt, oder wel­cher nach poli­zei­li­cher Auf­lö­sung einer Ver­samm­lung (§. 9) sich nicht sofort ent­fernt.
[2] Gegen die­je­ni­gen, wel­che sich an dem Ver­eine oder an der Ver­samm­lung als Vor­ste­her, Lei­ter, Ord­ner, Agen­ten, Red­ner oder Kas­si­rer bet­hei­li­gen, oder wel­che zu der Ver­samm­lung auf­for­dern, ist auf Gefäng­niß von Einem Monat bis zu Einem Jahre zu erken­nen.

§. 19.
Wer eine ver­bo­tene Druck­schrift (§§. 11, 12), oder wer eine von der vor­läu­fi­gen Beschlag­nahme betrof­fene Druck­schrift (§. 15) ver­brei­tet, fort­setzt oder wie­der abdruckt, wird mit Geld­strafe bis zu ein­tau­send Mark oder mit Gefäng­niß bis zu sechs Mona­ten bestraft.

In dem hier doku­men­tier­ten Urteil hatte die Anwen­dung des § 129 StGB – im Ver­gleich mit § 19 Sozia­lis­ten­ge­setz – zwei Effekte:

1. § 129 StGB wirkte starf­ver­schär­fend (keine Geld­strafe, son­dern in jedem Fall Gefäng­nis). Grund­lage dafür war, daß das Ver­brei­ten der ver­bo­te­nen Druck­schrift nicht nur indi­vi­du­ell (wie im Falle des § 19 Sozia­lis­ten­ge­setz), son­dern im Rah­men einer „Ver­bin­dung“ bzw. Ver­ei­ni­gung erfolgte.
(Ähnlich wäre es im Falle eines Schuld­spruchs wegen Mit­glied­schaft im Ber­li­ner mg-Pro­zeß: Bestraft würde nicht nur wegen ver­such­ter Brand­stif­tung mit Straf­min­de­rungs­mög­lich­keit nach § 23 II StGB, son­dern wegen voll­en­de­ter Mit­glied­schaft – ohne eine sol­che Min­de­rungs­mög­lich­keit.)

Und 2. wurde die Straf­bar­keit vor­ver­la­gert: Nicht nur, wer/​welche selbst die Druck­schrift ver­brei­tete, wurde bestraft. Viel­mehr wur­den all die­je­nige bestraft, die „an einer Ver­bin­dung, zu deren Zwe­cken oder Beschäf­ti­gun­gen“ wie­derum die Ver­brei­tung ver­bo­te­ner Druck­schrif­ten gehörte, teil­nah­men – egal, worin genau die Teil­nahme an der Ver­bin­dung bestand (und so ist es noch heute bei den Orga­ni­sa­ti­ons­de­lik­ten der §§ 129 – 129b StGB).

VorNach dem hier doku­men­tier­ten Urteil gab es bereitsein ähnli­ches Ver­fah­ren, in dem das Reichs­ge­richt auch schonkon­kret nahe­legte, daß

++ es inner­halb der SPD eine „uner­laubte Ver­bin­dung“ (= Kon­greß [= Par­tei­tag? Vor­stands­sit­zung?] in Kopen­ha­gen = Kreis, der „die Par­tei führt“)

++ zum Zwe­cke der Ver­brei­tung der ille­ga­li­sier­ten Par­tei­zei­tung „Sozi­al­de­mo­krat“ gab

(Ent­schei­dun­gen des Reichs­ge­richts in Straf­sa­chen. Bd. 13, 273-​​285 [278-​​279, 281, 285]; falls ich meine Kopie wie­der­finde, gibt es die­ses Doku­ment auch noch [ist nun wie­der­ge­fun­den und steht hier zu Ver­fü­gung]).

Das Reichs­ge­richt hat mit die­ser Ent­schei­dung das frei­spre­chende Urteil der Vor­in­stanz (Land­ge­richt Chem­nitz) – auf Revi­sion der Staats­an­walt­schaft – auf­ge­ho­ben, ohne selbst ver­ur­tei­len zu kön­nen. Die Sache wan­derte dann zum Land­ge­richt Frei­berg, das zu einem Schuld­spruch kam (http://www.zeno.org/Kulturgeschichte/M/Blos,+Wilhelm+Joseph/Denkw%C3%BCrdigkeiten+eines+Sozialdemokraten/2.+Band/Der+Kopenhagener+Kongre%C3%9F)
Vgl. auch
http://​library​.fes​.de/​f​u​l​l​t​e​x​t​/​b​i​b​l​i​o​t​h​e​k​/​0​0​1​4​6​0​3​5​.​h​t​m​#​E​10E12, Abschnitt III.5.4.;
http://​library​.fes​.de/​f​u​l​l​t​e​x​t​/​b​i​b​l​i​o​t​h​e​k​/​0​0​1​4​6​0​3​7​.​h​t​m​#​E​10E14, Abschnitt 3.7.2.,
wo der Frei­ber­ger Pro­zeß aber als „Geheim­bund­pro­zess“ bezeich­net wird (das wäre dann aber der § 128 [nicht: 129] StGB gewe­sen).

Eine nun­meh­rige Revi­sion der Ange­klag­ten – zustän­dig war wie­derum das Reichs­ge­richt – blieb (wie nach der vor­her­ge­hen­den RG-​​Entscheidung zu erwar­ten war) erfolg­los (ebd.).

Anzu­mer­ken bleibt noch drei­er­lei:

1. Die Pra­xis der mg besteht aller­dings nicht im ver­brei­ten ille­ga­li­sier­ter Druck­schrif­ten, son­dern fällt bekannt­lich etwas hand­grei­lich aus. Dies ändert aber nichts an der Pro­ble­ma­tik des § 129 StGB als Orga­ni­sa­ti­ons­de­likt.2

2. Daß die Ange­klag­ten tat­säch­lich mg-Mit­glie­der sind (bzw. bis zu ihrer Fest­nahme waren) ist ziem­lich unwahr­schein­lich.

3.a) Heute gibt es im Straf­ge­setz­buch im Drit­ten Titel (Gefähr­dung des demo­kra­ti­schen Rechts­staa­tes) des ers­ten Abschnit­tes Vor­schrif­ten, die dem Sozia­lis­ten­ge­setz ähnlich sind. Wenn diese heute nicht auf die SPD ange­wen­det wer­den, so liegt dies nicht daran, daß die Gesetz­ge­bung libe­ra­ler gewor­den wäre, son­dern daran, daß sich die Pro­gram­ma­tik der SPD ver­än­dert hat. (In der Wei­ma­rer Repu­blik wurde der § 129 StGB dann zweit­wei­lig gegen die KPD und in den 50er und 60er Jah­ren gegen Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen der KPD ange­wen­det.)

b) Der heu­tige § 129 StGB fin­det im übri­gen gemäß der Bestim­mung in Nr. 3 sei­nes zwei­ten Absat­zes keine Anwen­dung auf Ver­ei­ni­gun­gen, die dar­auf gerich­tet sind Straf­ta­ten im Sinne der §§ 84 – 87 des genann­ten StGB-​​Titels (Ver­stoß gegen ein Parteien-​​ oder Ver­ei­ni­gungs­ver­bot, Ver­brei­ten von Pro­pa­gan­da­mit­teln einer ver­bo­te­nen Par­tei oder Ver­ei­ni­gung; Agen­ten­tä­tig­keit zu Sabo­ta­ge­zwe­cken) zu bege­hen.
Sehr wohl fin­det auch der heu­tige § 129 StGB Anwen­dung auf Ver­ei­ni­gun­gen, deren Tätig­keit bloß dar­auf gerich­tet ist, pro­pa­gan­dis­tisch, ver­fas­sungs­feind­lich auf Bun­des­wehr und öffent­li­che Sicher­heits­or­gane ein­zu­wir­ken; den Bun­des­prä­si­den­ten, den Staat, seine Sym­bole und/​oder Ver­fas­sungs­or­ga­nen zu ver­un­glimp­fen (§§ 89, 90 – 90b StGB).
In die­sen Fäl­len ‚ret­tet‘ die Ange­klag­ten allen­falls noch Nr. 2 von Absatz 2 des § 129 StGB vor einer Ver­ur­tei­lung wegen mit­glied­schaft­li­cher Betei­li­gung an einer Kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung (es sei denn, es würde sich end­lich die Ein­sicht3 durch­set­zen, daß Äuße­rungs­de­likte gegen Art. 5 I, II GG ver­sto­ßen, sofern es sich nicht um den „Schutze der Jugend“ oder die per­sön­li­che Ehre, son­dern um poli­ti­sche Stel­lung­nah­men – und seien es sie falsch oder pole­misch – han­delt): „Absatz 1 ist nicht anzu­wen­den, […] 2. wenn die Bege­hung von Straf­ta­ten nur ein Zweck [der Ver­ei­ni­gung] oder eine Tätig­keit von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung ist […].“

  1. S. http://​inter​komm​.so36​.net/​a​r​c​h​i​v​/​2​0​0​8​-​0​8​-​3​0​/​n​s​e.pdf, S. 8 f. [zurück]
  2. Ebd., 11: „Die – eben dar­ge­stellte – grund­sätz­li­che Pro­ble­ma­tik von Ver­ei­ni­gungs­de­li­ten, d.h. vor­lie­gend: des § 129 StGB selbst, schon die Betei­li­gung an der Ver­ei­ni­gung und nicht erst die Betei­li­gung an kon­kre­ten Straf­ta­ten unter Strafe zu stel­len, bleibt den­noch beste­hen.“ [zurück]
  3. Abschnitt „Was ist nun aber eigent­lich mit der Mei­nungs­äu­ße­rungs­frei­heit?“ [zurück]

Doku: Stand autonomer Bewegung. Langlauf oder Abfahrt im Sturz

Aus Anlaß des Auto­no­men Kon­gres­ses vom 9. – 11.10.2009 in Ham­burg und der von der radi­kal ange­sto­ße­nen neuen Orga­ni­sie­rungs­de­batte mache ich den im Titel genann­ten Text als .pdf-​​Bild-​​Datei wie­der zugäng­lich (viel­leicht hat ja jemandE Zeit und Lust, die Datei OCR zu behan­deln und dann Kor­rek­tur zu lesen).

Der Text erschien ursprüng­lich als Text 1.3 im Rea­der Von sozia­len Bewe­gun­gen zur sozia­len Revo­lu­tion für die Liber­tä­ren Tage, die 1987 (?) vom 16. bis 20.4. in Frank­furt am Main statt­fan­den (der Rea­der weist keine durch­ge­hende Sei­ten­zäh­lung auf.)
Der Text selbst macht keine VerfasserInnen-​​Angabe. Das Inhalts­ver­zeich­nis des Rea­ders nennt als ver­ant­wort­lich für den „The­men­block“ I.3. die „Autonome[n] FfM“.

Der doku­men­tierte Text beginnt mit den Wor­ten: „Die­ser ‚kleine‘ Nach­trag ist in der Absicht geschrie­ben, an das Ende des ers­ten Tex­tes ‚Der Ver­such, eine auto­nome, anti-​​imperialistische Poli­tik -neu-​​ zube­stim­men‘ anzu­knüp­fen. Der Kern jenes Tex­tes bestand darin, die soziale und gesell­schaft­li­che Rea­li­tät zu bestim­men, mit der wir uns in den letz­ten Jah­ren kon­fron­tiert sehen und aus der unser Wider­spruch zur Poli­tik der RAF greif­bar wird. An des­sen Ende stan­den 6 The­sen, die knapp unsere Vor­stel­lun­gen und Per­spek­ti­ven auto­no­mer Poli­tik umris­sen.“

Bei dem in dem Zitat erwähn­ten „ers­ten Text“ scheint es sich um den unmit­tel­bar davor­ste­hen­den Text 1.2 des Rea­ders zu han­deln. Die­ser trägt dort zwar keine Über­schrift und endet auch nicht mit sechs The­sen, son­dern 5 Punk­ten (die auch nicht aus­drück­lich als „The­sen“ bezeich­net wer­den).
Im Inhalts­ver­zeich­nis wird jeden­falls auch die­ser „The­men­block“ 1.2. den „Autonome[n] FfM“ zuge­ord­net. Dort wird – leicht abwei­chend von der zitier­ten For­mu­lie­rung – der Titel „Bestim­mung sozia­ler und gesell­schaft­li­cher Bedin­gun­gen aus sozi­al­re­vo­lu­tio­nä­rer Sicht“ genannt.

Da der hier doku­men­tierte Text voll­stän­dig aus sich her­aus ver­ständ­lich ist, belas­sen ich es hier – jeden­falls auf abseh­bare Zeit – bei der Doku­men­ta­tion des Tex­tes I.3.

Die geneig­ten oder auch nicht geneig­ten Lese­rIn­nen mögen sich viel­leicht fra­gen, worin die heu­tige Rele­vanz eines Tex­tes liegt, der sich u.a. gegen „mili­tante Angriffe [… als] Ersatz und nicht Mitt­tel mili­tan­ter Stra­te­gien“ wandte – in Anbe­tracht des­sen, daß mili­tante Angriffe seit den 80er Jah­ren stark abge­nom­men haben.
Wenn wir beden­ken, daß mit dem Abflauen „mili­tan­ter Angriffe“ auch ansons­ten nicht viel von der auto­no­men Bewe­gung übrig­ge­blie­ben ist, dann mag aller­dings gesagt wer­den, daß die nach­fol­gende his­to­ri­sche Ent­wick­lung dem doku­men­tier­ten Text – im Nega­ti­ven – recht gab. Abge­se­hen von der ver­blie­be­nen Rest-​​Militanz dürfte sich doch heu­tige auto­nome Radi­ka­li­tät zwi­schen dem Ver­bal­ra­di­ka­lis­mus der – in dem doku­men­tier­ten Text erwähn­ten – Grü­nen Fun­dis und dem (immer­hin) prak­ti­schen Refor­mis­mus der – eben­falls erwähn­ten – Grü­nen Rea­los der 80er Jahre bewe­gen. Oder will jemandE wider­spre­chen?

PS.:
Zu den Grü­nen der 80er Jahre vgl. im übri­gen: http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​9​/​1​2​/​d​o​k​u​-​d​a​s​-​r​e​f​o​r​m​i​s​t​i​s​c​h​e​-​s​c​h​a​f​-​i​m​-​a​u​t​o​n​o​m​e​n​-​w​o​l​f​s​p​e​l​z​-​k​r​i​t​i​k​-​a​n​-​d​e​r​-​a​u​t​o​n​o​m​i​e​-​n​r​-​1​4​/​#​c​o​m​m​e​n​t-402 und http://​ent​ding​li​chung​.word​press​.com/​2​0​0​8​/​1​0​/​0​9​/​o​k​t​o​b​e​r​-​n​r​-​1​4​-​1985/
sowie
zu auo­to­no­men Orga­ni­sie­rungs­de­bat­ten: http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​9​/​1​2​/​d​o​k​u​-​i​c​h​-​s​a​g​-​w​i​e​s​-ist/.

Doku: Das reformistische Schaf im autonomen Wolfspelz [Kritik an der Autonomie Nr. 14]

Auto­nome Theorie(n) zwi­schen vor­ka­pi­ta­lis­ti­scher Idylle und spät­ka­pi­ta­lis­ti­schem Refor­mis­mus

Aus Anlaß des Auto­no­men Kon­gres­ses vom 9. – 11.10.2009 in Ham­burg mache ich die Kri­tik der Gruppe Revo­lu­tio­näre Sozia­lis­ten an der Auto­no­mie Nr. 14 wie­der zugäng­lich – lei­der nur als .pdf-​​Bild-​​Datei (viel­leicht hat ja jemandE Zeit und Lust, die Datei OCR zu behan­deln und dann Kor­rek­tur zu lesen).

Vgl. auch noch meine Anmer­kun­gen unter: http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​k​o​p​r​o​d​u​k​t​i​o​n​e​n​/​a​n​m​e​r​k​u​n​g​e​n​-​z​u​m​-​r​e​a​d​e​r​-​a​u​t​o​n​o​m​i​e​-​o​r​g​a​n​i​s​i​e​rung/.

Doku: Ich sag‘, wie’s ist

Aus Anlaß des Auto­no­men Kon­gres­ses vom 9. – 11.10.2009 in Ham­burg und der von der radi­kal ange­sto­ße­nen neuen Orga­ni­sie­rungs­de­batte mache ich den Text Ich sag‘, wie’s ist aus der inte­rim Nr. 26 – 28 v. 28.10., 04.11. und 11.11.1988 wie­der zugäng­lich – lei­der nur als .pdf-​​Bild-​​Datei (viel­leicht hat ja jemandE Zeit und Lust, die Datei OCR zu behan­deln und dann Kor­rek­tur zu lesen).

Vgl. auch noch die Anmer­kun­gen unter: http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​k​o​p​r​o​d​u​k​t​i​o​n​e​n​/​a​n​m​e​r​k​u​n​g​e​n​-​z​u​m​-​r​e​a​d​e​r​-​a​u​t​o​n​o​m​i​e​-​o​r​g​a​n​i​s​i​e​rung/.

Nach­trag vom 29.09.2009:
Nun gibt es auch eine .pdf-​​Text-​​Datei:
http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​9​/​2​9​/​i​c​h​-​s​a​g​-​w​i​e​s​-​i​s​t​-​p​a​p​i​e​r​-​u​n​d​-​i​n​t​e​r​v​e​n​t​i​o​n​i​s​t​i​s​c​h​e​-​l​inke/.

Was hätte eigentlich (Staats-) „Ableitung“ sinnvollerweise heißen können?

- Zu over­dose, Echte Idea­lis­ten: http://​over​dose​.blog​sport​.de/​2​0​0​8​/​0​7​/​2​2​/​e​c​h​t​e​-​i​d​e​a​l​i​sten/
und
frage – 04. Sep­tem­ber 2009 um 18:58 Uhr: http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​9​/​0​4​/​d​i​a​l​e​k​t​i​k​-​w​a​r​u​m​-​d​a​s​-​l​a​c​h​e​n​-​d​e​r​-​a​n​t​i​d​e​m​o​k​r​a​t​i​s​c​h​e​n​-​a​k​t​i​o​n​-​s​c​h​o​n​-​w​i​e​d​e​r​-​z​u​-​e​i​n​e​m​-​l​a​c​h​e​n​-​u​e​b​e​r​-​s​i​e​-​w​i​r​d​/​#​c​o​m​m​e​n​t-296 -

3.1.1. Der Begriff der „Ablei­tung“ hat sich in der neue­ren mar­xis­ti­schen Dis­kus­sion häu­fig zu einem Mys­ti­zis­mus zurück­ent­wi­ckelt (zur Kri­tik: Kuh­len 1975).
M. E. kann unter Ablei­tung nur zwei­er­lei ver­stan­den wer­den. Ent­we­der „logi­sche Deduk­tion“ aus Prä­mis­sen und Schluß­re­geln oder die Ver­wen­dung die­ses Begriffs als Syn­onym für „Erklä­rung“ bestimm­ter Sach­ver­halte durch Geset­zes­hy­po­the­sen. Im letz­te­ren Sinne kann die Erklä­rungs­leis­tung in Marx’ Kapi­tal einem von Schritt zu Schritt kom­ple­xer wer­den­den Geflecht von Geset­zes­hy­po­the­sen über die Mecha­nis­men kapi­ta­lis­ti­scher Ver­ge­sell­schaf­tung gese­hen wer­den, womit die idea­li­sie­rende Struk­tur der Erfas­sung der empi­ri­schen Rea­li­tät schließ­lich immer näher kommt (vgl. Nowak 1971). Was „Ablei­tung“ des Rechts und/​oder des Staa­tes in mar­xis­ti­schen Theo­rien heißt, kann dabei i.d.R. mit dem Typ einer funk­tio­na­len Erklä­rung bzw. der Annahme funk­tio­na­ler Gesetz­mä­ßig­kei­ten begrif­fen wer­den. Die Fra­ge­stel­lung lau­tet dabei: Wel­che funk­tio­nale Not­wen­dig­keit besteht in einer kapi­ta­lis­ti­schen Ökono­mie für eine außer­halb der Ökono­mie situ­ierte, auf diese Ökono­mie bezo­gene gesell­schaft­li­che Instanz? Wel­che funk­tio­na­len Erfor­der­nisse zwin­gen eine kapi­ta­lis­ti­sche Ökono­mie zur Aus­bil­dung einer sol­chen Instanz?
So etwas wie das „aus sich Her­aus­wer­fen“ neuer Begriffe aus schon ein­ge­führ­ten Begrif­fen, oder in den Wor­ten der Marx­schen Hegel­kri­tik: „des außer oder über der Anschau­ung und Vor­stel­lung den­ken­den und sich selbst gebä­ren­den Begriffs“ (Marx 1953: 22), wonach dem Beob­ach­ter die heu­tige Ablei­tungs­dis­kus­sion oft anmu­tet, ist wis­sen­schafts­lo­gisch unhalt­bar. Es geht hier in Zukunft bei der „Ableitungs“problematik um die Erklä­rung der Rechts­form bzw. der Ver­än­de­rung der Rechts­form staat­li­chen Han­delns durch Anknüp­fen an zen­trale Struk­tur­ge­setze“ der kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­weise.

L. Kuh­len, „Ablei­tung“ und „Ver­dop­pe­lung“ in der neue­ren mar­xis­ti­schen Dis­kus­sion über den Staat, in: H. Rott­leuth­ner (Hg.), Pro­bleme der mar­xis­ti­schen Rechts­theo­rie, Frank­furt am Main, 1975, 312 – 327.
K. Marx, Grund­risse, Ber­lin, 1953.
L. Nowak, Das Pro­blem der Erklä­rung in Marx’ Kapi­tal (1971), in: J. Rits­ert (Hg.), Zur Wis­sen­schafts­lo­gik einer kri­ti­schen Sozio­lo­gie, Frank­furt, 1976, 13 – 45.

(Quelle:
Her­bert Kit­schelt
„Rechts­staat­lich­keit“ – zur Theo­rie des Wan­dels recht­li­cher Pro­gram­mie­rung im Staat der bür­ger­li­chen Gesell­schaft
in: Demo­kra­tie und Recht 1977, 287 – 314 [293 f.])

PS.: (mehr…)