Gelesen (12.08.)

1. daß Ein­tags­fliege auf mei­nen gest­ri­gen Lite­ra­tur­hin­weis ant­wor­tet. Ein­tags­fliege schrieb am 7.8.:

Das „[S]chlechter-wegkommen von Frauen […] hat näm­lich sehr viel hand­fes­tere Gründe als eine Unter­re­prä­sen­ta­tion in der Spra­che und genau des­halb ist es so albern, wenn Leute mit die­sem Mit­tel [der Her­stel­lung oder Ver­bes­se­rung der sprach­li­chen Reprä­sen­tanz von Frauen, z.B. durch das große „I“ oder Tief­strich + Anfü­gung der Feminin-​​Endung, TaP] mei­nen, dage­gen anstin­ken zu kön­nen.“

In Anbe­tracht der hand­fes­ten Nai­vi­ti­tät eines Poli­tik­ver­ständ­nis­ses, das meint, Poli­tik (in der Spra­che von Ein­tags­fliege: „dage­gen anstin­ken“) auf ihre hand­fes­ten For­men redu­zie­ren zu kön­nen, machte ich ges­tern einen Lite­ra­tur­hin­weis [Abschnitt II.2.c) und d)] zum Thema Spra­che, Ideo­lo­gie und Hege­mo­nie. Bereits ges­tern ant­wor­tete Ein­tags­fliege:

„Aber um einen Punkt zu machen, Det­lef, im Sinne des Interim-​​Papiers [auf das ich ver­wie­sen hatte], ‚Zwi­schen uns und dem Feind einen kla­ren Tren­nungs­strich zie­hen‘: ‚Ernst­hafte Kri­tik setzt vor­aus, daß der Kri­ti­ker sich im Anspruch kom­mu­nis­ti­scher Poli­tik mit uns einig weiß. Dar­un­ter geht nichts.‘ (aus: Resul­tate der Arbeits­kon­fe­renz, Pro­gram­ma­ti­sche Erklä­rung der Roten Zellen/​AK)“

Das ist eine erfreu­lich deut­li­che Ansage. Erfreu­lich ist nicht nur die Deut­lich­keit, son­dern eben­falls, daß damit auch klar­ge­stellt ist, daß wir es hier nicht mit einem gra­du­el­len Kon­flikt zwi­schen unzu­rei­chen­der Sprach­kri­tik und hand­fes­ten Maß­nah­men gegen das „[S]chlechterwegkommen von Frauen“, son­dern viel­mehr mit einem grund­le­gen­den Inter­es­sen­kon­flikt zu tun haben. Wir könn­nen daher – ent­ge­gen der anfäng­li­chen Rhe­to­rik von Ein­tags­fliege – zwangs­los anneh­men, daß Ein­tags­fliege für hand­fes­ten Maß­nah­men gegen das „[S]chlechterwegkommen von Frauen“ erst recht nicht zu gewin­nen sein wird. Soweit, so klar.

Alles wei­tere ist aller­dings unklar:

a) Unklar ist schon, wel­chen Sinn es haben soll, die Dis­kus­sion auf eine Dis­kus­sion unter Kom­mu­nis­tIn­nen zu beschrän­ken, wenn der Anteil von Kom­mu­nis­tIn­nen (in all ihren Schat­tie­run­gen) an der Gesamt­be­völ­ke­rung viel­leicht 3 % beträgt. – Ach ja, ich ver­gaß: Fra­gen der Ideo­lo­gie, der Hege­mo­nie, der Spra­che, also auch Dis­kus­sio­nen, sind ja nicht hand­fest genug – völ­lig über­flüs­sig für „kom­mu­nis­ti­sche Poli­tik“.

b) Unklar ist eben­falls, ob
► Ein­tags­fliege mir oder dem ver­link­ten Text den kom­mu­nis­ti­schen Anspruch bestrei­tet (und, falls ja, mit wel­chem Argu­ment)
oder
► ob er die­sen gar nicht zur Kennt­nis genommt hat, weil Texte mit Spra­che zu tun haben, Spra­che nicht hand­fest genug ist – und folg­lich Texte ohne­hin nicht genau zur Kennt­nis genom­men wer­den müs­sen
oder
► er sich viel­mehr an dem kom­mu­nis­ti­schen Anspruch stößt und von anti­kom­mu­nis­ti­scher Seite aus einen ant­ago­nis­ti­schen Wider­spruch auf­macht.

c) Warum ihn mein Hin­weis auf die Gesichts­punkte von Ideo­lo­gie, Hege­mo­nie und Spra­che nicht über­zeugt, bleibt schließ­lich auch noch unklar. – Aber Argu­mente vor­brin­gen, hätte ja auch etwas mit Spra­che zu tun – und wäre des­halb man­gels Hand­fes­tig­keit eben­falls untun­lich.

Alles klar.

2. daß der Mäd­chen­blog berich­tet, daß sich die Grü­nen in Kaarst dach­ten, wenn sex sells bringt Sex viel­leicht auch WählerInnen-​​Stimmen – und ein Pla­kat mit wei­ßen Hän­den, die einen nak­ten schwar­zen Po grei­fen, mit dem Slo­gan „Der ein­zige Grund, schwarz zu wäh­len“ dru­cken lie­ßen. Die Initia­tive Schwar­zer Deut­scher kri­ti­siert:

Die Wei­ßen Frau­en­hände“ – mehr als, daß die wei­ßen Hände lackierte Fin­ger­nä­gel haben, ist zu dem gen­der-Thema aller­dings auf dem Pla­kat nicht zu sehen – „grap­schen, der Schwarze Kör­per ist pas­sive Ver­fü­gungs­masse für die Asso­zia­tio­nen der Wäh­le­rIn­nen­schaft. […]. Schwarze Men­schen wer­den zu Sex­ob­jek­ten und Spiel­zeu­gen einer wei­ßen Gesell­schaft degra­diert und dif­fa­miert, die offen­bar kei­nen bes­se­ren Grund sieht einen Schwar­zen Men­schen zu ‚wäh­len‘, außer sei­ner Sexua­li­tät.

Ergän­zend sei noch gesagt, daß das Bild (die ver­fü­gen­den wei­ßen Hände) durch den Text noch ver­stärkt wird: „Der ein­zige Grund, schwarz zu wäh­len“
► Es heißt nicht etwa: „Ein guter Grund, …“ – son­dern „Der ein­zige Grund, …“. – Und das ist auch kein Zufall: Denn ande­ren­falls würde aus der Anti-​​Werbung gegen die CDU, eine Wer­bung für die CDU. Mit „Ein guter Grund, …“ würde näm­lich – im Rah­men der Ver­knüp­fungs­lo­gik des Wahl­pla­ka­tes – die Schluß­fol­ge­rung nahe­ge­legt: „Wenn Sex mit Schwar­zen, warum dann nicht auch schwarz wäh­len?“ Dies macht den Vor­wurf der Initia­tive Schwar­zer Deut­scher voll­auf berech­tigt, daß die Grü­nen mit dem Pla­kat „Schwarze Men­schen [für] eine ‚humor­voll‘ beab­sich­tige Kam­pa­gne instru­men­ta­li­sie­ren“.
► Die grei­fen­den Hände sind auf dem Pla­kat das Sub­jekt der sexu­el­len Wahl und das wäh­lende Sub­jekte wird von den Grü­nen anschei­nend auch als aus­schließ­lich weiß ima­gi­niert, denn das Pla­kat ‚funk­tio­niert‘, wenn sich weiße Wäh­le­rIn­nen mit den wei­ßen Hän­den iden­ti­fi­zie­ren.
► Auch als grüne Kan­di­da­tIn­nen kom­men nach der Logik des Pla­ka­tes nur Weiße in Anber­tracht, denn: Wenn Sex der ein­zige Grund ist, Schwarze zu wäh­len, dann ist also Poli­tik kein Grund sein, Schwarze zu wäh­len – das Wäh­len und Nomi­nie­ren von Schwar­zen für Par­la­mente also untun­lich.
► Schließ­lich ver­wischt die Ver­knüp­fung von sexu­el­ler Wahl und Par­la­ments­wahl einen ent­schei­den­den Unter­schied: Die Par­la­ments­wahl erfolgt geheim und inso­weit ein­sei­tig: Eine Par­tei kann die Stim­men, die sie erhält nicht, zurück­wei­sen. Schwarze kön­nen aber sehr wohl die sexu­elle Wahl von Wei­ßen zurück­wei­sen, wie die sexu­elle Wahl über­haupt ihre ‚Voll­zugs­le­gi­ti­ma­tion‘ erst dadurch erhält, daß sie auf Gegen­sei­tig­keit erfolgt. Von einer sol­chen Gegen­sei­tig­keit ist auf dem Pla­kat nichts zu sehen.
(Einem der Kom­men­tare beim Mäd­chen­blog ist im übri­gen noch zu ent­neh­men, daß es sich lt. Urhe­be­rin bei den Hän­den tat­säch­lich um Frau­en­hände und bei dem Po um einen Frau­enpo han­deln soll. Mul­ti­ra­cial Les­bensex sells – wer/​welche noch nicht wußte, was von diver­sity manage­ment zu hal­ten ist, weiß es jetzt.)

3. bei der Mäd­chen­mann­schaft: daß sich die CDU – viel­leicht weni­ger über­ra­schend – auch nichts nimmt und mit einem Tie­fen­blick in den Aus­schnitt der Bun­des­kanz­le­rin und einer Ber­li­ner Wahl­kreis­kan­di­da­tin („Wir haben mehr zu bie­ten.“) wirbt.
4. daß deconstruc­ting history auf ein sexua­li­täts­ge­schicht­li­ches online-​​projekt – „Out​History​.org – Making Les­bian, Gay, Bise­xual, Trans­gen­der and Queer U.S. History“ ver­weist.
5. daß Trou­ble X eine release-Party (bzw. in Wahr­heit wohl nur einen Stand bei einer release-​​Party) in Mühl­heim hat (15.8., 20 h).

6.:

7. lah­ma­cun auf­hört zu blog­gen.
8. Links­Rhein meine gest­rige Nach­frage dan­kend zum Anlaß nahm, gleich die ganze Ver­an­stal­tungs­an­kün­di­gung zu löschen.
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3 Antworten auf „Gelesen (12.08.)“


  1. 1 Onkel Bernd 17. August 2009 um 7:07 Uhr

    Die Mädchenmannschaft versagt bei der Diskussion zum Plakat-Thema leider völlig, weil sie Kommentare und ihre Antworten darauf nachträglich löschen. Betroffen sind:
    http://maedchenmannschaft.net/wir-haben-mehr-zu-bieten/#comment-17123
    http://maedchenmannschaft.net/wir-haben-mehr-zu-bieten/#comment-17124
    und
    http://maedchenmannschaft.net/wir-haben-mehr-zu-bieten/#comment-17127
    sowie die Antwort von Susanne darauf zumn Thema “Meinungsressort in der taz”.

  2. 2 DGSch 17. August 2009 um 8:50 Uhr

    Ohne daß Du uns verrätst, was in den angeblich gelöschten Kommentaren und Antworten stand (wie war im übrigen die URL der Antwort „Meinungsresort…“?), besagt das gar nichts.

  3. 3 DGSch 26. August 2009 um 17:43 Uhr

    Zu Nr. 2.:

    Zur Diskussion beim Mädchenblog über das rassistische Grüne Wahlplakat in Kaarst s. auch noch:

    http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/08/14/noch-einmal-gruener-rassismus/#comment-229.

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