Zur Entscheidung des US-Supreme Courts in Sachen Einreisen-Bann

Der US-​​Supreme Court hat heute die von Prä­si­dent Trump ver­häng­ten Ein­rei­se­ver­bote teil­weise wie­der in Kraft gesetzt. Zuvor waren von US-​​Bundesgerichten, deren Ent­schei­dun­gen von zwei Bun­des­be­ru­fungs­ge­rich­ten (Court of Appeals for the Fourth Cir­cuit in Rich­mond [Vir­gina] und Court of Appeals for the Ninth Cir­cuit, in San Fran­cisco [Kali­for­nien] – jeweils via New York Times) bestä­tigt wor­den waren, vor­läu­fig (weit­ge­hend) außer Kraft gesetzt wor­den.

Nun­mehr bleibt das Präsidenten-​​Dekret bis zur Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che, zu der ab Okto­ber ver­han­delt wer­den soll (S. 9 oben), in Kraft, soweit es Per­so­nen betrifft, die keine Ver­bin­dun­gen in die USA glaub­haft machen kön­nen.

Die FAZ schreibt dazu auf­grund einer dpa-​​Meldung:

Aus der 16-​​seitigen Begrün­dung des Supreme Courts geht her­vor, dass der Prä­si­dent bestimm­ten Men­schen sehr wohl die Ein­reise ver­bie­ten darf. Auf die­sem grund­sätz­li­chen Recht hat­ten Trump und seine Anwälte stets beharrt. Auch lässt sich her­aus­le­sen, dass der Supreme Court die Ent­schei­dun­gen der vor­he­ri­gen Instan­zen als zu weit­ge­hend ansieht. Zu anti-​​muslimischen Kom­men­ta­ren aus dem Wahl­kampf, die für die Vor­in­stan­zen in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten wich­tige Argu­mente hin­sicht­lich eines angeb­lich grund­sätz­lich von Trump gewoll­ten ‚Muslim-​​Stopps‘ waren, äußerte sich der Supreme Curt nicht. Das Thema Reli­gion spielt in der Begrün­dung gar keine Rolle.“

http://​www​.faz​.net/​a​k​t​u​e​l​l​/​p​o​l​i​t​i​k​/​t​r​u​m​p​s​-​p​r​a​e​s​i​d​e​n​t​s​c​h​a​f​t​/​o​b​e​r​s​t​e​s​-​g​e​r​i​c​h​t​-​s​u​p​r​e​m​e​-​c​o​u​r​t​-​e​r​l​a​u​b​t​-​t​e​i​l​e​-​v​o​n​-​t​r​u​m​p​s​-​e​i​n​r​e​i​s​e​v​e​r​b​o​t​-​1​5​0​7​8​2​7​5​.html

Dies scheint mir eine Über­in­ter­pre­ta­tion der Ent­schei­dung – oder zumin­dest eine unge­naue For­mu­lie­rung – zu sein. Zutref­fend ist, daß der Supreme Court die Ent­schei­dun­gen der Vor­in­stan­zen als zu weit­ge­hend sieht. Dies ergibt sich unmit­tel­bar aus dem Ent­schei­dungs­in­halt.

Was die Reli­gi­ons­frage betrifft, ist aber zu beach­ten, daß das Gericht seine Ent­schei­dung nur inso­weit begrün­det hat, als es die Ent­schei­dun­gen der Vor­in­stan­zen kor­ri­giert. Das heißt: Soweit die Ein­rei­se­ver­bote vor­läu­fig wei­ter­hin außer Kraft blei­ben, hat der Supreme Court jeden­falls im Ergeb­nis keine Ein­wände.

Soweit der Supreme Court das Dekret jetzt wie­der in Kraft gesetzt, ist für des­sen Ent­schei­dung eine Vor-​​Frage (vor der Frage nach etwai­ger reli­giö­ser Dis­kri­mi­nie­rung) aus­schlag­ge­bend – näm­lich die Frage der direk­ten Betrof­fen­heit der jewei­li­gen Klä­ger. An die­ser Betrof­fen­heit der Klä­ger (und etwai­ger ande­rer Klä­ge­rIn­nen mit [Wohn]Sitz in den USA [„any Ame­ri­can party“, s.u.]) fehle es, soweit die Ein­rei­se­ver­bote Per­so­nen betref­fen, die keine Ver­bin­dung in die USA haben.

„The courts below took account of the equi­ties in fashio­ning inte­rim relief, focu­sing spe­ci­fi­cally on the con­crete bur­dens that would fall on Doe, Dr. Els­hikh, and Hawaii if §2(c) were enforced. They rea­so­ned that §2(c) would ‚directly affec[t]‘ Doe and Dr. Els­hikh by delay­ing entry of their family mem­bers to the United Sta­tes. IRAP, 857 F. 3d, at 585, n. 11; see Hawaii, 2017 WL 2529640, at *7– *8, *24. The Ninth Cir­cuit con­clu­ded that §2(c) would harm the State by preven­ting stu­dents from the desi­gna­ted nati­ons who had been admit­ted to the Uni­ver­sity of Hawaii from ente­ring this coun­try. These hardships, the courts rea­so­ned, were suf­fi­ci­ently weighty and imme­diate to out­weigh the Government’s inte­rest in enfor­cing §2(c). Having adop­ted this view of the equi­ties, the courts appro­ved injunc­tions that covered not just respond­ents, but par­ties simi­larly situa­ted to them—that is, people or enti­ties in the United Sta­tes who have rela­ti­onships with for­eign natio­nals abroad, and whose rights might be affec­ted if those for­eign natio­nals were exclu­ded. See Man­del, 408 U. S., at 763–765 (per­mit­ting Ame­ri­can plain­tiffs to chal­lenge the exclu­sion of a for­eign natio­nal on the ground that the exclu­sion vio­la­ted their own First Amend­ment rights). But the injunc­tions reach much fur­ther than that: They also bar enforce­ment of §2(c) against for­eign natio­nals abroad who have no con­nec­tion to the United Sta­tes at all. The equi­ties relied on by the lower courts do not balance the same way in that con­text. Deny­ing entry to such a for­eign natio­nal does not bur­den any Ame­ri­can party by rea­son of that party’s rela­ti­onship with the for­eign natio­nal. And the courts below did not con­clude that exclu­sion in such cir­cum­stan­ces would impose any legally rele­vant hardship on the for­eign natio­nal him­self. See id., at 762 (“[A]n unad­mit­ted and non­re­si­dent alien . . . ha[s] no con­sti­tu­tio­nal right of entry to this coun­try”). So wha­te­ver bur­dens may result from enforce­ment of §2(c) against a for­eign natio­nal who lacks any con­nec­tion to this coun­try, they are, at a mini­mum, a good deal less con­crete than the hardships iden­ti­fied by the courts below.“1

(https://​www​.supre​me​court​.gov/​o​p​i​n​i​o​n​s​/​1​6​p​d​f​/​1​6​-​1​4​3​6​_​l​6​h​c.pdf, S. 10 f. – kur­sive Hv. i.O.; fette Hv. und Links hin­zu­ge­fügt)

Für (natür­li­che und juris­ti­sche) Per­so­nen, die in einem ähnli­chen Ver­hält­nis zu den von den Ein­rei­se­ver­bo­ten unmit­tel­bar Betrof­fe­nen (= Ein­reise begeh­ren­den) ste­hen, wie die Klä­ger der Vor­in­stan­zen, bleibt es bei den bis­he­ri­gen Gerichts­ent­schei­dun­gen:

„The injunc­tions remain in place only with respect to par­ties simi­larly situa­ted to Doe, Dr. Els­hikh, and Hawaii.“

(ebd., S. 12) – [Ergän­zung vom 27.06.: Das heißt: Das Gericht hat nicht dar­über ent­schie­den – und wird wahr­schein­lich auch im Herbst nicht dar­über ent­schei­den, ob das Dekret, soweit wie­der in Kraft gesetzt, mate­ri­ell recht­mä­ßig ist, son­dern daß es – als ver­nei­nende for­melle Vorfrage-​​Antwort – an Klä­ge­rIn­nen fehlt, die einen Anspruch haben, die mate­ri­elle Recht­mä­ßig­keit des Dekrets inso­weit über­prü­fen zu las­sen. Auch die vier gemein­hin als ‚libe­ral‘ klas­si­fi­zier­ten bzw. von demo­kra­ti­schen Prä­si­den­ten ernann­ten Rich­te­rIn­nen2 haben dazu in der Ent­schei­dung keine abwei­chende Auf­fas­sung ver­tre­ten.]

Drei der neun Rich­te­rIn­nen (unter ers­te­ren der von Trump ernannte Rich­ter Gor­such) hät­ten das Dekret kom­plett wie­der in Kraft set­zen wol­len.

  1. Die glei­che Argu­men­ta­tion, die der Supreme Court er in Bezug auf §2(c) des Präsidenten-​​Dekrets vor­bringt, bringt das Gericht auch in Bezug auf §6(b) vor:
    „The Hawaii injunc­tion extends beyond §2(c) to bar enforce­ment of the §6(a) sus­pen­sion of refu­gee admis­si­ons and the §6(b) refu­gee cap. In our view, the equi­ta­ble balance struck above applies in this con­text as well. An Ame­ri­can indi­vi­dual or entity that has a bona fide rela­ti­onship with a par­ti­cu­lar per­son see­king to enter the coun­try as a refu­gee can legi­ti­mately claim con­crete hardship if that per­son is exclu­ded. As to these indi­vi­du­als and enti­ties, we do not dis­turb the injunc­tion. But when it comes to refu­gees who lack any such con­nec­tion to the United Sta­tes, for the rea­sons we have set out, the balance tips in favor of the Government’s com­pel­ling need to pro­vide for the Nation’s secu­rity.“
    (ebd., S. 13) [zurück]
  2. http://​www​.faz​.net/​a​k​t​u​e​l​l​/​p​o​l​i​t​i​k​/​t​r​u​m​p​s​-​p​r​a​e​s​i​d​e​n​t​s​c​h​a​f​t​/​f​i​n​a​l​e​-​e​n​t​s​c​h​e​i​d​u​n​g​-​z​u​-​e​i​n​r​e​i​s​e​v​e​r​b​o​t​-​n​o​c​h​-​o​f​f​e​n​-​1​5​0​7​8​7​3​9​.html: „Tra­di­tio­nell ist das Gericht in sei­nen Ent­schei­dun­gen eher kon­ser­va­tiv, nur vier der Rich­ter wur­den von Demo­kra­ten ernannt, fünf dage­gen von Repu­bli­ka­nern.“ [zurück]
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2 Antworten auf „Zur Entscheidung des US-Supreme Courts in Sachen Einreisen-Bann“


  1. 1 TaP 27. Juni 2017 um 21:27 Uhr

    Noch ein Zitat aus der FAZ:


    „Der Oberste Gerichtshof gestattet ihm einstweilen, seine Einreiseverbote für Flüchtlinge und die Bürger von sechs Staaten der muslimischen Welt durchzusetzen. Die Richter ziehen eine bemerkenswerte Grenze: Vorläufig dürfen jene einreisen, die mit den Vereinigten Staaten in einer Beziehung stehen. Das ist kein originär menschenrechtlicher Einwand, sondern letztlich eine Berufung auf nationale Interessen. Auch das ist im Sinne Trumps.
    Richtig ist freilich: Es gibt keinen Anspruch auf Einreise in die Vereinigten Staaten – eben sowenig wie auf Einwanderung nach Deutschland. Doch folgt daraus eben nicht, wie Trump suggerierte, dass man Einreisende oder gar Bürger diskriminieren darf. Auch die von ihm bemühte nationale Sicherheit kann fundamentale Menschenrechte nicht außer Kraft setzen. Immerhin zeigt dieser Streit: Die Gewaltenteilung funktioniert. Dazu gehört, dass auch Trump Recht bekommen kann. Das letzte Wort ist das noch nicht.“

    http://www.faz.net/aktuell/politik/trumps-praesidentschaft/entscheidung-des-supreme-court-ist-sieg-fuer-trump-15078689.html – meine Hv.

    Auch dieses Zitat verwirrt eher, statt Klarheit zu bringen:

    1. Klar und zutreffend ist zwar: „Es gibt keinen [generellen, TaP] Anspruch auf Einreise in die Vereinigten Staaten – eben sowenig wie auf Einwanderung nach Deutschland.“ Entsprechend hatte der Europäische Gerichtshof im März entschieden, daß es auch kein EU-Recht gibt, das die EU-Staaten verpflichten würde, AsylbewerberInnen zur legalen Einreise Visa auszustellen (s. http://info.arte.tv/de/humanitaere-visa-eine-revolution-der-fluechtlingspolitik und http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf;jsessionid=9ea7d0f130d5b535346c338044728badb9f907538aa4.e34KaxiLc3eQc40LaxqMbN4PaxuMe0?text=&docid=188626&pageIndex=0&doclang=DE&mode=lst&dir=&occ=first&part=1&cid=220611). Daran ändere auch Art. 25 Abs. 1 Buchst. a EU-Visakodex über Visa-Erteilung aus humanitären Gründen nichts, da dieser – gem. Art. 1 und 2 Nr. 2 Buchst. a EU-Visakodex – nur für „Aufenthalt […] von höchstens 90 Tagen je Zeitraum von 180 Tagen“, aber nicht für solchen Aufenthalt, der auf Asylerlangung und somit Aufenthalt von länger als 90 Tagen gerichtet sei, anwendbar sei. [1] Auch aus „Art. 1 und Art. 3 der Verordnung Nr. 604/2013 [ergibt sich], dass sie [diese Verordnung] die Mitgliedstaaten nur dazu verpflichtet, jeden im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats einschließlich an der Grenze oder in den Transitzonen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, und dass die in dieser Verordnung vorgesehenen Verfahren nur für solche Anträge auf internationalen Schutz gelten.“ (Tz. 41 – 43, 49)

    2. Grundsätzlich zutreffend ist auch, daß die Entscheidung, welche Person einreisen dürfen, (in Deutschland, den USA und vermutlich auch vielen anderen Staaten) nicht nach religiös-diskriminierenden Kriterien getroffen werden darf. [2] Ob Trumps Länder-Auswahl-Kriterium, soweit es auf Personen mit glaubhaft gemachten Verbindungen in die USA angewandt wird, religiös diskriminierend ist, wird der US Supreme Cout noch rechtsverbindlich zu entscheiden haben. – Wie das Bundesverfassungsgericht die entsprechende Entscheidung treffen würde, wenn in Deutschland eine dem Trump-Dekret ähnliche Regelung eingeführt würde, muß ebenfalls als offen gelten.

    3. Die vom Supreme Court vorgenommene Grenzziehung ist keineswegs besonders bemerkenswert: Auch in Deutschland würde sich – unter dem Gesichtspunkt des sog. Rechtsschutzinteresses – die Frage stellen, ob

    ++ die Kläger (zu denen Einreisewillige Verbindungen haben), die in den USA geklagt haben, (wenn es hier leben würden bzw. ihren Sitz hier hätten) auch einen Anspruch hätten, daß die Gerichte prüfen, ob eine entsprechende Rechtsverordnung mit den Gesetzen bzw. ein entsprechendes Gesetz mit dem Grundgesetz vereinbar wäre,

    soweit die Regelung

    ++ Personen betrifft, die keine bereits bestehenden Verbindungen ins Inland haben. -

    Für das deutsche Verfassungsbeschwerdeverfahren bestimmt § 90 I BVerfGG ausdrücklich: „Jedermann kann mit der Behauptung, durch die öffentliche Gewalt in einem seiner Grundrechte oder in einem seiner in Artikel 20 Abs. 4, Artikel 33, 38, 101, 103 und 104 des Grundgesetzes enthaltenen Rechte verletzt zu sein, die Verfassungsbeschwerde zum Bundesverfassungsgericht erheben.“ [3]
    Auf die Frage der ‚eigenen Rechte‘ bzw. des Rechtsschutzinteresse käme es in Deutschland nur in Fällen der abstrakten Normenkontrolle (insb. Art. 93 I Nr. 2 GG: Entscheidung des BVerfG über „Meinungsverschiedenheiten oder Zweifeln über die förmliche und sachliche Vereinbarkeit von Bundesrecht oder Landesrecht mit diesem Grundgesetze oder die Vereinbarkeit von Landesrecht mit sonstigem Bundesrechte auf Antrag der Bundesregierung, einer Landesregierung oder eines Viertels der Mitglieder des Bundestages“) nicht an.
    Eine abstrakte Normenkontrolle durch den Supreme Court gibt es in den USA aber genauso wenig, wie der Supreme Court ein Verfassungsgericht ist – was m.E. aber kein Mangel, sondern ein relativer demokratischer Vorteil ist, da es die elitär-justizielle Bevormundung des demokratischen politischen Prozesses begrenzt (vgl. http://theoriealspraxis.blogsport.de/2010/02/04/ankuendigungspolitik-die-folgen-zeigt/).

    4. Auch das Grundgesetz enthält einige Grundrechte, die als Menschenrechte, und andere, die als StaatsbürgerInnenrechte ausgestaltet sind.

    ++ So ist z.B. Art. 11 GG (Freizügigkeit) ein reines Deutsches-Grundrecht und betrifft auch nur die Freizügigkeit im Inland: „Alle Deutschen genießen Freizügigkeit im ganzen Bundesgebiet.“ Das heißt, es umfaßt weder eine Ausreisefreiheit (und zwar weder für In- noch für AusländerInnen) noch eine Einreisefreiheit (für AusländerInnen) [4]. -

    Summa summarum also: Weder Grund, in der vorgestrigen Supreme Court-Entscheidung einen überraschenden Sieg Trumps zu sehen; noch für antiamerikanische Aufgeregtheiten. Allerdings Grund für Nationalstaats-Kritik im allgemeinen.

    [1] Vgl. die zu vor von Generalanwalt Mengozzi vertretene gegenteilige Rechtsauffassung: „weder in Art. 1 Abs. 1 des Visakodex, der dessen Ziel nennt, noch in seinem Art. 2 Nr. 2, in dem der Begriff ‚Visum‘ definiert wird, auf die Gründe Bezug genommen, aus denen das Visum beantragt wird. Darin werden die Beschreibung dieses Ziels und die Definition dieses Begriffs ausschließlich unter Bezugnahme auf die Dauer der Aufenthaltsgenehmigung vorgenommen, die beantragt und gewährt werden kann. Die Gründe für die Beantragung eines Visums spielen erst für die Anwendung von Art. 25 des Visakodex und bei der Prüfung des Vorliegens von Verweigerungsgründen nach Art. 32 des Visakodex, d. h. in einem späteren Stadium der Bearbeitung des Visumantrags, eine Rolle. Diese Auslegung wird durch Art. 19 des Visakodex bestätigt. Nach Abs. 2 dieser Vorschrift ‚gilt‘ der Visumantrag ‚als zulässig‘, wenn das zuständige Konsulat befindet, dass die Voraussetzungen ihres Abs. 1 erfüllt sind. Dazu gehört aber nicht, dass der Antragsteller die in Art. 14 des Visakodex aufgeführten und namentlich die in den Buchst. a und d dieser Vorschrift genannten Belege einreicht, d. h. Unterlagen mit Angaben zum Zweck der Reise bzw. Angaben, anhand deren die Absicht des Antragstellers beurteilt werden kann, das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten vor Ablauf der Gültigkeit des beantragten Visums zu verlassen. Daraus folgt, dass die Anträge der Antragsteller des Ausgangsverfahrens auf Erteilung eines Visums für eine auf 90 Tage begrenzte Dauer unabhängig von den Gründen, aus denen sie gestellt wurden, in den sachlichen Anwendungsbereich des Visakodex fallen und von den belgischen Konsularbehörden zu Recht nach Art. 19 des Kodex für zulässig erachtet wurden.“ (http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=187561&pageIndex=0&doclang=de&mode=lst&dir=&occ=first&part=1&cid=221895, Tz. 60) Auch der Generalanwalt vertrat allerdings nicht die Auffassung, daß es – unabhängig von Art. 25 Visakodex – einen unmittelbar aus der Grundrechtscharta folgenden Anspruch auf Visa-Erteilung gebe.

    [2] Vgl. für Deutschland v.a. Art. 3 III 1 GG („Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“) und außerdem 4 I („Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.“) und weniger eindeutig (als Art. 3 III 1 GG) Zusatzartikel I HS 1 und 2 US-Verfassung („Der Kongreß darf kein Gesetz erlassen, das die Einführung einer Staatsreligion zum Gegenstand hat, die freie Religionsausübung verbietet, die Rede- oder Pressefreiheit oder das Recht des Volkes einschränkt, sich friedlich zu versammeln und die Regierung durch Petition um Abstellung von Mißständen zu ersuchen.“; vgl. zur Auslegung: https://congress.gov/content/conan/pdf/GPO-CONAN-REV-2016-10-2.pdf sowie die im obenstehenden Blog-Artikel verlinkten Entscheidungen der Vorinstanzen).

    [3] Diesbzgl. muß sogar bezweifelt werden, ob denn die US-KlägerInnen (insb. die Universität Hawaii bzw. der Bundesstaat Hawaii in Vertretung seiner Uni) in eigenen Grundrechten verletzt werden. Vielmehr wird die Uni in ihrem faktischen Interessen an bestimmten Studierenden, MitarbeiterInnen, TagungsteilnehmerInnen verletzt; dieses Interesse fällt aber nicht unter die Religionsfreiheit der Uni bzw. des Bundesstaates, falls diese denn überhaupt als TrägerInnen dieses Grundrechts in Betracht kommen (die Religionsfreiheit steht vielmehr in Bezug auf diejenigen, die nicht einreisen dürfen, aber nicht geklagt haben und in den USA vllt. auch keine Klagebefugnis haben, in Frage).

    [4] Ob es – als faktische Voraussetzung der Freizügigkeit im Inland – eine (Wieder)Einreisefreiheit für InländerInnen umfaßt, sei an diese Stelle offengelassen.

  2. 2 TaP 30. Juni 2017 um 9:59 Uhr

    „Mehrere Mitarbeiter der Regierung hatten am Donnerstag Schwierigkeiten, stichhaltig zu begründen, wie die Sicherheitslage im Land durch das Einreiseverbot verbessert werden könne. […]. Nach Angaben der Zeitung ‚New York Times‘ waren im Finanzjahr 2015 – der Zeitraum entspricht nicht dem Kalenderjahr, sondern endet im Herbst – aus den sechs betroffenen Ländern etwa 20.000 Menschen mit Visa in die Vereinigten Staaten eingereist, die weitaus meisten davon Studierende oder Geschäftsreisende“ – also Personen, die Verbindungen in die USA haben und daher von dem Einreisebann ausgenommen sind.

    Hawaii zieht [erneut, TaP] vor Gericht: Trumps Einreiseverbot ist in Kraft

    http://www.faz.net/aktuell/politik/trumps-praesidentschaft/trumps-abgeschwaechtes-einreiseverbot-in-kraft-getreten-15084296.html

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