Teil II meiner Antwort an Micha Schilwa in Sachen ‚Kölner Silvesternacht‘ erschienen

Ges­tern Abend ist Teil II mei­ner Ant­wort an Micha Schilwa in Sachen ‚Köl­ner Sil­ves­ter­nacht‘ erschie­nen. Der zweite Teil mün­det in fol­gende These:

Das Patri­ar­chat im all­ge­mei­nen erklärt, warum es über­haupt eine Dis­po­si­tion für Män­ner­ge­walt gegen Frau­en­Les­ben gibt; warum sich die­ses Poten­tial im vor­lie­gen­den Fall in der vor­lie­gen­den Form rea­li­sierte, erklärt sich m.E. in aller ers­ter Linie aus der ‚Grup­pen­dy­na­mik‘ vor Ort; da gehe ich inso­weit mit dem nordrhein-​​westfälischen Innen­mi­nis­te­rium kon­form:
Es ‚gibt […] keine Hin­weise dafür, dass das Auf­tre­ten der Gesamt­gruppe oder von Teil­grup­pen orga­ni­siert bzw. gesteu­ert war. […] Das[s] kri­mi­nelle grup­pen­dy­na­mi­sche Pro­zesse und Abstim­mun­gen die jewei­li­gen Einzel-​​ und Fol­ge­ta­ten in der Sil­ves­ter­nacht beein­fluss­ten[,] bleibt hin­ge­gen sehr wahr­schein­lich.‘
‚Mao­is­tisch’ gespro­chen: Der Haupt­wi­der­spruch der Köl­ner Sil­ves­ter­nacht war der Geschlech­ter­wi­der­spruch; Neben­wi­der­sprü­che waren a) der Ras­sis­mus der deut­schen Mehr­heits­ge­sell­schaft und, wie die­ser sich auf die Lebens­si­tua­tion von Geflüch­te­ten aus­wirkt (1.: wenig Geld – ----> abend­fül­lende Silvester‘party‘ auf öffent­li­chem Stra­ßen­land – und 2.: weiße Män­ner als fast uner­reich­bare poten­ti­elle Angriffs­ob­jekte), sowie b) das isla­mi­sche Alko­hol­ver­bot, das aber gerade nicht ein­ge­hal­ten wurde – = exzes­si­ver Alko­hohl­kon­sum mit ent­spre­chen­dem Kon­troll­ver­lust.
In den Reak­tio­nen auf Köln wen­dete sich dann das Ver­hält­nis von Haupt-​​ und Nebenwiderspruch/​-​​sprüchen: Der Ras­sis­mus der deut­schen Mehr­heits­ge­sell­schaft wurde zum Haupt­wi­der­spruch und der Geschlech­ter­wi­der­spruch zum Neben­wi­der­spruch; was in Wirk­lich­keit vor allem ein Geschlech­ter­wi­der­spruch war, wurde vom main­stream und auch Tei­len der Lin­ken eth­ni­siert; andere Linke ord­ne­ten den Geschlech­ter­wi­der­spruch in Reak­tion (auf die Reak­tio­nen) auf Köln dem Anti­ras­sis­mus unter. (Fast) aus­schließ­lich Femi­nis­tin­nen posi­tio­nier­ten sich zu dem Haupt­wi­der­spruch der Köl­ner Sil­ves­ter­nacht anti­pa­tri­ar­chal und zu dem Haupt­wi­der­spruch der Rezep­tion die­ser Nacht anti­ras­sis­tisch.

http://​www​.scharf​-links​.de/​5​1​.​0​.​h​t​m​l​?​&​a​m​p​;​t​x​_​t​t​n​e​w​s​[​t​t​_​n​e​w​s​]​=​5​4​8​1​2​&​a​m​p​;​t​x​_​t​t​n​e​w​s​[​b​a​c​k​P​i​d​]​=​5​6​&​a​m​p​;​c​H​a​s​h​=​6​2​9​1​1​bc287

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3 Antworten auf „Teil II meiner Antwort an Micha Schilwa in Sachen ‚Kölner Silvesternacht‘ erschienen“


  1. 1 TaP 07. Februar 2016 um 20:39 Uhr

    Inhaltsverzeichnis zu Teil I und II meines Textes:

    http://de.indymedia.org/node/7880

  2. 2 modest 08. Februar 2016 um 21:34 Uhr

    zunächst vielen dank für die ausführliche ‚diskursanalyse‘, insbesondere auch für den langen exkurs/ausgangspunkt „selbstkritik der hegemonial cis-weißen-linken“. und zwar, weil eine reflexion der eigenen sprecher*innenposition – wenn überhaupt – eine produktive diskussion über das ‚andere‘ ermöglicht. hierbei wurde, glaube ich, in diskussion des ersten teil, schon eine these der imperialen formation des ‚nahen ostens‘ aus westlicher perspektive (‚materiell‘ wie ‚ideologisch‘) angedeutet. in diese richtung könnte, die schlussthese des zweiten teils auch als generelle hypothese geäußert werden, nämlich, dass erstens rassistisch ein ‚außen‘ konstruiert wird, welches den angeblich ‚feministischen standards‘ im inneren nicht genügt. und zweitens darüber tatsächlich feministische kämpfen im ‚inneren‘ negiert werden, und zwar analog in der weise wie in ‚afghanistan‘ für die ‚frauenrechte‘ gekämpft wird. spekulativ wäre meine these, dass die ‚errungenschaften‘ von (teilweise) emanzipativen kämpfen, patriachal beansprucht werden, und gleichzeitig die eigene position auf ‚die anderen‘ projeziert wird.

    über das wirklich ‚andere‘ ist damit noch nichts gesagt. im zweiten teil des textes scheint ein bruch stattzufinden, wenn zunächst gegen die „Ethnisierung von sexueller/sexualisierter Gewalt“, später aber gegen die „religionshypothese“ argumentiert wird. rassismus ist in seiner modernen form gewiss auch religions-, meisten jedoch ‚kulturbezogen‘, d.h. auch wenn das ‚christliche-jüdisch abendland‘ bei pegida revoziert wird, gibt es noch die subtilere ‚aufklärungsvariante‘, in welcher ‚der westen‘ zentral auch als ‚emanzipationskämpfe‘ kultiviert wird. hier scheint mir das wesentliche und auch das zu umkäpfende zu liegen, dass die weiberräte ’68 gerade gegen die patriachale gesellschaft, und gegen die antikapitalistische linke einen emanzipationskampf geführt hat, also gegen all das, was sich ‚vorher‘ irgendwie als moderne welt verstanden hat. diese konfilkte hervorzuheben, ‚den‘ ‚westen‘ nicht als „unvollendetes projekt der moderne“ zu verstehen, sondern als konfliktfeld von unterdrückungs- und ausbeutungsverhältnissen auf der einen seite und antikapitalistischen, antisexistischen und antirassistischen kämpfen auf der anderen.

    ich freue mich auf den dritten teil des textes, mit besten grüßen, m

  3. 3 TaP 26. Februar 2016 um 0:45 Uhr

    im zweiten teil des textes scheint ein bruch stattzufinden, wenn zunächst gegen die „Ethnisierung von sexueller/sexualisierter Gewalt“, später aber gegen die „religionshypothese“ argumentiert wird.

    Ja, ich glaube, das hat zwei Gründe:

    (1.) den Grund, daß es kein „-ung“-Äquavilent zu „Ethinisierung“ und „Kulturalisierung“ in Bezug auf Religion zu geben scheint (falls doch, kenne ich es nicht).

    (2.) den Grund, daß in Michas Text beide Aspekte durcheinandergehen. Hinsichtlich Religion scheint er sich sicher zu sein: „Der durchschnittliche Mann aus muslimisch geprägten Ländern hat eine andere, nämlich patriarchalischere Einstellung gegenüber Frauen als der durchschnittliche europäische Mann.“

    Hinsichtlich „Kultur“ schwankt er dagegen zwischen der Versicherung, daß es ihm selbst „nicht um Kultur“ gehe, und der Zurückweisung der Auffassung, daß die Kölner Silvesternacht „nichts […] mit […] Kultur“ zu tun habe, als „erkennbar falsch“.
    Deshalb weist wohl auch meine Antwort ein gewisses Schwanken auf: an einigen Stellen argumentiere ich gegen Ethnisierung von sexueller/sexualisierter Gewalt; an anderen Stellen gegen die Hypothese, „Religion“ sei die Ursache sexueller/sexualisierter Gewalt.

    (Auf Michas Schwanken bzgl. „Kultur“ bin ich jedenfalls nun in meinem dritten Teil etwas genauer eingegangen.)

    Oder noch einmal anders gesagt: Vielleicht habe ich auch die Tendenz „Religion“ als einen Teilaspekt von (bestimmten) „Kultur(en)“ anzusehen.

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