Hoffen und Zweifeln? – Noch einmal zu den Griechenland-Umfragen

Das neue deutsch­land schreibt gerade:

„Die Zah­len der meis­ten Insti­tute kün­den seit Wochen von einem engen Kopf-​​an-​​Kopf-​​Rennen zwi­schen der lin­ken SYRIZA und der kon­ser­va­ti­ven Nea Dimo­kra­tia. So unter­schied­lich die Werte der jewei­li­gen Umfra­gen auch sein mögen, der Abstand beträgt seit Ende August meist nur noch Zehn­tel­pro­zent­punkte […]. Es gibt aber auch noch andere Umfra­gen, und in denen sind die Erfolgs­aus­sich­ten von Mei­ma­ra­kis weit weni­ger groß. Die linke Zei­tung der Redak­teure »Efsyn­tak­ton« ver­öf­fent­lichte die­ser Tage Zah­len, laut denen SYRIZA mit 28 Pro­zent recht deut­lich vor der Nea Dimo­kra­tia liegt, die 24 Pro­zent erhält. Das Insti­tut, Prorata, hatte auch in zuvor schon die grie­chi­sche Links­par­tei stets klar vor den Kon­ser­va­ti­ven gese­hen – Anfang Sep­tem­ber etwa mit einem Vor­sprung von 28,5 zu 23 Pro­zent.
Ähnli­che, also von der Mehr­heit der Insti­tute abwei­chende Ergeb­nisse, fin­det man ebenso beim Thinktank Brid­ging Europe. Auch hier wird »ganz nor­male« Demo­sko­pie betrie­ben: reprä­sen­ta­tive Tele­fon­be­fra­gung unter Wahl­be­rech­tig­ten. Laut der jüngs­ten Zah­len von Brid­ging Europe vom ver­gan­ge­nen Wochen­ende liegt SYRIZA mit 27,4 Pro­zent klar vor der Nea Dimo­kra­tia, die nur auf 20,4 Pro­zent kommt; bei einer vor­aus­ge­gan­ge­nen Umfrage von Anfang Sep­tem­ber betrug der Vor­sprung eben­falls über sie­ben Pro­zent.“

Der ND-Arti­kel ver­mu­tet hin­sicht­lich der meis­ten Umfra­gen:

„Mit einer Höher­be­wer­tung der Nea Dimo­kra­tia könnte das Wäh­ler­ver­hal­ten beein­flusst wer­den. Eine wahr­ge­nom­mene Erfolgs­aus­sicht erhöht die Bereit­schaft, sich der vor­aus­sicht­lich erfolg­rei­chen Hand­lungs­weise anzu­schlie­ßen – in die­sem Fall: Nea Dimo­kra­tia zu wäh­len, den zumin­dest medial zum Auf­stei­ger erklär­ten Her­aus­for­de­rer von SYRIZA.“

Berück­sich­tigt wer­den sollte m.E. aber noch, daß

++ die Werte für SYRIZA in allen Umfra­gen nicht so stark von ein­an­der abwei­chen.

Der Vor­sprung von SYRIZA in den bei­den im Arti­kel genann­ten Umfra­gen ergibt sich dar­aus, daß

Das heißt: Beide Umfra­gen wei­chen zwar von den meis­ten ande­ren Umfra­gen ab; aber sie stim­men auch nicht mit ein­an­der überein (was m.E. auch nicht gerade für deren Vali­di­tät spricht).

Und der Bandwagon-​​Effekt muß nicht unbe­dingt gegen SYRIZA aus­schla­gen: Denn ein knap­pes Ren­nen zwi­schen ND und SYRIZA um die 50 Bonus-​​Sitze beein­flußt auch die Wäh­le­rIn­nen, die zwi­schen SYRIZA und den Par­teien links von ihr (insb. LAE, KKE und ANT­AR­SYA) oder Nicht-​​Wählen schwan­ken.

Und wenn wir uns jetzt noch die letzte Umfrage der Uni­ver­sity of Mace­do­nia von vor der Jan.-Wahl (21–23 Jan – PAMAK) anse­hen, ergibt sich fol­gen­des Bild:

  • Umfrage: ND – 28.5; SYRIZA – 36.0; PASOK – 5.5; ANEL-​​ 4.0; G. Mor­gen­röte – 6.5 ; DIMAR – 0.5; KKE – 6.0; Potami – 7.5; KIDISO – 1.5; Sonst. – 4.0.
  • Wahl­er­geb­nis: ND – 27.8; SYRIZA – 36.3; PASOK: 4.7; ANEL-​​ 4.8; G. Mor­gen­röte – 6.3; DIMAR - 0.5; KKE – 5.5; Potami – 6.0; KIDISO – 2.5; Sonst. – 5.6.

Die Grund­ten­denz (insb. die SYRIZA-​​, G. Morgenröte-​​ & DIMAR-​​Ergebnisse) wur­den rich­tig pro­gnos­ti­ziert. ND wurde leicht über-​​, ANEL leicht unter­schätzt.
Deut­lich über­schätzt wurde Potami (Erst­kan­di­da­tur); unter­schätzt die „Sons­ti­gen“.
PASOK wurde über-​​, die PASOK-​​Abspaltung KIDISO (kan­di­diert jetzt nicht!) unter­schätzt – deren Summe aber ziem­lich kor­rekt erwar­tet.

Das heißt: Der ein­zige deut­li­che Irr­tum betraf Potami und im Gegen­zug die „Sons­ti­gen“.

Daher sei noch­mal auf deren aktu­elle Umfrage hin­ge­wie­sen:

http://​www​.skai​.gr/​f​i​l​e​s​/​1​/​a​a​l​e​x​7​/​f​i​n​a​l​_​p​o​s​t​d​e​b​a​t​e​_​1​4​-​1​5​s​e​p​1​5.pdf, S. 18; vgl. auch S. 20 (unter Angabe der sta­tis­ti­schen Tole­ranz­mar­gen).

Bei der Inter­pre­ta­tio­nen die­ser Zah­len ist zu berück­sich­ti­gen, daß der 100 %-Wert die­je­ni­gen ein­schließt, die keine Anga­ben gemacht haben oder noch nicht wis­sen, wenn sie wäh­len (6 % ΔΞ /​ ΔΑ). Über diese 100 % hin­aus wol­len anschei­nend 3 % aller Befrag­ten ungül­tige oder leere Stimm­zet­tel (Άκυρο /​ Λευκ) abge­ben und 11 % wol­len sich ent­hal­ten (Αποχή) – also anschei­nend nicht wäh­len gehen. (Letz­te­rer Wert dürfte auf alle Fälle zu nied­rig gegrif­fen sein.)

Ange­merkt sei schließ­lich noch, daß es (auch) nach den Tole­ranz­mar­gen die­ser Umfrage durch­aus noch mög­lich ist, daß SYRIZA aus der Wahl als stärkste Par­tei her­vor­geht – zumal, wenn wir berück­sich­ti­gen, daß es nach ande­ren Umfra­gen vor allem ehe­ma­lige SYRIZA-​​WählerInnen sind, die noch unent­schlos­sen sind -

sowohl die Linkspartei-​​Vorsitzenden als auch das euro­päi­sche Kapi­tal kön­nen also noch für SYRIZA hof­fen: ;-)

„In a less pola­ri­zed poli­ti­cal environ­ment – and a more healthy demo­cracy – one option might be to form a coali­tion bet­ween the two main par­ties, so they could take joint responsi­bi­lity for making the bailout work. Mei­ma­ra­kis has made just such a pro­po­sal, but Tsi­pras has ruled out out the idea. Regrett­ably, he’s pro­bably right: […]. The cal­cu­la­tion being made in Ber­lin and Paris is that if Tsipras’s SYRIZA party were to lose Sunday’s vote, it would return to the oppo­si­tion and aban­don its (alre­ady luke­warm) sup­port of the bailout. Far bet­ter, the thin­king goes, to leave Tsi­pras in charge – of the coun­try and the bailout. Even in oppo­si­tion, Meimarakis’s party is likely to still sup­port the bailout. […]. It may well be that a Tsi­pras vic­tory is the most desi­ra­ble out­come for Europe, offe­ring the best hope for a period of sta­bi­lity. If so, it is a faint hope. The result that Greece and Europe need most is cla­rity about their future.“

http://​www​.eka​t​hi​mer​ini​.com/​2​0​1​5​8​4​/​o​p​i​n​i​o​n​/​e​k​a​t​h​i​m​e​r​i​n​i​/​c​o​m​m​e​n​t​/​e​u​r​o​p​e​s​-​b​e​s​t​-​h​o​p​e​-​f​o​r​-​g​reece

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1 Antwort auf „Hoffen und Zweifeln? – Noch einmal zu den Griechenland-Umfragen“


  1. 1 TaP 17. September 2015 um 14:19 Uhr

    Und dort gibt es die nächsten beiden Umfragen:

    ++ Eine geht ebenfalls von einem knappen Wahlergebnis, (aber) mit einem leichten Vorsprung von SYRIZA aus:

    http://www.tovima.gr/files/1/2015/09/16/kr.pdf

    und

    ++ und die andere geht – ähnlich wie die ProRata-Umfrage für EfSyn von einem recht starken Ergebnis für die G. Morgenröte, demgemäß einem eher schwachen Ergebnis für ND und einem deutlicheren Vorsprung von SYRIZA aus:

    http://www.dikaiologitika.gr/eidhseis/ekloges-septemvrioy-2015/75789/dimoskopisi-e-voice-safes-provadisma-syriza-ti-tha-psifisoun-osoi-eipan-oxi-sto-dimopsifisma

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