Und noch ein kleiner samstäglicher Versuch die trotzkistische FT-CI (‚RIO-Internationale‘) für den struktualen Maoismus Althussers zu gewinnen…

Ich selbst hatte bei FB die Frage auf­ge­wor­fen:

„Weißt Du dann, warum aus­ge­rech­net die Alt­hus­se­ris­tIn­nen, die bis­her bei ANT­AR­SYA waren, auf LAE abfah­ren? – Hat das etwas mit deren Althusser-​​Lesart zu tun? Oder liegt das nur (via Alt­hus­ser) an Maos manch­ma­li­ger Volks­tü­me­lei (die ja aber bei Alt­hus­ser keine spielte)? Oder ist das gar nicht theo­re­tisch moti­viert?“

Dort konnte mir aber bis­her nie­mandE wei­ter­hel­fen – statt des­sen fand ich ges­tern bei der FT-​​CI:

Ich habe jetzt gefun­den: „They are stron­gly influ­enced by the theo­ries of Alt­hus­ser, Pou­lant­zas and Gramsci.“ (http://​www​.left​voice​.org/​W​h​o​-​s​-​W​h​o​-​i​n​-​t​h​e​-​G​r​e​e​k​-Left)

Ich habe das gleich mal mit einem klei­nem theo­re­ti­schen Agi­ta­ti­ons­ver­such beant­wor­tet:

Dann gibt es viel­leicht ja tat­säch­lich theo­re­ti­sche Gründe – wenn sie die drei zusam­men­mi­xen, statt Alt­hus­ser von den ande­ren bei­den abzu­set­zen, wie ich es vor­zie­hen würde.

Die TF-​​CI scheint jeden­falls einen Zusam­men­hang zu sehen – gleich nach dem bereits zitier­ten Satz geht es wie folgt wei­ter: „ARAN was part of the right wing of ANT­AR­SYA. Most of this group has deci­ded to join the elec­to­ral cam­paign of Popu­lar Unity.“ -

Ich würde dage­gen als Ein­stieg in eine revo­lu­tio­näre Althusser-​​Lesart emp­feh­len:

  • Reply to John Lewis

http://​mar​x2​mao​.net/​O​t​h​e​r​/​E​S​C​7​6​i​.html

Und als Parallel-​​Lektüre statt des spä­ten Pou­lant­zas‘ und so man­cher zwei­deu­ti­ger Äuße­run­gen Gramscis lie­ber:

  • Balibar: On the Dic­ta­tor­ship of the Pro­le­ta­riat (mit in der dt. Aus­gabe nicht ent­hal­te­nen, aber auf Dt. als Zeitschriften-​​Artikel exis­tie­ren­dem Vor­wort von Gra­hame Lock1)

http://​mar​x2​mao​.net/​O​t​h​e​r​/​O​D​P​7​7​N​B​.html

und

  • Bet­tel­heim: Class Strugg­les in the USSR

http://​mar​x2​mao​.net/​O​t​h​e​r​/​C​S​S​U​i​7​6​N​B​.html

Vgl. auch noch:

„Das Kapi­tal lesen“ von Althusser/​Balibar/​Establet /​Macherey/​Rancière erst­mals voll­stän­dig auf Deutsch

http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​1​5​/​0​7​/​2​8​/​d​a​s​-​k​a​p​i​t​a​l​-​l​e​s​e​n​-​v​o​n​-​a​l​t​h​u​s​s​e​r​b​a​l​i​b​a​r​e​s​t​a​b​l​e​t​-​m​a​c​h​e​r​e​y​r​a​n​c​i​e​r​e​-​e​r​s​t​m​a​l​s​-​v​o​l​l​s​t​a​e​n​d​i​g​-​a​u​f​-​d​e​u​tsch/

  1. http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​1​1​/​1​2​/​s​t​a​l​i​n​-​a​l​s​-​v​e​r​f​e​c​h​t​e​r​-​d​e​s​-​s​t​a​a​t​e​s​-​d​e​s​-​g​a​n​z​e​n​-​v​o​l​k​e​s​/​#​f​n​1​2​5​8​0​5​7​9​5​9799n.[zurück]
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17 Antworten auf „Und noch ein kleiner samstäglicher Versuch die trotzkistische FT-CI (‚RIO-Internationale‘) für den struktualen Maoismus Althussers zu gewinnen…“


  1. 1 systemcrash 05. September 2015 um 15:36 Uhr

    könntest du die, aus deiner sicht, vorteile der „strukturalen“ Marx-Interpretation gegenüber den „orthodox-trotzkistischen“ aufassungen in einem knackigen thesenpapier zusammenfassen und vlt in bezug setzten zur aktuellen diskussion über griechenland? das könnte vlt die diskussion deines anliegens etwas erleichtern ;)

  2. 2 TaP 05. September 2015 um 22:59 Uhr

    Wenn sich die TrotzkistInnen erst einmal darauf einigen würden, was „orthodox-trotzkistisch“ ist, dann ließe sich da vielleicht etwas machen… ;-)

    Aber, wenn „orthodox-trotzkistisch“ z.B. bedeutet, sich nicht vom Begriff der „Diktatur des Proletariats“ zu verabschieden, dann gibt es – wie oben schon angedeutet – eh keinen Unterschied zwischen ‚Althusserismus‘ und Trotzkismus. -

    Im übrigen ist/wäre das Problem an solch einer Gegenüberstellung, daß mir scheint, daß der Trotzkismus vor allem eine politische und der strukturale Marxismus vor allem eine theoretische Strömung ist -

    und sich insofern weniger anhand unterschiedlicher Antworten auf gleiche Fragen unterscheiden lassen, als anhand dessen,

    daß sie unterschiedliche Fragen beantwortet haben.

  3. 3 systemcrash 05. September 2015 um 23:07 Uhr

    hmmm …aber sollte „theorie“ und „praxis“ (politik) nicht eine (annähernde) einheit sein / werden ?

  4. 4 TaP 05. September 2015 um 23:37 Uhr

    Ich würde schon sagen:

    ++ „Theorie“ hat bestimmte politische Konsequenzen. Und „Politik“ hat bestimmte theoretische Implikationen (auch wenn sie nicht expliziert werden / bewußt sind).

    ++ Trotzdem ist das nicht so einfach: Althusser (und lange Zeit auch Balibar) blieb in der KPF, während die meisten anderen ‚SchülerInnen‘ von Althusser wohl bei maoistischen GP mitmachten.

    ++ Und die – nicht explizierten – theoretischen Implikationen einer bestimmten Politik herauszuarbeiten… – das ist eine ziemlich aufwendig Sache, zumal wenn Du (also hier: ich) die Strömung (also hier: den Trotzkismus) und seine verschiedenen Tendenzen nicht so genau kennst.

    ++ Am einfachsten lassen sich wohl noch die unterschiedlichen Stalinismus-Kritiken des ‚Athusserismus‘ und des Trotzkismus vergleichen:

    --- Der Trotzkismus hat die „Bürokratie“-These, die ich ziemlich subjektivistisch, tendenziell verschwörungstheoretisch und auch begrifflich nicht ausgewiesen finde, da unter „Bürokratie“, sowohl der Stalinismus als auch der vor-neoliberale sozialdemokratische Partei- und Gewerkschaftsapparat gefaßt wird.

    --- Althusser erkennt zwar auch eine bestimmte anti-leninistische Konvergenz von Sozialdemokratie und „Stalinismus“ (ein Terminus, den er nicht verwendet) und nennt die „stalinsche Abweichung“ (Althussers Terminus für dieses Phänomen) die „posthume Rache“ der II. Internationale (am Leninismus / revolutionären Marxismus sozusagen).

    -- Außerdem erstreckt der ‚Althusserismus‘ die mainstream-maoistische Kritik am ‚modernen Revisionismus‘ von Chruschtschow u.a. bereits auf die Stalin-Zeit (deren Kritik durch Mao selbst ja – vorsichtig gesagt – etwas ‚unterbelichtet‘ blieb, auch wenn es Ansätze dazu bei ihm schon gab.)

  5. 5 TaP 06. September 2015 um 0:40 Uhr

    Um zumindest doch noch so ein bißchen in Richtung „Griechenland“ zu kommen:

    Poulantzas schrieb einige Jahre vor seiner euro‘kommunistischen‘ Wende:

    „Die historizistische [*] Ideologieauffassung ist allerdings noch klarer [als bei Marcuse, TaP] bei dem typischen Beispiel von Lukács und seiner Theorie von ‚Klassenbewußtsein’ und ‚Weltanschauung’. Es lohnt sich, dabei zu verweilen, da sie klar das Problem der erkenntnistheoretischen Prämissen einer historizistischen Betrachtungsweise der Ideologie erkennen läßt. Sie ist um so wichtiger, als infolge Gramscis Historizismus, […] die Mehrzahl der marxistischen Theoretiker den Begriff der Hegemonie in einer Bedeutung gebrauchen, die mit der Problematik Lukács’ verwandt ist.“ (Nicos Poulantzas, Politische
    Macht und gesellschaftliche Klassen
    , Athenäum: Frankfurt am Main, 1974 [frz. Originalausgabe: 1968], 195).

    Außerdem schrieb er damals (zu dieser Stelle habe ich jetzt aber nicht die Seitenzahl und den Wortlaut zur Hand), daß Gramsci davon ausgegangen sei, daß die Hegemonie vor der Revolution errungen werden müsse, während Lenin davon ausgegangen sei, daß die (politische) Revolution die Voraussetzung der (ideologischen) Hegemonie-Erringung sei.

    ++ Ich bin mir nicht sicher, ob es Lenin tatsächlich so sah, wie Poulantzas 1968 behauptete.

    ++ Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich die in Rede stehende Position (vermeintlich: Lenins) teilen würde (oder ob ich nicht doch eher eine verkappte GramscianerIn bin).

    ++ Aber auf alle Fälle würde ich sagen, daß in der von Poultanzas 1968 Gramsci zugeordneten (und kritisierten Position, die er sich dann später wohl zu eigen machte) ein Einfallstor für reformismistische ‚Abweichungen‘ liegt.

    [*] „historizistisch“ meint im hiesigen Zusammenhang soviel wie: Vorstellung von der Homogenität von Politik, Ökonomie und Ideologie – sogar Wissenschaften – zu einem je spezifischen Zeitpunkt: Jede ‚Ebene‘ sei schlicht „Ausdruck“ [i.S. Leibniz‘ und Hegels Kausalitätsvorstellung: pars pro toto] der ‚Totalität‘. – Dieses Modell kann sowohl ökonomistisch (Stalin?), ideologizistisch (Gramsci?), als auch politizistisch (Linkskommunismus/Lukács der frühen 20 Jahre?) artikuliert werden.

  6. 6 TaP 06. September 2015 um 1:25 Uhr

    Und Althusser selbst zu Gramscis ideologie- / zivilgesellschafts-bezogenen Überlegungen (obwohl unbestreitbar ist [und auch von Althusser selbst nicht bestritten wurde], daß er diesbzgl. einiges Gramsci entlehnt hat):

    „[…] nur vom Standpunkt der Bourgeoisie aus gibt es einen Unterschied zwischen ‚politischer Gesellschaft‘ und ‚bürgerlicher Gesellschaft‘, oder genauer gesagt: diese Unterscheidung ist konstitutiv für die bürgerliche Ideologie und den bürgerlichen Klassenkampf. Insofern kann man sagen, daß der Staat nur vom Standpunkt der Bourgeoisie aus als eine von allem anderen und von der bürgerlichen Gesellschaft unterschiedene ‚Sphäre‘ […], als außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft stehend vorgestellt wird, während der Staat in Wirklichkeit immer tief in die bürgerliche Gesellschaft eingedrungen ist, und zwar nicht nur durch das Geld und das Recht, nicht nur durch seine repressiven Apparate, sondern auch durch seine ideologischen Apparate. […] Gramsci [hat] genau begriffen, daß ‚alles Politik ist‘, daß es also keine ‚Sphäre der Politik‘ gibt und daß die Arbeiterbewegung – wenn die Unterscheidung zwischen politischer Gesellschaft (oder Staat) und bürgerlicher Gesellschaft die von der bürgerlichen Ideologie und Praxis der Politik auferlegten Formen definiert – mit dieser Illusion brechen und sich eine ganze andere Vorstellung sowohl von der Politik als auch vom Staat machen muß.“

    Und Althussers Schlußfolgerung aus diesen Überlegungen war, – anders als Gramsci – nicht von „Zivilgesellschaft“ (im Gegensatz zu Staat), sondern von Ideologischen Staatsapparaten (vgl. dort) (im Unterschied zu dem Repressiven Staatsapparat) zu sprechen, um das von Gramsci als società civile bezeichnete Feld zu benennen.

    (Louis Althusser, Anmerkungen über ideologische Staatsapparate (1976), in: ders., Ideologie und Ideologische Staatsapparate. Aufsätze zur marxistischen Theorie, VSA: Hamburg / Westberlin 1977 (Reihe Positionen Band 3 hrsg. von Peter Schöttler), 154 – 168 [auch zu dieser Stelle habe ich die korrekte Seitenzahl leider nicht zur Hand, weil die Seiten, die ich bei früherer Gelegenheit genannt hatte {unerfreulicherweise war es sogar meine Diss.} {73, 74} nicht zu den Seitenzahlen des Aufsatzes passen… – peinliche Sache, aber ich werde ich die korrekten Seitenzahlen nachtragen).

  7. 7 TaP 06. September 2015 um 10:12 Uhr

    Zur Quelle für das Althusser-Zitat in dem vorstehenden Kommentar:

    Also, die Seitenzahlen waren wahrscheinlich doch zutreffend (S. 73, 74), was ich aber im Moment nicht überprüfen kann, da ich das Buch nicht hier habe, aber es handelt sich um einen anderen Aufsatz als gestern Abend gedacht. Richtig ist vielmehr:

    Louis Althusser, Zu einigen Voraussetzungen der Staatsfrage in der marxistischen Theorie (1977), in: ders., Krise des Marxismus, Hamburg, 1978, 69 – 79 (73, 74) -

    jedenfalls passen dann die Seitenzahlen der Fundstelle zu der Anfangs- und Endseitenzahl des Aufsatzes… (aber wie gesagt: ich werde das noch mal anhand das Buches überprüfen und dann Bericht erstatten).

  8. 8 systemcrash 06. September 2015 um 11:15 Uhr

    also erstmal hast du natürlich völlig recht, dass sich DIE „trotzkisten“ (die es genausowenig gibt wie DIE „marxisten“) selbst nicht einig sind. von daher macht es tatsächlich sinn, anhand einiger zentraler punkte (ähnlich wie die essential-methode) die unterschiede zu diskutieren.

    zufällig ist gerade das thema „stalinismus“ eines der (zentralen) themen, die mich sehr heftig umtrieben haben. letztlich hat das sogar dazu geführt, mich nicht
    mehr als „orthodoxen“ zu sehen. aber dies im einzelnen darzustellen, ist nicht so einfach. grundsätzlich teile ich deine bedenken gegen den „bürokratie“-begriff, wobei man Trotzki zugestehen muss, als er „verratene revolution“ schrieb, selber von der (historischen)“vorläufigkeit“ seiner analyse sprach.

    a) die mehrzahl der strömungen teilt weiterhin die auffassung, dass es bürokratisch deformierte arbeiterstaaten gibt. (bürokratisch degeneriert wird nur für die ehemalige UDSSR verwendet.) die bürokratie wird als herrschende KASTE bezeichnet, die zwar privilegien hat, aber nicht über EIGENTUM an produktionsmitteln verfügt.

    b) wenige strömungen benutzen den begriff „staatskapitalismus“. am bekanntesten ist die CLIFF-strömung (in deutschland gehörte mal die jetzige marx21 gruppe dazu) und die amerikanische LRP. leider kann ich die sachen von der LRP nicht lesen, weil mein englisch zu scheisse ist. es gibt ein buch von Walter Daum, Life and death of stalinism, welches du im download bereich bei neoprene findest http://neoprene.blogsport.de/downloads/
    historisch gibt es noch eine debatte um einen gewissen Bruno Rizzi, der eine theorie des „bürokratischen kollektivismus“ entwickelt hat, dies scheint aber keine aktuelle rezeption zu finden.

    c) es gibt theorien, die versuchen verschiedene ansätze fruchtbar zu machen. ich bezeichne die als „synthetische“ theorien. mein lieblingsansatz ist die theorie der „asiatischen produktionsweise“ (APW), die auf die „stalinistischen“ gesellschaften anwendung (als analogie) finden soll. hinweise darauf findest
    du bei August Wittfogel (die orientalische despotie) und Rudolf Bahro (die alternative).

    ich selber neige zu der auffasung, dass die bürokratie eine „quasi-klasse“ ist, also zwar kein eigentum an produktionsmitteln besitzt aber über die staats- und verwaltungsfunktionen sich die faktische VERFÜGUNGSGEWALT über die produktionsmittel angeeignet hat. die ausbeutung läuft nicht über einen
    „mehrwert“, sondern über das gesellschaftliche mehrPRODUKT, was sich die bürokratie priviligiert zuführt.

    die „antileninistische konvergenz“ von sozialdemokratie/gewerkschaftsführungen und stalinismus ist tatsächlich gegeben. und das kann auch nicht weiter verwundern, denn die politik der bürokratie kann ja auf nichts anderem basieren als ihre privilegien zu verteidigen. und darum neigen sie (in der
    regel) dazu, ihre basis zu demobilisieren. (über den analytischen wert des begriffs „verrat“ müsste man noch gesondert diskutieren.)

    über die bedeutung von MAO kann ich nichts sagen, da ich mich damit kaum beschäftigt habe. ich neige aber dazu, die chinesische revolution als von anfang an als bürokratisch „deformiert“ einzuschätzen. (die richtigen ansätze in den 20er jahren wurden von der stalinisierten komintern durch eine volksfrontpolitik ersetzt. unterordnendes bündnis mit der Kuomintang etc.)

    was die anwendung der hegemonietheorie anbelangt (konkret im falle griechenlands) würde auch ich sagen, dass die hegemonie bereits VOR der revolutuion erlangt sein muss, denn das ist ja die VORAUSSETZUNG der revolution. nach der revolution findet dann die gesellschaftliche konsolidierung der hegemonie statt. („diktatur des proletariats“. externe diktatur gegen die konterrevolution, interne arbeiterInnen-demokratie).

    die arbeiterInnen-demokratie ist aber nicht eine andere „anwendungsform“ der „demokratie“, sondern die klassenspezifische herrschaftsform der arbeiterInnen, die die zerbrechung der bürgerlichen herrschaftsform (staat) zur voraussetzung hat.
    aber eine herrschaft, die sich ihre eigene historische aufhebung selbst zum ziel gesetzt hat, also mehr eine art „halb-staat“ (Lenin) darstellt.

  9. 9 TaP 06. September 2015 um 11:55 Uhr

    Dazu später – aber guck mal, ob das:

    http://theoriealspraxis.blogsport.de/2015/09/06/warum-ist-keine-trotzkistin-bin/

    in etwas so etwas ist, wie Du gestern angeregt hattest…

  10. 10 Neoprene 06. September 2015 um 12:34 Uhr

    wenn systemcrash schreibt,

    die ausbeutung läuft nicht über einen
    „mehrwert“, sondern über das gesellschaftliche mehrPRODUKT, was sich die bürokratie priviligiert zuführt.

    dann scheint mir der Begriff des „Zuführens“ problematisch. Denn das entscheiden kritikwürdige an der Herrschaft der Bürokraten war ja nicht deren überproportionaler eben „priviliegierter“ Privatkonsum, der fiel ja in der DDR, sagen wir mal ab 1965, nicht wirklich ins Gewicht. Es war ihre abstruse Konstruktion der sozialistischen Wirtschaft, ihre selbstherrlichen Entscheidungen über die Produktionsstruktur und Verteilung. Die Grohe-Armaturen in Wandlitz, selbst die 20 Luxus-Autos von Breschnew & Co. fallen, daran gemessen, für mich nicht sonderlich ins poltische Gewicht für deren Verurteilung von einem kommunistischen Standpunkt aus.

  11. 11 systemcrash 06. September 2015 um 12:56 Uhr

    ok, damit könnte ich mich einverstanden erklären.
    dann war der zentrale kritikpunkt wohl das „politische“/staat/partei/ (und auch „kulturelle“) monopol“ der bürokratie. „diktatur“ im sinne der autokratie.

  12. 12 systemcrash 06. September 2015 um 14:08 Uhr

    zu neoprene: ich würde seiner position zustimmen und die hauptkritik auf das politische monopol der bürokratie legen

    zu deinem papier: da werden so viele fragen aufgeworfen, dass ich darauf in längerem text antworten muss. das wird einige zeit dauern. ich melde mich dann bei dir :)

  13. 13 Neoprene 06. September 2015 um 14:21 Uhr

    Ja und Nein: Der Begriff „Diktatur“ macht ja nur Sinn (jedenfalls, wenn man kein Demokrat ist), wenn dazu gesagt wird, was die „Diktatoren“ dem „Volk“ an blöden Sachen aufgedrückt haben. Bei den Entscheidungen, die die getroffen haben, die vernünftig waren, sowas gab es ja auch (das waren ja zumeist keine Pol Pots, die ein ganz anderes Kaliber waren), würde ich auch nicht unbedingt laut schreien, daß „wir“ aber nicht gehört wurden, ehe die das festgelegt hatten.

  14. 14 TaP 06. September 2015 um 15:13 Uhr

    Zu systemcrash / 06. September 2015 um 11:15 Uhr:

    zu a): Zu „deformiert“ und „degeneriert“ steht ja in meinem Papier zur IV. etwas drin. Daher spare ich mir das hier.

    zu b) „wenige strömungen benutzen den begriff ’staatskapitalismus‘.“

    Paßt vom Wort her besser zum Maoismus als „degeneriert“ und „deformiert“ – aber meinen MaoistInnen und TrotzkistInnen dasselbe, wenn sie von „Staatskapitalismus“ sprechen?

    Das hatte ich leider nur überflogen:

    Theorien des Staatskapitalismus – Teil 3

    http://www.trend.infopartisan.net/trd0815/t010815.html

    und davor gab es das (Teil 2):

    http://www.trend.infopartisan.net/trd0715/t010715.html

    zu c): „asiatischen produktionsweise“ / „Rudolf Bahro (die alternative)“

    Als ich das 1990, als es wiederaufgelegt wurde, las, fand ich das recht plausibel. Inzwischen würde ich aber eher der Kritik zustimmen, die sagt, daß diese These eine gewisse eurozentristisch/chauvinistische Schlagseite einerseits und eine Tendenz zu einem Unvermeidlichkeits-Fatalismus andererseits habe.

    „die ausbeutung läuft nicht über einen ‚mehrwert‘, sondern über das gesellschaftliche mehrPRODUKT, was sich die bürokratie priviligiert zuführt.“

    -- Was die Privilegien anbelangt, stimme ich neoprene zu.

    -- und im übrigen würde ich sagen: Da es Geld gab, die Arbeitskraft gegen Geld getauscht wurde, also eine Ware war, und der ‚Real’soz sogar selber beanspruchte (oder?), daß das Wertgesetze noch gelte und ‚bewußt angewendet‘ werde (wie das auch immer gehen soll), würde ich sagen, war das Mehrprodukt auch im ‚Real’soz wertförmig war – u.a. daher ja die „Staatskapitalismus“-These.

    Das Bezeichnende ist nun allerdings, daß zwar die Konsumquote der herrschenden Schicht geringer war als im westlichen ‚Privatkapitalismus‘, die Re-Investitionsquote im ‚Real‘Soz also höher war, aber der ‚Privatkapitalismus‘ dem „Staatskapitalismus“ – trotz anfänglich starkem Aufholen des Letzteren – in der Entwicklung der Produktivkräfte deutlich überlegen war und ist.

    „neigen sie (in der regel) dazu, ihre basis zu demobilisieren.

    Diese These sollte allerdings nicht übertrieben werden; da waren wir uns neulich ja einig.

    „unterordnendes bündnis mit der Kuomintang etc.“ – aber darüber gab’s ja auch Diskussionen in der KPCh und vor allem hat sie am Ende die Kuomintag – außer auf Taiwan – besiegt. :-)

    „was die anwendung der hegemonietheorie anbelangt (konkret im falle griechenlands) würde auch ich sagen, dass die hegemonie bereits VOR der revolutuion erlangt sein muss, denn das ist ja die VORAUSSETZUNG der revolution.“

    Ja, das dachte ich damals, als die fragliche Poultanzas-Stelle las, auch so ähnlich. Aber inzwischen scheint mir: Wenn wir ernst nehmen, was Lenin in Was tun? schrieb – nämlich, daß

    „die bürgerliche Ideologie ihrer Herkunft nach viel älter ist als die sozialistische, […] sie vielseitiger entwickelt ist [… und] sie über unvergleichlich mehr Mittel der Verbreitung verfügt“,

    dann ist Hegemonie vor der Revolution unrealistisch, sondern es kann nur darum gehen, eine ausreichend starke Minderheitsposition – oder so eine Art ‚Doppelmacht im ideologischen Feld‘ – zu erringen. – Anderenfalls wäre die Wirksamkeit der Ideologischen Staatsapparate (ISA) und die Notwendigkeit für KommunistInnen, auch die ISA umzustrukturieren, negiert.

    PS.:

    Mir scheint: Das meiste von dem Vorstehenden ist nicht besonders stark von Althusser beeinflußt, weil es entweder Fragen sind, mit den sich ‚AlthusserInnen‘ nicht beschäftigt haben, oder es Fragen sind, auf die sie Antworten geben, die andere auch geben. – Also, was ich sagen will: Für einen Vergleich ‚Althusser-Trotzki‘ ist damit nicht viel gewonnen.

  15. 15 TaP 06. September 2015 um 21:26 Uhr
  16. 16 TaP 08. September 2015 um 11:36 Uhr

    Und dort könnte sie auch weitergehen: :-)

    Warum heißt der „strukturale Marxismus“ „struktural“?

    http://theoriealspraxis.blogsport.de/2015/09/07/warum-heisst-der-strukturale-marxismus-struktural/

  17. 17 TaP 16. September 2015 um 17:47 Uhr

    Hier noch eine kleine Ergänzung aus Anlaß von:

    „Im althusserianischen Jargon, dessen sich Carrillo immer wieder bedient, handelt es sich bei den ideologischen Staatsapparaten um Organisationen und Einrichtungen, die nicht direkt zur Staatsmacht gehören, deren Existenz aber eng mit der Weiterexistenz dieses Staates und der von ihm vertretenen Gesellschaftsordnung verbunden ist und die darum seine Ideologie reproduzieren, ihm damit die kulturelle Hegemonie sichern.“

    http://blog-proleter.myblog.de/blog-proleter/art/8627950/Lekturenotiz-Santiago-Carrillo-Eurokommunismus-und-Staat-

    In dem Zitat ist das Wort „Jargon“ zu betonen ist. Denn augenscheinlich hat Carrillo nicht verstanden, was Althusser geschrieben hat. Denn Althusser spricht von ISA gerade deshalb, um sich von Gramsci oder jedenfalls bestimmten Gramsci-Lesarten abzusetzen.

    In der Analyse von Althusser sind die ISA nicht – wie in der liberalen Entgegensetzung von bürgerl. Ges. (civil society) und Staat sowie in bestimmten Lesarten der gramscianischen Unterscheidung von società civile und società politica – das Bessere oder sogar Gute und allein der Staat das Gefährliche (s. schon oben den Kommentar vom 06. September 2015 um 1:25 Uhr und den folgenden Kommentar).

    Althusser sagte, die ISA stehen „auf der Seite des (repressiven) Staatsapparates“ (Ideologie und ISA, Hamburg/WB, 1977, 119), auch wenn sie nicht mit diesem identisch sind. Die ISA seien keine „neutralen ‚Formen‘, sondern Apparate, die die herrschende Ideologie realisieren“ (168). Deshalb „die brennende Sorge Lenins, (u.a.) den Ideologischen Staatsapparat des Schulwesens zu revolutionieren“ (122).
    Die Staatsmacht (einer je bestimmten Klasse) wird in dem RSA UND den ISA ausgeübt [123: „Ausübung der Staatsmacht in den Staatsapparaten, dem (repressiven) Staatsapparat einerseits und den Ideologischen Staatsapparaten andererseits“ [Hv. TaP] – und zwar zum Zwecke der „Reproduktion der Produktionsverhältnisse“].

    Und wie neulich schon erwähnt, waren Althusser und Balibar dagegen als sich die KPF von der DdP verabschiedete.

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