Archiv für September 2015

Aus einer Wahlanalyse von Leo[andros] Fischer

Aus einem FB-​​post von Leo Fischer (via Schorsch Franky):

1. Warum hat SYRIZA pro­zen­tual nur wenig und in abso­lu­ten Zah­len (Stim­men) nicht noch stär­ker als ohne­hin ver­lo­ren?

„SYRIZA konnte eine gewisse Dyna­mik auf­recht­er­hal­ten durch das Auf­sau­gen von Wäh­le­rIn­nen aus dem Lager der Mitte, vor allem aus der neo­li­be­ra­len Spaß­par­tei Potami (‚Der Fluss‘), die eine herbe Nie­der­lage erlit­ten hat. Doch SYRIZA bekam den Groß­an­teil ihrer Stim­men von Arbeit­neh­me­rIn­nen. Viele von denen haben sich in letz­ter Minute zäh­ne­knir­schend dafür ent­schie­den die Par­tei zu wäh­len, aus Angst vor einer Rück­kehr der kon­ser­va­ti­ven Nea Dimo­kra­tia (ND).“

2. Warum haben die Kräfte links von SYRIZA nicht stär­ker abge­schnit­ten?

a) Es brei­tet sich eine anti­po­li­ti­sche Stim­mung aus: (mehr…)

Wie war SYRIZA eigentlich entstanden?

Die Grün­dungs­tage von SYRIZA lie­gen weit zurück, in der Spal­tung der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei (KKE). Von der damals ille­ga­li­sier­ten und im »Ost­block sta­tio­nier­ten« grie­chi­schen KP trennte sich 1968 ein spä­ter »euro­kom­mu­nis­tisch« genann­ter Flü­gel. Nach dem Ende der grie­chi­schen Mili­tär­dik­ta­tur ent­wi­ckel­ten sich ein Teil der »Euro­kom­mu­nis­ten« in den 80er Jah­ren wei­ter zur undog­ma­ti­schen und dem lin­ken Bil­dungs­bür­ger­tum nahe­ste­hen­den »Grie­chi­schen Lin­ken« (EAR). Ende der 1980er Jahre, inmit­ten einer skan­dal­be­ding­ten Krise der PASOK-​​Regierung, formte diese mit der marxistisch-​​leninistischen KKE die »Koali­tion der Lin­ken und des Fort­schritts – Syn­as­pis­mos« (SYN). Obwohl von Beginn an ein fra­gi­les Gebilde kam das Wahl­bünd­nis 1989 bei der Par­la­ments­wahl auf 13,1 Pro­zent. Interne Aus­ein­an­der­set­zun­gen und der Kol­laps der Sowjet­union führ­ten aber 1991 zum Bruch.
Den­noch ent­schie­den sich ein Jahr spä­ter undog­ma­ti­sche Linke und soge­nannte KKE-​​Reformer, die ver­blie­be­nen Reste von Syn­as­pis­mos in eine Par­tei umzu­wan­deln. Die­ser gelang der Ein­zug ins natio­nale Par­la­ment erst­mals 1996. In den fol­gen­den Jah­ren rang die Par­tei bestän­dig darum, die Drei-​​Prozent-​​Hürde zu über­win­den. Nach den Wah­len im Jahr 2000 erfolgte die erste große Spal­tung der Par­tei. Prot­ago­nis­ten des »rech­ten Flü­gels« wan­der­ten zur Sozi­al­de­mo­kra­tie ab und SYN rückte im Par­tei­en­spek­trum wei­ter nach links. So konnte sie wei­tere linke Grup­pen und soziale Bewe­gun­gen an sich bin­den. 2004, kurz vor der Par­la­ments­wahl, wurde zum ers­ten Mal die »Koali­tion der radi­ka­len Lin­ken – SYRIZA«, gebil­det, wel­che aber ledig­lich 3,26 Pro­zent der Stim­men errang. Das Wahl­bünd­nis zer­fiel weit­ge­hend. Erst 2007 konnte SYRIZA unter ver­än­der­ter Zusam­men­set­zung wie­der­be­lebt wer­den.

http://​www​.neues​-deutsch​land​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​9​5​9​4​0​5​.​d​i​e​-​z​e​i​t​e​n​-​d​e​r​-​s​p​a​l​t​u​n​g​-​u​e​b​e​r​w​u​n​d​e​n​.html

Volkseinheitliche Dominanz des national-kulturalistischen über den materialistischen Klassendiskurs

TSP: „Herr Theo­do­ra­kis, Sie kri­ti­sie­ren den Regie­rungs­kurs des grie­chi­schen Ex-​​Ministerpräsidenten Alexis Tsi­pras und rufen zu einer ‚Volks­front‘ gegen die Aus­te­ri­täts­po­li­tik auf. Hat die Syriza-​​Partei die Werte der Lin­ken ver­ra­ten?“

Mikis Theo­do­ra­kis: „Ich habe in Paris gelebt, und mir ist der dort herr­schende car­te­sia­ni­sche Geist sehr ver­traut, der auch die deut­sche Den­kungs­art bestimmt, wobei in Deutsch­land teil­weise eine stark pro­tes­tan­tisch geprägte Erzie­hung und Geschichte dazu­kom­men. Wir Grie­chen haben eine ganz andere Tra­di­tion und Erzie­hung, die zusam­men mit der Ortho­do­xie unser star­kes natio­na­les Bewusst­sein aus­ma­chen, aus dem Wert­vor­stel­lun­gen und eine Lebens­hal­tung resul­tie­ren, die ein­fach voll­kom­men ver­schie­den sind von denen ande­rer Natio­nen.
Unsere Tra­gö­die begann, als die Staa­ten, in denen der Ratio­na­lis­mus vor­herrschte – Frank­reich, Eng­land und Deutsch­land – aus unter­schied­lichs­ten Grün­den seit dem 19. Jahr­hun­dert auf unser Land Ein­fluss nah­men, um uns Grie­chen zu ‚zivi­li­sie­ren‘, weil sie uns auf­grund unse­rer natio­na­len Beson­der­hei­ten nicht ‚ver­ste­hen‘ konn­ten. Genau das­selbe pas­siert auch heute. Sie wol­len uns par­tout ihren Ratio­na­lis­mus auf­zwin­gen, das heißt, ihre Leit­bil­der.
Es wäre an der neuen Lin­ken – im Gegen­satz zur his­to­ri­schen Lin­ken, die von aus­län­di­schen Vor­bil­dern beein­flusst ist –, unsere natio­nale Beson­der­heit zu schüt­zen. Syriza und Alexis Tsi­pras gehö­ren zu die­ser neuen Lin­ken, deren Auf­gabe es war, uns vor dem ‚Ratio­na­lis­mus‘ von Herrn Schäu­ble zu bewah­ren, für den unsere natio­nale Beson­der­heit, die dem euro­päi­schen Ratio­na­lis­mus zuwi­der­läuft, ein Stör­fak­tor ist. Dass unser Volk es ablehnt, sich die ratio­na­lis­ti­schen Scheu­klap­pen Euro­pas auf­set­zen zu las­sen, ver­är­gert Herrn Schäu­ble offen­sicht­lich sehr. Mit sei­nem Ver­such, uns dafür zu bestra­fen, zwingt er Grie­chen­land diese unsäg­li­che Aus­te­ri­täts­po­li­tik auf, […].“

http://​www​.tages​spie​gel​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​z​u​r​-​w​a​h​l​-​i​n​-​g​r​i​e​c​h​e​n​l​a​n​d​-​s​i​r​t​a​k​i​-​e​r​f​i​n​d​e​r​-​m​i​k​i​s​-​t​h​e​o​d​o​r​a​k​i​s​-​k​r​i​t​i​s​i​e​r​t​-​a​l​e​x​i​s​-​t​s​i​p​r​a​s​/​1​2​3​4​2​2​3​2​.html

Fragmente zum griechischen Wahlergebnis

1. Zunächst ein­mal zur Empi­rie – d.h. den Zah­len:

Unter Zugrun­de­le­gung des vor­läu­fi­gen amt­li­chen End­er­geb­nis­ses sind die Gewin­ne­rIn­nen:

2. An Ana­ly­sen und Beur­tei­lun­gen der Zah­len finde ich ziem­lich trif­tig:

a) Jose­fina Mar­ti­nez: Syriza und Anel regie­ren wei­ter, um das dritte Memo­ran­dum durch­zu­set­zen1

http://​www​.klas​se​ge​gen​klasse​.org/​s​y​r​i​z​a​-​u​n​d​-​a​n​e​l​-​r​e​g​i​e​r​e​n​-​w​e​i​t​e​r​-​u​m​-​d​a​s​-​d​r​i​t​t​e​-​m​e​m​o​r​a​n​d​u​m​-​d​u​r​c​h​z​u​s​e​tzen/

=

Syriza y Anel vuel­ven al gobierno para apli­car el ter­cer memorán­dum

http://​www​.laiz​quier​da​dia​rio​.com/​S​y​r​i​z​a​-​y​-​A​n​e​l​-​v​u​e​l​v​e​n​-​a​l​-​g​o​b​i​e​r​n​o​-​p​a​r​a​-​a​p​l​i​c​a​r​-​e​l​-​t​e​r​c​e​r​-​m​e​m​o​r​andum

=

Syriza e ANEL vol­tam ao governo para apli­car o ter­ce­iro memo­rando

http://​www​.esquer​da​dia​rio​.com​.br/​S​y​r​i​z​a​-​e​-​A​N​E​L​-​v​o​l​t​a​m​-​a​o​-​g​o​v​e​r​n​o​-​p​a​r​a​-​a​p​l​i​c​a​r​-​o​-​t​e​r​c​e​i​r​o​-​m​e​m​o​rando

Der Arti­kel kom­bi­niert eine zutref­fende Ana­lyse der Nie­der­lage der LAE („enor­mer Rück­schlag“) mit einer zutref­fende Ana­lyse der kom­men­den erneu­ten SYRIZA/​ANEL-​​Regierung („Syriza und Anel regie­ren wei­ter, um das dritte Memo­ran­dum durch­zu­set­zen“) und einer nüch­ter­nen Hal­tung zu KKE („aus sta­li­nis­ti­scher Tra­di­tion komm[end]“ /​ „sek­tie­re­ri­sche und selbst­herr­li­che Poli­tik“, aber trotz­dem „eine wich­tige par­la­men­ta­ri­sche und außer­par­la­men­ta­ri­sche poli­ti­sche Kraft“) und ANT­AR­SYA („magere 0,83 Pro­zent der Stim­men, wenig mehr als bei den Wah­len im Januar“ /​ „Im Inne­ren von Ant­ar­sya gehen die Debat­ten jedoch dar­über wei­ter, wel­che Art von Par­tei und wel­che Stra­te­gie in der kom­men­den Periode ent­wi­ckelt wer­den muss.“).

b) Michael Aggelidis​: Erfolg von SYRIZA – Miss­er­folg der Lin­ken. Eine erste Bewer­tung der Wah­len in Grie­chen­land (mehr…)

And the Winners are… – ProRata and E-Voice

Nach­dem ich mich in den letz­ten Tagen so inten­siv mit den ver­schie­de­nen Umfra­gen zur Wahl in Grie­chen­land beschäf­tigt hatte, muß ich anstands­los aner­ken­nen:

Die Umfra­gen, die mir am unwahr­schein­lichs­ten erschie­nen, lagen am rich­tigs­ten!

1. Am 11. Sep­tem­ber ver­öf­fent­lichte die Zei­tung EfSyn eine Umfrage des Insti­tuts ProRata, die ziem­lich haar­ge­nau das Ergeb­nis für die gest­rige Wahl erwar­ten ließ, das ges­tern tat­säch­lich ein­trat:

Ich hielt das für unwahr­schein­lich – in mei­nem Blog-​​Artikel über diese Umfrage betonte ich, daß diese Umfrage „ziem­lich abwei­chend von den meis­ten ande­ren Umfra­gen“ ist. (Auch unab­hän­gig von den Umfra­gen erschien mir unwahr­schein­lich, daß SYRIZA die Unter­zeich­nung des neuen Memo­ran­dums pro­zen­tual fast ver­lust­frei über­ste­hen könne. [In abso­lu­ten Zah­len – Wäh­le­rIn­nen­stim­men – ver­lor sie aller­dings den­noch ca. 700.000 [nächt­li­cher Rechen­feh­ler; rich­tig:] gut 300.000 Stim­men von ca. 2,25 Mio. Wäh­le­rIn­nen.])

Und nach­dem ich berech­net hatte, wel­che Sitz­ver­tei­lung sich aus die­sen Zah­len unge­fähr erge­ben hätte (näm­lich fast eine abso­lute Mehr­heit für SYRIZA und ANEL) ergänzte ich, nach­dem ich im Blog-​​Artikel schon erwähnt hatte, daß EfSyn eine linke Zei­tung ist, in einem Kom­men­tar unter dem Arti­kel: „Scheint ziem­lich genau das Wunsch­er­geb­nis von Tsi­pras bei die­ser Umfrage her­aus­ge­kom­men zu sein…“

Nun ist aus der fast-Sitz­mehr­heit für SYRIZA und ANEL sogar eine tat­säch­li­che Sitz­mehr­heit gewor­den. (SYRIZA schnitt noch einen Pro­zent­punkt stär­ker ab; ANEL gut einen hal­ben; ND schnitt ca. einen hal­ben und die G. Mor­gen­röte ca. einen gan­zen Pro­zent­punkt schlech­ter ab als in der Umfrage. Fast einen Pro­zent­punkt stär­ker als in der Umfrage wurde PASOK und etwas schwä­cher wur­den Potami und Zen­trums­union. [Alles gerun­dete Anga­ben auf dem Stand der Aus­zäh­lung von 96,2 % der Stim­men (?) oder Wahl­lo­kale (?).])

2. Die bei­den spä­te­ren Umfra­gen des glei­chen Insti­tuts für die glei­che Zei­tung (von Anfang und Ende der Wahl­wo­che) wichen zwar etwas stär­ker vom tat­säch­li­chen Wahl­er­geb­nis ab1 – aber wei­ter­hin lagen diese Umfra­gen deut­lich dich­ter am tat­säch­li­chen Wahl­er­geb­nis, als die aller­meis­ten ande­ren Umfra­gen.

3. Von den Umfra­gen aus der Wahl­wo­che lag außer­dem die Umfrage von E-​​Voice noch ziem­lich gut:

Sie ließ – nach der ProRata-​​Umfrage vom Wochen­an­fang – das (im Ver­gleich mit den ande­ren Umfra­gen) zweit­beste Ergeb­nis für SYRIZA und das zweit­schlech­teste Ergeb­nis für ND erwar­ten. Auch ANEL wurde mit (berei­nig­ten) 3,5 % ziem­lich kor­rekt ein­ge­schätzt; die LAE wurde aber mit (berei­nig­ten) 4,6 % viel zu gut ein­ge­schätzt:

  1. Im Ver­gleich der bei­den neue­ren Umfra­gen mit der am 11. Sept. ver­öf­fent­lich­ten Umfrage, wurde der Abstand zwi­schen SYRIZA und ND gerin­ger und ANEL rutschte unter die 3 %-Hürde. [zurück]

4 1/2 Anti-These zu 9 Griechenland-Thesen [*] von Thies Gleiss

(zu) These 1

Ja, „die Ant­wort (wer will: die Lösung) auf diese Krise [ist] der Auf­bau sozia­lis­ti­scher Eigentums-​​ und Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nisse“.

(zu) These 2

a) Aber das ist nur die Ant­wort von ein paar Kadern hier und ein paar mehr Kadern in Grie­chen­land selbst. Aber dies ist – jeden­falls bis­her – nicht die Ant­wort der Mas­sen in Grie­chen­land. Es ist nicht ein­mal die Ant­wort von LAE und SYRIZA auf die Krise.
Tsi­pras und seine deut­schen Für­spre­che­rIn­nen sind inzwi­schen dabei ange­kom­men, die Krise für haus­ge­macht zu hal­ten; als von einem Man­gel an good gover­nance, als von einem zuviel an Kli­en­te­lis­mus ver­ur­sacht, anzu­se­hen.1 Des­halb die allgemein-​​plätzige Rhe­to­rik vom Kampf des Neuen gegen das Alte, die War­nung vor einem Weg zurück und das SYRIZA-​​Wahlkampf-​​Motto „Nur nach vorn“.
Und die LAE hat anschei­nend über­haupt keine Vor­stel­lung davon, wie die Krise ent­stan­den ist, hält an der alten SYRIZA-​​These, daß sie durch die neo­li­be­rale Aus­te­ri­täts­po­li­tik ver­schärft wurde, fest und schlägt des­halb als Abhilfe links­keyne­sia­nis­ti­sche Kon­zepte vor, ohne dar­zu­le­gen, wie sie durch­setz­bar sein und unter fort­be­ste­hen­den kapi­ta­lis­ti­schen Ver­hält­nis­sen funk­tio­nie­ren sol­len.

b) Des­halb gab es zwar bei „soziale[n] Mobi­li­sie­run­gen, dutzende[n] Gene­ral­streiks und viele[n] Struk­tu­ren rea­ler gesell­schaft­li­cher Gegen­macht“ eine „breite Ein­heits­front“ – mit (abge­se­hen von zeit­li­chen Mobi­li­sie­rungs­ko­in­zi­den­zen) Aus­nahme der KKE –, also vor allem von SYRIZA, ANT­AR­SYA, deren Gewerk­schafts­frak­tio­nen und eini­gen Grup­pen darum und dazwi­schen. – Aber dies war eine Ein­heits­front des Dage­gens – des gegen die Austeritäts-​​Memoranden sein.

c) Aber nicht nur die KKE, son­dern auch ANT­AR­SYA hat schon in der Ver­gan­gen­heit – und zwar zurecht – nicht auf SYRIZA-​​Listen kan­di­diert. Denn es fehlte schon vor dem 6. Juli 2015 an einem gemein­sa­men Pro­gramm für die Zukunft und auch schon an einem gemein­sa­men ‚Poli­tik­stil‘ /​ Hand­lungs­kon­zept für die Gegen­wart.

d) Es wäre für den Kampf gegen die Aus­te­ri­tät, geschweige denn für den Sozia­lis­mus nichts gewon­nen, wenn sich nach der Wahl im Jan. KKE und ANT­AR­SYA – statt ANEL – an der SYRIZA-​​Regierung betei­ligt hätte. Denn der Kampf gegen die Aus­te­ri­tät schei­terte nicht an einem Man­gel an Stim­men im grie­chi­schen Par­la­ment, son­dern an einem Man­gel an Fähig­keit – und auch schon einem Man­gel an Kon­zept –, die gesell­schaft­li­chen Kräf­te­ver­hält­nisse in Grie­chen­land selbst und vor allem euro­pa­weit zu ändern. (mehr…)

Links von Syriza

Hier noch ein paar Links zu neue­ren Tex­ten aus Grie­chen­land auf Eng­lisch:

  • Greece and Europe: the view­point of the EEK (Workers Revo­lu­tio­nary Party) [Die EEK kan­di­diert dies­mal mit ANT­AR­SYA zusam­men. TaP]

http://​red​med​.org/​a​r​t​i​c​l​e​/​g​r​e​e​c​e​-​a​n​d​-​e​u​r​o​p​e​-​v​i​e​w​p​o​i​n​t​-​e​e​k​-​w​o​r​k​e​r​s​-​r​e​v​o​l​u​t​i​o​n​a​r​y​-​party

  • Com­mu­ni­ca­tion note of the majo­rity of the mem­bers of the Cen­tral Com­mit­tee of the Youth of SYRIZA: The Bankruptcy of SYRIZA and our stance against it

https://​kill​tina​.word​press​.com/​a​bout/

  • BEFORE THE SNAP GREEK ELEC­TION ON SEP­TEM­BER 20 [noch ein Text aus den Rei­hen der EEK]

http://​www​.eek​.gr/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​/​e​n​g​l​i​s​h​t​e​x​t​/​3​7​2​6​-​b​e​f​o​r​e​-​t​h​e​-​s​n​a​p​-​g​r​e​e​k​-​e​l​e​c​t​i​o​n​-​o​n​-​s​e​p​t​e​m​b​er-20

=

  • ANTE LAS ELEC­CIO­NES ANTI­CI­PA­DAS GRIE­GAS DEL 20 DE SEP­TIEM­BRE

http://​www​.eek​.gr/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​/​e​n​g​l​i​s​h​t​e​x​t​/​3​7​2​5​-​a​n​t​e​-​l​a​s​-​e​l​e​c​c​i​o​n​e​s​-​a​n​t​i​c​i​p​a​d​a​s​-​g​r​i​e​g​a​s​-​d​e​l​-​2​0​-​d​e​-​s​e​p​t​i​embre

  • No Com­pro­mi­ses. Ahead of Sunday’s vote, the Greek Com­mu­nist Party ans­wers ques­ti­ons about their vision and plat­form.

https://​www​.jaco​bin​mag​.com/​2​0​1​5​/​0​9​/​k​k​e​-​g​r​e​e​c​e​-​c​o​m​m​u​n​i​s​t​-​p​a​r​t​y​-​s​y​r​i​z​a​-​b​a​i​l​o​u​t​-​m​e​m​o​r​a​n​d​u​m​-​g​r​exit/

  • Peo­p­les” Front against the Impe­ria­list Ins­ti­ga­tors of War People do not need pro­tec­tors [Text der KKE (m-​​l); vgl. 1 und 2]

http://​www​.kkeml​.gr/​p​e​o​p​l​e​s​-​f​r​o​n​t​-​a​g​a​i​n​s​t​-​t​h​e​-​i​m​p​e​r​i​a​l​i​s​t​-​i​n​s​t​i​g​a​t​o​r​s​-​o​f​-​w​a​r​-​p​e​o​p​l​e​-​d​o​-​n​o​t​-​n​e​e​d​-​p​r​o​t​e​c​tors/

  • The bonds of the third Memo­ran­dum are being pre­pa­red

http://​www​.kkeml​.gr/​t​h​e​-​b​o​n​d​s​-​o​f​-​t​h​e​-​t​h​i​r​d​-​m​e​m​o​r​a​n​d​u​m​-​a​r​e​-​b​e​i​n​g​-​p​r​e​p​ared/

Alle 14 + 6 griech. Wahl-Umfragen dieser Woche – einheitlich dargestellt und mit Durchschnittsberechnung

Es folgt eine Über­sicht über die vier­zehn Umfra­gen, die zumin­dest teil­weise nach der Fern­seh­de­batte am Mon­tag­abend (siehe 1 und 2) zwi­schen den Par­tei­chefs von SYRIZA und ND, Tsi­pras und Mei­ma­ra­kis, durch­ge­führt wur­den (bereits in der ver­gan­ge­nen Woche fand eine Debatte zwi­schen den Vor­sit­zen­den von allen im Par­la­ment ver­tre­te­nen Par­teien mit Aus­nahme der Gol­de­nen Mor­gen­röte statt (siehe 1, 2 und 3).
Außer­dem wird ein Durch­schnitts­wert berech­net, wobei nur 12 Umfra­gen berück­sich­tigt wer­den (weil unter unter den 14 Umfra­gen zwei Insti­tute dop­pelt ver­tre­ten sind).

Da die aller­meis­ten Insti­tute ihre Ergeb­nisse in einer Art und Weise ver­öf­fent­li­chen, bei der „100 %“ nicht der Summe aller Par­teien ent­spricht, son­dern auch alle oder einige der Befrag­ten, die noch unent­schlos­sen sind oder keine Anga­ben machen oder einen lee­ren oder ungül­ti­gen Stim­men abge­ben wol­len, wird im fol­gen­den neben den ver­öf­fent­lich­ten Daten der Insti­tute jeweils ein Umrech­nungs­er­geb­nis dar­ge­stellt, bei dem die Befrag­ten, die nicht oder noch nicht für Par­teien votie­ren, her­aus­ge­rech­net wer­den. Man­gels ver­läß­li­cher ande­rer Anhalts­punkte wird eine schlichte lineare Umver­tei­lung nach fol­gen­der For­mel vor­ge­nom­men: Roh­wert der jewei­li­gen Par­tei in der jewei­li­gen Umfrage mul­ti­pli­ziert mit 100 divi­diert durch die Summe der pro­zen­tua­len Anteile aller Par­teien in der jewei­li­gen Umfrage.
Da meh­rere Insti­tute berich­ten, daß es vor allem ehe­ma­lige SYRIZA-​​WählerInnen sind, die noch unent­schie­den sind, dürfte diese lineare Umrech­nungs­me­thode eine gewisse Ver­zer­rung zulas­ten von SYRIZA und zuguns­ten der ande­ren Par­teien bedeu­ten. Beson­ders stark fällt diese Ver­zer­rung zuguns­ten der Par­teien aus, von denen zu erwar­ten ist, daß sie unter­durch­schnitt­lich viele ehe­ma­lige SYRIZA-​​WählerInnen gewin­nen wer­den.

Die sechs Umfra­gen, die bereits im gest­ri­gen Arti­kel zu die­sem Thema dar­ge­stellt wur­den:


Die vier Umfra­gen, die heute Nacht um 1:04 h nach­ge­tra­gen wur­den:

Und die vier Umfra­gen, die heute noch hin­zu­ge­kom­men sind:

Unter Zugrund­le­gung der Umrech­nungs­werte las­sen sich diese Umfra­gen wie folgt zusam­men, wobei ich von den Insti­tu­ten Pulse und ProRata jeweils nur die neuere deren jeweils zwei Umfra­gen aus die­ser Woche berück­sich­tige:

  • Alle 12 Umfra­gen erwar­ten, daß die KKE ihr Wahl­er­geb­nis vom Jan. (5,5 %) hal­ten (1 Umfrage) oder leicht oder etwas stär­ker stei­gern kann (höchs­tes Ergeb­nis: 6,9 %).
  • Die LAE /​ „Volks­ein­heit“ kommt nach 10 der 12 Umfra­gen über 3 %, aber nur nach einer über 4 % (in letz­te­rer: auf 4,7 %); in zwei Umfra­gen liegt sie bei 2,7 bzw. 2,9 %.
  • Nach zwei Umfra­gen liegt SYRIZA mit mehr als drei Pro­zent­punk­ten vor ND, nach vier wei­te­ren dage­gen nur knapp. In zwei Umfra­gen lie­gen SYRIZA und ND gleich auf und nach den ver­blei­ben vier Umfra­gen liegt ND vorne (davon in einer deut­lich und in den ande­ren knapp).
  • Nach der Umfra­gen, nach der SYRIZA am deut­lichs­ten vor ND liegt, erhal­ten SYRIZA + LAE zusam­men sogar mehr als bei der Wahl im Jan. (36,3 %), aber auch nur 0,1 Pro­zent­punkte – nach den ande­ren Umfra­gen schnei­den sie dies­mal im unter­schied­li­chen Aus­maß schlech­ter ab.
  • ND liegt nach allen Umfra­gen (zwi­schen 0,7 und 5 Pro­zent­punk­ten) über ihrem Jan.-Ergebnis (27,8 %).
  • Nach zehn der 12 Umfra­gen liegt die Zen­trums­union (im Jan. 1,8 %) über 3 %, nach zweien dar­un­ter (2,5 bzw. 2,9 %). ANEL (im Jan. 4,8 %) liegt bei der fünf der Umfra­gen bei 3 % oder dar­über (maxi­mal: 3,5 %), nach sie­ben Umfra­gen unter 3 %. (schlech­tes­tes Ergeb­nis: 2,5 % [in der ers­ten Pulse-​​Umfrage sogar nur 2,3 %).
  • Die Nazi­par­tei Gol­dene Mor­gen­röte wird ihr Ergeb­nis vom Jan. (6,3 %) min­des­tens hal­ten (1 Umfrage) und maxi­mal auf 8,1 % stei­gen. (Zu berück­sich­ti­gen ist, daß die Rechtsaußen-​​Partei LOAS, die im Jan. 1 % erhielt, dies­mal nicht antritt.)
  • Potami liegt zwi­schen 4,5 und 5,9 %, also schwä­cher als im Jan. (6,1 %).
  • PASOK, die dies­mal mit DIMAR zusam­men kan­di­diert, soll dies­mal zwi­schen 5,2 und 8 % erhal­ten. Im Jan. lag die Summe bei­der Par­teien bei 5,2 %; außer­dem erhielt damals die PASOK-​​Abspaltung KIDISO 2,5 %, die dies­mal nicht kan­di­diert.
  • Die „Sons­ti­gen“ lie­gen zwi­schen 2,3 % und 3,5 %.

Die Werte für die „Sons­ti­gen“ sind vor allem in Bezug auf ANT­AR­SYA von Inter­esse, die in drei der 12 Umfra­gen ein­zeln aus­ge­wie­sen wird. Eine Umfrage gibt (roh) 1 % an (erste Pulse-​​Umfrage: 1,5 %), die zweite 1,2 % und die dritte 1,3 % (keine Umrech­nung erfor­der­lich).

Umge­rech­net ergibt dies für die ers­ten bei­den Umfra­gen 1,2 bzw. 1,5%. Dies würde für ANT­AR­SYA gegen­über dem Jan. (0,6 %) min­des­tens als eine Ver­dop­pe­lung bedeu­ten.

Als Durch­schnitt aller 12 Umfra­gen ergibt sich fol­gende Tabelle:

Anmer­kung:

Der Abstand von 0,6 Pro­zent­punk­ten zwi­schen SYRIZA und ND ent­spricht ziem­lich genau dem, was auch Bloom­berg Busi­ness heute Mor­gen anhand von 10 Umfra­gen und mit ande­rer Dar­stel­lungs­weise („100 %“ ent­hal­te­nen auch die Unent­schlos­se­nen) ermit­telte (0,6 Pro­zent­punkte Abstand).

Hin­weise auf etwaige Feh­ler sind wie immer gern gese­hen.

Quel­len für die vier neus­ten Umfra­gen (mehr…)

Alle sechs (+ 4 + 2) Griechenland-Umfragen dieser Woche auf einem Blick und nach einheitlichen Kriterien um die Unentschlossenen etc. bereinigt

[Siehe statt des hie­si­gen Arti­kel die dor­tige aktu­el­lere Dar­stel­lung für 14 Umfra­gen die­ser Woche.] (mehr…)

Hoffen und Zweifeln? – Noch einmal zu den Griechenland-Umfragen

Das neue deutsch­land schreibt gerade:

„Die Zah­len der meis­ten Insti­tute kün­den seit Wochen von einem engen Kopf-​​an-​​Kopf-​​Rennen zwi­schen der lin­ken SYRIZA und der kon­ser­va­ti­ven Nea Dimo­kra­tia. So unter­schied­lich die Werte der jewei­li­gen Umfra­gen auch sein mögen, der Abstand beträgt seit Ende August meist nur noch Zehn­tel­pro­zent­punkte […]. Es gibt aber auch noch andere Umfra­gen, und in denen sind die Erfolgs­aus­sich­ten von Mei­ma­ra­kis weit weni­ger groß. Die linke Zei­tung der Redak­teure »Efsyn­tak­ton« ver­öf­fent­lichte die­ser Tage Zah­len, laut denen SYRIZA mit 28 Pro­zent recht deut­lich vor der Nea Dimo­kra­tia liegt, die 24 Pro­zent erhält. Das Insti­tut, Prorata, hatte auch in zuvor schon die grie­chi­sche Links­par­tei stets klar vor den Kon­ser­va­ti­ven gese­hen – Anfang Sep­tem­ber etwa mit einem Vor­sprung von 28,5 zu 23 Pro­zent.
Ähnli­che, also von der Mehr­heit der Insti­tute abwei­chende Ergeb­nisse, fin­det man ebenso beim Thinktank Brid­ging Europe. Auch hier wird »ganz nor­male« Demo­sko­pie betrie­ben: reprä­sen­ta­tive Tele­fon­be­fra­gung unter Wahl­be­rech­tig­ten. Laut der jüngs­ten Zah­len von Brid­ging Europe vom ver­gan­ge­nen Wochen­ende liegt SYRIZA mit 27,4 Pro­zent klar vor der Nea Dimo­kra­tia, die nur auf 20,4 Pro­zent kommt; bei einer vor­aus­ge­gan­ge­nen Umfrage von Anfang Sep­tem­ber betrug der Vor­sprung eben­falls über sie­ben Pro­zent.“

Der ND-Arti­kel ver­mu­tet hin­sicht­lich der meis­ten Umfra­gen:

„Mit einer Höher­be­wer­tung der Nea Dimo­kra­tia könnte das Wäh­ler­ver­hal­ten beein­flusst wer­den. Eine wahr­ge­nom­mene Erfolgs­aus­sicht erhöht die Bereit­schaft, sich der vor­aus­sicht­lich erfolg­rei­chen Hand­lungs­weise anzu­schlie­ßen – in die­sem Fall: Nea Dimo­kra­tia zu wäh­len, den zumin­dest medial zum Auf­stei­ger erklär­ten Her­aus­for­de­rer von SYRIZA.“

Berück­sich­tigt wer­den sollte m.E. aber noch, daß

++ die Werte für SYRIZA in allen Umfra­gen nicht so stark von ein­an­der abwei­chen.

Der Vor­sprung von SYRIZA in den bei­den im Arti­kel genann­ten Umfra­gen ergibt sich dar­aus, daß

Das heißt: Beide Umfra­gen wei­chen zwar von den meis­ten ande­ren Umfra­gen ab; aber sie stim­men auch nicht mit ein­an­der überein (was m.E. auch nicht gerade für deren Vali­di­tät spricht).

Und der Bandwagon-​​Effekt (mehr…)

Mi., 16.9.: Zum letzten Stand der Wahlumfragen in Griechenland

Es gibt mitt­ler­weile drei Umfra­gen, die zumin­dest teil­weise nach der Fern­seh­de­batte am Mon­tag­abend (siehe 1 und 2) zwi­schen den Par­tei­chefs von SYRIZA und ND durch­ge­führt wur­den (bereits in der ver­gan­ge­nen Woche fand eine Debatte zwi­schen den Vor­sit­zen­den von allen im Par­la­ment ver­tre­te­nen Par­teien mit Aus­nahme der Gol­de­nen Mor­gen­röte statt (siehe 1, 2 und 3):

[Siehe statt der hie­si­gen Dar­stel­lung am bes­ten der Ein­fach­heit hal­ber gleich die dor­tige aktu­el­lere und genauere Dar­stel­lung unter Berück­sich­ti­gung von sechs Umfra­gen aus die­ser Woche. TaP – 17.09.15; 21:25 h.] (mehr…)

FT-CI (‚RIO-Internationale‘) ruft zur Wahl von ANTARSYA auf

Die FT-​​CI, der in Deutsch­land RIO ange­hört, ruft zur Wahl von ANT­AR­SYA auf:

„Wir haben wei­ter­hin pro­gram­ma­ti­sche und stra­te­gi­sche Dif­fe­ren­zen mit Ant­ar­sya – beson­ders weil sie nicht klar die Per­spek­ti­ven einer Arbeiter*innenregierung und des Kamp­fes für die Ver­ei­nig­ten Sozia­lis­ti­schen Staa­ten von Europa gegen die EU des Kapi­tals auf­wer­fen. Wir hal­ten es aber für pro­gres­siv, dass die Mehr­heit von Ant­ar­sya der ‚Volks­ein­heit‘ und ihrer ‚Anti-Euro‘-Politik der Klas­sen­kol­la­bo­ra­tion aus einer Posi­tion der Unab­hän­gig­keit von den refor­mis­ti­schen Vari­an­ten wider­stan­den haben: Sie prä­sen­tier­ten eine ver­ei­nigte Alter­na­tive der Lin­ken, die weder mit Syriza noch der LAE und der KKE zusam­men­steht. Des­halb rufen wir dazu auf, ihnen bei die­ser Wahl die Stimme zu geben.“

Mir scheint, ich könnte den gesam­ten Text unter­schrei­ben – mit einem Vor­be­halt,

  • ob, „Die Arbeiter*innen Grie­chen­lands zeig­ten einen enor­men Kampfes-​​ und Wider­stands­wil­len mit mehr als 30 Gene­ral­streiks und hun­der­ten Teil­streiks im öffent­li­chen und pri­va­ten Sek­tor in den letz­ten Jah­ren. Den­noch wurde diese Ener­gie durch die büro­kra­ti­schen Gewerk­schafts­füh­run­gen zer­streut.“, das Pro­blem nicht zu sehr auf die Füh­run­gen redu­ziert1.
  • Und ich bin mir nicht, ob die Kri­tik, ANT­AR­SYA werfe „nicht klar die Per­spek­ti­ven einer Arbeiter*innenregierung und des Kamp­fes für die Ver­ei­nig­ten Sozia­lis­ti­schen Staa­ten von Europa gegen die EU des Kapi­tals auf“, zutrifft. Denn jeden­falls in deren Kon­fe­renz­be­schluß von 2012 ist die Rede von „govern­ment and the poli­ti­cal power of the working class and its ally­ing popu­lar strata.“2„and the poli­ti­cal power“ scheint mir dort gerade klar­zu­stel­len (sol­len), daß es nicht um eine par­la­men­ta­ri­schen Regie­rung von sog. „Arbei­ter­par­teien“, son­dern um einen Wech­sel der Staats­macht gehen soll.

An ande­rer Stelle in dem glei­chen Text spricht ANT­AR­SYA von „over­co­m­ing of capi­ta­lism and the aboli­tion of capi­tal rela­ti­ons, on the road to socialism-​​communism of our time“ und „revo­lu­ti­ons towards socia­lism and com­mu­nism, to the con­fron­ta­tion with the ques­tion of power and govern­ment of workers and working clas­ses allies. The con­tem­porary working class […] has the know­ledge and the pos­si­bi­li­ties for a new orga­niza­tion of pro­duc­tion and society, where s/​he will be in charge. ANT­AR­SYA enlists in this per­spec­tive.“

Aller­dings kommt dort in der Tat die „Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats“ nicht vor. Was ich aber rich­tig finde, ist, daß ANT­AR­SYA anschei­nend weder davon aus­geht, daß eine Arbei­te­rIn­nen­re­gie­rung auf par­la­men­ta­ri­schem Wege errun­gen wer­den noch hier und heute ein­fach aus­ge­ru­fen wer­den kann. Sie schrie­ben 2012 soweit m.E. sehr rich­tig:

„Such ori­en­ta­tion requi­res a new round of mas­sive and decisive fights; it requi­res a mul­ti­fa­ce­ted ‚pro­lon­ged popu­lar war.‘ By con­trast, con­fron­ting the govern­ment in terms of ‚par­lia­men­tary standby‘ leads to defeat.“

  • Was dage­gen in der Tat unter­be­lich­tet ist, ist die europäisch-​​internationalistische Per­spek­tive; die „Ver­ei­nig­ten Sozia­lis­ti­schen Staa­ten von Europa“ kom­men jeden­falls in dem zitier­ten 2012er-​​Text und ande­ren ANTARSYA-​​Texten, die ich gele­sen habe, nicht vor. Die ANTARSYA-​​Mitgliedsorganisation OKDE-​​Spartacus ist dies­bzgl. zumin­dest etwas deut­li­cher: Sie plä­diert vor der Jan.-Wahl für einen „new, socia­list inter­na­tio­na­lism in Bal­kans, in Europe, in the Aegean sea“3.

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Drei weitgehend offen gebliebene Frage an Xekinima

Ich war heute Mit­tag bei der AKL-​​Veranstaltung mit Inge Höger (MdB), Ali Al-​​Dailami (MdPV) und Klairi Koun­touri (Xeki­nima). Ich stellte in mei­nem Dis­kus­si­ons­bei­trag drei Fra­gen an die Refe­ren­tin von Xeki­nima (Schwes­ter­or­ga­ni­sa­tion der deut­schen SAV), die die Kan­di­da­tur der Popu­la­ren Ein­heit (LAE) unter­stützt.

Meine erste Frage bezog sich dar­auf, daß sie sagte, ein detail­lier­tes Pro­gramm, wie es am Tag und den Tagen nach einem Grexit wei­ter­ge­hen solle, müsse erst erar­bei­tet wer­den.
Ich bezog mich dar­auf, indem ich sagte, daß ich dies sehr ver­ständ­lich finde, daß die­ses Pro­blem bzw. diese Not­wen­dig­keit aber doch auf­fäl­lig mit dem Ges­tus kon­tras­tiere, mit dem die bis­he­rige Linke Platt­form bzw. jetzt die LAE und auch viele Linke in der deut­schen Links­par­tei die Tsipras-​​Linie kri­ti­sier­ten – näm­lich dem Ges­tus, es sei hier und heute eine andere Regie­rungs­po­li­tik mög­lich und nicht viel­mehr zunächst eine lang­fris­tige Vorbereitungs-​​ und Auf­bau­ar­beit für eine alter­na­tive Linie nötig. Habe irgend­je­mandE von denen, die jetzt die Tsipras-​​Politik im Namen der LAE-​​Linie kri­ti­sie­ren im Januar oder den Mona­ten danach die Auf­fas­sung ver­tre­ten, daß es für SYRIZA für ein Regie­ren noch zu früh sei; daß erst aus­rei­chende pro­gram­ma­ti­sche Grund­la­gen ent­wi­ckelt wer­den müß­ten?!
Meine Frage, wie das zusam­men­passe – einer­seits das Ein­ge­ständ­nis, ein detail­lier­tes Pro­gramm erst ent­wi­ckeln zu müs­sen; aber ande­rer­seits nicht das Regie­ren von SYRIZA zu kri­ti­sie­ren, son­dern volun­ta­ris­tisch ein Regie­ren mit ande­rem Inhalt zu for­dern – blieb lei­der unbe­ant­wor­tet.
Allein ant­wor­tete die Xekinima-​​Genossin (all­ge­mein zu ver­schie­de­nen Dis­kus­si­ons­bei­trä­gen zur Pro­gramm­frage), daß nicht alles vor­aus­pla­nen zu kön­nen, nicht bedeu­tete, daß das Pro­gramm nicht wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den könne. Das ist zwar eine rich­tige Ant­wort auf die­je­ni­gen Harakiri-​​Diskussionsbeiträge, die mein­ten, das Pro­gramm müsse eh (erst ein­mal) nicht wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den. Viel­mehr komme es erst ein­mal dar­auf an, den Bruch zu voll­zie­hen – und erst dann, wenn klar sei, wie dann die neuen Bedin­gun­gen und Pro­bleme kon­kret aus­se­hen, könne wei­ter­ge­dacht wer­den.

Meine zweite Frage bezog sich nicht auf das Refe­rat, son­dern das ver­öf­fent­lichte Wahl­pro­gramm der LAE. Dort ist vom „Sozia­lis­mus des 21. Jahr­hun­dert“ sowie von der Ver­ge­sell­schaf­tung von Ban­ken und Schlüs­sel­in­dus­trien die Rede. Ich sagte, daß sei ja nun nicht der Sozia­lis­mus im Sinne Karl Marx‘, son­dern eher so etwas, wie der „Sozia­lis­mus in den Far­ben Frank­reichs“, der in den 1970er Jah­ren im Gemein­sa­men Pro­gramm von KPF und PS pro­pa­gierte wor­den sei, und mit dem dann in den 1980er Jah­ren die Mitterrand-​​Regierung – unter damals noch deut­lich bes­se­ren Kon­text­be­din­gun­gen – geschei­tert sei. Meine Frage, ob denn die LEA, wenn schon kein detail­lier­tes Pro­gramm für die Tage nach einem Grexit zumin­dest eine stra­te­gi­sche Ant­wort auf die­ses grund­le­gende Pro­blem links­re­for­mis­ti­scher Poli­tik habe, blieb lei­der völ­lig unbe­ant­wor­tet.

Meine dritte Frage bezog sich dar­auf, daß die Refe­ren­tin sagte, eine wirk­li­che Eupho­rie habe die LAE bis­her in Grie­chen­land nicht aus­ge­löst. Ein Pro­blem bestehe in dem Glaub­wür­dig­keits­de­fi­zit der LAE, das dar­aus resul­tiere, daß die füh­ren­den LAE-​​PolitikerInnen bis vor kur­zem noch füh­rende SYRIZA-​​PolitikerInnen gewe­sen seien. Ich fragte daran anknüp­fend, warum sich Xeki­nima dann nicht statt an der LEA viel­mehr an ANT­AR­SYA betei­lige. Diese Frage wurde lei­der nur mit dem Hin­weis beant­wor­tet, daß gerade zwei Grup­pen von ANT­AR­SYA zur LEA gewech­selt seien, was m.E. aber keine adäquate Ant­wort auf meine Frage ist, son­dern nur die Frage auf­wirft, ob denn die­ser Wech­sel rich­tig war.

Siehe im übri­gen den Bericht von Achim Schill bei FB.

Präzise wie eine Wünschelrute: Zu den heutigen demoskopischen Eindrücken von den griechischen WählerInnen

Heute wur­den zwei neue Umfra­gen ver­öf­fent­licht – eine vom Insti­tut ProRata für die Zei­tung EfSyn (über diese berich­tete ich bereits heute Nach­mit­tag) und eine zweite vom Insti­tut MetronAna­ly­sis für die Zei­tung Para­po­li­tika (um diese soll es hier vor­ran­gig gehen). (mehr…)

Neue Umfrage in Griechenland: Sowohl LAE als auch ANEL um 3 %; nur schwache Verluste für SYRIZA

Die linke (SYRIZA-​​nahe?) grie­chi­sche Zei­tung EfSyn (via eka​t​hi​mer​ini​.com) hat neue Umfra­ge­er­geb­nisse ver­öf­fent­licht – und zwar ziem­lich abwei­chend von den meis­ten ande­ren Umfra­gen: (mehr…)