Kapitalismus ohne Euro – auch kein Zuckerschlecken

„Wäre die Abwer­tung ein geeig­ne­tes Mit­tel, hätte es der DDR blen­dend gehen müs­sen und würde es Men­schen in 150 armen Län­dern, deren Wäh­run­gen pau­sen­los abge­wer­tet wer­den, gut gehen. Wäre die Anglei­chung der Wirt­schafts­kraft ein Kri­te­rium für die Ein­heits­wäh­rung, leb­ten wir heute noch in Klein­staa­ten mit Zoll­schran­ken. Wie lange hätte Ita­lien auf die Anglei­chung von Mai­land und Kala­brien war­ten sol­len? Wer die Ein­heits­wäh­rung an der Wirt­schafts­kraft misst, müsste die Natio­nen zer­le­gen und neu zusam­men­set­zen. Eine Wäh­rung für Mecklenburg-​​Vorpommern, Anda­lu­sien und Sizi­lien, eine für Nord­ita­lien, Baden-​​Württemberg und Kata­lo­nien. Die Abwer­tung ist kein geeig­ne­tes Mit­tel gegen Wett­be­werbs­vor­teile durch Arbeits­dis­zi­plin, Lohn­stück­kos­ten, Pro­duk­ti­vi­tät, moderne Tech­nik, Infra­struk­tur und Dienst­leis­tun­gen, Anbin­dung an Märkte und Fer­ti­gungs­ket­ten. Außer­dem ver­teu­ert jede Abwer­tung die Importe, die ‚impor­tierte Infla­tion‘ treibt die Pro­duk­ti­ons­kos­ten und die Preise für Export­wa­ren hoch, so dass die nächste Abwer­tung bevor­steht. Die Spi­rale nach unten dreht sich wei­ter.“

„Für Grie­chen­land, das dop­pelt so viel impor­tiert, wie es expor­tiert, wäre die abge­wer­tete Drachme eine Kata­stro­phe. Die in Euro abzu­rech­nen­den Ein­fuh­ren wären unbe­zahl­bar, keine Ener­gie, Ersatz­teile, Fahr­zeuge, Medi­ka­mente – und impor­tiert wird auch die Hälfte der Nah­rungs­mit­tel. Die Wirt­schaft kol­la­bierte, Hun­ger und Krank­heit brei­te­ten sich aus, es käme zu Par­al­lel­wäh­run­gen. Rent­ner, Sol­da­ten, Poli­zei, Beamte, Arbeits­kräfte der loka­len Wirt­schaft würde man in Drach­men aus­zah­len, die den Wert von Lebens­mit­tel­mar­ken hät­ten, Ärzte, Super­märkte, Ver­mie­ter, Tank­stel­len, Apo­the­ker wür­den Euro ver­lan­gen. Da die Armee und die Poli­zei ihrer eigene Ver­elen­dung kaum taten­los zuse­hen wür­den, muss das »Grexit«-Programm als Spe­ku­la­tion auf den Putsch in Grie­chen­land inter­pre­tiert wer­den.“

„Die deut­sche Hege­mo­nie kam nicht mit dem Euro oder dem Neo­li­be­ra­lis­mus in die Welt. Ihr Ursprung ist die Arbeit von Mil­lio­nen Zwangs-​​ und Skla­ven­ar­bei­tern im NS-​​Staat. Sie schu­fen ohne Lohn bis in den Tod ein west­deut­sches Indus­trie­po­ten­tial, das 1948 trotz der Bom­ben um 14 Pro­zent grö­ßer war als 1935. Da das übrige Europa durch den deut­schen Dieb­stahl und Krieg rui­niert wor­den war und die West­mächte die Ver­schul­dung des NS-​​Regimes von 500 Pro­zent des Sozi­al­pro­dukts so besei­tig­ten, dass sie nicht wehtat, konnte Franz Josef Strauß schon 1957 mel­den: ‚Wir sind die wirt­schaft­lich stärkste Macht Mit­tel­eu­ro­pas gewor­den. An unse­ren Kas­sen ste­hen die ehe­ma­li­gen Sie­ger Schlange. Bei uns sind die alle ver­schul­det.‘“

„Wäre die Abwer­tung ein geeig­ne­tes Mit­tel, hätte es der DDR blen­dend gehen müs­sen und würde es Men­schen in 150 armen Län­dern, deren Wäh­run­gen pau­sen­los abge­wer­tet wer­den, gut gehen. Wäre die Anglei­chung der Wirt­schafts­kraft ein Kri­te­rium für die Ein­heits­wäh­rung, leb­ten wir heute noch in Klein­staa­ten mit Zoll­schran­ken. Wie lange hätte Ita­lien auf die Anglei­chung von Mai­land und Kala­brien war­ten sol­len? Wer die Ein­heits­wäh­rung an der Wirt­schafts­kraft misst, müsste die Natio­nen zer­le­gen und neu zusam­men­set­zen. Eine Wäh­rung für Mecklenburg-​​Vorpommern, Anda­lu­sien und Sizi­lien, eine für Nord­ita­lien, Baden-​​Württemberg und Kata­lo­nien. Die Abwer­tung ist kein geeig­ne­tes Mit­tel gegen Wett­be­werbs­vor­teile durch Arbeits­dis­zi­plin, Lohn­stück­kos­ten, Pro­duk­ti­vi­tät, moderne Tech­nik, Infra­struk­tur und Dienst­leis­tun­gen, Anbin­dung an Märkte und Fer­ti­gungs­ket­ten. Außer­dem ver­teu­ert jede Abwer­tung die Importe, die ‚impor­tierte Infla­tion‘ treibt die Pro­duk­ti­ons­kos­ten und die Preise für Export­wa­ren hoch, so dass die nächste Abwer­tung bevor­steht. Die Spi­rale nach unten dreht sich wei­ter.“ „Für Grie­chen­land, das dop­pelt so viel impor­tiert, wie es expor­tiert, wäre die abge­wer­tete Drachme eine Kata­stro­phe. Die in Euro abzu­rech­nen­den Ein­fuh­ren wären unbe­zahl­bar, keine Ener­gie, Ersatz­teile, Fahr­zeuge, Medi­ka­mente – und impor­tiert wird auch die Hälfte der Nah­rungs­mit­tel. Die Wirt­schaft kol­la­bierte, Hun­ger und Krank­heit brei­te­ten sich aus, es käme zu Par­al­lel­wäh­run­gen. Rent­ner, Sol­da­ten, Poli­zei, Beamte, Arbeits­kräfte der loka­len Wirt­schaft würde man in Drach­men aus­zah­len, die den Wert von Lebens­mit­tel­mar­ken hät­ten, Ärzte, Super­märkte, Ver­mie­ter, Tank­stel­len, Apo­the­ker wür­den Euro ver­lan­gen. Da die Armee und die Poli­zei ihrer eigene Ver­elen­dung kaum taten­los zuse­hen wür­den, muss das »Grexit«-Programm als Spe­ku­la­tion auf den Putsch in Grie­chen­land inter­pre­tiert wer­den.“ „Die deut­sche Hege­mo­nie kam nicht mit dem Euro oder dem Neo­li­be­ra­lis­mus in die Welt. Ihr Ursprung ist die Arbeit von Mil­lio­nen Zwangs-​​ und Skla­ven­ar­bei­tern im NS-​​Staat. Sie schu­fen ohne Lohn bis in den Tod ein west­deut­sches Indus­trie­po­ten­tial, das 1948 trotz der Bom­ben um 14 Pro­zent grö­ßer war als 1935. Da das übrige Europa durch den deut­schen Dieb­stahl und Krieg rui­niert wor­den war und die West­mächte die Ver­schul­dung des NS-​​Regimes von 500 Pro­zent des Sozi­al­pro­dukts so besei­tig­ten, dass sie nicht wehtat, konnte Franz Josef Strauß schon 1957 mel­den: ‚Wir sind die wirt­schaft­lich stärkste Macht Mit­tel­eu­ro­pas gewor­den. An unse­ren Kas­sen ste­hen die ehe­ma­li­gen Sie­ger Schlange. Bei uns sind die alle ver­schul­det.‘“

„Wäre die Abwer­tung ein geeig­ne­tes Mit­tel, hätte es der DDR blen­dend gehen müs­sen und würde es Men­schen in 150 armen Län­dern, deren Wäh­run­gen pau­sen­los abge­wer­tet wer­den, gut gehen. Wäre die Anglei­chung der Wirt­schafts­kraft ein Kri­te­rium für die Ein­heits­wäh­rung, leb­ten wir heute noch in Klein­staa­ten mit Zoll­schran­ken. Wie lange hätte Ita­lien auf die Anglei­chung von Mai­land und Kala­brien war­ten sol­len? Wer die Ein­heits­wäh­rung an der Wirt­schafts­kraft misst, müsste die Natio­nen zer­le­gen und neu zusam­men­set­zen. Eine Wäh­rung für Mecklenburg-​​Vorpommern, Anda­lu­sien und Sizi­lien, eine für Nord­ita­lien, Baden-​​Württemberg und Kata­lo­nien. Die Abwer­tung ist kein geeig­ne­tes Mit­tel gegen Wett­be­werbs­vor­teile durch Arbeits­dis­zi­plin, Lohn­stück­kos­ten, Pro­duk­ti­vi­tät, moderne Tech­nik, Infra­struk­tur und Dienst­leis­tun­gen, Anbin­dung an Märkte und Fer­ti­gungs­ket­ten. Außer­dem ver­teu­ert jede Abwer­tung die Importe, die ‚impor­tierte Infla­tion‘ treibt die Pro­duk­ti­ons­kos­ten und die Preise für Export­wa­ren hoch, so dass die nächste Abwer­tung bevor­steht. Die Spi­rale nach unten dreht sich wei­ter.“

„Für Grie­chen­land, das dop­pelt so viel impor­tiert, wie es expor­tiert, wäre die abge­wer­tete Drachme eine Kata­stro­phe. Die in Euro abzu­rech­nen­den Ein­fuh­ren wären unbe­zahl­bar, keine Ener­gie, Ersatz­teile, Fahr­zeuge, Medi­ka­mente – und impor­tiert wird auch die Hälfte der Nah­rungs­mit­tel. Die Wirt­schaft kol­la­bierte, Hun­ger und Krank­heit brei­te­ten sich aus, es käme zu Par­al­lel­wäh­run­gen. Rent­ner, Sol­da­ten, Poli­zei, Beamte, Arbeits­kräfte der loka­len Wirt­schaft würde man in Drach­men aus­zah­len, die den Wert von Lebens­mit­tel­mar­ken hät­ten, Ärzte, Super­märkte, Ver­mie­ter, Tank­stel­len, Apo­the­ker wür­den Euro ver­lan­gen. Da die Armee und die Poli­zei ihrer eigene Ver­elen­dung kaum taten­los zuse­hen wür­den, muss das »Grexit«-Programm als Spe­ku­la­tion auf den Putsch in Grie­chen­land inter­pre­tiert wer­den.“

„Die deut­sche Hege­mo­nie kam nicht mit dem Euro oder dem Neo­li­be­ra­lis­mus in die Welt. Ihr Ursprung ist die Arbeit von Mil­lio­nen Zwangs-​​ und Skla­ven­ar­bei­tern im NS-​​Staat. Sie schu­fen ohne Lohn bis in den Tod ein west­deut­sches Indus­trie­po­ten­tial, das 1948 trotz der Bom­ben um 14 Pro­zent grö­ßer war als 1935. Da das übrige Europa durch den deut­schen Dieb­stahl und Krieg rui­niert wor­den war und die West­mächte die Ver­schul­dung des NS-​​Regimes von 500 Pro­zent des Sozi­al­pro­dukts so besei­tig­ten, dass sie nicht wehtat, konnte Franz Josef Strauß schon 1957 mel­den: ‚Wir sind die wirt­schaft­lich stärkste Macht Mit­tel­eu­ro­pas gewor­den. An unse­ren Kas­sen ste­hen die ehe­ma­li­gen Sie­ger Schlange. Bei uns sind die alle ver­schul­det.‘“

Quelle:

http://​jungle​-world​.com/​a​r​t​i​k​e​l​/​2​0​1​5​/​3​0​/​5​2​3​4​8​.html

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • LinkedIn
  • MisterWong
  • MisterWong.DE
  • PDF
  • Tumblr
  • Wikio
Wikio

1 Antwort auf „Kapitalismus ohne Euro – auch kein Zuckerschlecken“


  1. 1 TaP 25. Juli 2015 um 21:49 Uhr

    Das Beispiel Argentinien:

    Andros Payiatsos (Xekinima – griech. Schwesterorganisation der SAV): Griechenland: Raus aus dem Euro? Die griechische Linke, die Krise und die Wiedereinführung der Drachme

    „Im Jahr 2002 entschied sich Argentinien unter dem Druck einer Bewegung mit revolutionären Charakteristika für die Verweigerung der Bezahlung seiner Staatsschulden und schaffte die ‚Dollarisierung‘ seiner nationalen Währung, des Peso, ab. […]. Zwischen 2002 und 2008 wuchs die argentinische Wirtschaft um 65 Prozent! […]. Der Weg Argentiniens scheint also auf den ersten Blick eine Antwort auf
    die griechische Krise anzubieten.“

    Aber:

    „Wenn die Existenz einer nationalen Währung und ihre Abwertung eine Lösung für die wirtschaftlichen Probleme darstellt, warum wird dann die Welt von Wirtschaftsproblemen heimgesucht?
    Außer Europa gibt es keinen Kontinent mit einer gemeinsamen Währung. Haben vielleicht alle Länder, die eine eigene „nationale“ Währung haben, Lösungen für die ökonomische Krise gefunden? Schauen wir uns das Beispiel der USA an. Diese sind kein armes Landes der „dritten Welt“ , sondern die „entwickelteste“ Wirtschaft mit der fortgeschrittensten Technologie und der stärksten von allen Währungen. Die Krise, die die Welt heute durchmacht, ging 2007 von den USA mit dem Zusammenbruch des Wohnungsmarktes und des Bankensystems aus. Zur Zeit leben in den USA über 46 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Sie sind das am höchsten verschuldete Land, das es jemals in Friedenszeiten gegeben hat. Eine zweite Rezession steht bevor. Oder sollen wir vielleicht den Fall Japans nehmen, dessen Wirtschaft sich seit über zwei Jahrzehnten in Stagnation befindet…?
    Nachdem wir die Grenzen der „nationalen“ Währungspolitik im Falle der beiden stärksten Ökonomien der Erde betrachtet haben, schauen wir uns an, was am anderen Extrem des Spektrums – in den armen Ländern – geschieht. Die Länder Afrikas haben eigene nationale Währungen, doch fast überall herrscht Hunger. Indien hat seine eigene Währung und gewaltige Ressourcen, doch es ist das Land mit den meisten Armen auf der Welt. Die Liste ist unendlich lang und wir wollen die LeserInnen nicht langweilen – wir halten nur fest, dass es auf der Erde drei Milliarden Arme gibt (Menschen, die von weniger als 1,50 Euro am Tag leben) und eine Milliarde Menschen, die hungern (die weniger als 0,75 Euro täglich zur Verfügung haben) und all diese leben in Ländern, die ihre eigenen nationalen Währungen haben.
    Offensichtlich kann also das Vorhandensein einer nationalen Währung unter bestimmten Umständen gewisse positive wirtschaftliche Ergebnisse mit sich bringen. Doch in der überwältigenden Mehrheit der Fälle löst sie kein wesentliches Problem. Sie rettet kein Land vor der Katastrophe, in die es die Krise des kapitalistischen Systems führt.“

    „Der Wert des Peso gegenüber dem Dollar fiel. Tatsächlich brach der Peso zusammen – er verlor über 70 Prozent seines Wertes innerhalb eines Jahres! Kapital wurde „vernichtet“. Das Land stand einer gewaltigen Rezession gegenüber, die allein im Jahr 2002 ein Minus von zwölf Prozent erreichte. (Zum Vergleich: In den drei Krisenjahren 2009 bis 2011 reduzierte sich das griechische BIP ungefähr um 14 Prozent.) Und die Arbeitslosigkeit erreichte (offiziell) etwa 25 Prozent.
    Der Prozentsatz der Menschen in Argentinien, die unter der Armutsgrenze lebten, erreichte im Oktober 2002 57,5 Prozent, während 27,5 Prozent hungerten! Innerhalb von zwölf Monaten hatte sich die Zahl der Armen und Hungernden fast verdoppelt, im Oktober 2001 lagen die Prozentsätze jeweils bei 38,3 bzw. 13,6 Prozent!
    Nachdem sie ihren Tiefpunkt erreicht hatte, begann sich die Wirtschaft zu erholen: Die Währungsabwertung machte die Exporte wettbewerbsfähiger (billiger als die entsprechenden Waren auf dem Weltmarkt). Und gestützt auf seine Exporte konnte Argentinien ein hohes Wirtschaftswachstum erreichen. Doch es brauchte fast vier Jahre, bis Sommer 2005, damit die Zahl der Armen und Hungernden auf das Vorkrisenniveau zurückkehrte!
    Aber es ging mit der Wirtschaft aufwärts. War es am Ende der Mühe wert, trotz der anfänglichen „Kosten“? Und wieder ist die Antwort nicht ein einfaches „Ja“! Die Gründe für Argentiniens wirtschaftliche Erholung gelten in keinem Punkt für alle Ökonomien, die in ähnliche Verhältnisse geraten sind. Und dies gilt besonders für das heutige Griechenland. Im Prinzip war die internationale Konjunktur, mit der Argentinien damals konfrontiert war, sehr günstig. In den Jahren 2002 bis 2007 befand sich die Weltwirtschaft in einer Phase hohen Wirtschaftswachstums. Die Krise traf die Weltwirtschaft 2008. Argentinien wertete also seine Währung unter sehr günstigen äußeren Bedingungen ab. Es hatte Glück, dass sich diese für das Land günstigen Bedingungen auch nach 2007 fortsetzten, da
    die wichtigsten Exportländer Argentiniens, China und Brasilien sind. Diese Länder hatten sehr hohe Wachstumsraten und waren die wesentlichen Lokomotiven der Weltwirtschaft in den Jahren 2008 und 2009.“

    „Argentiniens Wirtschaft entwickelt sich heute weitaus dynamischer, als sie es unter dem Stiefel des IWF täte. Doch wie ist die tatsächliche Lage der argentinischen Gesellschaft? Das Bild ist nicht das beste. Arm waren 2007, zu Beginn der Weltwirtschaftskrise, zwanzig Prozent der Bevölkerung. Die Inflation und die Arbeitslosigkeit sind weiterhin hoch und Millionen leben in Barackensiedlungen am Rande der großen Städte. Argentinien ist ein armes Land mit einem BIP pro Kopf, das etwa vierzig Prozent des griechischen beträgt! Das ist nicht gerade ein „Paradies“. Und das in einem Land, das bis zum Zweiten Weltkrieg das neuntreichste Land der Erde war!“

    „Was würde nun also genau geschehen, wenn Griechenland die EU und den Euro verlässt?
    Als erstes würde die Drachme in Relation zu ihrer vorangegangenen Parität gegenüber dem Euro abgewertet. Wenn wir annehmen, dass diese Abwertung mit siebzig Prozent ähnlich der Peso-Abwertung von 2002 verliefe, so bedeutete dies ein Hochschnellen der Kosten (in Drachmen) aller importierten Konsumgüter, deren Preise sich verdoppeln oder verdreifachen würden. Auch würde der Ölpreis steigen. Das Öl bildet die Basis der Energieproduktion für die Wirtschaft des Landes. So werden alle Preise aller Güter, die im Inland produziert werden, als Ergebnis des Ölpreisanstiegs (über den Anstieg der Transportkosten hinaus) steigen. Und darüber hinaus würden sich entsprechend der Abwertung der Drachme auch die Preise der Kapitalgüter – das heißt die Maschinen und die Werkzeuge, die in der griechischen Wirtschaft für Produktions- und Handelszwecke gebraucht werden – erhöhen. Und das würde wiederum die Kosten aller produzierten Waren und Dienstleistungen ansteigen lassen.
    Inflation ist eine der großen Schwächen jeder Wirtschaft (der kapitalistischen, doch auch anderer). Die Inflation würde zu einem permanenten Charakteristikum der griechischen Wirtschaft werden, in einem Umfeld der Krise und auf einem Kontinent, der sich in der Krise befindet. Und mit Inflation meinen wir nicht zwei, drei, vier Prozent im Jahr, sondern wir müssen uns an die 20 bis 25 Prozent erinnern, die die griechische Wirtschaft bis in die Mitte der 90er Jahre charakterisierten.
    Haben wir einen Grund, zu glauben, dass die griechische Wirtschaft mit der Drachme bessere Möglichkeiten als mit dem Euro hat? International behaupten eine Reihe angesehener Wirtschaftswissenschaftler der herrschenden genau das: Dass die Währungsabwertung die Exporte billiger macht und dies einen Anstoß für die inländische Produktion geben wird.
    Tatsächlich ist für das kapitalistische System die Währungsabwertung eine der wenigen Möglichkeiten, zu versuchen, auf relativ schnelle Art und Weise aus einer Krise herauszukommen. Das kann jedoch nicht die Antwort der Linken sein! Erstens, weil ein Erfolg nie garantiert ist!
    Und zweitens, weil er nicht von Dauer sein wird!
    Es ist richtig, dass mit einer Währungsabwertung Exporte billiger werden, doch das ist nur die halbe Wahrheit! Dem steht die permanente Inflation gegenüber, die wir weiter oben erwähnt haben, das heißt der permanente Preisanstieg auf dem Binnenmarkt für das tägliche Leben der ArbeitnehmerInnen. Das führt zu einem Teufelskreis: Einerseits würden die Preise der Exporte aufgrund der Drachmenabwertung, die wie in den 70er und 80er Jahren eine Dauererscheinung wäre, sinken. Doch andererseits werden die teuren Importe (Rohstoffe, Kapitalgüter und Konsumgüter) die Preise nach oben treiben. Und die Arbeitnehmer werden ununterbrochen kämpfen müssen, damit die Löhne nicht ihren Wert verlieren, während die Lebenshaltungskosten permanent steigen werden.
    Wird für die Wirtschaft und die Bevölkerung die Rückkehr zur Drachme besser sein? Niemand kann das ernsthaft behaupten. Es ist nicht vorhersehbar, ob es mit der Drachme oder mit dem Euro besser sein wird! Unter gewissen Umständen kann die Krise etwas weniger katastrophal sein. Unter anderen Umständen kann sie katastrophaler sein. Jedenfalls ist eines sicher: Die Krise wird tiefgehend bleiben und die Lebensumstände der griechischen ArbeitnehmerInnen werden dramatisch sein. Sogar wenn es eine bestmögliche Entwicklung wie in Argentinien gäbe, bliebe die Wirtschaft schwach, labil und zerbrechlich und die Gesellschaft würde weiterhin unter Armut und Arbeitslosigkeit leiden.
    Wir fassen zusammen: Mit dem Euro und innerhalb der EU wird die griechische Gesellschaft in den Abgrund gestürzt. Innerhalb von zwei Jahren Memorandum und Troika ist der Lebensstandard der Mehrheit der ArbeitnehmerInnen um vierzig bis fünfzig Prozent zusammen gebrochen. Die tatsächliche Arbeitslosigkeit schwankt um 25 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit beträgt (offiziell) 43 Prozent. Die Massenentlassungen sind ein Charakteristikum nicht nur des privaten, sondern auch des öffentlichen Sektors. Die Sozialversicherung wird aufgelöst. Die Tarifverträge sind im Wesentlichen abgeschafft worden.
    Der ganze öffentliche Reichtum kommt unter den Hammer. Kinder fallen aufgrund von Hunger in den Schulen in Ohnmacht. 20.000 Obdachlose leben auf den Athener Straßen. All das nach zwei Jahren Troika, damit „der Euro gerettet wird“ – und wir haben auf Grundlage des zweiten Memorandums weitere zehn Jahre Sparpolitik vor uns. Und danach … sehen wir weiter.
    Mit der Drachme (und außerhalb der EU) wird dasselbe geschehen. Vielleicht kommt es etwas besser, doch es kann auch schlimmer kommen. Die Rückkehr zur Drachme wird keines der wirtschaftlichen und sozialen Probleme lösen. Und was folgt daraus?

    Das Wesen des Problems ist der Kapitalismus – nicht die Währung

    […]“

    Quelle:

    https://www.sozialismus.info/2012/05/griechenland-raus-aus-dem-euro/

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


fünf × vier =