Worüber sich RevolutionärInnen heute einig sein könnten…

Ich hatte ges­tern im blog von neo­prene noch­mals knapp meine These begrün­det:

„ich [bin …] über­zeugt bin, daß es mit der Kom­bi­na­tion von Revo­lu­tio­nä­rer Block-​​Bildung + Essen­ti­als (statt Orga­ni­sa­ti­ons­grün­dung + Mani­fest) mög­lich gewe­sen wäre, einen Schritt vor­an­zu­kom­men“.

Ergän­zend schrieb ich:

„Ja, eine Block­bil­dung bringt nur dann qua­li­ta­tiv voran, wenn sie mit einem Diskussions-​​ und Arbeits­plan für die bei Block­bil­dung umstrit­ten geblie­be­nen Fra­gen ein­her­geht.“ (TaP)

Dazu fragte nun Mat­tis:

„‘Umstrit­ten geblie­bene Fra­gen‘? – Wel­che Fra­gen sind denn da nicht umstrit­ten?“

Nun, diese Frage läßt sich ziem­lich ein­fach beant­wor­ten! Dem fol­gen­den Text stimmte auch Ver­tre­ter der GAM in der sog. Essential-​​AG des NaO-​​Prozesses zu; und auch die Ände­rungs­wün­sche, die die SIB zu der vor­her­ge­hen­den Fas­sung des Tex­tes hatte, sind in diese Ver­sion ein­ge­ar­bei­tet. – Das war nicht viel, aber immer­hin etwas, an dem sich hätte wei­ter­ar­bei­ten las­sen:

In dem vor­lie­gen­den Papier sind die Kon­sense der Essen­ti­als­dis­kus­sion zusam­men gefasst.
Auf Grund­lage der ver­ein­bar­ten Essen­ti­als kön­nen sich Grup­pen und Indi­vi­duen für oder gegen eine Mit­ar­beit im NAO-​​Prozess ent­schei­den.

1. Der Zweck einer NaO

Der Zweck unse­rer Orga­ni­sie­rung ist die Über­win­dung jeg­li­cher Aus­beu­tung und Herr­schaft. Wir sind uns einig, dass die Errei­chung die­ses Ziels auch in heu­ti­gen Gesell­schaf­ten nicht nur die Über­win­dung von Klas­sen­herr­schaft und Aus­beu­tung, son­dern auch die von Ras­sis­mus und Sexis­mus sowie aller wei­te­ren beste­hen­den oder neu ent­ste­hen­den Ausbeutungs-​​ oder Herr­schafts­ver­hält­nisse erfor­dert. Wir sind uns einig, dass die Über­win­dung von Herr­schaft eine Erset­zung des bür­ger­li­chen Staa­tes durch eine Räte­de­mo­kra­tie und das schließ­li­che Abster­ben jeden Staa­tes erfor­dert.
Wir sind uns außer­dem einig, dass die Über­win­dung der kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­weise mit der Abschaf­fung des Pri­vat­ei­gen­tums an den Pro­duk­ti­ons­mit­teln und der Durch­set­zung gesell­schaft­li­cher Kon­trolle über die Pro­duk­tion begin­nen muss. Des wei­te­ren muss die Lohn­ar­beit, d.h. die Waren­för­mig­keit der Arbeits­kraft und die Waren­för­mig­keit der erzeug­ten Pro­dukte und geför­der­ten Roh­stoffe über­wun­den wer­den. Außer­dem muss die Kon­kur­renz zwi­schen Betrie­ben und Indi­vi­duen, die Tren­nung von lei­ten­den und aus­füh­ren­den Tätig­kei­ten über­wun­den wer­den, sowie das Geld über­flüs­sig und schließ­lich abge­schafft wer­den.
Anstelle der kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­weise wol­len wir eine Wirt­schaft, die nach gesell­schaft­li­chen Bedürf­nis­sen glo­bal, auf ver­schie­de­nen Ebe­nen geplant ist. Unsere erste Auf­gabe, um die­ses Ziel zu errei­chen, ist die For­mu­lie­rung einer fun­dier­ten Kri­tik an den beste­hen­den Ver­hält­nis­sen. Dazu muss der Zusam­men­hang z.B. zwi­schen sozia­len Ver­schlech­te­run­gen oder Wirt­schafts­kri­sen, geschlecht­li­cher oder ras­sis­ti­scher Dis­kri­mi­nie­rung und der kapitalistisch-​​bürgerlichen Wirt­schafts­weise auf­ge­zeigt wer­den. Als revo­lu­tio­näre Orga­ni­sa­tion wer­den wir uns an gesell­schaft­li­chen Kämp­fen gegen Sexis­mus und Ras­sis­mus sowie für soziale For­de­run­gen und kon­krete demo­kra­ti­sche Rechte betei­li­gen und ver­su­chen, dort eine wei­ter trei­bende Rolle zu spie­len. Denn wir sind uns im Kla­ren dar­über, dass spon­tane Pro­test­be­we­gun­gen aus sich her­aus kein revo­lu­tio­nä­res Bewusst­sein ent­wi­ckeln. Dafür bedarf es viel­mehr einer kol­lek­ti­ven, orga­ni­sier­ten theo­re­ti­schen und poli­ti­schen Pra­xis, die Gesell­schafts­ana­lyse und die Aus­wer­tung und gesell­schaft­li­che Ver­all­ge­mei­ne­rung von Kämp­fen ver­bin­det.
Für die über­schau­bare Zukunft kommt es uns für den NAO-​​Prozess dar­auf an, sicher­zu­stel­len, dass in der BRD eine wahr­nehm­bare Kraft ent­steht, die kon­sis­tent für die oben umris­sene stra­te­gi­sche Ori­en­tie­rung ein­tritt – also die Her­aus­bil­dung einer Kraft, die in der Klasse der indi­rekt und direkt Lohn­ab­hän­gi­gen und in den gesell­schaft­li­chen Kämp­fen ver­an­kert ist. Sie soll sich gegen die Beschrän­kung gewerk­schaft­li­cher und betrieb­li­cher Aus­ein­an­der­set­zung auf die von Gesetz­ge­ber und Gerich­ten zuge­las­se­nen For­men wen­den und auf die eigen­stän­dige Orga­ni­sie­rung der Revo­lu­tio­nä­rIn­nen set­zen.
In die­sem Sinne wol­len wir eine revolutionär-​​antikapitalistische Orga­ni­sa­tion auf­bauen, die den Anfor­de­run­gen des 21. Jahr­hun­derts gerecht wird.

2. Revo­lu­tio­nä­rer Bruch

Um unsere Ziele zu errei­chen, ist ein revo­lu­tio­nä­rer Bruch mit dem bür­ger­li­chen Staat und der Macht des Kapi­tals not­wen­dig. Wir hal­ten einen revo­lu­tio­nä­ren Bruch für des­halb not­wen­dig, weil die herr­schende Klasse nicht frei­wil­lig auf die viel­fäl­ti­gen Vor­teile ver­zich­tet, die sie aus der Aus­übung ihrer Herr­schaft zieht. Der bür­ger­li­che Staat ist eine poli­ti­sche Form kapi­ta­lis­ti­scher Klas­sen­herr­schaft.
Jeg­li­cher Ver­such eines schritt­wei­sen und fried­li­che, meist par­la­men­ta­ri­schen Weges zur Über­win­dung des Kapi­ta­lis­mus hat sich bis­her als Desas­ter her­aus­ge­stellt. Des­halb hal­ten wir eine poli­ti­sche und soziale Revo­lu­tion für erfor­der­lich. Die bür­ger­li­chen Gewaltap­pa­rate sol­len ins­ge­samt mit den dafür not­wen­di­gen Mit­teln abge­schafft und durch Macht­or­gane von unten, wie wir sie his­to­risch als Räte ken­nen, ersetzt wer­den.
Über bloße Refor­men oder suk­zes­sive Aus­wei­tung von Szen­e­frei­räu­men, betrieb­li­che Arbei­te­rIn­nen­kon­trolle oder Wirt­schafts­de­mo­kra­tie wird es keine Trans­for­ma­tion geben. Den Kampf für wirk­li­che Refor­men leh­nen wir nicht ab oder ach­ten ihn etwa gering. Wir sagen nur, dass Refor­men und Frei­räume den revo­lu­tio­nä­ren Bruch nicht erset­zen kön­nen.

3. Keine Mit­ver­wal­tung

Wir leh­nen die Mit­ver­wal­tung der kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schaft mit ihren Produktions-​​ und Ver­kehrs­for­men, d. h. von Herr­schaft und Aus­beu­tung ab. Dies gilt sowohl für Regie­rungs­be­tei­li­gun­gen als auch für sozial-​​bewegte Poli­tik­be­ra­tung. Es gilt auch sowohl für „BürgerInnen“-Haushalte auf kom­mu­na­ler Ebene als auch für den Ein­tritt in bür­ger­li­che Regie­run­gen. Wir hal­ten aus­schließ­lich die Betei­li­gung an sol­chen Regie­run­gen für rich­tig, die einen revo­lu­tio­nä­ren Bruch ein­lei­ten.
Dar­über hin­aus hal­ten wir unter gewis­sen Umstän­den die Stüt­zung von Links­re­gie­run­gen für rich­tig: Sollte bei­spiels­weise mit Syriza in Grie­chen­land eine Par­tei links der Sozi­al­de­mo­kra­tie regie­ren kön­nen, so wäre es ver­ant­wor­tungs­los und sek­tie­re­risch, sie nicht ‚gegen rechts’ zu stüt­zen oder gar deren ‚Sturz’ zu for­dern – aller­dings ohne in einer bes­ten­falls (links)reformistischen Regie­rung selbst mit Minis­te­rIn­nen Regie­rungs­ver­ant­wor­tung zu über­neh­men. Auf alle Fälle ist an Selbst­or­ga­ni­sa­tion, Mas­sen­mo­bi­li­sie­rung und einem revo­lu­tio­nä­ren Bruch mit dem Sys­tem zu arbei­ten.

4. Ver­schrän­kung der ver­schie­de­nen Ausbeutungs-​​ und Herr­schafts­ver­hält­nisse

Wir sehen in der Klasse der direkt und indi­rekt Lohn­ab­hän­gi­gen wegen ihrer Größe und ihrer Stel­lung im in ein­an­der ver­wo­be­nen Pro­zess von Pro­duk­tion und Repro­duk­tion die ent­schei­dende oder poten­zi­elle Trä­ge­rin anti­ka­pi­ta­lis­ti­scher Umwäl­zung. Diese Umwäl­zung wird von den­je­ni­gen getra­gen wer­den müs­sen, die ihre Arbeits­kraft ver­kau­fen bzw. ihre Exis­tenz mit Hilfe von Trans­fer­zah­lun­gen – zum Teil auf nied­rigs­tem Niveau – sichern müs­sen. Welt­weit ist die Arbei­te­rIn­nen­klasse, ver­stan­den als die Klasse der direkt und indi­rekt Lohn­ab­hän­gi­gen, so groß wie nie zuvor. Aus die­sen Grün­den tre­ten wir für eine klas­sen­ori­en­tierte Poli­tik ein und ste­hen in der Tra­di­tion der Arbei­te­rIn­nen­be­we­gung.
Unser Ver­ständ­nis von Arbei­te­rIn­nen­klasse umfasst nicht nur das klas­si­sche Indus­trie­pro­le­ta­riat, son­dern auch Ange­stellte, Leih­ar­bei­te­rIn­nen, Rent­ne­rIn­nen, Aus­zu­bil­dende, Erwerbs­lose sowie Hausfrauen/​Hausmänner bzw. nicht-​​entlohnte Repro­duk­ti­ons­ar­bei­tende. Die Arbei­te­rIn­nen­klasse ist nicht homo­gen, son­dern von viel­fäl­ti­gen Spal­tungs­li­nien durch­zo­gen: Spal­tung von Män­ner und Frauen, Jun­gen und Alten, Migran­tIn­nen und Ein­hei­mi­schen, pre­kär Beschäf­tig­ten und sol­chen mit unbe­fris­te­tem und rela­tiv gut bezahl­ten Arbeits­ver­trag, Erwerbs­lo­sen und Erwerbs­tä­ti­gen, Men­schen mit hohen Sor­ge­ver­pflich­tun­gen für Andere und Men­schen, die ver­sorgt wer­den. Der Kapi­ta­lis­mus lebt von die­sen Spal­tun­gen und ver­schie­de­nen For­men von Herr­schaft und Aus­beu­tung, auch wenn er sie his­to­risch nicht immer selbst her­vor­ge­bracht hat. Für ein erfolg­rei­ches Pro­jekt der Über­win­dung des Kapi­ta­lis­mus ist es daher erfor­der­lich, die­sen Spal­tungs­li­nien ent­ge­gen­zu­wir­ken und sie mög­lichst auf­zu­he­ben.
Nicht nur die Klassen-​​, son­dern auch das sexis­ti­sche Geschlech­ter­ver­hält­nis und der Ras­sis­mus bestim­men die gesell­schaft­li­che Struk­tur. Des­halb müs­sen Antise­xis­mus und Anti­ras­sis­mus für eine revo­lu­tio­näre Orga­ni­sa­tion nach innen und nach außen schon heute Thema sein. Nie­mand soll wegen geschlecht­li­cher Iden­ti­tät oder sexu­el­ler Ori­en­tie­rung sowie Eth­nie oder Natio­na­li­tät benach­tei­ligt wer­den.
Die kon­se­quente Aus­ein­an­der­set­zung mit Geschlech­terste­reo­ty­pen, Hete­ro­se­xis­mus und ras­sis­ti­schen Ste­reo­ty­pen sind ein wich­ti­ger Teil heu­ti­ger Poli­tik; dies schließt den Kampf für die Über­win­dung der geschlechts­hier­ar­chi­schen Arbeits­tei­lung sowohl im Bereich der Lohn-​​ als auch der Repro­duk­ti­ons­ar­beit ein. Das setzt vor­aus, für eine gesell­schaft­li­che Auf­wer­tung der bis­her über­wie­gend von Frauen aus­ge­üb­ten Arbei­ten zu strei­ten.
Die Beto­nung der Ver­schrän­kung (oder Inter­sek­tio­na­li­tät) der ver­schie­de­nen Ausbeutungs-​​ und Herr­schafts­ver­hält­nisse bedeu­tet kei­nen Ver­zicht auf Klas­sen­kampf. Unser Anti­ka­pi­ta­lis­mus ist antise­xis­tisch und anti­ras­sis­tisch, und unser Antise­xis­mus und unser Anti­ras­sis­mus sind anti­ka­pi­ta­lis­tisch. Die Antise­xis­tIn­nen und Anti­ras­sis­tIn­nen inner­halb des NAO-​​Prozesses sehen sich auch als Teil des Klas­sen­kamp­fes. Genauso sehen sich die­je­ni­gen, die sich als Teil der Arbei­te­rIn­nen­be­we­gung begrei­fen, als Teil antise­xis­ti­scher und anti­ras­sis­ti­scher Kämpfe.
Ent­spre­chend ist also weder Antise­xis­mus eine allei­nige „Frau­en­frage“ noch Anti­ras­sis­mus eine allei­nige ‚Migran­tIn­nen­frage’, son­dern Anlie­gen des Gesamt­pro­zes­ses.

5. Bünd­nis­po­li­tik

Wir stre­ben mög­lichst breite Akti­ons­ein­hei­ten bei Angrif­fen der Herr­schen­den und für die Durch­set­zung unse­rer Inter­es­sen an, dazu laden wir alle Orga­ni­sa­tio­nen der beherrsch­ten und aus­ge­beu­te­ten Grup­pen ein. Das heißt, unsere Bünd­nis­part­ne­rIn­nen müs­sen sich nicht als Revo­lu­tio­nä­rIn­nen ver­ste­hen, damit wir bereit sind, mit ihnen zusam­men­zu­ar­bei­ten. Ziel ist die Ent­fal­tung eines mög­lichst brei­ten Wider­stan­des und die Selbst­tä­tig­keit der Mas­sen. Dabei leh­nen wir eine Beschrän­kung unse­rer Bünd­nis­po­li­tik auf soge­nannte „Ein­heits­front von unten“-Bündnisse ab. Viel­mehr rich­ten wir uns mit unse­rer Bünd­nis­po­li­tik z.B. an refor­mis­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen als Ganze. In die­sen Bünd­nis­sen wah­ren wir unsere poli­ti­sche Unab­hän­gig­keit und neh­men die Frei­heit wahr, unsere revo­lu­tio­nä­ren poli­ti­schen Vor­stel­lun­gen zu ver­tre­ten (Frei­heit der Agi­ta­tion und Pro­pa­ganda). Wir sehen darin ein Prin­zip, das für alle ande­ren Bünd­nis­part­ne­rIn­nen glei­cher­ma­ßen gilt.
In unse­rer Bünd­nis­po­li­tik sind wir bestrebt, ver­schie­dene Kämpfe bewusst mit­ein­an­der zu ver­bin­den. Wir brin­gen klas­sen­kämp­fe­ri­sche, anti­ras­sis­ti­sche und antise­xis­ti­sche Per­spek­ti­ven in die Bünd­nis­ar­beit ein.
Ein wich­ti­ges Organ der strö­mungs­über­grei­fen­den Zusam­men­ar­beit von Lohn­ab­hän­gi­gen sind die Gewerk­schaf­ten. Die Betei­lig­ten am NAO-​​Prozess arbei­ten in ihnen mit und tre­ten dort für die Her­aus­bil­dung klas­sen­kämp­fe­ri­scher Strö­mun­gen ein. Des­we­gen arbei­ten NAO-​​Gruppen inner­halb der Gewerk­schafts­lin­ken mit. Wir unter­stüt­zen daher alle klas­sen­kämp­fe­ri­schen Aktio­nen und Streiks, unab­hän­gig davon, ob sie von DGB-​​ oder Spar­ten­ge­werk­schaf­ten oder der FAU orga­ni­siert wer­den. Wir leh­nen Beschrän­kun­gen der Gewerkschafts-​​ und Streik­frei­heit, wie sie bei­spiels­weise unter dem Namen Tarif­ein­heit ver­sucht wur­den, strikt ab.

6. Ökolo­gie

Arbeit und Natur sind die ein­zi­gen Quel­len des gesell­schaft­li­chen Reich­tums. Das Kapi­tal muss jeder­zeit ver­su­chen, die Pro­duk­ti­ons­kos­ten gering zu hal­ten. Des­halb kann es sys­te­ma­tisch nicht an teu­re­rer res­sour­cen­scho­nen­der Tech­no­lo­gie als Pro­duk­ti­ons­mit­tel inter­es­siert sein. Selbst wenn die Füh­rungs­riege eines Unter­neh­mens gerne res­sour­cen­scho­nend pro­du­zie­ren möchte, ist sie doch über kurz oder lang durch die Kon­kur­renz gezwun­gen, preis­wer­tere, im Regel­fall nicht-​​ressourcenschonende Tech­no­lo­gie anzu­wen­den.
Staat­li­che Ver­bote und andere Regu­lie­run­gen haben nur begrenzte Wir­kung: Dies gilt für das staat­li­che Ver­bot von bestimm­ten (res­sour­cen­zer­stö­ren­den) Tech­no­lo­gien oder die Sub­ven­tio­nie­rung res­sour­cen­scho­nen­der Tech­no­lo­gien, denn die Nut­zung sol­cher Tech­no­lo­gien geht immer nur genau so weit, wie der Wort­laut des Ver­bo­tes oder die Sub­ven­ti­ons­be­stim­mung. Gleich­zei­tig bleibt das Kapi­tal aber erfin­de­risch und muss über­all, wo der Wort­laut es nicht ver­bie­tet, wei­ter­hin Kos­ten opti­mie­ren.
Genauso ist es mit Bio-​​Siegeln, die es erlau­ben, Pro­dukte teu­rer zu ver­kau­fen, die zu ihrer Her­stel­lung bestimmte Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen erfül­len. Auch hier bleibt das Kapi­tal erfin­de­risch und ver­sucht über­all dort wei­ter­hin Kos­ten zu opti­mie­ren, wo die Bio-​​Definitionen nicht grei­fen.
Ins­ge­samt ist also mit Kapi­tal und Staat (d.h.: unter Kapi­tal­ver­wer­tungs­be­din­gun­gen) keine gesamt­ge­sell­schaft­li­che, res­sour­cen­scho­nende Pro­duk­tion zu errei­chen, weil der Zweck des Kapi­tals, die Akku­mu­la­tion des­sel­ben, prin­zi­pi­ell im Wider­spruch zu aller res­sour­cen­scho­nen­der Pro­duk­tion steht, die teu­rer ist als ver­gleich­bare zer­stö­re­ri­sche Tech­no­lo­gien.
Soll der Zweck einer res­sour­cen­scho­nen­den Wirt­schaft also kon­se­quent ver­wirk­licht wer­den, so bedarf es des revo­lu­tio­nä­ren Bruchs und der Abschaf­fung des Kapi­talzwecks. Die­ser Bruch kann nicht nur in einem Land statt­fin­den, son­dern muss glo­bal sein. Die Lösung ist nicht in der Kon­sump­tion zu suchen, son­dern in der Pro­duk­tion.

7. Inter­na­tio­na­lis­mus

Das Kapi­tal ist inter­na­tio­nal, es agiert aus­beu­tend und herr­schend im glo­ba­len Maß­stab, des­we­gen muss auch unsere Gegen­wehr einen inter­na­tio­na­lis­ti­schen Cha­rak­ter haben. Inter­na­tio­na­lis­mus ist für uns keine mora­li­sche Frage, son­dern ergibt sich schon dar­aus, dass der Kapi­ta­lis­mus selbst ein glo­ba­les Sys­tem ist, in dem die Pro­duk­tiv­kräfte auf welt­weite Pro­duk­tion und welt­wei­ten Ver­kehr aus­ge­rich­tet sind.
Eine voll­stän­dige Über­win­dung des Kapi­ta­lis­mus kann daher letzt­lich nur im Welt­maß­stab erfolg­reich sein – nie auch nur auf bloß natio­na­ler Ebene.
Inter­na­tio­na­lis­mus schließt die Ableh­nung des impe­ria­lis­ti­schen EU-​​Projektes und die Ableh­nung von Natio­na­lis­mus und Ras­sis­mus sowie den akti­ven Kampf gegen natio­nale Spal­tun­gen inner­halb der Klasse der Lohn­ab­hän­gi­gen ein. Aktu­elle Her­aus­for­de­run­gen anti­ras­sis­ti­scher Poli­tik sind sowohl die v.a. in Europa auf­kom­men­den Bestre­bun­gen, von Geert Wil­ders bis Anders Bre­vik anti­mus­li­mi­schen Ras­sis­mus zu ver­stär­ken, als auch anti­se­mi­ti­sche Bestre­bun­gen. Wir bezie­hen uns im glo­ba­len Maß­stab auf pro­le­ta­ri­sche Klassen-​​ und andere eman­zi­pa­to­ri­sche Kämpfe.
Wir wen­den uns gegen impe­ria­lis­ti­sche Kriegs­füh­rung und spre­chen uns zugleich für den Sturz der bür­ger­li­chen Herr­schaft in den bedroh­ten Län­dern aus. Revo­lu­tio­nä­rIn­nen müss­ten zum Bei­spiel in der Frage des Irans gegen jede mili­tä­ri­sche Aktion z.B. der Nato und für den Sturz der Mullah-​​Herrschaft agie­ren.
Dem­zu­folge schließt unser Inter­na­tio­na­lis­mus­be­griff alle anti­ras­sis­ti­schen, antise­xis­ti­schen und andere Befrei­ungs­kämpfe ein. Dazu gehört auch, dass wir in inter­na­tio­nale Pro­test­be­we­gun­gen wie Occupy mit unse­ren revo­lu­tio­nä­ren Posi­tio­nen inter­ve­nie­ren.
Über das Inter­ve­nie­ren in soziale Bewe­gun­gen hin­aus bedarf es auch einer inter­na­tio­na­len ver­bind­li­chen Orga­ni­sie­rung. Im Rah­men unse­rer Mög­lich­kei­ten wer­den wir uns aktiv an Dis­kus­sio­nen und Initia­ti­ven zur Schaf­fung einer revo­lu­tio­nä­ren Inter­na­tio­nale mit demo­kra­ti­schen Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren betei­li­gen.

8. Orga­ni­sa­ti­ons­cha­rak­ter

Das Ziel des NAO-​​Prozesses ist die Her­aus­bil­dung einer revolutionär-​​antikapitalistischen Orga­ni­sa­tion. Daher wün­schen wir uns, dass zum NAO-​​Prozess noch mög­lichst viele wei­tere Grup­pen und Ein­zel­per­so­nen dazu kom­men, die die­ses Ziel und die hier for­mu­lier­ten Essen­ti­als tei­len. Außer diese Ver­brei­te­rung ist eine Ver­tie­fung der Zusam­men­ar­beit durch wei­tere pro­gram­ma­ti­sche und theo­re­ti­sche Annä­he­rung und Eini­gung sowie die Ent­fal­tung gemein­sa­mer poli­ti­scher Pra­xis anzu­stre­ben.
Als nächste Schritte stre­ben wir eine Wei­ter­ent­wick­lung die­ser Essen­ti­als und die Ver­ab­schie­dung eines pro­gram­ma­ti­schen Mani­fes­tes an, um auf der Grund­lage die­ser pro­gram­ma­ti­schen Annä­he­rung ein ver­bind­li­ches und sta­bi­les Bünd­nis revo­lu­tio­nä­rer Orga­ni­sa­tio­nen zu bil­den. In einer wei­te­ren Phase könnte eine gemein­same Orga­ni­sa­tion mit der Mög­lich­keit indi­vi­du­el­ler Mit­glied­schaf­ten ent­ste­hen.

Die­ser Text als .pdf-​​Datei mit Zei­len­num­mern: http://​Theo​rie​als​Pra​xis​.blog​sport​.de/​i​m​a​g​e​s​/​K​o​n​s​o​l​i​d​i​e​r​u​n​g​_​G​e​o​r​g​_​T​o​b​i​_​G​e​o​r​g​i​a.pdf.

Ergän­zend sei auch noch mal auf den Essential-​​Entwurf, den ich im Nov. 2012 nach Dis­kus­sio­nen im NaO-​​Prozeß-​​blog vor­ge­legt hatte, hin­ge­wie­sen: http://​www​.nao​-pro​zess​.de/​b​l​o​g​/​n​a​c​h​-​h​a​n​n​o​v​e​r​-​i​i​-​e​s​s​e​n​t​i​a​l​-​e​n​t​w​u​r​f​-2-2/. Diese Ver­sion wies m.E. den Vor­teil auf, daß sie ver­blie­bene Dis­sense expli­zit benannte.

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4 Antworten auf „Worüber sich RevolutionärInnen heute einig sein könnten…“


  1. 1 TaP 17. Februar 2014 um 23:09 Uhr

    Gestern – nach schon vorgestern – gleich noch mal unter den TOP 10:

  2. 2 TaP 20. Februar 2014 um 1:23 Uhr

    Am 17. auf Platz 12:

    Der obige Artikel wurde im übrigen von systemcrash gespiegelt:

    http://systemcrash.wordpress.com/2014/02/17/woruber-sich-revolutionarinnen-heute-einig-sein-konnten/

  3. 3 TaP 23. Februar 2014 um 21:02 Uhr

    Einiger Betrieb hier:

    am 15.2. auf Platz 10 des blogsport-rankings

    am 16.2. erneut

    am 17.2. auf Platz 12

    am 18.2. auf Platz 9

    am 20. und 21. jeweils auf Platz 12

    und

    gestern, am 22.2. auf Platz 13:

  4. 4 TaP 24. Februar 2014 um 23:50 Uhr

    Am Sonntag, 23.2. ein weiteres Mal auf Platz 13:

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