Karl Marx über Demokratie und Demokraten

Aus­züge aus sei­ner Kri­tik des Gothaer Pro­gramms

MEW 19, 21 f.:
„Ich bin weit­läu­fi­ger auf den ‚unver­kürz­ten Arbeits­er­trag’ einer­seits, ‚das glei­che Recht’, ‚die gerechte Ver­tei­lung’ and­rer­seits ein­ge­gan­gen, um zu zei­gen, wie sehr man fre­velt, wenn man einer­seits Vor­stel­lun­gen, die zu einer gewis­sen Zeit einen Sinn hat­ten, jetzt aber zu ver­al­te­tem Phra­sen­kram gewor­den, uns­rer Par­tei wie­der als Dog­men auf­drän­gen will, and­rer­seits aber die rea­lis­ti­sche Auf­fas­sung, die der Par­tei so müh­voll beige­bracht wor­den, aber Wur­zeln in ihr geschla­gen, wie­der durch ideo­lo­gi­sche Rechts-​​ und andre, den Demo­kra­ten und fran­zö­si­schen Sozia­lis­ten so geläu­fige Flau­sen ver­dreht.“

MEW 19, 22:
„Die jedes­ma­lige Ver­tei­lung der Kon­sum­ti­ons­mit­tel ist nur Folge der Ver­tei­lung der Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen selbst. Die kapi­ta­lis­ti­sche Pro­duk­ti­ons­weise z.B. beruht dar­auf, daß die sach­li­chen Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen Nicht­ar­bei­tern zuge­teilt sind unter der Form von Kapi­tal­ei­gen­tum und Grund­ei­gen­tum, wäh­rend die Masse nur Eigen­tü­mer der per­sön­li­chen Pro­duk­ti­ons­be­din­gung, der Arbeits­kraft, ist. Sind die Ele­mente der Pro­duk­tion der­art ver­teilt, so ergibt sich von selbst die heu­tige Ver­tei­lung der Kon­sum­ti­ons­mit­tel. Sind die sach­li­chen Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen genos­sen­schaft­li­ches Eigen­tum der Arbei­ter selbst, so ergibt sich ebenso eine von der heu­ti­gen ver­schiedne Ver­tei­lung der Kon­sum­ti­ons­mit­tel. Der Vul­gär­so­zia­lis­mus (und von ihm wie­der ein Teil der Demo­kra­tie) hat es von den bür­ger­li­chen Ökono­men über­nom­men, die Dis­tri­bu­tion als von der Pro­duk­ti­ons­weise unab­hän­gig zu betrach­ten und zu behan­deln, daher den Sozia­lis­mus haupt­säch­lich als um die Dis­tri­bu­tion sich dre­hend dar­zu­stel­len.“

MEW 19, 26 f.:
Zu den Sät­zen im Gothaer Pro­gramm der SPD, „Die deut­sche Arbei­ter­par­tei ver­langt, um die Lösung der sozia­len Frage anzu­bah­nen, die Errich­tung von Pro­duk­tiv­ge­nos­sen­schaf­ten mit Staats­hilfe unter der demo­kra­ti­schen Kon­trolle des arbei­ten­den Volks. Die Pro­duk­tiv­ge­nos­sen­schaf­ten sind für Indus­trie und Acker­bau in sol­chem Umfang ins Leben zu rufen, daß aus ihnen die sozia­lis­ti­sche Orga­ni­sa­tion der Gesamt­ar­beit ent­steht.“:

„Es wird in wür­di­ger Weise ‚ange­bahnt’! An die Stelle des exis­tie­ren­den Klas­sen­kamp­fes tritt eine Zei­tungs­schrei­ber­phrase – ‚die soziale Frage’, deren ‚Lösung’ man ‚anbahnt’. Statt aus dem revo­lu­tio­nä­ren Umwand­lungs­pro­zesse der Gesell­schaft ‚ent­steht’ die ‚sozia­lis­ti­sche Orga­ni­sa­tion der Gesamt­ar­beit’ aus der ‚Staats­hilfe’, die der Staat Pro­duk­tiv­ge­nos­sen­schaf­ten gibt, die er, nicht der Arbei­ter, ‚ins Leben ruft’. Es ist dies wür­dig der Ein­bil­dung Las­sal­les, daß man mit Staats­an­lehn eben­so­gut eine neue Gesell­schaft bauen kann wie eine neue Eisen­bahn!
Aus einem Rest von Scham stellt man ‚die Staats­hilfe’ – ‚unter die demo­kra­ti­sche Kon­trolle des arbei­ten­den Volks’.
Ers­tens besteht ‚das arbei­tende Volk’ in Deutsch­land zur Majo­ri­tät aus Bau­ern und nicht aus Pro­le­ta­ri­ern.
Zwei­tens heißt ‚demo­kra­tisch’ zu deutsch ‚volks­herr­schaft­lich’. Was heißt aber ‚die volks­herr­schaft­li­che Kon­trolle des arbei­ten­den Vol­kes’? Und nun gar bei einem Arbei­ter­volk, das durch diese For­de­run­gen, die es an den Staat stellt, sein vol­les Bewußt­sein aus­spricht, daß es weder an der Herr­schaft ist, noch zur Herr­schaft reif ist!“

MEW 19, 29:
„Das Pro­gramm nun hat es weder mit letz­te­rer zu tun, noch mit dem zukünf­ti­gen Staats­we­sen der kom­mu­nis­ti­schen Gesell­schaft.
Seine poli­ti­schen For­de­run­gen ent­hal­ten nichts, außer der aller Welt bekann­ten demo­kra­ti­schen Lita­nei: all­ge­mei­nes Wahl­recht, direkte Gesetz­ge­bung, Volks­recht, Volks­wehr etc. Sie sind blo­ßes Echo der bür­ger­li­chen Volks­par­tei, des Friedens-​​ und Frei­heits­bun­des. Es sind lau­ter For­de­run­gen, die, soweit nicht in phan­tas­ti­scher Vor­stel­lung über­trie­ben, bereits rea­li­siert sind. Nur liegt der Staat, dem sie ange­hö­ren, nicht inner­halb der deut­schen Reichs­grenze, son­dern in der Schweiz, den Ver­ei­nig­ten Staa­ten etc. Diese Sorte ‚Zukunfts­staat’ ist heu­ti­ger Staat, obgleich außer­halb ‚des Rah­mens’ des Deut­schen Reichs exis­tie­rend.“

MEW 19, 31:
„das ganze Pro­gramm, trotz alles demo­kra­ti­schen Geklin­gels, ist durch und durch vom Unter­ta­nen­glau­ben der Las­sal­le­schen Sekte an den Staat ver­pes­tet oder, was nicht bes­ser, vom demo­kra­ti­schen Wun­der­glau­ben, oder viel­mehr ist es ein Kom­pro­miß zwi­schen die­sen zwei Sor­ten, dem Sozia­lis­mus gleich fer­nen, Wun­der­glau­ben.“

Her­vor­he­bung von „Demo­kra­ten“, „Demo­kra­tie“ und „demo­kra­tisch“ hin­zu­ge­fügt.

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • LinkedIn
  • MisterWong
  • MisterWong.DE
  • PDF
  • Tumblr
  • Wikio
Wikio

1 Antwort auf „Karl Marx über Demokratie und Demokraten“


  1. 1 TaP 22. Januar 2014 um 0:08 Uhr

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


sieben × sechs =