Archiv für September 2013

IV. Internationale und NaO-Prozeß

In der IV. Inter­na­tio­nale wird schon seit län­ge­rer Zeit eine Debatte über sog. „breite anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Par­teien“ geführt. Einige der in die­sem Rah­men ent­stan­de­nen Doku­mente sind auch für den hie­si­gen NaO-​​Prozeß recht lehr­reich. Es fol­gen eine aus­zugs­weise Über­set­zung eines Tex­tes von Mit­glie­dern der fran­zö­si­schen NPA sowie der grie­chi­schen Sek­tion der IV. Inter­na­tio­nale und eine kom­men­tierte Exzer­p­tie­rung eines Tex­tes, der vom „Natio­na­len Büro“ der US-​​Sektion der IV. Inter­na­tio­nale unter­stützt wird:

Für eine kämp­fe­ri­sche und revo­lu­tio­näre Inter­na­tio­nale

http://​inter​na​tio​nal​view​point​.org/​s​p​i​p​.​p​h​p​?​a​r​t​i​c​l​e3005 (Rohüber­set­zung von mir)

[…].

7. […], die For­mel, nach dem der Kol­laps der Sozi­al­de­mo­kra­tie einen lee­ren Platz hin­ter­lasse, ist unzu­rei­chend und unge­nau. Sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Par­teien, die an den Kapi­ta­lis­mus ange­paßt und tief­ge­hend kor­rum­piert sind, kön­nen seit vie­len Jah­ren nicht mehr als refor­mis­tisch bezeich­net wer­den, denn sie haben vor lan­ger Zeit auf­ge­hört die Frage des sozia­len Wan­dels, vom Sozia­lis­mus gar nicht zu reden, auf­zu­wer­fen. Es exis­tiert also wei­ter­hin ein Zwi­schen­raum zwi­schen ihnen und revo­lu­tio­nä­ren Lin­ken: Refor­mis­mus. Unge­ach­tet des his­to­ri­schen Schei­terns sowohl des Sta­li­nis­mus als auch des Euro­kom­mu­nis­mus hat sich her­aus­ge­stellt, daß für den alten Refor­mis­mus ein Come­back in neuer Form (im Falle von Grie­chen­land, Frank­reich und im gewis­sen Aus­maß auch im spa­ni­schen Staat) mög­lich ist und auch, daß sich ein neuer Refor­mis­mus mit rela­tiv gro­ßer Akzep­tanz for­miert, wie es im Falle Rifun­da­zione Com­mu­nista, der deut­schen Lin­ken (Die Linke), aber auch eines Teil des Bloco in Por­tu­gal und der Rot-​​Grünen Alli­anz geschah.
Der Fall von Syriza, die umso dich­ter sie an einen Wahl­sieg kam, desto mehr ihr Pro­gramm in eine „rea­lis­ti­sche“ Rich­tung – mit dem ein­ge­stan­de­nen Ziel, etwas ähnli­ches wie die Regie­run­gen in Bra­si­lien und Argen­ti­nien zu wer­den – änderte, kann als aus­sa­ge­kräf­ti­ges Bei­spiel die­nen; es ist bereits klar, daß sie keine Lösung für die arbei­tende Bevöl­ke­rung bie­ten kann. Laßt uns auch das Bei­spiel Zypern nicht ver­ges­sen, wo die linke Regie­rung unter [der Füh­rung von] AKEL – der Schwes­ter­party sowohl von Syriza als auch der KKE – die­je­nige ist, die das Land in die Herr­schaft der Memo­ran­den und der Aus­te­ri­täts­po­li­tik führte. (mehr…)

Kapitalismus abschaffen – geht das demokratisch?

Gen. sys­tem­crash und ich haben eine kleine Bro­schüre geschrie­ben:

Vgl. dazu:
http://​www​.nao​-pro​zess​.de/​b​l​o​g​/​e​i​n​e​-​n​e​u​e​-​t​o​l​l​e​-​n​a​o​-​i​d​e​e​-​d​e​n​-​k​a​p​i​t​a​l​i​s​m​u​s​-​d​e​m​o​k​r​a​t​i​s​c​h​-​a​b​s​c​h​a​ffen/.

Marx: Die Niederlage der Pariser Commune lag daran, „den Bür­ger­krieg nicht eröff­ne[t] zu haben“

Aus aktu­el­lem Anlaß stelle ich ein Digi­ta­li­sat von Marx‘ Brief an Lud­wig Kugel­mann vom 12.04.1871 zur Ver­fü­gung. In dem Brief schrieb Karl Marx u.a.:

„Wenn Du das letzte Kapi­tel mei­nes ‚Acht­zehn­ten Bru­maire’ nach­siehst, wirst Du fin­den, daß ich als nächs­ten Ver­such der fran­zö­si­schen Revo­lu­tion aus­spre­che, nicht mehr wie bis­her die bürokratisch-​​​​militärische Maschi­ne­rie aus einer Hand in die andre zu über­tra­gen, son­dern sie zu zer­bre­chen, […]. Dies ist auch der Ver­such uns­rer heroi­schen Pari­ser Par­tei­ge­nos­sen. […]. Wenn sie unter­lie­gen, so ist nichts daran schuld als ihre ‚Gut­mü­tig­keit’. Es galt, gleich nach Ver­sailles zu mar­schie­ren, nach­dem erst Vinoy, dann der reak­tio­näre Teil der Pari­ser Natio­nal­garde selbst das Feld geräumt hatte. Der rich­tige Moment wurde ver­säumt aus Gewis­sens­skru­pel. Man wollte den Bür­ger­krieg nicht eröff­nen, als ob der mischie­vous avor­ton [böser Zweg] Thiers den Bür­ger­krieg nicht mit sei­nem Ent­waff­nungs­ver­such von Paris bereits eröff­net gehabt hätte! Zwei­ter Feh­ler: Das Zen­tral­ko­mi­tee gab seine Macht zu früh auf, um der Kom­mune Platz zu machen. Wie­der aus zu ‚ehren­haf­ter’ Skru­pu­lo­si­tät!“