Zuspitzung im NaO-Prozeß: SIB und GAM gegen fast alle!

Im NaO-​​Prozeß ist mit als­bal­di­gen Ent­schei­dun­gen zu rech­nen: Ich selbst ver­öf­fent­lichte am ver­gan­ge­nen Sams­tag – in Ant­wort auf einen Text von Micha Prütz – einen Arti­kel mit dem Titel Dann doch lie­ber IL!
Heute nimmt nun Mar­tin Sucha­nek (GAM) unter der Über­schrift NaO-​​Prozess am Wen­de­punkt Stel­lung.
Da ich im NaO-​​Prozeß-​​blog das dor­tige Zei­chen­li­mit nicht ganz ein­hal­ten konnte, ver­öf­fent­li­che mei­nen voll­stän­di­gen Kom­men­tar zu Mar­tins Arti­kel hier – den Anfang wird es nach Frei­schal­tung auch im NaO-​​Prozeß-​​blog geben.

Danke für die ziem­lich gelun­gene Zusam­men­fas­sung der poli­ti­schen Dif­fe­ren­zen im NaO-​​Prozeß!

Frei­lich sind einige Prä­zi­sie­run­gen anzu­brin­gen:

1. Zwar hat ein Ver­tre­ter des RSB in der sog. „3er-​​AG“ für das Mani­fest mit­ge­ar­bei­tet. Aber anders als im Falle von GAM & SIB han­delt es sich bei dem ent­stan­de­nen Text nicht um einen Text auch „des RSB“ als Gruppe. Der RSB stimmte zwar bei dem 7. bw. Tref­fen zum NaO-​​Prozeß im April in Kas­sel dafür, daß der 3er-​​Entwurf und nicht der Bera­tungs­grund­la­gen-Vor­schlag von IBT, Inter­Komm & [pae­ris] Leit­an­trag der wei­te­ren Manifest-​​Erstellung wer­den solle. Aber der RSB erklärte dort zugleich, sich zur Frage des Mani­fes­tes noch nicht abschlie­ßend ent­schie­den zu haben.

2. Die Unter­schiede hin­sicht­lich der Lage­ein­schät­zung las­sen sich ziem­lich gut daran illus­trie­ren, daß sich ein ähnli­cher Gedanke, wie der fol­gende aus dem Papier der RSB-​​Genossen Jakob und Linus vom ver­gan­ge­nen Okt. in dem 3er-​​Entwurf nicht fin­det: „Schauen wir […] nach Grie­chen­land, dann müs­sen wir bei nüch­ter­ner Betrach­tung fest­stel­len, dass selbst dort – also nach min­des­tens 3 Jah­ren ver­schärf­ter Krise – keine grö­ßere revo­lu­tio­näre Strö­mung auf der Matte steht. Der Pro­zess der Rekon­struk­tion revo­lu­tio­nä­rer klas­sen­kämp­fe­ri­scher, wirk­lich sozia­lis­ti­scher (oder auch anar­chis­ti­scher) Strö­mun­gen, die im Klas­sen­kampf ein gewis­ses Gewicht haben, ist offen­bar sehr kom­plex, lang­wie­rig und nicht am grü­nen Tisch zu beschlie­ßen oder umzu­set­zen. […] in lin­ken Krei­sen (domi­nie­ren) Vor­stel­lun­gen, die letzt­lich den Kapi­ta­lis­mus gerade nicht infrage stel­len: ‚sozia­lis­ti­sche Markt­wirt­schaft’ usw. Die Vor­stel­lung von einer bedürf­nis­ori­en­tier­ten, nicht Waren pro­du­zie­ren­den Gesell­schafts­ord­nung ist selbst in lin­ken Krei­sen kaum ver­brei­tet.“
Der 3er-​​Entwurf gelangt dage­gen zu einer deut­lich opti­mis­ti­sche­ren Ein­schät­zung der Lage.

3. Zur Pra­xis, die SIB & GAM in Ber­lin im Namen des NaO-​​Prozesses in letz­ter Zeit gemacht haben: Sowohl zur Form (Start­block od. Klas­sen­kampf­block?) der Betei­li­gung an der revo­lu­tio­nä­ren 1. Mai-​​Demonstration als auch zur Ver­an­stal­tung „Die kom­men­den Auf­stände in Süd­eu­ropa“ gab es NaO-​​prozeß-​​interne poli­ti­sche und kon­zep­tio­nelle Dif­fe­ren­zen. So tei­len durch­aus nicht alle im NaO-​​Prozeß die Pro­gnose von „kom­men­den Auf­stän­den“; auch die Ter­mi­nie­rung der Ver­an­stal­tung war umstrit­ten. Da SIB und GAM die Ver­an­stal­tung ohne Rück­sicht auf die Beden­ken der ande­ren Grup­pen durch­führ­ten, ist es schon nicht ohne Pikan­te­rie zu for­mu­lie­ren: „wobei GAM und SIB zuneh­mend zu den Moto­ren der Akti­vi­tä­ten wur­den“…

4. Für eine Kri­tik der Kri­tik bloß an ein­zel­nen Kapi­ta­lis­tIn­nen und Kapi­tal­frak­tio­nen (statt an der kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­weise als gan­zer) bedarf es kei­ner „Wert­kri­tik“ im Sinne von Robert Kurz /​ Kri­sis /​ Exit (die ich für mei­nen Teil u.a. wegen ihrer zusam­men­bruchs­theo­re­ti­schen Impli­ka­tio­nen ablehne), son­dern schlicht der von mir bereits bei Beginn der Manifest-​​Diskussion ange­führ­ten Ein­sich­ten von Karl Marx:
http://​www​.nao​-pro​zess​.de/​b​l​o​g​/​u​n​s​e​r​-​m​a​n​i​f​e​s​t​-​m​u​s​s​-​a​u​c​h​-​d​i​e​-​h​e​r​z​e​n​-​u​n​d​-​n​i​c​h​t​-​n​u​r​-​d​i​e​-​k​o​e​p​f​e​-​e​r​r​e​i​c​h​e​n​/​#​c​o​m​m​e​n​t​-6138
Hin­sicht­lich der dram­ti­sie­ren­den Dar­stel­lung und Inter­pre­ta­tion der aktu­el­len kapi­ta­lis­ti­schen Krise ist der Manifest-​​Entwurf viel dich­ter an der „Wert­kri­tik“ à la Kurz als es die Kri­ti­ke­rIn­nen des Manifest-​​Entwurfes sind.

5. Im NaO-​​Prozeß ist die Unter­stüt­zung von Kämpfe um demo­kra­ti­sche Rechte nicht umstrit­ten; umstrit­ten ist aber die pau­schale Rede von Demo­kra­tie schlecht­hin. Lei­der ist im NaO-​​Prozeß nicht Kon­sens, daß „der Ruf nach ‚ech­ter Demo­kra­tie’ kri­tisch zu betrach­ten ist“. Viel­mehr schlägt die SIB vor, im Mani­fest zu schrei­ben: „Wenn heute in den sozia­len Bewe­gun­gen der Ruf nach ‚authen­ti­scher’ oder ‚rea­len’ Demo­kra­tie ertönt, so ist dies, ange­sichts des his­to­ri­schen Hin­ter­grun­des, zuerst ein­mal posi­tiv auf­zu­neh­men.“

6. Lei­der ent­hält der 3er-​​Entwurf – unge­ach­tet der sons­ti­gen Dif­fe­ren­zen zwi­schen GAM und SIB zum Geschlech­ter­ver­hält­nis als Kon­sens die neben­wi­de­spruchs­theo­re­ti­schen For­mu­lie­run­gen, die „Unter­drü­ckung der Frauen“ sei ein „Erbe der Klas­sen­ge­sell­schaf­ten“, und: „Ohne Umwäl­zung der kapi­ta­lis­ti­schen Ver­hält­nisse keine Frau­en­be­frei­ung.“ – Auch die Posi­tion der SIB ist also lei­der weni­ger femi­nis­tisch bzw. inter­sek­tio­nal als es auf den ers­ten Blick schei­nen mag. Die neben­wi­der­spruchs­theo­re­ti­sche Sicht­weise wird im NaO-​​Prozeß von Inter­Komm, [pae­ris] und mir selbst abge­lehnt.

7. Umstrit­ten ist auch nicht, ob in einer künf­ti­gen NaO Indi­vi­duen Mit­glie­der wer­den und abstim­men kön­nen sol­len. Umstrit­ten ist viel­mehr, ob die Zeit bereits reif ist, eine NaO zu grün­den (was SIB und GAM beja­hen, wäh­rend es IBT, Inter­Komm, [pae­ris] und RSB ver­nei­nen – von der isl gibt es dazu noch keine Stel­lung­nahme. Auch Pitt [RIR] sprach im März 2013 von einem „Bünd­nis der anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen und revo­lu­tio­nä­ren Lin­ken“ (Her­vor­he­bung im Ori­gi­nal) – und noch nicht von einer Organisation/​NaO. Eine neuere RIR-​​Stellungnahme gibt es nicht). Die zuletzt genann­ten Grup­pen hal­ten viel­mehr an dem fest, was unter dem Aus­druck „Antarsya-​​Modell“ (siehe dort [„Ant­ar­sia“] und dort) lange Zeit im NaO-​​Prozeß Kon­sens war: daß der nächste Schritt vor­erst nur in einer For­mie­rung eines Blocks/​Bündnisses revo­lu­tio­nä­ren Grup­pen beste­hen könne.

8. Nie­mandE im NaO-​​Prozeß bestrei­tet den „gerecht­fer­tig­ten Cha­rak­ter“ eines Auf­stan­des gegen die Assad-​​Regierung in Syrien. Viele im NaO-​​Prozeß hal­ten es aller­dings auch für not­wen­dig zu fra­gen, wel­che Alter­na­ti­ven der Auf­stand zu bie­ten hat, statt ein­fach nur einen Auf­stand zu fei­ern. – Auch an die­sem Punkt wer­den – neben der „Demokratie“-Frage und dem Geschlech­ter­ver­hält­nis – viel­leicht auch noch SIB und GAM mit­ein­an­der kol­li­die­ren: Wäh­rend die SIB im ver­gan­ge­nen Nov. diese Demo unter­stützte, wurde sie von der GAM nicht unter­stützt.

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • LinkedIn
  • MisterWong
  • MisterWong.DE
  • PDF
  • Tumblr
  • Wikio
Wikio

2 Antworten auf „Zuspitzung im NaO-Prozeß: SIB und GAM gegen fast alle!“


  1. 1 TaP 31. Juli 2013 um 22:46 Uhr

    Vgl. zum hiesigen Thema auch noch den Artikel des Gen. systemcrash und die dortige Diskussion:

    http://systemcrash.wordpress.com/2013/07/29/organisation-als-mythos-nachtrag/

  2. 2 TaP 03. August 2013 um 11:41 Uhr

    Ich habe noch eine längere Antwort auf Martin geschrieben, um auf die Punkte seines Artikel einzugehen, die nicht mit einer bloßen faktischen Richtigstellung erledigt sind:

    http://www.nao-prozess.de/blog/methodisches-zu-politischen-inhalten-und-organisierung/

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


eins + = sieben