Archiv für Oktober 2012

„Praxis“ ohne Richtschnur – kann das gutgehen?“

Eine These, die nicht nur für den anlaß­ge­ben­den Kon­text rele­vant ist:

„Es geht […] nicht ein­fach nur darum, irgend etwas zu machen; auch nicht ein­mal nur darum, es erfolg­reich zu machen. Viel­mehr müß­ten wir klä­ren: Was sind denn über­haupt loh­nende Aktio­nen und Mobi­li­sie­rung und wel­che Funk­tion /​ wel­chen Stel­len­wert können/​sollen sie in Bezug auf unser schließ­li­ches Ziel bzw. – bes­ser: – den schließ­li­chen Zweck unse­rer poli­ti­schen Bemü­hun­gen […] haben.“

3 neue Papiere zum NaO-Prozeß

Auf Kri­tik von sys­tem­crash (Leni­nis­ti­scher Par­tei­auf­bau oder pro­gram­ma­ti­sche Ver­satz­stü­cke für (Pseudo-)“Breite“ sowie Die NAO als “Überg­angs­or­ga­ni­sa­tion” = fis­hing for new mem­bers für die “Mini­par­teien”) und mir (NaO-​​Prozeß als Fische­rei­ge­biet?) ant­wor­tete Mar­tin Sucha­nek (GAM):

Fishermen´s Fri­end – eine Ant­wort auf DGS und Sys­tem­crash

„Die zwei schla­gen Alarm, sehen sie doch den NAO-​​Prozess vor dem Abdrif­ten in eine ‚anti-​​kapitalistische Samm­lung‘ und vor einer Abwen­dung von der Eini­gung der ’sub­jek­ti­ven Revo­lu­tio­nä­rIn­nen‘. Dabei wird die Rea­li­tät nicht nur voll­kom­men ver­zerrt wie­der­ge­ge­ben – es wird zugleich auch öffent­lich ein fal­scher Ein­druck über die eigent­li­chen Kern­fra­gen der wei­te­ren Ent­wick­lung des NAO erweckt.“

„Es ist in die­sem Zusam­men­hang kein Wun­der, dass DGS mit der ‚revo­lu­tio­nä­ren Ori­en­tie­rung‘ die Aus­rich­tung auf ein ganz bestimm­tes Spek­trum der radi­ka­len Lin­ken in Deutsch­land meint: die ‚post­au­to­no­men‘ Bünd­nisse, ‚Ums Ganze‘ (UG) und A3-​​Bündnis (ver­glei­che DGS, ‚Wel­chen Platz im poli­ti­schen Raum soll eine nicht-​​revolutionäre NaO beset­zen kön­nen?‘) Wir hal­ten eine bevor­zugte Ori­en­tie­rung auf diese Spek­tren für frag­wür­dig, ja poli­tisch falsch.“

Die Rück­ant­wort von sys­tem­crash und mir:

Panta rhei (Alles fließt). Über Fluß­fi­sche­rei

„Vor allem möch­ten wir […] beto­nen, daß wir das, was die GAM bei der NaO-​​Sommer-​​Debatte als Option 1 vor­ge­schla­gen hatte (‚Ver­ein­heit­li­chung des NAO[-Prozesses] ins­ge­samt […] auf Grund­lage eines gemein­sa­men revo­lu­tio­nä­ren Pro­gramms‘), völ­lig tei­len! Wir bedau­ern nur sehr, daß Ihr Euch inzwi­schen von Eurer Option 1 ver­ab­schie­det zu haben scheint.“

„klar, es gibt […] inhalt­li­che Dif­fe­ren­zen von Tei­len des NaO-​​Prozesses zu Tei­len der ver­schie­de­nen (post-)autonomen Spek­tren. Aber das sind zugleich auch inhalt­li­che Dif­fe­ren­zen inner­halb des NaO-​​Prozesses selbst, […]! Die Unter­schiede zwi­schen der GAM und dem UG-​​Bündnis sind nicht grö­ßer als die zwi­schen der GAM und den Inter­Komms; und die Dif­fe­ren­zen zwi­schen DGS und den ML-​​Gruppen im 3A-​​Bündnis sind nicht grö­ßer als die zwi­schen DGS und dem AKKA.“

Kurz­fas­sung des Arti­kel mit ergän­zen­der Ein­lei­tung:
http://​www​.scharf​-links​.de/​2​6​6​.​0​.​h​t​m​l​?​&​a​m​p​;​t​x​_​t​t​n​e​w​s​[​t​t​_​n​e​w​s​]​=​2​9​3​5​1​&​a​m​p​;​t​x​_​t​t​n​e​w​s​[​b​a​c​k​P​i​d​]​=​5​6​&​a​m​p​;​c​H​a​s​h​=​8​8​b​c​f​90387

Auch zwei Genos­sen des RSB haben zur Debatte über den Cha­rak­ter einer even­tu­el­len künf­ti­gen neuen anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Orga­ni­sa­tion Stel­lung genom­men:

Wel­che NaO? oder Was soll­ten wir in und mit dem NaO-​​Prozess anstre­ben?

„Der Cha­rak­ter des NaO-​​Prozesses als eines revo­lu­tio­nä­ren Pro­jek­tes (des­sen Not­wen­dig­keit wir oben kurz umris­sen haben) darf nicht zur Dis­po­si­tion ste­hen! […]. Im Rah­men unse­res For­mie­rungs­pro­zes­ses als Bünd­nis revo­lu­tio­nä­rer Kräfte (die ein revo­lu­tio­nä­res Pro­jekt ver­fol­gen!) fän­den wir – von uns­rer Seite aus, es sehr posi­tiv, wenn es uns gelänge, auch sol­che Kräfte für die­sen Pro­zess zu gewin­nen, deren Vor­stel­lun­gen des Übergangs vom Kapi­ta­lis­mus zu einer klas­sen­lo­sen Gesell­schaft noch nicht so klar sind. Das wird aber nur gelin­gen, wenn wir unsere revo­lu­tio­näre Hal­tung nicht ver­ste­cken, son­dern offen dafür argu­men­tie­ren.“

Neues vom NaO-Prozeß

1. sys­tem­crash begrün­dete ver­gan­gene Woche seine These:

„nach fast 2 jah­ren vor­be­rei­tungs­zeit und dis­kus­sion steht der NAO pro­zess jetzt vor einer ent­schei­de­nen rich­tungs­ent­schei­dung. dabei ste­hen sich im wesent­li­chen (real sind die inhalt­li­chen dif­fe­ren­zie­run­gen natür­lich viel­fäl­ti­ger) zwei haupt­ten­den­zen gegen­über:
— der eine teil möchte jetzt ‚hand­greif­li­che ergeb­nisse‘ sehen und strebt einen brei­te­ren anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen POL an, der auch offen sein soll für refor­mis­ti­sche und gra­dua­lis­ti­sche kräfte.
— der andere teil hält an dem ursprüng­li­chen neu­grup­pie­rungs­kon­zept der radi­ka­len lin­ken fest, wie er in dem na end­lich papier der SIB dar­ge­stellt wurde. dies bedeu­tet ein­mal eine umgrup­pie­rung der sub­jek­ti­ven revo­lu­tio­näre und eine aus­wei­tung auf (haupt­säch­lich) post­au­to­nome, post­an­ti­im­pe­ria­lis­ti­sche und (mög­li­cher­weise) revolutionär-​​feministische spek­tren. die ange­strebte orga­ni­sa­ti­ons­grün­dung soll sich klar inhalt­lich vom refor­mis­ti­schen spek­trum abgren­zen und die­ses pro­gram­ma­tisch pola­ri­sie­ren.
es ist voll­kom­men klar, dass sich diese bei­den unter­schied­li­chen Org­kon­zepte gegen­sei­tig aus­schlies­sen, denn dabei han­delt es sich nicht nur um ein ‚tech­ni­sches‘ pro­blem, son­dern sie drü­cken auch eine pro­gram­ma­ti­sche dif­fe­renz aus!“

Außer­dem pro­gno­si­tierte er:

„wäh­rend ten­denz 1 eine auf­wei­chung der essen­ti­als bedeu­det (ins­be­son­dere der revo­lu­tio­näre bruch), ver­sucht ten­denz 2 die inhalt­li­che annä­he­rung der NAO grup­pen über die essen­tial debatte her­zu­stel­len und hält an dem revo­lu­tio­nä­ren cha­rak­ter des NAO pro­jek­tes fest.“

Genau diese Pro­gnose hat sich mitt­ler­weile bewahr­hei­tet – aber die Auf­wei­che­rIn­nen sto­ßen nicht nur bei sys­tem­crash und mir, son­dern auch beim RSB auf Wider­stand.

2. Mit – aller­dings umge­kehr­ter Par­tei­lich­keit – stimmt auch Tino P. der „Richtungsentscheidungs“-These von sys­tem­crash zu:

http://​www​.nao​-pro​zess​.de/​b​l​o​g​/​z​w​e​i​-​w​e​g​e​-​z​w​e​i​-​v​e​r​s​c​h​i​e​d​e​n​e​-​n​a​o​-​k​o​n​z​epte/;

meine Ant­wort dar­auf:

http://​www​.nao​-pro​zess​.de/​b​l​o​g​/​z​w​e​i​-​w​e​g​e​-​z​w​e​i​-​v​e​r​s​c​h​i​e​d​e​n​e​-​n​a​o​-​k​o​n​z​e​p​t​e​/​#​c​o​m​m​e​n​t​-4710.

3. Manuel Kell­ner (isl) hat auf meine Kri­tik am trotz­kis­ti­schen Kon­zept der Überg­angs­for­de­run­gen geant­wor­tet:

http://​www​.nao​-pro​zess​.de/​b​l​o​g​/​m​i​t​-​a​r​g​u​m​e​n​t​e​n​-​o​d​e​r​-​m​i​t​-​f​o​r​d​e​r​u​n​g​e​n​-​u​e​b​e​r​z​e​u​g​e​n​-​z​u​r​-​k​r​i​t​i​k​-​d​e​r​-​t​r​o​t​z​k​i​s​t​i​s​c​h​e​n​-​u​e​b​e​r​g​a​n​g​s​g​a​n​g​s​f​o​r​d​e​r​u​n​g​s​-​d​i​d​a​k​t​i​k​/​#​c​o​m​m​e​n​t​-4727

4. Ich hatte bereits am 21.9. mei­nen Text „10 The­sen zu Methode, Per­spek­tive und Gefähr­dung des NaO-​​Prozesses“ ver­öf­fent­licht:

http://​www​.nao​-pro​zess​.de/​b​l​o​g​/​1​0​-​t​h​e​s​e​n​-​z​u​-​m​e​t​h​o​d​e​-​p​e​r​s​p​e​k​t​i​v​e​-​u​n​d​-​g​e​f​a​e​h​r​d​u​n​g​-​d​e​s​-​n​a​o​-​p​r​o​z​e​sses/.

Mit „Übergangsforderungen“ überzeugen?

Aus einem neuen Arti­kel von mir im NaO-​​blog:

„Mein zen­tra­ler Kri­tik­punkt an dem, was ich mir erlau­ben möchte, mal etwas despek­tier­lich ‘trotz­kis­ti­scher Forderungs-​​Fetischismus’ zu nen­nen, lau­tet nun: Trotz­kis­tIn­nen ver­ste­cken das letzt­li­che Ziel – das, worum unser leni­nis­ti­scher Kampf Ums Ganze letzt­lich geht – hin­ter ihren didak­ti­schen Überg­angs­for­de­run­gen.“

„Ich würde also sagen, die ‚man­geln­den Reife des sub­jek­ti­ven Fak­tors […] in sei­ner vol­len Trag­weite erfas­sen‘ – das heißt: ein­zu­se­hen, daß revo­lu­tio­näre Poli­tik heute nicht auf Mas­se­ne­bene mög­lich ist.“

„M.E. ist weder not­wen­dig noch sinn­voll, daß alle Aktio­nen von (sub­jek­ti­ven) Revo­lu­tio­nä­rIn­nen gleich auf die ‚brei­ten Masse der Kol­le­gin­nen‘ zie­len. Viel­mehr sind unter­schied­li­che Aktio­nen für unter­schied­li­che Ziel­grup­pen not­wen­dig. So war es m.E. sowohl rich­tig und not­wen­dig, an M 31 teil­zu­neh­men, als auch in Block­upy zu inter­ve­nie­ren – um noch ein­mal kon­krete Bei­spiele zu nen­nen.“

„Jeden­falls heut­zu­tage müs­sen die Revo­lu­tio­nä­rIn­nen auch mit den Mas­sen auf der vol­len Höhe der theo­re­ti­schen Kom­ple­xi­tät spre­chen wer­den. Sie müs­sen sys­te­misch (oder bes­ser: struk­tu­rell) argu­men­tie­ren (Für die Über­win­dung von Pri­vat­ei­gen­tum und Waren­pro­duk­tion – und wel­che kom­pli­zier­ten Schritte dahin not­wen­dig sind) und nicht phä­no­me­no­lo­gisch pos­tu­lie­ren: ‚Ban­ken […] ent­eig­nen!‘.“

„Zutref­fend ist das Kon­zept der Überg­angs­for­de­run­gen erst für eine revo­lu­tio­näre Situa­tion (in der viel­leicht den­noch Reform­spiel­räume beste­hen – aber dar­auf kommt es hier nicht ent­schei­dend an) – aber auch dann nicht als didak­ti­sches Kal­kül /​ ‚Trick’, son­dern als Benen­nung der nächs­ten Kampf­schritte, die in der jewei­li­gen Situa­tion geeig­net sind, eine revo­lu­tio­näre Situa­tion in eine Revo­lu­tion zu ver­wan­deln.“

„Wer­den dage­gen wirk­li­che Überg­angs­for­de­run­gen (und eine sol­che scheint mir eher ‚Ban­ken in Besitz neh­men‘ als ‚Ban­ken […] ent­eig­nen‘ zu sein) in nicht-​​revolutionären Situa­tio­nen auf­ge­stellt, so wirkt dies volun­ta­ris­tisch oder sek­tie­re­risch:
Wäh­rend es heute Aus­sicht auf Erfolg hat, vom Staat zu for­dern, daß er (bestimmte) Bank­be­sit­ze­rIn­nen ent­eig­net,
ist heute in der BRD ein aktu­el­les Akti­ons­ziel Inbe­sitz­nahme (i.S.v. Ver­ge­sell­schaf­tung) der Ban­ken (‚Von Ver­ge­sell­schaf­tung kann nur gespro­chen wer­den, wenn die Beschäf­tig­ten in Ver­bin­dung mit der Öffent­lich­keit die Bank­ge­schäfte kon­trol­lie­ren.‘) voll­stän­dig illu­so­risch.“

„Ein agi­ta­to­ri­scher (von lat. agere = [an]treiben) Sprach­stil ist ange­mes­sen in Bezug auf For­de­run­gen, deren Durch­set­zung in der jewei­li­gen poli­ti­schen Kon­junk­tur rea­lis­tisch ist, und in Bezug auf unmit­tel­bare Hand­lungs­op­tio­nen (‚Vor­wärts! Laßt uns über den Zaun der EZB-​​Baustelle klet­tern!‘).
Eine ‚pro­pa­gan­dis­ti­scher‘ (von lat. pro­pa­gare = [wei­ter] aus­brei­ten) Sprach­stil ist not­wen­dig, um für nicht (so) nahe­lie­gende Inhalte zu wer­ben“

„Wir 150 Figu­ren von RSB, SIB, SoKo und IKs kön­nen keine Bank ‚in Besitz neh­men‘ – selbst, wenn uns noch die SAV und ein paar andere unter­stüt­zen wür­den.
Was wir machen kön­nen, ist gedul­dig zu erklä­ren, warum u.E. die gesell­schaft­li­che Inbe­sitz­nahme der Ban­ken und der ande­ren Unter­neh­men eine lang­fris­tig not­wen­dige Kampf­per­spek­tive ist.“