Doku: Für den Kommunismus! (1986)

Ich doku­men­tiere hier das „Für den Kom­mu­nis­mus!“-Papier für den sog. Wider­stands­kon­greß 1986 in Frank­furt am Main, das ich vor eini­ger Zeit in mei­nem Text „Kul­tu­rell zu eng und inhalt­lich zu unbe­stimmt. Kri­ti­sche Anmer­kun­gen zu allzu eupho­ri­sche Ein­schät­zun­gen des Stan­des der Pro­test­be­we­gun­gen“ zustim­mend zitiert hatte.

Der Text „Für den Kom­mu­nis­mus!“ wurde 1986 im Arbei­terkampf. Zei­tung des Kom­mu­nisti­schen Bun­des (Ham­bur­ger Satz-​​ und Ver­lagskooperative) AK 270, 05.05.1986, S. 38 – 39 und er­neut in der Bro­schüre der Kom­munistischen Bri­ga­den, Bei­trag für die Debat­te in der revolutio­nären Bewe­gung Euro­pas. 1. Aus­gabe, Am­sterdam/​Niederlande, 1991, S. 41 – 45 ver­öf­fent­licht.
Der Text wurde 1994/​95 in den bei­den Auf­la­gen der fol­gen­den Bro­schüre nach­ge­druckt:
Bro­schü­ren­gruppe in Zusam­men­ar­beit mit dem ASTA-​​FU sowie Frigga Haug, Wolf­gang Fritz Haug, Wolf Die­ter Narr, Uwe Wesel, Harald Wolf (Hg.)
Für eine neue revo­lu­tio­näre Pra­xis. Triple opp­res­sion & bewaff­ne­ter Kampf.
Eine Doku­men­ta­tion von anti­im­pe­ria­lis­ti­schen, femi­nis­ti­schen, kom­mu­nis­ti­schen Bei­trä­gen zur Debatte über die Neu­be­stim­mung revo­lu­tio­nä­rer Poli­tik 1986-​​1993
Selbst­ver­lag: Ber­lin, 1. Aufl. 1994, 2. Aufl. 1995, 46 – 50.

drei dort ent­hal­tene Tipp­feh­ler habe ich kor­ri­gierte: „eska­la­tion“ (statt: „eska­li­tion“), „durch­gän­gige“ (statt: „durch­gän­gie“), „dadurch“ (statt: „dad­ruch“) und ein über­flüs­sige Leer­zei­chen gelöscht. Die durch­gän­gige Klein­schrei­bung wurde bei­be­hal­ten.

wir sind uns bewußt, daß die­ses papier nur der anfang unse­rer dis­kus­sion ist; einer diskussi­on, die noch weit­ge­hend auf (aller­dings not­wen­dige) kri­tik beschränkt ist, da diese kri­tik aber vom wil­len zur ver­än­de­rung dik­tiert ist, wird sie nicht auf dauer auf bloße kri­tik beschränkt blei­ben.

„DER REVO­LU­TIO­NÄRE KRIEG IST EIN POLITI­SCHER KRIEG“ (Tupama­ros)

wir wol­len mit die­sem papier hier, mit unse­ren überlegun­gen und argu­men­ten in die ausein­ander­setzung ein­grei­fen, die sich zwar an dem letz­ten angriff der RAF ent­wickelt hat, die aber nicht nur dar­auf (auf die­sen angriff) zu redu­zie­ren ist.
die sich in dem angriff auf die Air Base und den gefrei­ten pimen­tal materialisie­rende poli­tik und pra­xis ist nicht das ergeb­nis eines feh­lers, son­dern sie ist der (vor­läu­fige?) hö­hepunkt einer lan­gen ent­wick­lung, an der die gesamte anti­imperia­listische bewe­gung und nicht nur die RAF anteil hat(te).
die ver­sim­pli­fi­zie­rung von kom­ple­xen, viel­schich­ti­gen und kom­pli­zier­ten zusam­menhängen (z.b. „gesamt­sys­tem“), d.h. die ver­fla­chung der poli­ti­schen ana­lyse, gar keine oder mangel­hafte ausein­andersetzung mit mar­xis­ti­schen grund­lagen, außer acht las­sen des his­to­ri­schen pro­zes­ses, aus dem die aktu­el­len angriffe, kämpfe und pro­jekte auch her­aus ent­wi­ckelt wer­den (was zu brü­chen in der kon­ti­nui­tät der kämpfe führt), sub­jek­ti­vis­mus und wunsch­den­ken wir­ken schon seit lan­gem in un­serer poli­ti­schen arbeit, unse­rem den­ken und füh­len, unse­rem poli­ti­schen kampf. inso­fern ist es nur eine logi­sche ent­wi­ckung, daß sich diese feh­ler heute auch in der poli­tik der gue­rilla fortset­zen. das zu erken­nen und zu besei­ti­gen, muß eine der kon­se­quen­zen unse­rer aus­ein­an­der­set­zung sein – da sich ansons­ten die feh­ler der vergan­genheit in fata­ler weise wei­ter­po­ten­zie­ren und die ganze revo­lutionäre kraft, die im kampf der gue­rilla und der orga­ni­sie­rung der anti­im­pe­ria­lis­ti­schen front steckt, sich nicht ent­fal­ten kann, letzt­end­lich sogar die pra­xis kontra­produktiv zu den prokla­mierten zie­len wer­den kann.
eine vor­aus­set­zung für die jetzt anste­hen­den und auch schon lau­fen­den auseinan­dersetzun­gen (die für die fort­entwicklung der anti­im­pe­ria­lis­ti­schen front/​für die ge­samte revo­lu­tio­näre ent­wick­lung in der BRD exis­ten­ti­ell sein wird) ist ein befrei­tes und besitz­lo­ses ver­hält­nis zu kri­tik und selbst­kri­tik, ein ver­hält­nis, das wir gegen­wärtig weder in den dis­kus­sio­nen unter uns (d.h. inner­halb der antiim­perialisti­schen bewe­gung) noch in den erklä­run­gen der RAF der letz­ten zeit fin­den kön­nen.
in die­sem papier wol­len wir unsere wich­tigs­ten widersprü­che zu zen­tra­len politi­schen thesen/​aussagen, die gegen­wärtig die dis­kus­sion und poli­ti­sche pra­xis der ‚front’ be­stimmen, rausar­bei­ten und sie zur dis­kus­sion stel­len.
„… die impe­ria­lis­ti­schen staa­ten kön­nen aus ihrer sub­stantiellen insta­bi­li­tät und dem fort­schrei­tenden ver­lust ihrer legi­ti­mi­tät nur noch ihre potenz zu herr­schen de­monstrieren, sie sind heute mit der tat­sa­che kon­fron­tiert, daß sie für keine ein­zige ihrer maß­nah­men einen passi­ven kon­sens haben, poli­ti­sche ago­nie – das ist die an­dere seite ihrer macht“ (gemein­same erklä­rung von AD und RAF, hervorhebun­gen von den ver­fas­sern des papiers)
„….weil die mili­tär­stra­te­gie zum angel­punkt gewor­den ist, ist auch die poli­tik gestor­ben – bzw. darin kommt sie auf ihren ‚rei­nen begriff’…“ (erklä­rung der gefan­ge­nen aus der RAF zu 77)
„… ihre macht ist mili­tär­stra­te­gie, auf­stands­be­kämp­fung, maschine – aber hohl, nur gewalt, sonst nichts, es ist ihre reak­tion auf die sich ver­ein­heit­li­chende kraft der in­terna­tionalen kämpfe für befrei­ung, auch in west­eu­ropa…“ (hun­ger­strei­ker­klä­rung, dezem­ber 1984)
trotz fort­schrei­ten­den ver­lus­tes sei­ner legi­ti­ma­tion ist es of­fensichtlich, daß der kapi­talismus in den metro­po­len noch über einen „kon­sens“ in der bevöl­ke­rung ver­fügt. die­ser kon­sens ist zwar äußert labil und wird immer öfter durch kurz­fris­tige und begrenzte revol­ten unterbro­chen, aber er ist den­noch vor­han­den. er wird auch wei­terhin beste­hen blei­ben, wenn wir, die ant­ago­nis­ti­sche linke, die kom­ple­xi­tät der metro­po­len­wirk­lich­keit und die des revo­lu­tio­nä­ren kamp­fes negie­ren.
wenn man die impe­ria­lis­ti­sche macht nur noch in der mili­tärstrategie zu erken­nen glaubt und den revo­lu­tio­nä­ren kampf auf „stra­te­gie gegen ihre stra­te­gie“ redu­ziert, ist eine mili­ta­ris­ti­sche politik/​praxis die zwangs­läu­fige folge und damit auch die politi­sche und mili­tä­ri­sche nieder­lage der kom­mu­nis­ten.
„…der begriff der ver­än­der­ten bedin­gung ist: die ausbil­dung des gesamt­sys­tems mit sei­nem kern … der NATO … das heißt gesamt­sys­tem, das unter der unauf­heb­ba­ren he­gemonie des US-​​kapi­tals die kon­kur­rie­ren­den interes­sen von teil­frak­tio­nen des gan­zen, ob natio­nal oder öko­no­misch als teil­frak­tion defi­niert, in der umfas­sen­den krise der kapi­tal­ver­wer­tung regu­liert und gegen den welt­weiten re­volutionären pro­zeß zur aggres­sion, d.h. zum ver­such der siche­rung der herr­schaft auf neuer stufe zu­sammen­faßt…“ (gefan­ge­ner aus der RAF am 10.4. zu den aktio­nen 1981).
der begriff des gesamt­sys­tems, wie er hier gebraucht wird, negiert völ­lig die auch heute beste­hen­den innerimperialisti­schen wider­sprü­che. natür­lich hat der begriff seine berechti­gung, aber in einer defi­ni­tion, die von der hier gebrauch­ten grund­sätz­lich abweicht. lenin hat in sei­ner schrift „der impe­ria­lis­mus als höchs­tes sta­dium des kapi­ta­lis­mus“ die ten­denz zur monopoli­sierung als grund­sätz­li­che eigen­schaft des im­perialismus ana­ly­siert. er betonte dabei aller­dings, daß gerade durch die monopoli­sierung die kon­kur­renz auf höhe­rer (welthandels-​​) ebene fort­ge­setzt wird, da da­durch auch die natio­na­len inter­es­sen, eben durch die monopoli­sie­rung, mit mehr macht, bes­ser durchge­setzt wer­den kön­nen. das hat zur folge, daß sich welt­weit die bedin­gun­gen der ein­zel­nen län­der noch schär­fer aus­ein­an­der ent­wi­ckeln, denn wie könnte die ver­schär­fung der aus­beu­tung (also das ärmer machen des einen teils durch den ande­ren) eine an­gleichung der bedin­gun­gen zur folge haben? „das fi­nanz­kapital und die trusts schwä­chen die unter­schiede im tempo des wachs­tums der ver­schie­de­nen teile der weltwirt­schaft nicht ab, son­dern ver­stär­ken sie….“ (lenin, s.o.). das gilt auch heute noch, z.b. auch für die EG-​​staaten. die BRD ist die wirt­schaftlich stärkste macht, frank­reich hat den wirtsc­haftli­chen anschluss an die BRD nicht geschafft, eng­land ist noch schwä­cher.
dazu kommt, daß der unter­schied zu den stärks­ten wirt­schaftsmächten (BRD, frank­reich, eng­land) einer­seits und den schwa­chen peripherie-​​staaten (irland, bel­gien, por­tu­gal, spa­nien, grie­chen­land) ande­rer­seits, immer wei­ter auf­reißt. die schwä­che­ren drif­ten unter dem mörde­rischen konkur­renzdruck immer wei­ter ab. trotz ähnli­cher maß­nah­men ge­gen die ausgebeute­ten, die sich u.a. in der zuneh­menden mono­po­li­sie­rung und der gleich­zei­tig dazu verlaufen­den ver­nich­tung gan­zer indus­trie­zweige aus­drückt und wodurch in der tat eine teil­weise „anglei­chung der bedin­gun­gen für das euro­päi­sche pro­le­ta­riat“ (zusam­men­schlu­ßer­klä­rung von AD und RAF) geschaf­fen wird, wirkt sich auch die re­aktionäre kri­sen­lö­sungs­stra­te­gie auf­grund der unter­schiedli­chen aus­gangs­be­din­gun­gen im kon­kre­ten end­ef­fekt noch­mal ex­trem unter­schied­lich aus. kür­zun­gen im sozia­len be­reich oder lohnver­luste bedeu­ten hier in der BRD noch­mal was ganz ande­res als z.b. in spa­nien oder bel­gien. des­halb ist es auch unzu­lässig oder ober­fläch­lich von einer „anglei­chung der bedin­gun­gen für das euro­päi­sche prole­ta­riat“ zu reden. die gesam­ten mate­ri­el­len lebensbedingun­gen (die ja wohl als wich­ti­ges mo­ment in einer revolutionä­ren ent­wick­lung aner­kannt sind und blei­ben) z.b. der engli­schen arbei­ter­klasse waren den­je­ni­gen der deut­schen arbei­terklas­se in den 60-​​ziger Jah­ren weit­aus angegliche­ner als sie es heute sind.
die eigen­dy­na­mik des kapi­ta­lis­mus, der per­ma­nente druck von kon­kur­renz und ef­fektivität, erzeugt außer­dem ent­scheidende ent­wick­lun­gen quasi ‚aus sich selbst her­aus’ (auto­ma­tion, massenentlas­sungen, neue tech­no­lo­gien, um­struktierungen etc.), die sie für alle wirt­schaft­lich mitein­an­der in bezie­hung ste­hen­den län­der eben­falls unausweich­lich machen. das führt je­doch auch gleich­zei­tig immer wie­der zu neuen und sich z.t. ver­tie­fen­den wider­sprü­chen in­nerhalb des „gesamt­sys­tems“. es ist für uns, die revolutio­näre linke, unbe­dingt not­wen­dig, diese wider­sprüch­li­che eigen­dy­na­mik des kapi­ta­lis­ti­schen sys­tems und sei­ner or­ganisations­formen und stra­te­gien zu begrei­fen, weil auch darin immer wie­der ansatz­punkte und mög­lichkei­ten lie­gen, die wir in unse­rer pra­xis zu beach­ten haben/​die wir u.U. für uns nut­zen kön­nen.
das sche­ma­ti­sche erklä­rungs­mus­ter der plan­mä­ßi­gen schaf­fung einer „zwei-​​drittel-​​gesell­schaft“ oder des „euro­pa­wei­ten angriffs auf das pro­le­ta­riat“ ver­mit­telt nur die eine hälfte der wahr­heit. so hat z.b. die aus­gren­zung und mas­sen­hafte ver­ar­mung eines drit­tels der metropo­lengesell­schaft zur folge, daß diese men­schen auch nicht oder nur wenig kon­su­mie­ren kön­nen, ergo der euro­päi­sche markt wie­derum noch enger und die absatz­pro­bleme der kapitali­sten noch grö­ßer wer­den. wo sol­len sie ihren scheiß dann noch los­wer­den? viel­leicht nähern wir uns mal dem gedan­ken, daß eine sol­che ent­wick­lung selbst unter kapitalisti­schen ausbeu­tungs-​​gesichtspunk­ten von einem gewis­sen zeit­punkt an kon­tra­pro­duk­tiv wird und so auch wie­der an­dere ver­hält­nisse ein­tre­ten wer­den oder zumin­dest ver­su­che dazu.
wor­auf wir hin­aus­wol­len: daß wir, der revo­lu­tio­näre wider­stand, end­lich kapie­ren müs­sen, daß die herr­schen­den nicht so ein­fach nur vom plan­qua­drat ihrer chefeta­gen aus strate­gien und pro­jekte ent­wer­fen kön­nen und sie dann auch punkt für punkt durch­set­zen kön­nen (was schnell die hor­ror­vi­sio­nen von „ent­schei­dungs­schlacht“, „eli­mi­nie­rung des ant­ago­nis­mus“, „welt­fa­schis­mus“ usw. her­vor­bringt), son­dern, daß in der wirk­lich­keit des kapi­ta­lis­mus und des­sen kri­sen­lö­sungs­stra­te­gien immer wie­der neue wider­sprü­che auf­rei­ßen, die die imperiali­stischen pro­jekte behin­dern, in Frage stel­len, ver­än­dern.
die ungleich­zei­tig­keit der kapi­ta­lis­ti­schen ent­wick­lung und die unter­schied­lich star­ke auswir­kung der krise in den ver­schiedenen euro­päi­schen staa­ten kön­nen z.b. auch zur un­terschiedli­chen ent­wicklung oder bes­ser: zu noch unter­schiedlicheren ent­wick­lun­gen von klas­sen­kämp­fen und ten­den­zen zur revo­lu­tio­nä­ren umwäl­zung füh­ren, die situa­tion in spa­nien ist z.b. heute schon extrem ver­schieden zu der in ande­ren euro­päi­schen län­dern, die kon­fron­ta­tion am weite­sten zuge­spitzt… diese rea­li­tä­ten müs­sen wir zur kennt­nis neh­men, wenn wir wirk­lich­keits­nahe und rea­lis­ti­sche poli­ti­sche stra­te­gien für unse­ren kampf hier in der BRD entwic­keln wol­len.
der sche­ma­ti­sche begriff von „gesamt­sys­tem“ und „anglei­chung der bedin­gun­gen“ erschlägt alle diese not­wendigen dif­fe­ren­zie­run­gen und ver­stellt den weg für ge­nauere ana­ly­sen. gleich­zeitig ent­ste­hen dar­aus abs­trakte und sche­ma­ti­sche vor­stel­lun­gen von revo­lu­tio­nä­rer pra­xis in der metro­pole, wonach die ent­wick­lung der kämpfe, die ent­wicklung von klas­sen­be­wußt­sein im jewei­li­gen land weder als aus­gangs­punkt noch als ziel für die kon­krete revolutio­näre pra­xis begrif­fen wer­den. was dann nur noch zählt, ist ein genauso sche­ma­ti­scher und undifferenzier­ter bezug auf „front­ab­schnitt“ im inter­na­tio­na­len klas­sen­krieg. unklar bleibt, wie wir in der BRD, als teil des „front­ab­schnitts west­eu­ropa“, über­haupt auf diese weise zu einer politisch-​​mili­tärischen kraft wer­den kön­nen, die in der lage ist, tat­säch­lich mal ne rolle im internationa­len kräf­te­ver­hält­nis ein­zu­neh­men. mehr­mals auf­ge­fal­len ist uns dar­über hin­aus, daß in vie­len papie­ren, egal ob sie aus dem wider­stand, von der RAF oder gefan­ge­nen aus der RAF stam­men, bei­spiele für die ent­wick­lung des gesamt­sys­tems ange­führt wer­den, die ledig­lich die ebene der repres­sion betref­fen. z.b. „…seit sich gegen die offen­si­ven der gue­rilla hier 77 und in ita­lien 78, dann 80 gegen die volks­kämpfe in der tür­kei das US-​​inter­esse und der impe­rialismus als gesamt­sys­tem auf­gerichtet hatte…“ (gefan­gene aus der RAF am 10.4. zu den aktio­nen 1981). wir wis­sen aber, daß es keine ent­wick­lung aus den letz­ten jah­ren oder jahr­zehnten ist, daß das kapi­tal gegen ei­nen gemein­sa­men feind ge­meinsam vor­geht. schon 1871, wäh­rend des deutsch-​​französischen krieg, wurde die pari­ser com­mune gemein­sam vom deut­schen und französi­schen staat zer­schla­gen. danach bil­de­tet sich die sog. „hei­lige al­lianz“ gegen den inter­na­tio­na­len sozia­lis­mus. wenn wir daran erin­nern (es lie­ßen sich unend­lich viele wei­tere bei­spiele anfüh­ren), negie­ren wir dabei nicht die stän­dig zu­nehmende zu­sammenarbeit der impe­ria­lis­ti­schen staa­ten bei der bekämp­fung revo­lu­tio­nä­rer orga­ni­sa­tio­nen. kein revolu­tionär ist nicht mit der tat­sa­che kon­fron­tiert, daß die konter­revolutionäre zusam­menarbeit gerade auch in west­eu­ropa heute schon auf allen ebe­nen (gesetz­ge­bung, jus­tiz, propa­ganda und natür­lich erst recht in der exe­ku­tive) ein sehr ho­hes niveaus erreicht hat und daß die NATO dabei eine wich­tige rolle ein­nimmt. aber auch die­sen pro­zeß muß man diffe­renzierter unter­su­chen: nach jahr­zehn­ten der rela­tiven ruhe ent­wi­ckelte sich seit dem ende der 60er jahre in vie­len west­eu­ro­päi­schen län­dern erneut der politisch-​​militä­rische kampf für den kom­mu­nis­mus. aus die­ser revolutio­nären ent­wick­lung ergab sich für alle west­eu­ro­päi­schen staa­ten nach kur­zer zeit die not­wen­dig­keit einer mög­lichst weitge­hend koor­di­nier­ten zusam­men­ar­beit. da zwi­schen den west­eu­ro­päi­schen staa­ten bei der gemein­sa­men be­kämpfung der west­eu­ro­päi­schen gue­rilla eine weit­ge­hende interes­seni­dentität vor­herrscht, blie­ben und blei­ben die real exi­stierenden inner­ka­pi­ta­lis­ti­schen wider­sprüche in die­ser frage rela­tiv unbe­deu­tend – rela­tiv! denn selbst im gemein­sa­men kampf gegen revo­lu­tio­näre orga­nisationen und bewe­gun­gen und staa­ten sind die impe­ria­lis­ti­schen staa­ten nicht ein wi­derspruchs­freier und per se inter­es­sen­glei­cher block.
inter­es­sen­ge­gen­sätze tre­ten bei ihnen – wie schon gesagt – zwar nur im gerin­gen maße bei der be­kämpfung der westeu­ropäischen gue­rilla auf, wer­den aber von der ein­schät­zung und be­kämpfung revo­lu­tio­nä­rer organisatio­nen/​bewegungen/​staaten ökono­mi­sche und poli­ti­sche inter­essen tan­giert, machen sich oft „risse“ inner­halb des impe­rialistischen lagers bemerk­bar; risse, die nicht nur ver­ba­ler und pro­pa­gan­dis­ti­scher art sind, son­dern die sich oft auch sehr mate­ri­ell auf die verhaltenswei­sen ein­zel­ner staa­ten/​regierungen aus­wir­ken. bei­spiel dafür ist der kon­flikt um die frage der offe­nen mili­tä­ri­schen inter­ven­tion der USA in Nica­ra­gua inner­halb der NATO, aber auch die letz­ten mona­te haben das mehr­mals deut­lich gemacht (achille lauro/​italien, aus­wei­sung von paläs­ti­nen­sern aus griechen­land, lybien). selbst die aktu­el­len mil­li­ar­den­ge­schäfte zwi­schen unter­neh­men aus der BRD und der Sowjet­union (es geht dabei um 15 mil­li­ar­den DM) wir­ken sich mit sicher­heit auf die hal­tung der BRD-​​regierung aus, die eska­la­tion gegen lybien mit­zu­tra­gen oder nicht.
warum das alles negie­ren? zumal die kon­se­quenz aus der exis­tenz der inne­rim­pe­ria­lis­ti­schen wider­sprü­che für revo­lutionäre in der BRD und WE heute nicht hei­ßen kann, un­sere pra­xis auf das auf­spüren und aus­nutz­ten die­ser wider­sprüche aus­zu­rich­ten. ohne abstri­che an ihrer revolutionä­ren poli­tik und pra­xis zu machen, nutzte die RAF in der mitte der 70er jahre die damals auch unter den kapitalisti­schen regie­run­gen west­eu­ro­pas beste­hen­den widersprü­che gegen die vor­herr­schaft der BRD in WE in der euro­päi­schen kam­pa­gne gegen die „ger­ma­ni­sie­rung euro­pas“ aus und be­hin­derte damit die pläne des BRD-​​imperialismus erheb­lich. heute gibt es weitere/​andere innerim­perialistische wider­sprüche, mor­gen ent­wi­ckeln sich neue….. sie negie­ren nutzt den impe­ria­lis­ten, scha­det den revo­lu­tio­nä­ren!
wir den­ken, daß das „gesamt­sys­tem“ und die „gleich­zei­tig der anti­im­pe­ria­lis­ti­schen kämpfe“ inner­halb der ‚front’ glei­chermaßen ober­fläch­lich ‚ana­ly­siert’ wer­den. vorab: die wir­kung der gleich­zei­tig der anti­im­pe­ria­lis­ti­schen kämpfe ist ein bestän­di­ger bestand­teil aller antikapitalisti­schen und anti­im­perialistischen kämpfe. sie ist keine ent­wick­lung der letz­ten jahre, sie ist ein imma­nen­ter bestand­teil aller kämpfe gegen die bour­geoi­sie. so wurde der nazi­fa­schis­mus z.b. durch die gleich­zei­tig­keit der kämpfe der alba­ni­schen und jugoslawi­schen par­ti­sa­nen, der fran­zö­si­schen und nieder­ländi­schen, des nor­we­gi­schen und pol­ni­schen wider­stands, des kamp­fes der sowje­ti­schen par­ti­sa­nen und der roten armee und….und…. zer­schla­gen. wei­tere bei­spiele las­sen sich in der revo­lu­tio­nä­ren geschichte viele fin­den. aller­dings sehen diese bei­spiele anders aus als die von den genos­sen aus der RAF beschrie­be­nen:
„…ihr zusam­men­schluß zum homo­ge­nen konterrevolutio­nären block, den sie brau­chen, um die mili­tä­ri­sche offen­sive poli­tisch durch­zu­hal­ten, ist aber weder ganz vollzo­gen noch ist er abgesi­chert. gleich­zei­tig ist es so, daß die revo­lu­tio­nä­ren kämpfe, so unter­schied­lich die bedingun­gen und ver­schie­den weit sie ent­wi­ckelt sind, in ihrer wir­kung schon zusam­men in diese offen­sive ein­grei­fen und ihren kon­kre­ten zie­len zuvor­kom­men.
die New Jer­sey, die im liba­non mit den schwers­ten bom­bardierungen seit dem viet­nam­krieg doch noch einen ame­ri­ka­ni­schen sieg erzwin­gen sollte – hin­ter­her hat ein pentagon-​​beam­ter gesagt, daß es dort jetzt aus­se­hen müßte wie auf dem mond – haben sie dafür aus El Sal­vador abgezo­gen, wo sie kurz vor­her hin­ver­legt wor­den war, um die zivil­be­völ­ke­rung zu­sammenzuschießen und so die gue­rilla zu iso­lie­ren…“ (erklä­rung der gefan­ge­nen aus der RAF zu 77) .
behaup­tet wird in die­ser erklä­rung also fol­gen­des: wenn die eska­la­tion 1982 im liba­non (die auch die ver­le­gung der New Jer­sey von El Sal­va­dor hin zum liba­non ‚not­wen­dig’ ge­macht haben soll) nicht auf­ge­tre­ten wäre, dann hät­ten die USA damals in El Sal­va­dor direkt und unmit­tel­bar militä­risch inter­ve­niert („…um die zivil­be­völ­ke­rung zusammenzu­schießen…“) diese behaup­tung ist nicht nur durch nichts belegt, son­dern im gegen­teil: alle tat­sa­chen spre­chen ein­deutig dage­gen, diese behaup­tung negiert völ­lig die damali­ge (die beschie­ßung des liba­non durch die new jer­sey fand 1982 statt) und auch noch gegen­wär­tige US-​​strategie gegen El Sal­va­dor, Nica­ra­gua und dem ge­samten mittelamerikani­schen raum. die USA grün­den die contra-​​banden und to­desschwadrone. sie bil­den und rüs­ten sie aus, sie rüs­ten und bil­den die reak­tio­nä­ren armeen mit­tel­ame­ri­kas aus, darun­ter auch die El Sal­va­dors, sie inter­ve­nie­ren in den krieg gegen das el sal­va­do­ria­ni­sche volk dar­über, daß sie mit­tels militär­berater die­sen krieg bestim­men und lei­ten, aber sie vermie­den und ver­mei­den bis­lang (was nicht für alle zei­ten bedeu­tet, d.h. auf­grund bestimm­ter ent­wick­lun­gen sich unter um­ständen auch rela­tiv schnell ändern kann) die eigene offene mili­tä­ri­sche inter­ven­tion – was eine sol­che wie oben be­schriebene beschie­ßung durch die New Jer­sey bedeu­tet hätte. eine offene und direkte mili­tärische inter­ven­tion ver­suchen die USA u.a. auch wegen der exis­tenz der innerim­peria­listi­schen wider­sprü­che (selbst von der gefahr eines aus­ein­an­der­bre­chens der NATO wird in die­sem zusam­menhang gere­det!) zu ver­hin­dern, vor allem aber wegen der unüberschauba­ren eskala­tion des revo­lu­tio­nä­ren wider­stands im gesam­ten latein-​​ und mit­tel­ame­ri­ka­ni­schen konti­nent.
die revo­lu­tio­nä­ren kämpfe in ver­schie­de­nen län­dern der er­de wir­ken also sehr wohl zusam­men, aber nicht in der wie oben (zitat) ver­sim­pli­fi­zier­ten art und weise. eine interventi­on in El Sal­va­dor /​ in mit­tel­ame­rika wurde bis­lang durch die oben genann­ten fak­to­ren ver­hin­dert; fak­to­ren, die für den liba­non in der art nicht exis­tent waren und sind und in denen die kämpfe im liba­non nur eine sehr unter­ge­ord­nete rolle spie­len konn­ten. mit sicher­heit bestand wäh­rend der gesam­ten phase (1982) für den US-​​imperialismus das pro­blem nicht in einem zu schwa­chen mili­tär­po­ten­tial, wie die angeb­li­che ver­le­gung der New Jer­sey glau­ben machen soll. wir sind der ansicht, daß die poli­ti­sche situa­tion in mittel­amerika und dem nahen osten, hier auch noch­mal spe­zi­ell liba­non, in keins­ter weise zu ver­glei­chen ist. in mittelame­rika ist die revo­lu­tio­näre ent­wick­lung so weit vorangeschrit­ten, daß eine US-​​intervention in El Salva­dor sich zumin­dest zu einem „step­pen­brand“ in der ge­samten region aus­deh­nen kann. im Nahen Osten ist die revo­lu­tion sehr viel schwä­cher ent­wi­ckelt. wenn man fest­stellt, daß die revo­lu­tio­nä­ren kämpfe in ihrer wir­kung zusam­men­kom­men und me­cha­nisch dar­aus fol­gert, daß eine mili­tä­ri­sche inter­ven­tion im li­banon eine (gleich­zei­tige) in El Sal­vador unmög­lich macht, leug­net man im grunde diese unter­schiede.
wir fra­gen uns daher, wie weit die behaup­tung fun­diert ist, daß die revo­lu­tio­nä­ren kämpfe… ihren kon­kre­ten zie­len zu­vorkommen? gerade im liba­non, kann davon ja wohl keine rede sein. sicher, das lang­fris­tige ziel, die befrie­dung und gleich­zei­tige beherr­schung, ist nicht voll er­reicht. was aber erreicht ist, ist die weit­ge­hende zer­schla­gung von struk­tu­ren, die von palästi­nensischen revo­lu­tio­nä­ren und ihren organi­sationen über jahre hin­weg auf­ge­baut wur­den (bekaa-​​ebene z.b.). in die­sem zusam­men­hang sehen wir auch den abzug der mul­ti­na­tio­na­len ‚frie­dens­truppe’. sie muß­ten feststel­len, daß ihre direkte mili­tä­ri­sche prä­senz alle im liba­non vorhan­denen kräfte einte (natür­lich oft nur auf druck der jewei­li­gen basis). diese ein­heit und die stärke der kämpfe, die aus ihr her­aus mög­lich wur­den, hat schließ­lich zum abzug der trup­pen geführt. ein erfolg des liba­ne­si­schen und palästi­nensischen vol­kes, der kei­nes­falls in frage gestellt wer­den kann. nach dem abzug der trup­pen ist aber durch den impe­rialismus eine situa­tion im liba­non geschaf­fen wor­den, in der die revo­lu­tio­nä­ren kräfte in auseinanderset­zung mit is­lamischen fun­da­men­ta­lis­ten, christ­li­chen faschis­ten etc… absor­biert wer­den. vom völ­li­gen schei­tern und einer voll­ständigen nie­der­lage der impe­ria­lis­ten im liba­non kann also kei­nes­falls gespro­chen wer­den.
wir fra­gen daher die genos­sen aus der RAF und den tei­len des wider­stands (die die hier hin­terfrag­ten und kri­ti­sier­ten ‚ana­ly­sen’ in viel­fäl­ti­ger art auf­ge­grif­fen haben), was wollt ihr mit die­sen offen­sicht­lich fal­schen behaup­tun­gen bele­gen?
wir sehen uns zu die­ser frage gezwun­gen, weil das offen­sichtlich fal­sche an tei­len (wich­ti­gen tei­len) der ‚ana­ly­sen’ für uns nicht mehr erklär­bar ist und wir uns dadurch des ein­drucks nicht mehr er­wehren kön­nen, daß diese art der ‚ana­ly­sen’ in ers­ter linie dazu die­nen soll, eine mili­ta­ris­ti­sche poli­tik mit dem anschein der legitimation/​der not­wen­dig­keit zu ver­se­hen. da­durch, daß
- daß mili­tä­ri­sche poten­tial des impe­ria­lis­mus im zusam­menhang mit dem „zusam­men­wir­ken der kämpfe“ herun­tergespielt wird,
- das „zusam­men­wir­ken der kämpfe“ auf die mili­tä­ri­sche ebene redu­ziert wird (TWA z.b.)
- ins­ge­samt eine ganz neue ent­wick­lungs­phase der interna­t­ionalen kämpfe und ihres zusam­men­wirkens behaup­tet wird (die als fol­ge­er­schei­nung die kri­te­rien für coun­ter und revo­lutio­näre aktion auf den kopf stel­len sol­len – siehe eins der vor­be­rei­tungs­pa­piere zum kon­greß, in dem bezug auf die anschläge der faschis­ten auf US-​​soldaten genom­men wird.
- die gesamte reor­ga­ni­sa­tion des kapi­ta­lis­ti­schen sys­tems /​ des impe­ria­lis­mus als eine entwick­lung dar­ge­stellt wird, die alleine der mili­tä­ri­schen lösung unter­ge­ord­net sei („ent­schei­dungs­schlacht“, „kriegs­öko­no­mie“),
- die poli­ti­sche ebene der impe­ria­lis­ti­schen stra­te­gien und seine inte­gra­ti­ons­fä­hig­keit (zumin­dest in den metro­po­len) völ­lig negiert und sogar abge­strit­ten wird (siehe erklä­rung zu77),
- die tota­li­tät des „gesamt­sys­tem“ wie­derum weit über­höht und die inne­rim­pe­ria­lis­ti­schen wider­sprü­che als irre­le­vant oder als nicht vor­han­den dar­ge­stellt wer­den,
dadurch wird zwin­gend der ein­druck erweckt, daß es mög­lich ist, den impe­ria­lis­ti­schen krieg/​das gesamte imperialisti­sche sys­tem aus­schließ­lich auf ‚sei­ner’ ebene, näm­lich der mili­tärischen, zu bekämp­fen und schließ­lich zu besei­ti­gen, eine illu­sion, die ver­hee­rende fol­gen haben muß.
„…die härte, mit der die impe­ria­lis­ten jetzt auf allen ebe­nen und an allen fron­ten krieg füh­ren, liegt in ihrem ziel: sie begrei­fen ihn als ent­schei­dungs­schlacht, weil sie nach dem ein­bruch in viet­nam die siche­rung ihrer macht nur noch in der voll­stän­di­gen eli­mi­nie­rung des antagonis­mus für mög­lich hal­ten…“ (gefan­gene aus der RAF zu 77).
auch diese aus­sage kann ja nur bedeu­ten, wenn die schwei­ne jetzt den ant­ago­nis­mus ausrot­ten wol­len, wir jetzt gefor­dert sind: ent­we­der oder….
wie man zu einer sol­chen ein­schät­zung kom­men kann, bleibt uns ein rät­sel, wis­sen wir doch späte­stens seit Karl Marx, daß es zum wesen des kapi­ta­lis­mus gehört, sei­nen ant­ago­nis­mus selbst zu pro­du­zie­ren, denn zur aus­beu­tung gehört auch der, der aus­ge­beu­tet wird und aus die­ser aus­beu­tungssituation her­aus immer wie­der den wider­stand dage­gen organi­siert/​entwickelt… so ist es also eine in sich wider­sprüch­li­che aus­sage, daß der impe­ria­lis­mus sei­nen an­tagonismus ausrot­ten könne, was ja damit gemeint sein muß; denn daß er es will, aber nicht kann, ist ebenso alt wie in die­sem zusam­men­hang bedeu­tungs­los. uns darf es also nicht darum gehen, irgend­eine „ent­schei­dungs­schlacht“ zu gewin­nen, son­dern die revo­lu­tion im eige­nen land (als teil des weltre­volutionären pro­zes­ses) vor­an­zu­trei­ben. dabei ist die frage, ob ‚natio­nale revo­lu­tio­nen mög­lich sind oder nicht’ für uns über­haupt keine frage. diese frage ist für kom­mu­nis­ten in jeder hin­sicht bedeu­tungslos! ent­schei­dend ist näm­lich, daß wir nur aus der revo­lu­tio­nie­rung unse­rer rea­li­tät und ge­genwart, d.h. aus unse­ren natio­na­len bedin­gungen und kämp­fen zu einer kraft wer­den kön­nen, die na­tional und inter­na­tio­nal eine revo­lutionäre rolle einzu­neh­men in der lage ist.
wir hal­ten daher die frage nach der mög­lich­keit einer ‚natio­na­len revo­lu­tion’ für ablen­kend und irre­führend und möch­ten vor­schla­gen, daß die hier ver­sam­mel­ten genos­sen eine dis­kus­sion (hier und zu hause) dar­über ein­lei­ten, ob wir uns zukünf­tig nicht das debat­tie­ren von und ori­en­tie­ren an be­langlosen fra­gen grund­sätz­lich erspa­ren soll­ten. lei­der ha­ben wir die ar­beitspapiere zum kon­gress erst vor weni­gen tagen erhal­ten, daher konn­ten wir uns mit die­sen papie­ren noch nicht in der not­wendigen aus­führ­li­chen art und weise aus­ein­an­der­set­zen. das glei­che pro­blem hat­ten wir im grun­de mit der gesam­ten kon­gress­vor­be­rei­tung, die kurzfristig­keit, die nicht geführ­ten dis­kus­sio­nen in grö­ße­ren zusam­menhängen – das alles erschwerte eine kon­struk­tive (mit-)arbeit an die­ser phase zum auf­bau der anti­im­pe­ria­lis­ti­schen front. wir stel­len uns den kampf um die „ein­heit“ und um’s „zusam­men­kom­men“ grund­sätz­lich anders vor und erwar­ten (von uns und ande­ren), daß dar­aus für die zukunft in jeder hin­sicht konse­quenzen gezo­gen wer­den. wir wer­den uns jetzt dar­auf beschrän­ken müs­sen, uns mit den wich­tigs­ten punk­ten der (uns vor­lie­gen­den) arbeits­pa­piere auseinander­zusetzen – und zwar mit den punk­ten, über die wir in den arbeits­grup­pen dis­ku­tie­ren wol­len.

ZUSAM­MEN­WIR­KEN DER KÄMPFE WELT­WEIT

daß revo­lu­tio­näre kämpfe/​entwicklungen welt­weit die kräfte des impe­ria­lis­mus zer­split­tern könn­ten und so auch sei­ner fähig­keit zur mili­tä­ri­schen intervention/​eskalation gren­zen gesetzt wer­den, ist ne grund­sätz­lich rich­tige – aber auch nicht neue – tat­sa­che. aller­dings hat die­ses „zusam­men­wir­ken“ bestimmte kri­te­rien, die erfüllt sein müs­sen, sonst ist weder objek­tiv noch sub­jek­tiv ein zusam­men­wir­ken vor­han­den. nicht die tat­sa­che, daß kämpfe in ver­schie­de­nen regio­nen zum glei­chen zeit­punkt lau­fen, macht bereits ihr zusam­men­wir­ken aus, son­dern die frage nach der poli­ti­schen iden­ti­tät ist dafür bestim­mend. also, gegen wen sich die kämp­fe rich­ten und für was gekämpft wird, um wel­che klas­sen­po­si­tion, wel­che gesell­schaft­li­chen ziele. gegen wel­chen feind und für wel­che eige­nen vorstel­lungen – das ist nicht von­ein­an­der zu tren­nen und macht die poli­ti­sche iden­tität des kamp­fes aus. dann erst ist die „objek­tiv anti­im­pe­ria­lis­ti­sche wir­kung“ gege­ben (damit be­ziehen wir uns z.b. auf die auseinanderset­zung um die TWA-​​entführung – wem nützt sie?) nach die­sem kri­te­rium kann man auch nicht ein­fach kämpfe von ganz unterschied­licher poli­ti­scher iden­tität zusam­men­wer­fen und be­haupten, sie wür­den sich auf­ein­an­der bezie­hen. das brau­chen wir doch nur mal an uns selbst zu über­le­gen (dis­kus­sion 1982 um die anschläge der faschis­ten gegen US-​​soldaten). das „zusam­men­wir­ken“ ist dar­über hin­aus auch ne frage, wie weit der revo­lu­tio­näre pro­zeß in den jewei­li­gen regio­nen tat­sächlich ent­wi­ckelt und ver­an­kert ist. also, wie gefähr­lich der jewei­lige pro­zeß in sei­ner aktu­el­len ent­wick­lung und per­spek­ti­vi­schen explo­si­ons­kraft für den im­peria­lismus ist.
und genau bei die­ser frage sind wir mit uns selbst konfron­tiert. wenn wir von dem, was rich­tig ist am „zusam­men­wir­ken der kämpfe“ aus­ge­hen, müs­sen wir uns selbst­kri­tisch fra­gen, wie wir hier in der metro­pole BRD über­haupt so stark wer­den kön­nen, daß wir unse­ren (rich­ti­gen) internationali­stischen anspruch erfül­len kön­nen und uns statt­des­sen nicht in wunsch­vor­stel­lun­gen erge­hen. nur wenn wir uns diese frage poli­tisch beant­wor­ten, wer­den wir in der lage sein, sie auch prak­tisch zu beant­wor­ten, d.h. auch: irgend­wann ein rele­van­ter fak­tor (auch) im internatio­nalen kräf­te­ver­hält­nis sein. und an die­ser stelle kom­men wir nicht an der frage vor­bei, ob die aktion im august (pimen­tal und air base) neue bestim­mung und neuer weg für den re­vo­lutionären pro­zeß hier sein kann – oder ob sie nicht viel­mehr die­sem pro­zeß scha­det. wir mei­nen, letz­te­res.
der bezug auf die inter­na­tio­nale ent­wick­lung der kämpfe bringt uns nicht wei­ter, wenn wir es nicht schaf­fen, in der stra­te­gie der anti­im­pe­ria­lis­ti­schen front die natio­na­len und die internatio­nalen bedin­gungen mit­ein­an­der zu ver­bin­den. genau das war die bestim­mung der poli­tik der RAF von an­fang an. sie ist immer noch rich­tig!
wir kön­nen nicht ver­ste­hen, daß in papie­ren zum kon­gress sei­ten­lange ana­ly­sen über die inter­na­tio­nale situa­tion, über das gesamt­sys­tem und die ent­wick­lung des wider­stands hier bis zum som­mer 85 ent­wi­ckelt wer­den – und an der ent­scheidenden frage, die für uns /​ für die ganze wei­tere ent­wicklung hier exis­ten­ti­ell ist (eben weil die gesamte antiim­perialistische front/​jede revo­lu­tio­näre poli­tik und pra­xis da­von berührt ist), nach nen hal­ben jahr dazu nur kommt: „…womit wir schwie­rigkeiten haben, ist die genaue be­stimmung für den pro­zeß hier, wohin die eska­la­tion und pola­risierung in die tiefe der gesell­schaft genau lau­fen soll…“ und gleich­zei­tig kri­tik an den aktio­nen sich redu­ziert auf das ver­mitt­lungs­pro­blem und das ver­hält­nis der gue­rilla zum wider­stand, was sich darin aus­drückt. es ist ein­fach ein absolu­ter wider­spruch zwi­schen dem ver­hält­nis, mit dem die genos­sen sich mit der inter­na­tio­na­len situa­tion und den stra­te­gien der herr­schen­den auseinander­setzen und dem ver­hält­nis, mit dem die poli­ti­schen aus­wir­kun­gen der neuen bestim­mung /​ des neuen weges auf die situa­tion hier in der metro­pole BRD dis­ku­tiert wer­den. dar­über wol­len wir auch auf dem arbeits­kreis spre­chen.
wie in ver­schie­de­nen papie­ren zum kon­gress for­mu­liert wurde, geht es nicht um die bor­nierte vor­stel­lung von „natio­na­ler revo­lu­tion“. das ver­fälscht das eigent­li­che pro­blem. weil ganz unab­hän­gig von der rele­vanz der frage, ob eine „natio­nale revo­lu­tion“ in der metro­pole (oder auch in der sog. 3. welt) noch mög­lich ist oder nicht, es eine unum­stößliche tat­sa­che ist, daß wir die kräfte für ne revo­lu­tio­näre ent­wick­lung hier aus der situa­tion und den bedin­gun­gen der brd ent­wi­ckeln müs­sen.
auch da wo wir uns mit dem impe­ria­lis­ti­schen gesamtsy­stem aus­ein­an­der­set­zen, kom­men wir zu den glei­chen fra­gen, wenn wir kon­se­quent an den ergeb­nis­sen der ana­ly­sen weiterüberle­gen.
in erklä­run­gen und tex­ten von gefan­ge­nen, von der gue­rilla und dem wider­stand und in den ers­ten kon­gress­pa­pie­ren wurde das „impe­ria­lis­ti­sche gesamt­sys­tem“ als eine art mo­nolithi­scher block beschrie­ben. die tat­sa­che, daß das kapita­listische sys­tem aus sei­ner eigen­dy­na­mik zahl­rei­che wider­sprü­che gesetz­mä­ßig und stän­dig neu her­vor­bringt, die sich auf alle ande­ren ebe­nen aus­wir­ken, daß es natio­nale, histori­sche usw. wider­sprü­che inner­halb der imperiali­sti­schen mächte gibt, wurde über­wie­gend negiert, überse­hen oder für nicht rele­vant gehal­ten bzw. ein­fach die unter­ordnung die­ser wider­sprü­che unter die gesamtimperialisti­schen interes­sen behaup­tet, der impe­ria­lis­mus wurde dar­auf redu­ziert, daß seine stra­te­gie nur noch auf mili­tä­ri­sche lö­sungen abziele, daß er nicht mehr in der lage sei, für die durch­set­zung sei­ner inter­es­sen auch poli­ti­sche mechanis­men anzu­wen­den. die kon­se­quente folge einer sol­chen sche­ma­ti­schen (und fal­schen) ana­lyse besteht in der vorstel­lung, daß nun die zeit gekom­men sei, für die revo­lu­tio­näre in den metro­po­len, nur noch auf mili­tä­ri­scher ebene (stra­te­gie gegen ihre stra­te­gie) gegen des US-​​imperialismus zu kämp­fen. ergo: air­base und pimen­tal. ein sol­ches welt­bild/​eine sol­che ‚ana­lyse’ bil­det den poli­ti­schen hin­ter­grund für das abglei­ten der revolutio­näre in mili­ta­ris­ti­sche strate­gien.
in den neus­ten papie­ren zum kon­gress ist eine an vie­len stel­len dif­fe­ren­zierte auseinanderset­zung mit dem ‚impe­ria­lis­ti­schen gesamt­sys­tem, des­sen macht nur noch mili­tär­stra­te­gie ist’ wiedergege­ben. ange­fan­gen bei der er­kenntnis, daß „die gro­ßen sprü­che der impe­ria­lis­ten und das, was sie in bestimm­ten situa­tio­nen tat­säch­lich ver­wirklichen kön­nen, zwei ver­schiedene dinge sind…“ (was uns sicher auch von der erdrü­cken­den welle von schulz-​​ und weinberger-​​zitaten befreien wird) bis dazu, daß „das kräf­te­ver­hält­nis immer in kon­kre­ten kämp­fen ent­schie­den wird, und so auch die harte hal­tung nichts end­gül­ti­ges ist…“ oder daß „die impe­ria­lis­ten ein­fach an jeder einzel­nen stelle neu kal­ku­lie­ren müs­sen, ob der politi­sche scha­den, die kurz-​​ und län­ger­fris­ti­gen fol­gen einer militärisch­en ver­gel­tungs­ak­tion, einer inter­ven­tion oder die durch-​​ bzw. nicht­durch­set­zung eines pro­jekts in den zen­tren grö­ßer sind als der nut­zen….“
diese ein­schät­zun­gen kom­men der wirk­lich­keit schon um eini­ges näher. vor allem ist daran wich­tig für uns, daß die wider­sprü­che inner­halb des impe­ria­lis­mus oder auch die poli­ti­schen, ökonomi­schen gren­zen, an die er stößt, oder die grat­wan­de­rung zwi­schen militäri­schen/​repressiven strate­gien einer­seits und poli­ti­schen aus­wir­kun­gen ande­rer­seits… daß das alles berei­che sind, in denen sich für uns, für die re­volutionären kräfte, immer wie­der raum eröff­net, wo wir auch wir­kung erzie­len können/​müssen. damit mei­nen wir nicht ne poli­tik, die sich nur an den wider­sprü­chen der impe­ria­lis­ten ori­en­tiert. aber wenn wir an den ein­zel­nen wider­sprüchen wei­ter überlegen,nehmen wir als bei­spiel das pro­blem der poli­ti­schen gren­zen, an die der impe­ria­lis­mus stößt, dann wird daran deut­lich, daß für die revo­lu­tio­nä­ren kräfte genau auch die­ses ter­rain wich­tig ist, wo wir eben­falls siege errin­gen kön­nen durch die politi­sche wir­kung unse­res han­delns, der aktion, der mobilisie­rung, der täg­li­chen klein­arbeit und so ver­ste­hen wir den satz der tupama­ros: „DER REVOLUTIO­NÄRE KRIEG IST EIN POLI­TISCHER KRIEG.“ das ist die ‚schärfe’ des krie­ges in den metropo­len, wie wir sie begrei­fen.
was jedoch in den papie­ren zum kon­gress auf­fällt, daß auch beim bereich „gesamt­sys­tem“ die schluß­fol­ge­rung aus den inzwi­schen dif­fe­ren­zier­te­ren ein­schät­zun­gen nicht gezo­gen wer­den oder nicht als kri­te­rien für die aus­ein­an­der­set­zung mit den aktio­nen im august mit ein­be­zo­gen wer­den. wür­den sie das, wäre auch an die­ser stelle der wider­spruch zu die­ser neuen bestim­mung eine zwangs­läu­fige folge. gerade da bre­chen die über­le­gun­gen jedoch ab.

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