Fünf Fragen an den Gen. khs --- [jetzt mit 2.d) als Nachtrag]

1. Habe ich rich­tig ver­stan­den, daß Du nicht nur die Ant­wort der SIB an die Antifa Basis­gruppe, son­dern auch mei­nem Vor­schlag für die Aus­for­mu­lie­rung der Essen­ti­als vor­wirfst, die „Klas­sen­ori­en­tie­rung“ auf­zu­ge­ben?
Falls, ja: Wie begrün­dest Du diese Auf­fas­sung in Anbe­tracht des­sen, daß es in mei­nem Aus­for­mu­lie­rungs­vor­schlag heißt:

„Der Zweck unse­rer Orga­ni­sie­rung ist die Über­win­dung jeg­li­cher Herr­schaft und Aus­beu­tung. […]. Wir sind uns einig, dass die Errei­chung die­ses Ziel […] nicht nur die Über­win­dung des Kapi­ta­lis­mus, son­dern auch die von Ras­sis­mus und männ­li­cher Domi­nanz […] erfor­dert.“

(http://​www​.nao​-pro​zess​.de/​b​l​o​g​/​e​s​s​e​n​t​i​a​l​-​d​i​s​k​u​s​s​i​o​n​-​u​e​b​e​r​a​r​b​e​i​t​e​t​e​r​-​v​o​r​s​c​h​l​a​g​-​z​u​-​e​-​0​-​e​i​n​l​e​i​t​u​n​g​-​u​n​d​-​e​-​1​-​r​e​v​o​l​u​t​i​o​n​a​e​r​e​r​-​b​ruch/)

„Wir gehen gemein­sam davon aus, daß die Über­win­dung des Kapi­ta­lis­mus nur mög­lich sein wird, wenn sie von der Mehr­heit der Lohn­ab­hän­gi­gen gewollt und zumin­dest von gro­ßen Tei­len von ihnen aktiv voll­zo­gen wird. […]. Diese Einsicht/​en schließt/​en jeden Ver­such aus, revo­lu­tio­näre Pro­zesse in ers­ter Linie gestützt auf eine selbst­be­züg­li­che sub-​​kulturelle Szene oder eine von den aus­ge­beu­te­ten und beherrsch­ten Mas­sen los­ge­löste Möchte-​​gern-​​Avantgarde, aber auch gestützt auf einen schon immer frag­wür­di­gen Proletkult/​Ouvrierismus vor­an­zu­trei­ben.“

(http://​www​.nao​-pro​zess​.de/​b​l​o​g​/​e​-​4​-​p​a​r​t​e​i​l​i​c​h​k​e​i​t​-​a​n​t​a​g​o​n​i​s​t​i​s​c​h​e​-​o​r​i​e​n​t​i​e​r​u​n​g​-​v​o​r​m​a​l​s​-​k​l​a​s​s​e​n​o​r​i​e​n​t​i​e​rung/)
Damit ist aus­ge­drückt, daß die Errei­chung unse­res Ziels vor­aus­setzt, die Mehr­heit der Lohn­ab­hän­gi­gen eben­falls von der Ableh­nung der kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­weise zu über­zeu­gen.
Worin liegt Dei­nes Erach­tens also die Auf­gabe der Klas­sen­ori­en­tie­rung?

2. Habe ich rich­tig ver­stan­den, daß Du es für not­wen­dig hältst, den Satz, „Das Pro­le­ta­riat ist das revo­lu­tio­näre Sub­jekt“, in die Essen­ti­als auf­zu­neh­men?
Falls, ja: Was ist Deine Begrün­dung für Deine Auf­fas­sung?

a) Genauer: Teilst Du meine Auf­fas­sung, daß die große Mehr­heit der Lohn­ab­hän­gi­gen in der BRD und vie­len, vie­len ande­ren Län­dern heute und schon die meiste Zeit der Herr­schaft der kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­weise bes­ten­falls refor­mis­ti­sche, aber kei­nes­falls revo­lu­tio­näre Posi­tio­nen ver­tritt?
Falls, ja: Warum hältst Du es dann trotz­dem für richtig/​zutreffend/​sinnvoll/​notwendig zu sagen: Das Pro­le­ta­riat „ist“ das revo­lu­tio­näre Sub­jekt?

b) Wenn ich Dich rich­tig ver­stan­den habe, liegt Deine Begrün­dung dafür im „Sub­jekt­be­griff […] des dia­lek­ti­schen und his­to­ri­schen Mate­ria­lis­mus“. Falls, ja: Was besagt die­ser „Sub­jekt­be­griff“ Dei­nes Erach­tens? Was ver­stehst Du unter „dialektische[m] und historische[m] Mate­ria­lis­mus“?

c) Warum hältst Du es für richtig/​zutreffend/​sinnvoll/​notwendig, in Bezug auf die heu­ti­gen Lohn­ab­hän­gi­gen von „Pro­le­ta­riat“ zu spre­chen, obwohl die­ser Begriff nach sei­ner Ety­mo­lo­gie, ‚die­je­ni­gen, die als ein­zi­gen Besitz ihre Kin­der haben’ (zu: lat. pro­les = Nach­komme), bedeu­tet, und daher von sehr vie­len mit den Lebens­be­din­gun­gen der Lohn­ab­hän­gi­gen im 19. und frü­hen 20. Jh. in Ver­bin­dung gebracht wird (als die Lohn­ab­hän­gi­gen tat­säch­lich nicht viel mehr als ihre Kin­der ‚besa­ßen’ und bis zur Ein­füh­rung einer all­ge­mei­nen und erträg­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung im Alter auf Unter­stüt­zung durch ihre Kin­der ange­we­sen waren) – so daß sich die meis­ten heu­ti­gen Lohn­ab­hän­gi­gen jeden­falls in der BRD und ande­ren ökono­misch und tech­no­lo­gisch füh­ren­den Län­dern von dem Begriff „Pro­le­ta­riat“ nicht ange­spro­chen füh­len?
Läßt Dein Sprach­ge­brauch nicht (und zwar in dem Fall: zurecht!) den Mar­xis­mus als ana­chro­nis­tisch statt zeit­ge­mäß erschei­nen? Ist dies Dein Anlie­gen? – ich ver­mute nicht!

d) Habe ich rich­tig ver­stan­den, daß Dir mein Satz,

„Die Lohn­ab­hän­gi­gen WER­DEN das Sub­jekt einer anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Revo­lu­tion WER­DEN, FALLS die Revo­lu­tio­nä­rIn­nen ihre Arbeit gut machen und die Lohn­ab­hän­gi­gen von ihren über sys­tem­im­ma­nente Streiks und Lohn­kämpfe hin­aus­wei­sende poli­ti­schen Per­spek­ti­ven über­zeu­gen kön­nen und die Lohn­ab­hän­gi­gen die revo­lu­tio­näre Sache dann zu ihrer eige­nen Sache machen.“

und mein Satz (S. 2),

„die Arbei­te­rIn­nen­klasse [ist …] das poten­ti­ell revo­lu­tio­näre Sub­jekt, das in der Lage ist, die klas­sen­lose Gesell­schaft zu ver­wirk­li­chen,“

als falsch bzw. nicht aus­rei­chend erscheint? Falls, ja: Aus wel­chen Grün­den?

3. Habe ich rich­tig ver­stan­den, daß Du mei­nen Satz (S. 2),

„Das Sub­jekt der even­tu­el­len Über­win­dung des Patri­ar­chats ist nicht die Arbei­te­rIn­nen­klasse, son­dern [sind] die Frauen.“,

für falsch/​unzutreffend/​sinnlos o.ä. hältst?

Falls, ja: Was Deine Begrün­dung für Deine Auf­fas­sung?

4. Habe ich rich­tig ver­stan­den, daß Du nicht nur mei­nen vor­ste­hend zitier­ten Satz für falsch o.ä. hältst, son­dern dar­über hin­aus auch den zweite Satz (aus dem sich im übri­gen die Begrün­dung mei­ner unter 3. genann­ten Auf­fas­sung ergibt) des fol­gen­den Absat­zes aus mei­nem Essential-​​Vorschlag, näm­lich:

„Wir gehen gemein­sam davon aus, daß die Über­win­dung des Kapi­ta­lis­mus nur mög­lich sein wird, wenn sie von der Mehr­heit der Lohn­ab­hän­gi­gen gewollt und zumin­dest von gro­ßen Tei­len von ihnen aktiv voll­zo­gen wird. Ana­log geht ein Teil von uns davon aus, daß auch die Über­win­dung von männ­li­cher Domi­nanz bzw. Ras­sis­mus nur mög­lich sein wird, wenn sie von der Mehr­heit der Frau­en­Les­ben bzw. Schwar­zen gewollt und zumin­dest von gro­ßen Tei­len von ihnen aktiv voll­zo­gen wird.“

auch als das, was er ist, näm­lich als Dar­stel­lung der Auf­fas­sung „ein[es] Teil[s] von uns“, ablehnst und statt des­sen alle Mit­glie­der einer evtl. NaO auf Dei­nen Satz, „Das Pro­le­ta­riat ist das revo­lu­tio­näre Sub­jekt“, ver­pflich­ten möch­test?

5. Falls ja: Wie stellst Du Dir dann vor, eine NaO als strö­mungs­über­grei­fende Orga­ni­sa­tion, die auch Femi­nis­tin­nen, Anti­ras­sis­tIn­nen und (Post-)autonome umfaßt, auf­zu­bauen? Oder lehnst Du die­ses Ziel eh ab?
Ist Dir bekannt, daß die aller­meis­ten Femi­nis­tin­nen und akti­ven Anti­ras­sis­tin­nen, die Vor­stel­lung, es gehe nicht um einen Pro­zeß der Selbst­be­frei­ung der Frau­en­Les­ben und Schwar­zen, son­dern diese hät­ten die Über­win­dung ihres Ausgebeutet-​​ und Beherrscht-​​werdens dank­bar als Geschenk /​ Neben­pro­dukt des Klas­sen­kamp­fes einer (von wei­ßen Män­nern hege­mo­nia­li­sier­ten) Arbei­te­rIn­nen­be­we­gung ent­ge­gen­zu­neh­men, ableh­nen? Ist Dir bekannt, daß auch die aller­meis­ten (Post-)autonomen pater­na­lis­ti­sche Poli­tik­kon­zep­tio­nen ableh­nen?

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