Einige politische Fragen an den AKKA

Vor­be­mer­kung 1.: Die fol­gen­den Fra­gen sind sehr ein­fach. Dies mag den Nach­teil haben, daß sie als sehr sche­ma­tisch erschei­nen. Die­sen Nach­teil gebe ich gerne zu. Sie haben damit aber auch den Vor­teil, daß sie von allen poli­ti­schen Akti­vis­tIn­nen ver­stan­den wer­den kön­nen, ohne daß sie die mitt­ler­weile im NaO-​​blog ver­öf­fent­lich­ten Hun­der­ten von Arti­keln gele­sen haben müs­sen – und daß sich diese Fra­gen auch ein­fach beant­wor­ten las­sen.
2. Bevor ich diese Fra­gen for­mu­liert hatte, hatte ich schon zwei andere kri­ti­sche Anmer­kun­gen zu den Posi­tio­nen des AKKA ver­öf­fent­licht:
‚Poli­ti­sches Kar­tell der pro­le­ta­ri­schen Klas­sen­lin­ken’ oder revo­lu­tio­näre Orga­ni­sa­tion des 21. Jahr­hun­derts? – Zum AKKA-​​Papier
und
Femi­nis­mus als Fuß­note.
Da auf den einen Text bis­her nur thema-​​exzentrisch geant­wor­tet wurde und auf den ande­ren gar nicht, ver­su­che ich nun mit den hie­si­gen, sehr ein­fa­chen Fra­gen – um der revo­lu­tio­nä­ren Sache wil­len – mit den Genos­sen (m.W. han­delt es sich aus­schließ­lich um Män­ner) des AKKA in einen Dia­log zu tre­ten.

1. Der AKKA heißt mit vol­lem Namen „Arbeits­kreis Kapi­ta­lis­mus auf­he­ben“. Die­ser Name läßt die Frage offen, ob die ange­strebte ‚Auf­he­bung’ des Kapi­ta­lis­mus auf revo­lu­tio­nä­rem oder auf evo­lu­tio­nä­rem (gra­dua­lis­ti­schem) Wege erfol­gen soll bzw. für mög­lich gehal­ten wird.
Diese vage Namens­ge­bung hatte Sinn, als der AKKA vor Jah­ren als Her­aus­ge­ber der strö­mungs­über­grei­fen­den – nicht nur Arti­kel von Revo­lu­tio­nä­rIn­nen ver­öf­fent­li­chen­den (was ein von mir inso­weit aus­drück­lich geteil­tes Zeitungs-​​Konzept ist!) – online-​​Zeitung trend gegrün­det wurde und seit­dem nicht ander­wei­tig poli­tisch in Erschei­nung getre­ten ist (als Orga­ni­sa­to­rin von Ver­an­stal­tun­gen etc. trat m.W. bis­her nur die Zei­tung selbst, aber nicht ihr Her­aus­ge­ber, der AKKA, auf).

Nun möchte sich der AKKA am NaO-​​Prozeß betei­li­gen – also auch über die Zei­tungs­her­aus­gabe hin­aus poli­tisch in Erschei­nung tre­ten –, der von der SIB als Ein­la­dung an das viel­fäl­tige Spek­trum der „sub­jek­ti­ven Revo­lu­tio­näre“ ange­sto­ßen wurde.
Daher meine erste Frage: Ver­steht sich der AKKA als revo­lu­tio­näre Grup­pie­rung?

2. Daran schließt sich unmit­tel­bar meine zweite Frage an: Die SIB hatte in Bezug auf die even­tu­ell zu grün­dende neue anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Orga­ni­sa­tion fünf „unver­han­del­bare“ Punkt benannt. Der erste davon war das „Kon­zept des revo­lu­tio­nä­ren Bruchs“.
Daher also meine zweite Frage: Teilt der AKKA die Auf­fas­sung, daß die even­tu­ell zu grün­dende Orga­ni­sa­tion nur Mit­glie­der umfas­sen soll, die die Über­zeu­gung tei­len, daß die kapi­ta­lis­ti­sche Pro­duk­ti­ons­weise nur auf revo­lu­tio­nä­rem Wege über­wun­den wer­den kann?

(Anmer­kun­gen:
a) Ich frage nicht, weil ich aus dem „revo­lu­tio­nä­ren Bruch“ ein Dogma machen wol­len würde, son­dern weil ich gerne wis­sen möchte, wel­che Fra­gen wir noch dis­ku­tie­ren müs­sen, bevor wir even­tu­ell eine gemein­same Orga­ni­sa­tion grün­den und wel­che Auf­fas­sun­gen dazu im Moment die Grup­pen, die sich am NaO-​​Prozeß betei­li­gen bzw. betei­li­gen wol­len, ver­tre­ten.
b) Auch die isl wurde – mit mei­ner Zustim­mung! – als Voll­mit­glied in den NaO-​​Prozeß auf­ge­nom­men, obwohl sie – wenn ich recht ver­stan­den habe – z.Z. dafür ein­tritt, den NaO-​​Prozeß auch für Nicht-​​RevolutionärInnen offen­zu­hal­ten.
c) Trotz­dem kön­nen wir diese Frage nicht end­los offen­las­sen, son­dern frü­her oder spä­ter wer­den wir ent­schei­den müs­sen, ob wir denn nun eine Orga­ni­sa­tion grün­den wol­len und wel­chen Cha­rak­ter sie ggf. haben soll.)

3. Dar­aus ergibt sich meine dritte Frage:
Der Genosse khs ist das AKKA-​​Mitglied, das im Rah­men des NaO-​​Prozesses bis­her am meis­ten öffent­lich in Erschei­nung getre­ten ist. Der Genosse khs hat im ver­gan­ge­nen Jahr den SIB-​​Vorschlag bestän­dig kri­ti­siert:
Der SIB-​​Vorschlag sei ein Kon­zept des „Par­tei­auf­baus“ (obwohl die SIB gar nicht von „Par­tei“ gespro­chen hatte – dadurch, daß der Gen. khs den Aus­druck „Par­tei“ in die Dis­kus­sion ein­ge­führt hatte, hatte er den NaO-​​Prozeß anfangs in eine Ecke gedrängt, in die die­ser – um sei­nes revo­lu­tio­nä­ren Erfol­ges wil­len – bes­ser nie gedrängt wor­den wäre).
Im Moment stehe aber – so Gen. khs unter Beru­fung auf die (in der Sowjet­union als Bd. 15 der Werke Josef Sta­lins ver­öf­fent­lichte) Geschichte der KPdSU(B) – Kur­zer Lehr­gang – viel­mehr die „Par­tei­bil­dung“ an.

(Anmer­kung:
„Par­tei­bil­dung“ bedeu­tet in der Spra­che des Gen. khs, „dass rele­vante Teile des Pro­le­ta­ri­ats begin­nen, für die eigene Klasse Par­tei zu ergrei­fen und sich dabei auf den wis­sen­schaft­li­chen Sozia­lis­mus bezie­hen“; „Par­tei­auf­bau“ sei dage­gen ein „formal-​​organisatorischer Akt“.)

Diese Unter­schei­dung zwi­schen „Par­tei­auf­bau“ und „Par­tei­bil­dung“ ‚über­setzte’ Gen. khs spä­ter in eine Unter­schei­dung zwi­schen dem „revo­lu­tio­nä­ren Bruch als Phrase“ und einer Mit­ten im heu­ti­gen Leben ste­hen­den Orga­ni­sa­tion der „Klas­sen­lin­ken“, die auch Nicht-​​RevolutionärInnen umfasse.

Daher meine Frage an den Gen. khs: Bist Du, Gen. khs, wei­ter­hin der Auf­fas­sung, daß es heute nicht um den Auf­bau einer revo­lu­tio­nä­ren Orga­ni­sa­tion, son­dern viel­mehr um den Auf­bau einer Orga­ni­sa­tion der „Klas­sen­lin­ken“ gehe?

Und daher meine Frage an den AKKA: Teilt der AKKA (so oder so) mehr­heit­lich die Auf­fas­sung des Gen. khs zu die­ser Frage?

4. Der AKKA hat in sei­ner Stel­lung­nahme zum NaO-​​Prozeß die Auf­fas­sung ver­tre­ten, daß die fünf Essen­ti­als der SIB, die mitt­ler­weile – vor­be­halt­lich der For­mu­lie­rung im Ein­zel­nen – auch Inter­Komms, RSB, scharf-​​links und SoKo zustim­men, „nicht nur konkretisier[t], son­dern auch in ein ande­res Ver­hält­nis zuein­an­der gestellt bzw. durch feh­lende Punkte ergänzt wer­den [müs­sen]“.
Der AKKA hat daher sei­ner­seits im Rah­men sei­ner Stel­lung­nahme einen „Ent­wurf“ für eine poli­ti­sche Erklä­rung vor­ge­legt, die ihrer­seits aus fünf Punk­ten beste­hen soll.
Da dort – nach Ansicht des AKKA unter den fünf Essen­ti­als – „feh­lende Punkte ergänzt“ wur­den, sind also einige von den fünf Essen­ti­als von Inter­Komms, RSB, scharf-​​links, SIB und SoKo weg­ge­fal­len. Dies sind die Nicht-​​Mitverwaltung der kapi­ta­lis­ti­schen Krise und die Einheitsfront-​​Methode. Der „revo­lu­tio­näre Bruch“ wurde zu einem „revo­lu­tio­nä­ren Pro­zeß“ (diese zwei­deu­tige For­mu­lie­rung des Gen. khs hatte ich bereits im ver­gan­ge­nen Jahr kri­ti­siert: Die lan­gen 90er Jahre been­den!) auf­ge­weicht.
Da ich oben schon Fra­gen zum Essen­tial des revo­lu­tio­nä­ren Bruchs gestellt hatte, möchte im hie­si­gen Zusam­men­hang nur noch zwei Fra­gen stel­len:
a) Wie steht der AKKA zu einer etwai­gen „Mit­ver­wal­tung der kapi­ta­lis­ti­schen Krise“ bzw. zum Ein­tritt in Regie­run­gen eines bür­ger­li­chen Staa­tes?
b) Wie steht der AKKA zur – im tra­di­tio­nel­len Sprach­ge­brauch der Arbei­te­rIn­nen­be­we­gung mit­tels der Begriffe „Akti­ons­ein­heit“ und „Ein­heits­front“ (jeweils „von oben“ bzw. „von unten“) sowie „Volks­front“ dif­fe­ren­zier­ten und näher spe­zi­fi­zier­ten – Bünd­nis­po­li­tik?

Anmer­kung:
a) Vgl. zur Unter­schei­dung zwi­schen „von oben“ und „von unten“: die ent­spre­chende Pas­sage im „Na endlich“-Papier der SIB sowie die Ankün­di­gung des ein­schlä­gi­gen Work­shops bei der NaO-​​Sommer-​​Debatte.
b) Wie­derum frage ich nicht, um dar­aus unmit­tel­bare Kon­se­quen­zen zu zie­hen, son­dern nur, um zu wis­sen, auf wel­che Dis­kus­sio­nen ich mich und die ande­ren am NaO-​​Prozeß betei­lig­ten Genos­sIn­nen sich für die nächste Zeit ein­stel­len sol­len.

5. und letzte Frage: Wie steht der AKKA zur Frage der Gewäh­rung eines Rechts, inner­halb der even­tu­ell zu grün­den­den Orga­ni­sa­tion unter­schied­li­che Frak­tio­nen, Platt­for­men, Strö­mun­gen und Ten­den­zen zu bil­den?

Hin­ter­grund der Frage:

Gen. sys­tem­crash schrieb kürz­lich: „ich per­sön­lich glaube, dass es nur mög­lich sein [wird] – wenn über­haupt! – eine eini­gung oder annä­he­rung auf POLI­TI­SCHER grund­lage her­zu­stel­len. und das ist schon schwer genug. wenn man auch noch eine philosophisch-​​weltanschauliche ‚ver­ein­heit­li­chung’ will (für mich eine hor­ror­vor­stel­lung)[,] dann bekommt das ganze end­gül­tig nach mei­ner auf­fas­sung ‚sek­ten­qua­li­tät’.“

Dar­auf ant­wor­tete Gen. khs, sys­tem­crash sei ein „Bil­der­stür­mer“, der for­dere, „auf die Welt­an­schau­ung des Mar­xis­mus, den dia­lek­ti­schen Mate­ria­lis­mus, zu ver­zich­ten“. Danach bekun­dete Gen. khs an ande­rer Stelle im NaO-​​blog auch noch, „den Sub­jekt­be­griff in Bezug auf das Pro­le­ta­riat, […] im Sinne des dia­lek­ti­schen und his­to­ri­schen Mate­ria­lis­mus [zu] verwende[n].“
Schließ­lich mokierte sich Gen. khs bei trend. online­zei­tung: „bei Sta­lin zucken bekannt­lich alle zusam­men und das Hirn setzt aus“.
(Anmer­kung Über den dia­lek­ti­schen und his­to­ri­schen Mate­ria­lis­mus lau­tet der Philsophie-​​Abschnitt in der schon erwähn­ten, von Gen. khs her­an­ge­zo­gen Geschichte der KPdSU(B) – Kur­zer Lehr­gang.)

Daher meine letzte – nun doch nicht so ganz ein­fa­che – Frage: Teilt der AKKA mehr­heit­lich die vom Gen. khs zu die­sem Thema ein­ge­nom­mene Posi­tion? Was ver­steht der AKKA unter „Welt­an­schau­ung des Mar­xis­mus“, unter „dialektische[m] Mate­ria­lis­mus“? Ist der AKKA der Ansicht, daß alle Mit­glie­der einer evtl. NaO die so defi­nierte „Welt­an­schau­ung“ tei­len müs­sen? Wie steht der AKKA zu den poli­ti­schen und theo­re­ti­schen Posi­tio­nen von Sta­lin? Wie steht der AKKA zur Frage der Frak­ti­ons­frei­heit in der Orga­ni­sa­tion, die wir even­tu­ell gemein­sam grün­den wol­len?

(Wie­derum frage ich nicht, um dar­aus unmit­tel­bare Kon­se­quen­zen zu zie­hen. Ich bin bspw. keinE Ver­fech­te­rIn von prin­zi­pi­el­len Unver­ein­bar­keits­be­schlüs­sen ggü. Sta­li­nis­tIn­nen [siehe Abschnitt 7.c) und 8.b)]. Da ich aber weiß, daß dies andere am NaO-​​Prozeß betei­ligte Genos­sIn­nen anders sehen, möchte ich gerne auch zu die­sem Punk­ten wis­sen, auf wel­che Dis­kus­sio­nen wir uns in Zukunft ein­zu­stel­len haben.)

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Ich ent­schul­dige mich abschlie­ßend noch ein­mal, daß ich meine Fra­gen in die­ser etwas sche­ma­ti­schen Weise stelle. Da ich aber – (nicht nur) im NaO-​​Prozeß – schon öfters dafür kri­ti­siert wurde, ‚zu kom­pli­ziert’ zu for­mu­lie­ren, möchte ich mich an die­sen zen­tra­len Punk­ten doch so ein­fach wie mög­lich aus­drü­cken und würde mich sehr freuen, wenn die Genos­sen des AKKA bereit wären, diese Fra­gen zu beant­wor­ten.

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