Lenins 22 grundlegenden Einsichten

Die fol­gende Zitate-​​Sammlung ent­stand bereits im April 2010 aus Anlaß des damals bevor­ste­hen­den 140. Geburts­tags Lenins, wurde aber damals nicht recht­zei­tig fer­tig und blieb dann erst ein­mal lie­gen. – Ich ver­öf­fent­li­che sie jetzt aus dem aktu­el­len Anlaß der ‚Leninismus-​​Debatte’ im NaO-​​Prozeß (1 [Abschnitt 4. sowie die fol­gen­den Kom­men­tare], siehe auch 2 und 3).

[Die fol­gende Zitate-​​Sammlung als drei-​​sprachige (Eng­lisch, Deutsch, Kas­ti­lisch [‘Spa­nisch‘] bzw. Fran­zö­sisch) .pdf-Datei]

1. Sta­lin ist zu grob und ten­diert zu Eil­fer­tig­keit und zum Admi­nis­trie­ren

„Gen. Sta­lin hat, nach­dem er Gene­ral­se­kre­tär gewor­den ist, eine uner­mess­li­che Macht in sei­nen Hän­den kon­zen­triert, und ich bin nicht über­zeugt, dass er es immer ver­ste­hen wird, von die­ser Macht vor­sich­tig genug Gebrauch zu machen.“
„Sta­lin ist zu grob, und die­ser Man­gel, der in unse­rer Mitte und im Ver­kehr zwi­schen uns Kom­mu­nis­ten durch­aus erträg­lich ist, kann in der Funk­tion des Gene­ral­se­kre­tärs nicht gedul­det wer­den. Des­halb schlage ich den Genos­sen vor, sich zu über­le­gen, wie man Sta­lin ablö­sen könnte, und jemand ande­ren an diese Stelle zu set­zen“
„Mir scheint, hier haben Sta­lins Eil­fer­tig­keit und sein Hang zum Admi­nis­trie­ren […] eine ver­häng­nis­volle Rolle gespielt. Wut ist in der Poli­tik gewöhn­lich über­haupt von größ­tem Übel.“
http://​www​.mxks​.de/​f​i​l​e​s​/​S​U​/​L​e​n​i​n​.​T​e​s​t​a​m​e​n​t.pdf

2. Marx’ Theo­rie ist nur das Funda­ment der Wis­sen­schaft, die die Sozia­lis­ten nach allen Rich­tun­gen wei­terentwickeln müs­sen

„Wir betrach­ten die Theo­rie von Marx kei­nes­wegs als et­was Abge­schlossenes und Unan­tast­ba­res; wir sind im Gegen­teil davon über­zeugt, daß sie nur das Funda­ment der Wis­sen­schaft gelegt hat, die die Sozia­lis­ten nach allen Rich­tun­gen wei­terentwickeln müs­sen, wenn sie nicht hin­ter dem Leben zurück­blei­ben wol­len.”
LW 4, 205 f.

„revo­lu­tio­näre Theo­rie [… ist] kein Dogma […], son­dern [sie nimmt] nur in engem Zusam­men­hang mit der Pra­xis einer wirk­li­chen Mas­sen­be­we­gung und einer wirk­lich revo­lu­tio­nä­ren Bewe­gung end­gül­tige Gestalt an.”
http://​www​.mar​xists​.org/​d​e​u​t​s​c​h​/​a​r​c​h​i​v​/​l​e​n​i​n​/​1​9​2​0​/​l​i​n​k​s​r​a​d​/​k​a​p​0​2​.html

Die „wis­sen­schaft­li­che Erfor­schung des Impe­ria­lis­mus [… ist] wie die Wis­sen­schaft über­haupt end­los“ (Lenin 1915a, 204)

3. Die kon­krete Ana­lyse einer kon­kre­ten Situa­tion – die leben­dige Seele des Marxis­mus

„Der Arti­kel von G[eorg] L[ukács] ist ein sehr radi­ka­ler und sehr schlech­ter Arti­kel. […]. Es fehlt die kon­krete Ana­lyse ganz bestimm­ter his­to­ri­scher Situa­tio­nen.“
„Gen. B.K. [Béla Kun] übt Kri­tik auf Grund von Zita­ten aus Marx, die sich auf eine der jet­zi­gen ganz unähn­li­che Situa­tion bezie­hen, […] und umgeht voll­kom­men das Aller­wich­tigste. Er umgeht das, worin das innerste Wesen, die leben­dige Seele des Marxis­mus be­steht: die kon­krete Ana­lyse einer kon­kre­ten Situa­tion.“
LW 31, 153, 154

4. Nicht über Absich­ten spe­ku­lie­ren, son­dern Taten ana­ly­sie­ren

„Wol­len wir Turati, dem Refor­mis­ten, Turati, dem Anhän­ger Kau­tskys, glau­ben, daß es nicht seine Absicht war, den Krieg zu recht­fer­ti­gen. Wer wüßte aber nicht es in der Poli­tik nicht auf Absich­ten ankommt, son­dern auf Taten? nicht auf fromme Wün­sche, son­dern auf Tat­sa­chen? nicht auf das, was man sich ein­bil­det, son­dern auf das, was wirk­lich ist?“
LW 23, 187

5. Mate­ria­lis­mus ist etwas ande­res als Empi­ris­mus

„Erkennt­nis ist die Wider­spie­ge­lung der Natur durch den Men­schen. Aber das ist keine ein­fa­che, keine unmit­tel­bare, keine totale Wider­spie­ge­lung, son­dern der Pro­zeß einer Reihe von Abs­trak­tio­nen, der For­mie­rung, der Bil­dung von Begrif­fen, Geset­zen etc.”
LW 38, 172

6. Einen Feh­ler offen zuzu­ge­ben, seine Ursa­chen auf­de­cken – das wich­tigste und sicherste Kri­te­rien für den Ernst einer Par­tei

„Das Ver­hal­ten einer poli­ti­schen Par­tei zu ihren Feh­lern ist eines der wich­tigs­ten und sichers­ten Kri­te­rien für den Ernst einer Par­tei und für die tat­säch­li­che Erfül­lung ihrer Pflich­ten gegen­über ihrer Klasse und den werk­tä­ti­gen Mas­sen. Einen Feh­ler offen zuzu­ge­ben, seine Ursa­chen auf­de­cken, die Umstände, die ihn her­vor­ge­ru­fen haben, ana­ly­sie­ren, die Mit­tel zur Behe­bung des Feh­lers sorg­fäl­tig prü­fen – das ist das Merk­mal einer erns­ten Par­tei“
http://​www​.mar​xists​.org/​d​e​u​t​s​c​h​/​a​r​c​h​i​v​/​l​e​n​i​n​/​1​9​2​0​/​l​i​n​k​s​r​a​d​/​k​a​p​0​7​.html

„Man muß sich mit einem heil­sa­men Arg­wohn gegen die unbe­dacht schnelle Vor­wärts­be­we­gung, gegen jede Prahl­sucht usw. wapp­nen, man muß an die Über­prü­fung jener Schritte nach vorn den­ken, die wir jede Stunde ver­kün­den, jede Minute machen, um dann jede Sekunde ihre Unhalt­bar­keit, ihre Unso­li­di­tät, ihre Unver­ständ­lich­keit zu bewei­sen. […]. Es wäre am aller­schäd­lichs­ten, sich dar­auf zu ver­las­sen, daß wir immer­hin eini­ges wis­sen, […].“
LW 33, 475

7. Con­tra Ouvrie­ris­mus

„Das Bewußt­sein der Arbei­ter­mas­sen kann kein wahr­haf­tes Klas­sen­be­wußt­sein sein, wenn die Arbei­ter es nicht an kon­kre­ten und dazu unbe­dingt an bren­nen­den (aktu­el­len) poli­ti­schen Tat­sa­chen und Ereig­nis­sen ler­nen, jede andere Klasse der Gesell­schaft in allen Erschei­nungs­for­men des geis­ti­gen, mora­li­schen und poli­ti­schen Lebens die­ser Klas­sen zu beob­ach­ten; wenn sie es nicht ler­nen, die mate­ria­lis­ti­sche Ana­lyse und mate­ria­lis­ti­sche Beur­tei­lung aller Sei­ten der Tätig­keit und des Lebens aller Klas­sen, Schich­ten und Grup­pen der Bevöl­ke­rung in der Pra­xis anzu­wen­den. Wer die Auf­merk­sam­keit, die Beob­ach­tungs­gabe und das Bewußt­sein der Arbei­ter­klasse aus­schließ­lich oder auch nur vor­wie­gend auf . sie sel­ber lenkt, der ist kein Sozi­al­de­mo­krat, denn die Selbst­er­kennt­nis der Arbei­ter­klasse ist untrenn­bar ver­bun­den mit der abso­lu­ten Klar­heit nicht nur der theo­re­ti­schen … sogar rich­ti­ger gesagt: nicht so sehr der theo­re­ti­schen als viel­mehr der durch die Erfah­rung des poli­ti­schen Lebens erar­bei­te­ten Vor­stel­lun­gen von den Wech­sel­be­zie­hun­gen aller Klas­sen der moder­nen Gesell­schaft.”
http://​www​.mar​xists​.org/​d​e​u​t​s​c​h​/​a​r​c​h​i​v​/​l​e​n​i​n​/​1​9​0​2​/​w​a​s​t​u​n​/​k​a​p​3​c.htm

„Wer eine ‚reine‘ soziale Revo­lu­tion erwar­tet, der wird sie nie­mals erle­ben.“
http://​www​.mlwerke​.de/​l​e​/​l​e​2​2​/​l​e​2​2​_​3​2​6​.​h​t​m​#​K​ap_10

„Wenn die Revo­lu­tion in Ruß­land so rasch und – dem An­schein nach, bei ers­ter, ober­fläch­li­cher Betrach­tung – so radi­kal ge­siegt hat, dann nur des­halb, weil sich dank ei­ner außer­or­dent­lich ori­gi­nel­len his­to­ri­schen Situa­tion völ­lig ver­schie­dene Ströme, völ­lig ungleich­artige Klas­seninteressen, völ­lig ent­ge­gen­ge­setzte poli­tische und so­ziale Bestre­bun­gen ver­ei­nig­ten, und zwar bemer­kens­wert ‚ein­mü­tig’ ver­ei­nig­ten.“
http://​www​.mar​xists​.org/​d​e​u​t​s​c​h​/​a​r​c​h​i​v​/​l​e​n​i​n​/​1​9​1​7​/​b​r​i​-​f​e​r​n​/​b​r​i​e​f​1.htm

8. Es ist nicht aus­rei­chend, sich selbst Avant­garde zu nen­nen!

„Es genügt sich nicht, sich ‚Avant­garde‘, Vor­trupp zu nen­nen – man muß auch so han­deln, […]; dazu ge­nügt es nicht, der Theo­rie und Pra­xis einer Nach­hut das Eti­kett ‚Vor­hut’ auf­zu­kle­ben“
http://​www​.mar​xists​.org/​d​e​u​t​s​c​h​/​a​r​c​h​i​v​/​l​e​n​i​n​/​1​9​0​2​/​w​a​s​t​u​n​/​k​a​p​3​e.htm

9. Wenn wir offen­kun­dig schwach sind, so ist das wich­tigste Mit­tel der Ver­tei­di­gung der Rück­zug

„Wenn wir offen­kun­dig schwach sind, so ist das wich­tigste Mit­tel der Ver­tei­di­gung der Rück­zug“
LW 27, 324

10. Die neue Etappe die An­wendung neuer Metho­den der Vor­be­rei­tung der alten Lösung der alten Pro­bleme

„Da diese neue Etappe die al­ten Pro­bleme nicht löst, da sie außer­stande ist, sie zu lösen, und sie folg­lich auch nicht aus der Welt schafft, erfor­dert diese neue Etappe die An­wendung neuer Metho­den der Vor­be­rei­tung der alten Lösung der alten Pro­bleme. Darin liegt die Eigen­art die­ser trost­lo­sen, trü­ben, schwie­ri­gen Etappe, die sich aber als unver­meid­lich erwie­sen hat. […] Die­je­ni­gen, die die neuen Metho­den der Vor­be­rei­tung oder die Tat­sa­che leug­nen (oder nicht be­greifen), daß vor uns die alten Pro­bleme ste­hen, daß wir ihrer alten Lösung ent­ge­gen­ge­hen, […] erwei­sen sich in Wirk­lich­keit als Gefan­gene der Libe­ra­len […] oder der Ideali­sten und Syn­di­ka­lis­ten“
LW 17, 11

11. Weder Ver­wei­ge­rung des Kamp­fes um Refor­men noch Ver­wi­schung des Unter­schie­des zwi­schen Refor­men und Revo­lu­tion

„Die Sozia­lis­ten [scil.: Kom­mu­nis­tIn­nen] ver­zich­ten kei­nes­wegs auf den Kampf für die Durch­füh­rung von Refor­men. […]. Es ist aber ein blo­ßer bür­ger­li­cher Betrug, wenn man Refor­men pre­digt für Fra­gen, die die Geschichte und die ganze poli­ti­sche Situa­tion nur als durch die Revo­lu­tion zu lösende stem­pelt.“
http://​www​.mlwerke​.de/​l​e​/​l​e​2​2​/​l​e​2​2​_​1​7​2.htm

„wir möch­ten […] mög­lichst wenig all­ge­meine Erklä­run­gen, fei­er­li­che Ver­spre­chun­gen und pom­pöse For­meln hören und dafür mög­lichst viele ganz ein­fa­che, ganz klare Beschlüsse und Maß­nah­men sehen“
LW 33, 372

12. Kampf für Refor­men die die Selb­stän­dig­keit des Pro­le­ta­ri­ats erhö­hen /​ gegen Refor­men mit poli­zei­li­chen Fuß­an­geln

„Auf kei­nen Fall beschrän­ken wir unsere Auf­gabe dar­auf, die meist ver­brei­te­ten Losun­gen der refor­mis­ti­schen Bour­geoi­sie zu unter­stüt­zen. Wir betrei­ben eine selb­stän­dige Poli­tik und machen nur sol­che Refor­men zu unse­rer Losung, die unbe­dingt im Inter­esse des revo­lu­tio­nä­ren Kamp­fes sind, die unbe­dingt zur Erhö­hung der Selb­stän­dig­keit, der Bewußt­heit und der Kampf­fä­hig­keit des Pro­le­ta­ri­ats bei­tra­gen. Nur durch eine sol­che Tak­tik machen wir die stets halb­schläch­ti­gen, stets heuch­le­ri­schen, stets mit bür­ger­li­chen oder poli­zei­li­chen Fuß­an­geln aus­ge­stat­te­ten Refor­men von oben unschäd­lich. Mehr noch. Nur durch eine sol­che Tak­tik brin­gen wir den Kampf um ernste Refor­men wirk­lich vor­wärts. Das scheint ein Para­dox zu sein, aber die­ses Para­dox wird durch die ganze Geschichte der inter­na­tio­na­len Sozi­al­de­mo­kra­tie bestä­tigt: die Tak­tik der Refor­mis­ten gewähr­leis­tet die Durch­füh­rung von Refor­men und ihre Rea­li­tät am schlech­tes­ten. Die Tak­tik des revo­lu­tio­nä­ren Klassen­kampfes gewähr­leis­tet das eine wie das an­de­re am bes­ten.“
LW 11, 57 f.

13. Kampf für Refor­men, ohne revo­lu­tio­näre durch refor­mis­ti­sche Poli­tik zu erset­zen

„Natür­lich schlie­ßen Refor­men die Revo­lu­tion nicht aus. Aber nicht darum geht es jetzt, son­dern darum, daß die Revo­lu­tio­näre den Refor­mis­ten gegen­über sich selbst nicht auf­ge­ben dür­fen, d.h., daß die Sozia­lis­ten ihre revo­lu­tio­näre Arbeit nicht durch refor­mis­ti­sche erset­zen dür­fen.“
LW 23, 197

„Gelingt die voll­stän­dige Ver­nich­tung [der alten Macht] nicht, dann wird das Pro­le­ta­riat auch eine teil­weise aus­zu­nut­zen wis­sen. Aber nie­mals wird das Pro­le­ta­riat eine teil­weise Ver­nich­tung pro­pa­gie­ren, sie beschö­ni­gen und das Volk zu ihrer Unter­schüt­zung auf­ru­fen.“
LW 11, 16

„Darin besteht eben der Unter­schied zwi­schen den So­zialisten und den Kom­mu­nis­ten, daß die Sozia­lis­ten es ableh­nen, so wie wir es in jeder Situa­tion tun, näm­lich revo­lu­tio­näre Arbeit zu leis­ten.“
LW 31, 239

14. Über die Not­wen­dig­keit von Kom­pro­mis­sen mit dem poli­ti­schen Geg­ner und deren unab­ding­bare Vor­aus­set­zung

„Einen mäch­ti­ge­ren Geg­ner kann man nur unter größ­ter Anspan­nung der Kräfte und nur dann besie­gen, wenn man unbe­dingt aufs ange­le­gent­lichste, sorg­samste, vor­sich­tigste, geschick­teste sowohl jeden, selbst den kleins­ten ‚Riß‘ zwi­schen den Fein­den, jeden Inter­es­sen­ge­gen­satz zwi­schen der Bour­geoi­sie der ver­schie­de­nen Län­der, zwi­schen den ver­schie­de­nen Grup­pen oder Schich­ten der Bour­geoi­sie inner­halb der ein­zel­nen Län­der als auch jede, selbst die kleinste Mög­lich­keit aus­nutzt, um einen Ver­bün­de­ten unter den Mas­sen zu gewin­nen, mag das auch ein zeit­wei­li­ger, schwan­ken­der, unsi­che­rer, unzu­ver­läs­si­ger, beding­ter Ver­bün­de­ter sein.“
http://​www​.mar​xists​.org/​d​e​u​t​s​c​h​/​a​r​c​h​i​v​/​l​e​n​i​n​/​1​9​2​0​/​l​i​n​k​s​r​a​d​/​k​a​p​0​8​.html

„vollste Frei­heit der Agi­ta­tion, Pro­pa­ganda und poli­ti­schen Tätig­keit […]. Ohne die letzte Bedin­gung darf man sich natür­lich nicht auf einen Block ein­las­sen, denn das wäre Ver­rat: Die vollste Frei­heit der Ent­lar­vung der Hen­der­son und Snow­den müs­sen die eng­li­schen Kom­mu­nis­ten ebenso unbe­dingt ver­fech­ten und durch­set­zen, wie die rus­si­schen Bol­sche­wiki sie (fünf­zehn Jahre lang, von 1903 bis 1917) gegen­über den rus­si­schen Hen­der­son und Snow­den, d.h. gegen­über den Men­sche­wiki, ver­foch­ten und durch­ge­setzt haben.“
http://​www​.mar​xists​.org/​d​e​u​t​s​c​h​/​a​r​c​h​i​v​/​l​e​n​i​n​/​1​9​2​0​/​l​i​n​k​s​r​a​d​/​k​a​p​0​9​.html

15. Bür­ge­rIn­nen­krieg gegen die Bour­geoi­sie statt Erschro­cken­heit und Abscheu vor Waf­fen­ge­brauch

‚Und wenn der heu­tige Krieg bei reak­tio­nä­ren Sozi­al­pfaf­fen, bei wei­ner­li­chen Klein­bür­gern nur Schre­cken, nur Erschro­cken­heit, nur Abscheu vor Waf­fen­ge­brauch, Tod, Blut usw. erzeugt, so sagen wir dage­gen: Die kapi­ta­lis­ti­sche Gesell­schaft war und ist immer ein Schre­cken ohne Ende. Und wenn jetzt die­ser Gesell­schaft durch die­sen reak­tio­närs­ten aller Kriege ein Ende mit Schre­cken berei­tet wird, so haben wir kei­nen Grund, zu ver­zwei­feln. Nichts ande­res als Aus­fluß der Ver­zwei­fe­lung ist objek­tiv die Pre­digt, die ‚For­de­rung’ – bes­ser zu sagen: der Traum – von der ‚Ent­waff­nung’ in jet­zi­ger Zeit, wenn offen, vor aller Augen der ein­zig legi­time und revo­lu­tio­näre Krieg, der Bür­ger­krieg gegen die impe­ria­lis­ti­sche Bour­geoi­sie, durch diese Bour­geoi­sie sel­ber vor­be­rei­tet wird.’
http://​www​.mar​xists​.org/​d​e​u​t​s​c​h​/​a​r​c​h​i​v​/​l​e​n​i​n​/​1​9​1​6​/​1​0​/​m​i​l​i​t​a​e​r.htm

16. Die wich­tige Frage ist nicht, wer/​welche ‚ange­fan­gen’ hat

„Als ob das Wesen der Sache darin bestünde, wer zuerst ange­grif­fen hat, und nicht darin, wel­ches die Ursa­chen des Krie­ges, sind wel­che Ziele er hat und wel­che Klas­sen ihn füh­ren!
LW 23, 203

„Der Spieß­bür­ger begreift nicht, daß der Krieg die ‚Fort­set­zung der Poli­tik‘ ist, er begnügt sich des­halb mit der Erklä­rung: ‚der Feind greift an‘, ‚der Feind ist in mein Land ein­ge­fal­len‘, ohne sich Gedan­ken dar­über zu machen, worum der Krieg geführt wird, von wel­chen Klas­sen, um wel­chen poli­ti­schen Zie­len wil­len.“
LW 23, 24

17. Der Slo­gan der Ver­ein­ten Natio­nen – eine fal­sche Auf­fas­sung der inter­na­tio­na­len Bezie­hun­gen

„Wir sind natür­lich Geg­ner des Völ­ker­bun­des, und ich denke, daß nicht nur unsere ökono­mi­sche und poli­ti­sche Ord­nung mit ihren Beson­der­hei­ten unsere ableh­nende Hal­tung zum Völ­ker­bund her­vor­ruft, son­dern daß auch die Inter­es­sen des Frie­dens, betrach­tet vom Stand­punkt der kon­kre­ten Bedin­gun­gen der gesam­ten gegen­wär­ti­gen inter­na­tio­na­len Poli­tik über­haupt, unsere ableh­nende Hal­tung voll­auf recht­fer­ti­gen. Der Völ­ker­bund trägt so offen­kun­dig alle Züge sei­ner Her­kunft […], erman­gelt so ganz und gar des­sen, was auch nur ent­fernt einer rea­len Gleich­be­rech­ti­gung der Natio­nen ähnelt, was reale Aus­sich­ten für ein fried­li­ches Zusam­men­le­ben zwi­schen ihnen eröff­net, daß mir scheint, unsere ableh­nende Hal­tung gegen­über dem Völ­ker­bund ist ver­ständ­lich und bedarf kei­ner wei­te­ren Kom­men­tare.“
LW 33, 373

„Die Ver­ei­nig­ten Staat der Welt (nicht aber Euro­pas) sind jene staat­li­che Form der Ver­ei­ni­gung und der Frei­heit der Natio­nen, die wir mit dem Sozia­lis­mus ver­knüp­fen – solange nicht der voll­stän­dige Sieg des Kom­mu­nis­mus zum end­gül­ti­gen Ver­schwin­den eines jeden, dar­un­ter auch des demo­kra­ti­schen, Staa­tes geführt haben wird. Als selb­stän­dige Losung wäre jedoch die Losung Ver­ei­nigte Staa­ten der Welt wohl kaum rich­tig, denn ers­tens fällt sie mit dem Sozia­lis­mus zusam­men, und zwei­tens könnte die fal­sche Auf­fas­sung von der Unmög­lich­keit des Sie­ges des Sozia­lis­mus in einem Lande und eine fal­sche Auf­fas­sung von den Bezie­hun­gen eines sol­chen Lan­des zu den übri­gen ent­ste­hen las­sen.“
http://​www​.mlwerke​.de/​l​e​/​l​e​2​1​/​l​e​2​1​_​3​4​2.htm

„Jede Par­tei, die der III. Inter­na­tio­nale ange­hö­ren will, ist ver­pflich­tet, nicht nur den offen Sozi­al­pa­trio­tis­mus, son­dern auch die Falsch­heit und Heu­che­lei des Sozi­al­pa­zi­fis­mus zu ent­lar­ven: den Arbei­tern sys­te­ma­tisch vor Augen zu füh­ren, daß ohne revo­lu­tio­nä­ren Sturz des Kapi­ta­lis­mus kei­ner­lei inter­na­tio­na­les Schieds­ge­richt, kei­ner­lei Gerede von Ein­schrän­kung der Kriegs­rüs­tun­gen, kei­ner­lei ‚demo­kra­ti­sche’ Reor­ga­ni­sa­tion des Völ­ker­bun­des imstande sein wird, die Mensch­heit vor neuen impe­ria­lis­ti­schen Krie­gen zu bewah­ren.“
LW 31, 195 f.

18. Der Kampf gegen natio­nale Unter­drü­ckung ist haupt­säch­lich eine nega­tive Auf­gabe, aber weder eine Apo­lo­gie noch eine Unter­stüt­zung eines Gegen-​​Nationalismus noch eine Unter­ord­nung von Klas­sen­in­ter­es­sen unter natio­nale Ein­heit

„Der Grund­satz der Natio­na­li­tät ist in der bür­ger­li­chen Gesell­schaft unver­meid­lich, und der Mar­xist, der mit die­ser Gesell­schaft rech­net, erkennt die geschicht­li­che Berech­ti­gung natio­na­ler Bewe­gun­gen durch­aus an. Damit aber diese Aner­ken­nung nicht zu einer Apo­lo­gie des Natio­na­lis­mus werde, muß sie sich strengs­tens auf das beschrän­ken, was an die­sen Bewe­gun­gen fort­schritt­lich ist, damit sie nicht zur Ver­ne­be­lung des pro­le­ta­ri­schen Klas­sen­be­wußt­seins durch die bür­ger­li­che Ideo­lo­gie führe. Fort­schritt­lich ist das Erwa­chen der Mas­sen aus dem feu­da­len Schlaf, ihr Kampf gegen Unter­drü­ckung, für die Sou­ve­rä­ni­tät des Vol­kes, für die Sou­ve­rä­ni­tät der Nation [statt des Mon­ar­chen, TaP]. Daher die unbe­dingte Pflicht des Mar­xis­ten, auf allen Teil­ge­bie­ten der natio­na­len Frage den ent­schie­dens­ten und kon­se­quen­tes­ten Demo­kra­tis­mus zu ver­fech­ten. Das ist in der Haupt­sa­che eine nega­tive Auf­gabe. Wei­ter darf das Pro­le­ta­riat in der Unter­stüt­zung des Natio­na­lis­mus nicht gehen, denn dann beginnt die ‘posi­tive’ (beja­hende) Tätig­keit der nach Stär­kung des Natio­na­lis­mus stre­ben­den Bour­geoi­sie. Jedes feu­dale Joch, jede natio­nale Unter­drü­ckung, jed­wede Pri­vi­le­gien einer der Natio­nen oder Spra­chen abzu­schüt­teln, ist die unbe­dingte Pflicht des Pro­le­ta­ri­ats als einer demo­kra­ti­schen Kraft, ist das unbe­dingte Inter­esse des pro­le­ta­ri­schen Klas­sen­kamp­fes, der durch den natio­na­len Hader ver­dun­kelt und gehemmt wird. Aber den bür­ger­li­chen Natio­na­lis­mus über diese streng gezo­ge­nen, durch einen bestimm­ten his­to­ri­schen Rah­men gege­be­nen Gren­zen hin­aus zu för­dern, heißt das Pro­le­ta­riat ver­ra­ten und sich auf die Seite der Bour­geoi­sie schla­gen.
LW 20, 19 f.

„Die kom­mu­nis­ti­sche Par­tei, [… muß] auch in der natio­na­len Frage […] aus­ge­hen: ers­tens von einer genauen Ein­schät­zung der kon­kre­ten his­to­ri­schen und vor allem ökono­mi­schen Situa­tion; zwei­tens von einer kla­ren Her­aus­lö­sung der Inter­es­sen der unter­drück­ten Klas­sen, der Werk­tä­ti­gen, der Aus­ge­beu­te­ten, aus dem all­ge­mei­nen Begriff der Volks­in­ter­es­sen schlecht hin; […].“
„Die Kom­mu­nis­ti­sche Inter­na­tio­nale muß ein zeit­wei­li­ges Bünd­nis mit der bür­ger­li­chen Demo­kra­tie der Kolo­nien und der zurück­ge­blie­be­nen Län­der ein­ge­hen, darf sich aber nicht mit ihr ver­schmel­zen, son­dern muß unbe­dingt die Selb­stän­dig­keit der pro­le­ta­ri­schen Bewe­gung – sogar in ihrer Keim­form – wah­ren; […].“
LW 31, 133, 138

19. Gegen den Kapi­ta­lis­mus kämp­fen – und nicht nur gegen des­sen Exzesse

„Die Kau­tskya­ner (K. Kau­tsky, S p e c t a t o r u. Co.) füh­ren diese Erschei­nun­gen eines ‚gesun­den‘, ‚fried­li­chen‘, auf ‚fried­li­chen Ver­kehr’ beru­hen­den Kapi­ta­lis­mus an und stel­len sie der finan­zi­el­len Aus­plün­de­rung, den Bank­mo­no­po­len, den Geschäf­ten der Ban­ken mit der Staats­macht, der kolo­nia­len Unter­drü­ckung etc. ent­ge­gen, stel­len sie als das Nor­male dem Unnor­ma­len, das Wün­schens­werte dem Uner­wünsch­ten, das Fort­schritt­li­che dem Reak­tio­nä­ren, das Grund­le­gen­den dem Zufäl­li­gen etc. ent­ge­gen. Das ist neuer Proud­ho­nis­mus. Der alte Proud­ho­nis­mus auf neuer Grund­lage und in neuer Form. Spieß­bür­ger­li­cher Refor­mis­mus: für einen fein säu­ber­li­chen, geschnie­gel­ten, gemä­ßig­ten und akku­ra­ten Kapi­ta­lis­mus.“
LW 39, 96

„Den Kapi­ta­lis­mus und seine Grund­lage, die Waren­pro­duk­tion, nicht ver­nich­ten, son­dern diese Grund­lage von Miß­bräu­chen, Aus­wüch­sen usw. säu­bern; den Tausch und den Tausch­wert nicht abschaf­fen, son­dern ihn im Gegen­teil, ‚kon­sti­tu­ie­ren’, ihn zu einem all­ge­mein gül­ti­gen, abso­lu­ten, ‚gerech­ten’ Wert machen, der von Schwan­kun­gen, Kri­sen und Miß­bräu­chen frei wäre – das war Proud­hons Idee.“
LW 20, 19

20. Der innere Wider­spruch ist die trei­bende Kraft

„Im eigent­li­chen Sinne ist die Dia­lek­tik die Erfor­schung des Wider­spruchs im Wesen der Dinge selbst“
„Die bei­den grund­le­gen­den […] Kon­zep­tio­nen der Ent­wick­lung […] sind: Ent­wick­lung als Abnahme und Zunahme, als Wie­der­ho­lung, und Ent­wick­lung als Ein­heit der Gegen­sätze (Spal­tung des Ein­heit­li­chen in ein­an­der­aus­schlie­ßende Gegen­sätze und das Wech­sel­ver­hält­nis zwi­schen ihnen). Bei der ers­ten Kon­zep­tion der Bewe­gung bleibt die Selbstbewe­gung, ihre trei­bende Kraft, ihre Quelle, ihr Motiv im Dun­kel (oder diese Quelle wird nach außen ver­legt – Gott, Sub­jekt etc.). Bei der zwei­ten Kon­zep­tion rich­tet sich die Haupt­auf­merk­sam­keit gerade auf die Erkennt­nis der Quelle der ‚Selbst‚bewe­gung. Die erste Kon­zep­tion ist tot, farb­los, tro­cken. Die zweite leben­dig. […]. Die Ein­heit […] der Gegen­sätze ist bedingt, zeit­wei­lig, ver­gäng­lich, rela­tiv. Der Kampf der ein­an­der aus­schlie­ßen­den Gegen­sätze ist abso­lut, wie die Ent­wick­lung, die Bewe­gung abso­lut ist.“
LW 38, 240, 239

„Die große Bedeu­tung der Erör­te­run­gen von Marx besteht darin, daß er […] den Kom­mu­nis­mus als etwas betrach­tet, das sich aus dem Kapi­ta­lis­mus ent­wi­ckelt. An Stelle scho­las­ti­scher, aus­ge­klü­gel­ter, ‚erdach­ter’ Defi­ni­tio­nen und frucht­lo­ser Wort­klau­be­reien (was Sozia­lis­mus, was Kom­mu­nis­mus sei) gibt Marx eine Ana­lyse“
http://​www​.mar​xists​.org/​d​e​u​t​s​c​h​/​a​r​c​h​i​v​/​l​e​n​i​n​/​1​9​1​7​/​s​t​a​a​t​r​e​v​/​k​a​p​i​t​e​l​5.htm

21. Die Form ist wesent­lich!

„Die Form ist wesent­lich.“
LW 38, 134

„Wenn Engels sagt, daß in einer demo­kra­ti­schen Repu­blik der Staat ‚nicht min­der‘ als in der Mon­ar­chie eine ‚Maschine zur Unter­drü­ckung einer Klasse durch eine andre‘ bleibt, so bedeu­tet das durch­aus nicht, daß die Form der Unter­drü­ckung dem Pro­le­ta­riat gleich­gül­tig sei, wie man­che Anar­chis­ten ‚leh­ren‘. Eine brei­tere, freiere, offe­nere Form des Klas­sen­kamp­fes und der Klas­sen­un­ter­drü­ckung bedeu­tet für das Pro­le­ta­riat eine rie­sige Erleich­te­rung im Kampf um die Auf­he­bung der Klas­sen über­haupt.“ http://​www​.mar​xists​.org/​d​e​u​t​s​c​h​/​a​r​c​h​i​v​/​l​e​n​i​n​/​1​9​1​7​/​s​t​a​a​t​r​e​v​/​k​a​p​i​t​e​l​4.htm

22. Dia­lek­tik recht­fer­tigt kei­nen Eklek­ti­zis­mus

„Das theo­re­ti­sche Wesen des Feh­lers, den Gen. Bucha­rin hier macht, besteht darin, daß er die dia­lek­ti­sche Wech­sel­be­zie­hung […] durch Elek­ti­zis­mus ersetzt. ‚Sowohl das eine als auch das andere‘, ‚einer­seits – ande­rer­seits‘ – das ist die theo­re­ti­sche Posi­tion Bucha­rins. Das ist eben Eklek­ti­zis­mus. Die Dia­lek­tik erheischt die all­sei­tige Berück­sich­ti­gung der Wech­sel­be­zie­hun­gen in ihrer kon­kre­ten Ent­wick­lung, nicht das Her­aus­rei­ßen eines Stück­chens von die­sem, eines Stück­chens von jenem.“
LW 32, 81 f.

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