Archiv für August 2012

Ist der Kommunismus eine Herrschaft von Philosophen-Königen, die das Allgemeine definieren?

- Eine Kon­tro­verse im NaO-​​Prozeß -

sys­tem­crash:

„das geht aber nur, wenn die arbei­ter­klasse ein klar (klas­sen­ori­en­tier­tes) revo­lu­tio­nä­res pro­gramm ver­tritt, was nicht ver­wäs­sert wer­den darf mit klein­bür­ger­li­chem, sub­pro­le­ta­ri­schem oder post­mo­der­nem par­ti­ku­la­ris­mus (ein­schliess­lich ‘femi­nis­mus’)“

TaP:

„Genau das teile ich nicht. Eine Ein­heit der Lohn­ab­hän­gi­gen gibt es nicht durch Ver­sa­gung, son­dern nur durch Raum­gabe für Par­ti­ku­la­ris­mus:

‚Rich­tig ist statt der main­stream-post­mo­der­nen Prä­fe­renz für ‚Dif­fe­renz statt Ein­heit‘ und statt der main­stream-mar­xis­ti­schen Prä­fe­renz für ‚Ein­heit ohne Dif­fe­ren­zen‘ das, was die links­le­ni­nis­ti­sche Post­mo­derne vor­schlägt: ‚Ein­heit, die Dif­fe­ren­zen zuläßt (und vor­aus­setzt)‘. Ein Bünd­nis hat nur Sinn und kommt nur zustande, wenn den Betei­lig­ten der Raum gelas­sen wird, ihre jewei­li­gen eige­nen Motive und Inter­es­sen ein­zu­brin­gen und nicht die Ein­heit jedem ‚Par­ti­ku­la­ris­mus’ der Betei­lig­ten über­ge­ord­net wird.‘
(aus mei­nem aller­ers­ten Papier zum NaO-​​Prozeß „Anti­ka­pi­ta­lis­tisch ist nicht revo­lu­tio­när genug!“)“

Siehe dazu auch mei­nen Text:

Bom­bar­diert das Haupt­quar­tier der Philosophen-​​Könige
;

engl.: Bom­bard the Head­quar­ters of the Phi­lo­so­pher Kings, or: Do we leave them their old age home in the Ivory tower of uni­ver­sa­lism?

sys­tem­crash:

„eine gemein­same poli­ti­sche orga­ni­sa­tion (‚par­tei‘) mit ‚post­au­to­no­men‘, ‚post­mo­der­nen‘ und ‚femi­nis­ten‘ ist nicht MEINE per­spek­tive; dazu bin ich dann doch ein zu verstockt-​​dogmatischer trotz­kist, trotz gros­ser sym­pa­thien für hetero­do­xes den­ken.“

Feministische Essentials

Unter der Adresse https://​links​un​ten​.indy​me​dia​.org/​d​e​/​n​o​d​e​/​66283 habe ich die auf das Geschlech­ter­ver­hält­nisse bezo­ge­nen Pas­sa­gen mei­nes Vor­schla­ges für die Aus­for­mu­lie­rung der NaO-​​Essentials erläu­tert.

Revolutionäre Essentials

Seit März letz­ten Jah­res dis­ku­tie­ren mitt­ler­weile – mit unter­schied­lich inten­si­ver Betei­li­gung – ein gutes Dut­zend (siehe die dor­tige side­bar) Grup­pen und Klein-​​Organisationen sowie einige Ein­zel­per­so­nen der revo­lu­tio­nä­ren Lin­ken in der BRD über die Schaf­fung einer gemein­sa­men Orga­ni­sa­tion. Im blog, der zu die­ser Debatte ein­ge­rich­tet wurde, pos­tete ich gerade einen Vor­schlag für eine „Erklä­rung über die theoretisch-​​strategischen Grund­la­gen des NaO-​​Prozesses“. („NaO“ steht für „neue anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Orga­ni­sa­tion“, was der etwas euphe­mis­ti­sche vor­läu­fige Arbeitsti­ti­tel für das ist, was eigent­lich eine neue revo­lu­tio­näre Orga­ni­sa­tion wer­den soll. „NaO-​​Prozeß“ bezeich­net den Dis­kus­si­ons­pro­zeß über die Schaf­fung einer sol­chen Orga­ni­sa­tion.):

http://​www​.nao​-pro​zess​.de/​b​l​o​g​/​e​s​s​e​n​t​i​a​l​-​v​o​r​s​c​h​l​a​g​-​a​l​s​-​e​i​n​-​f​o​r​t​l​a​u​f​e​n​d​e​r​-​text/. -

Im glei­chen Kon­text argu­men­tierte ich ges­tern bei scharf-​​links, daß

-- zwar Lenin mit sei­nem Satz, die Lohn­ab­hän­gi­gen sind die Klasse, die „Herr­schaft der Bour­geoi­sie stür­zen kann (meine Hv.) Recht hatte,

-- aber Satz, „Das Pro­le­ta­riat ist das revo­lu­tio­näre Sub­jekt“, (empi­risch) unzu­tref­fend und (als Ver­klei­dung einer poli­ti­schen Hoff­nung in eine schein­bar empi­ri­sche Aus­sage) poli­tisch unnütz ist.

Fünf Fragen an den Gen. khs --- [jetzt mit 2.d) als Nachtrag]

1. Habe ich rich­tig ver­stan­den, daß Du nicht nur die Ant­wort der SIB an die Antifa Basis­gruppe, son­dern auch mei­nem Vor­schlag für die Aus­for­mu­lie­rung der Essen­ti­als vor­wirfst, die „Klas­sen­ori­en­tie­rung“ auf­zu­ge­ben?
Falls, ja: Wie begrün­dest Du diese Auf­fas­sung in Anbe­tracht des­sen, daß es in mei­nem Aus­for­mu­lie­rungs­vor­schlag heißt:

„Der Zweck unse­rer Orga­ni­sie­rung ist die Über­win­dung jeg­li­cher Herr­schaft und Aus­beu­tung. […]. Wir sind uns einig, dass die Errei­chung die­ses Ziel […] nicht nur die Über­win­dung des Kapi­ta­lis­mus, son­dern auch die von Ras­sis­mus und männ­li­cher Domi­nanz […] erfor­dert.“

(http://​www​.nao​-pro​zess​.de/​b​l​o​g​/​e​s​s​e​n​t​i​a​l​-​d​i​s​k​u​s​s​i​o​n​-​u​e​b​e​r​a​r​b​e​i​t​e​t​e​r​-​v​o​r​s​c​h​l​a​g​-​z​u​-​e​-​0​-​e​i​n​l​e​i​t​u​n​g​-​u​n​d​-​e​-​1​-​r​e​v​o​l​u​t​i​o​n​a​e​r​e​r​-​b​ruch/)

„Wir gehen gemein­sam davon aus, daß die Über­win­dung des Kapi­ta­lis­mus nur mög­lich sein wird, wenn sie von der Mehr­heit der Lohn­ab­hän­gi­gen gewollt und zumin­dest von gro­ßen Tei­len von ihnen aktiv voll­zo­gen wird. […]. Diese Einsicht/​en schließt/​en jeden Ver­such aus, revo­lu­tio­näre Pro­zesse in ers­ter Linie gestützt auf eine selbst­be­züg­li­che sub-​​kulturelle Szene oder eine von den aus­ge­beu­te­ten und beherrsch­ten Mas­sen los­ge­löste Möchte-​​gern-​​Avantgarde, aber auch gestützt auf einen schon immer frag­wür­di­gen Proletkult/​Ouvrierismus vor­an­zu­trei­ben.“

(http://​www​.nao​-pro​zess​.de/​b​l​o​g​/​e​-​4​-​p​a​r​t​e​i​l​i​c​h​k​e​i​t​-​a​n​t​a​g​o​n​i​s​t​i​s​c​h​e​-​o​r​i​e​n​t​i​e​r​u​n​g​-​v​o​r​m​a​l​s​-​k​l​a​s​s​e​n​o​r​i​e​n​t​i​e​rung/)
Damit ist aus­ge­drückt, daß die Errei­chung unse­res Ziels vor­aus­setzt, die Mehr­heit der Lohn­ab­hän­gi­gen eben­falls von der Ableh­nung der kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­weise zu über­zeu­gen.
Worin liegt Dei­nes Erach­tens also die Auf­gabe der Klas­sen­ori­en­tie­rung? (mehr…)

Einige politische Fragen an den AKKA

Vor­be­mer­kung 1.: Die fol­gen­den Fra­gen sind sehr ein­fach. Dies mag den Nach­teil haben, daß sie als sehr sche­ma­tisch erschei­nen. Die­sen Nach­teil gebe ich gerne zu. Sie haben damit aber auch den Vor­teil, daß sie von allen poli­ti­schen Akti­vis­tIn­nen ver­stan­den wer­den kön­nen (mehr…)

Feminismus als Fußnote

unter die­sem Titel erschien ges­tern bei scharf-​​links ein Arti­kel von mir:

http://​scharf​-links​.de/​2​6​6​.​0​.​h​t​m​l​?​&​a​m​p​;​t​x​_​t​t​n​e​w​s​[​t​t​_​n​e​w​s​]​=​2​7​3​0​9​&​a​m​p​;​t​x​_​t​t​n​e​w​s​[​b​a​c​k​P​i​d​]​=​5​6​&​a​m​p​;​c​H​a​s​h​=​8​e​9​f​7​92856.

Braucht eine revolutionäre Organisation eine Geschichtsphilosophie?

Das anti­na­tio­nale, kom­mu­nis­ti­sche Ums Ganze-Bünd­nis wurde im Dis­kus­si­ons­pro­zeß über die Schaf­fung einer neuen anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Orga­ni­sa­tion der „sub­jek­ti­ven Revo­lu­tio­nä­rIn­nen“1 (NaO-​​Prozeß) von den meis­ten Dis­kus­si­ons­be­tei­lig­ten bis­her weit­ge­hend igno­riert. Mit dem Papier „Der Klas­sen­kampf und die Kom­mu­nis­tIn­nen. Ein Stra­te­gie­vor­schlag.“ sei­ner Bre­mer Mit­glieds­gruppe hat es das Ums Ganze-Bünd­nis – ver­mut­lich eher unab­sicht­lich ;-) – geschafft, all­ge­meine Auf­merk­sam­keit im NaO-​​Prozeß auf sich zu zie­hen (siehe dort die neu­es­ten Arti­kel: http://​www​.nao​-pro​zess​.de/blog).

Die Sozia­lis­ti­sche Initia­tive Ber­lin (SIB), in der ich seit rund einem Jahr Mit­glied bin, hat eine Ant­wort „Ums Ganze kämp­fen geht nur mit Lenin!“, in der ein – gemes­sen an ‚real’sozialistischen Posi­tio­nen, aber auch gemes­sen an vie­len Mao-​​Lesarten – unkon­ven­tio­nel­les Leninismus-​​Verständnis ver­tre­ten wird, geschrie­ben: „Unkon­ven­tio­nell“ des­halb, weil Lenin dort als Kri­ti­ker des Pro­let­kults, des Geschichts­de­ter­mi­nis­mus und des Ökono­mis­mus prä­sen­tiert wird.

Das hat nun einen Ver­fech­ter die­ser Trias, den Gen. Schu­bert, auf den Plan geru­fen: Die SIB habe sich von einem ihrer eige­nen „Essen­ti­als“, dem der Klas­sen­ori­en­tie­rung, ver­ab­schie­det. („Essen­ti­als“ wer­den im NaO-​​Prozeß fünf Posi­tio­nen, dar­un­ter – neben dem Ziel eines revo­lu­tio­nä­ren Bruchs – u.a. die Klas­sen­ori­en­tie­rung, genannt, die die SIB am Anfang des Dis­kus­si­ons­pro­ze­ses [damals war ich noch nicht SIB-​​Mitglied] für „unver­han­del­bar“ erklärte hatte.)

Gen. Schu­bert ist Ver­fech­ter der – von mir als „geschichts­phi­lo­so­phisch“ bezeich­ne­ten – These: „Das Pro­le­ta­riat ist das revo­lu­tio­näre Sub­jekt.“

Die poli­ti­schen Dis­kus­sio­nen, die dazu im NaO-​​blog geführt wur­den und wer­den, erschließt ein Arti­kel „Zum Stand der NaO-​​Essential-​​Debatte“ von mir, der ver­mut­lich in den nächs­ten Tagen bei scharf-​​links erschei­nen wird [update: ist mitt­ler­weile erschie­nen]. Diese poli­ti­schen Dis­kus­sio­nen sind m.E. im NaO-​​blog gut auf­ge­ho­ben.

Ich möchte hier statt des­sen auf eine theo­re­ti­sche Frage, die Gen. sys­tem­crash, mit dem ich im NaO-​​Prozeß meis­tens einer Mei­nung bin, ein­ge­hen:

1.

sys­tem­crash schreibt:

„ich glaube, DG, was du wirk­lich nicht kapie­ren WILLST (und ich bin bei gott kein anhän­ger eines sta­li­ni­sier­ten glau­bens­be­kennt­nis a la HIST­O­MAT und DIA­MAT), dass der ana­ly­ti­sche begriff ‚pro­le­ta­riat‘ (oder lohn­ar­bei­ter­klasse) nicht NUR eine empi­ri­sche (sozio­lo­gi­sche) dimen­sion hat, son­dern eben auch eine POTEN­TI­ELL (da stimme ich dir zu) geschichts­phi­lo­so­phi­sche, die objek­tiv in die struk­tur der kapi­ta­lis­ti­schen gesell­schaft ein­ge­schrie­ben ist; die aber nur dann wirk­sam wer­den kann, wenn rele­vante teile der klasse dies auch BEWUSST­SEINS­MÄS­SIG ERFAS­SEN.“

a) Kapie­ren tue ich schon, daß der Begriff „Pro­le­ta­riat“ in der These des Gen. Schu­bert eine geschichts­phi­lo­so­phi­sche Dimen­sion hat. (Das ist ja gerade mein Kri­tik­punkt.)

b) Nur – ich halte geschichts­phi­lo­so­phisch Posi­tio­nen gene­rell für falsch, oder genauer gesagt: für bes­ten­falls sinn­los, schlimms­ten­falls: schäd­lich!2

c) Eine For­mu­lie­rung, wie (mehr…)

Lenins 22 grundlegenden Einsichten

Die fol­gende Zitate-​​Sammlung ent­stand bereits im April 2010 aus Anlaß des damals bevor­ste­hen­den 140. Geburts­tags Lenins, wurde aber damals nicht recht­zei­tig fer­tig und blieb dann erst ein­mal lie­gen. – Ich ver­öf­fent­li­che sie jetzt aus dem aktu­el­len Anlaß der ‚Leninismus-​​Debatte’ im NaO-​​Prozeß (1 [Abschnitt 4. sowie die fol­gen­den Kom­men­tare], siehe auch 2 und 3).

[Die fol­gende Zitate-​​Sammlung als drei-​​sprachige (Eng­lisch, Deutsch, Kas­ti­lisch [‘Spa­nisch‘] bzw. Fran­zö­sisch) .pdf-Datei]

1. Sta­lin ist zu grob und ten­diert zu Eil­fer­tig­keit und zum Admi­nis­trie­ren

„Gen. Sta­lin hat, nach­dem er Gene­ral­se­kre­tär gewor­den ist, eine uner­mess­li­che Macht in sei­nen Hän­den kon­zen­triert, und ich bin nicht über­zeugt, dass er es immer ver­ste­hen wird, von die­ser Macht vor­sich­tig genug Gebrauch zu machen.“
„Sta­lin ist zu grob, und die­ser Man­gel, der in unse­rer Mitte und im Ver­kehr zwi­schen uns Kom­mu­nis­ten durch­aus erträg­lich ist, kann in der Funk­tion des Gene­ral­se­kre­tärs nicht gedul­det wer­den. Des­halb schlage ich den Genos­sen vor, sich zu über­le­gen, wie man Sta­lin ablö­sen könnte, und jemand ande­ren an diese Stelle zu set­zen“
„Mir scheint, hier haben Sta­lins Eil­fer­tig­keit und sein Hang zum Admi­nis­trie­ren […] eine ver­häng­nis­volle Rolle gespielt. Wut ist in der Poli­tik gewöhn­lich über­haupt von größ­tem Übel.“
http://​www​.mxks​.de/​f​i​l​e​s​/​S​U​/​L​e​n​i​n​.​T​e​s​t​a​m​e​n​t.pdf

2. Marx’ Theo­rie ist nur das Funda­ment der Wis­sen­schaft, die die Sozia­lis­ten nach allen Rich­tun­gen wei­terentwickeln müs­sen

„Wir betrach­ten die Theo­rie von Marx kei­nes­wegs als et­was Abge­schlossenes und Unan­tast­ba­res; wir sind im Gegen­teil davon über­zeugt, daß sie nur das Funda­ment der Wis­sen­schaft gelegt hat, die die Sozia­lis­ten nach allen Rich­tun­gen wei­terentwickeln müs­sen, wenn sie nicht hin­ter dem Leben zurück­blei­ben wol­len.”
LW 4, 205 f.

„revo­lu­tio­näre Theo­rie [… ist] kein Dogma […], son­dern [sie nimmt] nur in engem Zusam­men­hang mit der Pra­xis einer wirk­li­chen Mas­sen­be­we­gung und einer wirk­lich revo­lu­tio­nä­ren Bewe­gung end­gül­tige Gestalt an.”
http://​www​.mar​xists​.org/​d​e​u​t​s​c​h​/​a​r​c​h​i​v​/​l​e​n​i​n​/​1​9​2​0​/​l​i​n​k​s​r​a​d​/​k​a​p​0​2​.html

Die „wis­sen­schaft­li­che Erfor­schung des Impe­ria­lis­mus [… ist] wie die Wis­sen­schaft über­haupt end­los“ (Lenin 1915a, 204)

3. Die kon­krete Ana­lyse einer kon­kre­ten Situa­tion – die leben­dige Seele des Marxis­mus (mehr…)