Warum heute noch KommunistIn sein? Und: Was wir am Kommunismus ändern müssen?

Im April hatte ich mein Papier „Worum geht es dem trans­ge­nia­len CSD eigent­lich? Eine feministisch-​​kommunistische Kri­tik“ vor­ge­legt. Damals fragte mich eine Genos­sin per mail: „Was kom­mu­nis­tisch Heute mei­nen könnte, […], weil es mich inter­es­siert und ich nach Zugän­gen suche…
Zugänge, die all­ge­mein­ver­ständ­lich sind und die NICHt ein­fach igno­rie­ren, das mit dem Wort geschicht­lich schon auto­ri­täre Irr­tü­mer ver­tre­ten wur­den.“
Ich sah mich zwar im April nicht und ich sehe mich auch jetzt nicht als ver­pflich­tet an, jedes­mal, wenn ich das Wort „kom­mu­nis­tisch“ ver­wende, eine Dis­tan­zie­rung von den mit des­sen Wort­ge­schichte ver­bun­de­nen „auto­ri­täre Irrtümer[n]“ bei­zu­fü­gen. – Daß mein Kommunismus-​​Verständnis ein ande­res als das real­so­zia­lis­ti­sche ist, ergab sich damals allein schon aus dem dama­li­gen gleich­zei­ti­gen Bezug auf den Femi­nis­mus. Und auch in den meis­ten ande­ren Tex­ten, in denen ich von „Kom­mu­nis­mus“ spre­che, dürf­ten sich der­ar­tige Unter­schiede jeweils erschlie­ßen las­sen. Von einer Gesamt­lek­türe mei­ner dies­bgl. Text­pro­duk­tion (1 und 2) ganz abge­se­hen. ;-)
Indem heute aber ein Genosse im Rah­men der aktu­ell lau­fen­den Programm-​​ und Orga­ni­sie­rungs­de­batte die 21 Auf­nah­me­be­din­gun­gen der Kom­In­tern in Erin­ne­rung brachte, brachte er mir in Erin­ne­rung, daß ich mich – vor rund 20 Jah­ren – auch bereits ein­mal mit dem KomIntern-​​Dokument befaßt hatte.
Ich schrieb damals ein Papier „Warum heute noch Kom­mu­nis­tIn sein? Und: Was wir am Kom­mu­nis­mus ändern müs­sen?“. Das Papier war für einen Dis­kus­si­ons­zir­kel bestimmt, der damals eine Ver­an­stal­tung plante, die aber schließ­lich nicht rea­li­siert wurde. Das Papier blieb damals unver­öf­fent­licht. – Es sei nun­mehr als nach­träg­li­che Ant­wort auf die mir im April gestellte Frage ver­öf­fent­licht. (Für die jet­zige Ver­öf­fent­li­chung habe ich dama­lige Tipp­feh­ler kor­ri­giert, das Lite­ra­tur­ver­zeich­nis um
links ergänzt, die Fuß­note 5 hin­zu­ge­fügt und in These II.8 eine kleine – gekenn­zeich­nete – inhalt­li­che Kor­rek­tur vor­ge­nom­men. Zur dama­li­gen These II.4. sei mitt­ler­weile auf diese bei­den [1 und 2] Prä­zi­sie­run­gen hin­ge­wie­sen.)

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I. Metho­di­sches

1. Engels sagt: „Es wird die Pflicht (…) sein, sich über alle theo­re­ti­schen Fra­gen mehr und mehr auf­zu­klä­ren (…) und stets im Auge zu behal­ten, daß der Sozia­lis­mus, seit­dem er eine Wis­senschaft gewor­den ist, auch wie eine Wis­sen­schaft betrie­ben, d.h. stu­diert wer­den will“ (Engels 1874, 517). Und Lenin sagt: „Wir betrach­ten die Theo­rie von Marx kei­nes­wegs als et­was Abge­schlossenes und Unan­tast­ba­res; wir sind im Gegen­teil davon über­zeugt, daß sie nur das Funda­ment der Wis­sen­schaft gelegt hat, die die Sozia­lis­ten nach allen Rich­tun­gen wei­terentwickeln müs­sen, wenn sie nicht hin­ter dem Leben zurück­blei­ben wol­len.“ (Lenin 1899, 205 f.1).
Diese Bestim­mung der revo­lu­tio­nä­ren Theo­rie auch als Wissen­schaft bedeu­tet die Abgren­zung von jedem Dog­ma­tis­mus und eröff­net die Mög­lich­keit zur Selbst­kor­rek­tur und zur imma­nent Wei­terentwicklung. Mit die­ser Bestim­mung der revo­lu­tio­nä­ren Theo­rie ist zum zwei­ten eine dop­pelte Abgren­zung abge­nom­men: 1. ge­genüber jenen, die revo­lu­tio­näre Theo­rie ausschließ­lich als Phi­losophie (‚Kri­ti­sche Theo­rie’) auf­fas­sen und 2. gegen­über je­nen, die revo­lu­tio­näre Theo­rie als angeb­lich wis­sen­schaft­li­che Welt­an­schau­ung, also letzt­lich eben­falls Phi­lo­so­phie, (Sta­li­nis­mus) aus­ge­ben. (Da eine Welt­an­schau­ung gerade keine Wis­sen­schaft ist, bedeu­tet die ge­nannte Wort­kom­bi­na­tion die Unter­ord­nung der Theo­rie unter die prag­ma­ti­schen [Macht]-Notwendigkeiten des poli­ti­schen All­tags. Wohin dies führt, haben wir alle die letz­ten Jahr­zehnte gese­hen – mit dem schließ­li­chen Er­gebnis des Zusam­men­bruchs.)2
(Die RAF steht mit ihrer praktizi­stischen (prag­ma­ti­schen) Aus­le­gung, die sie der mar­xis­ti­schen These vom „Pri­mat der Pra­xis“ gege­ben hat, eben­falls in die­ser wis­sen­schafts­feind­li­chen Tra­di­tion. Diese Wissenschaftsfeind­lichkeit hat es ihr unmög­lich gemacht, die pro­duk­ti­ven Ansätze aus dem „Kon­zept Stadt­gue­rilla“ und aus „Stadt­gue­rilla und Klas­sen­kampf“, auf die Ali Jan­sen /​ Bern­hard Rösen­köt­ter und Michi Die­t­i­ker jüngst in ihrem „Messerrücken“-Text erneut auf­merksam gemacht haben, wei­ter­zu­ent­wi­ckeln als sich die politi­schen Bedin­gun­gen u.a. mit dem Schei­tern der Mai-​​Offensive 1972 ver­än­dert hat­ten. Statt zu einer sol­chen pro­duk­ti­ven Weiterent­wicklung kam es zu dem bekann­ten mili­ta­ris­ti­schen Subjektivis­mus, des­sen Schei­tern im ver­gangenen Jahr nun auch die RAF er­kannt hat. Die­ses Mal scheint ihr – man­gels der theoreti­schen Waf­fen der Revo­lu­tion – nur der Weg in den sub­jek­ti­vis­ti­schen Neo-​​Reformismus zu blei­ben.)

2. Rosa Luxem­burg sagt: „Es kann keine grö­bere Belei­di­gung, keine ärgere Schmä­hung gegen die Arbei­ter­schaft aus­ge­spro­chen wer­den als die Behaup­tung: theo­re­ti­sche Auseinandersetzun­gen seien ledig­lich eine Sache der ‚Aka­de­mi­ker‘. (…). Solange die theo­re­ti­sche Erkennt­nis bloß das Pri­vi­le­gium einer Hand­voll ‚Aka­de­mi­ker’ in der Par­tei bleibt, droht ihr immer die Gefahr, auf Abwege zu gera­ten.“ (Luxem­burg 1899, 371).
Die­sen Aus­gangs­punkt wäh­lend, sol­len im fol­gen­den einige Punkte auf­ge­zeigt wer­den, in denen der tra­di­tio­nelle Mar­xis­mus weiter­hin Recht hat (II.) und einige Punkte, in denen der Mar­xis­mus revi­diert wer­den muß (III.). Dabei wird sich dann zei­gen, daß auch die ‚Wahr­hei­ten’ unter II. nur die halbe bzw. viel­mehr eine Drittel-​​Wahrheiten sind.

II. Warum heute noch Kom­mu­nis­tIn sein?

1. Nach wie vor rich­tig ist die Erkennt­nis, daß die Herrschen­den ihre Macht nicht frei­wil­lig abge­ben wer­den, und daß wir nicht in der Lage sein wer­den, ihren Wider­stand zu bre­chen, wenn wir abwar­ten bis uns die Macht­frage von den Herr­schen­den gestellt wird. Kommuni­stInnen unter­las­sen es des­halb „kei­nen Au­genblick, bei den Arbei­tern ein mög­lichst kla­res Be­wußtsein über den feind­li­chen Gegen­satz zwi­schen Bour­geoisie und Prole­tariat herauszuar­beiten, (…). Die Kommuni­sten ver­schmähen es, ihre An­sichten und Absich­ten zu ver­heimlichen. Sie erklä­ren of­fen, daß ihre Zwe­cke nur erreicht wer­den kön­nen durch den gewaltsa­men Umsturz aller bishe­rigen Gesellschafts­ordnung.“ (Marx/​Engels 1848, 492 f.). „Zwi­schen der kapi­ta­lis­ti­schen und der kom­mu­nis­ti­schen Gesell­schaft liegt die Periode der revolu­tionären Umwand­lung der einen in die andre. Der ent­spricht auch eine poli­ti­sche Über­gangsperiode, deren Staat nichts and­res sein kann als die revo­lu­tio­näre Dik­ta­tur des Proletari­ats.“ (Marx 1875, 28). Anders als in Sta­lins Kon­zep­tion ist der So­zialismus also keine eigen­ständige Pro­duk­ti­ons­weise, in der Klas­senkampf abstirbt; viel­mehr ist in ihm der Klassen­kampf für den Kom­mu­nis­mus, für die staats-​​ und herr­schafts­lose Gesell­schaft „in neuer Form und mit neuen Mit­teln (fort­zu­set­zen)“ (Lenin 1921, 482).

2. Rich­tig bleibt auch die Erkennt­nis, daß soziale Bewe­gun­gen (seien es die alten [Gewerk­schaf­ten] oder die neuen), die ihren Pro­test und Wider­stand an einem oder meh­re­ren ein­zel­nen Punk­ten der gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nisse arti­ku­lie­ren, als Gesamt­heit eben wegen die­ser Beschrän­kung auf ein­zelne Punkte kein revo­lu­tio­nä­res Bewußt­sein haben kön­nen. Ihnen fehlt „die Er­kenntnis der unver­söhn­li­chen Gegensätzlich­keit ihrer Interes­sen zu dem gesam­ten gegenwär­tigen politi­schen und so­zialen Sy­stem“ (Lenin 1902, 385 f.).

3. Zur Erar­bei­tung, jeweils aktu­el­len Fun­die­rung und Verteidi­gung die­ser Erkennt­nis, bedarf es einer orga­ni­sa­to­ri­schen Struk­tur, die in der Lage ist, diese Arbeit zu leis­ten: Der Kommunisti­schen Par­tei (Lenin 1899b, 211; 1901, 325; 1902, 379 f.), die als – wie es im Kommuni­stischen Mani­fest heißt – „prak­tisch der ent­schiedenste, immer weiter­treibende Teil der Arbei­terparteien aller Län­der“ diese Auf­gabe zu erfül­len hat. Die Kom­mu­nis­tIn­nen „kämp­fen für die Errei­chung der un­mittelbar vor­lie­gen­den Zwe­cke und Inter­es­sen der Ar­beiterklasse, aber sie ver­tre­ten in der gegen­wär­ti­gen Bewe­gung zugleich die Zukunft der Bewe­gung.“ (Marx/​Engels 1848, 474).
(Wenn wir sagen, daß die Exis­tenz einer Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei not­wen­dige Vor­aus­set­zung für eine kom­mu­nis­ti­sche Revo­lu­tion ist, dann sagen wir nicht, daß es jeder­zeit mög­lich sei, eine Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei zu grün­den. Wir den­ken, daß es zur Zeit in der BRD nicht mög­lich ist, eine Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei zu grün­den.)

4. In Anbe­tracht des unter II.1. ange­spro­chen Ziels des „gewalt­sa­men Umstur­zes aller bisheri­gen Gesell­schafts­ord­nung“ und der dadurch not­wen­di­ger­weise her­vor­ge­ru­fe­nen Repres­sion bleibt es auch wei­ter­hin „unbe­dingt not­wen­dig, die legale mit der illega­len Tätig­keit zu ver­bin­den“. KommunistIn­nen „sind ver­pflich­tet, über­all einen par­al­le­len ille­ga­len Appa­rat zu schaf­fen“ (Lenin 1920b, 195 – Auf­nah­me­be­din­gung Nr. 3 der Kom­In­tern).

5. Der Kampf für die Revo­lu­tion bedeu­tet kei­nen Ver­zicht auf den Kampf um Refor­men. Kom­munistInnen ord­nen aber den Kampf um Refor­men als ein Mit­tel dem Zweck der sozia­len Um­wälzung unter (vgl. Luxem­burg 1899, 369). D.h. wir „machen nur sol­che Refor­men zu un­serer Losung, die unbe­dingt im Inter­esse des revolu­tionären Kamp­fes sind, die unbe­dingt zur Erhö­hung der Selbsttä­tigkeit, der Bewußt­heit und der Kampf­fä­hig­keit des Pro­le­ta­ri­ats beitra­gen.“ (Lenin 1906, 57).

6. Dies bedeu­tet wie­derum keine Abschwä­chung des Kamp­fes gegen „die Bour­geoi­sie, (…) ihre Hel­fers­hel­fer, die Refor­mis­ten al­ler Schat­tie­run­gen“ (nach Lenin 1920b, 193 f., 195 – Aufnahme­bedingung Nr. 1., vgl. 2., 7.). „Darin besteht eben der Unter­schied zwi­schen den Sozia­lis­ten und den Kom­mu­nis­ten, daß die Sozia­lis­ten es ableh­nen, so wie wir es in jeder Situa­tion tun, näm­lich revo­lu­tio­näre Arbeit zu leis­ten.“ (Lenin 1920c, 239). Punk­tu­elle Bünd­nisse mit Re­formistInnen sind nur mög­lich bei Auf­recht­er­hal­tung der „volls­ten Frei­heit der Agita­tion, Pro­pa­ganda und poli­ti­schen Tätig­keit“ (Lenin 1920a, 73).

7. Kom­mu­nis­tIn­nen leh­nen nicht nur den Sozi­al­pa­trio­tis­mus, son­dern auch den Sozialpazifis­mus ab. Sie füh­ren den Unter­drück­ten vor Augen, „daß ohne den revo­lu­tio­nä­ren Sturz des Ka­pitalismus kei­ner­lei inter­na­tio­na­les Schieds­ge­richt, kei­ner­lei Gerede von Ein­schrän­kun­gen der Kriegs­rüs­tun­gen, kei­ner­lei ‚demo­kra­ti­sche’ Reor­ga­ni­sa­tion“ der UNO „imstande sein wird, (…) neue inter­nationale Kriege zu“ ver­hin­dern (nach Lenin 1920b, 195 – Auf­nahmebedingung Nr. 6).

8. Kom­mu­nis­tIn­nen sind ver­pflich­tet, die Befrei­ungs­be­we­gun­gen in den vom Neokolonialis­mus beherrsch­ten Län­dern „nicht in Wor­ten, son­dern durch Taten zu unter­stüt­zen“ und, indem sie die Imperiali­stInnen im eige­nen Land zu bekämp­fen (nach Lenin 1920b, 196 – Auf­nah­me­be­din­gung Nr. 8.).

9. Kom­mu­nis­tIn­nen sind ver­pflich­tet in den neuen und alten so­zialen Bewe­gun­gen „sys­te­ma­tisch und hart­nä­ckig kom­mu­nis­ti­sche Arbeit zu leis­ten. Es ist not­wen­dig, in die­sen Ver­bän­den kommu­nistische Zel­len zu bil­den, (…).“ (nach Lenin 1920b, 196 – Aufnahmebedin­gung Nr. 9.).

10. Kom­mu­nis­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen sind „nach dem Prin­zip des demo­kra­ti­schen Zentralis­mus“ auf­zu­bauen (nach Lenin 1920b, 197 – Auf­nah­me­be­din­gung Nr. 13.).3
Dies ist nicht nur ein for­ma­les, son­dern vor allem ein inhalt­li­ches Prin­zip: „Damit die Par­tei lebt und Kon­takt zu den Mas­sen hat, ist es nö­tig, daß jedes Parteimit­glied ein akti­ves poli­tisches Ele­ment, ein Füh­rungs­ele­ment ist. Gerade weil die Par­tei stark zentra­lisiert ist, ist eine breite propagandi­stische und orga­ni­sa­to­ri­sche Ar­beit in ihren Rei­hen erfor­derlich, ist es not­wendig, daß die Par­tei ihre Mit­glie­der in orga­ni­sier­ter Weise erzieht und ihr ideologi­sches Ni­veau hebt. Zen­tra­li­sie­rung heißt vor al­lem, daß alle Mit­glie­der der Par­tei in jeder Situa­tion – auch im verstärk­ten Belage­rungszustand und auch, wenn die lei­tenden Ko­mitees für eine be­stimmte Zeit nicht funktionie­ren oder nicht mit der gesam­ten Peri­phe­rie der Par­tei ver­bun­den sein soll­ten – in ihrer Umge­bung in der Lage sein müs­sen, in und aus der Re­alität die not­wen­di­gen Ele­mente zu entneh­men, um eine Richtli­nie zu er­arbeiten, damit die Arbei­ter­klasse nicht ent­mutigt wird, daß sie spürt, daß sie geführt wird und noch kämp­fen kann. Die Aus­bil­dung der Mas­sen auf ideologi­schem Gebiet ist also eine Not­wen­dig­keit des revolutio­nären Kamp­fes, sie ist eine un­umgängliche Vorausset­zung für den Sieg.“ (Gramsci 1925, 120).

11. Die „Besitz­er­grei­fung der Pro­duk­ti­ons­mit­tel durch die Ge­sellschaft“ wird, „wie jede andre gesell­schaft­li­che Verände­rung, (…) aus­führ­bar nicht durch die gewon­nene Ein­sicht, daß das Da­sein der Klas­sen der Gerech­tig­keit, der Gleich­heit etc. wider­spricht, nicht durch den blo­ßen Wil­len, diese Klas­sen ab­zuschaffen, son­dern durch gewisse neue ökono­mi­sche Bedin­gun­gen“ (Engels 1880, 224) – näm­lich der Her­aus­bil­dung des gesell­schaftlichen Cha­rak­ters der Arbeit (Engels 1880, 212, 225), zunächst durch die Indus­tria­li­sie­rung der Pro­duk­tion und neuer­dings durch die Ver­wis­sen­schaft­li­chung der Pro­duk­tion. (Damit ist nur die Mög­lich­keit einer kom­munistischen Gesell­schaft, nicht aber deren auto­ma­ti­sche Ent­ste­hung auf­grund der Produk­tivkraftentwicklung [Ver­wis­sen­schaft­li­chung der Pro­duk­tion] be­hauptet.)

12. Diese bedeu­tet eine radi­kale Abgren­zung zu allen Ver­su­chen einer idea­lis­ti­schen (mora­li­schen, huma­nis­ti­schen etc., aber auch ratio­na­lis­ti­schen4) Begrün­dung des Kommunis­mus (Uto­pi­scher Sozia­lis­mus):
a) „Der Kom­mu­nis­mus ist für uns nicht ein Zustand, der herge­stellt wer­den soll, ein Ideal, wo­nach die Wirk­lich­keit sich zu rich­ten haben [wird]. Wir nen­nen Kom­mu­nis­mus die wirk­li­che Bewe­gung, wel­che den jet­zi­gen Zustand auf­hebt. Die Bedin­gun­gen die­ser Bewe­gung erge­ben sich aus der jetzt beste­hen­den Vorausset­zung.“ (Marx/​Engels 1845, 35).
(Dies sei ins­be­son­dere auch all­je­nen zur Erin­ne­rung gebracht, die sich jetzt – in Anbe­tracht des Zusam­men­bruchs des ‚real exis­tie­ren­den Sozia­lis­mus’ hin­stel­len und sagen, geschei­tert sei nicht die sozia­lis­ti­sche Idee, son­dern der Ver­such ihrer Rea­li­sie­rung oder so ähnlich:
„Inso­fern der his­to­ri­sche Kom­mu­nis­mus nicht aus sich selbst her­aus die Kraft gefun­den hat, seine Per­ver­sio­nen zu korrigie­ren, noch wir Mar­xis­ten die theo­re­ti­schen Instru­mente, die Ur­sachen hier­für wirk­lich zu erklä­ren, kann die Beru­fung auf seine unsterb­li­che Wahr­heit heute nichts wei­ter beinhal­ten, als die Leere des Wun­sches, der damit zum Aus­druck gebracht wird. Es han­delt sich vor allem um eine Form, nein zu sagen (und es ist oft wich­tig nein zu sagen, aber wie Brecht sinn­ge­mäß sagte, es ist noch wich­ti­ger zu sagen, wie). Dar­über hin­aus ist diese Posi­tion beson­ders bei einer Theo­rie und einer Bewe­gung unhalt­bar, die sich unauf­lös­lich mit­einander und mit ihrer histori­schen Ver­wirk­li­chung ver­knüpft ver­stan­den haben. Der Kommunis­mus ist (und er ist es sich schul­dig, dies zu sein) die ein­zige Theo­rie, die nicht hof­fen kann, sich vor einer his­to­ri­schen Ka­tastrophe in die Höhen eines Ide­als oder einer zeit­lo­sen Uto­pie ‚zu ret­ten’. Und wenn der Mar­xis­mus als Pro­gramm und als In­strument zum Erken­nen der Rea­li­tät wei­ter exis­tie­ren soll, dann muß dies auf einer ande­ren Grund­lage gesche­hen: In­dem er seine Fähig­keit zur Ana­lyse unter Beweis stellt, indem er seine ei­gene Geschichte be­greifbar macht.“ [Balibar 1991, 10].).
b) Im Kom­mu­nis­ti­schen Mani­fest heißt es über den „deutsche(n) oder ‚wah­ren’ Sozia­lis­mus“, er habe die „fran­zö­si­sche soziali­stisch-​​kommunistische Lite­ra­tur“ ihres revo­lu­tio­nä­ren Potenti­als beraubt. „Und da sie in der Hand der Deut­schen auf­hörte, den Kampf einer Klasse gegen die an­dre aus­zu­drü­cken, so war der Deut­sche sich bewußt, die ‚fran­zö­si­sche Ein­sei­tig­keit’ überwun­den, statt wah­rer Bedürf­nisse das Bedürf­nis der Wahr­heit statt der Inter­es­sen des Pro­letariats die Inter­es­sen des mensch­li­chen Wesens, des Men­schen über­haupt ver­tre­ten zu haben, des Men­schen, der kei­ner Klasse, der über­haupt nicht der Wirk­lich­keit, der nur dem Dunst­him­mel der phi­lo­so­phi­schen Phan­ta­sie ange­hört.“ (Marx/​Engels 1848, 485, 486).
c) Und über den „kritisch-​​utopischen Sozia­lis­mus und Kommunis­mus“ heißt es dort: „Sie wol­len die Lebens­lage aller Gesell­schaftsmitglieder, auch der best­ge­stell­ten ver­bes­sern. Sie ap­pellieren daher fort­wäh­rend an die ganze Gesell­schaft ohne Un­terschied, ja vor­zugs­weise an die herr­schende Klasse. Man braucht ihr Sys­tem ja nur zu ver­ste­hen, um es als den bestmög­lichen Plan der best­mög­li­chen Gesell­schaft anzu­er­ken­nen.“ (Marx/​Engels 1848, 490).
d) Und in einer Kri­tik an Bern­stein schrei­ben Marx und Engels: „Wo der Klas­sen­kampf als un­liebsame ‚rohe’ Erschei­nung auf die Seite gescho­ben wird, da bleibt als Basis des Sozialis­mus nichts als ‚wahre Men­schen­liebe’ und leere Redens­ar­ten von ‚Gerech­tig­keit‘.“ (Marx/​Engels 1879, 164).
e) Engels schreibt über die bür­ger­li­chen Auf­klä­rer und die uto­pischen Sozia­lis­ten: „Wir wis­sen jetzt, daß die­ses Reich der Ver­nunft wei­ter nichts war als das idea­li­sierte Reich der Bour­geoisie; (…). Wie die Auf­klä­rer, wol­len sie nicht zunächst eine bestimmte Klasse, son­dern sogleich die ganze Mensch­heit befreien.“ (Engels 1880, 191).

13. Rich­tig ist wei­ter­hin auch, daß nur die Arbei­te­rIn­nen­klasse die Erset­zung des Kapi­ta­lis­mus durch eine kom­mu­nis­ti­sche Ge­sellschaft voll­zie­hen kann. Denn nur sie kann die Herr­schaft der Kapi­ta­lis­tIn­nen stür­zen, ohne daß die Arbei­te­rIn­nen­klasse von einer neuen herr­schen­den Klasse unter­drückt wird; nur sie hat (neben den Kapi­ta­lis­tIn­nen) den (poten­ti­el­len) Zugriff auf die Pro­duktionsmittel. „(…) die Eman­zi­pa­tion der Arbeiter­klasse (muß) durch die Arbeiter­klasse selbst erobert wer­den“ (Marx 1864, 14). „Wir wol­len keine ande­ren Her­ren, son­dern keine!“ (Brecht/​Eissler).
(Dar­aus, daß es nur mög­lich ist, daß sich die ArbeiterInnen­klasse selbst befreit, folgt wie­derum nicht not­wen­di­ger­weise, daß sie sich auch tat­säch­lich befreien wird.)

14. „Es wurde bewie­sen (…) daß der Kapi­ta­list, selbst wenn er die Arbeits­kraft sei­nes Arbei­ters zum vol­len Wert kauft, den sie als Ware auf dem Waren­markt hat, den­noch mehr aus ihr her­ausschlägt, als er für sie bezahlt hat; (…).“ (Engels 1880, 209). Des­halb geht es den Kom­mu­nis­tIn­nen in zen­tra­ler Weise um die „Auf­he­bung des Pri­vat­ei­gen­tums“ (Marx/​Engels 1848, 475, vgl. 493).

III. Was wir am Kom­mu­nis­mus ändern müs­sen?

Um Fol­gen­des soll es in die­sem Abschnitt nicht gehen (obwohl es auch wich­tig ist, diese Fra­gen zu unter­su­chen):
-- Es soll nicht auf­ge­zeigt wer­den, wo es Wider­sprü­che im Werk der Klas­si­ke­rIn­nen gibt, und auch nicht, wo ein­zelne kommuni­stische Strö­mun­gen Unrecht (und andere Recht) hat­ten.
-- Es soll eben­falls nicht darum gehen, wo es im Mar­xis­mus un­beantwortete Fra­gen gibt.
Viel­mehr soll es im fol­gen­den darum gehen, wel­che gemein­sa­men fal­schen Ant­wor­ten von den unter­schied­li­chen domi­nan­ten kom­mu­nis­ti­schen Strö­mungen gege­ben wur­den und wel­che rich­ti­gen Ant­worten von ande­ren (v.a. Nicht-​​MarxistInnen) auf diese Fra­gen gefun­den wur­den. Es soll also auf­ge­zeigt wer­den, an wel­chen Punk­ten der Bedarf, den Kom­mu­nis­mus zu re­vidieren, schon (längst!) posi­tiv bestimmt wer­den kann.

1. Die tra­di­tio­nelle kom­mu­nis­ti­sche Theo­rie hielt ausschließ­lich das Ver­hält­nis zwi­schen den Klas­sen für die Domi­nante der gesell­schaft­li­chen Struk­tur. Rich­tig ist dem­ge­gen­über, daß auch das Ver­hält­nis zwi­schen den sozia­len Geschlech­tern (= [engl.] gen­der) und den ideo­lo­gisch kon­struierten ‚Ras­sen’ Domi­nan­ten der gesell­schaft­li­chen Struk­tur sind. Genauso wenig, wie zu er­warten ist, daß die Bour­geoi­sie ihre Macht als Klasse freiwil­lig auf­gibt, ist zu erwar­ten, daß die Män­ner als sozia­les Ge­schlecht und die Wei­ßen als ‚Rasse’ ihre Macht frei­wil­lig auf­geben (was indi­vi­du­el­len Klassen-​​ etc. ‚Ver­rat’ nicht aus­schließt).

2. Patri­ar­chat, Ras­sis­mus und Klas­sen­herr­schaft sind ana­ly­tisch (theo­re­tisch) zu unter­schei­den, aber real-​​historisch verfloch­ten. Es wird vor­ge­schla­gen, mit dem Begriff Impe­ria­lis­mus in Zu­kunft diese Ver­flech­tung zu bezeich­nen. Wei­ter wird vorge­schlagen, mit dem Begriff Kommu­nismus die Umwäl­zung die­ser drei Herr­schafts­ver­hält­nisse zu bezeich­nen.

3. Die ange­spro­chene Ver­flech­tung die­ser drei HERRschaftsver­hältnisse ver­leiht ihnen gegen­seitig Sta­bi­li­tät. Das bedeu­tet, daß schwarze und weiße Män­ner sowie weiße Frauen und Män­ner, die den Kapi­ta­lis­mus stür­zen wol­len, nicht nur ein Inter­esse an der Auf­recht­er­hal­tung ih­rer HerrscherInnen-​​Rolle haben, son­dern auch ein Inter­esse an der Umwäl­zung die­ser Rolle (da dadurch die genannte ‚Verflechtungs-​​Stabilität’ unter­gra­ben wird). Dies ist ein Wider­spruch in der revo­lu­tio­nä­ren Bewe­gung, der letzt­lich nur durch den Kampf der schwar­zen und wei­ßen Frauen und schwar­zen Frauen und Män­ner ent­schie­den wer­den kann.

4. Genauso blind, wie der Kom­mu­nis­mus gegen­über Herr­schaft au­ßerhalb des Ver­hält­nis­ses zwi­schen den Klas­sen war, genauso blind waren die meis­ten kom­mu­nis­ti­schen Strö­mun­gen für die Ver­änderungen in der Zusam­men­set­zung der Arbei­te­rIn­nen­klasse selbst. Genauso wenig, wie es rich­tig ist, aus der Ent­ste­hung einer wissenschaftlich-​​technischen Intel­li­genz in der (Pro­duk­tions)-ArbeiterInnenschaft (die von der ‚sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen’ Intel­li­genz im Öf­fentlichen Dienst und den freien Beru­fen zu unter­schei­den ist) zu schluß­fol­gern, daß sich die Arbei­ter­klasse auf­löse, ist es rich­tig gegen­über die­sem Ver­än­de­rungs­pro­zeß das Bild von der schwie­li­gen ArbeitER­faust zu kon­ser­vie­ren. (S. dazu: Wiet­hold 1985; Sprin­ger 1986; Schulze 1989, 5 f.; Meretz 1989).5

5. Genauso blind waren die domi­nan­ten kom­mu­nis­ti­schen Strömun­gen gegen­über dem – eben­falls u.a. mit die­ser Verwissenschaft­lichung der Pro­duk­tion ein­her­ge­hen­den Wan­del in der Bedürfnis­struktur der Arbei­te­rIn­nen­klasse. Bspw. ist in den „hoch­ent­wi­ckel­ten imperialisti­schen Zen­tren (…) die Ernäh­rungs-​​ und Woh­nungs­frage zumin­dest vor­läu­fig in einer Weise ge­regelt, die frü­her nur im Sozia­lis­mus mög­lich schien.“ (Fül­berth 1988, 40). Die gegen­über die­sem „tra­di­tio­nel­len Sy­stem der Bedürf­nisse“ (ebd.) neuen Bedürf­nisse, die sich bspw. in der Ökolo­gie­be­we­gung artikulier(t)en, wurden/​werden von vie­len Kom­mu­nis­tIn­nen – im Kon­text der Blind­heit gegen­über den Struk­tur­ver­än­de­run­gen in der Arbei­te­rIn­nen­klasse – als ‚klein­bür­ger­lich’ o.ä. betrach­tet. (Andere zogen es in Anbe­tracht die­ser Bor­niert­heit vor, sich vom Kom­mu­nis­mus zu verab­schieden und bei den GRÜ­NEN gegen den ‚Indus­tria­lis­mus’ zu kämp­fen anstatt die sys­te­mi­schen Ursa­chen der ökolo­gi­schen Krise im Impe­ria­lis­mus [im oben defi­nier­ten Sinne] aufzudec­ken.]

6. Die vor­ste­hend – insb. unter III.4. – ange­spro­che­nen Irrtü­mer wei­sen auf ein wei­te­res Pro­blem hin: Die Ent­ge­gen­set­zung von Theo­rie und Pra­xis in nahezu der gesam­ten Lin­ken (anstatt zu er­kennen, daß [revo­lu­tio­näre] theo­re­ti­sche Arbeit selbst eine [revo­lu­tio­näre] Pra­xisart ist). So gab es durch­aus einige linke WissenschaftlerInnen-​​Zusammenhänge, die diese Veränderun­gen früh­zeitig erkannt hat­ten; die poli­ti­sche Pra­xis der Lin­ken blieb aber davon unbe­rührt. Umge­kehrt redu­zierte sich die poli­tische Pra­xis vie­ler lin­ker Intel­lek­tu­el­ler auf Unterschriften­geben und Geld­spen­den.
Mit die­ser Ent­ge­gen­set­zung von Theo­rie und Pra­xis – wie sie bspw. auch von der RAF vorge­nommen wurde (s. dazu schon oben unter I.1.) – beraubte sich die Linke und die meis­ten Kommuni­stInnen mit ihr, ihrer ent­schei­den­den theo­re­ti­sche Waffe – der Mög­lich­keit, die Reali­tät zu erken­nen, sich selbst zu berichti­gen und in bes­se­rer Kennt­nis der Rea­li­tät effek­ti­ver auf sie ein wir­ken zu kön­nen.

7. Dies zeigte sich auch bei der Ana­lyse der kon­kre­ten gesell­schaftlichen Situa­tion in der BRD in den 70er (und teil­weise noch 80er) Jah­ren: Wäh­rend die einen die Mor­gen­röte der sozia­listischen Revo­lu­tion am Him­mel sahen, erwar­te­ten die ande­ren einen neuen Faschis­mus. Al­lein die frühe RAF wußte: „Die poli­tischen Mög­lich­kei­ten des Impe­ria­lis­mus sind hier weder in ih­rer refor­mis­ti­schen noch in ihrer faschis­ti­schen Vari­ante er­schöpft, seine Fähig­keit, die von ihm erzeug­ten Wider­sprü­che zu inte­grie­ren oder zu unter­drü­cken, nicht am Ende.“ (RAF 1971, 7).

6/​1993; durch­ge­se­hen am 26.11.2011

Lite­ra­tur:
Eti­enne Balibar, Mar­xis­mus, Ra­tionalismus, Irratio­nalismus, in: alterna­tive, Vol. 116, Okt. 1977, 225 – 232.
Eti­enne Balibar, Soziale Krise und Ideo­lo­gi­sche Krise, in: al­ternative, Vol. 118, Feb. 1978, 18 – 23.
Eti­enne Balibar, Europa nach dem Kom­mu­nis­mus (1991), in: Das Argu­ment, Vol. 191, Jan./Feb. 1992, 7 – 26.
Michi Die­t­i­ker /​ Ali Jan­sen /​ Bern­hard Rosen­köt­ter, Über das Schlei­fen von Mes­ser­rü­cken, in: inte­rim, Nr. 210, 08.10.1992, 20 – 25.
Fried­rich Engels, [Ergän­zung der Vor­be­mer­kung von 1870 zu „Der deut­sche Bau­ernkrieg“ (1874)], in: MEW 18, 512 – 517.
Fried­rich Engels, Die Ent­wick­lung des Sozia­lis­mus von der Uto­pie zur Wissen­schaft (1880), in: MEW 19, 177 – 228.
Georg Fül­berth, Das Ende als Chance, in: KON­KRET 4/​1988, 38 – 42.
Anto­nio Gramsci, Ein­füh­rung in den ers­ten Kurs der inter­nen Par­tei­schule (1925), in: ders., Zu Poli­tik, Ge­schichte und Kul­tur, hrsg. von Guido Zamis, Rö­derberg-​​Verlag: Frankfurt/​M., 19862, 113 – 121.
W.I. Lenin, Unser Pro­gramm (1899), in: LW 4, 204 – 208.
ders., Unsere nächs­ten Auf­ga­ben (1899), in: LW (19869) 4, 209 – 214.
ders., Eine Aus­ein­an­der­set­zung mit den Ver­tei­di­gern des Öko­nomismus (1899), in: LW (19788) 5, 319 – 327.
ders., Was tun? Bren­nende Fra­gen unse­rer Bewe­gung (1902), in: LW (19788) 5, 355 – 551.
W.I. Lenin, Noch ein­mal über ein Dum­aka­bi­nett (1906), in: LW 11, 55 – 59.
W.I. Lenin, Der „linke Radi­ka­lis­mus“, die Kin­der­krank­heit im Kom­mu­nis­mus (1920a), in: LW 31, 1 – 106.
W.I. Lenin, Bedin­gun­gen für die Auf­nahme in die Kommunisti­sche Inter­na­tio­nale (1920b), in: LW 31, 193 – 199.
W.I. Lenin, Rede über die Bedin­gun­gen für die Auf­nahme in die Kom­mu­nis­ti­sche Internatio­nale (1920c), in: LW 31, 234 – 240.
W.I. Lenin, The­sen zum Refe­rat auf dem III. Kon­greß der Kom­mu­nis­ti­schen Inter­na­tio­nale über die Tak­tik der KPR (1921), in: LW 32, 475 – 484.
Rosa Luxem­burg, Sozi­al­re­form oder Revo­lu­tion?, in: dies., Werke, Band 1/​1, 366 – 466.
Karl Marx, Pro­vi­so­ri­sche Sta­tu­ten der Inter­na­tio­na­len Arbeiter-​​Assoziation (1864), in: MEW 16, 14 – 16.
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Karl Marx /​ Fried­rich Engels, [Zir­ku­lar­brief an Bebel, Lieb­knecht, Bra­cke u.a. (1879)], in: MEW 19, 150 – 166.
Ste­fan Meretz, Arbei­te­rIn­nen­klasse und Intel­li­genz, in: Konse­quent 4/​1989, 99 – 104.
Rote Armee Frak­tion, Das Kon­zept Stadt­gue­rilla (1971), in: Redak­tion (Hg.), Aus­ge­wählte Doku­mente der Zeit­ge­schichte. Bun­desrepublik Deutsch­land (BRD) – Rote Armee Frak­tion (RAF), GNN Ver­lag: Köln, 19884, 5 – 13.
Rote Armee Frak­tion, Dem Volk die­nen. Stadt­gue­rilla und Klas­sen­kampf (April 1972), in: ebd., 15 – 27.
Det­lef Schulze, Per­spek­tive Avant­garde, in: Kon­se­quent 3/​1989, 5 – 9.
Michael Sprin­ger, Wis­sen­schaft, Tech­nik, Intel­li­genz, in: Düs­seldorfer De­batte (Düs­sel­dorf) 1/​1986, 13 – 23.
Fran­ziska Wiet­hold, Sta­bi­li­tät und Wan­kel­mut. Mythen um den Kern der Arbei­terklasse und die Intel­li­genz, in: Düs­sel­dor­fer Debatte 11/​1985, 3 – 19.

  1. Dort heißt es außer­dem: „Und nun fra­gen wir: Was haben denn jene groß­mäu­li­gen ‚Erneue­rer’ der Theo­rie (…) Neues zu die­ser Theo­rie bei­zu­tra­gen? Rein gar nichts: sie haben die Wis­sen­schaft, deren Wei­ter­ent­wick­lung uns das Ver­mächt­nis von Marx und Engels zur Pflicht gemacht hat, nicht um einen Schritt vor­wärtsgebracht; sie haben dem Pro­le­ta­riat keine neuen Kampfme­thoden gelehrt; sie sind ledig­lich zurück­ge­gan­gen, haben Bruch­stücke rück­stän­di­ger Theo­rien über­nom­men und pre­di­gen dem Pro­letariat keine Theo­rie des Kamp­fes, son­dern eine Theo­rie der Nach­gie­big­keit (…).“ [zurück]
  2. Vgl. zu die­sen bei­den Rich­tung: Kammler/​Plumpe/​Schöttler, Phi­lo­so­phie der Ideo­lo­gie oder Theo­rie des ideo­lo­gi­schen Klas­senkampfes?, in: alter­na­tive, Vol. 118, Feb. 1978, 2 – 17 (3 – 5, 16) und Kolkenbrock-​​Netz/​Schöttler, Für eine mar­xis­ti­sche Althus­ser-​​Rezeption in der BRD, in: Thieme u.a., Alt­hus­ser (SOAK-​​Einführungen 9), SOAK: Han­no­ver, 1982, 119 – 167 (130 – 138). [zurück]
  3. Ori­gi­nal­her­vor­he­bung von „Zen­tra­lis­mus“ getilgt und statt des­sen „demo­kra­tisch“ hervorge­hoben, d. Verf. [zurück]
  4. Ratio­na­lis­mus und Irrationalis­mus erwei­sen sich, inso­fern als der Mar­xis­mus als Philo­sophie (= dia­lek­ti­scher Ma­terialismus) in dop­pelter Oppo­si­tion zu Ratio­nalismus und Irra­tio­na­lis­mus steht, als bloße Pen­dants (Balibar 1977, 225 [Vor­be­mer­kung der Redak­tion], 227, 230, 232). Dem­ge­gen­über ergreift der dialekti­sche Mate­ria­lis­mus we­der für eine die­ser bei­den Strömun­gen Par­tei noch erstrebt einen Aus­gleich zwi­schen bei­den: „Der Marxis­mus ent­stand und ent­wickelte sich (…) aus­ge­hend vom Ratio­nalismus, gleich­zei­tig aber auch gegen ihn, als eine neue Form des Mate­rialismus, d.h. die erste ‚kon­se­quente’ Form des Materia­lismus, d.h. als die er­ste Form, die das Dominanzver­hältnis [Idea­lis­mus und Materialis­mus] umkehrt, das der Ratio­nalismus dage­gen auf­recht er­hält. Der Mar­xismus hat in doppel­ter Weise mit dem Ratio­nalismus gebro­chen: er hat die Ge­schichte der Gesellschafts­formationen zum Objekt der Wissen­schaft gemacht (was die ratio­na­lis­ti­sche ‚Ver­all­ge­mei­ne­rung’ im Sinne von ‚Natur­ge­set­zen’ aus­schließt), und er hat mit der Vor­stellung gebro­chen, die sich die juris­ti­sche Ideo­lo­gie von den ge­sellschaftlichen Verhältnis­sen macht, die ins­ge­heim diese Verallgemeine­rung stän­dig voll­zieht.“ Er ge­winnt seine Ele­mente aus dem Rationalis­mus und arbei­tet sie um, „damit ihre mate­ria­lis­ti­sche Ten­denz aufgegrif­fen, erwei­tert und berich­tigt wer­den kann.“ Dar­über hin­aus sind sie um andere Ele­mente zu er­gänzen bzw. ihnen unter­zu­ord­nen – bspw. den Kate­go­rien „Pro­zeß“ und „Wider­spruch“. (Balibar 1978, 22 f.). Des­halb kann der Marxis­mus schließ­lich nicht „die (der Groß­bour­geoi­sie und der Sozialdemokra­tie gemein­same) Posi­tion ein­nehmen und die ökono­mischen und poli­tischen Pro­bleme in Begrif­fen der ‚Ratio­na­li­tät’ und der ‚Irra­tio­na­li­tät’, in der logi­schen Wahl zwi­schen ra­tionalen ‚Model­len’ der Gesell­schaft statt in Be­griffen des Klas­sen“ sowie – so ist auf dem heu­ti­gen Stand der Dis­kus­sion hinzu­zufügen – femini­stischen und anti­ras­sis­ti­schen „kampfs for­mu­lie­ren.“ (Balibar 1978, 22). [zurück]
  5. Vgl. http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​k​o​p​r​o​d​u​k​t​i​o​n​e​n​/​m​o​d​e​r​n​e​r​-​k​a​p​i​t​a​l​i​s​m​u​s​-​a​r​b​e​i​t​e​r​i​n​n​e​n​k​l​a​s​s​e​-​p​o​l​i​t​i​s​c​h​e​s​-​s​u​b​jekt/. [zurück]
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