Slutwalk – noch eine Antwort auf Kritik an unserem Transpi

Ant­wort auf einen per­si­flie­ren­den Kom­men­tar bei lesa­rion1

Also – neuer Ver­such:

Wir leben in einem Sys­tem, das – unter Beru­fung auf die Bio­lo­gie, die aber selbst gar nicht so ein­deu­tig binär ist, wie der Gesetz­ge­ber behaup­tet und der All­tags­ver­stand meint2 – alle Indi­vi­duen einem von zwei Geschlech­tern zuord­net. Die binäre Zwei­ge­schlecht­lich­keit wird durch die­sen Zuord­nungs­pro­zeß über­haupt erst geschaf­fen.

Der Zuord­nungs­vor­gang geht zugleich mit der unglei­chen Zuwei­sung von Arbeit, Ein­kom­men, Lebens­qua­li­tät und Ver­hal­tens­an­for­de­run­gen (beim Sex, auf Arbeit, auf dem Sport­platz, beim Poli­tik machen, beim Kon­zert­be­such etc.) ein­her. Dies ist der gesell­schaft­lich ‚Sinn’ jener Zuord­nung aller Indi­vi­duen zu einem von zwei Geschlech­tern. (Ob die Leute blaue oder grüne Augen haben, ist dage­gen unter heu­ti­gen gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen egal.)

++ Eine ‚rich­tige Frau zu sein’, heißt nicht, eine Vulva und xx-​​Chromosomen zu haben, son­dern die für Frauen gel­ten­den Zuwei­sun­gen hin­zu­neh­men und die ent­spre­chen­den Ver­hal­tens­an­for­de­run­gen zu erfül­len. Ande­ren­falls ist sie eine „Schlampe“, ein „Mann­weib“ oder ähnli­ches.
++ Und: Ein ‚rich­ti­ger Mann zu sein’, heißt nicht einen Schwanz und xy-​​Chromosomen zu haben, son­dern die für Män­ner gel­ten­den Zuwei­sun­gen zu genie­ßen und sich gemäß der ent­spre­chen­den Ver­hal­tens­re­geln zu ver­hal­ten. Ande­ren­falls ist er ein „Weichei“, „schwul“ (auch wenn er noch nie mit einem Mann Sex hatte und auch nie­mals haben will) oder ähnli­ches.

Kon­kret erfol­gen jene unglei­chen Zuwei­sun­gen in der Weise, daß Män­ner das herr­schende und aus­beu­tende Geschlecht und Frauen das beherrschte und aus­ge­beu­tete Geschlecht sind. Nahezu jede Frau ist mit sexu­el­len Überg­rif­fen, von ‚anzüg­li­chen Bemer­kun­gen’ bis hin zu hand­fes­ten Ver­ge­wal­ti­gun­gen, kon­fron­tiert. Selbst über Frauen, die noch nicht ver­ge­wal­tigt wur­den, schwebt die Dro­hung der Ver­ge­wal­ti­gung. Die Täter sind zu aller­meis­ten Män­ner aus dem sozia­len Nah­be­reich der Beläs­tig­ten und Ver­ge­wal­tig­ten (Ver­wandte, Part­ner, Kol­le­gen, Genos­sen, Par­tei­freunde) – kurz: ‚ganz nor­male Män­ner’ – und nur sel­ten psy­cho­pa­thi­sche Seri­en­tä­ter, die hin­ter Büschen oder in dunk­len Ecken lau­ern. (Die vor­ste­hen­den Aus­sa­gen sind ana­ly­ti­sche Aus­sa­gen mit Anspruch auf wis­sen­schaft­li­che Wahr­heit.)

Der Umstand, daß Män­ner das herr­schende und aus­beu­tende Geschlecht und Frauen das beherrschte und aus­ge­beu­tete Geschlecht sind, wird mit dem Wort „Patri­ar­chat“ bezeich­net. (Dies ist eine nomi­na­lis­ti­sche Defi­ni­tion mit Anspruch auf Sinn­haf­tig­keit und Nach­voll­zieh­bar­keit.)

Als Femi­nis­tIn und Kom­mu­nis­tIn ist es mein poli­ti­sches Ziel, das Patri­ar­chat – wie auch alle andere Herr­schaft und Aus­beu­tung – zu über­win­den.
(Dies ist eine par­tei­li­che Aus­sage mit Anspruch auf poli­ti­sche Rich­tig­keit.)

Die Über­win­dung des Patri­ar­chats (ohne es durch ein Matri­ar­chat oder ein Geschlech­ter­ver­hält­nis, in dem bspw. die Inter­se­xu­el­len herr­schen, zu erset­zen) bedeu­tet, daß die gesell­schaft­li­che Zwei­ge­schlecht­lich­keit ihren Sinn ver­liert; d.h. jener Zuord­nungs­pro­zeß zu einem von zwei Geschlech­tern wird über­flüs­sig; die Geschlech­ter ver­schwin­den. Eine Vulva dient nicht mehr als Alibi dafür, dem gesell­schaft­li­chen Geschlecht „Frauen“ zuge­wie­sen zu wer­den, son­dern wird gesell­schafts­struk­tu­rell so egal, wie heute der Umstand, grüne Augen zu haben.

Daß die Über­win­dung des Patri­ar­chats und der ande­ren Herrschafts-​​ und Aus­beu­tungs­ver­hält­nisse so ver­dammt schwie­rig ist, liegt daran, daß kein Herrschafts-​​ und Aus­beu­tungs­ver­hält­nisse, das sich mehr als nur kurz­fris­tig an der Macht hal­ten soll, durch reine Repres­sion funk­tio­niert, son­dern jedes repro­duk­ti­ons­fä­hige Herrschafts-​​ und Aus­beu­tungs­sys­tem immer auch ‚Ange­bote’ an die Indi­vi­duen, die sich sys­tem­kon­form ver­hal­ten, macht /​ Beloh­nun­gen für sie in Aus­sicht stellt und z.T. auch tat­säch­lich ver­teilt.

Die Sys­tem­kon­for­mi­tät der Leute ist aber nicht deren indi­vi­du­elle, unpo­li­ti­sche ‚Pri­vat­sa­che’, son­dern es geht um die Frage, wie wir in einer Gesell­schaft zusam­men­le­ben, -arbei­ten und -lie­ben wol­len. Um so mehr sich ein­zelne Frauen von Män­nern bie­ten las­sen (genauso: Um sich mehr sich ein­zelne Lohn­ab­hän­gige vom Kapi­tal bie­ten las­sen), desto mehr steigt der (Erwartungs)druck auf alle ande­ren.

  1. Yas­hako kri­ti­sierte am 18.08. um unsere Parole vom „Män­ner abschaf­fen“ und meine Erläu­ter­tun­gen dazu wie folgt:

    „Also ich fasse zusam­men:
    Männ­lich­keit muss abge­schaft wer­den. (Grund??)
    Männ­lich ist, was nicht weib­lich ist.
    Was weib­lich ist, weiß ich nicht.
    Das Patri­ar­chat muss abge­schafft wer­den, weil das männ­li­che nicht domi­nant sein darf (oder so?)
    Weil einige (bio­lo­gi­sche) Män­ner ver­ge­wal­ti­gen, ist das Teil der männ­li­chen Rolle (Grund??)
    Und Frauen wer­den gegen ihren Wil­len aus­ge­beu­tet (mit ihrem Wil­len ist ihr Pri­vat­ver­gnü­gen) aber das ist so, weil es zu viele nicht bekämp­fen (also doch nicht gegen ihren Wil­len??) (Ich beziehe mich auf die­ses Land zu die­ser Zeit!!!)
    So habe ich die bei­den Thre­ads ver­stan­den bzw. eben nicht ver­stan­den… die pro­ble­ma­ti­sche Zusam­men­hänge habe ich glaube ich deut­lich gemacht.
    Danke für die Aus­führ­li­chen Erklä­rungs­ver­su­che… mög­li­cher­weise steh ich ein­fach auf dem Schlauch, aber ich sehe ein Sinn­pro­blem .“

    Hier wird meine Ant­wort von 20:13 h am glei­chen Tag an glei­cher Stelle doku­men­tiert.[zurück]

  2. http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​2​0​0​9​/​0​8​/​2​6​/​g​i​b​t​-​e​s​-​a​u​s​s​c​h​l​i​e​s​s​l​i​c​h​-​z​w​e​i​-​g​e​s​c​h​l​e​c​hter/. [zurück]
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