Nicht mit Ruhm bekleckert – linke, antideutsche und antiimperialistische Berichterstattung über die Slutwalks

Neben vie­len ande­ren berich­ten auch die Mei­nungs­füh­re­rin­nen des ‚anti­deut­schen’ Spek­trums, die Ham­bur­ger Zeit­schrift Kon­kret, sowie des ‚antt­im­pe­ria­lis­ti­schen’ Spek­trums, die Ber­li­ner Zei­tung junge Welt, über die Slut­walks. Beide Berichte zei­gen wie­der ein­mal, daß das Ver­hält­nis zwi­schen vie­len Lin­ken und dem Femi­nis­mus mit „unglück­li­cher Ehe“ (so die For­mu­lie­rung im Titel eines bekann­ten Auf­sat­zes und Sam­mel­ban­des von der Wende von den 70er zu den 80er Jah­ren) noch euphe­mis­tisch umschrie­ben ist.

junge Welt – eine schlechte Lese­rin

Die junge Welt scheint den Slutwalk-​​Aufruf schlecht gele­sen zu haben – oder ist der Ein­fach­heit hal­ber der main­stream-Presse auf den Leim gegan­gen sein: „Für den mor­gi­gen Sams­tag sind in meh­re­ren deut­schen Städ­ten ‚Schlam­pen­mär­sche’ geplant. Auch hier wol­len sich die Teil­neh­me­rin­nen bewußt sexy klei­den und dabei deut­lich machen, daß dies kein Frei­brief für sexu­elle Überg­riffe ist.“ –
Es gab aber bei den Slut­walks gar kei­nen dress code: „Bei der Slut­Walk Bewe­gung geht es nicht darum, end­lich mal halb­nackt durch die Stadt lau­fen zu dür­fen. Es geht darum, Men­schen nicht die Schuld an sexu­el­len Überg­rif­fen zu geben – selbst wenn sie halb­nackt durch die Stadt lau­fen. Es geht darum, sich ein Klima zu erkämp­fen, in dem ein selbst­be­stimm­tes Leben hin­sicht­lich Kör­per, Begeh­ren, Aus­se­hen, Sexua­li­tät und Geschlecht mög­lich ist.“ (http://​slut​walk​ham​burg​.blog​sport​.de/faq/)1

Nach dem die Slut­walks in jener Weise falsch ein­ge­führt wur­den, wer­den dann aus­gie­big kri­ti­sche Stel­lung­nah­men von Ver­tre­te­rin­nen der par­la­men­ta­ri­schen Lin­ken zitiert – die auf der Grund­lage der Falsch­dar­stel­lung der Slut­walks, als auf sexy Klei­dung fixiert, irgend­wie plau­si­bel klingt:
„Zu viele Frauen seien es, [so die Grüne Kat­rin Röni­cke] die ‚sich selbst seit Jahr­zehn­ten bekrie­gen (mit Hun­gern, Essen, stän­di­ger Arbeit am Kör­per, oder: indem sie eben­die­sen ver­ste­cken, aus Angst)’, […]. ‚Im Grunde wol­len wir alle, daß das auf­hört. Wir haben nur noch nicht begrif­fen, daß wir dafür mehr tun müs­sen, als auf Slut­walks zu gehen und Schön­wet­ter­re­den zu schwin­gen.’“ – Genau darum (Schön­heits­nor­men und Schlank­heits­dik­tate) geht es aller­dings bei dem in dem Slutwalk-​​Aufruf erwähn­ten: „selbstbestimmte[n] Leben hin­sicht­lich Kör­per, Begeh­ren, Aus­se­hen“.
Auch bei dem Soli­kon­zert am Don­ners­tag vori­ger Woche (11.08.2011) für den Ber­li­ner Slut­walk gab es von der Rap­pe­rin Sookee ein Stück gegen von der Wer­bung dik­tierte Schön­heits­nor­men („Wel­che Wer­bung sagt Dir, dass Du nicht schön bist?“ [11 /​/​ MIL­ADY] – aller­dings eine deut­lich andere Ver­sion, wenn ich mich recht erin­nere) und eines der Trans­pis, das dort hing lau­tete: „Kurze Röcke, fette Bässe, Macker krie­gen auf die Fresse“ – dage­gen dürfte das ganze grüne Kon­zept von „Geschlech­ter­de­mo­kra­tie“ (und auch das der Links­par­tei von „Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit“) und jede grüne Rede zum Geschlech­ter­ver­hält­nis seit Verena Krie­ger nicht mehr Bun­des­spre­che­rin der Grü­nen ist (was mehr als 15 Jahre her ist), eine ein­zige end­lose „Schön­wet­ter­rede“ sein.


(Quelle: http://​matt​wil​cox​.info/​d​e​m​o​s​/​i​n​s​t​a​g​r​a​m​-​a​t​o​m​-​f​e​e​d​/​?​h​a​s​h​t​a​g​=​s​l​u​twalk)

Bericht­er­stat­tung sollte stim­men – und nicht so selek­tiv sein, daß am Ende aus­ge­rech­net die Kri­tik der Ver­ei­nig­ten Par­la­men­ta­ri­schen Lin­ken von JuSos über Grü­nen bis Links­par­tei an einer außer­par­la­men­ta­ri­schen Aktion als berech­tigt erscheint. – Is doch sonst auch nicht gerade die Linie jun­gen Welt, oder? –

Kon­kret: Lust­ge­winn durch Läs­te­rei

Die Auto­rin des – bereits vor den Slut­walks erschie­ne­nen – Kon­kret-Arti­kel wird wie folgt vor­ge­stellt: „war Mit­or­ga­ni­sa­to­rin des Ber­li­ner Slut­walks“. – Anschei­nend war sie bei ein paar Vor­be­rei­tungs­tref­fen, um Noti­zen für ein paar läs­ternde Bemer­kun­gen in dem Arti­kel zu machen:
-- „eine Rap­pe­rin, die ihrer Kar­riere end­lich mit einer Slutwalk-​​Hymne zum Durch­bruch ver­hel­fen möchte“
-- „ein bekiff­te­tes les­bi­sches Pär­chen“2
-- „Nach­dem die pro­fes­sio­nelle Femi­nis­mus­for­sche­rin die Kom­mu­ni­ka­tion […] an sich geris­sen hat, ist sowie Schluß mit lus­tig.“

Im übri­gen ist der Kon­kret-Arti­kel – wie zu erwar­ten – das Spie­gel­bild des junge Welt-Arti­kel: Wäh­rend die junge Welt die Slut­walks für etwas kri­ti­siert, was sie gar nicht sind (auf sexy out­fits statt auf Poli­tik fixiert), kri­ti­siert die Kon­kret die Slut­walks dafür, daß sie genau das nicht sind. Die deut­schen Slut­walks seien eine Ver­an­stal­tung von „Sack und Asche“-Feministinnen…
Und das Schlimmste an der deut­schen Lin­ken, im vor­lie­gen­den Fall nach Ansicht der Kon­kret: von Femi­nis­tin­nen, ist nicht etwa ihre Unor­ga­ni­siert­heit und Theo­rie­feind­lich­keit sowie die Love­pa­ra­di­sie­rung lin­ker Demons­tra­tio­nen, son­dern viel­mehr eine gera­dezu atem­be­rau­bende Hege­mo­nie von leni­nis­ti­sche Avant­garde-Kon­zep­tio­nen [1. und 7.d)] (die die Konkret-​​Autorin aller­dings auch nicht so genau ver­stan­den zu haben scheint): „Wäh­rend bei den Slut­walks in ande­ren Län­dern poli­ti­sches Enga­ge­ment auch Spaß machen darf, […] reißt in Deutsch­land eine kleine intel­lek­tu­elle Gruppe die Füh­rung an sich, weil die Masse der Frauen in den Augen die­ser Erbin­nen Alice Schwar­zers zu dumm ist, für sich selbst zu ent­schei­den. So offen­bart sich in der deut­schen Femi­nis­mus­szene eine Denk­weise, die der plump patri­ar­cha­len in nichts nach­steht: Die Schwa­chen, die Opfer, müs­sen von jenen geführt wer­den, die bes­ser als die Betrof­fe­nen wis­sen, was für sie gut ist.“ – Abge­se­hen davon, daß es ja eigent­lich nicht so die anti-​​deutsche Kon­kret-Linie ist, den Mas­sen nach dem Mund zu reden – woran sich die Vor-​​ und Anwürfe des ‚die Füh­rung an sich Rei­ßens’, des ‚für dumm Hal­tens’, der Affi­ni­tät zu Alice Schwar­zer usw. fest­ma­chen, geht aus dem Arti­kel nicht her­vor.
So scheint das Pro­blem der Kon­kret zu sein, daß Frauen über­haupt den­ken („intel­lek­tu­elle Gruppe“, „pro­fes­sio­nelle Femi­nis­mus­for­sche­rin“) und sich Gedan­ken über die poli­ti­sche Wir­kung ihrer Aktio­nen machen…
Was die Kon­kret statt des­sen vor­zu­schla­gen hat, ist: „Stolz auf Weib­lich­keit“ und „stö­ckelnde Schritte auf dem Weg zur Gleich­be­rech­ti­gung“ – dahin, daß Frauen so wer­den „wie jeder Mann“. –

Tja, da hat­ten wir ja unsere revolutionär-​​feministische Ant­wort auf die Kon­kret schon parat, bevor wir den Arti­kel über­haupt kann­ten:

  1. Vgl. dazu auch diese Kri­tik (unter Doku­men­ta­tion der tat­säch­lich zahl­reich gewähl­ten out­fits) an der Bericht­er­stat­tung der mainstream-​​Presse: https://​puz​zles​tu​ecke​.word​press​.com/​2​0​1​1​/​0​8​/​1​4​/​s​l​u​t​w​a​l​k​-​b​e​r​l​i​n​-​1​-​e​i​n​d​ruck/ sowie die­ses Video: http://​www​.youtube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​y​Z​V​Y​O​q​VpSmc. [zurück]
  2. Kif­fen selbst beim Polit­ter­min – das müßte doch eigent­lich der Auto­rin, die weni­ger Ernst­haf­tig­keit bei poli­ti­schem Akti­vis­mus for­dert [siehe dazu wei­ter unten im Haupt­text] eigent­lich ganz recht sein… [zurück]
Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • LinkedIn
  • MisterWong
  • MisterWong.DE
  • PDF
  • Tumblr
  • Wikio
Wikio

19 Antworten auf „Nicht mit Ruhm bekleckert – linke, antideutsche und antiimperialistische Berichterstattung über die Slutwalks“


  1. 1 alkohol 18. August 2011 um 22:29 Uhr

    Auf einem mitgeführten Schild stand auch: „Diet? – No, Riot!“

  2. 2 hihi 19. August 2011 um 13:07 Uhr

    danke für die konkret analyse. es ist sogar noch schlimmer, daß die autorin (die bei einem (!) treffen dabei war) sich auf ihrer facebook seite permanent als „DIE organisatorin“ hinstellt, weil sie in einem übereifrigen moment mal eine eigene eventseite gestartet hatte (mit dem hinweis „endlich mal revolutionär die titten raushängen lassen…“).
    als sie beim ersten gemeinsamen plenum in rund 30 verwunderte gesichter blickte und nahezu unbelehrbar war, daß ein „gut organisierter slutwalk besser ist, als einer, der innerhalb einer woche übers knie gebrochen wird“. auch wollte sie den walk „nur auf heterofrauen“ auslegen.
    vom nächsten treffen wurde sie mit dem hinweis auf ihr „grenzüberschreitendes, dominantes verhalten“ ausgeladen, was sie ja so gar nicht nachvollziehen konnte.
    sie schrieb sinngemäß: „die verhärmten bitches brauchen alle mal nen dildo um wieder locker zu werden“… „aber die kriegens noch!“
    naja, raus kam nichts weiter als dieser klägliche artikel. immerhin…

  3. 3 TaP 19. August 2011 um 19:31 Uhr

    Hört sich in der Tat sehr merkwürdig bzw. nervig an – nur, daß mir scheint, daß „grenzüberschreitendes, dominantes verhalten“ mittlerweile in der Berlin queer Szene zu einer Standardfloskel geworden ist, mit der inhaltlichen Auseinandersetzungen aus dem Weg gegangen wird – und zwar unabhängig davon, von wem/welcher/welchen Kritik oder Vorschläge vorgebracht werden und auch unter Umgehung einer inhaltlich begründeten (im vorliegenden Fall ja durchaus berechtigen) Zurückweisung von Vorschlägen und Kritik:

    „Eine Position zu haben, von ihr überzeugt zu sein und dafür explizierbare und explizierte Gründe zu haben und folglich die eigenen Position anderen Positionen gegenüber vorzuziehen und die eigene Position auch anderen Leuten anzuraten – das ist heute der definitive Angriff auf den Frieden im queer-feministischen Schrebergarten. Wenn auch nichts heute feministischen Zorn hervorrufen kann – dies ruft garantiert den Vorwurf ‚Diskriminierung‘ und ‚übergriffig‘ von nicht nur eineR hervor.“
    http://theoriealspraxis.blogsport.de/2011/05/03/gegen-den-strom/

    Auch wenn richtig ist, daß nicht wünschenswert ist, daß sich die mit den härsten Bandagen oder dem dicksten Sitzfleisch durchsetzen, so ist aber andererseits auch wahr, daß ein Polittreffen was anderes als ein netter WG-Abend ist – nur dürfte das die fun-Faktor-orientierte Konkret-Autorin am wenigsten so sehen wie ich.

  4. 4 Laura Eißenberger 22. August 2011 um 11:36 Uhr

    @“hihi“
    Weder wollte ich den Slutwalk auf Hetero-Frauen begrenzen, noch stellte ich mich als „die Organisatorin“ dar, noch verkündete ich „die verhärmten bitches brauchen alle mal nen dildo um wieder locker zu werden“.
    Wenn man sich schon in nicht-öffentliche Facebook-Profile schleicht, sollte man daraus nicht auch noch falsch zitieren, liebe/r „hihi“…

    Im Übrigen wird der konkret-Artikel hier gründlich verzerrt dargestellt, aber davon kann sich jede/r, der/die nicht nur an Schlampencatchen interessiert ist, ein eigenes Bild machen:
    http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=minirevolte&jahr=2011&mon=08

  5. 5 TaP 22. August 2011 um 14:09 Uhr

    @ Laura:

    Magst Du vielleicht noch etwas mit Argumenten und Beispielen erläutern, inwiefern Du Deinen Konkret-Artikel als „verzerrt“ dargestellt empfindest?

  6. 6 hihi 22. August 2011 um 14:19 Uhr

    okay, dann haben wir dich wohl nur falsch verstanden… hüstel…
    http://farm6.static.flickr.com/5222/5870342702_e***.jpg
    http://farm6.static.flickr.com/5062/5870342890_8****4cc_b.jpg
    (aus fairness unkenntlich gemacht, hast du ja sicher als mail bekommen…)

  7. 7 Laura Eißenberger 22. August 2011 um 15:45 Uhr

    Die deutschen Slutwalks seien eine Veranstaltung von „Sack und Asche“-Feministinnen…

    Die Sack-und-Asche-Feministinnen werden im konkret-Artikel als Teil der Slutwalks dargestellt. Der Abschnitt, aus dem diese Formulierung rausgezupft wurde, lautet:
    „Bei den internationalen Slutwalks ließ sich beobachten, wie unterschiedlich die Motivationen und entsprechend die nach außen getragenen Interpretationen waren: Während viele Frauen betont ’slutty‘ auftraten, trugen andere in normaler Straßenkleidung Transparente mit Aufschriften wie ‚I was wearing jumper and jeans‘, und wieder andere zeigten die Ernsthaftigkeit ihrer Solidarität durch Grabesmiene, Sack und Asche.“
    Nicht Feminismus-Bashing, sondern Diversität steht hier im Vordergrund.

    Desweiteren plädiert der konkret-Artikel in keiner Weise für eine „Loveparadisierung“ feministischer Aktionen, wie dieser Absatz aus dem hier geposteten Blogeintrag nahelegt:

    So scheint das Problem der Konkret zu sein, daß Frauen überhaupt denken („intellektuelle Gruppe“, „professionelle Feminismusforscherin“) und sich Gedanken über die politische Wirkung ihrer Aktionen machen…

    Es geht in dem Artikel nicht darum, das kritische Denken einzustellen und stattdessen barbusig herumzuhüpfen. Es geht darum, dass die Organisation – zumindest des Berliner Slutwalks – tatsächlich von einer kleinen Gruppe von Berufs-Feministinnen (böse Zungen nennen es „das Grether“) an sich gerissen wurde, was m.E. dem Gedanken zuwiderläuft, der Wirksamkeit abträglich ist und zudem leider programmatisch für viele politische Aktionen hierzulande ist.

    Ich finde es bedauerlich und unproduktiv, dass der konkret-Artikel hier so einseitig und dadurch, ja: verzerrt dargestellt wurde.

    Als Autorin möchte ich zudem klarstellen, dass meine Motivation keineswegs eine ausschließlich persönliche, im Sinne von gekränkter Eitelkeit o.ä. war, obschon ich mich natürlich durchaus als Mensch geärgert habe, unter dem Vorwand „grenzüberschreitenden, dominanten Verhaltens“ von der weiteren Organisation ausgeschlossen worden zu sein. Screenshots von meiner privaten Facebook-Seite, zudem noch feige anonym gepostet, verbitte ich mir im Übrigen.

    Alles Weitere ergibt sich aus der Lektüre des konkret-Artikels selbst – sofern man bereit ist, Statements zwischen theoretisierender Gender-Literatur und BILD-“Berichterstattung“ zuzulassen.

    Ich hoffe, der einen oder dem anderen beim Erarbeiten eines differenzierteren Eindrucks geholfen zu haben und verabschiede mich aus dieser Diskussion.

  8. 8 TaP 22. August 2011 um 16:45 Uhr

    „Die Sack-und-Asche-Feministinnen werden im konkret-Artikel als Teil der Slutwalks dargestellt.“

    Ja, im internationalen Vergleich. Aber bereits Deine Unterüberschrift lautet: „Geht es nach einer Handvoll Profi-Feministinnen, wird aus dem ersten deutschen Slutwalk ein Trauermarsch in Sack und und Asche.“ Und genau diese Fraktion hat die Sache nach Deiner Darstellung – jedenfalls in Berlin – „an sich gerissen“, was nach Deiner Sicht auf die deutsche ‚globale Provinz‘ auch kein Wunder ist, ist es doch Deiner Ansicht nach deutsches Nationalcharakteristikum, daß politisches Engagement hier kein Spaß machen dürfe.
    Kritik des deutschen Imperialismus und seiner Verankerung in hiesigen Massen hatte auch schon mal mehr zu sagen…

    „Es geht darum, dass die Organisation – zumindest des Berliner Slutwalks – tatsächlich von einer kleinen Gruppe von Berufs-Feministinnen (böse Zungen nennen es ‚das Grether‘) an sich gerissen wurde, was m.E. dem Gedanken zuwiderläuft, der Wirksamkeit abträglich ist und zudem leider programmatisch für viele politische Aktionen hierzulande ist.“

    Deine – wie mir scheint – Privatfehde mit Sandra Grether (der ich meinerseits nur lesend und, wenn ich mich recht erinnere, einmal vor langer Zeit bei einem Vortrag zuhörend begegnet bin) verstehe ich anhand des von Dir angeführten Grether-Zitates am aller wenigsten von Deinem Text. „Wie wir mit der Gefahr umgehen, daß der Spaßfaktor eine größere Rolle spielt als die politische Dimension, ist vor allem eine Frage der Kommunikation.“, zitierst Du sie.
    Das spricht doch nun – angesichts dessen, daß die angelsächsischen Riot Grrrls der 90er Jahre damals in der deutschen ‚globalen Provinz‘ weitgehend nur als Girlietum ankamen (oder auch angesichts dessen, daß in der deutschen queer Szene drag weitgehend unkritisch gefeiert und die Frage nach dessen politischer Wirkung weitgehend tabuisiert ist) – ein zentrales politisches Problem an, das sich auch ganz praktisch stellt, wenn die Slutwalks in mainstream-Medien vielfach als Demonstrationen für sexy outfits dargestellt werden: Wie können wir vermeiden, Formen zu wählen, die das Gemeinte gerade nicht transportieren. – Wenn Sandra Grether dazu – denke ich mal, genau vor dem Hintergrund dessen, daß sie schon in den 90ern über Riot Grrrls schrieb – etwas zu sagen hat, dann ist das gut und kein Grund für Polemik.

    „und verabschiede mich aus dieser Diskussion.“

    Das bestätigt leider den Eindruck, daß es zu einem erheblichen Teil die von Dir selbst erwähnte „gekränkte Eitelkeit“ war, die Dir die Feder bzw. die Tasten führte.

  9. 9 Laura Eißenberger 22. August 2011 um 17:04 Uhr

    Liebe/r TaP,

    ich habe schlichtweg weder Zeit noch Nerv, mich an ellenlangen Diskussionen auf einem Blog zu beteiligen, auf dem meine Artikel (bewusst?) verfälscht dargestellt, mir nach Belieben fragwürdige Motivationen unterstellt und en passant meine Persönlichkeitsrechte verletzt werden.

    Das Grether-Gespann taucht bei mir deswegen zweimal auf, weil sie diejenigen waren, die die Organisation an sich gerissen und davon den größten Profit im Sinne von persönlich offensichtlich sehr erwünschter Medienaufmerksamkeit bekommen haben. Nix Privatfehde.

    That’s it, viel Spaß noch.

  10. 10 TaP 22. August 2011 um 17:12 Uhr

    Liebe Laura,

    wenn Du das mit der Verletzung Deines Persönlichkeitsrechts ernstmeinst, kannst Du Dich ja gerne der dafür zur Verfügung stehenden juristischen Formen bedienen. – Ob das dann allerdings Deinem politischen Anliegen besonders zuträglich wäre, wage ich zu bezweifeln.

    Und noch mal @ Grether: Ich für meinen uninformierten Teil wußte bis zu Deinem Artikel weder, daß Sandra in Berlin ansässig ist, noch, daß sie an der Vorbereitung des hiesigen Slutwalks beteiligt war. – Aber so ist das manchmal mit der Medienaufmerksamkeit…

  11. 11 hihi 24. August 2011 um 12:37 Uhr

    mal ganz nebenbei haben die von dir als „das grether“ bezeichneten (was ja schon sehr aufschlußreich ist) überhaupt nix an sich gerissen.
    die berliner slutwalk organisation bestand immer aus 15-25 menschen. du hast wahrscheinlich ein problem mit ihnen, weil sie so oft in der presse waren (und dabei hättest du das doch soooo gerne gemacht…), was aber auch nur damit zu tun hat, das sie in der „pressegruppe“ des slutwalk teams sind…
    das wir dich mit der plumpen rhetorik ausgeladen haben, hatte damit zu tun, daß wir gegen deine einfach nicht anstinken konnten.
    deine fb kommentare sprechen ja für sich selbst.

  12. 12 Morbi 04. Januar 2012 um 21:27 Uhr

    Oh jeh … diese Eissenberger. Man schaue sich nur die Vita an. Es handelt sich hierbei um eine Möchtegernschriftstellerin mit einem fast schon karikaturhaft überhöhten Selbstwert. Sie hatte mich mal bei Facebook geaddet und dann meine Freunde mit Einladungen belästigt. Ich musste sie entfernen und ignorieren, da sie mir und meinen Freunden, die übrigens weit unter der 100 Marke angesiedelt sind, mit ihrem Aufmerksamkeitsgeheische auf den Geist ging.

    Zur Vita, die etwas Licht in das Dunkel ihrer Verhaltensmuster bringen dürfte:

    Sie hat in ihren späten 20ern erst Sozialpädagogik studiert bzw gelernt – was schon für sich spricht. Dann folgt eine diffuse „Onlinemedieninformatikerausbildung“ bis sie einen Monat lang irgendetwas Diffuses an einer „freien Journalistenschule“ gelernt hat. Seitdem bezeichnet sie sich als „Freie Redakteurin“ und wenn man genau hinschaut, hat sie diese imageträchtige Position bei der Questico AG innegehabt … Das ist eine höchst unseriöse Firma, die Kartenlegen und Wahrsagerei am Telefon und dergleichen anbietet. Redakteurin für was? Werbeanzeigen? Gesprächsleitfäden für die esoterischen Call-Center-Agents??? Weiter geht es mit einem ganzen Jahr „Lektorat“ in einem linksromantischen Verlag um dann auf das Highlight zuzusteuern: Vier ganze Monate bei Dailydeal GmbH als, wen mag es überraschen, „Chefredakteurin“ in einem Unternehmen für Gutscheinverkauf. Das ist leider sehr wenig subversiv-links, ja schon nahezu „kapitalistisch“ um in ihren eigenen Mustern zu argumentieren. Wenn das die Freunde aus dem Mauerpark wüssten …

    Es ist nicht schlimm, wenn jmd keinen Erfolg im Berufsleben hat, aber ein bisschen Bescheidenheit und Realitätssinn machen nicht nur sympathisch, sondern auch glaubwürdig.

    Intressant ist, dass sie von 2006 bis andauernd in der Textilbranche – natürlich als Texterin/Autorin – tätig ist. Dieses Unternehmen ist nur für eingeloggte Xing-Mitglieder sichtbar, aber die Mühe mache ich mir jetzt nicht. Wahrscheinlich überlegt sie sich die Werbeanzeigen für Kik und Co.

    Das viel Frust in ihren Äusserungen mitschwingt dürfte sich nun besser erklären lassen. Sie würde eben gern „etwas bewegen“ oder „etwas Besonderes sein“.

    Würde sie sich weniger ungeniert präsentieren, wäre alles kein Problem … aber das tut sie nicht und da muss sie damit rechnen, dass man etwas tiefer hinter die übertrieben provokante Fassade schaut und feststellt, dass sich ein eingeschüchterter Angstbeisser dahinter befindet.

    Vielleicht wäre sie eine gute Sozialpädagogin geworden – was zwar ein Widerspruch in sich ist, aber vllt wäre sie zumindest etwas zufriedener …

  13. 13 TaP 05. Januar 2012 um 12:42 Uhr

    Und was haben diese angeblichen oder tatsächlichen Erkenntnisse aus ihrem Facebook-Profil mit den hier diskutierten inhaltlichen Fragen zu tun? Nichts.

  14. 14 Morbi 05. Januar 2012 um 14:44 Uhr

    ach jeh … ein ewig Unzufriedener oder ganz Korrekter … es hat damit zu tun, dass sich ihr Verhalten erklären lässt, wenn man hinter ihre Fassade schaut.

    Dann braucht man die Äußerungen, die sie tätigt, vielleicht nicht ganz so ernst zu nehmen. Ihr Artikel hat mir auch nicht gefallen, aber diese Disskussion erscheint mir oben abgeschlossen worden zu sein.

    Jetzt habe ich ein bisschen recherchiert und wie hihi eben auch mit etwas mehr Hintergrundinformationen aufgewartet. Schon erklärt sich Einiges etwas besser und ich für meinen Teil bin jedenfalls zufrieden.

    Zudem habe ich meine wahrscheinlich tatsächlichen Erkenntnisse nicht aus dem FB, sondern es sind von ihr selbst im Netz getätigte Aussagen.

  15. 15 TaP 05. Januar 2012 um 15:22 Uhr

    „Ihr Artikel hat mir auch nicht gefallen, aber diese Disskussion erscheint mir oben abgeschlossen worden zu sein.“

    Eben – und damit hat sich das politische und theoretische Interesse dieses blogs an dem Thema auch erledigt.

    Deine Mutmaßungen, über das, was sich hinter der vermeintlichen „Fassade“ der Konkret-Autorin befindet, ist für diesen blog der Sache noch genauso interessant, wie ob das von der Konkret-Autorin erwähnte lesbische Pärchen tatsächlich lesbisch war/ist und bekifft war.

    Derartige „Hintergrundinformationen“ sind für den hiesigen blog nicht von Interesse, auch wenn ich die evtl. Motivation nachvollziehen kann, es der Konkret-Autorin mit gleicher Münze heimzuzahlen.

  16. 16 Morbi 06. Januar 2012 um 13:03 Uhr

    Wie dem auch sei … ich sehe schon, dass das jetzt ewig so weiterlaufen könnte.

    Mutmaßungen über „Heimzahlungen“ sind Interpretation. Die Informationen über die Autorin sind von ihr selbst gestellte Fakten.

    Was der/die LeserIn aus den gegebenen Informationen macht, bleibt ihm/ihr überlassen.

  17. 17 Laura E. 06. Januar 2012 um 15:40 Uhr

    Es handelt sich hierbei mitnichten um Fakten, wie Sie wissen.

    Sie haben meinen xing.de-Lebenslauf genommen und stellen ihn bewusst diffamierend verfälscht dar.

    Ich darf Sie zum Beispiel darauf hinweisen, dass es sich weder bei der Technischen Fachhochschule Berlin noch bei der Freien Journalistenschule Berlin um „diffuse“ Institutionen handelt. Auch ansonsten ist Ihre Darstellung meiner Vita an dieser Stelle nicht nur völlig fehl am Platz, sondern grotesk und böswillig falsch.
    Ob es sich dabei um üble Nachrede im Sinne des StGB handelt, werden andere Instanzen entscheiden.
    Menschlich ist es in jedem Fall bedenklich, gerade auch wenn man sich vergegenwärtigt, dass dieses Pamphlet ein halbes Jahr nach meinem Artikel verfasst wurde.

    Beachtlich finde ich auch, dass der Blogbetreiber derartige Kommentare auf seinem Blog nicht nur zulässt, sondern diese rachsüchtige Hassarie sogar noch mit freundlichem Verständnis goutiert.

    Ich empfehle mich.

  18. 18 Morbii 06. Januar 2012 um 16:38 Uhr

    Liebe Frau Eißenberger,

    meine Darstellungen sind bewusst mit drei ??? gekennzeichnet worden, um eine gewisse Ironie zu unterstreichen.

    Ich hasse Sie nicht, da ich sie gar nicht persönlich kenne. Ich habe mich über den Artikel geärgert und mich – zugegebenermaßen – von meinen Vorrednern hinreißen lassen. Dafür kann ich mich nur entschuldigen.

    Auf den Artikel bin ich erst jetzt aufmerksam geworden – nicht etwa, weil ich ihren Namen gegooglet habe, sondern mich über den Slutwalk informieren wollte, bzw. sehr an Genderthemen interessiert bin. Etwas über bekiffte Lesben zu lesen hat mich sehr geärgert. Dazu kommt, dass genau ihr Name, den ich inzwischen mit einer gewissen, für einen Artikel zu emotionalen Art zu schreiben verbinde, unter dem von Ihnen verfassen Artikel nochmals und das auch noch in Verbindung mit Eigenwerbung zu finden ist. Das empfinde ich ebenfalls als ärgerlich und unpassend.

    Den Blog-Betreiber trifft doch nun wirklich keine Schuld. Er hat Sie doch nun in Schutz genommen und wenn dann mich angegriffen und niemanden sonst. Er hätte mich vielleicht blockieren sollen …

    Instanzen werden sich für ein bisschen Internetgezänk wirklich nicht interessieren, zumal es sich hier nicht um groß angelegte öffentliche Verleumdungen handelt, sondern in ironischer Weise aufgelistete Dinge, die und damit muss ich TaP recht geben, Ihrer Beschreibung der Rapperin, Frau Greter und des homosexuellen Pärchens in nichts nachstehen. Ich kann es nur bedauern und erklären, so unwichtig es für die Nachwelt auch ist.

    Es handelt sich, nochmal für die Akten, nicht um Rache – wofür denn auch – sondern um luftgemachten Ärger über einen Artikel, der – im Gegensatz zu einem Kommentar unter einem Block – sachlich und distanziert sein sollte.

    Nun wollen wir doch alle unser Mütchen kühlen und die Sache auf sich beruhen lassen oder ggf den Betreiber bitten, meine Kommentare zu löschen – falls es Sie wirklich so sehr stört. Oder von mir aus auch irgendwelche Instanzen bemühen. Damit muss ich mich ohnehin nicht auseinandersetzen, denn wofür gibt es Rechtsbeistände?!

    Ersteres ist jedenfalls weniger aufwändig und Sie müssen doch zugeben, Frau Eissenberger, dass, wenn man etwas schreibt, gewisse Reaktionen kommen können – ist doch wie bei den großen und wirklich wichtigen Leuten in Politik und Gesellschaft auch: Einer sagt etwas und der Rest reagiert – und das nicht immer fair – so ist das Leben nun mal. Das bemängeln Sie doch selber oft genug.

  19. 19 Morbii 06. Januar 2012 um 16:41 Uhr

    … ich meine natürlich „blog“ … ich bin kein/e Schreiber/in, ich darf diese Fehler machen ;-)

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


sieben + = vierzehn