Antworten auf Kritik

Ver­ständ­nis­schwie­rig­kei­ten und Erklä­rungs­ver­su­che

was?????
kein plan 14.08.2011 – 13:45

ich ver­steh die­sen text nicht!!!!!

ich ver­steh auch nicht wieso das geschlecht unbe­dingt was schlech­tes sein soll.
klar die ungleicht­heit zwi­schen dem einen und dem ande­ren geschlecht,das ist eine sache die ver­steh ich und finde das für eine gerech­tig­keit gekämpft wer­den sollte.

aber ich ver­teh nicht warum es nun neben dem gan­zen anti­deut­schen­rum­strei­te­reien jetzt noch eine wei­ter spal­tung dazu kom­men muss…ein auf­ruf zur män­ner­feind­lich­keit….

gibt es nicht genug wich­ti­ger feind­bil­der die ange­grif­fen wer­den können…gibt es nicht noch andere pro­bleme die ange­gan­gen wer­den müssen….hey woan­ders ster­ben kinder….gibt es krieg und hunger….woanders wol­len frauen mehr rechte und kämp­fen uner­müd­lich dafür…kuckt euch die frauen in der ezln an…und sie waren mit würde frauen…weil sie viel erreicht haben…
ich finde einen femi­nis­ti­schen kampf um glei­che rechte und glei­che vor­aus­set­zun­gen wichtig…aber diese männerfeindlichkeit…dieses…nur weil ich einen schwanz hab bin ich vergewaltiger…das geht mir…ja genau..auf den sack…es gibt genau so jun­gen die von frauen sexu­ell miss­braucht werden…es gibt um so mehr psy­chi­sche gewalt von frauen gegen­über männer…sehen wir es doch ein­fach so…egal wel­ches haut­farbe, wel­cher glaube, wel­ches geschlecht..es geht um denn respekt der men­schen untereinander…für das sollte gekämpft werden….weniger ego mehr miteinander…dann kom­men wir wei­ter auf die­ser welt

1. Ant­wort (nicht von mir; ich weiß auch nicht, ob von einer ande­ren an der Vor­be­rei­tung oder Durch­füh­rung unse­rer Aktion betei­lig­ten Per­son – jeden­falls scheint mit, daß „juhvnkla“ unsere Inten­tion sowie unsere theo­re­ti­schen und ana­ly­ti­schen Prä­mis­sen ziem­lich gut erklärt – auch wenn die Erklä­rung [aus ‚didak­ti­schen Grün­den’?] noch mal auf die ‚vor-​​butlersche’ Unter­schei­dung von sex und gen­der zurück-​​, statt von einer De-​​Konstruktion auch von sex aus­geht)

@ kein plan

juhvnkla 14.08.2011 – 14:29

Du bist zu Recht ver­wirrt und scho­ckiert, da dir anschei­nend die theo­re­ti­sche Grund­lage fehlt um den trans­por­tier­ten Inhalt zu ver­ste­hen. Das hier ist ein ein­ge­fleisch­ter Szene Text der für „Nicht-​​CheckerInnen“ unver­ständ­lich ist.
Mit Män­ner­feind­lich­keit ist nicht gemeint dass du kei­nen Penis haben darfst oder dass du durch den Besitz eines sol­chen ein poten­zi­el­ler Ver­ge­wal­ti­ger bist (bio­lo­gisch ist das näm­lich jeder Mensch).
Män­ner­feind­lich­keit bedeu­tet gegen das SOZIALE männ­li­che Geschlecht zu kämp­fen (also nicht das bio­lo­gi­sche; sex=biologisch, gender=sozial).
Jedes gen­der ist sozia­li­siert, also gesell­schaft­lich genormt. Beim männ­li­chen gen­der heißt dass, das von Män­nern das Übli­che erwar­tet wird: Stärke, Domi­nanz, Aggre­si­vi­tät etc. beim weib­li­chen Pas­si­vi­tät, Schwä­che, Abhän­gig­keit.
Diese Nor­men unter­drü­cken weib­li­ches gen­der und repro­du­zie­ren sich selbst, eine Befrei­ung von Frauen (und allen ande­ren sexu­ell Unter­drück­ten) ist also nicht mög­lich solange es die gen­der selbst gibt. Das heißt im Klar­text, sexu­elle Gleich­heit – im sozia­len Sinn – wird es erst geben, wenn die sozia­len Rol­len­bil­der auf­ge­löst sind.
Da das männ­li­che Rol­len­bild das weib­li­che unter­drückt, sowie bio­lo­gi­sche „Vor­teile“ zur Unter­drü­ckung besitzt (Män­ner bekom­men keine Kin­der, keine Tage, haben mehr Tes­to­ste­ron also auch mehr Mus­keln), gilt es pri­mär das männ­li­che Rol­len­bild anzu­grei­fen. Dies hat einen ganz ent­schei­den­den Grund:
Ein Mann, der sich nicht län­ger als sol­cher fühlt hebt sein eige­nes Rol­len­bild auf und unter­drückt nicht län­ger die Frauen. Ein Frau, die sich nicht län­ger als sol­che fühlt, erhebt sich zwar aus ihrer sozia­len Unter­drü­ckung, ist aber tat­säch­lich noch die­ser aus­ge­setzt da die Män­ner sie wei­ter­hin als Frau anse­hen und so behan­deln. Das männ­li­che gen­der besitzt eine gesell­schaft­lich Macht über das weib­li­che und muss des­halb ange­grif­fen wer­den!
Dies ist der Grund warum Män­ner­feind­lich­keit Pra­xis links­ra­di­ka­ler Poli­tik sein muss. Dass auch das Frau­en­bild ange­grif­fen wer­den muss ist klar, ich hoffe ich konnte aber dar­stel­len warum das Män­ner­bild der „Haupt­feind“ ist.
Nur weil jemand einen Schwanz hat ist er weder ein „schlech­ter“ Mensch noch ein Ver­ge­wal­ti­ger. Begreife dass die bürgerlich-​​kapitalistische Gesell­schaft nur durch die sozia­len Geschlech­ter Nor­men exis­tie­ren kann und nur mit der Auf­lö­sung die­ser auch kom­plett über­wun­den wer­den kann.
Die sexu­elle Indi­vi­dua­li­tät sollte nichts mit der sozia­len zu tun haben! In einer Gesell­schaft in der es keine Rol­len­er­war­tun­gen mehr gibt, kann jeder so lie­ben wie er will.
(Mein Buch­tipp: Heinz-​​Jürgen Voß; Making Sex Revi­si­ted)

2. Ant­wort (eines pro­mi­nen­ten ver­stor­be­nen Autors)

Unver­ständ­li­che De-​​Konstruktion?

Karl Marx 14.08.2011 – 17:18
Genosse „kein plan“ schreibt: „ich ver­steh die­sen text nicht!!!!!“
Mein rus­si­scher Schü­ler Lenin sagte einen Satz, der von mir hätte sein kön­nen: „Ohne revo­lu­tio­näre Theo­rie keine revo­lu­tio­näre Pra­xis.“

Und revo­lu­tio­näre Theo­rie ist nie­mals eine leichte Kos­ten – gerade, weil sie als revo­lu­tio­näre Theo­rie mit den her­kömm­li­chen Ansich­ten, Sicht­wei­sen, Vor­ur­tei­len und Begrif­fen bricht und neue Begriffe und Ansich­ten vor­schlägt.
Des­halb schrieb ich im Vor-​​ und Nach­wort zur fran­zö­si­schen Über­set­zung des „Kapi­tal“: „Das [Daß die Lek­türe ziem­lich schwie­rig sein wird] ist ein Nach­teil, gegen den ich nichts wei­ter unter­neh­men kann, als die nach Wahr­heit stre­ben­den Leser von vorn­her­ein dar­auf hin­zu­wei­sen und gefaßt zu machen. Es gibt keine Land­straße für die Wis­sen­schaft, und nur die­je­ni­gen haben, Aus­sicht, ihre lich­ten Höhen zu errei­chen, die die Mühe nicht scheuen, ihre stei­len Pfade zu erklim­men.“

Und das Erklim­men der lich­ten Höhen der Wis­sen­schaf­ten ist für Revo­lu­tio­näre kein Selbst­zweck, son­dern ein Mit­tel zum Zweck: Ein Mit­tel, um zu erken­nen, woge­gen sich unse­rer Kampf genau rich­tet, was Ursa­chen, Wir­kun­gen und Mecha­nis­men sind, unter wel­chen Bedin­gun­gen wir kämp­fen und wel­che Stra­te­gien unter die­sen Bedin­gun­gen wahr­schein­lich erfolg­reich sind – und wel­che nicht.
Im Vor­wort zur deut­schen Aus­gabe schrieb ich daher: „Ich unter­stelle natür­lich Leser, die etwas Neues ler­nen, also auch selbst den­ken wol­len.“
Und des­halb es auch kein Wun­der, daß Ihr Euch mit de-​​konstruktivistischer Theo­rie schwer­tut – zumal, wenn sie nicht nur für ein ‚gutes poli­ti­sches Gewis­sen’ bei der nächs­ten queer Party sor­gen, son­dern revo­lu­tio­näre Pra­xis anlei­ten soll.
Sel­ber den­ken und neues Ler­nen ist anstren­gend!

Ich tue mich manch­mal auch schwer mit heu­ti­ger wis­sen­schaft­li­cher und phi­lo­so­phi­scher Text­pro­duk­tion.
Aber eines scheint mir doch mitt­ler­weile klar zu sein, auch wenn es mir selbst im 19. Jahr­hun­dert alles andere als klar war:
Genosse „kein plan“, Du schreibst: „aber ich ver­teh nicht warum es nun neben dem gan­zen anti­deut­schen­rum­strei­te­reien jetzt noch eine wei­ter spal­tung dazu kom­men muss…ein auf­ruf zur män­ner­feind­lich­keit….
gibt es nicht genug wich­ti­ger feind­bil­der die ange­grif­fen wer­den kön­nen … egal wel­ches haut­farbe, wel­cher glaube, wel­ches geschlecht..es geht um denn respekt der men­schen unter­ein­an­der“
So ähnlich hatte der „wahre“, deut­sche Sozia­lis­mus mei­ner Zeit in Bezug auf das Klas­sen­ver­hält­nis argu­men­tiert. Fried­rich Engels und ich hiel­ten die­ser deut­schen Har­mo­nie­sucht ent­ge­gen:

„Und da sie [die fran­zö­si­sche sozialistisch-​​kommunistische Lite­ra­tur] in der Hand des Deut­schen auf­hörte, den Kampf einer Klasse gegen die andre aus­zu­drü­cken, so war der Deut­sche sich bewußt, die ‚fran­zö­si­sche Ein­sei­tig­keit’ über­wun­den, statt wah­rer Bedürf­nisse das Bedürf­nis der Wahr­heit und statt der Inter­es­sen des Pro­le­ta­ri­ers die Inter­es­sen des mensch­li­chen Wesens, des Men­schen über­haupt ver­tre­ten zu haben, des Men­schen, der kei­ner Klasse, der über­haupt nicht der Wirk­lich­keit, der nur dem Dunst­him­mel der phi­lo­so­phi­schen Phan­ta­sie ange­hört.“
Wir hat­ten diese deut­sche Ummo­de­lung der fran­zö­si­schen Theo­rie damals, eine ‚Ent­man­nung’ genannt – ein Sprach­ge­brauch, den uns Eure Flugi-​​Verteiler und Transpi-​​Träger sicher­lich nicht durch­ge­hen las­sen wür­den. ;-) Aber auch ohne Macho-​​Metaphorik ist klar, revo­lu­tio­näre Pra­xis braucht jeden­falls ein Mini­mum an Schärfe, Stärke und Ein­deu­tig­keit: Herr­schende und Aus­beu­ten­den einer­seits und Beherrschte und Aus­ge­beu­tete sit­zen nicht im glei­chen Boot.

Fried­rich Engels und ich ver­foch­ten dies damals in Bezug auf das Klas­sen­ver­hält­nis. Daß dies ganz genauso auch für die ande­ren Herrschafts-​​ und Aus­beu­tungs­ver­hält­nisse gilt, war uns dage­gen nicht so klar.
Aber wie mein ein­gangs zitier­ter rus­si­sche Schü­ler eben­falls und zurecht sagte:

„Wir betrach­ten die Theo­rie von Marx kei­nes­wegs als etwas Abge­schlos­se­nes und Unan­tast­ba­res; wir sind im Gegen­teil davon über­zeugt, daß sie nur das Fun­da­ment der Wis­sen­schaft gelegt hat, die die Sozia­lis­ten nach allen Rich­tun­gen wei­ter­ent­wi­ckeln müs­sen, wenn sie nicht hin­ter dem Leben zurück­blei­ben wol­len.“
In die­sem Sinne, Genos­sen, küm­mert Euch um die De-​​Konstruktion und das Geschlech­ter­ver­hält­nis!

Ein Minimum an Schärfe und Eindeutigkeit

http://​mar​xists​.org/​d​e​u​t​s​c​h​/​a​r​c​h​i​v​/​m​a​r​x​-​e​n​g​e​l​s​/​1​8​4​8​/​m​a​n​i​f​e​s​t​/​3​-​s​o​z​k​o​m​m.htm

Rück­ant­wort von „kein plan“ an juhvnka

danke an juhvnka
kein plan 14.08.2011 – 15:29

ja stimmt ich hab über diese pro­ble­ma­tik über­haupt kein basis­wis­sen.
und des­we­gen erst mal danke für dein ver­tänd­nis und die rück­sicht mir die the­ma­tik näher zu brin­gen.
also ver­teh ich das richtig…also das es bio­lo­gisch men­schen gibt die män­ner sind und men­schen die frauen sind…und hmm..es gibt doch auch men­schen die was dazwi­schen sind..oder?
aber es geht um die rollenbilder…also..das ein mann stark sein muss und eine frau weich…ist das so…also mit män­lich­keit angrei­fen ver­steht man die rol­len­bil­der was damit in ein­klang gebracht werden…ist das unge­fähr rich­tig? also so grob die basis?
weil…dann leuch­tet mir das ein…und seh das genau so…also die basis
danke das du dir die zeit genom­men hast und mit ernst die frage ver­sucht hast für mich ver­ständ­lich zu machen…solche dis­ku­sio­nen oder solch ein umgang würde ich mir mehr wün­schen auf den indy sei­ten…

und nur so kom­men wir einer ande­ren welt näher…mit respekt

Ant­wort auf die Rück­ant­wort

@ „juhvnka“ und „kein plan“

Ich denke auch, daß „juhvnka“ gut erklärt hat, worum es poli­tisch im Kern geht. Daß die ‚Biologie-​​Frage’ (auch) unse­res Erach­tens ein Neben­schau­platz ist, hat­ten wir ja schon in dem Flugi (http://media.de.indymedia.org/media/2011/08//313936.pdf) geschrie­ben.

„kein plan“: „also ver­teh ich das richtig…also das es bio­lo­gisch men­schen gibt die män­ner sind und men­schen die frauen sind…und hmm..es gibt doch auch men­schen die was dazwi­schen sind..oder?“

„das es bio­lo­gisch men­schen gibt die män­ner sind und men­schen die frauen sind“, wür­den ver­mut­lich nicht alle (De)KonstruktivistInnen unter­schrei­ben. Ich für mei­nen Teil würde das schon unter­schrei­ben – nur ist das, wenn wir über Poli­tik und über Gesell­schafts­theo­rie dis­ku­tie­ren, weit­ge­hend irre­le­vant.
Wenn wir von der „Abschaf­fung der Geschlech­ter“ und die vor­ran­gige „Abschaf­fung der Män­ner“ spre­chen, dann geht es um die Abschaf­fung der ent­spre­chen­den gesell­schaft­li­chen Posi­tio­nen und Pra­xen; nicht um Ein­griffe in Ana­to­mie oder Chro­mo­so­men.
Das Patri­ar­chat ist ein gesell­schaft­li­ches und kein bio­lo­gi­sches Phä­no­men!

„kein plan“: „abe­res geht um die rollenbilder…also..das ein mann stark sein muss und eine frau weich…ist das so…also mit män­lich­keit angrei­fen ver­steht man die rol­len­bil­der was damit in ein­klang gebracht werden…ist das unge­fähr richtig?also so grob die basis?“

Ja, das läßt sich im Gro­ben so sagen. Aller­dings ist zu berück­sich­ti­gen, daß Geschlech­ter­rol­len­bil­der im his­to­ri­schen Ver­lauf und im inter­kul­tu­rel­len Ver­glei­che nicht starr, son­dern im erheb­li­chen Maße fle­xi­bel sind (das läßt sich bspw. am Geschlechts­wech­sel von Beru­fen sehr anschau­lich zei­gen [Sekre­tär, Sekre­tä­rin, Blei­set­zer, Com­pu­ter­set­ze­rin usw.] –
ent­schei­dend am Patri­ar­chat ist, daß – egal wie die „Bil­der“ inhalt­lich genau aus­se­hen – es immer wie­der zur Unter­ord­nung der weib­li­chen unter die männ­li­che Posi­tion kommt.

„Umfang­rei­che Stu­dien vor allem aus dem Bereich des Arbeits­mark­tes und der Pro­fes­sio­nen bele­gen, dass das, was jeweils als männ­lich bzw. weib­lich gilt, nicht fest­steht, son­dern in Aus­hand­lungs­pro­zes­sen begrün­det wird (Maruani 1997, Neusel/​ Wet­te­rer 1999). Gil­de­meis­ter und Wet­te­rer bezeich­nen diese Aus­hand­lungs­pro­zesse als „Umschrift der Dif­fe­renz“ (Gildemeister/​ Wet­te­rer 1992, 223). In der Regel gehen sie mit einer Hier­ar­chi­sie­rung zu Guns­ten von Männ­lich­keit ein­her. Zugleich zei­gen diese Unter­su­chun­gen, dass inner­halb der ein­zel­nen Pro­fes­sio­nen von den Män­nern spe­zi­fi­sche Männ­lich­keits­ideale ent­wor­fen wer­den.“

Gil­de­meis­ter, Regine/​ Wet­te­rer, Ange­lika (1992): Wie Geschlech­ter
gemacht wer­den. Die soziale Kon­struk­tion der Zwei­ge­schlecht­lich­keit und ihre Rei­fi­zie­rung in der Frau­en­for­schung. In: Knapp, Gudrun-​​Axeli/​Wetterer, Ange­lika (Hg.): Tra­di­tio­nen Brü­che, Frei­burg (i. Br.), S. 201-​​254
Maruani, Mar­ga­ret (1997): Die gewöhn­li­che Dis­kri­mi­nie­rung auf dem Arbeits­markt. In: Döl­ling, Irene/​ Krais, Beate (Hg.): Ein all­täg­li­ches Spiel, Geschlech­ter­kon­struk­tion in der sozia­len Pra­xis, Frank­furt am Main, S. 48-​​74
Neu­sel, Aylã/​ Wet­te­rer, Ange­lika (Hg.) (1999): Viel­fäl­tige Ver­schie­den­hei­ten. Geschlech­ter­ver­hält­nisse in Stu­dium, Hoch­schule und Beruf. Frank­furt am Main/​ New York

(Quelle: http://​www​.rosa​lux​.de/​f​i​l​e​a​d​m​i​n​/​r​l​s​_​u​p​l​o​a​d​s​/​p​d​f​s​/​T​e​x​t​e​_​1​8.pdf

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11 Antworten auf „Antworten auf Kritik“


  1. 1 Zara 14. August 2011 um 23:32 Uhr

    Butler ist ja schon sehr dämlich, aber so dämlich auf die Idee zu kommen die biologische Differenz zwischen Männern und Frauen, die sich an jedem FKK-Strand begutachten lässt zu negieren ist sie nicht. Butler richtet sich in diesem Zitat nur gegen eine essentialistische Sicht auf den Mann an sich und hier wird es ihr offensichtlich auch nicht in erster Linie um Biologie gehen.
    Ich weiß nicht, wie Du auf diesen vulgärdekonstruktivistischen Trichter gekommen bist. Das ist in meinen Augen schon gar keine diskutable These mehr.
    Es gibt eine biologische Differenz, die sich an der Linie Mann/Frau festmachen lässt. Es gibt die Möglichkeit seinen Körper operativ so umzuarbeiten, dass er mehr dem nicht ursprünglichen Geschlecht gleicht, auch gibt es Körper, die sich nicht eindeutig in das binäre Schema einteilen lassen und natürlich wirken soziale Umstände auf den Körper zurück. Aber für 99 % aller Menschen gilt, dass sie relativ eindeutig durch diese Klassifikation definiert sind. Die Abschaffung von Männern zu fordern ist eben nicht die Aufforderung zur Dekonstruktion des „schuldigen MannSeins“, vulgo Männlichkeit, sondern ein recht unverhohlener Aufruf zur Vernichtung der Körper und damit einer zur Vernichtung der Menschen.

  2. 2 TaP 14. August 2011 um 23:53 Uhr

    „Das ist in meinen Augen schon gar keine diskutable These mehr.“

    Welche These meinst Du denn?!

    „Butler ist ja schon sehr dämlich, aber so dämlich auf die Idee zu kommen die biologische Differenz zwischen Männern und Frauen, die sich an jedem FKK-Strand begutachten lässt zu negieren ist sie nicht.“

    Das ist ja nun gerade unsere These – daß die Biologie ein Nebenkriegsschauplatz ist:

    „Butlers philosophische De-Konstruktion der Geschlechter führte dann viele auf den Nebenschauplatz, auf dem die Frage diskutiert wurde, ob es biologische Geschlechter gibt oder nicht, bzw. darüber, ob das Geschlecht dadurch gewechselt werden kann, daß die Kleidung ‚des anderen’ Geschlechts getragen wird.
    Damit wurde vielfach das Wichtigste an Butlers Wende vom Idealismus des Bewußtseins (der Frage nach der Identität) zu einem Materialismus der Praxis (der Frage nach dem doing gender) übersehen: Wenn Geschlecht keine Frage des Seins, sondern eine Frage des Tuns ist, dann wird die revolutionäre Perspektive einer Überwindung der Geschlechter materiell greifbar.“ (Flugi)

    Klar gibt es biologische Unterschiede zwischen konkreten Individuen, die ggf. mit einander verglichen werden – aber es gibt auch biologisch keine strikte Zweigeschlechtlichkeit (http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/08/26/gibt-es-ausschliesslich-zwei-geschlechter/) . – Genau diese Differenzierung macht den Unterschied zwischen ‚Vulgärdekonstruktivismus‘ und De-Konstruktion.

    Eine Antwort auf den zweiten Absatz erübrigt sich damit, oder?

  3. 3 Zara 15. August 2011 um 0:57 Uhr

    Es gibt auch keine strikte Trennung zwischen einem Rinnsal und einem Bach, einer Regenschauer und einem Gewitter, zwischen einem Kleinkind und einem Kind.
    Die Welt ist kein Computerspiel, wo alles 0 oder 1 ist. Die Welt ist analog und über die analogen Erscheinungen stülpt der soziale Mensch seine Kategorien.
    Und der zentrale Punkt, den die Anhänger der Postmodernen Theorien intellektuell partout nicht nachvollziehen können, ist, dass die Menschen diese Kategorien nicht aus Willkür so und nicht anders geprägt haben, sondern weil sie zu einem bestimmten Zeitpunkt der menschlichen Entwicklungsgeschichte die plausibelsten waren (und wie im Fall von Mann und Frau auch heute noch sind). Es haben sich in erster Linie diejenigen durchgesetzt, die dem Menschen am besten halfen, die Erscheinungen der Natur zu fassen.

    Diese Kategorisierung daran zu blamieren, wie es auch Butler tut, dass sie nicht eindeutig trennend sind, ist peinlich.

  4. 4 TaP 15. August 2011 um 14:26 Uhr

    „Es gibt auch keine strikte Trennung zwischen einem Rinnsal und einem Bach,“

    Das mag sein – aber es gibt auch keine Leute, die behaupten, es gäbe nur Ströme und Rinnsäle – und keine anderen fließenden Gewässer. Gegen einen dertigen Reduktionismus, wie er im Falle des Geschlechterverhältnisses aber fälschlicherweise als ‚biologische Tatsache‘ behauptet wird, wenden wir uns / wendet sich die De-Konstruktion von sex (biologischem Geschlecht).

    Die Welt ist kein Computerspiel, wo alles 0 oder 1 ist.

    Ja, aber es ist in der BRD das Personenstandsgesetz (nicht wir!), das so tut, als ob es nur 0 und 1 (*) – nur eindeutige F und eindeutige M – und nichts anderes gäbe.

    Meiner Überzeugung nach wäre allerdings auch nichts damit gewonnen, würden im Personenstandsgesetz weitere Geschlechter anerkannt – denn, wie Butler sagt:
    „Die Aufgabe besteht infolgedessen [daß jede Konstituierung eines Subjekts mit einer Ab- und Ausgrenzung einhergeht, d. Vf.In] nicht darin, Subjektpositionen im existierenden Symbolischen, im derzeitigen Bereich der Kulturfähigkeit, zahlenmäßig zu vervielfachen, […]. Die Vervielfachung von Subjektpositionen auf einer pluralistischen Achse hätte die Vervielfachung ausschließender und erniedrigender Schritte zur Folge, […].“ (Judith Butler, Körper von Gewicht, Berlin Verlag: Berlin, 1993/94, 156).

    „der zentrale Punkt, den die Anhänger der Postmodernen Theorien intellektuell partout nicht nachvollziehen können, ist, dass die Menschen diese Kategorien nicht aus Willkür so und nicht anders geprägt haben, sondern weil sie zu einem bestimmten Zeitpunkt der menschlichen Entwicklungsgeschichte die plausibelsten waren“

    Das mag schon sein – und gilt jedenfalls für die verschiedenen Formen von Klassengesellschaften ebenfalls – nur ist damit kein Ende der Geschichte erreicht.

    (*) Und was uns anbelangt, so betonen wir zwar den antagonistischen Charakter auch des Geschlechterverhältnisses – was uns allerdings (genauso wie in Bezug auf den Klassenkampf) nicht hindert einzusehen, daß eine flexible Bündnispolitik notwendig ist, wie Lenin ausführte:

    „Einen mächtigeren Gegner kann man nur unter größter Anspannung der Kräfte und nur dann besiegen, wenn man unbedingt aufs angelegentlichste, sorgsamste, vorsichtigste, geschickteste sowohl jeden, selbst den kleinsten ‚Riß‘ zwischen den Feinden, […] als auch jede, selbst die kleinste Möglichkeit ausnutzt, um einen Verbündeten unter den Massen zu gewinnen, mag das auch ein zeitweiliger, schwankender, unsicherer, unzuverlässiger, bedingter Verbündeter sein. Wer das nicht begriffen hat, der hat auch nicht einen Deut vom Marxismus und vom wissenschaftlichen, modernen, Sozialismus überhaupt begriffen. […]. ‚Die politische Tätigkeit ist nicht das Trottoir des Newski-Prospekts‘ (das saubere, breite, glatte Trottoir der schnurgeraden Hauptstraße Petersburgs), pflegte schon N.G. Tschernyschewski, der große russische Sozialist der vormarxschen Periode, zu sagen.“ (http://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1920/linksrad/kap08.html)

    Nur würde ich sagen (und vermute mal, die anderen Transpi-Verantwortlichen würden mehr oder minder zustimmen): Für eine derartige flexible, geschickte Bündnispolitik (z.B. bspw. mit Männern, die immerhin nicht vergewaltigen, oder mit Trans-Wesen, wie mir) bedarf es gut befestigter feministischer FrauenLesben-Stützpunkte – eines Separatismus als taktische Option (S. 69 f.).

  5. 5 Zara 15. August 2011 um 18:34 Uhr

    „Es gibt auch keine strikte Trennung zwischen einem Rinnsal und einem Bach,“

    Das mag sein – aber es gibt auch keine Leute, die behaupten, es gäbe nur Ströme und Rinnsäle – und keine anderen fließenden Gewässer. Gegen einen dertigen Reduktionismus, wie er im Falle des Geschlechterverhältnisses aber fälschlicherweise als ‚biologische Tatsache‘ behauptet wird, wenden wir uns / wendet sich die De-Konstruktion von sex (biologischem Geschlecht).

    Siehst Du, wo Dein Argumentationsfehler liegt? Es gibt wahrscheinlich keine Leute, die behaupten, es gäbe etwas zwischen einem Rinnsal und einem Bach.
    Dein Argument wäre richtig, wenn jetzt ein grünes, dreibeiniges, fünf Meter großes Wesen auftauchen würde, was aber eindeutig menschlicher Abstammung ist. Wenn dann eine Meldebehörde herginge und dieses Wesen als Frau klassifizieren würde, dann könnte man natürlich argumentieren, dass die Menschen ja neben einem Rinnsal und einem Bach ja auch noch Flüsse und Ströme kennen und das binäre Schema an dieser Stelle nicht mehr sinnvoll verwendbar ist. Solange dieses grüne Wesen noch nicht da ist und es nur darum geht, dass wie bei allen analogen Phänomenen die Klassifikation nie ganz exakt ist, weil es immer etwas dazwischen gibt, was man nicht eindeutig dem einen oder dem anderen zuordnen kann, solange macht es Sinn diese Klassifikation beizubehalten, sofern es auf 99 % zutrifft und deshalb die Welt ganz gut beschreibt. Es wäre aber sinnvoll auch die Möglichkeit zu sehen, dass die Klassifikation nicht immer zutrifft und in solchen Fällen ein „nicht bestimmbar“ in den Pass zu schreiben, statt eine geschlechtlichen Zwangszuweisung vorzunehmen.

    Das Problem von Butler, wie Du als Leninist vielleicht nachvollziehen wirst, ist es ganz linksliberal Dinge zu kritisieren, die in herrschenden Verhältnissen durchaus Sinn ergeben oder sogar eine gewisse Notwendigkeit besitzen. Sie verbleibt aber auf dieser Ebene, weil für sie die Überwindung dieser Verhältnisse nicht in Frage kommt. Dass in anderen Verhältnissen diese Fragen von Geschlechtskategorisierung vielleicht mal keine Rolle mehr spielt, kann ich mir zumindest bis zu einem gewissen Grad gut vorstellen, so viel zum Ende der Geschichte.

  6. 6 TaP 15. August 2011 um 23:49 Uhr

    „Siehst Du, wo Dein Argumentationsfehler liegt? Es gibt wahrscheinlich keine Leute, die behaupten, es gäbe etwas zwischen einem Rinnsal und einem Bach.“

    Auch dies mag sein. Nur verhalten sich „Männer“ und „Frauen“ – angesichts von Intersexuellen – zu einander wie „Ströme“ und „Rinnsale“ und nicht wie „Bäche“ und „Rinnsale“.

    „und es nur darum geht, dass wie bei allen analogen Phänomenen die Klassifikation nie ganz exakt ist, weil es immer etwas dazwischen gibt, was man nicht eindeutig dem einen oder dem anderen zuordnen kann, solange macht es Sinn diese Klassifikation beizubehalten, sofern es auf 99 % zutrifft und deshalb die Welt ganz gut beschreibt.“

    Nur liegen die Schätzungen für den Bevölkerungsanteil von Intersexuellen deutlich über ein Prozent. Wie ‚Zufallsfunde“ bei doping-Tests von Sportlerinnen zeigen, dürfte es eine erhebliche Dunkelziffer geben, da ‚Unstimmigkeit‘ zwischen äußeren Geschlechtsmerkmalen und Chromosomen i.d.R. gar nicht und ‚Unstimmigkeiten‘ zwischen äußeren und inneren Geschlechtsmerkmalen auch nur bei speziellen Untersuchungen auffallen. Die Geschlechtsbestimmungen bei Geburt erfolgen allein nach äußerem Augenschein.

    „Es wäre aber sinnvoll auch die Möglichkeit zu sehen, dass die Klassifikation nicht immer zutrifft und in solchen Fällen ein ‚nicht bestimmbar‘ in den Pass zu schreiben, statt eine geschlechtlichen Zwangszuweisung vorzunehmen.“

    Ich bin perspektivisch eher für eine vollständige Streichung von Geschlechtsangaben in Pässen und Geburtsurkunden, was allerdings auf absehbare Zeiten schwierig ist, weil damit auch der Anknüpfungspunkt für Quotierungsregelung entfallen würde. Vgl. dort am Ende: http://media.de.indymedia.org/media/2011/06//310551.pdf.

  7. 7 Richard 16. August 2011 um 22:46 Uhr

    Darf man mal fragen, ob „TaP“ oder „Zara“ weiblich sind, oder nicht?

    Soll ich mal raten? Beide weiblich.

    Weil als mann, siehst du die Dinge klarer, aber auf eine animalische Weise. Geschlecht(er) sind für den sexualtrieb. Aber nicht für viel mehr.

    Lass uns froh sein, dass wir sie haben. Ob im Pass oder in der Hose, oder der Brust oder im Arsch. Eh, wir sind nicht so weit von den tieren weg, als dass wir dass nur mit dem Kopf betrachten können.

    Kennt ihr das neue zeitalter? Da gibt es im Netz Sex für alle. Paare, Ehepaare, dann gibts da, das müsst ihr selber rausfinden. Das geschlecht braucht sex, sonst ist es unentspannt. Kenn ihr das nicht?

  8. 8 TaP 17. August 2011 um 14:08 Uhr

    „als mann siehst du die Dinge […] auf eine animalische Weise.“

    Dann scheint es ja vergebliche Mühe zu sein, zu versuchen, mit Männern zu diskutieren – denn Tiere diskutieren ja für gewöhnlich nicht.

  9. 9 Richard 17. August 2011 um 15:15 Uhr

    „denn Tiere diskutieren ja für gewöhnlich nicht.“

    Also das finde ich in doppelter Weise beleidigend. Für mich sind animalische Impulse durchaus erstrebenswert. Und von den meisten Tieren, wenn nicht sogar allen, haben ich eine hHchachtung und würde ihnen nicht abstreiten, irgendetwas nicht zu können, aber eben auf ihrer Ebene. (Bitte jetzt keine Scheindiskussion über Tiere.)

    Darf man jetzt nicht geschlechtsbezogen etwas äußern? Aber offene Diskussionen zwischen den Geschlechtern sind immer schwierig, soviel will ich zugeben. Aber nur weil etwas schwierig ist, muss man nicht gleich den gegenüber diskreditieren und dadurch der Diskussion ausweichen.

  10. 10 TaP 17. August 2011 um 15:30 Uhr

    Um’s rund herauszusagen: Nee, ich hab grad keinen Bock auf ne Soziobiologie-Diskussion.

  11. 11 earendil 18. August 2011 um 15:08 Uhr

    Danke, TaP, dass du diese Realsatire stehen lässt. Schon

    Weil als mann, siehst du die Dinge klarer, aber auf eine animalische Weise.

    ist ja top, aber der Brüller ist echt:

    Und von den meisten Tieren, wenn nicht sogar allen, haben ich eine hHchachtung und würde ihnen nicht abstreiten, irgendetwas nicht zu können, aber eben auf ihrer Ebene.

    Kartoffelkäfer können sicher auch Liebeslyrik verfassen, auf ihrer Ebene. Ihnen (??) abzustreiten, dass sie das nicht (???) können, würde sie vermutlich tödlich beleidigen. YMMD!

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