Archiv für den 5. August 2011

Aus gegebenen Anlaß: Gegen queere politische und gesellschaftsanalytische Indifferenz

– Mit einem PS. vom 07.08.2011 –

„Wäh­rend des Trans­ge­nia­len CSD 2011 wurde eine queere Per­son auf den Toi­let­ten der Bar ‚Roses‘ in der Ora­ni­en­strasse ver­ge­wal­tigt. […]. Allen Tätern_​innen sagen wir: wir wer­den nicht schwei­gen, wir hal­ten zusam­men!!!“
(http://​trans​ge​nia​lercsd​.blog​sport​.de/​2​0​1​1​/​0​7​/​2​5​/​s​t​e​l​l​u​n​g​n​a​h​m​e​-​z​u​m​-​v​e​r​g​e​w​a​l​t​i​g​u​n​g​s​v​o​r​f​a​l​l​-​w​a​e​h​r​e​n​d​-​d​e​s​-​t​r​a​n​s​g​e​n​i​a​l​e​n​-​c​s​d​-​2011/)

Schön zu hören, wo es doch vor­her in Bezug auf den Umgang mit sexu­el­len Beläs­ti­gun­gen und andere „diskriminierende[n] Situa­tion“ noch hieß:

Laut der ein­gangs zitier­ten Stel­lung­nahme wurde eine „queere Per­son“ ver­ge­wal­tigt, außer­dem wird ganz all­ge­mein von „Tätern_​innen“ gespro­chen. Zum Geschlecht des/​der „Täter_​in“ im vor­lie­gen­den Fall erfah­ren wir nichts, allein: die Tat wird als „homo­pho­ber Angriff “ cha­rak­te­ri­siert.
Diese ent-​​geschlechtlichende Rede über die Ver­ge­wal­ti­gung ist in vie­ler­lei Hin­sicht pro­ble­ma­tisch:
► Falls es sich um die Ver­ge­wal­ti­gung einer Frau­Lesbe durch einen Mann han­delt, ist diese ent-​​geschlechtlichende Rede eine Ent­nen­nung des gesell­schaft­li­chen Herrschafts-​​ und Aus­beu­tungs­ver­hält­nis­ses zwi­schen Män­nern und Frauen, in dem Ver­ge­wal­ti­gun­gen an der Tages­ord­nung sind.1
► Sollte es sich um die Ver­ge­wal­ti­gung eines (schwu­len, bi-​​, pan­se­xu­el­len, …) Man­nes durch einen (hete­ro­se­xu­el­len) Mann han­deln, so würde auch in die­sem Fall die ent-​​geschlechtlichende Rede einen rele­van­ten Teil der patri­ar­cha­len Rea­li­tät ent­nen­nen.
► Sollte es sich schließ­lich um eine ‚innere-​​queere‘ Tat han­deln (was aller­dings die Frage auf­wer­fen würde, was mit der Cha­rak­te­ri­sie­rung der Tat als „homo­phob“ genau gemeint ist – „homo­phobe“ queers, gibt es das?!), so wäre nach der Repro­duk­tion der herr­schen­den gesell­schaft­li­chen Struk­tu­ren inner­halb der queer-​​Szene bzw. die dor­tige Ent­ste­hung neuer Herr­schafts­struk­tu­ren zu fra­gen.

Dem­ge­gen­über legt die ent-​​geschlechtlichende Rede­weise der zitier­ten „Stel­lung­nahme“ den Schleier der ent-​​politisierenden Sprach-​​Diplomatie über die Tat und ver­hin­dert not­wen­dige poli­ti­sche Posi­tio­nie­run­gen. –

Aus die­sem Anlaß (und im Nach­gang dazu) ein Zitat aus:

Monika Schröttle
Gewalt gegen Frauen in Paar­be­zie­hun­gen
in: Streit. Femi­nis­ti­sche Rechts­zeit­schrift 2009, 147-​​158 (152 f. = Abschnitt V.; im Ori­gi­nal han­delt es sich bei den hie­si­gen FN 2 und 3 um die FN 8 und 9):

Die These der Gen­der­sym­me­trie bei Gewalt in Paar­be­zie­hun­gen

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Männliches doing gender kritisieren; De-Konstruktion POLITISIEREN – Vorschlag für 2 Slutwalk-Transpis

Am 13.8. fin­det in Ber­lin – wie auch in ande­ren Städ­ten in der BRD – ein Slut­walk gegen Ver­ge­wal­ti­gun­gen und schuld­um­keh­rende Ver­ge­wal­ti­gungs­my­then, die den Ver­ge­wal­tig­ten Schuld an den Ver­ge­wal­ti­gun­gen geben, statt (Über­sicht über die web-​​Präsensen sowie die Start­orte und -zeit­punkte: http://​arsch​hoch​.blog​sport​.de/​2​0​1​1​/​0​7​/​3​1​/​t​e​r​m​i​n​e​-​u​n​d​-​a​n​d​e​r​e​-​h​i​n​w​e​i​se-3/).

Gibt es viel­leicht wel­che, die Inter­esse hät­ten, bei dem Ber­li­ner Slut­walk einen Mini­block mit zwei Trans­pis zu bil­den?
Tran­spi 1: „Ver­ge­wal­ti­gen ist männ­li­ches doing gen­der
Tran­spi 2: „Geschlech­ter abschaf­fen – Män­ner zuerst abschaf­fen.“

Falls es einer politisch-​​theoretischen Begrün­dung /​ Erläu­te­rung bedarf: siehe unten.

Ich habe einen doodle-​​Termin ein­ge­rich­tet: http://​doodle​.com/​5​5​r​s​3​6​r​x​u​u​5​bzhwb . Ich würde vor­schla­gen, etwaig Inter­es­sierte ver­stän­di­gen sich erst ein­mal auf einen pas­sen­den Ter­min und klä­ren dann, ob wir uns gleich zum Transpi-​​Malen tref­fen wol­len oder erst noch mal über den genauen Text reden – und legen dann den jeweils pas­sen­den Ort fest. Für das Malen kämen viel­leicht die ent­spre­chen­den LaD.I.Y.fest-Workshops in Betracht: Mo., 8. Aug., 17-​​20 Uhr und Di., 9. Aug., 14-​​17 Uhr Trans­pis & Pla­kate für den Slut­walk im Café Cralle (http://​www​.lady​fest​.net/​?​p​=3251).

Theoretisch-​​politische Erläuterung/​Begründung

Mir scheint die bei­den vor­ge­schla­ge­nen Paro­len wür­den queer-​​feministische Poli­tik end­lich, nach rund 20 Jah­ren Ver­zö­ge­rung, auf das Radi­ka­li­täts­ni­veau von de-​​konstruktivistischem Femi­nis­mus als Theo­rie brin­gen:

[Die­ser Text als .pdf-​​Datei]

1. doing gen­der (mehr…)