Archiv für Juni 2011

Technischer Hinweis

Ab sofort werden hier im oberen Bereich der linkeren der beiden Randspalten – auf Anregung von Zara und bigmouth – die neusten Kommentare angezeigt.
Aus diesem Anlaß führe ich – zum Zwecke der Steigerung der Übersichtlichkeit in dem Kommentar-feed – ein neues AutorIn-Kürzel ein:
Von mir selbst verfaßte Kommentare, die ausschließlich auf hiesige frühere oder spätere Beiträge querverweisen, werden ab sofort – und nach und nach auch rückwirkend – mit „QV“ (mit Hintergrund-link zur about-Seite) signiert.

Außerdem besteht jetzt die Möglichkeit, die Kommentare zu bestimmten Artikeln zu abonnieren, und schließlich habe ich ein zusätzliches socialise-Plugin aktiviert.

Mädchenblog findet klare Worte: Es geht nicht um ein Recht auf Sexiness, sondern um Kampf gegen Vergewaltigungen

„[…] Und sind High-Heels, Miniröcke und Netzstrümpfe für Frauenbefreiung wirklich notwendig? Und warum finden die Slutwalks so großen Zuspruch sowohl unter jungen Frauen als auch in den Medien? Viele der Teilnehmer_innen hatten vor dem Walk mit Feminismus und Frauenrechten nicht viel am Hut.
Hier macht sich das mulmige Gefühl breit, dass die Märsche nur eine solch große Aufmerksamkeit bekommen, da sie ein gängiges, ebenfalls patriarchales Frauenbild transportieren – die neue selbstbewusste Frau ist sexy und stolz darauf. Was ‚Sex and the City‘ vorlebte ist jetzt in den Köpfen der meisten Menschen festverankert. Auch SpiegelOnline ist sofort auf den falschen Zug aufgesprungen. Dort war zu lesen: die Frauen marschieren für ‚ihr Recht sexy zu sein‘. Aber Halt, so ist das nicht! Es geht um das Recht ‚nicht vergewaltigt zu werden‘, ein Recht auf Sexiness braucht es nun wirklich nicht. […].“

Quelle:
http://maedchenblog.blogsport.de/2011/06/30/sind-slutwalks-wirklich-sinnvoll/.

Anmerkung:
Wer/welche vom einem ein Recht auf Sexiness redet, sollte zumindest auch von einem Recht auf Asexualität reden:
http://wirliebenkonsens.wordpress.com/2011/06/26/das-recht-nein-zu-sagen/ (vermutlich interessant, aber von mir noch nicht gelesen).

Auch der f.a.q.-Laden in Berlin sagt: „Asexualität ist meist negativ konnotiert, wird pathologisiert, gilt als unnormal und wird oft nicht mitgedacht. Das wollen wir nicht.“

„Männerfeindlichkeit“ und die Arbeit der Zuspitzung

Dieser Text als .pdf-Datei.

Ich hatte am vergangenen Mittwoch bedauert, daß queer nicht mehr „männerfeindlich“ sei. Nach drei bzw. vier vorhergehenden (1, 2, 3, 4) Einwänden, die mich nicht so überzeugten (1, 2, 3, 4), brachte bigmouth die folgenden zwei weitere Einwände, der mich doch nachdenklich machten:

1.

„du meinst halt, man könne „männerfeindlichkeit“ inhaltlich so besetzen [gemeint: i.S.e. positiven, feministischen und zugleich anti-biologistischen Bedeutung]. das halte ich aber für unsinn, weil dafür im allgemeinen sprachgebrauch und auffassung „mann“ bereits nicht als eine ontologische biologische entität, sondern als abstreifbare identität/rolle whatever gelten müsste. und da glaube ich, dass die verwendung des begriffs eine „kleine diskurisve Zuspitzung der Klarstellung“ gar nicht ergeben würde, sondern ganz im gegenteil einfach unendliche mißverständnisse
selbst wenn das verständnis in diesem sinne vorläge: etwa vergleichbar ist, mensch würde von sich sagen, „christenfeindlich“ sein, und damit aber meinen, mensch würde auf die abschaffung von religiösem bedürfnis überhaupt hinarbeiten. da wären mißverständnisse immer noch vorprogrammiert.“

2.

„außerdem ist die parallele zu klassenkampf und diktatur des proletariats extrem fragwürdig, weil die mehrheitsverhältnisse völlig anders sind. es geht hier ja nicht um den antagonismus zwischen einer mehr- und einer minderheit, die auch eine eindeutige hierarchie besitzen. der vergleich hinkt extrem“

Diskussionen provozieren!

a) „dafür [müßte] im allgemeinen sprachgebrauch und auffassung ‚mann’ bereits nicht als eine ontologische biologische entität, sondern als abstreifbare identität/rolle whatever gelten.“

Da sind wir in der Tat noch weit von entfernt. Und unsere gemeinsame Frage scheint mir zu sein, wie wir da hinkommen.
Ich würde sagen, die diskursive Zuspitzung ist dafür nützlich – auch auf das Risiko des Mißverständnisses. Denn jedes Mißverständnis ist auch eine gute Gelegenheit, um mit Leuten ins Gespräch zu kommen, zu argumentieren, zu begründen – und klarzustellen, daß „Männer“ nicht der Name zur Bezeichnung eines bestimmten anatomisch definierten Kollektivs, sondern der Begriff zur Bezeichnung der Träger einer bestimmten gesellschaftlichen Praxis ist.
Ich komme darauf und auf das weitere Argument, das in Deinen ersten beiden Sätzen steckt noch zurück.

b) „selbst wenn das verständnis in diesem sinne vorläge: etwa vergleichbar ist, mensch würde von sich sagen, ‚christenfeindlich’ sein, und damit aber meinen, mensch würde auf die abschaffung von religiösem bedürfnis überhaupt hinarbeiten. da wären mißverständnisse immer noch vorprogrammiert.“
Der Hinweis auf „christenfeindlich“ ist der Punkt, der mich besonders nachdenklich gemacht hat. Auch darauf komme ich gleich zurück. Aber zunächst einmal:

Personale und versachlichte Herrschaft

aa) Wenn ich recht verstehe, sagst Du: Im Falle von Religion läge ein derartiges Verständnis („abstreifbare identität/rolle whatever“) vor. Und selbst der Fall Religion zeige, wie problematisch meine diskursive Strategie sei.
Ich würde demgegenüber sagen: Im Falle von Religion mögen ‚wir’ AtheistInnen uns da einig sein. (Aber selbst unter ‚uns’ ist das gar nicht so einfach. Wenn ich meine Ablehnung der Existenzgeldforderung und meine These, daß auch im Kommunismus gearbeitet werden müsse, begründe, muß ich mir schon mal den Vorwurf „protestantische Arbeitsethik“ anhören. Und: Wenn ich mit KatholikInnen über Doppelmoral und das Gesetz vom Widerspruch diskutiere, kokettiere ich auch schon mal mit einer protestantischen Sozialisation… – Also auch da ist das alles nicht so einfach abstreifbar.)
Und ich würde sagen: Im von Dir in Bezug genommenen „allgemeinen sprachgebrauch“ schon gar nicht – auch wenn die Leute sonntags kaum zur Kirche, aber massenhaft zum Kirchentag rennen und sich über das ökumenische Abendmahl streiten: auch da scheinen ja so etwas wie massive „Leib“-Erfahrungen (wie Butler-KritikerInnen sagen würde) auf dem Spiel zu stehen.

bb) Und ich würde sagen – und das ist nun der Kern meines Gegenarguments:
Wir müßten in der Tat dahin kommen, daß genauso unbefangen über „ChristInnenfeindlichkeit“ und „Männerfeindlichkeit“ gesprochen werden kann, wie MarxistInnen früher unbefangen vom „Klassenfeind“ gesprochen haben.
Warum haben wir jene Unbefangenheit nicht? (mehr…)

Seven simple, basic and political questions, which all queer comrades should answer

– Deutsche Fassung bei scharf-links

– Inspired through a query, asked by Tim Stüttgen at Facebook, and a comment of ‘gd’ at indymedia –

1. Do we fight for gender pluralism (instead of gender binarism) or do we fight for the abolition of genders at all?

2. Shall we direct our fight against ‘discrimination’ and ‘repression’?

3. Or have we to recognise, that the genders are produced by the dominant order? And further: Have we to recognise, that discrimination is not the decisive thing, rather the symptom of a more fundamental social structure of domination and exploitation?

4. Are trans and drag activism surely first steps for revolutionising the social relations? Or does depend this on certain conditions – and is, therefore, trans and drag activism as such clearly not sufficient?

5. Shall we replace feminism with ‘queer’ (or with ‘queer feminism’ – ‘queer’ as modifier [“fabric softener”] of feminism)? Or do we need both: Unmodified feminism and queer?

6. Applies the queer-dekonstructivist thesis, that identities are socially constructed, only to cis-identities (“biological” men and women, as stated in their original birth certificates)? Or does it apply to trans-identities as well?

7. Are the lax reactions of the queer scene towards sexual harassment exclusively caused by pressure of work and inappropriate behaviour by some individuals? Or is there a systematic connection with the basic political orientation of the queer mainstream in Germany, which includes that using the term ‘feminism’ within the appeals for the transgeniale CSD (transbrilliant Gay Pride Manifestation) is a great taboo?

Those are simple and basic questions, to which all comrades can reply. And they should reply consciousness and well-founded.

To my critics:
Those are not questions, which can be answered only by people, who hold and certain school or academic degree. Those are questions, which we have to face in our political struggle. (mehr…)

Vier weitere Texte zur Organisierungsdebatte

Es gibt vier weitere Texte zur Organisierungsdebatte:

Debatte, neue antikapitalistische Organisation von G. Karlfeld bei scharf-links (= Antwort auf meinen dortigen Beitrag vom 21.06.2011)

Nächster Versuch von Freitag-Redakteur Tom Strohschneider im blog Lafonteines Linke

►►► dazu ein Kommentar (27. Juni 2011 um 13:49 h) von mir

Vom Tahrir-Platz zur Puerta del Sol: Fünf Thesen über die neuen Protestbewegungen von Pedram Shahyar

„Eine wirklich ‚Neue Linke‘ muss emanzipatorisch sein – oder sie wird nicht sein“ (Dokumentation eines älteren Textes von Barbara Suhr-Bartsch aus dem Jahre 2007).

Für eine zukünftige vollständige Dokumentation und Fortsetzung der Debatte sei auf den – schon erwähnten – zu diesem Zweck eingerichteten blog bzw. dessen rss-feed in der hiesigen rechten Randspalte verwiesen.

Fr., 1.7., 18 h – Rathaus Neukölln: Solidarität mit den kämpfenden Frauen in Nordafrika und im Nahen Osten!

„Mit unserer Kundgebung wollen wir – Frauen, Lesben, Trans – unsere Solidarität und innere Verbundenheit mit den Frauen in Nordafrika und dem Nahen Osten zum Ausdruck bringen, die in den letzten Monaten auf den Demonstrationen im Jemen, Syrien oder Tunesien waren, die auf dem Tahrir-Platz in Kairo ausharrten, die Steine gegen Polizisten schleuderten oder Soldaten anspuckten, die sich gegen ihre Familien durchsetzten, um an all diesen Aktionen teilnehmen zu können, und all die, die diesen Widerstand möglich machten.“

kompletter Text als .html-Seite.

vollständiger Text als .pdf-Datei.

Angeklagter Oliver R.: Widerstand bleibt trotz Verurteilung legitim

Der BGH hat die Revision gegen das Urteil des Kammergerichts Berlin im sog. mg-Prozeß verworfen:

„Oliver R., einer der drei Betroffenen, äußert sich anlässlich der BGH-Entscheidung: ‚Widerstand, der sich gegen die Gewalt des Krieges, die Kriegswirtschaft sowie das Militär richtet, um eine Situation der Besatzung, die Ermordung von Zivilisten und Zivilistinnen und die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen zu unterbinden, bleibt nach wie vor legitim.‘“

Die Einlegung weiterer Rechtsmittel, die aber keine aufschiebende Wirkung in Bezug auf die Vollstreckung der Strafe haben, sind angekündigt.

Auf den Rest der Prozeßerklärung des Einstellungsbündnisses wird bei Gelegenheit einzugehen sein.

RSB: Für eine kommunistische love story

In der neulich schon erwähten Stellungnahme des Revolutionär-Sozialistischen Bundes (RSB) zur laufenden Organisierungsdebatte heißt es u.a.:

„Wir sprechen im folgenden von ‚Organisation‘ und legen uns damit bewusst nicht fest auf ein ‚Bündnis‘, eine ‚Dachorganisation‘ oder gar eine ‚Partei‘. Für Definitionen ist es viel zu früh. Wie in einer Liebesbeziehung schlagen wir vor, auf einer Ebene zu beginnen, die allen die meiste Freiheit lässt. Wir können dann sehen, in welcher Form der Vereinigung wir unser Glück finden.“

http://www.rsb4.de/content/view/4336/84/

„Ob es in diesem Abschnitt ebenfalls nur um fehlende Klarstellungen im Text der SIBS (Exkurs 1, ab s. 17) geht oder um wirkliche, nennenswerte Differenzen, wissen wir noch nicht so recht. Wir wollen aber betonen: Für uns ist eine bestimmte Unterdrückung nicht erst dann relevant, ‚wenn sie die gesamte Gesellschaft durchzieht‘. Und die Frage wäre auch, wer definiert, was für die ‚gesamte Gesellschaft‘ Unterdrückung ist. Die Formulierung: ‚Es kann ja vernünftigerweise nur um Unterdrückung gehen, die erstens die gesamte Gesellschaft durchzieht und die zweitens mehr oder weniger konstitutiv ist für die Herrschaft des Kapitals‘ (S. 17) ist interpretationsfähig. Spätestens da, wo es im SIBS-Text heißt, dass es ‚bei z. B. ‚abweichenden‘ sexuellen Orientierungen nicht‘ um eine Unterdrückung gehe, um die sich eine revolutionäre Organisation ‚vernünftigerweise‘ kümmern sollte, wollen wir klarstellen, dass für uns die Übel außerhalb des ‚Hauptwiderspruchs‘ weder unbedeutend noch unwichtig für die Politik einer revolutionären Organisation sind. Dem Eintreten gegen männliche Unterdrückung, Sexismus und Homophobie sowohl auf politischer als auch auf privater Ebene als auch im Rahmen linker Organisationen und Politik messen wir eine zentrale Bedeutung bei.

http://www.rsb4.de/content/view/4336/84/1/2/

http://www.rsb4.de/templates/RSB4/images/header.png

Und schließlich: Wie schon eingangs angedeutet muss nach Ansicht des RSB der Kampf gegen die Zerstörung der ökologischen Lebensgrundlagen der Menschheit heute ein konstitutiver Bestandteil revolutionärer Politik sein. Je mehr die Atomkraft weltweit ausgebaut wird und bei uns nicht endgültig abgeschaltet ist, je mehr der Klimawandel fortschreitet und die sonstige Umweltzerstörung weitergeht, desto mehr rücken diese Fragen nicht nur objektiv sondern auch subjektiv in den Mittelpunkt des politischen Interesses und der Bewusstseinsentwicklung. Spätestens die Lebensmittelpreise sind spürbarer Ausdruck der ökologischen Krise. Aufgabe revolutionärer Politik muss es sein, zu erklären, dass der Kapitalismus diese Probleme nicht lösen kann, weil das Profitsystem dem diametral widerspricht. Markt und Staat können aber damit umgehen: ‚Green New Deal‘ und ‚grüner Kapitalismus‘ sollen die für alle notwendigen natürlichen Güter zu exklusiven Waren machen. Als Alternative dazu wollen wir die Vision sowohl einer ausbeutungsfreien als auch ökologischen Gesellschaftsordnung entwickeln; diese zu vermitteln wird zu einer immer drängenderen Aufgabe klassenkämpferischer, revolutionärer Politik.

http://www.rsb4.de/content/view/4336/84/1/2/

Der komplette Text der RSB-Stellungnahme als .pdf-Datei.

Themenübersicht – Kritik an der linksliberal-antifeministischen politischen Linie des transgenialen CSD (tCSD) in Berlin und des queeren mainstreams in der BRD überhaupt

I. Zur Programmatik des transgenialen CSD

Eine radikale Geste mit schalem Nebengeschmack:

„Auch der Aufruf zum transgenialen CSD, der am kommenden Samstag (26.6.[2010]) stattfindet […], kommt ohne die Wörter ‚feministisch‘ und ‚Feminismus‘ aus, […]. Der A-, wenn nicht sogar Anti-Feminismus scheint der heimliche Konsens von kommerziellem und transgenialem CSD zu sein. Derartigen Entwicklungen zuzuarbeiten war keinesfalls das Anliegen von Judith Butler, als sie vor rund 20 Jahren gender trouble schrieb“.

Worum geht es eigentlich dem transgenialen CSD?

queere Globalisierung & imperialen Begehrens

„Ich hätte ja nun wirklich gedacht, daß die linke Diskussion – zumal bei Leuten, die im vergangenen Jahr den mainstream-CSD noch als ‚rassistisch‘ kritisierten – über rassistische Strukturen und deren Reproduktion auch in der Linken längst über den psychologisierenden und individualisierenden Begriff der ‚Vorurteile‘ hinaus ist; und daß in Zusammenhängen, die irgendeine Affinität (und sei es bloß als BündnispartnerInnen) zur autonomen Szene haben, nicht nur die Frage gestellt wird ‚Wie lassen sich Konflikte friedlich lösen?‘, sondern auch die Fragen: ‚Ist es immer möglich und wünschenswert Konflikte ‚friedlich’ zu lösen?‘ und: ‚Sind ‚Gewaltsituationen’ immer etwas, in das wir anscheinend irgendwie passiv hineingeraten und wo wir dann Orientierungsschwierigkeiten haben und dann erst fragen müssen was wir ‚in’ ihnen tun können?‘, ‚Kann sich Widerstand auf das Dogma der ‚gewaltfreien Kommunikation’ festlegen lassen?‘
Zu dieser ganzen Fehlorientierung, die den Radikalitätsanspruch des tCSD weder analytisch noch strategisch ausweisen kann, sondern untergräbt und praktisch auf eine Differenz des kulturellen Ausdrucks (Schmuddel-look statt Schickimicki) und des besseren Wollens reduziert, paßt auch noch, daß bei besagtem tCSD-Treffen als Aufgabe der – nach den sexuellen Belästigungen des Vorjahres – für dieses Mal zu schaffenden awareness-Struktur ‚Deeskalation‘ (!) genannt wurde. Deeskalation statt Parteilichkeit! – aber: ach wie radikal sind wir und was für eine Spießer-Organisation ist der LSVD, der nur in der Mitte der Gesellschaft ankommen will.“
Kommentar vom 06. Mai 2011; 17:54 Uhr

Transgenialer CSD 2011 in Berlin ohne offiziellen Aufruf?

„Der strukturelle Begriff ‚Patriarchat‘ ist also weggefallen, und allein der auf einzelne Äußerungen und Handlungen fokussierende Ausdruck ‚Sexismus‘ stehengeblieben. [5] ‚Kapitalismus‘ wurde durch den aus gleichem Grund zweideutigen Ausdruck ‚Klassismus‘ ersetzt. [6] Der immerhin konkrete, materielle Handlungen benennende Begriff ‚Heterosexismus‘ wurde weggelassen; statt dessen wird jetzt mit dem Begriff ‚Heteronormativität‘ allein auf ‚Normen‘ fokusiert.“

Selektive Wahrheiten?

Als queer noch revolutionär, aggressiv und männerfeindlich war – und sein durfte (bisher 27 Kommentare)

Eine „Revolution“, bei der ich nicht denken darf, ist nicht meine – Einige Worte zum Berliner CSD-Wochenende 2011

Für einen feministischen Anti-Humanismus!

II. Zur Praxis des tCSD

Sexuelle Belästigungen beim transgenialen CSD in Berlin (erschienen beim mädchenblog am 28.06.2010)

Umgang bei sexuellen Belästigungen auf transgenialen CSD (erschienen bei scharf-links am 24.06.2011 [!])

► Kommentar bei indymedia (Wo bleiben die Argumente? – TaP 26.06.2011; 00:00 h)

„Wer/welche beansprucht denn auch nur feministisch zu sein?! In den Aufrufen für den transgenialen CSD ist das doch das große Tabu-Wort. Und deshalb kommt es dann nämlich zu solchen Dingen, wie dem laxen Umgang mit sexuellen Belästigungen. Da zeigen sich die ganz praktischen Konsequenzen der politischen Linie des queeren mainstreams.
Und darüber sollten auch diejenigen – wenigen – ins Erschrecken geraten, die nicht feministisch durch queer ersetzen, sondern von ‚queer-feministisch‘ sprechen: Wie feministisch bzw. anti-feministisch die gängige queere Praxis in der BRD ist, ist eine Debatte, die überfällig ist.“

III. Vorschlag für eine feministisch-revolutinäre Ausrichtung

Back to the future: Für einen femo-genialen tCSD 2012!

IV. Zum theoretischen und politichen Kontext der Debatte (mehr…)

Themenübersicht – Organisierungsdebatte

Vor kurzem wurde an verschiedenen Stellen im Netz ein Papier eines Diskussionskreises um Michael Prütz (1, 2, 3, 4; vgl. 5) veröffentlicht – Titel: Neue Antikapitalistische Organisation? Na endlich! Worüber müssen wir uns verständigen und worüber nicht. Plädiert wird für eine „solidarische und kontroverse, ergebnisoffene und zielgerichtete Debatte“ zwischen „‚Marxismus’ und ‚Autonomie’, Links-Sozialisten / Links-Kommunisten und Bewegungslinke“.

Mittlerweile ist die Debatte in Gang gekommen und es existiert ein neuer blog, in dem Diskussion gemeinsam fortgesetzt werden kann. – Hier eine Übersicht über meine bisherigen Beiträge direkt zu diesem Thema:

Antikapitalistisch ist nicht revolutionär genug! (Zweitveröffentlichung bei scharf-links),

►►► vgl. dazu auch: Diskussion über Antidiskriminierungspolitik, revolutionärem Feminsmus und Nebenwiderspruchs-Marxismus

Mi., 22. Juni: Diskussionsveranstaltung zum Vorschlag der Gründung einer Neuen Antikapitalistischen Organisation

Zehn Punkte, über die wir diskutieren sollten (Inhaltsverzeichnis zu einem bei trend-online veröffentlichten Text)

Zwei weitere Beiträge zur Organisierungs-Debatte

Eine Antwort an die „Proletarische Plattform“

Lösungen oder Ideologie – ist das die Frage? (Hinweis auf einen bei scharf-links erschienen Beitrag)

„eine kontroverse, aber erfrischend sachliche Diskussion“ – junge Welt bericht über Organisierungsdebatte

Der neue Stern am blogsport-Himmel

vgl. zum inhaltlichen Kontext der Debatte auch noch:

radikal-Interview mit der militanten gruppe zu „organisierung des revolutionären widerstandes“ (Teil IV der Rezension zu radikal Nr. 161)

Realismus statt „Revolutions“-Euphorie

Zusammen kämpfen – oder Frauenorganisierung gegen Männerherrschaft?

Wider den ‚physikalistischen’ Klassenbegriff des Werner Seppmann

Minimalkonsenspolitik oder Freiheit der Agitation und Propaganda?

Raus aus der Sackgasse des festgefahrenen Konflikts zwischen „Antideutschen“ und „AntiimperialistInnen“

und

schließlich meine beiden Dokumentation:

Doku: Stand autonomer Bewegung. Langlauf oder Abfahrt im Sturz; vgl. bei Eyes Wide Shut

„Ich sag‘, wie’s ist!“-Papier und Interventionistische Linke (direkter link zum dokumentierten Papier).

Erneut: Diesseits der Geschlechtergrenzen – Die Kulturalisierung des Feminismus als Naturalisierung der Geschlechterdifferenz

nebst einem Vorschlag, wie revolutionär Abhilfe zu schaffen ist.

Aus aktuellem Anlaß weise ich hier noch mal auf meinen Vortrag hin, den ich am 14.11.2007 an der Universität Hamburg im Rahmen der Reihe „Jenseits der Geschlechtergrenzen“ gehalten hatte. Unten folgt die schriftliche Ankündigung des Vortrages.
Der mündliche Vortrag selbst wurde am 17.12.2007 und/oder am 21.01.20081 von 14:00 bis 15:30 vom Hamburger Sender „FSK. Freies Sender Kombinat“ ausgestrahlt.
Die Audio-Dateien stehen bei der Universitätsbibliothek der FU Berlin zum download zur Verfügung: V-GGrenzen-T1_fsk-send-21-01-08_14-15h.ogg und V-GGrenzen-T2_fsk-send-21-01-08_15-16h.ogg (jew. ca. 50 MB; Vortrags-Dauer: ca. 1 Std. [Teil 1 + die ersten 10 Min. von Teil 2]). Der Katalog-Eintrag der Bibliothek findet sich unter dieser statischen URL: http://edocs.fu-berlin.de/docs/receive/FUDOCS_document_000000004728. [Die direkten links zu den Dateien scheinen zum unmittelbaren Anhören nicht ordnungsgemäß zu funktionieren, also bitte den Umweg über den Katalogeintrag nehmen und dann in dem Abschnitt „Dokumente“ auf die Dateien klicken.]
Es bietet sich an, zum Anhören bspw. den player VLC zu verwenden.

abstract:

Die These von der sozialen Konstruiertheit der Geschlechterdifferenz bleibt solange für Re-Biologisierungen vereinnahmbar, wie die Existenz von Geschlechtern – und seien es mehr als zwei – nicht in Frage gestellt wird. Anhand sozialwissenschaftlicher Interviews mit transgender people wird gezeigt: Während die Praxen der befragten Personen von Sozial- und KulturwissenschaftlerInnen als Beleg für die Instabilität der Geschlechtergrenzen und die Machbarkeit von Geschlecht interpretiert werden, präsentierten die Befragten durchweg essentialistische und vielfach biologistische Erklärungen für ihre geschlechternormen-inkonformen Praxen. Wird dennoch an dem Ziel der Denaturalisierung der Geschlechterdifferenz als wichtiger Voraussetzung der gesellschaftlichen und politischen De-Konstruktion von Geschlechterherrschaft festgehalten, so stellt sich verschärft die Frage nach der geeigneten politischen und theoretischen Strategie zur Denaturalisierung der Geschlechter. Judith Butler hatte zwar schon in „Körper von Gewicht“ gewarnt: „Die Aufgabe besteht […] nicht darin, Subjektpositionen im existierenden Symbolischen, im derzeitigen Bereich der Kulturfähigkeit, zahlenmäßig zu vervielfachen“. Und Cornelia Klinger unterschied zwischen Multikulturalismus und Dekonstruktivismus. Mit ersterem verbinde sich die Tendenz zur Toleranz, ja Indulgenz gegenüber allen möglichen, undiskriminiert und undiskriminierbar hinzunehmenden kulturellen und historischen Partikularitäten und zu einer weiteren Festschreibung vorgegebener Identitäten. Aus einer feministischen Perspektive müsse, so Klinger, nicht nur beargwöhnt werden, daß Identitäten festgeschrieben werden, sondern darüber hinaus, welche Identitäten damit zu Ehren kommen. Denn aus einer feministischen Perspektive seien keineswegs alle Kulturen gleichwertig und ihre Gleichrangigkeit gleichanerkennenswert.
Praktisch dominierte allerdings in der feministischen Diskussion der letzten Jahre – auch bei denen die sich auf dekonstruktivistische Theorieansätze bezogen – die Kritik am tatsächlichen und vielfach auch nur vermeintlichen Essentialismus von Radikalfeministinnen. In der Kritik am Separatismus der Radikalfeministinnen gingen die allermeisten DekonstruktivistInnen ein Bündnis mit jener Haltung der Toleranz, ja Indulgenz gegenüber allen möglichen, undiskriminiert und undiskriminierbar hinzunehmenden kulturellen und historischen Partikularitäten – eben nur nicht gegenüber der der separatistischen Radikalfeministinnen – ein. Biologismus, Essentialismus und Intoleranz gegenüber anderen (insbesondere männlichen und transgender) Identitäten wurde zum undifferenzierten Standard-Vorwurf gegen Radikalfeministinnen. In dem Maße, in dem der Separatismus als intolerant kritisiert wurde, wurden andere Identitäten für unhintergehbar erklärt und damit stabilisiert. Das Ergebnis war genau das, wovor Butler gewarnt hatte: Eine Pluralisierung von Identitäten im existierenden Symbolischen, d.h. unter fortgesetzter Dominanz des Männlichen.
Was versäumt wurde, war eine Reformulierung des in der Tat vielfach biologistischen Separatismus des 70er- und 80er Jahre Feminismus als strategische Waffe für eine nicht nur theoretische, sondern auch politische De-Konstruktion der Geschlechter, d.h. als feministischen Stützpunkt gegen fortbestehende Männerherrschaft. In dem Maße, in dem sich paradoxer Weise ausgerechnet der dekonstruktivistische Feminismus von der von Monique Wittig formulierten Perspektive der disappearance der Geschlechter verabschiedete, wurde die Existenz von Geschlechtern zur unhintergehbaren Tatsache. Die Umstellung der Begründung der Existenz von Geschlechtern von einer biologistischen auf eine sozial-konstruktivistische oder kulturalistische Grundlage und das Zugeständnis der historischen Wandelbarkeit ist danach nur eine Variante des Invarianten.
Als Abhilfe wird eine Wiedereinführung der Kategorie „Herrschaft“ in feministische Analysen vorgeschlagen. Nur in dem Maße, in dem Prozesse der Konstruktion von Geschlecht als Herrschaftspraxen erkannt werden, wird es möglich sein, anstelle der Indulgenz gegenüber Geschlechtern eine Wiederaufnahme des Kampfes für das Verschwinden der Geschlechter zu setzen. (mehr…)

Selektive Wahrheiten?

Die queer-dekonstruktivistischen Standard-Wahrheiten in Sachen Identitäten, Erfahrungen usw. lauten, wenn ich recht sehe:

Gegen den Kult vermeintlich authentischer „Erfahrungen“ und vermeintlich reiner, theorieloser „Fakten“

Die Einzelnen sind Geschöpfe der gesellschaftlichen Verhältnisse (NICHT authentische SUBJEKTE), und die gesellschaftlichen Verhältnisse sind widersprüchlich

Widerstand und Lernen aus „Erfahrungen“ kommt NICHT aus dem Inneren von SUBJEKTEN, sondern aus der Konfrontation von widersprüchlichen Erfahrungen von sub-jekten mit gesellschaftlich produzierten Begriffen und Diskursen

Kritik essentialistischer Identitätspolitik

Für einen feministischen Anti-Humanismus in der Theorie!

Gilt alles dies nur in Bezug auf Cis-Identitäten, -Erfahrungen usw.? Oder kann und muß auch über Trans-Identitäten, -Erfahrungen usw. politisch diskutiert werden? – Oder ist letzteres vielmehr ‚diskriminierend‘, ‚transphob‘ und ‚unmenschlich‘?

Der neue Stern am blogsport-Himmel

Für die laufende Organisierungsdebatte (s. dazu zuletzt bei mir: dort):

Neue antikapitalistische Organisation? Na endlich!

Debatte zur Neugruppierung der radikalen Linken

http://arschhoch.blogsport.de/.

Haut in die Tasten – für eine Linke, die im Kopf und auf der Straße die herrschenden Verhältnisse umstürzt.

Back to the future: Für einen femo-genialen tCSD 2012!


http://media.de.indymedia.org/media/2011/06//310551.pdf

vgl. http://de.indymedia.org/2011/06/310549.shtml.

„eine kontroverse, aber erfrischend sachliche Diskussion“ – junge Welt bericht über Organisierungsdebatte

Die junge welt berichtet über die Veranstaltung, die am Mittwoch in der Mediengallerie in der Dudenstr. zur neu entfachten Organisierungsdebatte stattfand – Schlußsätze:

Andere Diskutanten, meist Vertreter von linken Gruppen, begrüßten dagegen die Inititiative. Die radikale Linke müsse ‚gesellschaftlich wahrnehmbar‘ werden, ihre reine Beobachterrolle und das Zirkelwesen überwinden, war der Tenor vieler Beiträge. Der Stein ist jedenfalls ins Rollen gekommen, die Debatte wird weitergehen.

Das Thesenpapier und einige Erwiderungen im Internet:
www.trend.infopartisan.net

Ein Text von mir zum Thema:

Zehn Punkte, über die wir diskutieren sollten
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2011/06/03/zehn-punkte-ueber-die-wir-diskutieren-sollten/

Neue Stellungnahme vom Revolutionär-Sozialistischen Bund (RSB):

Vereinigen statt Spalten!
http://www.scharf-links.de/48.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=17105&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=d88090b8da