Diskussion über Antidiskriminierungspolitik, revolutionärem Feminismus und Nebenwiderspruchs-Marxismus

Seit fast einm Jahr gibt es hier eine ziem­lich kon­ti­nu­ier­li­che Dis­kus­sion mit Kom­men­ta­to­rin Zara über fünf Arti­kel hin­weg zum Thema Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­po­li­tik, revo­lu­tio­nä­rer Femins­mus und Nebenwiderspruchs-​​Marxismus – hier ein Über­blick:

Bom­bar­diert das Haupt­quar­tier der Philosophen-​​Könige (vom 27.06.2010 – 14 Kom­men­tare)

Noch ein­mal zu den Rassismus-​​Vorwürfen gegen den Ber­li­ner CSD (vom 29.06.2010 – 25 Kom­men­tare)

Inter­sek­tio­na­li­tät und Gesell­schafts­theo­rie (vom 03.07.2010 – 3 Kom­men­tare)

Was ist „Geschmack“? (vom 06.11.2919 – 10 Kom­men­tare)

Anti­ka­pi­ta­lis­tisch ist nicht revo­lu­tio­när genug! (vom 15.05.2011 – bis­her 11 Kom­men­tare).

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Vgl. zum glei­chen Thema auch noch dort:

Gegen den Strom (03.05.2011 – 6 Kom­men­tare) die Fuß­no­ten 5 bis 7

Zur Kri­tik des marxistisch-​​gegenstandpunklerischen Klein­re­dens von Sexis­mus und Patri­ar­chat (11.10.2009 – 14 Kom­men­tare)

Kurz und bün­dig: Zwei Ein­füh­run­gen in den Femi­nis­mus (17.10.2009 – 3 Kom­men­tare).

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Siehe außer­dem die in Fort­set­zung befind­li­che Doku-​​Serie „Revo­lu­tio­nä­rer Femi­nis­mus“:

► frauen […] aus ver­schie­de­nen poli­ti­schen berei­chen, Zur Poli­tik der Frauen aus dem Anti­ras­sis­ti­schen Zen­trum und grund­sätz­li­che Über­le­gun­gen zur anti­ras­sis­ti­schen Poli­tik, aus: inte­rim Nr. 184/​185 v. 19.03.1992

Inter­view mit der Roten Zora, aus: Emma Juni 1984

Eine femi­nis­ti­sche Kri­tik, aus: inte­rim Nr. 229, 25.02.1993, S. 23 – 27.

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Siehe schließ­lich die dort

http://​theo​rie​als​pra​xis​.blog​sport​.de/​a​n​dere/ in Abschnitt „A. Femi­nis­mus“ genann­ten, eben­falls doku­men­tier­ten Tex­ten

und hier all­ge­mein

► die Kate­go­rie queer & gen­der (mit bis­her 79 Bei­trä­gen).

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6 Antworten auf „Diskussion über Antidiskriminierungspolitik, revolutionärem Feminismus und Nebenwiderspruchs-Marxismus“


  1. 1 Bäumchen 05. Juni 2011 um 17:24 Uhr

    Hey
    Ich bräuchte mal kurz deinen theoretischen Überblick: Eine Freundin hat mich gefragt, ob ich einen Vortrag über Feminismus halten möchte an einem kommenden Camp(in drei Wochen). Ich bin am Hin und Her überlegen, weil mein erster richtiger Vortrag und ich nicht ganz so gewieft. Andererseits finde ich es sehr wichtig, dass es gemacht wird. Frage gerade auch herum, was Leute denn so an Literatur empfehlen. Was würdest du mir empfehlen können?

    Liebe Grüße

  2. 2 TaP 06. Juni 2011 um 10:05 Uhr

    Worüber willst/sollst Du denn genau referieren?

    Für eine Darstellung, daß es schwierig ist, von „dem Feminismus“ zu sprechen und es vielmehr sehr unterschiedliche feministische Strömungen gibt, scheint mir

    -- für die Zeit ‚vor Butler‘ und die Diskussion in der BRD/Westberlin dieser Text nützlich zu sein:
    http://theoriealspraxis.blogsport.de/images/Perspek_Fem_Marx_Nov_1988.pdf

    -- in der angelsächsischen Diskussion wurde dagegen eher zwischen liberalen, sozialistischen/marxistischen(?) Feministinnen und Radikalfeministinnen unterschieden. Dazu fand ich eine Darstellung von Juliet Mitchell instruktiv – ich glaube es war am Anfang dieses Buches:
    Frauenbefreiung – Frauenbewegung (1966-1971), Ullstein: Frankfurt am Main / [West]berlin / Wien, 1981.

    -- zum sog. kulturellen Feminismus, der m.E. eine Variante des Differenzfeminismus ist:

    „Lynne Segal: Ist die Zukunft weiblich? Fischer Taschenbuch
    Der Wert dieses Buches ­ das sei vorausgeschickt ­ liegt im ersten Viertel von ca. 300 Seiten, das zu lesen jedoch ein Vergnügen ist. Sie arbeitet sehr gut die im Kern reaktionären Elemente des auch hierzulande populären kulturellen* Feminismus (bekannte Vertreterinnen sind z.B. Andrea Dworkin, Robin Morgan, Adrienne Rich) heraus und kritisiert ihn als biologistisch*, indem er die Unterschiede und Widersprüche zwischen den Geschlechtern auf ihren natürlichen Charakter, nicht aber auf ihre gesellschaftlichen und historischen Prämissen zurückführt. Die zentrale Kritik Segals besteht darin, daß diese dichotomische Weltsicht (der Mann ist von Natur aus böse, die Frau gut), mit ihren mythologischen und spiritistischen Reisen, die nur Frauen mit genügend Geld und Zeit teilen können, keinerlei Aussicht auf eine Veränderung oder gar Aufhebung patriarchaler Unterdrückung offenläßt (Rezension einer Mitdiskutantin).“
    (Quelle: http://www.nadir.org/nadir/initiativ/id-verlag/BuchTexte/DreiZuEins/DreiZuEinsViehmann.html)

    * Ich weiß nicht, wie diese – mich etwas verwirrende synonyme – Verwendung von „kulturell“ und „biologistisch“ zustandekam. TaP.

    -- dazu, wie Butler den Unterschied zwischen Differenz- und Gleichheitsfeminismus verschob:
    http://theoriealspraxis.blogsport.de/images/Eichhorn_Butler_Beute.pdf.

    -- Und eine knackige Zusammenfassung der Diskussionen der letzten 20 Jahre – keine Ahnung, ob es so etwas schon gibt.

    -- Und vielleicht ist das noch interessant (kenne aber nur die Rez.):
    http://schwule-seite.de/rezension_gisela_notz_feminismus.html.

    Was schlagen denn die anderen LeserInnen Bäumchen vor?

  3. 3 Bäumchen 06. Juni 2011 um 15:10 Uhr

    Das Thema Feminismus ist unter den linken Gruppen, die ich hier so kenne, so gut wie vergraben. Habe an einem Vortrag von Heinz-Jürgen Voss mit einer anderen Feministin darüber diskutiert, die mir dann eben vorschlug, auf einem von ihr und anderen selbstorganisierten Camp einen Vortrag über ,,Gender“ zu halten. Bin nicht für Gender, weil das so verdammt ausweichend wirkt und Feminismus wohl selbst unter der Linken als Thematik provoziert (weil hier auf die Schlagworte Antisexismus bzw. Gender zurückgegriffen wird und die ,,Frau“ damit verdrängt m.E. nach). Was ich will, ist begreiflich machen, warum es mehr als Gleichstellungspolitik benötigt (bzw. warum es gerade das vielleicht nicht braucht, wenn wir kapitalismuskritisch denken) und mehr als die (oft nicht vorhandene) antisexistische Haltung der meisten Linken. Und warum Frauen sich eben nicht darauf verlassen können, dass ihre Mackermännchen aus der Antifa bzw. anderen politischen Gruppen ihnen den Raum zum Mitmachen überlassen. Eben, was getan werden kann, um die Machtverhältnisse zu ändern, bevor wir jetzt so anfangen, so zu tun, als ob es Geschlechter doch gar nicht gäbe (und damit auch nicht damit einhergehende Probleme). Es kann sein, dass das, was ich schreibe, sehr unreflektiert wirkt (und auch ist), weil ich ja trotz allem Interesse noch wenig an Theoretischem weiß. Denke aber, dass gerade meine eigene Haltung als Lernende einen guten Vortrag möglich macht. Andererseits ist es schwierig, etwas normativ zu formulieren, nach dem Sinne: Das und das müssen wir tun, um das und das zu erreichen. Vielleicht wäre es deshalb sinnvoller, die Sache aus der historischen Perspektive zu betrachten.
    Ein Überblick über die Entwicklung der Frauenbewegung(en) ist deshalb gar nicht so schlecht. Allgemeiner könnte ich sagen: Ich will Feminismus einfach wieder zum Thema machen.

  4. 4 TaP 06. Juni 2011 um 19:33 Uhr

    1.

    „Bin nicht für Gender, weil das so verdammt ausweichend wirkt und Feminismus wohl selbst unter der Linken als Thematik provoziert (weil hier auf die Schlagworte Antisexismus bzw. Gender zurückgegriffen wird und die ‚Frau‘ damit verdrängt m.E. nach).“

    Ja, das sehe auch so – jedenfalls, soweit es um politische Parteilichkeit geht (soweit es dagegen um Analyse geht, von „gender studies“ [und nicht von „Feminismus“] zu sprechen, finde ich dagegen schon einsichtiger).

    2.

    „auf die Schlagworte Antisexismus bzw. Gender zurückgegriffen wird und die ‚Frau‘ damit verdrängt m.E. […]. Eben, was getan werden kann, um die Machtverhältnisse zu ändern, bevor wir jetzt so anfangen, so zu tun, als ob es Geschlechter doch gar nicht gäbe (und damit auch nicht damit einhergehende Probleme).“

    Ja, zu dieser voreiligen Aufgabe des Begriffs „Frau“ (oder jedenfalls – vorsichtiger – „Frauen“) zitiere ich immer wieder gerne Sabine Grimm und Cornelia Eichhorn:

    „Einstweilen hat die Dekonstruktion der Geschlechterkategorie die Diskussionen auf die unsinnige Frage gebracht: Gibt es die Frauen oder gibt es sie nicht?, während die sexistischen Gewaltverhältnisse weitgehend aus dem Blickfeld geraten sind. Als könnte das Zauberwort soziale Konstruktion die Herrschaftsverhältnisse auflösen und die Kategorie Frau überwinden, bevor die Frauen den alltäglichen Sexismus zurückgedrängt haben.“

    Auch Butler hat im übrigen ausdrücklich bejaht, daß weiterhin von Frauen als politischem Subjekt zu sprechen ist:

    „Die Kritik des Subjekts beinhaltete keine Verneinung oder Nicht-Anerkennung des Subjekts, sondern eher [s]eine Infragestellung […] als vorgegebene […] Grundlage […]. […] der konstituierte Charakter des Subjekts [stellt] gerade die Voraussetzung für seine Handlungsfähigkeit dar.“
    (in: Benhabib/Butler/Cornell/Fraser, Der Streit um Differenz. Feminismus und Postmoderne in der Gegenwart, Fischer: Frankfurt am Main, 1993, 31-58 [41, 44]).
    „Die Konstruktion des Subjekts als politisches Problem zu begreifen ist nicht dasselbe, wie das Subjekt einfach abzutun. Das Subjekt dekonstruieren heißt nicht, es zu verneinen oder zu verwerfen.“
    (ebd., 48).

    Ähnlich betont auch Sabine Hark:
    „die Erkenntnis, daß Identität nie stabil, sondern immer kontingent, instabil, […] ist, […] bedeutet nicht, auf Identität in der Politik zu verzichten, sondern das Verhältnis von Identität und Politik vom Kopf auf die Füße zu stellen.“
    [‚Jenseits‘ der Lesben Nation? Die Dezentrierung lesbisch-feministischer Identität, in: Verein Sozialwissenschaftliche Forschung für Frauen – SFBF – e.V. (Hg.), Zur Krise der Kategorien. Frau – Lesbe – Geschlecht (Materialienband 14), Frankfurt am Main, 89 – 112 (98)] -

    also vom Primat der Identität zum Primat der Politik (nicht zum Abschied von allen Identitäten hier und heute, jetzt und sofort).

    (Vgl. auch noch Landweer/Rumpf, in: Feministische Studien 2/1993, 6:
    „Nach den Ursachen für nivellierende Unterdrückung, Herrschaft, Zwang zu fragen, die Frauen qua Geschlecht treffen, und politische Handlungsmöglichkeiten gegen diese asymmetrische Geschlechterordnung zu formulieren, ist nicht gleichzusetzen mit der Annahme, daß alle Frauen auf gleiche Weise diese Geschlechterordnung erfahren.“)

    3.

    „Was ich will, ist begreiflich machen, warum es mehr als Gleichstellungspolitik benötigt“

    Ja, nach meinem Eindruck würde ich sagen: „Gleichstellung“ ist ein traditioneller SPD-Begriff und „Gleichberechtigung“ ein liberaler – aber Feminismus war immer schon etwas anderes (Rote Zora: „Die Schwierigkeiten fangen für uns da an, wo feministische Forderungen dazu benutzt werden, in dieser Gesellschaft ‚Gleichberechtigung‘ und Anerkennung zu fordern.“). Feminismus bedeutete wohl – statt Anstreben von Gleichheit im Bestehenden – Kampf, gegen das, was Männer machen, und gegen das, was Frauen machen sollen.
    Keine Ahnung, ob sich dieser Eindruck nach einer Archiv-Recherche erhärten ließe.
    Und im gleichen Sinne, würde ich sagen, sind heute gender mainstreaming, Geschlechterdemokratie und Geschlechtergerechtigkeit nicht feministisch.

    4.

    „Und warum Frauen sich eben nicht darauf verlassen können, dass ihre Mackermännchen aus der Antifa bzw. anderen politischen Gruppen ihnen den Raum zum Mitmachen überlassen.“

    Ingrid Strobl:
    „Frauen, die das Machtverhältnis zwischen Frauen und Männern bekämpfen, Frauen, die der patriarchalen Norm […] den Krieg erklären, Frauen, die die herrschenden Verhältnisse, die Herrschaft im wahren Sinne des Wortes radikal aufheben wollen, bedürfen nicht so sehr der männlichen Genossen, die sich für ihre Freunde halten, als der männlichen Genossen, die bereit sind, zum Feind des Mannes zu werden.“
    (http://www.sterneck.net/gender/strobel-freiheit/index.php).

    Rote Zora:
    „Wir wollen keine ‚linke‘ Arbeitsteilung nach dem Motto: die Frauen für die Frauenfragen, die Männer für allgemeine politische Themen.“ „die Frauenbewegung ist keine Teilbewegung wie die AKW-Bewegung oder der Häuserkampf“.
    (http://www.freilassung.de/div/texte/rz/zorn/Zorn50.htm)

    5.

    Überschrift?

    Wenn, denn die Veranstalterin unbedingt „gender“ haben will – wie wär’s denn vielleicht mit „‚gender‘ – Vom antibiologistischen Kampfbegriff des Feminismus zum post-feministischen Zuckerbrot für Männer“?

  5. 5 Bäumchen 09. Juni 2011 um 15:21 Uhr

    Vielen lieben Dank! Das klingt schon fast zu gut für mich, v.a. der Titel! Mal sehen, ob ich das in der kurzen Zeit noch hinkriege …
    Liebe Grüße

  6. 6 TaP 14. Juni 2011 um 11:43 Uhr

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