Archiv für Mai 2011

Mi., 22. Juni: Diskussionsveranstaltung zum Vorschlag der Gründung einer Neuen Antikapitalistischen Organisation

KLASSE & PARTEI
Der Beitrag der Sozialistischen Initiative Berlin-Schöneberg zur Gründung einer neuen antikapitalistischen Organisation ein Schritt voran?

22. Juni 2011 um 20 Uhr
MedienGalerie
Dudenstraße 10, 10965 Berlin

Nicht nur die klassenkämpferischen Blocks auf den diesjährigen 1. Mai-Demos sondern auch die alltäglichen Betriebs- und Stadtteilkämpfe sind ein Zeichen dafür, dass immer mehr politisch Aktive und von Lohnarbeit Abhängige erkennen, dass die ArbeiterInnenklasse ihre ökonomischen und politischen Interessen selbständig vertreten muss. Allerdings braucht eine selbständige proletarische Klassenpolitik, die den Kapitalismus aufheben will, sowohl eine zeitgenössische sozialemanzipatorische Programmatik als auch die dafür geeigneten organisatorischen Strukturen.

Ist der Beitrag der Sozialistischen Initiative Berlin-Schöneberg zur Gründung einer neuen antikapitalistischen Organisation ein tragfähiger Vorschlag, einen sozialemanzipatorischen Parteibildungsprozess anzuschieben? Sind für die Aufhebung des Kapitalismus die traditionellen Organisationsformen der ArbeiterInnenbewegung – Gewerkschaft und Partei, worauf die Schöneberger SozialistInnen focussieren – noch die angemessenen Organisationsformen in den spätkapitalistischen Metropolen?

Darüber werden Michael Schilwa von der Sozialistischen Initiative Berlin-Schöneberg und Karl-Heinz Schubert von der Trend Onlinezeitung – pro und contra – diskutieren. Michael Klockmann von der Berliner Initiative Grundeinkommen wird moderieren.

(Quelle: http://www.trend.infopartisan.net/trd0511/t640511.html – mit weiteren Texten zur Debatte)

Realismus statt „Revolutions“-Euphorie

„Wie ein Lauffeuer erfasste der Aufruhr der arbeits- und zukunftslosen Jugendlichen gegen die Vetternwirtschaft Bin Ali-Regime die Völker Tunesiens. Eine sich zu Beginn gegen Hunger, Arbeitslosigkeit und Elend richtende Rebellion, entwickelte sich sehr rasch zu einem Volksaufstand für Freiheit und Demokratie, zu einer revolutionären Erhebung zum Sturz des verhassten Unterdrücker-Regimes. […]. Als klar wurde, dass Bin Ali nicht zu halten war, sprangen Teile des bestehenden Systems, die Armee und die Bürokratie ab. Auch seine ‚Hauptsponsoren‘ Frankreich, Deutschland, Italien und USA ließen ihren, bis vor kurzem ‚vertrauenswürdigen‘, treuen ‚Verbündeten‘ und ‚Freund‘ wie eine heiße Kartoffel fallen. Sie schwenkten um. Ihre Geschäfte wollten sie nun mit den ‚neuen‘ Machthabern weiterführen. Plötzlich entdeckten sie, dass Tunesien seit vierzig Jahren von einem ‚fürchterlichen‘ und ‚autoritären‘ Diktator beherrscht wurde. Zudem war, so empörten sie sich, der Staat durch und durch korrupt! Diese imperialistischen Heuchler! […]
der bisherige Verlauf [ist] so, dass einige verhasste Vertreter des Regimes durch andere ersetzt werden. Aber das System der Ausbeutung und die Abhängigkeit vom Imperialismus bleiben bestehen. Es werden neue Koalitionen von Gruppen der alten Elite, und vor allem der ‚moderat islamischen‘ Opposition, die bisher von der Macht ausgeschlossen war geschmiedet. Das wird als Demokratisierung verkauft. Zwar werden einige formal bürgerlich demokratische Schritte unternommen, bzw. dahingehende Versprechungen gemacht, aber wirkliche Freiheit und Demokratie für das werktätige Volk gibt nicht. So sind die Revolutionen in Maghreb und in Arabien momentan abgebrochene, halbe Revolutionen.
[…]. Alle imperialistischen Mächte USA, EU, Kanada, China und Russland usw. machen sich diese Rebellionen der Völker zunutze. […]. Der bisherige Verlauf der Volksaufstände zeigt als wichtigsten Mangel der Bewegung das Fehlen einer kommunistischen Organisation und Führung. Die enorme Schwäche der kommunistischen Bewegung lässt den Imperialisten und ihren Helfershelfern Raum für ihre Manöver. […].
Wir Kommunisten sind Feinde des faschistischen Ghaddafi Regimes. Wir sind für die Zerschlagung dieses Regimes durch die volksdemokratische Revolution der Völker Libyens. Wir unterstützen mit all unseren Möglichkeiten ihren Kampf gegen das Ghaddafi Regime. Wir sind zugleich gegen jede Intervention der Imperialisten! Denn wir wissen, dass all die schön formulierten Ziele ‚Unterstützung der Demokratie und Freiheit‘, ‚Schutz der Zivilbevölkerung vor Massakern‘, ‚Menschenrechten‘ nichts als Lügen sind. Auch wenn viele Menschen im Osten Libyens heute in ihrer Verzweiflung in den Imperialisten ihre Retter und Schutzmacht sehen, ändert das nichts an dieser Tatsache. […]. In diesem Sinne rufen wir alle auf: Kämpft gegen die imperialistische Intervention und gegen den Krieg der Imperialisten in Libyen. Dies ist auch die beste Unterstützung des Kampfes der Völker Libyens gegen das faschistische Ghaddafi Regime. Wirkliche Befreiung wird nur durch die Revolution der Völker Libyens erreicht werden.“

(Flugblatt von Bolşevik Partizan [Nordkurdistan/Türkei] und TROTZ ALLEDEM! [Deutschland])

Ich würde meinerseits vorschlagen, noch deutlicher zwischen politischen Revolutionen und solchen, die auch die Produktionsverhältnisse erfassen, zu unterscheiden sowie dem – in dem Flugblatt verwendeten – abschätzigen Begriff von „formal“ widersprechen; auch der dort verwendete „Faschismus“-Begriff scheint mir diskussionsbedürftig.

Folien: Über die Probleme des juristischen Politisierens und der politizistischen Juristerei

Hier gibt es die Folien zum Vortrag von gestern; ein Mitschnitt der gesamten Veranstaltung wird demnächst von FSK Hamburg gesendet und danach bei den Freien Radios online zur Verfügung stehen.
Eine schriftlich ausformulierte und deutlich erweiterte Fassung mit tiptop und garantiert nicht geschummelten Fußnoten wird es demnächst – wahrscheinlich beim Einstellungsbündnis – ebenfalls online geben.

Meine bisherigen Stellungnahmen zum Thema:
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2010/03/20/probleme-der-solidaritaetsarbeit-und-der-rechtspolitik-oder-warum-guter-wille-allein-nicht-reicht/
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Wir dürfen uns wichtig fühlen

Wir – AutorIn und KommentatorInnen bei Theorie als Praxis sowie die Verfasser des diskussions-auslösenden Papiers Neue Antikapitalistische Organisation? Na endlich! – dürfen uns wichtig fühlen – findet medium:

Diskussion über Antidiskriminierungspolitik, revolutionärem Feminismus und Nebenwiderspruchs-Marxismus

Seit fast einm Jahr gibt es hier eine ziemlich kontinuierliche Diskussion mit Kommentatorin Zara über fünf Artikel hinweg zum Thema Antidiskriminierungspolitik, revolutionärer Feminsmus und Nebenwiderspruchs-Marxismus – hier ein Überblick:

Bombardiert das Hauptquartier der Philosophen-Könige (vom 27.06.2010 – 14 Kommentare)

Noch einmal zu den Rassismus-Vorwürfen gegen den Berliner CSD (vom 29.06.2010 – 25 Kommentare)

Intersektionalität und Gesellschaftstheorie (vom 03.07.2010 – 3 Kommentare)

Was ist „Geschmack“? (vom 06.11.2919 – 10 Kommentare)

Antikapitalistisch ist nicht revolutionär genug! (vom 15.05.2011 – bisher 11 Kommentare).

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Vgl. zum gleichen Thema auch noch dort:

Gegen den Strom (03.05.2011 – 6 Kommentare) die Fußnoten 5 bis 7

Zur Kritik des marxistisch-gegenstandpunklerischen Kleinredens von Sexismus und Patriarchat (11.10.2009 – 14 Kommentare)

Kurz und bündig: Zwei Einführungen in den Feminismus (17.10.2009 – 3 Kommentare).

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Siehe außerdem die in Fortsetzung befindliche Doku-Serie „Revolutionärer Feminismus“:

► frauen […] aus verschiedenen politischen bereichen, Zur Politik der Frauen aus dem Antirassistischen Zentrum und grundsätzliche Überlegungen zur antirassistischen Politik, aus: interim Nr. 184/185 v. 19.03.1992

Interview mit der Roten Zora, aus: Emma Juni 1984

Eine feministische Kritik, aus: interim Nr. 229, 25.02.1993, S. 23 – 27.

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Siehe schließlich die dort

http://theoriealspraxis.blogsport.de/andere/ in Abschnitt „A. Feminismus“ genannten, ebenfalls dokumentierten Texten

und hier allgemein

► die Kategorie queer & gender (mit bisher 79 Beiträgen).

Antikapitalistisch ist nicht revolutionär genug!

[Der folgende Text als .pdf-Datei]

Vor kurzem wurde an verschiedenen Stellen im Netz ein Papier eines Diskussionskreises um Michael Prütz (1, 2, 3, 4; vgl. 5) veröffentlicht – Titel: Neue Antikapitalistische Organisation? Na endlich! Worüber müssen wir uns verständigen und worüber nicht. Plädiert wird für eine „solidarische und kontroverse, ergebnisoffene und zielgerichtete Debatte“ zwischen „‚Marxismus’ und ‚Autonomie’, Links-Sozialisten / Links-Kommunisten und Bewegungslinke“. Veröffentlicht wurde der Text von den online-Zeitschriften trend, Linke Zeitung (wo es in den Kommentaren eine LeserIn-Diskussion zu dem Text gibt) sowie scharf-links (wo auch zwei daran anschließende Texte veröffentlicht wurden) und den blogs Rappelkiste (bei blogsport.de) und Rote Predigt (bei over-blogs, die zu dem social bookmark-Dienst wikio gehören) sowie auf der homepage der Sozialistischen Kooperation; Entdinglichung verlinkte den Text.
Diese paar Veröffentlichungsorte und Antworten sind zwar bei weitem nicht die Resonanz auf das Papier, die notwendig wäre, um jene Idee mehr als eine Idee sein zu lassen. Ich will mir aber trotzdem nicht zu schade dafür sein, fünf Anmerkungen zu dem Text zu machen. Denn die generelle Überzeugung, daß es einer linken Struktur bedarf, die programmatisch links von der Linkspartei (m.E. auch links von der Interventionistischen Linken [IL]) steht, die verbindlicher organisiert ist als die autonome Szene (und ebenfalls verbindlicher als die IL), aber im Gegensatz zu der Revolutionären Linken um die Zeitschrift radikal nicht klandestin organisiert, sondern in Demonstrationen, Veranstaltungen und Bündnissen auch persönlich (in Form von für sie einstehenden Mitgliedern) sicht- und ansprechbar ist, würde ich teilen. Was die inhaltliche Ausrichtung anbelangt, hört sich, „die eigenen revolutionären Positionen wieder mit ein wenig mehr Selbstbewusstsein zu vertreten“ (Hv. hinzugefügt), für meinen Geschmack allerdings noch zu zaghaft an. –
Hier also meine fünf Anmerkungen: (mehr…)

Noch eine Ankündigung für kommenden Mittwoch (18.5., Südblock)

„Veranstaltung zu Solidarität und Antirepressionsarbeit

18. Mai | 19.30 Uhr | Südblock | Admiralstraße 1-2 | U-Bhf. Kottbusser Tor | Berlin-Kreuzberg

Anlässlich der Buch-Neuerscheinung »Das zarte Pflänzchen der Solidarität gegossen« lädt das Berliner Einstellungsbündnis zu einer Podiumsdiskussion über Solidarität und Antirepressionsarbeit ein. An dem Gespräch nehmen teil:

· Philip Scheffner, Regisseur des Films »Der Tag des Spatzen«
· Detlef Georgia Schulze, Politolog_in und Rechtstheoretiker_in
· Vertreter des freien Radio FSK Hamburg
· Vertreter des Einstellungsbündnisses

Die Podiumsteilnehmer haben die Solidaritätsarbeit zu den §129(a)-Verfahren und dem Prozess wegen Mitgliedschaft in der militanten gruppe (mg) kritisch begleitet. Im gemeinsamen Gespräch werden sie sich über ihre verschiedenen Gründe für politisches Engagement und Solidarität austauschen sowie Stärken und Schwächen des Einstellungsbündnisses resümieren.

Veranstaltungstermin: Mittwoch 18. Mai 2011 | 19.30 Uhr
Südblock | Admiralstr. 1-2 | U-Bhf. Kottbusser Tor | Berlin-Kreuzberg

Die Veranstaltung findet anlässlich einer Buchveröffentlichung, in der die dreijährige Arbeit des Einstellungsbündnisses dokumentiert wird, statt:

»Das zarte Pflänzchen der Solidarität gegossen.
Zu den Verfahren und dem Prozess wegen Mitgliedschaft in der militanten gruppe (mg).«
Autor: Bündnis für die Einstellung der §129(a)-Verfahren.
ISBN 978-3-942885-00-3, edition assemblage, 86 Seiten, 4.80 Euro

Weitere Veranstaltungen finden am 4. Juni in Berlin und am 17. Juni 2011 in Münster statt.

Informationen: http://einstellung.so36.net/de/1815″

(Quelle: https://einstellung.so36.net/de/pm/1828)

Meine bisherigen Stellungnahmen zum Thema:
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2010/03/20/probleme-der-solidaritaetsarbeit-und-der-rechtspolitik-oder-warum-guter-wille-allein-nicht-reicht/

Was der FAZ auf einmal auffällt… – RAF-Prozesse in den 70ern

„In den siebziger Jahren, als die Anführer der RAF gefasst worden waren, wurde von Strafjuristen nach den Prinzipien des Rechtsrealismus gehandelt. Die Justiz sah sich als ein Mittel zur Herbeiführung eines politischen Zwecks: Die Terroristen sollten so schnell und so lange wie möglich hinter Gitter. Nur auf diese Weise könnten weitere Verbrechen verhindert werden, glaubte man (nebenbei sei erwähnt, dass das Gegenteil erreicht wurde). Die Prozesse sollten so kurz wie möglich dauern. Es gab aber oft keine ausreichenden Beweise, mit denen den einzelnen Angeklagten ihre individuellen Taten nachgewiesen werden konnten. Man schuf deshalb die umstrittene juristische Hilfskonstruktion mittelbarer Mittäterschaft, nach dem alten Sprichwort ‚mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen‘.“

(Quelle: http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E38B87317877C4CB49BA1584645629B3D~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

Bilanz der Arbeit des Einstellungsbündnisses

Mi., 18.5.; 19:30 h:

„Südblock (Admiralstr. 1-2): Podiumsveranstaltung
‚Das zarte Pflänzchen der Solidarität gießen‘. Podiumsveranstaltung zur Solidaritätsarbeit im §129(a)-Verfahren wegen Mitgliedschaft in der militanten gruppe (mg). Das Einstellungsbündnis hat sein Resümee in Buchform vorgelegt und lädt zu einer Veranstaltung in Berlin ein.
Nach drei Jahren Solidaritätsarbeit und der Verurteilung von Axel, Florian und Oliver wegen versuchter Brandstiftung an Bundeswehr-LKW im Berliner mg-Prozess legt das Einstellungsbündnis sein Resümee vor. Die Soli-Gruppe beschreibt unter anderem die verschiedenen Linien und Fallstricke der Soli-Arbeit, die Möglichkeiten und Schwierigkeiten, einen politischen Prozess zu führen und die Wahrnehmung durch die Linke und die Medien. Die Auswertung versteht sich als Handreichung für alle, die sich mit Repression auseinandersetzen, von ihr betroffen sind oder sein könnten.“

(Quelle: http://www.stressfaktor.squat.net/termine.php?tag=18052011)

Vorstellung des Resümee-Büchleins:
http://einstellung.so36.net/de/1815

PS.:
Die Admiralstraße geht in Südwest-Richtung vom Kottbusser Tor ab.

PPS.:
Ich bin auch eingeladen worden, etwas zu erzählen – und es wird auch etwas Neues gegenüber dem bisher schon Gesagten:
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2010/03/20/probleme-der-solidaritaetsarbeit-und-der-rechtspolitik-oder-warum-guter-wille-allein-nicht-reicht/
werden.

RUMMOTZEN stellt Fragen zur Feministischen Kritik

Rummotzen zitiert einige Absätze aus der Feministischen Kritik und wirft dann folgende Fragen auf:

„Wie stehen wir Frauen zur Gewalt?
Können wir eine neue Gewaltdebatte eröffnen?
Was heißt ,,Gewalt“ als Rebellion von unten, welche Konsequenzen würden wir ziehen?
Wenn die ,,Frau“ oder die ,,Klasse“ als solche,,abgeschafft“ wird und stattdessen der Mensch in seiner Subjektivität verbleibt und einen Einzelkampf führen muss, ist es eine Negierung aller Gewalt, die immernoch an dem Kollektiv der Frauen bzw. der Klasse geschieht?“

(http://baumderglueckseligkeit.blogsport.de/2011/04/28/eine-feministische-kritik-auszuege/)

Vgl. zu dem Thema auch meinen Text:
Gegen den Strom. Versuch einer Aktualisierung der „Feministische[n] Kritik“ von 1993.

Rassismus – „Vorurteil“ oder gesellschaftliche Struktur?

Bereits 1984 wandte sich Jenny Bourne unter der Überschrift „Für einen anti-rassistischen Feminismus“ gegen eine Konzeptionierung von Rassismus als Sammlung von „Vorurteilen“. Der Text wurde zunächst auf Englisch in London vom Institute of Race Relations veröffentlicht. Als – ungeheftete – Mini-Broschüre/Flugschrift (ohne Verlagsangabe und Erscheinungsort) wurde er wohl zunächst 1991 ins Deutsche übersetzt und verbreitet. Im Jahr darauf wurde er – zusammen mit einem weiteren Text der Verfasserin in das Buch From Resistance to Rebellion. Texte zur Rassismus-Diskussion (Schwarze Risse / Rote Straße: Berlin/Göttingen, 1992), das außerdem Texte von A. Sivanandan und Fiz Fekete enthält, aufgenommen. Das folgende Zitat dokumentiert mit geringfügigen Auslassungen den Abschnitt „Rassismus – ein individuelles Problem?“ (mehr…)

Heute (5.5.11; 17 h): queere Globalisierung & imperialen Begehrens

Offizielle Veranstaltungsankündigung mit nachfolgenden Anmerkungen von mir sowie einem Veranstaltungsbericht als Kommentar:

Donnerstag 5. Mai 2011 im Audimax der ASH Berlin; “Queer-Globalization”

Queer-Globalization

Zum Thema sprechen und diskutieren María do Mar Castro Varela und Jennifer Petzen.

Moderation: Koray Yilmaz-Günay (mehr…)

Vortrag Berlin: Mi., 4.5., 20 h – Abwertung reproduktiver Arbeit in der frühen SU

Zur Abwertung reproduktiver Arbeit und der Fortschreibung kapitalistischer Geschlechterarrangements in der Sowjetunion

Mit dem Namen der russischen Marxistin und Ministerin in der frühen Sowjetunion Alexandra Kollontai sind bedeutende der kurze frauenpolitische Aufbruch nach der Oktoberrevolution verbunden.
Die Liberalisierung des Scheidungsrechts, das Recht auf Abtreibung, die Einrichtung von Gemeinschaftsküchen, die die individuelle Hausarbeit ersetzen sollten, gehören zu den Elementen ihrer Politik.

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Am Roten Abend wird sich die Autorin und Kuratorin Felicita Reuschling mit den praktischen und theoretischen Interventionen von Kollontai kritisch untersuchen. Dabei setzt sie sich nicht nur mit Kollontais Bewertung der Hausarbeit als unproduktiv auseinander. Sie hinterfragt mit dem Begriff der produktive Arbeit eine zentrale Kategorien des Marxschen Denkens. Das schließt die Kritik der Arbeitswertlehre bei ein, wo Ausbeutungs- und Hierarchieverhältnisse nur bei bezahlter und damit auch quantifizierbarer Arbeit festgestellt werden können und damit eine nationalökonomische Perspektive reproduziert wird.
In einer Zeit, wo der Care-Sektor wächst, der nach dieser Definition zur unproduktiven Arbeit gezählt wird, ist eine solche Kritik besonders wichtig bei allen, die weiterhin an die Perspektive einer kommunistischen Vergesellschaftung festhalten.
Roter Abend: Mittwoch, 04. Mai 2011 ab 20 Uhr im Stadtteilladen Zielona Gora, Grünberger Str. 73, Berlin-Friedrichshain.“

Quelle: http://interkomm.so36.net/archiv/roterabend.php

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Gegen den Strom

Versuch einer Aktualisierung der „Feministische[n] Kritik“ von 1993

[Der folgende Text als .pdf-Datei]

Ich dokumentierte hier kürzlich eine „Feministische Kritik“ an der sog. Neuen Politik der RAF seit 1992, die schließlich in nichts anderes als den Zerfall des Gefangenen-Kollektivs und der Selbstauflösung der RAF mündete. Von Neuer Politik keine Spur. Kapitulation auf der einen Seite. Und Hilflosigkeit auf der anderen Seite des antiimperialistischen Spektrums.

(„Antiimperialistischer Widerstand“ oder kurz „Antiimps“ bedeutete im damaligen linken Sprachgebrauch noch nicht [oder jedenfalls nicht in erster Linie] – wie heute zumeist – Orientierung an reaktionären trikontinentalen Regimen und Bewegungen, sondern eine gewisse Affinität zum Versuch der RAF und anderer westeuropäischer Guerillagruppen eine „antiimperialistische Front in Westeuropa“ aufbauen.1 Ich kam mit dieser Szene 1989, während des letzten großen Hungerstreiks der Gefangenen aus der RAF in losen, distanzierten Kontakt, als sich diese Orientierung schon in einer, nun auch von den AkteurInnen selbst als solche erlebten Krise befand.)

Leserin Bäumchen postete zu dem dokumentierten Text von 1993 folgenden Kommentar:

„Vielen Dank! Die Zivilisationstheorie von Norbert Elias könnte erklären, warum mir der Text zu Anfang sehr unangenehm erschien; Gewalt ist verpönt heutzutage und monopolosiert, Zwänge internalisiert; der Mensch zivilisiert. Deswegen würde es mich interessieren, wie du zu diesem Text stehst und welche Schlüsse du daraus für dich oder für den Feminismus ziehst.

Liebe Grüße!“

Auch, wenn ich nicht in der Lage bin, das bekundete Interesse („wie du zu diesem Text stehst und welche Schlüsse du daraus für dich oder für den Feminismus ziehst“) wirklich systematisch zu beantworten, sprengt doch auch schon ein dahingehender Versuch jede vertretbare Kommentar-Länge, sodaß ich daraus hier einen neuen Beitrag mache. Aufgeworfen ist damit nicht weniger als die Frage nach den Perspektiven revolutionärer Politik und eines revolutionären Feminismus – und damit zunächst einmal das Problem, diese überhaupt – und sei es auch nur intellektuell – zu rekonstruieren.

I. Zur Hauptthese des Textes

Bäumchen schreibt, daß ihr der Text zunächst unangenehm erschien – und zwar vielleicht deshalb, weil dort Gewalt – anders als zumeist – nicht verpönt ist. In der Tat, die – unabhängig von der damaligen Diskussion über die RAF – grundlegende These des Textes lautet:

„in einer gesellschaft, in der weltweit frauen und mädchen aufgrund patriarchaler machtordnung unterdrückt werden, vergewaltigt werden, ihre gefühle, ihre kreativität, ihre körper, ihre phantasie, ihre lust, ihre arbeitskraft, ihre intelligenz, ihr wissen ausgebeutet werden, in der frauen eine unterstellte, eine kolonisierte soziale klasse sind, haben frauen individuell und kollektiv die berechtigung, mit jedem mittel gegen das system ihrer unterdrückung und gegen jeden einzelnen unterdrücker vorzugehen!“

Ich kann die Schwierigkeiten von Bäumchen mit dieser klaren Ansage verstehen, denn ich habe es meinerseits bisher nicht einmal bis zu einem Steinwurf auf einer Demo gebracht.2

Eine ernsthafte Diskussion über Gewalt zu führen, wie dies in der feministischen Kritik von 1993 gemacht wurde, setzt allerdings vieles voraus – vieles, was auch für diejenigen an linker und feministischer Politik Beteiligten wichtig ist, die nicht gerne Steine werfen, Mollis basteln oder mit Kalaschnikows raumlaufen.

Der Text von 1993 artikulierte noch eine Einsicht, die heute selbst viele, die ab und an mal bei Demos Steine schmeißen, nicht mehr haben (und die sich statt dessen auf Kindereien wie, „Die Bullen haben doch aber zuerst angefangen.“, stützen) – nämlich die Einsicht, daß ‚wir’ (ich weiß, dieses ‚wir’ existiert heute nicht; und es existierte auch 1993 nicht wirklich) irgendwann diejenigen sein müssen, die ‚anfangen’ müßten, wenn es uns denn die Bullen nicht abnehmen würden. Revolutionäre Politik ist nicht nur Selbstverteidigung; wir müssen mit dem Rücken von der Wand wegkommen, gegen die uns der staatliche, massenmediale und auch von vielen Linken mit einem undifferenzierten und extensiven Gewalt-‚Begriff’ betriebene (Anti-)Gewalt-Diskurs drängt – das ist die These der Feministischen Kritik:

„feminismus ist nicht nur selbstverteidigung mit dem rücken zur wand und dem grauen im herzen. feminismus ist nicht allein der gesellschaftliche rückzug in frauengemeinschaften. das empören gegen ungerechtigkeit, die wut im bauch, die theorie von unterdrückung und veränderung. feminismus ist mehr als die reaktion auf politische umstände oder materielle bedingungen. feminismus ist das bewußtsein, nicht nur von ursachen der unterdrückung, sondern auch von bedingungen, notwendigkeiten, möglichkeiten der veränderung.“

Entsprechend war auch Karl Marx der Ansicht:

„Die Gewalt ist der Geburtshelfer jeder alten Gesellschaft, die mit einer neuen schwanger geht.“ (Das Kapital. Bd. 1, 24. Kap., 6. Genesis des industriellen Kapitalisten; MEW 23, 779).

Und Mao Tse-Tung sagte:

„Für alles Reaktionäre gilt, daß es nicht fällt, wenn man es nicht niederschlägt.“ (Ausgewählte Werke. Bd. IV, 7-23 [17]).

II. Zum damaligen politischen Kontext und den Verschiebungen, die bis heute eingetreten sind

1. Im Kontext der vorgenannten, in den 70er- und 80er-Jahren auch von vielen Feministinnen geteilten Ansicht, gab es auch Anfang der 1990er Jahre noch ganz andere feministische Strukturen als heute. (mehr…)